Michael Klonovsky: “Der Held. Ein Nachruf”

von Undine Rathenow

In sechs bündigen, zum größten Teil furios geschriebenen Kapiteln spürt Focus-Redakteur Michael Klonovsky einer fast ausgestorbenen, sicher aber in unseren Breiten auf der Roten Liste stehenden Spezies nach: dem Helden (Der Held. Ein Nachruf, München: Diederichs 2011). »Im Zeitalter der Talkshows, der Partnerschaftsprobleme, der Reiserücktrittsversicherungen« usw. habe der Held nichts verloren.

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Ein Held rad­le nicht behelmt durch die Fuß­gän­ger­zo­ne, kra­kee­le nicht per vir­tu­el­lem Alter ego durchs Netz und frö­ne kei­nem wie auch immer gear­te­ten Life­style. Nein, er hal­te »sei­ne Gene für prä­de­sti­niert, das Aben­teu­er der Evo­lu­ti­on auch fort­an zu bestehen«, er »wür­de sei­ne Frau, sei­ne Fami­lie, sein Land und sei­ne Ehre ver­tei­di­gen, ohne auch nur einen Lid­schlag lang an sei­ne Gesund­heit und sein beruf­li­ches Fort­kom­men zu den­ken«, und »sei­ne Über­zeu­gun­gen nicht davon abhän­gig machen, ob sie mehr­heits­fä­hig sind, und auch noch dem Aga­mem­non sei­ne Mei­nung sagen.«

Ver­mut­lich hat sich der Held als Mann der Tat auch sel­ten mit dif­fe­ren­zier­ten Betrach­tun­gen der jewei­li­gen Sach­la­ge her­um­ge­schla­gen, er war und wirk­te als Mann der kla­ren Kate­go­rien. Jeden­falls das läßt sich auch von Klo­n­ovs­kys Nekro­log sagen: Sei­ne Wer­tun­gen glei­chen Fall­bei­len, wenn­gleich der Autor einen schöp­fe­ri­schen Sprach­duk­tus von Karl Krausscher Manier pflegt. Die Zeit­ge­nos­sen­schaft in einem Land, wo von Hel­den kei­ne Spur ist, statt des­sen hei­mat­lo­se, Well­ness-ori­en­tier­te und ernäh­rungs­be­wuß­te Krea­tu­ren (»Schrumpf­män­ner«) frei von ver­zeh­ren­den Lei­den­schaf­ten die Sze­ne­rie prä­gen, muß frei­lich nicht bedeu­ten, daß es sich um ein glück­lo­ses Dasein han­de­le. »Je fei­ger, des­to glück­li­cher«, auf die­se For­mel mag Klo­n­ovs­ky sich ein­las­sen, wenn auch mit Vorbehalt.

Das Selbst­wert­ge­fühl, das eige­ne wie das kol­lek­ti­ve, lei­det, wo Hel­den­man­gel akut wird. Einen mar­kan­ten Unter­schied zwi­schen heroi­schen Völ­kern und Typen und a- oder viel­mehr anti­his­to­ri­schen Gesell­schaf­ten (wo das Dik­tum »den Hel­den spie­len« zur nega­tiv kon­no­tier­ten Spruch­rei­fe gelangt ist) macht der Autor in der unter­schied­li­chen Wert­schät­zung von indi­vi­du­el­lem »Leben« und »Wür­de« aus. Hier und jetzt steht das rei­ne Dasein in höchs­tem Kurs, wohin­ge­gen die Wür­de oft genug frag­los geop­fert wird. »Mag der deut­sche Mann inzwi­schen hin­rei­chend domes­ti­ziert sein, daß er die­sen Preis zah­len wür­de, so dürf­te dies für mas­ku­li­ne Zuwan­de­rer aus vita­le­ren Kul­tur­krei­sen so schnell nicht zutreffen.«

Ein Kapi­tel ist der »spe­zi­fisch deut­schen Hel­den­pho­bie« gewid­met. Eine Kul­tur, in der Hel­den­tum weder gefragt noch vor­han­den ist und die über­dies schon »gro­ße Män­ner« skep­tisch beäugt, akzep­tiert For­men des Wider­stands nur, wenn sie links oder weib­lich sind. Das ist ideo­lo­gisch und mög­li­cher­wei­se dumm. Klo­n­ovs­kys Herz hin­ge­gen schlägt auf dem rech­ten Fleck: »Ich ver­mag kei­nen Unter­schied zu erken­nen, der es recht­fer­tig­te, daß Lieb­knecht, Luxem­burg und Che Gue­va­ra erin­ne­rungs­wür­di­ge Per­so­nen sein sol­len und Schla­ge­ter nicht.«

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