Sezession
31. August 2011

Michael Klonovsky: „Der Held. Ein Nachruf“

Gastbeitrag

von Undine Rathenow

In sechs bündigen, zum größten Teil furios geschriebenen Kapiteln spürt Focus-Redakteur Michael Klonovsky einer fast ausgestorbenen, sicher aber in unseren Breiten auf der Roten Liste stehenden Spezies nach: dem Helden (Der Held. Ein Nachruf, München: Diederichs 2011, hier einsehen und bestellen). »Im Zeitalter der Talkshows, der Partnerschaftsprobleme, der Reiserücktrittsversicherungen« usw. habe der Held nichts verloren. Ein Held radle nicht behelmt durch die Fußgängerzone, krakeele nicht per virtuellem Alter ego durchs Netz und fröne keinem wie auch immer gearteten Lifestyle. Nein, er halte »seine Gene für prädestiniert, das Abenteuer der Evolution auch fortan zu bestehen«, er »würde seine Frau, seine Familie, sein Land und seine Ehre verteidigen, ohne auch nur einen Lidschlag lang an seine Gesundheit und sein berufliches Fortkommen zu denken«, und »seine Überzeugungen nicht davon abhängig machen, ob sie mehrheitsfähig sind, und auch noch dem Agamemnon seine Meinung sagen.«

Vermutlich hat sich der Held als Mann der Tat auch selten mit differenzierten Betrachtungen der jeweiligen Sachlage herumgeschlagen, er war und wirkte als Mann der klaren Kategorien. Jedenfalls das läßt sich auch von Klonovskys Nekrolog sagen: Seine Wertungen gleichen Fallbeilen, wenngleich der Autor einen schöpferischen Sprachduktus von Karl Krausscher Manier pflegt. Die Zeitgenossenschaft in einem Land, wo von Helden keine Spur ist, statt dessen heimatlose, Wellness-orientierte und ernährungsbewußte Kreaturen (»Schrumpfmänner«) frei von verzehrenden Leidenschaften die Szenerie prägen, muß freilich nicht bedeuten, daß es sich um ein glückloses Dasein handele. »Je feiger, desto glücklicher«, auf diese Formel mag Klonovsky sich einlassen, wenn auch mit Vorbehalt.

Das Selbstwertgefühl, das eigene wie das kollektive, leidet, wo Heldenmangel akut wird. Einen markanten Unterschied zwischen heroischen Völkern und Typen und a- oder vielmehr antihistorischen Gesellschaften (wo das Diktum »den Helden spielen« zur negativ konnotierten Spruchreife gelangt ist) macht der Autor in der unterschiedlichen Wertschätzung von individuellem »Leben« und »Würde« aus. Hier und jetzt steht das reine Dasein in höchstem Kurs, wohingegen die Würde oft genug fraglos geopfert wird. »Mag der deutsche Mann inzwischen hinreichend domestiziert sein, daß er diesen Preis zahlen würde, so dürfte dies für maskuline Zuwanderer aus vitaleren Kulturkreisen so schnell nicht zutreffen.«

Ein Kapitel ist der »spezifisch deutschen Heldenphobie« gewidmet. Eine Kultur, in der Heldentum weder gefragt noch vorhanden ist und die überdies schon »große Männer« skeptisch beäugt, akzeptiert Formen des Widerstands nur, wenn sie links oder weiblich sind. Das ist ideologisch und möglicherweise dumm. Klonovskys Herz hingegen schlägt auf dem rechten Fleck: »Ich vermag keinen Unterschied zu erkennen, der es rechtfertigte, daß Liebknecht, Luxemburg und Che Guevara erinnerungswürdige Personen sein sollen und Schlageter nicht.«

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