Sezession
25. Oktober 2011

Um es einmal ganz offen zu sagen:

Götz Kubitschek / 52 Kommentare

Ich kann - auch nach der zwanzigsten, dringenden Aufforderung, von seiten der Sezession endlich ein Wort zum Euro-Rettungsfond zu sagen - mich nicht äußern zu Dingen, von denen ich nicht viel verstehe und deren Dimension und Folgenschwere meine Vorstellungskraft übersteigen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Im Frühsommer hörte ich einen Radiobeitrag über die "Oper Oder Spree". Dort wurde in dieser Saison die selten gespielte Oper "Angiolina" von Antonio Salieri inszeniert, das Gesamtbudget betrug 180 000 Euro. Vom Land Brandenburg kamen 43 000 Euro. Ich zitiere aus dem Radiobeitrag:

Da das Festival Oper Oder-Spree natürlich kein festes Orchester hat, engagiert man sich eins. Seit Beginn kooperiert man daher mit bulgarischen Orchestern. Ein deutsches Ensemble wäre schlicht zu teuer. Dieses Jahr sind die Philharmoniker aus dem bulgarischen Plovdiv angereist, das derzeit ohne festen Spielort ist, da dort das Opernhaus abgebrannt ist. Die Sänger wurden im Rahmen eines Wettbewerbs aus 130 Bewerbern ausgewählt und kommen größtenteils aus Osteuropa. Sie spielen für eine Gage von rund 1000 Euro - für alle Aufführungen.

Dies sind Zahlen, mit denen ich etwas anfangen, die ich einordnen kann. Die musikalischen Spitzenkräfte aus Osteuropa leben dabei wie in einem Ferienlager, sie kochen zusammen, musizieren, improvisieren, um für 1000 Euro drei Wochen lang Aufführungen zu geben. Aber alles bleibt eine Art kulturelles Himmelfahrtskommando:

Denn fällt einer der Sänger aus, gibt es keinen Ersatz und man hätte Schulden. In dieser Hinsicht scheint es geradezu unerschrocken, wie die Veranstalter in Neuzelle das Genre Oper versuchen am Leben zu halten - im sogenannten "Kulturland" Brandenburg, das sich bis auf eine Ausnahme aller Dreisparten-Theater entledigt hat. Und dessen Kulturetat nicht mal ein Prozent des Landeshaushalts ausmacht.

Gibt es eigentlich einen Oper-Rettungsfond? Was würde ein Ersatz-Sänger kosten, damit die Aufführungen nicht ins Wasser fallen müssen? 2500 Euro? Das alles ist so peinlich, so grotesk, so jenseits jeder Würde einer Kulturnation, so unter allem Niveau für ein Land, das vor Geld kaum gehen kann.

Wie - bitte! - soll ich nun die Zahl einordnen, die gestern ventiliert wurde: diesen "gehebelten" Betrag von einer Billion Euro? Es ist dies eine Summe, in der ein Betrag von 180 000 Euro das Schwarze unter den Fingernägeln ist. Der deutsche Risikoanteil inklusive Zinsen undsofort von rund 400 Millarden Euro liegt auf der Höhe des Jahreshaushalts unserer Nation. Ich kann mir nicht vorstellen, daß wir in dieser Höhe eines Tages tatsächlich bürgen sollten. Es muß sich um Kulissenschiebereien handeln, um willkürlich bedrucktes Papier: Die Vernichtung des deutschen Volksvermögens wäre so gigantisch, daß - sollten wir noch einmal davonkommen - jedes einzelne Kaff sich mit osteuropäischen Musikern eine Operninszenierung in die Kneipe holen könnte, zur Feier des Tages.

Mehr kann ich zu diesem Irrsinn nicht beisteuern.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (52)

patzer
25. Oktober 2011 11:21

Geht mir ähnlich. Deshalb beschloss ich,einem Ökonomen zu trauen, dessen Ausführungen mir bisher logisch erschienen. Das ist in meinem Fall Professor Sinn. Kann richtig sein,muss aber nicht!

Mit verwirrten Grüßen: patzer

Gregor Burchardt
25. Oktober 2011 12:05

Danke für diesen Beitrag! Endlich gibt einmal jemand zu, dass er eine Sache nicht beurteilen kann. Ein kleines Stück dieser Bescheidenheit und Demut stünde, übrigens in vielen Zusammenhängen, den meisten Menschen gut zu Gesicht, die eben dasselbe in jede Kamera halten.

In der Tat sind die genannten Summen unglaublich, unvorstellbar. Aber in 2-3 Monaten vielleicht auch nur noch Peanuts.

Glück auf!

Zentralwerkstatt
25. Oktober 2011 12:24

Ich nehme das auch nur surreal wahr. Das sind Summen, die sich jeder Lebenswirklichkeit entziehen. Ich denke, wir zahlen einfach nicht, falls irgendjemand es "vom deutschen Volk" fordern sollte.

Wir wissen doch, wer Hebel und anderen finanzökonomischen Schabernak mit dem Verweis, daß man für Europa "Opfer bringen müsse", auf den Weg gebracht hat. Die haften erst einmal. Und die, die braven Bürgern, die im alternativlosen Liedchen miteinstimmten, auch, ich kenne da auch Leute aus meinem Umfeld.

Ansonsten bin ich bei den Vorgängen an das angebliche Zitat des Goebbels-Darstellers im Film "Der Untergang" erinnert, wenn ich höre, daß der Bundestag (der ja im BRDemokratur-Glaubensbekenntnis als Demokratie-Repräservativ nachgebetet werden muß), noch einmal zustimmen,... ääähhh... abstimmen soll. Wie denn das angebliche Zitat nun lautet? "Das Volk hat uns selbst gewählt. Nun wird ihm eben das Hälschen durchgeschnitten." ...

Andreas Lehmann
25. Oktober 2011 12:43

Die Ökonomen der österreichischen Schule für Nationalökonomie waren mit ihren Mitteln der Analyse in der Lage, sowohl die jetzige, als auch die Weltwirtschaftskrise zu Anfang des 20. Jahrhunderts bereits Jahre früher vorherzusagen. Der Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus wurde von Ludwig von Mises auf ein Jahrzehnt genau vorhergesagt, nämlich hinsichtlich eines Zeitpunktes der beinahe vollständigen Vernichtung von Kapitalien durch das nicht funktionierende, planwirtschaftliche System!

Sie setzen seit Jahr und Tag an dem Urpunkt der Krise an, den andere ökonomische Schulen oder Einzelvertreter aus Gründen von Ignoranz übersehen oder aus Opportunismus verschweigen: der Entkoppelung des Geldes von seinem Eintauschgut, also in der Regel des Edelmetalls.

Staatliche Zentralbanken, und damit letzlich die politischen Akteure, haben somit mehr Geld zur Verfügung, als eigentlich in Form von echten Werten in ihrem Besitz sind. Wo beispielsweise früher 1 Tonne Gold 10.000 Eintauschscheinen vulgo "Geld" entsprach (und auch tatsächlich bei den Banken in hartes Gold eingetauscht werden konnte), können nun beliebig mehr Scheine auf den Markt geworfen werden. Das Geld wird weniger wert, wird inflationiert. Ein ebenso simpler wie schamloser Betrug und Diebstahl. Eine solche Geldmengenausweitung wirkt durch die Entwertung des Geldes wie eine zusätzliche, und erst auf lange Sicht wahrnehmbare Steuer. Sie hat den Vorteil das sie in der Regel keinen aufmüpfigen Volksmassen erzeugt. Daher wird diese Urmöglichkeit staatlichen Betruges auch so vehement verschleiert.

Private Grossbanken profitieren von der Ausschüttung zusätzlichen Geldes, weil zu dem Zeitpunkt, an welchem sie das neue Geld von der staatlichen Zentralbank erhalten, und an kleinere Banken oder Endkunden weiterleiten, im Markt noch kein Wissen um diese Steigerung der Geldmenge herrscht. Obwohl also die gesamte verfügbare Geldmenge bereits um einen Prozentsatz x erhöht, und damit stärker entwertet wurde, steht der Grossbank zum Zeitpunkt der Weiterleitung das neue Geld noch zum alten Einzelwert zur Verfügung. Darüber hinaus ist natürlich staatliche Niedrigzinspolitik generell interessant für Grossbanken, da dies in gewissem Sinne ebenfalls eine Machtausweitung der Grossbanken bedeutet, und u.a. zu relativ gesehen deutlich niedrigeren Risiken, zur Finanzierung gewünschter politischer Vorhaben genutzt werden kann.

Letztendlich spielt es keine grosse Rolle, um es sich um ein System staatlich gelenkter Zentralbanken wie in Europa handelt, oder um eine formal staatliche Zentralbank wie die Federal Reserve in den USA, die aber de facto von einigen Grossbanken in privater Hand gelenkt wird. Hier wie dort sind letzendlich beide Gruppen beteiligt. Der "starke" Schweizer Franken ist nicht stark, er ist lediglich weniger schwach als seine Konkurrenten. Auch er hat in den letzten 70 Jahren circa 100% seiner Kaufkraft verloren.

Wo im englischen Empire über 200-300 Jahre lang das Geld praktisch inflationsfrei bleiben konnte, ist der Euro bereits nach lächerlichen 15 Jahren am Ende. Wo die deutschen Kaisserreiche bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges keine höhere Staatsquote als 14% hatten, liegt die BRD bereits heute, bei 45% bzw. 65% Besteuerung (aktive, aktive&inaktive Steuern)! Ein unvorstellbarer Verfall.

Der Anspruch des Staates als alleiniger Akteur Geld zur Verfügung stellen zu dürfen, ist das Eine. Es verhindert "nur" den Wettbewerb, welcher Produkte in jedem Fall nie schlechter und nie teurer machen kann, vielleicht sogar besser und/oder günstiger. Folgt darauf auch noch die schleichende Entwertung des Geldes, ist irgendwann und unweigerlich der totale Kapitalverlust seiner Bürger, der Zusammenbruch seiner kulturellen Instutionen und der Verlust seines Renommees die Folge! Die ökonomischen Gedanken der österreichischen Schule sollten daher auch die Gedanken der Konservativen sein. Nicht nur zum Wohle des Individuums, sondern gerade auch zum Gedeih von Volk, Staat und Kultur.

Andreas Lehmann
25. Oktober 2011 12:52

Dieses wertlose Papiergeld, genauer gesagt hat es denn Wert des verwendeten Papieres, wird im englischen bezeichnenderweise FIAT-Money genannt. Fiat lux - es werde Licht, Fiat Geld - es werde Geld! Besser kann man diesen Hokuspokus nicht veranschaulichen.

Alles und jeder wird durch diesen Betrug korrumpiert. Der Staat, die privaten Banken, und auch die sonstigen Unternehmen und Bürger. Letztere profitieren scheinbar durch das Mehr an verfügbarem Geld, erhalten staatliche Bestechungsgelder, genannt Subvention, wo eigentlich gar kein Geld zur Verfügung stehen würde.

Ein Verfall des Geldes ist auch immer ein Verfall der Moral, und man sollte daher das künstliche Geld grundsätzlich ablehnen.

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 12:56

Deutschland haftet für die Schulden anderer Staaten. Was ist daran schwer zu verstehen ?

antwort kubitschek:
gut, das habe selbst ich verstanden. jedoch: warum? was wäre, wenn wirs nicht täten? kämen wir teurer oder billiger davon, kämen wir überhaupt davon? und: kommt nicht der export-überschuß nun zurück wie ein bumerang, wie ein schwarzes loch? was ist dieses geld, für das wir bürgen, wert? wo bleibt es? wo materialisiert es sich? oder materialisisert es sich nirgends mehr, hat also so recht eigentich keinen gegenwert? und: warum gibt es keinen aufstand gegen diese umverteilung des deutschen volksvermögens in andere länder?

Toni Roidl
25. Oktober 2011 13:28

Ich habe die Garage voll Brennholz und Benzin und den Keller voller Zigaretten und Schnaps als Tauschware. Angst habe ich nur vor einer staatlichen Zwangshypothek. Ich verstehe genauso wenig davon wie der Herr Kubitschek, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir unrasiert davonkommen...

blixa
25. Oktober 2011 13:42

Auch wenn die Summen unvorstellbar sind, so ist der zugrundeliegende politische Sachverhalt m.E. relativ einfach zu durchschauen:

Die Politik ist bereit, in ihrem Europawahn deutsches Staatsvermögen in unvorstellbarem Ausmaß zugunsten anderer Länder zu verpfänden. Und das auch noch mit dem Ziel, die aktuelle Krise zum Marsch in einen europäischen Einheitsstaat zu nutzen, in dem wir keine deutschen Bürger, sondern unserer demokratischen Mitbestimmungsrechte beraubte Untertanen der EU sind.

Umso fataler wäre es, dieses Thema den anderen zu überlassen. Die Linke (Attac etc) ist schon dabei, das latente Unbehagen auf ihre Mühlen zu lenken (die Banken und der böse Finanzkapitalismus sind schuld etc.) und so auch noch den Unmut von den eigentlich verantwortlichen Politikern abzulenken (was denen natürlich äußerst willkommen ist). Wenn wir dieses Thema verschlafen, haben wir es nicht anders verdient, als weiterhin in der politischen Irrelevanz zu schmoren.

niekisch
25. Oktober 2011 13:48

Ich trage keinen Hut, Herr Kubitschek, aber ich ziehe ihn angesichts Ihrer Ehrlichkeit.

Geschieht Vergleichbares nicht in der "Krise"? Es wird ein "Rettungsschirm" aufgespannt, der nicht wirklich vorhanden ist und ein Hebel eingesetzt, der nicht zu spannen ist.

Gibt es nicht das Wort: "Nur ein Gott kann uns noch retten"? Mammon wird es nicht sein.

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 13:59

' warum? '

Weil Herr Obama es so will.

'kämen wir teurer oder billiger davon'

Es ist immer umso billiger je weniger Schulden man zu begleichen hat.

'kommt nicht der export-überschuß nun zurück'

Das versteh ich nicht.
Wenn man kein Geld für verkaufte Waren bekommt braucht man sie auch nicht zu verkaufen. Für den konkreten Verkäufer ist es natürlich gleichgültig von wem das Geld kommt – volkswirtschaftlich ist es aber ein Schaden, weil das Volk als Staat nun um den Sachwert der gelieferten aber nicht bezahlten Ware ärmer ist.

was ist dieses geld wert ? wo bleibt es ?

Bei den Gläubigern. Also Banken, Pensionsfonds etc.

hat also . . . keinen gegenwert?

Doch hat es. Die Gläubiger können mit diesem Geld Sachwerte kaufen, also z.B. Aktien deutscher Unternehmen oder Grundstücke, Rohstoffe etc. (die andernfalls vom deutschen Staat zugunsten des eigenen Volkes hätten erworben werden können)

‚warum gibt es keinen aufstand’

Weil sich die internationale ‚Finanzindustrie’ die griechische Maske aufgesetzt hat und so die Hilfsbereitschaft der gutmütigen Deutschen ausnutzt. Selbstverständlich unterstützt von der BRD-Medien’elite’ die auf diesem Wege ihr ideologisches Europaprojekt durchzudrücken hofft.

‚kämen wir überhaupt davon ?’

Das ist die Gretchenfrage.
Die einzige akzeptable Entschuldigung für das Merkelregime wäre, daß nur durch diese Geldgeschenke eine akute militärische Drohung der USA abgewendet werden konnte.

Raskolnikow
25. Oktober 2011 14:31

Das Beruhigende,

an diesem ganzen Zinnober ist jedoch, dass auch die Ökonomen davon nichts verstehen. Wie sagte Enzensberger (sinngemäß): Keine ihrer Vorhersagen trifft ein, aber sie sind trotzdem frei von Selbstzweifeln. Ich persönlich habe beschlossen, die Ökonomie genauso zu behandeln wie die Meteorologie - als Pseudo-Wissenschaft.

R.

Gerhard Lippert
25. Oktober 2011 15:04

Herr Kubitschek, Sie schreiben: "kommt nicht der export-überschuß nun zurück wie ein bumerang, wie ein schwarzes loch?" Damit haben Sie mehr verstanden, als Sie vielleicht glauben. Sie treffen ins Schwarze. Deutschland hat jährliche (!) Exportüberschüsse von rund 150 Milliarden Euro. Wo gehen sie hin? In die von der Pleite betroffenen europäischen Länder. Denn diese können sich ihre Importüberschüsse nur durch Kredit leisten. Woher kommt das Kreditgeld? Aus Deutschland. Denn wir Deutsche sparen unheimlich viel Geld.

In einer geschlossenen Volkswirtschaft gilt: Ersparnisse (Vermögen)=Kreditgeld(Schulden). In Deutschland sind aber die Vermögen höher als die Schulden - ein beträchtlicher Teil der Schulden haben, wie gesagt, die sog. PIGS-Länder. Damit haben sie dann unsere Exportgüter gekauft. Aber die Länder haben damit keine wettbewerbsfähige Exportwirtschaft aufbauen können, die Güter sind verkonsumiert worden. Also kommt nichts zurück. Der Kredit, damit ein Teil unserer Ersparnisse, muss abgeschrieben werden! Wir haben umsonst exportiert!

Es ist also purer Schwachsinn, wenn Medien und Politik ständig über unsere Exportüberschüsse jubeln. Damit werden wir zu einem riesigen Gläubiger. Warum sollte man mehr exportieren als importieren? Doch wohl nur, wenn wir dadurch in Zukunft mehr importieren als exportieren können. Zu dumm, wenn wir die Überschüsse, die faktisch eine Auslandsersparnis sind, in Länder transportieren, die in Zukunft selbst keine Überschüsse leisten können oder wollen.

Das ist das eigentliche realwirtschaftliche Kernproblem. Wie ich finde, ein gar nicht kompliziertes, aber den wenigsten Menschen ist es bewusst. Jahrelange Exportpropaganda und die Angst vor großen Zahlen sind zwei Gründe dafür.

derherold
25. Oktober 2011 15:20

"dass auch die Ökonomen davon nichts verstehen"

Das ist ein Irrglaube.
Ich will nicht zu weit ausholen und darlegen, wohin sich die "moderne VWL" (der letzten 10 Jahre) entwickelt hat aber der old-school-Nationalökonom weiß exakt, was sich abspielt ...
... daß Spargel_online, etc. idR die üblichen Verdächtigen präsentieren, darf darüber nicht hinwegtäuschen.

Dieses Desaster ist nicht von "den" Ökonomen gemacht, fehlinterpretiert oder verschlimmert worden, daß ist einzig und allein eine Nummer unserer neuen Nomenklatur aus Polit- und Medieneliten.

"die Gläubiger können mit diesem Geld ... z.B. Aktien deutscher Unternehmen oder Grundstücke, Rohstoffe etc. "

Das ist - mit Verlaub - eine etwas naive Vorstellung.
Es gibt keine(n) "Kauf" oder "Übertragung" oder "Privatisierung", die nicht "morgen" wieder aus dem Lauf einer AK47 wieder rückgängig gemacht werden könnte.
DAS ist die Angst der "Reichen" ... wie man bei Schumpeter, G. Reimann oder auch Manfred Lauermann nachlesen könnte.

Es wird aller Voraussicht nach so ablaufen:
Inflation
Währungsreform mit
Auslöschung aller finanziellen Vermögenswerte, inkl. LV´s und
Sicherungshypotheken.

Erheiternd war doch, daß noch vor wenigen Wochen politischerseits erklärt wurde, es gäbe kein "Hebelung". :))

Machen Sie sich da keine Illusionen: Es geht bis zur letzten Patrone !
D.h., erst der oben skizzierte Zusammenbruch der Währung wird den Ablauf aus immer neuen "Rettungspaketen" beenden.

P.S. Halten Sie sich bitte vor Augen, daß im Mai/Juni des vergangenen Jahres die Gleichen zum Kauf griech. Staatspapiere aufgerufen haben, die heute "Spekulant an die Wand" fordern. ;)

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 15:30

@ Gerhard Lippert
'Woher kommt das Kreditgeld? Aus Deutschland.'

Eben nicht, sondern zum größten Teil von Banken der westalliierten Siegermächte des 2. WK.

Das ist ja gerade der Witz dabei, daß nicht jeder Staat seine eigenen Banken stützt, sondern mit der Mischmasch Lösung die Deutschen zur Stützung der ausländischen Banken herangezogen werden.

Nur ca. 15 Mrd € griechische Anleihen werden von dt. Gläubigern gehalten.

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 15:44

@derherold

'„die Gläubiger können mit diesem Geld … z.B. Aktien deutscher Unternehmen oder Grundstücke, Rohstoffe etc. “ kaufen.
Das ist – mit Verlaub – eine etwas naive Vorstellung.'

Nee, das ist nicht naiv, sondern so funktioniert moderner Geschäftsverkehr.

Mit einer AK47 könnte das auch nicht rückgängig gemacht werden, weil es sich bei dem einen um eine rechtmäßige Eigentumsübertragung handelt und das andere ein Raub wäre.

Im übrigen ist die gegenwärtige Lage dadurch gekennzeichnet, dass die ‚AK47’ eben gerade nicht im dt. Waffenschrank liegt so daß wir nichtmal in der Lage sind unser Recht zu verteidigen geschweige denn, andern Unrecht zu tun selbst wenn das jemand wollte (ich will es nicht).

Gerhard Lippert
25. Oktober 2011 15:49

@ Thomas Schulz:

Es gibt aber nicht nur eine öffentliche (staatliche), sondern auch eine private Verschuldung. Dies wird häufig vergessen. Wer Exportüberschüsse hat, der exportiert auch automatisch Kapital in dieser Höhe. Hans-Werner Sinn hat es ja errechnet: In den letzten 10 Jahren wurden in Deutschland 1,6 Billionen Euro angespart, nur 600 Milliarden wurden hierzulande als Kredit weitergegeben. Der Rest floss in die entsprechenden Länder.

bese.
25. Oktober 2011 16:12

Das passt zu ihrem längeren Beitrag vor ein paar Wochen, in dem Sie ihre skeptizistische Weltsicht anpriesen. Wissen wir wirklich nichts? Eine Konstante scheint zu sein, das es keine wundersame Geldvermehrung geben kann. Eine Konstante einer vernünftigen also humanen also realistischen Wirtschaft, die von anderen nicht nur gewußt, sondern sogar beherzigt wird. Für mich ist das ein Zeichen für intellektuelle Unreife. Wer am Allgemeinwohl interessiert ist, ehrlich dafür einstehen will, der kommt um eine Urteilsbildung nicht herum. Thema verfehlt!

antwort kubitschek:
nein, ich habe das thema nicht vefehlt. in meinem kurzen beitrag geht es nicht um vorstellungen von einer besseren wirtschaft, sondern um das unvermögen, sich 400 milliarden euro schulden vorzustellen und sich auszumalen, woher diese summe kommen soll und was sie eigentlich wiirklich wert sein soll. vorstellungen vom besseren wirtschaften habe ich durchaus, und daß der über kredite finanzierte exportüberschuß doch wieder von uns selbst über schuldenschnitte usf. bezahlt wird, wir also im grunde mit der medaille eines "exportweltmeisters" vielleicht doch einen mühlstein um den hals hängen haben, ist doch schon mal eine recht konkrete überlegung in richtung langsamkeit, verzichtsbereitschaft, nachhaltigkeit.

Magnus Göller
25. Oktober 2011 17:12

Leser Andreas Lehmann wies auf die klassische Golddeckung hin.

Ich will dazu jetzt lediglich anmerken, dass alles je geförderte Gold geteilt durch sieben Milliarden etwa einen Kubikzentimeter pro Kopf ergibt.

Also nicht einmal eine Unze, hiemit nach derzeitigem Wert etwa 1000 Euro.

Wie man damit die heutige Weltwirtschaft finanziell decken will, konnte mir noch keiner erklären: obschon ich auf meiner Seite in mehreren Artikeln alles daran setzte, die Goldleute aus der Reserve zu locken.

(Es kommentierten auch nicht wenige von denen; und oft ausführlich; oft von oben herab; aber als ich den Kubikzentimeter brachte, sagte keiner mehr was.)

Andreas Lehmann
25. Oktober 2011 17:14

Das "Wunderbare" an dieser Krise ist ja, je schlimmer es wird, desto vehementer kann die Integration der europäischen Staaten in einen europäischen Zentralstaat fordern. Und umgekehrt, hätte das EU-Modell funktioniert, wäre der Weg derselbe gewesen.
Igor Schafarewitsch hat in "Der Todestrieb in der Geschichte" den Sozialismus als Fortentwicklung der früh- und mittelalterlichen Endzeitsekten beschrieben, welche sich in ihrem Wunsch ein erdliches Paradies zu errichten, gleichen. Dies wird über Zentralisierung und Einebnung der Unterschiede hergestellt.

Der "europäische Traum" ist aus meiner Sicht eine Mischung aus diesen Utopien und gewissen geopolitischen Interessen. Es gibt das interessante Gerücht, das ein Teil des Preises für die Wiedervereinigung der Euro gewesen sein soll.
Deutschland ist aufgrund seiner zentralen geographischen Lage, seinen direkten Grenzen zur romanischen, slawischen und natürlich germanischen Welt, dem Volkscharakter seiner Einwohner, sowie seiner schieren Größe und Bevölkerungsanzahl zur Hegemonialstellung in Europa prädestiniert, oder sagen wir verurteilt. Andererseits ist es aber auch geographisch zu exponiert, ist zu klein, hat zu wenige Einwohner und einen nicht ausreichend aggressiven Volkscharakter, um alle umliegenden Gegenspieler gleichzeitig schachmatt setzen zu können (wenigstens teilweise im Gegensatz zu anderen Hegemonen wie der USA, der russischen Föderation oder China). Es müsste daher in seinem ureigenen Interesse sein, einen geopolitischen Partner zu finden, mit dem es ausreichende politische und wirtschaftliche Interessen, ausreichende kulturelle Gemeinsamkeiten, keine direkten Grenzen, und letzlich auch ein ähnlich gelagertes Interesse an Gegenwehr gegenüber der weltweiten angelsächsischen Dominanz gibt. Das kann aus vielerlei Gründen aus meiner Sicht nur die russische Föderation sein. Insbesondere auch weil Russland, dem Zarismus und Kommunismus "sei Dank", den zerstörerischen Zersetzungen der westlichen Moderne entgangen ist. Der Volkscharakter der Russen ist, trotz aller wirtschaftlichen, territorialen und demographischen Probleme ungebrochen. Die Leistung, der brutale Wille, trotz der totalen Implosion der UdSSR, das Staatsgebiet weitestgehend gehalten zu haben, ist dafür ein Indiz.

Wie es einer der Vordenker der amerikanischen Aussenpolitik, Zbignew Brzezinski, ausgedrückt hat, ist die eurasische Landplatte "auch im 21. Jahrhundert das Schachbrett auf dem sich die Geschichte entscheidet". Nicht zuletzt auch aufgrund seiner enormen Bodenschätze.
Eine intensive Ein- und Anbindung Deutschlands an einen europäischen Koloss, hätte folglich auch den interessanten Effekt, das Deutschland auf ewig keine eigenständige Aussenpolitik mehr betreiben kann, geschweige denn eine engere eurasische Partnerschaft mit der RF eingehen könnte. Dies könnte für Länder wie Frankreich, Italien oder England, welche ihren Zenit schon längst überschritten haben, ein größeres Anliegen als die eigene nationale Souveränität sein. Eine größere, anti-westliche oder anti-angelsächsische Allianz wäre damit verhindert, und China einiger potentieller Partner beraubt. Im Interesse der USA würde es auch liegen, weil damit China noch auf längere Zeit hin der amerikansichen Übermacht zur See ausgeliefert wäre, und keinen direkten Landzugang ins europäische Kernland für seine Waren hätte.

Diese ganzen Punkte scheinen mir ausreichend Beweggründe für das starke Agieren der westlichen Akteure in Politik und Finanzwirtschaft zu sein.

@ Raskolnikow

95% der Ökonomen vertritt wenigstens monetaristische (Milton Friedman), wenn nicht keynesianische Theorien (Keynes). Diese ökonomischen Schulen, vor allem letztere, waren und sind Steigbügelhalter des Etatismus, und damit auf kurz oder lang auch Wegbereiter sozialistischer bzw. kollektivistischer Entwicklungen. Es ist also kein Wunder das diese Personen den Grund der Krise nicht verstehen können, oder nicht verstehen wollen.

Wie ich es aber schon schrieb, die österreichische Schule für Nationalökonomie, welche vor dem WKI und auch noch während der Zwischenkriegszeit Weltruhm genoß, hat diese Krise mit Präzision vorhergesagt. Ebenso wie die Weltwirtschaftskrise, oder die Entwicklungen in noch stärker planwirtschaftlich ausgeprägten Systemen (Faschismus/Kommunismus). Mit dem Untergang der alten Ordnung in Zentral- und Osteuropa verlor auch diese Schule an Gewicht. Ihr großes Problem besteht darin, das sie von Staat und Politik größtmögliche Zurückhaltung fordert. Ein Unding in demokratischen Staaten.

Bereits im Hausorgan der "Österreicher", dem Magazin "Eigentümlich frei", wurde die Krise umfassend vorhergesagt.

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 17:25

@ Kubitschek

Der Mühlstein besteht aber nicht in der deutschen Exportweltmeisterschaft, sondern in unserer außenpolitischen Schwäche die offenen Forderungen auch einzutreiben bzw nicht auch noch die Schulden anderer zu begleichen.

Ich verstehe ihre intellektuelle Defensive bei diesem Thema nicht.
Es handelt sich um 'ne billige Erpressung. Sonst nichts.
Da ist doch nichts kompliziert dran.

Der Zusammenhang von Schutz und Gehorsam wird nicht nur dadurch aufgehoben, daß man das eigene Volk einem Immigrantenmob ausliefert (körperliche Unversehrtheit), sondern auch dadurch, daß man das Eigentum der Bürger durch fremde Mächte plündern läßt.

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 17:30

@Gerhard Lippert

Warum soll ich mit meinen Steuern das in Griechenland angelegte Vermögen meines Nachbarn absichern ?

Vielleicht hab ich mein Geld in ? Argentinien angelegt - möchten Sie dann ihr Erspartes nach Südamerika überweisen damit ich keine Verluste erleide ?

derherold
25. Oktober 2011 17:33

".., dass die ‚AK47’ eben gerade nicht im dt. Waffenschrank liegt so daß wir nichtmal in der Lage sind ..."

Ich weiß ja nicht, wer "Wir" ist aber DER STAAT hat DIE MACHT und nicht etwa "Konzerne" oder "Banker". Und die Konzernbosse und Banker wissen das auch.

Alles, was "Produktionsverhältnisse" oder "Eigentum" betrifft, kann problemlos rückgängig gemacht werden. Das einzige, was nicht rückgängig gemacht werden kann, ist die Masseneinwanderung. ;)

Boreas
25. Oktober 2011 17:35

langsamkeit, verzichtsbereitschaft, nachhaltigkeit

Völlig einig. Und Ihre Ehrlichkeit, oder sollte man vielleicht ganz umgekehrt sagen: Benennung der völligen Entkoppelung wirtschafts- und finanzpolitischer Vorgänge von erfassbarer Realwitschaft, sei auch mit allem Respekt unterstrichen.

Dennoch ein Einwurf; dass mancher Leser eine Stellungnahme vermisst könnte auch etwas anderem entspringen. Mir geht es jedenfalls so: eine Rechte, die für Staatspolitik stehen will und dabei zwingend die Machtfrage abhandeln muss, bleibt unvollständig verortet wenn sie die grössten geeint stehenden Machtblöcke der Zeit, nämlich Finanzwirtschaft und bestimmte Formen von Unternehmertum, so ausser Acht lässt wie dies zur Zeit der Fall ist.

Die Destruktivität diese Akteure (die nichts und niemand verpflichtet sind, schon gar keinem Volk) ist mittlerweile so ungeheuerlich, dass es einfach nach klein-klein riecht, wenn selbstbezeichnete Rechte sich über Die Grünen und Schwulendemos geradezu geifernd aufregen können, sich an den einzelnen Abweichler teilweise auch ganz konkret rantrauen, es aber mit "ist halt so" quittieren dass private Dienstleister ganze Volkswirtschaften abwerten können. Damit will ich nicht die Frage nach Kultur, Volk und Alltagsleben abblasen, auch nicht das Abarbeiten am bundesdeutschen Parteienapparat - wohl aber ist es schade, dass ausgerechnet Konservative Perspektiven 10 Jahre hinterher zu denken scheinen. Massivste, kaum regulierte Machtblöcke scheinen im neurechten Volksempfinden kaum etwas auszulösen, scheinen weniger präsent zu sein als eine Art Nostalgie für ein Deutschland wie es angeblich einmal war.

Der teilweise praktizierte Schulterschluss mit den Libertären findet in dieser Frage dann auch sein Ende, denn wer unter diesen Voraussetzugen allen Ernstes immer noch gegen Marktregulierungen ist (oder diese ud andere staatliche Aufgaben durch "freiwillige" Kassenvereine ersetzen will, wie neulich im Kommentarbereich empfohlen), wer keine Silbe Antwort geben will wie ein Mensch denn Leistungsträger sein soll, wenn der Leistungsrahmen um ihn herum gründlich demontiert wird - den sehe ich ja selber schon quasi als Volksfeind, dem wohl eher für sein persönliches Netto diese vielen Worte macht.

Kürzer ausgedrückt: Ein Heeresbericht, der sich über zwei Fronten seitenweise auszulassen weiss, und gleichzeitig massivste Feindeinbrüche an der dritten auslassen muss, bekommt gerade in seiner Nachdrücklickeit etwas unausgegorenes.

Vermutlich ist es einfach so dass Leute, die diese Thematik verstehen sehr lukrativ mitmischen können. Die wenigen unkompromittierten, die über ihre Durchdringung zur Kritik kommen, finden wiederum eher eine Heimat in linksliberalen Foren, die sich an das Thema Konzern- und Geldmacht scheinbar eher rantrauen. So bleibt eine ganz wesentliche Machtfrage der Zeit von rechts kaum beantwortet.

Dass die Sezession sich anderen Feldern verschrieben hat, ist berechtigt und in Ordnung, sie kann und soll nicht sein was sie nicht ist. Was nicht heisst, dass daneben nicht ein riesige Flanke offen wäre.

bese.
25. Oktober 2011 17:39

@Kubitschek
Die Produktivität wird vor allem mit dem Druck auf die Arbeitnehmer erkauft. Der Umtausch von Voll- in Zeitarbeitsplätzen ist nur ein kleines Sympton davon. Damit kommen wir zu einem ihrer vordringlich behandelten Themen. Haben Sie schon mal etwas von den Forschungsergebnissen gehört zur Reproduktionsrate von Mäusen, die unter Stress gesetzt wurden?
Wir haben also gar keine Krisen, zumindest für einige sind es keine, nein, es ist ein Programm mit einkalkulierten Konsequenzen, zB einer weichen Währung bei großen Euromärkten. Und diese tragen einfache Menschen.

Jetzt meiner Fragen: Haben sie einen Namen für dieses Herrschaftsprogramm, über das keiner in diesem Land sprechen mag? Halten Sie Täuschung für ein gutes Herrschaftsprinzip, gleich der Tatsache, dass eine solche Gesellschaft nie stabil sein kann? Warum meinen Sie, lassen sich die Deutschen so einfach täuschen?
Und letzte Frage: Wie würden Sie einem Außerirdischen erklären, dass Sie im Angesicht der Lage, deren Verantwortliche keine Grenzen kennen, ihren Themenschwerpunkt auf simple Phänomene und Gefühlsappelle begrenzen? Und wie kann ihr Skeptizismus "wahr" sein, wenn sie nichts als "wahr" gelten lassen. Nein, diese Speisen sicht nicht mal lauwarm aufbereitet.

antwort kubitschek:
es gibt themen, in denen ich mich besser auskenne. und wo stünde geschrieben, daß ich nichts als "wahr" gelten ließe? zuletzt: natürlich, gefühlsappell - das ist es, das ist das, was mobilisiert. war es je anders? gab es je eine vernunftsreligion, vernunftsrepublik, vernunftsdebatte außerhalb des habermasschen oberseminars?

Fr. Helfgott
25. Oktober 2011 17:59

Zitat bese: "Wer am Allgemeinwohl interessiert ist, ehrlich dafür einstehen will, der kommt um eine Urteilsbildung nicht herum."

Intellektuelle Unreife? Im Gegenteil.
Ich halte es für intellektuelle Unreife zu glaube, man könne mehr als 5 Pfennig auf das großartige eigene "Urteil" geben, das aus den Quellen und Informationen resultiert, die einem "Bürger" heute zur Verfügung stehen.

Und da gehe ich schon von einem denkenden, interessierten Bürger aus. ;-)

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 18:01

'Ich weiß ja nicht, wer „Wir“ ist'

Mit 'Wir' waren 'die Deutschen', also das Deutsche Volk gemeint.

'DER STAAT hat DIE MACHT und nicht etwa „Konzerne“ oder „Banker“.'

Welcher Staat ? BRD ?

'Staat' ist nichts weiter als 'ne juristische Fiktion.
Wenn das Volk schwach ist, dann hat auch der konktrete Staat keine Macht.
Selbst den USA fiel es nicht leicht die Brüder Lehmann in die Pleite zu schicken.

Thomas Fink
25. Oktober 2011 18:09

Exodus 22:25,26: „Wenn du Geld leihst dem armen Bruder bei dir, sollst du ihm gegenüber nicht als Bedränger auftreten, du sollst ihm keinen Zins auferlegen. Wenn du den Mantel des Nächsten als Pfand pfändest, sollst du ihn ihm vor Sonnenuntergang zurückgeben...“
Siehe auch Levitikon 25:36 und 19:36, sowie Deuteronomion 23:19 und 25:15. Ein exzellenter Finanzexperte schloß seinen Vortrag mit Hinweisen auf diese Bibelstellen, in denen das Zinsverbot erläutert wird.
Man braucht kein Ökonomieexperte zu sein, um eine Vorstellung davon zu haben, worin die Wurzel des Übels liegt.

Gerhard Lippert
25. Oktober 2011 18:46

@ Thomas Schulz

Ich verstehe Sie nicht. Wir alle haben Ersparnisse bei Banken oder Versicherungen angelegt. DIESE legen das Geld dann sonstwo an - in der Vergangenheit haben sie dies vor allem in die PIGS-Staaten transferiert, statt es dem hiesigen Mittelstand zur Verfügung zu stellen. Die wenigsten Menschen kaufen doch direkt Staatsanleihen.

Jetzt müssten die wahren Gläubiger haften - das kann der einzelne Privatmann sein, der griechische Staatsanleihen gekauft hat, oder eben die betroffenen Banken und Versicherungen. Aber machen wir uns keine Illusionen: Ein Teil bleibt ohnehin am deutschen Steuerzahler hängen, das ist nicht mehr zu vermeiden. Man muss aber zulassen, dass die Banken auch insolvent werden (das ist Marktwirtschaft). Wir deutschen Steuerzahler müssten dann ggf. für betroffene deutsche Spareinlagen garantieren, Einlagen von Menschen, die ja keine Ahnung hatten, was die Banken mit ihrem Geld gemacht haben.

Das Kriminelle ist doch, dass die Gläubigerhaftung nicht oder nur halbherzig stattfindet UND dass mit der hemmungslosen Verschuldung auf unsere Kosten weitergemacht wird. Denn die Rettungspakete dienen dazu, die versiegten privaten Kapitalabflüsse in die PIGS-Staaten durch öffentliche oder öffentlich garantierte Kapitalabflüsse zu ersetzen (indem weiter Leistungsbilanzdefizite finanziert werden) und um die Banken schrittweise vom Abschreibungsrisiko zu befreien.

Wir retten also gar nicht unser Geld (das ist auch gar nicht mehr möglich), es wird nur die Haftung von den Banken auf den deutschen Staat übertragen. Gleichzeitig verbrennen wir noch mehr eigenes Geld, weil Griechenland & Co. trotz Spardiktats weiter Leistungsbilanzdefizite aufweisen. Dies lässt sich auch nur durch eine Abwertung und damit durch einen Euro-Austritt dieser Länder ändern, die auch dann Einbußen in ihrem Lebensstandard hinnehmen müssen durch teurere Importe. Aber anders geht es nicht, die Welt ist kein Schlaraffenland.

Ich rechne wie derherold mit einer hohen Inflation, die uns am Ende den wahren Wert unserer Ersparnisse angibt. Wir sind alle nicht so reich, wie wir glauben - das ist die Crux an der Geschichte.

PB
25. Oktober 2011 19:04

Wie schon im allerersten Kommentar: warum soll man sich selber den Kopf zerbrechen, wenn es dafür Leute gibt, die sowas den ganzen Tag lang machen.

https://tinyurl.com/5rd2dvk

Im Übrigen habe ich den Wert des Prädikats "Exportweltmeister" nie verstanden: denn wie viele Güter eine Grenze überschreiten, hängt doch maßgeblich von der (zufälligen) Lage dieser Grenze ab.

Sämtliche Bewohner der Ostküste der USA könnten noch so viele Güter und Dienstleistungen hervorbringen und nach Kalifornien verkaufen oder in Alaska gegen Erdöl eintauschen: all diese Anstrengungen würden niemals einen Beitrag zur "Export"-Weltmeisterschaft leisten.

Die BRD hat jahrelang ihren Giftmüll in die DDR exportiert, zur Deponie Schönberg nahe Lübeck. Gleichzeitig verbesserte sich die Leistungsbilanz der DDR um 100 Millionen Mark.

Nachdem die Grenze gefallen war, hatte Deutschland seinen Giftmüll wieder und außerdem das, was von den 100 Millionen übrig geblieben war.

[ir]
So einfach kann vorausschauendes, nachhaltiges Wirtschaften sein. [/ir]

Marc Bettinger
25. Oktober 2011 19:07

Herr Andreas Lehmann,

absolut richtig, dem gibt es nichts hinzuzufügen, Sie haben das ja bereits unter ef-online in einem zweiteiligen Aufsatz vor 2 Jahren sehr gut dargestellt.

Ich finde es nur schade, wieviele Konservative immer noch sozialistische Ideen bevorzugen.
Mehr Sozialismus = Weniger Wohlstand für alle

Herr Lehmann, ich habe zum Thema ein Buch geschrieben und würde Ihnen gerne ein Exemplar schenken.
Könnten Sie mir unter marc.bettinger(AT)hispeed.ch Ihre Adresse zusenden.

Besten Dank und Gruss aus Zürich

Marc Bettinger

Chris
25. Oktober 2011 19:08

@Magnus Göller

Ich weiss nicht, welches Klientel sich auf Ihren Seiten rumtreibt, aber es scheint, als gäbe es da an mehreren Stellen und nicht nur bei den Kommentatoren gewaltigen Nachholbedarf.

Sie vergleichen das Gold mit Geld- in diesem Fall dem Euro: 1oz Gold entspricht etwa 1000€ Soweit so gut...

Dann Gegenfrage: Wo sehen Sie den Goldpreis, wenn nicht die Politik irgendwelche wilden Dinge hebelt usw. sondern einfach ganz unbürokratisch ein Beamter an Ihrem Haus klingelt und gerne mal Ihr Sparbuch mitnehmen möchte- nicht um es zu plündern, einfach nur als Garantie- für den Fall der Fälle?

Und dann stellen wir uns mal vor, jeder, der Gold besitzt, möchte es auch in der Hand halten. Wo dürfte dann der Goldpreis liegen?

Vielleicht kommen wir dann schon eher in einen Bereich, in dem sich die Weltwirschafft decken lassen würde?

Ich gebe Ihnen aber in dem Punkt recht, dass das was Sie als Weltwirtschaft bezeichnen tatsächlich nicht funktioniert: Ich präge aus Luft Goldmünzen, leihe sie Ihnen, damit Sie mir meinen überproduzierten Schrott und Müll endlos abkaufen.

Sehen Sie`s mal so: wenn es eine Generation schafft, annähernd die Hälfte der in über 550 Millionen (sic!) entstanden Ressourcen zu verbraten, dann brauchen wir dazu keinen Keynes oder gar Marx um zu ahnen, dass das gewaltige Verschiebungen mit sich bringen wird! Das wäre auch ein interessantes Rechenbeispiel.

Wenn Sie sagen, der Goldstandard schränkt die derzeit vorherrschende totale Konsumbetäubung massiv ein und führt dann zu unkontrollierbaren Folgen, dann liegen wir ganz gut! Aber machen sie sich keine Sorgen um die Weltwirschaft. Die hat schon immer funktioniert- es ist nur die Frage wie und was sie damit anrichtet! ;-)

LG Chris

Thomas Schulz
25. Oktober 2011 19:24

'Wir retten also gar nicht unser Geld (das ist auch gar nicht mehr möglich), es wird nur die Haftung von den Banken auf den deutschen Staat übertragen.'

Ganz Ihrer Meinung.

Möglicherweise hab ich etwas zu allergisch auf Ihre Exportweltmeisterschaftskritik reagiert.
Aber ich hab dann immer sofort irgendwelche EU-Forderungen zur Exportdrosselung (Sondersteuer) oder Binnennachfrageerhöhung (mehr eigene deutsche Schulden) vor Augen.

bese.
25. Oktober 2011 19:35

@Fr. Helfgott,

meine Antwort darauf ist im Moment noch nicht freigeschaltet. Voraus noch dies, wer eingreifen unterlässt, tut auch etwas, nämlich Stärkere gewähren lassen. Eine andere Konstante einer guten Gemeinschaft ist daher - wie andere das sagen - das "Gute gebieten und Schlechte verbieten" ;) - egal wie sie es ausdrücken wollen. Klar, ein Liberaler liebt das laissez faire und lässt anderen das Sagen früher oder später, wenn er nicht selbst zu den Mächtigen gehört.

Magnus Göller
25. Oktober 2011 20:26

@ Chris

Ich will das Goldthema jetzt nicht in aller Länge erörtern (zumal ich hier andere sehr interessante Aspekte gut behandelt gelesen habe, die ich später gerne noch aufgreifen möchte), Ihnen aber doch so kurz als möglich antworten.

Selbstverständlich habe ich, spätestens sobald der Euro nichts mehr wert ist, lieber einen Kubikzentimeter Gold als 1000 Euro. (Andere Sachen, Herrn Kubitschek mag es vielleicht freuen, aber womöglich noch lieber, weil man mir die nicht so leicht mit vorgehaltener Pistole abnimmt: z.B. günstig eingekaufte Armee-Winterkleidung.)

Es geht mir allein um die Golddeckungsfähigkeit aller Währungen und Transaktionen.

Ansonsten will ich diese Seite nicht mit Links auf die Meine belasten und bitte Sie, dort zu studieren, was ich in extenso angeführt habe und welche Widerreden eingingen: jedenfalls wofern Ihre bescheidene Einschätzung der diesbezüglichen dortigen Diskussionen lediglich Ihren Vermutungen entspringen sollte.

Alle anderen Leser sind natürlich ebenfalls eingeladen, sich ein Bild davon zu machen, ob Ihr Urteil zutrifft. (Magnus Göller in der Suchmaschine reicht zum Finden der Seite. Dann einschlägige Suchbegriffe bei mir rechts oben, und man landet schnell bei den Gold-und-Silber-Debatten.)

LG

Gerhard Lippert
25. Oktober 2011 20:43

@ Thomas Schulz

Keine Sorge, eine Exportsteuer lehne ich natürlich völlig ab. Was die Binnennachfrageerhöhung angeht, bin ich etwas anderer Meinung. Wir könnten sie uns doch leisten! Und im Nachhinein wäre es sinnvoller gewesen, der deutsche Staat hätte mehr Schulden gemacht und damit die Kapitalexporte eingedämmt. Denn die Schulden haben wir am Ende sowieso, aber die Autobahnen wären wenigstens in Deutschland gebaut oder die Autos hier gefahren worden. Alternativ hätten auch die Löhne steigen können. Klingt absurd, ist aber so - auf diese Weise hätten wir mehr importiert und weniger exportiert, ergo im besten Fall eine ausgeglichene Leistungsbilanz gehabt und damit hätten wir nichts verschenkt. (Dies bedeutet natürlich zugleich, dass sich Griechen, Spanier und Portugiesen nicht so hoch verschuldet und nicht so viel konsumiert hätten!)

Eigentlich sind Exportüberschüsse ja eine ehrenwerte Sache, denn damit erarbeiten wir mehr, als wir verbrauchen. Wir tätigen eine Auslandsersparnis. Leider ist die Gefahr sehr groß, dass diese Ersparnis abgeschrieben werden muss. Das erleben wir jetzt, auch wenn es die Politik nicht wahrhaben will und sie dieses Faktum hektisch zu kaschieren versucht (mit dem Ergebnis, dass am Ende noch mehr abgeschrieben werden muss). Solange unsere Infrastruktur nicht in einem hervorragenden Zustand ist, sollten wir die Investitionen doch lieber erst einmal im Inland tätigen. Was ggf. darüber hinaus übrig bleibt, könnte dann von uns konsumiert werden oder wir legen eine Ersparnis im Ausland an. Aber erst dann und dann auch bitte nicht in so großem Maße in so wenigen Ländern wie in den letzten Jahren.

Die eigentliche Lösung des Problems sind aber keine Lohn- und Schuldenspielchen, sondern nationale Währungen mit unterschiedlichen Zinssätzen und Wechselkursen. Wir Deutsche bräuchten zum Beispiel eine kräftige Aufwertung. Damit würden unsere Importe billiger. Die Exporte wiederum würden übrigens nicht einbrechen, wie immer wieder behauptet wird. Zwei Gründe: Erstens muss unsere Exportwirtschaft selbst in erheblichem Maße importieren, kann also günstiger einkaufen. Der Endpreis würde damit längst nicht so stark ansteigen, wie die Aufwertung beträgt. Zweitens würde der Absatz weniger stark abnehmen, wie der Endpreis anstiege. Denn unsere Käufer könnten nicht so leicht auf Produkte anderer Länder ausweichen, deutsche Maschinen werden nun mal gebraucht. Merke: Bei einer Aufwertung würden wir megenmäßig weniger exportieren, aber wertmäßig könnten wir uns sogar steigern.

juergen
25. Oktober 2011 20:58

Herr Kubitschek,

so ganz mag sich mir Ihr Kommentar nicht zu erschließen. Ist es Ihrer Meinung nach unter der Würde einer Kulturnation, dass sich Enthusiasten trotz mangelnder Absicherung durch den Staat dazu entschließen ein kulturelles Ereignis auf die Beine zu stellen, selbst in Anbetracht einens möglichen Totalverlusts? Für mich gibt es dafür eigentlich nur ein Wort: Unternehmertum.Ein "Kulturland" wird doch nicht zu demselben, indem möglichst viel Geld, dass vorher zwangsweise anderen abgepresset wurde, in irgendwelche Projekte die die staatliche Behörde für förderungswürdig hält gesteckt wird. Ein "Kulturland lebt von jenen, die bereit sind für ihre Vision auch Risiken einzugehen. Ich danke Ihnen auf jeden Fall dafür, dass Sie meine Urlaubsplanung fürs nächste Jahr ein wenig erleichtert haben.

Die Wirtschaft eines Landes lebt von denen, die bereit sind Risiken einzugehen. Haben sie richtig kalkuliert machen sie Gewinn, andernfalls gehen sie Pleite. All jene die in Staatsanleihen (nicht nur Griechenlands) investiert haben wird das Risiko des Totalverlusts genommen. Allenfalls müssen sie politisch verhandelte "marktverträgliche" Verluste hinnehmen 8und selbst das ist noch nicht sicher). Das und genau das ist das Ende jeder Marktwirtschaft. Wie es unsere Politiker wie z.B. Norbert Röttgen schaffen von einer Beruhigung der Märkte zu schwafeln wo es doch überhaupt keinen Markt mehr gibt (da kein Risiko) ohne sich dabei über ihre maßgeschneiderten Anzüge zu erbrechen bleibt mir schleierhaft.

Ehrlich gesagt habe ich mich erst seit der Krise 2007/8 ernsthaft mit Wirtschaft beschäftigt. Zuvor war ich übrigens bei attac aktiv, vor allem weil ich etwas gegen den Börsengang der Deutschen Bahn tun wollte (ich bin immer noch dagegen). Es lohnt sich auf jeden Fall die Klassiker zu lesen. Meine Vorstellungen beruhen auf den folgenden:

Walter Eucken
Friedrich August v. Hayek
John K. Galbraith
Elinor Ostrom
Friedrich Willhelm Raiffeisen
Willhelm Röpke
Johann Heinrich von Thünen

Die Initialzündung gab Euckens "Grundlangen der Nationalökonomie" die ich immer noch sehr aktuell finde (das Buch stammt aus den 1940ern). Ich kann jedem nur empfehlen mal die Kalssiker im Original zu lesen und sich auch in verschiedenen Denkschulen umzuschauen. Galbraith und Hayek gehen eigentlich gar nicht zusammen und trotzdem kann man beider Werke mit Gewinn lesen.

Friedrich Liszt, der ja schon in der Sezession besprochen wurde ist sicher auch lesenswert.

Nur: "Ich versteh von alledem nichts!" ist zu wenig. Vor allem aus drei Gründen:

Erstens: Intuitiv verstehn Sie, dass das was gerade passiert Irrsin ist. und

Zweitens: Nicht Sie müssen antworten, aber lassen Sie über Gastbeiträge z.B. von Lichtschlag eine Debatte zu.

Dritens: Fordern Sie aktiv von der Politik wieder selbst entscheiden zu können und zwar in der Sphäre, die Sie überschauen können. Es lebe die Republik Schnellroda! Es lebe die Sezession!

Löffelstiel
25. Oktober 2011 22:50

@ juergen
Danke für diesen erfrischenden Imperativ!
Was dazu gehört: Die Gründung einer e i g e n e n Bank/Sparkasse als Konsequenz, der großen Misere etwas Kleines, aber Überschaubares entgegenzusetzen. Ich bezweifle nicht, daß viele wohlgesonnene Mitstreiter bereit wären, einzusteigen.
Woher ich diese Zuversicht nehme? Ich weiß von einer Genossenschaft, die ohne große Umstände eine eigene Genossenschaftsbank, die sich auf ca. 700 Mitglieder bezieht, gegründet hat. Wäre dieses Muster nicht auch für das IfS sinnvoll?
Motto: Haushalt, haushalten - das Haus halten!

Magnus Göller
25. Oktober 2011 23:46

@ juergen

Jetzt komme ich anlässlich Ihres Beitrags schon wieder nicht dazu, die ursprünglich vorgehabte, ergänzende Zustimmung zu anderen darzutun.

Ihre Rede, mit Verlaub, erscheint mir wie ein vergifteter Lobespfeil.

Die "sezession" ist klasse, aber eigentlich inkompetent, also sollen es der Lichtschlag bzw. seine Leute libertär richten.

Das gefällt mir, ungeachtet hier berechtigt vorgebrachter Kritik am sich Wegdrehen vieler Konservativer (Rechter) von entscheidenden Problemen, so nicht.

(Ich habe übrigens Ron Paul hierzulande mit ins Spiel gebracht, als noch kaum einer den Namen kannte. Ich weiß auch, dass Lichtschlag kein Blödmann ist und Oliver Janich von der "Partei der Vernunft" auch nicht, und schon gar kein Feigling, was allein schon seine 9/11-Geschichte bei Focus Money beweist.)

Das Geld in Ordnung bringen und ansonsten alles laufen lassen: das ist keine Lösung.

Sondern eine contradictio in adjecto.

FFlecken
25. Oktober 2011 23:58

Den Kommentaren Andreas Lehmann`s ist vollends zuzustimmen. Die österreichische Schule der Volkswirtschaft liefert fundiert-grundsätzliche Einsichten in die Funktionsweise sowohl der Marktwirtschaft, als auch in unser Geld- und Finanzsystem. Die Finanzkrise der letzten Jahre wurde von deren Vertrern der Gegenwart umfassend prognostiziert! In dieser ökonomischen Gattung werden die übergeordneten Begebenheiten der derzeitigen Euro-Krise meiner Meinung nach treffend dargelegt. In meinem Studium waren die Erklärungsansätze von Mises, von Hayek und Co. leider kein Thema...

Neben den substantiellen Problemen des Fiat-Geldes (zentraler Leitzins, Geldmengenausweitung durch das Teilreserveprivileg der Geschäftsbanken - u.a. dadurch sich verschärfende Abkopplung von Güter- und Geldmenge usw.), haben wir es beim Euro schlicht mit einem zunehmend zu Tage tretenden gigantischen Umverteilungsprogramm zu tun. Es geht nur noch darum, wieviel Deutschland und Co. in regelmäßigen Abständen abzudrücken und verschachtelt umzuleiten haben. Der unnatrüliche und zentralistische Leitzins der EZB, hat für massivste Fehlallokationen von Gütern und Kapital im Euroraum gesorgt (Immobilienblasen, Konsumrausch, unnötige Infrastruktur), welche es ohne den Euro nie gegeben hätte.
Die sog. Rettungsschirme sind daher aus deutscher und europäischer Sicht vollkommen inakzeptabel und werden uns eine weiter wachsende, klar uneuropäische Sowjet-Behörde in Brüssel bescheren!

Kurz zum Goldstandard: Es reicht theoretisch jede Menge an Gold zur Deckung des Geldes - wenn Preise, Löhne, etc. frei schwanken dürfen. Derzeit aber undenkbar und zunächst müssten die Berge an Geld ohne Deckung aufgelöst werden - und das wird sehr schmerzhaft. Es wird aber wohl eher weiterhin Steuergeld in sich final auflösende Blasen hineingepumpt werden, bis die aufgeschobene Bereinigung schlimmer und schlimmer enden wird. Und unsere Politiker begehen begleitend fröhlich Verrat!

Zentralwerkstatt
26. Oktober 2011 07:23

Das ist geradezu tragikomisch, wie Theoretiker sich hier um Kopf und Kragen reden mit etwa der praxisbezogenen Tragweite von Tresenpalaver zur Fußball-WM beim "Public viewing". Entschuldigen Sie bitte. Ich denke, daß jeder von beschwörenden Wirtschaftsexperten inzwischen die sprichwörtliche Schnauze voll hat.

Tauschhandel ist dem Menschen in der Tat in die Wiege gelegt. Stoffaustausch an sich ist das Getriebe in diesem Universum. Wenn ich daran denke, wie einfach das Tauschen von Dingen in meinen Kindertagen vonstatten ging, man konnte es einfach, man einigte sich. Natürlich gab es immer die, die andere über's Ohr hauen wollten. Zur Not schlichtete eine erwachsene oder sonstige Respektperson. Schlecht natürlich, wenn man das Stiefkind einer Rabenmutter ist....

Diese Rabenmutti hört dertage im uns aufgedrückten Monopolgeldsystem auf den Namen Merkel. Irgendwelche Leute bedrucken Papier und kaufen damit Menschenleben ohne irgendetwas von wirklichem Wert dafür herzugeben. Diese Leute lassen sich vom politischen Machtapparat stützen, und so wächst eine Generation nach der anderen in dieses "schon immer so" hinein und zementiert den Status quo. Das Verrückte ist doch, daß wir alle bei Geburt bereits an "das System" verkauft sind. Im Grunde ist unser Lebenswunsch doch nicht mehr als nur möglichst viel Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens aufbringen zu können, also das zu tun und zu lassen, was wir wollen. Man läßt uns offen, uns ein Stück der geklauten Freiheit zurückzukaufen, indem wir nur möglichst viel von dem bunten Papier einheimsen. Gerne auch schlagen wir unserem Nachbarn beinahe den Schädel ein, damit wir nur möglichst viele Wechsel haben, die wir in Freizeit anlegen können.

An solchen Papiergeld-Transaktionen verdient der Gelddrucker, darum geht es am Ende. Der eine gehört mehr dem System als der andere, der eine versklavt auch gerne den anderen, um den aufgedrückten Zwängen des Systems zu entkommen und mehr angenehme Lebenszeit zu haben, d.h. weniger Energie/Zeit selbst in das Einheimsen von bedrucktem Papier investieren zu müssen.

Ein Herr Zumwinkel ist soweit im System aufgestiegen, daß für ihn viele Regeln nicht mehr gelten, er muß keine Zeit mehr hergeben. Für ihn müssen andere dann umso mehr buntes Papier aufbringen - und geben Lebenszeit her...

Diese "Finanzkrise" ist nur der Versuch, ein ganzes Volk, vielleicht auch einen ganzen Kontinent in die Sklaverei zu führen. Alle haben Angst vor der undulativ immer höher aufgetürmten Papierwelle.

Die Lösung wäre einfach: Wir zahlen einfach nicht!! Ich weiß, das wird daran scheitern, daß zu viele sagen, daß man ja zahlen müsse, weil wir ohne das Geldsystem in der Steinzeit säßen, etc.pp. Und die auch hier in Zahlen auftretenden sogenannten "Wirtschaftsexperten" sind nurmehr der Zement der Krise.

Ich lasse mir meine lebenstaugliche Tauschexpertise von keinem Theoretiker abschwatzen, ich ehre sie als ein Geschenk der Natur an mich. An alle Wichtigtuer: FINGER WEG!

Ich stelle mich nicht grundsätzlich gegen Wirtschaftssysteme höherer Ordnung. Ich streite nicht ab, daß es wahrscheinlich eine Leitwährung für produzierende Wirtschaftsunternehmen geben müßte, die in einem nicht so putzig nach politischem Dünken zu ändernden Rechtssystem verankert sein sollte. Aber das Geldmonopol gehört freilich aufgelöst.

Thomas Fink
26. Oktober 2011 07:49

Die Definition von Zins ist natürlich eine komplexe Angelegenheit. Durch den Erfolg und das enorme Wachstum des Sharia Finanzsystems in den letzten Jahren hat die Diskussion über die praktische Umsetzung und die Implikationen eines Zinsverbotes auch einige Regionen der katholischen Welt erreicht. Ein Zinsverbot schließt die Finanzierung von und die Beteiligung an erfolgreichen wirtschaftlichen Unternehmungen nicht aus. Es schließt aber auch die Beteiligung an wirtschaftlichem Mißerfolg ein. Ein Zinsverbot ist der Einbruch moralischer Ordnung in die Ökonomie. Ohne moralische Ordnung ist die "unsichtbare Hand" nicht die Hand Gottes sondern die des Verderbers.

Martin
26. Oktober 2011 10:19

Ohne Volkswirt zu sein, fällt einem doch folgendes auf, wenn man einfach einmal Frau Merkel zu hört. Sie wiederholt eigentlich ständig Sätze wie diese:

"Das vereinte Europa ist der Garant für unseren Frieden und Freiheit." (bspw. Neujahrsansprache)

und auch sehr oft gesagt, gerade in letzter Zeit:

"Scheitert der Euro, scheitert Europa"

Zählt man nun eins und eins zusammen ergibt dies: KRIEG!

Also, liebe Politiker, jetzt mal Tacheles:

Wer droht hier ganz sublim mit dem Ende der deutschen Souveränität, wenn wir nicht mitspielen und Kohle abdrücken? Wer also mit Krieg?

Frankreich?
Machen wir uns deshalb gleichzeitig auch in Sachen Landesverteidigung "nackig" wie ein Hund, der dem Alpha-Tier die Kehle hin hält, um zu zeigen, dass diesmal von Deutschland nichts böses, sondern nur "gutes" (=Kohle) ausgeht?

Fragen über Fragen - denn einen Grund, anderen EU Ländern in diesem Ausmaß Geld zu geben, gibt es nicht - schon gar nicht auf Basis der derzeit geltenden EU- Verträge ... auch volkswirtschaftlich wäre eine Pleite von Griechenland vor bereits einem Jahr vermutlich schon längst verdaut (mittlerweile scheint alles schlimmer geworden zu sein) - zumindest von Deutschland - denn sooo groß ist dort der Schuldenberg im Vergleich zu den Bilanzsummen großer Banken nun auch wieder nicht ...

mich dünkt, da wird mal wieder irgendwo ein mieses Spiel mit Deutschland gespielt ... zahle und hab deine Ruhe ...

Andreas Lehmann
26. Oktober 2011 17:00

Grüezi wohl Herr Bettinger (diese Anrede sei mir als Wahlschweizer hoffentlich erlaubt),

vielen Dank für Ihr Angebot. Das werde ich natürlich gerne wahrnehmen. Eine Nachricht zu Ihnen ist unterwegs.

Als jemand der in unregelmässigen Abständen für Eigentümlich frei schreibt, und gleichzeitig kein "Liberaler" im eigentlichen Sinne, sondern gewiss eher ein "Rechter" nach der Definition Erik Kühnelt-Leddihns ist, bin ich immer sehr interessiert an der Debatte von Konservativen und Liberalen (falls diese überhaupt stattfindet). Meine Kritik an der "Nonchalance", mit welcher viele Konservative das Thema Volkswirtschaftslehre behandeln, war immer als offensive Anregung zum Nachdenken gedacht. Konservative der alten Schule sind den klassisch Liberalen im Kern zu ähnlich, als das man die Literatur der VWL nicht verstehen könnte. Oftmals erscheint es mir eher eine standhafte Weigerung zu sein, welche oftmals daraus gespeist wird, das in vielen Bereichen die Konservativen das kollektivistische Denken der Linken dem eigenen Gemeinschaftsdenken näher sehen, als das individualistische Denken der Liberalen. Dazu wurde hier schon einiges gesagt. Klar ist auf jeden Fall, dass Kultur nicht ohne vorheriges Unternehmertum entstehen kann, das staatlich verordnete Kultur an ihrem eigenen Monopol leidet und schnell eintönig wie zentralistisch wird, das der vorausschauende, tatkräftige und lenkende Geist des Offiziers viel mehr dem des Unternehmers als dem des Kommissars ähnelt, und dass das deutsche Kaiserreich in seiner Sturm und Drang Phase - nach heutigem Sprech - geradezu hyperliberale Wirtschaftsgesetze hatte.

Sicherlich gäbe und gibt es umgekehrt auch einige Schwächen am klassisch liberalen Denken zu konstertieren. Ich möchte hier nicht überheblich klingen, mir geht es lediglich darum, das man sich erinnern sollte, das die eigentliche Rechte bis sagen wir zur Zwischenkriegszeit im Grossen und Ganzen sehr freiheitlich eingestellt war. Gerade was volkswirtschaftliche Fragen angeht, und ganz besonders im deutschsprachigen Raum. Man kann England möglicherweise als das Mutterland des Liberalismus ansehen, aber der Reichsgedanke in den deutschen Landen (der sich sicherlich auch im äußerst föderalen System der Schweiz ausdrückt) war gewiss keinen Deut weniger freiheitlich. Im Gegenteil, ich halte ihn für weitaus klüger, weil der Tradition stärker zugeneigt, konkret statt abstrakt, mit Entfaltungsmöglichkeiten auch für kleinere Gemeinschaften (Muslime in Deutschland?), und mit viel Wettbewerb unter seinen Einheiten.
Hans-Hermann Hoppes libertäre Vorstellungen von einer kleinteiligen und staatsfreien Gesellschaft, welche er in seinem Buch "Demokratie. Der Gott der keiner ist" darstellt, hat in der Geschichte doch am ehesten das HRRDN, oder in der Moderne das Habsburger Kaiserreich entsprochen. Das die Eidgenossen heute den freiheitlichsten und föderalsten Staat in Europa bilden, erkläre ich mir nicht zuletzt damit, das man viele Elemente bzw. Erfahrungswerte des vorrepublikanischen Staates in die neue Zeit übergeführt hat.

Noch einen kurzen Kommentar zu meinem Hinweis auf die Russische Föderation: diese besitzt heute in einigen Bereichen einen viel stärker "reichischen" Charakter als die europäischen Staaten.
Nicht umsonst lautet die korrekte Übersetzung für die Rossiskaja Federazija nicht "Russische Föderation", sondern "Russländische Föderation". Diesen Namen hat man bewusst gewählt, um den Staat nicht als den alleinigen Staat der Russen (also der Slawen) darzustellen, sondern als die Gemeinschaft aller russischen Länder. Alleine 20 der 140 Millionen Einwohner sind ja Muslime.

@ FFlecken

Der Hinweis zum Thema "Fehlallokationen" ist allerdings sehr richtig. Ein Effekt, über dessen Existenz ich erst etwas nach der Beschäftigung mit der VWL erfahren habe (wie so vieles andere).

Magnus Göller
27. Oktober 2011 01:10

Ich will nochmal zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Was, woher, wohin diese Hundertschaften Milliarden eigentlich sind: das ist wahrlich schwer zu beurteilen.

Ich weiß aber, dass ich nicht endlos in eine fremdbestimmte Schuldenspirale hineingezogen werden will.

Und Deutschland da nicht weiter hineingezogen sehen will.

Da ist es für einen Familienvater und Patrioten nicht schwer, Position zu beziehen.

Noch zum libertären Teil der Debatte: Mir fehlt bei Libertären so einiges. (Ich habe viel mit ihnen diskutiert; zumal, als Lichtschlag sich noch traute, einen Kommentarteil zu betreiben. Dann ward's ihm der Freiheit zuviel. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Nicht alles reguliert sich einfach von selbst zum Guten.

Jede pädagogische wie Erziehungserfahrung spricht klar dawider. (Nur ein Beispiel.)

Die richtige Mischung aus freier und Gemeinwirtschaft (Allmende) muss je nach gesellschaftlichem Entwicklungsstand, Naturgeographie, Ressourcenreichtum usw. ständig neu justiert werden.

Natürlich, so weit es geht, von unten, anstatt von oben.

Was z.B. die Privatisierung von Bahn und Wasser manchen Ländern gebracht hat: Darüber reden Libertäre nicht gerne.

Wir zehren in ganz Deutschland z.B. heute noch davon, dass im Kaiserreich Abwassersysteme so gebaut wurden, dass sie im Großen und Ganzen heute noch taugen.

Wurden diese von einer profitorientierten Einzelfirma (oder auch mehreren) konzipiert und als vernünftig durchgesetzt?

Die Beispiele sind Legion.

So, wie die meisten Libertären sich von der einen Seite vor der kulturellen menschlichen Wirklichkeit wegdrücken, ist dies andersherum - wie es hier durchaus sachlich anklang - meines Erachtens auch bei vielen Konservativen bezüglich ökonomischer Fragen der Fall.

Heinrich S. Ruh
27. Oktober 2011 09:40

Gut zurechtgerückt! Gysis Redebeitrag zu Merkels Hebelallüren gestern im Bundestagg stellte schlagartig wie selten sont vor Augen, daß diese Herrschften null Komma nix für die Lebensfragen unseres Landes tun werden. Niemals. Einzig der Demagoge Gysi, der Hofnarr durfte, gekonnt unterhaltend, bittere Wahrheiten entblättern. Selbstverständlich hörte keiner auf ihn. Ein gespenstischer Akt.

Thomas Schulz
27. Oktober 2011 11:07

@Gerhard Lippert

'Und im Nachhinein wäre es sinnvoller gewesen, der deutsche Staat hätte mehr Schulden gemacht'

Mag sein. Aber wenn Sie, 1000 € gespart hätten, und die will Ihnen jetzt jemand wegnehmen, würde es Sie trösten wenn ich zu Ihnen sagte: ‚Ja Ja, hätten Sie mal das Geld letzte Woche verfressen dann könnte es Ihnen heute niemand mehr klauen’ ?

Ich halte daher die ganze Diskutiererei über Goldstandard, fiat money, zinseszins-System und was es da noch alles geben für situationsunangemessen.
Wenn mir jemand an die Börse will, dann klopf ich ihm auf die Finger und verschieb das philosophieren über Sinn und Unsinn der kapitalistischen Eigentumsordnung auf später – denn heute haben wir Kapitalismus (der sich meiner Meinung nach in den letzten paar Jahrhunderten auch ganz gut bewährt hat) und da heißt es eben hic rhodus hic salta denn sonst könnte es passieren das man verhungert ist bevor man die Gelegenheit hatte das – der jeweiligen eigenen Meinung nach – ultimativ gerechteste Wirtschaftssystem einzuführen.

Und wenn uns auch die außenpolitischen Mittel fehlen sollten die Ausplünderung Deutschlands zu verhindern dann sollten wir zumindest noch die Kraft haben ein Unrecht – ‚Unrecht’ zu nennen; sonst laufen wir Gefahr uns neben dem Vorwurf der Schwäche auch noch den der Dummheit einzuhandeln.

'Die eigentliche Lösung des Problems sind aber keine Lohn- und Schuldenspielchen, sondern nationale Währungen'

Da stimme ich Ihnen grundsätzlich zu – mit der kleinen taktischen Modifikation, daß ich einen Beitritt zum Franken für klüger halte, weil man sich dann das Vertrauen einer DM 2.0 nicht erst wieder erarbeiten müsste und außerdem das aktuelle Schweizer Export Problem entschärft wäre.

Thomas Schulz
27. Oktober 2011 11:13

@Kubitschek
‚gab es je eine vernunft(s)religion . . . außerhalb des habermasschen oberseminars?’

Ja. Das Christentum.

‚Man hat von jeher einen Gegensatz zwischen Vernunft und Religion, wie zwischen Religion und Welt aufstellen wollen; aber näher betrachtet ist er nur ein Unterschied.
Die Vernunft überhaupt ist das Wesen des Geistes, des göttlichen wie des menschlichen.
Der Unterschied von Religion und Welt ist nur der, daß die Religion als solche Vernunft im Gemüt und Herzen ist, daß sie ein Tempel vorgestellter Wahrheit und Freiheit in Gott ist, der Staat dagegen nach derselben Vernunft ein Tempel menschlicher Freiheit im Wissen und Wollen der Wirklichkeit ist, deren Inhalt selbst der göttliche genannt werden kann.’
‚Das Geschäft der Geschichte ist nur, daß die Religion als menschliche Vernunft erscheine, daß das religiöse Prinzip, das dem Herzen der Menschen inwohnt, auch als weltliche Freiheit hervorgebracht werde.
So wird die Entzweiung zwischen dem Innern des Herzens und dem Dasein aufgehoben.
Für diese Verwirklichung ist jedoch ein anderes Volk oder sind andere Völker berufen, nämlich die germanischen.’

Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, Bd. IV: Die germanische Welt
(Ausgabe von Georg Lasson im Meiner Verlag (vor 1945))

Gerhard Lippert
27. Oktober 2011 22:47

@ Thomas Schulz

"Aber wenn Sie, 1000 € gespart hätten, und die will Ihnen jetzt jemand wegnehmen, würde es Sie trösten wenn ich zu Ihnen sagte: ‚Ja Ja, hätten Sie mal das Geld letzte Woche verfressen dann könnte es Ihnen heute niemand mehr klauen’ ?"

Keineswegs, das Recht auf Sparen ist mir nicht nur hoch und heilig, sondern es ist auch notwendig für eine wirtschaftliche Entwicklung. In einer gesunden Geldwirtschaft kann nur investiert werden, wenn ein anderer spart. Man kann es aber auch anders ausdrücken: Wenn Sie eine Ersparnis bilden wollen, dann müssen Sie es auch zulassen, dass sich jemand anderes verschuldet. Anders geht es nicht! Den Vermögen stehen Schulden in derselben Höhe gegenüber.

Die Frage ist eben, wer sich wie hoch für was verschuldet. Ich wollte nur Folgendes sagen: Besser wäre es gewesen, unsere Ersparnis wäre im Inland investiert statt im Ausland konsumiert worden. Ob jede Investition eine Rendite erbringt, durch die ich meine Ersparnis inklusive Zins in Zukunft wieder gegen Konsum eintauschen kann, steht auf einem anderen Blatt. Aber dies soll ja hier kein volkswirtschaftliches Seminar werden, deshalb belasse ich es bei diesen Worten.

Ein Fremder aus Elea
28. Oktober 2011 18:50

"kämen wir überhaupt davon?"

Hat Saddam Hussein die Bagdader Brücken sprengen lassen?

Warum die eigene Plantage verwüsten?

Selbstverständlich kämen wir überhaupt davon, wenn es keine berechtigte Hoffnung auf ein besseres Geschäft gäbe. So wie jetzt auch Griechenland davon gekommen ist.

Fleißige, gut ausgebildete Arbeiter schaffen Werte, welche zu einem steuerbaren Grade an den Plantagenverwalter gehen.

Es gibt zwei Arten von Widerstand dagegen, den individuellen und den staatlichen. Sozialismus ist gut, um ersteren zu brechen und die Globalisierung ist gut, um den Sozialismus in Schach zu halten: Die völkische Solidaritätsgemeinschaft wird durch einen zerstrittenen, aber äußerst hellhörigen und konformistischen Haufen ersetzt. Und auf diese Weise läßt sich am meisten widerstandslos abschöpfen.

Das ist meine Analyse. Habe ich vor zwei Monaten auch so niedergeschrieben. Ich gebe mal den Link an:

https://bereitschaftsfront.blogspot.com/2011/08/eine-lagebesprechung.html

Schopi
28. Oktober 2011 23:35

Über bestimmte -vermeintliche- Sachverhalte kann ich nur mit offenem Munde staunen.

Es geht um "Rettungssummen" für GR von 400 Milliarden EUR.
GR hat knapp unter 11 Millionen Einwohner.
GR hat, wenn man so will und den Tourismus, Reedereien und Obst- und Weinanbau und -handel einmal als Bezugsgröße herannimmt gar keine "Wirtschaft" - jedenfalls nicht vergleichbar mit D oder auch FR.

Politiker und sog. Fachleute reden aber so, als ob die griech. Wirtschaft deutsches Niveau hätte und diese mit dem Geld "gerettet" werden soll.

Fällt Ihnen spontan eine EINZIGE bedeutende griechische Firma ein?

Vulture
30. Oktober 2011 13:54

Der Kreislauf an rein SYMBOLISCH zu verstehenden Beispielen:

Die Deutsche Bank gibt dem griechischen Staat Kredit in dem sie seine Anleihen kauft.
Der griechische Staat bezahlt damit seinen Beamten.
Der Beamte kauft sich von seinem Gehalt (welches nicht ansatzweise seiner Produktivitaet entspricht) einen neuen 3er BMW.
Da der griechische Staat seine Zinsen nicht mehr bedienen kann und die Gefahr besteht, dass er ueberhaupt nicht mehr zahlt (das kann ein Staat ja prinzipiell, dagegen hilft nur Einmarschieren) bekommt es die Deutsche Bank mit der Angst zu tun. Sie uebt also Druck auf die Politik aus, die Griechen zahlungsfähig zu halten. Die Politik tut dies mit a) Steuergeldern und b) frisch Gedrucktem (Geldverschlechterung durch direkten Anleihenaufkauf der EZB oder weiss der Deibel, unerhebliche Details).

Das ist doch ne coole Sache: Die Deutsche Bank hat zunaechst den deutschen Arbeitnehmer subventioniert, aber das macht die nur zeitlich begrenzt, denn die muss Geld verdienen. Der deutsche Arbeitnehmer hat also ein paar weitere fette Jahre gehabt. Dass er dem Griechen seine Benzen und BMWn praktisch geschenkt hat, merkt der jetzt noch lange nicht. Und das ist der Kick! Der Grieche behaelt seinen BMW, die Deutsche Bank sieht jetzt (dank "Euro"-Rettung) ihre Asche auch recht kurzfristig wieder. Und der deutsche Michel wird in ein paar Jahren vor seinen entwerteten Ersparnissen stehen. Der zahlt. Oder gibt es andere Meinungen?

EINSCHRÄNKUNGEN:
Deutschland exportiert viel mehr in die USA, Russland, China als in die paar Olivenhaine am Mittelmeer.
Der heutige durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer haut seine ganze Kohle so schnell auf den Kopf, dass ich mir nicht ernsthaft um ihn Sorgen machen kann. Wer nichts besitzt braucht sich nicht groß vor Geldentwertung fuerchten. Und das ist m. E. des Pudels Kern in dem ganzen Spiel: wer am schnellsten aus dem Geld raus ist gewinnt.

Deshalb sollte man sich vielleicht nicht so viel um die Zahlen mit den vielen Nullen scheren. Alles nur bunt bedrucktes Papier, bzw. bits im Computer heutzutage. Was zu essen wächst aufm Acker.

Gerhard Lippert
1. November 2011 12:01

@ Vulture

Sehr schön zusammengefasst, leider liest man das nicht im Politik- oder Wirtschaftsteil einer Tageszeitung.

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