Sezession
7. Februar 2012

Offensive am Laternenmast

Gastbeitrag

von Wiggo Mann

Wer konservative Zeitschriften liest, hat sie in der Regel nicht in seinem AStA-Büro entdeckt. Er wird auch nicht durch eine teure Werbeoffensive zum Hereinschnuppern animiert worden sein, sondern er ist irgendwie über unzählige Seitenwege auf diese Publikationen gestoßen.

Die jungen Macher des Onlinemagazins Blaue Narzisse wollen jetzt einen neuen Seitenweg eröffnen, indem sie sich um den Laternenmast auf dem Campus kümmern.

Seit Jahren irritiert die Blaue Narzisse mit Artikeln, die so gar nicht ins neurechte Klischee passen. Da wird völlig selbstverständlich über "Mainstream-Musik" geschrieben und ein Autor hat sich sogar für ein Jahr die NEON abonniert. Neben Friedrich Schillers „ästhetischer Erziehung“ wird die „Diktatur der Kunst“ diskutiert.

Und jetzt dies: Nach intensiver Beschäftigung mit dem Für und Wider politischer Aktionsformen haben die Jungjournalisten den Kampf um den Laternenmast ausgerufen. Eine eigene Aufkleber-Serie, die in einer neuen Verkaufstheke erworben werden kann, soll die komplexen Botschaften des Onlinemagazins auf den Punkt bringen. Das Ziel ist es, mit polemischen Symbolen Reibungsflächen zu schaffen, statt mit inhaltsleeren Grafiken Selbstdarstellung zu betreiben oder einfach nur gern gehörte Parolen abzugeben („Islam – Nein Danke!, „Meinungsfreiheit für alle!“).

Für den Anfang sind es fünf Motive, die sich im Aufkleber-Dschungel der Universitäten und Großstädte behaupten sollen.

  • Die mit Stacheldraht verzierte Flagge der Europäischen Union wird den Durchschnittsstudenten zunächst unsicher zurücklassen, ob hier rechte EU-Kritiker am Werk waren oder linke Frontex-Gegner, aber spätestens nach einer Google-Suchanfrage weiß er Bescheid.
  • Das zweite Motiv erkennt nur, wer hin und wieder zu einer überregionalen Tageszeitung greift und den angebotenen Einheitsbrei satt hat: „Occupy the Feuilleton“ spielt mit den Parolen der Gegenseite und weist darauf hin, daß heute der Gegner der Konservativen in der Mitte der Gesellschaft hockt und fälschlicherweise manchmal sogar als "Konservativer" bezeichnet wird.
  • Eine besonders klare Botschaft vermittelt das dritte Motiv. „Ganz normal heterosexuell. Bildungsabschluß. Glücklich.“ lauten die drei simplen Schlagworte, vor denen eine stilisierte Familie als Menschenkette abgebildet ist.
  • Auf dem vierten Motiv beschwert sich der neun Jahre alte Jörg, daß er der einzige Deutsche in seiner Klasse sei. Darunter kommt Jamie-Joel zu Wort, ein 23-jähriger Germanistik-Student mit Lese-/Rechtschreibschwäche, der recht optimistisch in die Zukunft schaut.
  • Das fünfte Motiv präsentiert das weithin unbekannte Hertensteiner Kreuz und spielt auf den europäischen Rütli-Schwur von 1946 an. Die Blaue Narzisse will dieses Symbol als Alternative zur derzeitigen Flagge der EU aufbauen.

Hier geht es zur Verkaufstheke der Blauen Narzisse!


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