Edmund Husserl zum 150.

Der Name Edmund Husserls, der am 8. April 1859 in Mähren geboren wurde, ist wie kaum ein zweiter in der Philosophiegeschichte ...

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

… mit einem ein­zi­gen Begriff ver­bun­den, dem der Phä­no­me­no­lo­gie. Weil er sei­ne Phä­no­me­no­lo­gie selbst als die Grund­wis­sen­schaft betrach­te­te, hat sich Hus­serls selbst­ge­stel­ler Anspruch damit erfüllt. Der Begriff selbst fin­det sich in der deut­schen Phi­lo­so­phie seit der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts in ver­schie­de­nen Bedeutungen.

Erst Hus­serl hat ihn zur „Wesens­wis­sen­schaft” (in den Ideen, 1913) erho­ben und damit die gesam­te Phi­lo­so­phie des 20. Jahr­hun­derts ent­schei­dend beein­flußt, sei­en es Sche­ler und Hei­deg­ger oder Sart­re und Mer­leau-Pon­ty. Immer wer­den ein­zel­ne Aspek­te aus Hus­serls Über­le­gun­gen wei­ter­ge­führt. Letzt­end­lich han­delt es sich um eine Metho­de, den Weg zu den Erschei­nun­gen selbst frei zu machen, ohne durch unser immer schon fest­ste­hen­des Urteil behin­dert zu wer­den. Doch die­se Welt der Erschei­nun­gen ist nicht die (objek­ti­ve) Welt wie sie ist, son­dern die, wie sie uns durch „inten­tio­na­le Erleb­nis­se” erscheint. Damit hat Hus­serl ein ganz neu­es Nach­den­ken über unse­re Erkennt­nis ermöglicht.

Der ähn­lich erflog­rei­che Begriff der „Lebens­welt”, den er auch nicht erfun­den aber geprägt (in der Kri­sis der euro­päi­schen Wis­sen­schaf­ten, 1936) hat, ist All­ge­mein­gut gewor­den, ohne daß damit sofort Hus­serl asso­zi­iert wür­de. Er meint, die von uns vor­ge­fun­de­ne natür­li­che Welt, die Grund­la­ge unse­res Den­kens und damit den Aus­gangs­punkt unse­res Den­kens, über den uns die Phä­no­me­no­lo­gie gleich­sam hinaushebt.

Hus­serl starb am 27. April 1938 in Frei­burg nach­dem er als Jude die übli­chen Aus­gren­zun­gen hin­neh­men muß­te. Nach 1945 hat man sei­nen berühm­tes­ten Schü­ler, Hei­deg­ger, dafür ver­ant­wort­lich gemacht. Die Per­son Hus­serls spiel­te dabei gar kei­ne Rol­le mehr, man woll­te nur die Phi­lo­so­phie Hei­deg­gers erle­di­gen, mora­lisch natür­lich. In sei­nem Nach­wort (1930) zu den Ideen (das eine gute Ein­füh­rung in das schwie­rig zu lesen­de Werk Hus­serls bie­tet) hat er dar­auf selbst die Ant­wort gegeben:

Im übri­gen hal­te ich an mei­ner alten Über­zeu­gung fest, daß es in Sachen der Wis­sen­schaft weni­ger auf Kri­tik denn auf geta­ne Arbeit ankommt, die schließ­lich stand­hält, wie viel sie miß­ver­stan­den und wie oft an ihr vor­bei argu­men­tiert wer­den mag.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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