Sezession
8. März 2012

„Ein eigener Kosmos mit eigenen Gesetzen“ oder: Hat Sven N. sich verteidigt?

Felix Menzel

Die „Weiße Siedlung“ in Neukölln heißt nur so, weil die Häuser weiß sind. Es handelt sich um kein deutsches Ghetto im multikulturellen Großstadtdschungel. Vielmehr wohnen hier 63 Prozent Ausländer und die Hälfte aller Bewohner dieses „Quartiers“ bezieht Hartz IV. Im Kindergarten und an der Grundschule haben schon 85 Prozent einen „Migrationshintergrund“.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Der Staat pumpt Unsummen in dieses Quartier hinein, damit es hier verhältnismäßig ruhig bleibt. Sogar politisch korrekte Berichterstattung wird jährlich mit 5.000 Euro gefördert. Aber noch viel wichtiger ist es, daß die „Gewaltprävention“ früh beginnt und Kinder zu „Mediatoren“ ausgebildet werden, „um Konflikte unter Mitschülern zu lösen“. Die Eltern holt das Quartiersmanagement auch mit ins Boot, indem es Informationsveranstaltungen in Deutsch, Türkisch und Arabisch anbietet.

Doch trotz all dieser Bemühungen hat es am Sonntag (4. März) einen tragischen Zwischenfall im Quartier gegeben. Auf dem Bolzplatz steht es 2:4 beim Spiel des NFC Rot-Weiß Neukölln und SV Empor Prenzlauer Berg. Dann kommt es zu einer Rangelei zwischen türkischen und arabischen Spielern. Mittendrin: ein paar „Restdeutsche“ wie der kleine Kevin, dessen Vater Oliver H. (39) die Eskalation besorgt an der Seitenlinie verfolgt.

Er entschließt sich, gemeinsam mit seinem Bekannten Sven N. (34) einzugreifen. Doch auf einmal verbrüdern sich die Türken mit den Arabern und gehen auf die beiden Deutschen los. Quer durch Neukölln hetzen sie die Familienväter, die sich erst im Haus von Oliver H. sicher fühlen. Währenddessen bewaffnen sich die 20 Jugendlichen mit Steinen, Messern und Knüppeln.

Einer von ihnen ist der 18-jährige Jusef El-Abed. Er gilt selbst Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) als Vorbild und ist als Streitschlichter unterwegs. Das Jobcenter finanziert diese Arbeit als „Kiezstreife“ und gibt dem jungen Ausländer so eine zweite Chance, obwohl er bereits wegen schweren Diebstahls aufgefallen ist.

Als Streitschlichter in der angespannten Situation vor dem Haus von Oliver H. fällt derweil ein türkischer Erwachsener auf. Er wendet sich an Sven N. und gibt diesem zu verstehen, daß die jungen Männer nur mit ihm reden möchten. Sven N., der auch kein unbeschriebenes Blatt ist (mehrmonatige Bewährungsstrafe im Jahr 2006 wegen gefährlicher Körperverletzung), traut dem Ganzen jedoch nicht. Er nimmt zur Sicherheit ein Küchenmesser mit, stellt sich den Jugendlichen, während Oliver H. die Hosen voll hat und über den Hof flüchtet.

Die Sorge von Sven N. ist berechtigt, denn kaum aus dem Haus schlagen drei Jugendliche auf ihn ein. Schwerverletzt geht er zu Boden und fuchtelt dort panisch mit seinem Messer herum. Er trifft Jusef El-Abed, dieser stirbt.

Morgen (9. März) wird der junge Mann nun auf dem islamischen Friedhof am Columbiadamm beerdigt. Hunderte Trauergäste haben sich angekündigt. Sven N. liegt noch immer im Krankenhaus. Wahrscheinlich hat er einen Schädelbasisbruch erlitten. Wo sich Oliver H. befindet, ist unbekannt – jedenfalls nicht in seinem Haus.

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, daß Jusef El-Abed zu den Angreifern gehörte. Sven N. habe aus Verzweiflung Notwehr begangen, die „strafrechtlich gerechtfertigt“ ist. Damit dürfte der Fall dennoch nicht abgeschlossen sein. „Ich kann zu hundert Prozent garantieren, daß das ein Nachspiel haben wird“, sagt einer der Bekannten von Jusef gegenüber der Presse. Burak betont: „Das hier ist ein eigener Kosmos mit eigenen Gesetzen.“

Die Polizei ist sich der Bedrohungslage ebenfalls bewußt. Man habe deshalb keine normalen Beamten in das Quartier geschickt, sondern „Fachkräfte des Arbeitsgebiets Integration und Migration“. Diese werden sich nun mit Burak und anderen Bekannten des Erstochenen treffen, damit sich die Gemüter beruhigen.

An Sven N. richtet Burak derweil eine unmißverständliche Ansage: „Ich würde ihm raten, hier nicht mehr so schnell aufzutauchen (…) Wenn ich umgekommen wäre, wären meine Jungs sofort unterwegs, um denjenigen, der das getan hat, fertigzumachen.“
Test


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