Der will nur spielen! – Über den Fremddeutschen Feridun Zaimoglu

pdf der Druckfassung aus Sezession Nr. 43/ August 2011

»Die Wortgewalt des Kanaken drückt sich aus in einem herausgepreßten, kurzatmigen und hybriden Gestammel ohne Punkt und Komma, mit willkürlich gesetzten Pausen und improvisierten Wendungen.«

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

»Kana­ke« schien eine Zeit­lang Chan­cen zu haben, sich in die Rei­he der soge­nann­ten Geu­sen­wör­ter ein­zu­fü­gen. Dabei han­delt es sich um eine posi­ti­ve Umwid­mung eins­ti­ger Schmäh­wör­ter – kör­per­lich Behin­der­te etwa sam­mel­ten sich in den sieb­zi­ger Jah­ren unter der Selbst­be­zeich­nung »Krüp­pel«, Homo­se­xu­el­le gaben dem bis­lang abwer­tend gemein­ten »schwul« (»… und das ist gut so«) einen posi­ti­ven Klang, ähn­lich ver­fuh­ren Dir­nen, die sich zu »Huren«-Vereinigungen zusam­men­fan­den. Der fröh­li­che Stolz der umge­wid­me­ten Kon­no­ta­ti­on aller­dings geht flö­ten, wenn Außen­ste­hen­de in her­kömm­li­cher Schmäh­ab­sicht den Ter­mi­nus anbringen.

 

Kana­ke also. Wer heu­te noch von »Fremd­ar­bei­ter« oder »Aus­län­der« spricht, dem mag man im güns­ti­gen Fall eine gewis­se Unbe­darft­heit attes­tie­ren. Kana­ke hin­ge­gen – laut­li­che Nähe zu Kacke, Kloa­ke! – ist eine defi­ni­tiv mie­se Zuschrei­bung, auch wenn Neun­mal­klu­ge schon immer wuß­ten, daß das K‑Wort aus Hawaii stammt und »Mensch« bedeu­tet. Undenk­bar, daß eine Bun­des­kanz­le­rin je von den »Kana­ken in unse­rem Land« sprä­che! 1995 unter­nahm ein bis dato unbe­kann­ter »deut­scher Schrift­stel­ler« (Selbst­be­zeich­nung) den Ver­such, aus der häß­li­chen Opferti­tu­lie­rung ein selbst­be­wuß­tes, ja aggres­si­ves Mar­ken­zei­chen zu machen. Kanak Sprak hieß das im Ham­bur­ger Rot­buch Ver­lag erschie­ne­ne Buch, in dem Fer­i­dun Zai­mo­g­lu 24 Miß­tö­ne vom Ran­de der Gesell­schaft ver­sam­mel­te. »Kana­ken«, so behaup­te­te der Autor, sei ein »Eti­kett, das die ›Gast­ar­bei­ter­kin­der‹ der zwei­ten und drit­ten Genera­ti­on mit stol­zem Trotz füh­ren«. Den »Kos­mos von Kana­ki­stan«, ein »Land­strich am Ran­de der deut­schen Gesell­schaft«, woll­te Zai­mo­g­lu hier »wild und authen­tisch« dar­stel­len. Die Legen­de sagt, daß es sich hier­bei um zwei Dut­zend tat­säch­li­cher »Posi­ti­ons­pro­to­kol­le« han­delt, die der Autor lite­ra­risch über­ar­bei­tet haben will. Sämt­li­che der meist atem­los, gele­gent­lich mit kunst­vol­ler Bra­chia­li­tät vor­ge­tra­ge­nen Mono­lo­ge zor­ni­ger jun­ger Tür­ken könn­ten genau­so­gut Zai­mo­g­lu­sche Kopf­ge­bur­ten sein. Die Stim­men von Zuhäl­ter Cem, dem Psy­cho­pa­then Der­wisch und ande­ren selbst­er­nann­ten Kanaks­tern unter­schei­den sich nach dem Ver­hält­nis, in dem ein­ge­streu­te tür­ki­sche Ter­mi­ni, Gos­sen- und Hoch­deutsch zuein­an­der­ste­hen. Gemein ist ihnen – selbst den Deklas­sier­tes­ten – eine elo­quen­te Bered­sam­keit, phi­lo­so­phi­sche wie psy­cho­lo­gi­sie­ren­de Nei­gun­gen und eine ordent­li­che Por­ti­on Haß und Ver­ach­tung auf Deutsch­land, »das Land im Arsch«: auf das Land also, in dem sie leben.

 

Neh­men wir Fik­ret, 25, arbeits­los, dem Zai­mo­g­lu hier eine ver­gleichs­wei­se mode­ra­te Stim­me gibt: »Ich kann hier voll von der kan­zel wider die lan­des­kin­der rede hal­ten, doch neu wird’s denen auch nicht sein, wenn ich dem ale­man­nen attes­tier, daß er statt ner haut ne gla­sur hat wie auf’m ber­li­ner in der kon­di­to­rei, und das, was ihm die lider so umfan­gen, kein aug ist, aber ne illu­si­ons­kap­sel, daß’s teut­sche gesicht wie die olle bis­marck­sta­tue im park befal­len ist von so nem ungeis­ti­gen grün­span. Ich nenn das ver­las­se­ne far­be von leu­ten, die man sich in ner wild­frem­den sze­ne wie­der­fin­den, und’n leben lang wurmt sie die frem­de regie, und die leu­te wür­den gern’n and­ren text quat­schen, aber die beson­der­heit des fakts läßt nicht locker.«

Zai­mo­g­lu woll­te mit sol­chen Tex­ten eine selbst­be­wuß­te »eth­ni­zis­ti­sche Struk­tur« ana­log zur US-ame­ri­ka­ni­schen Black-Con­scious­ness-Bewe­gung skiz­zie­ren und befeu­ern. Es ging ihm um einen Gegen­ent­wurf zur »wei­ner­li­chen, sich anbie­dern­den und öffent­lich geför­der­ten ›Gast­ar­bei­ter­li­te­ra­tur‹ vom ›armen, aber her­zens­gu­ten Tür­ken Ali‹«, zur »›Müll­kut­scher-Pro­sa‹, die den Kana­ken auf die Opfer­rol­le festlegt.«Bei Ercan, 24, Gigo­lo, kommt das »blut einer lady so rich­tig ins wal­len«, weil sie es in ihrer Phan­ta­sie statt mit einem Bezahl­tür­ken mit einem »ech­ten Juden« treibt: »… so’ne schi­cke lady hat eben ne lat­te von klug­bü­chern gele­sen, in der ihrem hirn hat sie’s wei­se wis­sen ver­staut, und viel­leicht kommt ja nach vie­lem über­le­gen so ne geil­heit raus, wo die ihr mit­teilt, ’n jude ist mir mehr wol­lust als irgend­wer sonst, naja, die hat halt auch mit­ten im aus­üben des geschäfts vol­le kan­te gebrüllt, von wegen, mich fickt’n jude. … Am mor­gen steckt die mir’n ordent­li­chen schein inne tasche und … sagt zum abschied: mein schlim­mer judenschniddel.«

 

Hakan, 22, Kfz-Gesel­le, ver­ach­tet dies »ari­er­völk­chen«, in des­sen Mit­te er gelan­det ist: »Der deut­sche malo­cher is ne pro­grom sau, tottre­ten is für die hier obers­ter volks­sport. Mein ruf an die kana­ken in ale­ma­nia is: … wenn ihr die hand gebt, dem unbe­schnit­te­nen, ver­geßt nicht, daß er auch sei­ne eig­ne mut­ter auf’n strich schi­cken wür­de, wenn genug schot­ter für ihn her­aus­springt. Wenn ihr wie olle zoo­pa­via­ne nach des deut­schen wär­ters zucker­wür­fel schnappt, ver­geßt nicht, daß ihr euch eure blan­ke see­le habt ver­wurs­ten las­sen. Ne zor­ni­ge macht von strai­gh­ten tür­kens­see­len is wie tau­send rech­te haken ins blei­che wab­bel­fleisch des deut­schen ober­teu­fels. Ich ruf den brü­dern zu: hal­tet euch fern von den psy­cho­ge­met­zeln, die da in ale­ma­nia toben. Ver­der­ben is der stamm­na­me des blon­den teufels.«

 

Per Wid­mung über­eig­ne­te Zai­mo­g­lu »die­ses buch den wider­ständ­lern, den agen­ten im main­stream, der getarn­ten bösen brut, der asy­lan­ten­flut, den ras­se­schän­dern, dem metro­po­len­men­schen­müll, mit respekt und gro­ßer lie­be, allen KANAKAS in ger­ma­ny united.« Über Nacht wur­de er mit sei­nem obs­zö­nen, schwer les­ba­ren Büch­lein und erst recht durch sei­ne Lesun­gen zu einem Kult­au­tor an der Peri­phe­rie der Lite­ra­tur­sze­ne. Das Feuil­le­ton berich­te­te über­wie­gend wohl­wol­lend. Drei Jah­re spä­ter (»inzwi­schen ist rechts­ra­di­ka­le Gewalt, ver­bal wie kör­per­lich, eine All­tags­er­schei­nung wie der Gang zum Bäcker«) leg­te Zai­mo­g­lu mit Kopp­stoff »state­ments« weib­li­cher Kan­a­kas nach. Cagil, 27, Stu­den­tin und Ange­hö­ri­ge eines kom­men­den Vol­kes mit »ange­bo­re­nem Feu­er unterm Arsch«, erregt sich über »inzüch­ti­ges deut­sches Gehirn­mas­tur­ba­ti­ons­e­ja­ku­lat«, Nes­rin, 24, Street-Figh­te­rin über »Libe­ral­pis­se­trin­ker«, und Aynur, 34, Künst­le­rin, bekun­det: »Wenn irgend ne Fri­seu­sen­hel­ga sich nun vor mir auf­baut und vom vol­len Boot schwätzt, wenn der letz­te drö­ge Halb­sä­ckel Moral­kot­ze fres­sen­plät­schern läßt, weiß ich, da ist alles krau­tig gewor­den. Die schei­ßen uns jetzt ins Gesicht und schön­spre­chen die Schei­ße zur adli­gen Eigen­kot­spen­de. Der Kaf­fer soll den Ale­manarsch aus­put­zen, dafür ist er gut. … Doch Ale­ma­nia ist für uns ne ein­zi­ge Abrißbirne.«

 

1997 hat Zai­mo­g­lu in Abschaum die Geschich­te Ertans, »eines Kana­ken, eines Dro­gen­ab­hän­gi­gen, eines Gangs­ters« pro­to­kol­liert. Im Nach­wort schreibt er: »Ertans Bot­schaft ist: Wir sind die Kana­ken, vor denen ihr Deut­schen immer gewarnt habt. Jetzt gibt es uns, ganz eurem Bild und euren Ängs­ten ent­spre­chend.« Ertan: »Bevor ich zur Schlä­ge­rei ging, war ich zu Haus und sag mei­nem Vater: ich muß weg, hab was zu tun, ich komm bald wie­der. Ich nehm mein Schlä­ger, er hat gleich kapiert und fragt, was los is. Ich erzähl ihm die Geschich­te und sag: Heu­te die tür­ki­sche Frau und mor­gen mei­ne Mut­ter. Die Arsch­lö­cher haben schon ein­mal die Juden ver­gast, die haben das ein­mal gemacht, wir weh­ren uns. Hey Mann, über­leg mal, wenn mei­ne Mut­ter ange­grif­fen wird und alle Leu­te von sich aus sagen, wir ficken die­se Stadt, is das nicht cool. Okay, sagt mein Vater, ich geb dir die Erlaub­nis, den Laden aus­ein­an­der­zu­neh­men.« Unter dem Titel Kanak Attack hat Regis­seur Lars Becker das wüs­te Kon­vo­lut ver­filmt, der Kino­film lief recht erfolgreich.

Der wider­stän­di­ge Außen­sei­ter, der aso­zia­le Stö­ren­fried, respek­ti­ve des­sen intel­li­gi­bles Sprach­rohr, als das sich Zai­mo­g­lu in sei­nen frü­hen Büchern sti­li­sier­te, ist längst einem ande­ren Bild gewi­chen. Mit Lie­bes­ma­le, schar­lach­rot (2000), dem ers­ten sei­ner bis­lang fünf Roma­ne, erfand er sich neu für die seriö­se lite­ra­ri­sche Büh­ne. Nach rund 1000 Lesun­gen, einst gehal­ten in der Ghet­to­at­mo­sphä­re abge­wrack­ter Jugend­clubs, heu­te in ele­gan­ten Lite­ra­tur­häu­sern, ist Zai­mo­g­lu ange­kom­men: auf den Best­sel­ler­lis­ten, in eta­blier­ten Jurys, als Stü­cke­schrei­ber für renom­mier­te Büh­nen, als Mit­glied des Islam­rats. Sei­nen Platz dort räum­te er rasch wie­der, er woll­te ihn frei­ma­chen für eine gläu­bi­ge Mus­li­ma, die nach sei­nem Emp­fin­den dem Gre­mi­um fehl­te. Zai­mo­g­lu, für die »arme Lite­ra­tur­sze­ne Deutsch­lands ein rau­her und stür­mi­scher Glücks­fall« (Eren Güver­cin, Betrei­ber des Blogs grenz­gän­ger­beatz), wird längst mit Aus­zeich­nun­gen über­häuft in die­sem Land, das ihm und sei­nes­glei­chen doch angeb­lich den Mund ver­bie­tet: Fried­rich-Heb­bel-Preis, Adal­bert-von-Cha­mis­so-Preis, Hugo-Bal­l‑, Grim­mels­hau­sen- und Jakob-Was­ser­mann-Preis und der­glei­chen mehr. Manch deut­sche Leih­bü­che­rei hat Zai­mo­g­lus viel­ge­rühm­ten Roman Ley­la gleich mehr­fach im Bestand, die Geschich­te basiert grob auf der Bio­gra­phie sei­ner eige­nen Mut­ter. Für die »groß­ar­ti­gen Tür­kin­nen der ers­ten Stun­de« for­dert er den glei­chen »Respekt, der Trüm­mer­frau­en selbst­ver­ständ­lich gezollt« wer­de. Die ver­ba­len Spreng­sät­ze aus dem ver­gan­ge­nen Jahr­tau­send lie­gen da als Minen, doch, so erklär­te er 2008 einer begeis­ter­ten Jour­na­lis­tin, sie hät­ten »nichts mehr mit mir zu tun, ich woll­te nicht mehr der Tür­ken-Exper­te sein. Vor­bei ist vor­bei, mein Herzblatt.«Geboren wur­de Zai­mo­g­lu 1964 in der Tür­kei, da hat­te sein Vater bereits seit zwei Jah­ren eine Anstel­lung als Arbei­ter in Lud­wigs­ha­fen. Bis 1981 wech­sel­te der Sohn sei­nen Auf­ent­halts­ort etli­che Male zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei. Sein deut­sches Abitur absol­vier­te Zai­mo­g­lu als Jahr­gangs­bes­ter, ein Medi­zin- und ein Kunst­stu­di­um brach er ab. Anschlie­ßend fand er sich »in einer Mas­sen­schlach­tung, wo ich den Tie­ren für die Schäch­tung die Keh­le durch­ge­schnit­ten habe. Ich ent­sprach voll dem Typus des Ver­sa­gers, hat­te kei­nen Plan. Ich war ein melan­cho­li­scher Idi­ot.« Nicht, daß sich dar­aus nichts machen ließe.

 

Zai­mo­g­lu geht nicht nach Geld, er geht nach Stim­mung, und er hat eine gute Nase für den Wind, der gera­de zu wehen anhebt: zur Lich­ter­ket­ten­zeit das leib­haf­ti­ge Mega­phon einer selbst­er­dach­ten Kana­ken-Bewe­gung, her­nach der – durch­aus talen­tier­te – Lite­rat, und seit­her das Schar­nier zwi­schen die­sem und jenem. Der Platz zwi­schen den Stüh­len muß kein unbe­que­mer Ort sein – nicht für einen, der um die Attrak­ti­vi­tät eines habi­tu­ell schlecht­ge­laun­ten Knur­rers weiß. »Erup­tiv« nennt das die Kri­tik, und es hat einen bewun­dern­den Klang. »Ich habe das lin­ke Geha­be in den Sub­kul­tu­ren und Milieus der Bür­ger­kin­der ver­ab­scheut«, sag­te Zai­mo­g­lu der Isla­mi­schen Zei­tung. Sei­ne Hel­den sei­en »Nicht-Bür­ger­li­che. Das kommt daher, daß ich das Span­nen­de, das Gären­de, das wild Wach­sen­de eben nicht bei den Bür­ger­li­chen sehe.« Dem »deka­den­ten Charme der Bour­geoi­sie«, dem »Auf­klä­rungs­spie­ßer­tum« kön­ne er nichts abge­win­nen. Der Mann, der die Wand sei­nes Kie­ler Arbeits­zim­mers mit Gar­ten­zwer­gen bestückt hat, besteht dar­auf, die Anstands­re­geln sei­ner Welt selbst zu bestim­men. »Migra­ti­ons­hin­ter­grund« sei ein »häß­li­ches Wort«, fährt er Spie­gel-Redak­teu­ren über den Mund, das sei ein Begriff, den fei­ge Deut­sche erfun­den hät­ten. Der selbst­er­nann­te Fremd­deut­sche hat eige­ne Vor­stel­lun­gen von sprach­li­cher Kor­rekt­heit. Deut­lich wird das auch in sei­ner Neu­über­set­zung (gemein­sam mit sei­nem dau­er­haf­ten Kom­pa­gnon Gün­ter Sen­kel) von Shake­speares Othel­lo, den die Münch­ner Kam­mer­spie­le 2003 und 2009 auf dem Spiel­plan hat­ten: »Ich will allen Schwuch­teln Zyperns ein bla­sen, wenn du nich mor­gen Nacht Des­de­mo­na fickst«, usw.

Zum Selbst­kon­zept des Unbe­re­chen­ba­ren – oder der tak­ti­schen Ver­stel­lung? – gehört auch, daß Zai­mo­g­lu gele­gent­lich von sei­ner »glü­hen­den Lie­be zu Deutsch­land« sprach, und davon, daß er »Tür­ken in Mas­sen sehen« wol­le, »die deut­sche Fah­nen schwen­ken«. Ohne die auto­chtho­nen »Kon­ser­va­ti­ven« – ein weit­ge­faß­ter Begriff – hier und die »zurecht­ge­stutz­ten Assi­mil-Küm­mels«, die »Edel­mi­gran­ten« von dort wäre Deutsch­land kein schlech­ter Ort. Apro­pos wehen­de Fah­nen: Zai­mo­g­lu hat­te 2005 an der Kunst­hal­le Wien eine steu­er­fi­nan­zier­te (angeb­lich 40 000 Euro teu­re) »Kunst­in­stal­la­ti­on« unter dem Titel Kanak Attack. Die drit­te Tür­ken­be­la­ge­rung ange­bracht: Er ließ 420 Fah­nen mit dem tür­ki­schen Halb­mond an der Fas­sa­de des Kunst­hal­len-Innen­hofs wehen. Man­cher Wie­ner fühl­te sich pro­vo­ziert, wäh­rend eine ähn­li­che Akti­on Jah­re zuvor kei­ne öffent­li­che Dis­kus­si­on aus­ge­löst hat­te. Im aktu­el­len, feuil­le­to­nis­tisch hoch­ge­ju­bel­ten Mul­ti­kul­ti-Mani­fest der Vie­len (man schaue sich bit­te auf you­tube den wahr­lich herz­zer­rei­ßen­den, »musi­ka­li­schen« Trai­ler – Stich­wort: »Tanz den Sar­ra­zin« – an!) reüs­siert Zai­mo­g­lu mit sei­nem Text »Es tobt ein Kul­tur­kampf« gewis­ser­ma­ßen als Auf­ma­cher. Zai­mo­g­lu emp­fin­det die Gegen­wart als eine »Zeit, in der rech­te Femi­nis­tin­nen, gewen­de­te Alt­lin­ke, ortho­do­xe Klas­sen­kämp­fer, Kul­tur­kon­ser­va­ti­ve, Kul­tur­pa­pis­ten und Rechts­kon­ser­va­ti­ve die Mei­nungs­he­ge­mo­nie bean­spru­chen. … Die Auf­re­gung, die in kon­ser­va­ti­ven Krei­sen herrscht, hat aber damit zu tun, daß sie nicht mehr unge­straft (!) von Aus­län­dern spre­chen kön­nen.« Von einem Krieg gegen Zuwan­de­rer ist die Rede, den eta­blier­te rech­te Pro­vo­ka­teu­re vom Zaun gebro­chen hät­ten, die gleich »Metz­gern mit stump­fen Aus­bein­mes­sern … schnei­den und ste­chen, rei­ßen und zer­ren.« Im Klein­ge­druck­ten ist zu lesen, daß Zai­mo­g­lu die­sen Text bereits 2007 vor dem Bun­des­tag ver­le­sen hat­te. Damals war Jür­gen Kau­be ihm mit einem flam­men­den Arti­kel in der FAZ ent­ge­gen­ge­tre­ten: »Im Krieg, heißt es bei Thu­ky­d­i­des, sind die Wor­te nur noch Wor­te, weil sie jeder ver­wen­det, wie er gera­de will. Es ist eine sol­che Par­al­lel­welt des Geschwät­zes, die Zai­mo­g­lu bewohnt. Unter Schwät­zern, die von Volk und Iden­ti­tät und Abend­land und von Aus­län­dern reden, die nie­mals Inlän­der wer­den kön­nen, fühlt er sich dar­um in Wahr­heit wohl. Denn sie erlau­ben es ihm, die Welt der Phra­sen und Stim­mun­gen zu bewirt­schaf­ten, die von kei­ner Empi­rie erreich­bar sind.« In einem Leit­ar­ti­kel (!) der Zeit klag­te Zai­mo­g­lu, daß »wir« – die Kin­der der Migran­ten – »kei­ne Stim­me« hät­ten. Die »Kon­ser­va­ti­ven«, von ihm auch »Hys­te­ri­ker« genannt, ver­hin­der­ten es. Aber, so warn­te er: Wer heu­te »bellt, wird mor­gen an den gemischt­eth­ni­schen Stamm­ti­schen der Nati­on kei­nen Platz mehr fin­den.« In die­sem Duk­tus geht es wei­ter, und dro­hend endet auch sein Bei­trag im Mani­fest der Vie­len: »Der Kampf geht weiter.«

 

Mar­tia­li­sche Spra­che und Droh­ge­bär­de demons­trier­te der Fremd-deut­sche auch in der Debat­te um Thi­lo Sar­ra­zin, den er für einen «Lum­pen« und »lupen­rei­nen Ras­sis­ten« hält. Der »gro­ße Strom von Men­schen« wer­de sich nicht vom »Anti-Islam-Quatsch« sol­cher »Sai­son­ar­bei­ter der Auf­klä­rer« auf­hal­ten las­sen. »Ich habe Grund zu gro­ßer Hei­ter­keit. Die Kara­wa­ne zieht wei­ter. Viel spä­ter wird man dann die Ske­let­te der Hun­de in der Wüs­te zählen.«

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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