Sezession
1. August 2011

Kleiner Traktat über die verschleppte Gewalt

Martin Lichtmesz

Am schwärzesten werden diese Dinge in der englischsprachigen »konter-dschihadistischen« Bloggerszene um Netzmagazine wie Gates of Vienna oder Brussels Journal gesehen, in der sowohl das politische Vordringen des Islam in Europa als auch der damit in Komplizenschaft stehende westliche Liberalismus analysiert werden. Den Prozeß der verschleppten Gewalt in England beschrieb etwa der britische Autor »El Inglés«. Dort sei die Staatsgewalt schon so weit vor der muslimischen Gewaltandrohung zurückgewichen, daß sich folgende Entwicklungen abzeichnen: »Öffentliches Schützen von Verbrechern, die am hellichten Tag kriminellen Aktivitäten nachgehen«, »weitgehende Verstärkung der Wirksamkeit schariabasierter Einschüchterung gesetzestreuer Bürger durch Verbrecher und potentielle Mörder« sowie die »Behinderung journalistischer Anstrengungen zur Ermittlung des Ausmaßes islamischer Fäulnis im Vereinigten Königreich.« Geht man davon aus, daß diese Tendenzen durch den steigenden demographischen Druck noch verschärft werden und der Islam eine reale Gefahr für die europäische Zivilisation darstellt, gäbe es logischerweise nur drei Möglichkeiten, diese Entwicklung aufzuhalten: »1) Moslems dazu zu bringen, aus eigenem, freiem Willen zu gehen, 2) Massendeportationen, und 3) Genozid.« Der Autor kommt zu dem Schluß, daß die dritte, schrecklichste Möglichkeit, ausgelöst durch den Ausbruch eines Bürgerkriegs, die wahrscheinlichste sei. »Was das Töten in großem Ausmaß betrifft, so ist es nicht nur immer eine Option; es ist die Option, welche den Hintergrund allen menschlichen Konfliktes ausmacht, ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht … Kapitulation, Flucht, Mobgewalt mit fast sofortiger Absonderung voneinander in größeren Städten, und entschlossenere Anstrengungen, um tatsächlich mit dem systematischen Töten ganzer Gruppen der Gegenseite zu beginnen: dies sind die Bahnen, entlang derer der Gang der Ereignisse unausweichlich verlaufen wird, sobald die Regierung die Situation nicht mehr im Griff hat … Die Ungleichheit hinsichtlich der Gewaltabstumpfung von Moslems und Nichtmoslems ist bereits erwähnt worden. Jedoch gibt es eine zusätzliche Konsequenz, die hier zum Schluß erwähnt werden sollte. Ich würde da gerne berichtigt werden, aber ich habe über die Jahre aus verschiedenen Quellen den Eindruck gewonnen, daß genau die Leute, die in Gewalt gestürzt werden, ohne in irgendeiner Form zu ihrer psychologischen Bewältigung konditioniert worden zu sein, am wahrscheinlichsten Greueltaten begehen (abgesehen von jenen, die bereits ideologisch darauf eingestellt sind). Wenn in europäischen Ländern tatsächlich Gewalt zwischen Einheimischen und Moslems ausbricht, halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß Leute, die nie zuvor etwas Gewaltsameres getan haben, als Eier aufzuschlagen, den psychologischen Übergang zur kontrollierten Gewalt nicht schaffen werden und anfangen werden, alles zu töten, das entfernt nach Moslem aussieht. Unsere unausgesprochene Überzeugung, daß wir im Europa des 21. Jahrhunderts über solche Wildheit hinausgewachsen seien, wird sich als eine Arroganz herausstellen, begründet auf einigen wenigen Jahrzehnten zerbrechlichen Friedens und Wohlstands, die wir für selbst-verständlich gehalten und ohne irgendeinen Grund durch unsere Finger rieseln lassen haben.« All dies sind konkreter werdende Echos von Tönen, die man schon in Botho Strauß’ Essay Anschwellender Bocksgesang aus dem Jahr 1993 vernommen hat: »Da die Geschichte nicht aufgehört hat, ihre tragischen Dispositionen zu treffen, kann niemand voraussehen, ob unsere Gewaltlosigkeit den Krieg nicht bloß auf unsere Kinder verschleppt.« Man muß es nicht mehr »voraussehen«: Diese Entwicklung hat bereits begonnen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

 


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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