Sezession
19. April 2012

Aufklärung im „Fall“ Norbert Weidner

Erik Lehnert / 62 Kommentare

Hysterie in burschenschaftlichen Kreisen (und darüber hinaus): Es geht um einen Leserbrief, um eine (nie verschwiegene) Mitgliedschaft und vor allem um politische Korrektheit. Es geht um Norbert Weidner, den Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter, aber es ist vor allem ein Gerangel hinter den Kulissen - um Macht und Einfluß in einem rund 10 000 Mitglieder zählenden Akademikerverband (hier ein Beispiel).

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Von mehreren Seiten wurden wir darum gebeten, den Stein des Anstoßes öffentlich zu machen. Im Sinne der Aufklärung und mit Blick auf den mündigen Burschenschafter tun wir das gern:
+ Hier der Leserbrief Norbert Weidners, der eigentlich nur für die bund-interne Debatte gedacht war.

Gleichzeitig erreichte uns ein Aufruf zu einer Unterschriftenaktion innerhalb der Burschenschaften, dessen Wortlaut wir der Öffentlichkeit ebenfalls nicht vorenthalten wollen:
+ Hier der Aufruf, der mittlerweile von 250 Personen unterschrieben worden sein soll.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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Kommentare (62)

Sugus
19. April 2012 11:58

Ein typisches Beispiel, wie sich Rechte selbst ins Knie schießen.
Wenn wir der "Gegenseite" vorwerfen, einseitig auf den NS fixiert zu sein, ist das bei uns keinen Deut besser.
Natürlich ist zur Verortung in der Gegenwart immer auch der Rückgriff auf die Geschichte notwendig. Und ich bin durchaus dafür, dem herrschenden Geschichtsbild Kontrapunkte entgegenzusetzen. Das geht aber für die breite Masse nicht mit Gutheißen eines Todesurteils unter einem Terror-Regime (und das war Deutschland Anfang 45, gerade gegen die eigenen Leute!), bei dem der Betreffende nackt aufgeknüpft wurde und juristischen Feinheiten wie der Unterscheidung von Hoch- und Landesverrat.
Wo ist das rechte Wikileaks? Wo sind die rechten "whistle blower"? Sitzt in keiner Stadtverwaltung, Finanzverwaltung, Justizverwaltung ein rechts Gesinnter, der mal die Rechnung aufmacht, was Ausländer bekommen und was sie einzahlen - welche Steuern Dönerbuden abführen, wie es mit Schwarzarbeit in diesen Milieus aussieht, welche Strafen ein Deutscher bei Gewalttaten gegen Ausländer erhälz und umgekehrt, etc.
HIER und HEUTE! Das müssen unsere Themen sein!

E.
19. April 2012 13:56

Ich kann an Herrn Weidners Kommentar, Dietrich Bonhoeffer betreffend, nichts Kritikwürdiges feststellen. Sachlich legt er dar, warum Bonhoeffer nicht zum Vorbild taugt. Auch unterscheidet er präzise zwischen Hoch- oder Landesverrat. Und letztlich war es nun einmal Landesverrat der von Bonhoeffer begangen wurde. Punkt aus. Da helfen auch keine gekünstelt brüskierten Aufrufe.

Museumswärter
19. April 2012 14:00

@ Sugus

Ich halte ihre Aussage, genauso wie diesen defätistischen Aufruf für vollkommen schwachsinnig.
Ein Urteil ausgesprochen gegen einen Landesverräter, wurde im Kriegsrecht sämtlicher Völker eindeutig umgesetzt.
Da machen die westlichen Staaten keinerlei Ausnahme, von der Sowjetunion ganz zu schweigen.
Es handelt sich bei der Differenzierung nicht um eine "fein juristische" Angelegenheit, sondern um eine Sache an der tausende Leben hingen, aber das scheinen sie nicht begriffen zu haben.
Es wurde nicht nur gegen das Regime gearbeitet, sondern auch gegen den deutschen Soldaten der im Schützengraben lag und das ganz bewusst.
Diese Auswüchse von politischer Überkorrektheit werden uns eines Tages noch vollends zerstören.
Mal abgesehen davon geht es nicht darum, ein Urteil gut zu heißen, sondern ein Vorbild in Frage zu stellen.

robert M.
19. April 2012 14:17

Der Bonhoeffer-Beitrag erfolgte als Gegenrede auf einen Beitrag eines Alten Herren, der in B. vollumfänglich ein Vorbild sah. Der Fall Manning zeigt, dass Geheimnisverrat selbst unter Obama unbarmherzig geandert wird. Aber Darum geht es den Protestlern gar nicht!!! Es handelt sich um eine gut orchestrierte Kampagne, die über das bewußte Zutragen und Skandalisieren eines internen Leserbriefs aus 2011 erfolgt und nun weiter laufen soll - man will die Burschenschaftlichen Blätter (Aufl. 10.000) und ihre PC-freie Ausrichtung ändern, da fängt man beim Schriftleiter an. Die Mehrheiten, die fehlen, sollen durch Mediendruck ersetzt werden.

Sugus
19. April 2012 14:49

@ alle
- Dann müssen Sie so konsequent sein und Stauffenberg als "Bombenleger" und "Eidbrecher" ebenso verächtlich machen (wie es für die Rechten jahrzehntelang Usus war). Landesverräter war er dann ebenso; denn was ist es sonst, die Schaltzentrale der militärischen Macht mitten im Krieg für Stunden funktionsunfähig zu machen?
- Tatsache ist, daß das Todesurteil für Bonhoeffer nicht einmal formaljuristisch in Ordnung war (kein Verteidiger etc.); daß er zudem nackt zum Galgen gezwungen wurde. Selbst wenn man der Meinung ist, daß er aufgrund Verrats den Tod verdient hatte, geben diese Begleitumstände ein "Gschmäckle".
- Der Brief von Weidner ist zu 99% in Ordnung. Hätte er sich nur zwei, drei der blödesten Sätze erspart: er hätte das Grundanliegen trotzdem rübergebracht.
- Noch mal: die jetzige Gesamtlage zählt. Wir haben andere Probleme, als Widerstandskämpfer nach Hoch- und Landesverrätern zu sortieren. Das Geschichtsbild vom WK II differenzieren zu wollen, ist in Ordnung.
Aber nicht so. Scheil mit seinem Präventivkriegsthesen zu "Barbarossa" ist da tausendmal nützlicher.

Sugus
19. April 2012 15:18

@ Museumswärter
"Mal abgesehen davon geht es nicht darum, ein Urteil gut zu heißen, sondern ein Vorbild in Frage zu stellen."
Haben Sie Weidners Brief gelesen?

Dieter Stein
19. April 2012 16:29

In Sachen Bonnhoeffer empfehle ich die im von mir herausgegebenen Sammelband "Helden der Nation. Beiträge und Interviews zum 20. Juli 1944", Edition JF, 2008, abgedruckten Texte von Klaus Motschmann ("Widerstand als innere Mission", "Das unerfüllte Vermächtnis") und Herbert Ammon ("Moderner Antimodernist, Abendländer und Patriot").
Ich finde es aberwitzig, daß sich die Deutsche Burschenschaft, die stolz darauf ist, gegen den Despotismus Metternichs aufgestanden zu sein, nicht dazu durchringen kann, ohne Wenn und Aber stolz zu den Mitgliedern ihres Bundes zu bekennen, die gegen den nationalsozialistischen Despotismus aufgestanden sind.

Robert
19. April 2012 16:52

Die Bonhoeffer-Diskussion ist in der Tat müßig, genauso wie die Stauffenberg-Diskussion. Unsere Themen müßten andere sein: Europa - aber auch PC! Weidner hat eine Position vertreten, die ein Teil der Erlebnisgeneration vertreten hat, man kann sie als "überholt", "für die DB als Irrweg" und "engstirnig", "unangemessen" bezeichnen: d'accord. Sie stellt aber weder ein Delikt dar noch kann im Mindesten von einer Sympathiebekundung für den NS gesprochen werden. Diese Deutung ist Skandalisierung, nichts weiter. Und zwar aus politischem Kalkül heraus. Wir müssen aber jetzt auch gegen den Despotismus der PC aufstehen, die die freie Debattenkultur stranguliert. Zur freien Debatte gehören gegensätzliche Standpunkte: Vorbild hier, Licht und Schatten da. Sonst macht es keinen Sinn. Dass "Weidner-Gate" sehr doppelbödig ist, haben auch Liberale schon begriffen, anderen dämmert es langsam. Wer ist der nächste "Rechtsextreme", der - cui bono - fällig ist?

Ein Fremder aus Elea
19. April 2012 17:19

Wer sagt, daß weniger Menschen gestorben wären, wenn der Zusammenbruch länger gedauert hätte?

Ist das eine juristische Frage oder eine militärische?

Nun mag die Atombombe natürlich in Deutschland entwickelt worden sein und dann von den Amerikanern gestohlen, aber wenn es nicht so wäre, ist doch wohl die Frage erlaubt, ob die erste Atombombe auf Japan geworfen worden wäre, wenn Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt nicht kapituliert hätte.

Wenn man weiß, daß man verliert, kapituliert man üblicherweise.

Auch wenn das hier niemandem schmeckt, es nicht zu tun ist ebenfalls Landesverrat.

Der ganze Zweite Weltkrieg war ein Spiel, geführt auf gut Glück.

Trauriges Thema, und es ist auch so, daß, wenn man sich heute zu der Frage äußert, ob man es hätte wissen können, daß der Krieg verloren ist, man sich der Logik dieses Spiels unterwirft. Da gibt es dann immer noch diese oder jene Chance. Und wenig gewinnt man mit alledem.

Aus meiner Perspektive war die Belagerung Leningrads überflüssig, und wenn die deutsche Führung bei Zeiten kapiert hätte, was die Abwechslung Trotzkis durch Stalin ideologisch bedeutet hatte, hätte sie sie sich auch erspart. Stattdessen alle verfügbaren Kräfte noch im Sommer 1941 gegen die um Moskau herum stationierten Kräfte in die Schlacht werfen. Nur so, wenn überhaupt.

Ob es einem gefällt oder nicht, ohne sich zum Hobbystrategen aufzuschwingen, kann man die Frage nach der ethischen Beurteilung der Kriegsweiterführung nicht beantworten.

faserland
19. April 2012 17:30

Weidner vertritt eine streitbare Auffassung, aber der Leserbrief ist sauber argumentiert. Es ist unwürdig, darauf mit einem so platten Appell zu Distanzierung oder Rücktritt zu antworten. Sicher kann man dagegen auch sauber argumentieren, aber die Mühe muss man sich schon machen.

bernardo
19. April 2012 18:46

@Ein Fremder aus Elea

"Wenn man weiß, daß man verliert, kapituliert man üblicherweise."

Üblicherweise wird über die Kapitulationsbedingungen auch verhandelt. Was die Alliierten aber wollten, war "die freie Verfügung über Land, Besitz und Leben" (Churchill) durch eine bedingungslose Kapitulation. Die Deutschen sollten nicht noch einmal wie 1918 glauben, daß es Völkerrecht auch für sie gibt. Sagen wir es, wie es ist: Die Gegner betraten den deutschen Boden, um hier massenhaft Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen, oder besser gesagt das, was anderswo als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet würde. Es war zwischen 1939 und 1945 ausschließlich die deutsche Regierung, die statt dessen Verhandlungen angeboten hatte.

"Der ganze Zweite Weltkrieg war ein Spiel, geführt auf gut Glück."

Das ist, mit Verlaub, echter Umerziehungsblödsinn, der alles oben Gesagte und noch sehr viel mehr aus der Kriegsrealität nicht zur Kenntnis genommen hat, eigentlich noch nicht mal, wer wem den Krieg erklärt hat.

Die Frage war seit 1939, ob man sehenden Auges bedingungslos kapituliert und sich dann nach Belieben friedlich schlachten läßt, oder ob man jede Möglichkeit zum Widerstand ausschöpft. Von diesem Punkt ist auch die Frage nach dem inneren "Widerstand" gegen das NS-Regime und seiner Legitimität zu beurteilen. Stauffenberg hätte den Widerstand nach außen sicher fortgesetzt, andere wie Hellmuth von Moltke wollten sich bedingungslos ausliefern. das war auch persönliche Geschmackssache.

Ganz absurd ist es jedenfalls, jeden beliebigen deutschen Landesverrat zwischen 1939 und 1945 für legitim zu erachten. Dazu war der Wille zum Verbrechen auf der Gegenseite viel zu ausgeprägt.

Sugus
19. April 2012 19:42

@ bernardo
Ich liege auf der gleichen Linie wie der Fremde aus Elea: ich habe was gegen Insolvenzverschleppung.
Also, nach Ihnen wir haben nicht 1943 aufgegeben, sondern 1945, weil wir nicht bedingungslos kapitulieren wollten.
Haben wir dann aber doch getan!
Stellt sich die Frage, was 43-45 gebracht hat. "Die Rettung der Flüchtlinge aus dem Osten"? Gegenfrage: Wenn wir 43 geordnet kapituliert hätten, wäre es dann noch schlimmer gekommen als es eh gekommen ist? (Falls "Ja": Begründung?) Gleich schlimm? Ich behaupte mal: trotz allem weniger schlimm. Weniger substantielle Verluste an deutschen Menschenleben, weniger substantielle Verluste an Kulturgut (Bombenkrieg), eventuell sogar weniger Gebietsabtretungen.

Robert
19. April 2012 19:48

An der WKII-Debatte beteilige ich mich nicht, ich verweise übrigens in Sachen Political Correctness auf die Zeitschrift COMPACT (aktuelle Ausgabe) des Altlinken Jürgen Elsässer, der sich dem Thema und den Auswüchsen der PC als Schwerpunkt gewidmet hat und auch die Anfänge der PC skizziert. Wer hat nicht oft schon auf der Arbeit, auf dem Amt, im Sportverein und in der Familie das Erlebnis gehabt: Man wendet sich einem zu, flüstert hinter vorgehaltener Hand: Sie haben ja recht, aber das darf man nicht so laut sagen. Ich: gefühlte 100mal. Ist es das, was unter Meinungsfreiheit verstanden wird?

bernardo
19. April 2012 20:51

@sugus
Zunächst muß ich Sie korrigieren: "Wir" haben es nicht getan, denn eine Kapitulation der deutschen Regierung hat es nie gegeben, niemand hätte sie je unterschrieben. Niemand, auch kein Schumacher oder Adenauer, hätte jemals die Ermächtigung erteilt, für das, was tatsächlich abgelaufen ist.

Das führt auch direkt wieder zur Widersinnigkeit der Forderung nach "bedingungsloser Kapitulation" überhaupt. Es kann der Fall eintreten, daß ein Staat oder eine Person wehrlos werden. Warum sollten sie dann einem anderen, der jetzt beliebig einprügeln will, dafür auch noch schriftlich und ohne Gegenleistung die Erlaubnis dafür geben? Mit dieser Forderung haben die Alliierten das absolute Faustrecht beansprucht, die reine Barbarei.

Was es gebracht hat, sich dem nicht gleich freiwillig auszuliefern? Das ist ein weites Feld, auf dem verlorene Begriffe wie Ehre eine Rolle spielen. Aber die Vorstellung ist doch sowieso völlig aberwitzig, man hätte sich 1943 in Brest, Tunis und Charkow kampflos ergeben und dann jedwede verbrecherische Politik gegenüber Deutschland ohne jede Zusicherung für Leib und Leben zulassen sollen. Das hat es in der ganzen Weltgeschichte noch nicht gegeben, und es wäre völlig verantwortungslos gewesen.

Teilungs-, Ausrottungs- und Umerziehungspläne lagen da schon längst in der Schublade.

Sie stellen die falschen Fragen.

Ein Fremder aus Elea
19. April 2012 21:08

@bernado.

Verzeihen Sie, daß ich nur paraphrasiere, aber ich habe einfach keine Lust, wann immer mich jemand angreift, zu transkribieren..

"Wenn der Russe nun, noch im Sommer 1940, sich in den Besitz der rumänischen Ölquellen gesetzt hätte, dann wären ohnmächtig gewesen. Dann hätten wir's lassen müssen. Wir waren ja im Westen gebunden und mit zwei Divisionen hätte sich's machen lassen, denn was wir selber in Rumänien hatten, das war ja lächerlich."

Nicht auf gut Glück, was? Was Mannerheim sich wohl bei all dem gedacht hat...

FdF!
19. April 2012 21:27

Die DB holt sich ihre Mitglieder nicht vom Mond, sondern aus der Mitte der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Mancher hat Angst, seinen Posten als Kassenprüfer im JU-KV zu verlieren, wenn seine burschenschaftlichen Aktivitäten ruchbar werden. So sind die Leute hält mal...

Dieter Steins Haltung verstehe ich nicht. Widerstand war einfach nur toll. Sogar Bücher gibt es dazu. Eines davon hat er selbst herausgegeben. Trotzdem schreibt jemand etwas anderes und kann es sogar begründen.

Die Welt ist nicht so einfach gestrickt. Klar will die JF nicht in den VS-Bericht. Eine Debatte mit Niveau ist dennoch notwendig und braucht ihre Foren.

Abendländer
19. April 2012 21:31

Der Aufruf der Burschenschaften ist erbärmlich. Wir Rechten müssen die ganze Freiheit, die ganze Demokratie und die ganze Aufklärung (Voltaire!) wollen.
Wenn schon die Burschenschaften den Kampf gegen Recht(e)s mitführen, dann ist alles verloren. Die ganze Freiheit ist der Kampf gegen JEDE Verfolgung von Gedankenverbrechen, die Solidarität mit allen Verfolgten der BUNTEN Republik, auch und gerade wenn die wegen völlig absurdem Stuß in politischer Haft sitzen, wie z.B. Horst Mahler.
Die Schäden der Verfolgung von Gedankenverbrechen sind viel viel höher, als die Freiheit von ein paar Spinnern ausrichten kann. Der Kampf gegen Rechts geht NICHT gegen schräge Vögel, er geht gegen jeden, der seine eigene Heimat und seine Zugehörigkeit bewahren möchte.
Die BUNTEN terrorisieren jetzt jeden Kleingärtnerverein.
Einfach nur traurig, was sich die Burschenschaften da geleistet haben.

Buxe
19. April 2012 21:52

Daß Weidner es bei aller Erfahrung und allem Urteilsvermögen für erforderlich hielt, sich zu einem solchen Thema derart zu äußern - wozu? Allein der Äußerungsdrang, diese Art der Prioritätensetzung - mein Gott, dann laßt sie doch Bonnhoeffer verehren! - zeigt schon, daß das dahinterstehende Denken im Kern ns-apologetisch ist.

Diese ganze NS-Affirmation ist einfach zum Kotzen. Sie kommt sophistisch und unaufrichtig daher, denn sie umschifft bei allem argumentativen Klein-klein immer das einzig Wesentliche: Daß das NS-System auf Terror und Mord beruhte und sich ausdrücklich und bewußt von bereits erreichten rechtsstaatlichen Standards verabschiedet hat. Wer so ein System bekämpft, hat nur einen Richter: Sein Gewissen.

Fischi
19. April 2012 21:56

Das geht doch alles am Thema vorbei.
Es hat gar keine öffentliche Positionierung zur Rolle Bonhoeffers gegeben, sondern lediglich einen internen Meinungsbildungsprozess in einer Studentenverbindung. Jemand stellt Bonhoeffer als Vorbild dar, ein anderer widerspricht. Beteiligte: Vielleicht 100 Personen. Ist das "pluralistisch" oder was?
Das Ganze wurde dann offensichtlich von anderer Seite in die Öffentlichkeit getragen.
Wo kommen wir hin, wenn die Gesetze der öffentlichen Meinung schon intern als Schere im Kopf wirken?

bernardo
19. April 2012 22:39

@Ein Fremder aus Elea

Verzeihen Sie, daß ich in Ihrem Beitrag keine sinnvolle Entgegnung erkennen kann

und offenbar weiter kein Verständnis dafür, wer eigentlich wem den kompromißlosen Krieg erklärt hat und warum

was übrigens - wie gesagt - für die Einstufung einzelner Widerstandsaktionen gegen den Nationalsozialismus ganz wichtig ist.

@buxe "Wer so ein System bekämpft, hat nur einen Richter: Sein Gewissen."

Und dieses Gewissen sollte er befragen, ob er auch weiß, wem und welchen Zielen er mit diesem Kampf noch so alles dient.

PCinkompatibel
19. April 2012 22:39

Was als nächstes? Der Kassenbon, auf dem ein SS-runenartiges-Symbol gekritzelt worden ist? Für mich ist dieser Vorgang bedrückender als alle Spinner, die immer noch an Adolf hängen und alles irgendwie positiv verdrehen wollen. Irre, unangemessene, falsche, nicht quellenbasierte Meinungen müssen im Diskurs widerlegt werden, auch wenn es anstrengend ist. Staatliche Repression fördert nur die Trägheit des Denkens und führt zu einer Blockwart-Atmosphäre...aber die haben wir ja bereits. Wir leben ja bereits in einem Land, in dem der ordinäre Historiker, der über die 12J. schreibt, Anwälte bemühen muss, um sich vor Publikation sich abzusichern. Traurig.

Enickmar
19. April 2012 22:42

Ich kann an Herrn Weidners Leserbrief ebenfalls nichts Kritikwürdiges feststellen.
Er hat sauber argumentiert. Man kann das anders sehen bzw. eine andere Haltung zu Bonhoeffer einnehmen (aus verschiedenen Gründen). Aber wenn man die Sache selbst beurteilen will, einfach der Sache selbst wegen, des Erkenntnisgewinns selbst wegen, vor seinem eigenen Gewissen, und der integren sachlich-logisch und philosophischen Argumentation wegen, kommt nicht man nicht umhin der Argumentation Weidners eine gewisse Integrität zuzugestehen.

Wie hält es denn eigentlich das "Milieu" mit Deserteuren, die ihre Kameraden an der Front im Stich lassen. Verkürzt ja auch den Krieg (eines Unrechtsregimes) nur in kleinerem Maßstab ...

Waren die alliierten Kolonialmächte (vor allem im Bündnis mit der SU) eigentlich "Rechtsregime" (im Gegensatz zu unserem diktatorischen Unrechtsregime) für deren Sieg man die eigenen Kameraden opfern darf ?

Sugus
19. April 2012 22:59

@ bernardo
-Sie erinnern mich an die Sorte Rechter, die behauptet, wir hätten keine Verfassung oder die darüber räsonieren, warum wir einen "Personal"-Ausweis haben.
Deutschland war am 8. Mai 1945 im Eimer; es ist vollkommen egal, ob eine deutsche Regierung eine bedingungslose Kapitulation unterschrieben hat oder nicht. Nur die Fakten zählen. Deutschland war zu einem großen Teil schon besetzt und hätte die Wehrmacht nicht kapituliert, wäre der Krieg noch einen Monat weitergegangen und hätte dann das gleiche Ergebnis gehabt.
Wir waren wehr- und rechtlos, und das vollkommen unabhängig davon, ob wir eine schriftliche Einverständigung dazu abgegeben haben oder nicht.
-"Aber die Vorstellung ist doch sowieso völlig aberwitzig, man hätte sich 1943 in Brest, Tunis und Charkow kampflos ergeben und dann jedwede verbrecherische Politik gegenüber Deutschland ohne jede Zusicherung für Leib und Leben zulassen sollen."
Also: Bombenkrieg 43-45, zig Millionen Kriegstote mehr, Vertreibung, Abtrennung von 25% der deutschen Gebiete (Stand 1937) haben wir trotz (oder doch "wegen"?) heroischem Endkampf bekommen. Sie kommen nicht auf den Punkt. Der politische Super-GAU ist 1945 doch eingetreten. Sie können mir nicht erklären, was der Kampf 43-45 für die Deutschen verbessert hat. Haben wir am 8. Mai 1945 eine "Zusicherung für Leib und Leben bekommen"? Nö. Also: von was reden Sie?
-"Teilungs-, Ausrottungs- und Umerziehungspläne lagen da schon längst in der Schublade."
Sicher. Aber es ist ein Unterschied, ob man ein halbwegs intaktes Land in die Hand bekommt und wie man jemand gegenübertritt, der einen vollkommen ausgelaugt hat. Man hätte Deutschland und die Deutschen schon deswegen besser behandelt, weil jede Seite dieses (im Vergleich zu 45 viel höhere) Menschen-, Industrie-Potential für sich hätte nutzen wollen. Nicht aus Humanität, sondern aus Eigennutz. Aber das Ergebnis wäre besser gewesen. Auch für die Deutschen.
-"Was es gebracht hat, sich dem nicht gleich freiwillig auszuliefern? Das ist ein weites Feld, auf dem verlorene Begriffe wie Ehre eine Rolle spielen. Das hat es in der ganzen Weltgeschichte noch nicht gegeben, und es wäre völlig verantwortungslos gewesen."
Das Agieren der deutschen Führung 44/45 war nicht "völlig verantwortungslos"? Nero-Befehl, Verheizen von 14-Jährigen?

Mops
19. April 2012 23:17

"Erst wenn die Kriegspropaganda der Sieger in die Geschichtsbücher der Besiegten Einzug gehalten hat und von den nachfolgenden Generationen geglaubt wird, kann die Umerziehung als wirklich gelungen angesehen werden."

(Lippmann, Walter, (1889-1974), Publizist und Chefredakteur der New York World: Zit. in: Hellmut Diwald, Geschichte der Deutschen, Propyläen: Frankfurt, 1978, S. 98.)

Inzwischen ist es scheinbar soweit daß die antideutsche Kriegspropaganda selbst in "patriotischen" Kreisen geglaubt wird. So werden dann Menschen die durch Geheimnisverrat den Tod tausender deutscher Soldaten verursacht haben zu "patriotischen Helden" und "Vorbildern" erklärt.
Ein Volk welches sich selber so in den Dreck wirft hat keine Zukunft.

Mops
19. April 2012 23:31

@Sugus:
"Sie erinnern mich an die Sorte Rechter, die behauptet, wir hätten keine Verfassung"

Ich empfehle Ihnen mal ein Blick ins Grundgesetz zu werfen. Der immer noch gültige Artikel 139 reicht völlig um den Status der BRD und ihrer "Verfassung" zu beurteilen.

https://dejure.org/gesetze/GG/139.html

Sugus
19. April 2012 23:39

@ Mops
Ich sehe Bonhoeffer auch nicht als Vorbild. Aber es ist gerade für mich als patriotischen Rechten - Ultrarechten - problematisch, den bestialisch und entwürdigend ausgeführten Justizmord an ihm als "juristisch gerechtfertigt" anzusehen, wie Weidner es tut.

gegenCorps
19. April 2012 23:48

@Mops

welche Schlüsse ziehen sie aus diesem Grundgesetzartikel?

VGH Hessen vom 22.01.1986, Az. 2 TG 169/86:

...Der aktuelle Regelungsgehalt des Art. 139 GG beschränkte sich darauf, den sogenannten Entnazifizierungsvorschriften Geltung zu verleihen, obwohl diese in zum Teil krassem Widerspruch zu den Grundrechten standen (vgl. Jess in: Bonner Kommentar - Erstbearbeitung - Erl. II 1 zu Art. 139). Aus der Anordnung der Fortgeltung materiell-verfassungswidriger Rechtsvorschriften läßt sich aber nicht der Schluß ziehen, Art. 139 GG habe die Aufhebung besatzungsrechtlicher Entnazifizierungsvorschriften der deutschen Rechtsetzungsgewalt entzogen. Einer solchen Auslegung steht auch der Ausnahmecharakter des Art. 139 GG entgegen, der sich nicht nur aus der Entstehungsgeschichte (vgl. Jess, a.a.O., Erl. I) und der Einordnung dieser Vorschrift in die Übergangsbestimmungen, sondern auch aus einer verfassungskonformen Interpretation ergibt (vgl. Herzog in: Maunz/Dürig/Herzog/Scholz, Grundgesetz, Rdnrn. 2 und 3 zu Art. 139; den Ausnahmecharakter des Art. 139 GG betonen der BGH in seinem Rechtsgutachten vom 6. Oktober 1952, NJW 54, 225, 228, und Jess, a.a.O., Erl. II 3b). Immerhin ist zu Art. 139 GG die Frage nach der verfassungswidrigen Verfassungsnorm aufgeworfen und nur deshalb verneint worden, weil der Wirkungsbereich dieser Bestimmung als von vornherein in zeitlicher und sachlicher Hinsicht begrenzt anzusehen ist (vgl. Jess, a.a.O., Erl. II 3a; Herzog, a.a.O., Rdnr. 3, BayStGH, Entscheidung vom 24. April 1950, DÖV 50, 470, 475). Deshalb geht die Kommentarliteratur nahezu einhellig davon aus, daß Art. 139 GG mit dem Abschlug der sogenannten Entnazifizierung gegenstandslos geworden ist (vgl. Schmidt-Bleibtreu/Klein, Kommentar zum Grundgesetz, 6. Aufl., Rdnr. 1 zu Art. 139; Hecker in: Kommentar zum Grundgesetz, Herausgeber: von Münch, 2. Aufl., Rdnr. 11 zu Art. 139; Herzog, a.a.O., Rdnr. 4 zu Art. 139; ebenso: BayStGH, a.a.0.). Selbst wenn diese Verfassungsnorm eine materiell fortwirkende Grundsatzaussage gegen nationalsozialistische und verwandte Staatsauffassungen enthalten sollte (so Hamann/Lenz, Grundgesetz, 3. Aufl., Anm. A zu Art. 139; ähnlich Ridder, DÖV 63, 321, 327) , ließe sich daraus kein Verbot für den Bundesgesetzgeber ableiten, besatzungsrechtliche Vorschriften aufzuheben, die in materiellem Widerspruch zu tragenden Verfassungsprinzipien wie dem Gleichbehandlungsgebot (Art. 3 Abs. 1 GG) und dem Parteienprivileg (Art. 21 Abs. 2 Satz 2 GG) stehen (vgl. Ladeur in: Kommentar zum Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland - Reihe Alternativkommentare - Rdnr. 2 zu Art. 139; Hecker, a.a.0., Rdnr. 12 zu Art. 139). ...

Enickmar
19. April 2012 23:57

@ Sugus

Von was reden Sie eigentlich ? Wir alle können einen möglichen alternativen Geschichtsverlauf heute nicht sicher beurteilen. Möglicherweise erklären Sie ja auch die Voraussetzungen für den sinnlos gewordenen Krieg, also die ungünstige Lage aufgrund militärischen Verrats, zur Rechtfertigung eben diesen Verrats.
Es gab deutsche Friedensfühler. Sowohl von der Regierung als auch vom Widerstand. Wir wissen nicht, wie der Krieg ohne den Verrat verlaufen wäre. Wir wissen auch nicht, wie die Allierten bei weiteren deutschen Siegen gehandelt hätten, welche Kriegsziele erklärt und welche Verhandlungsergebnisse akzeptiert worden wären. Wir wissen auch nicht, wie die Judenverfolgung verlaufen wäre, die bekanntermaßen mit schlechter werdendem Kriegsverlauf immer schlimmer wurde. Es gibt aber Hinweise darauf, daß auch hier die deutsche Führung prinzipiell zu Verhandlungen bereit war.

Sugus
20. April 2012 00:05

@ Mops
Ich dachte eher an solche Kasper:
https://www.deutsches-reich-heute.de/html/index2.php

bernardo
20. April 2012 00:58

@sugus
"Wir waren wehr- und rechtlos,"

Nein. "Wir" waren wehr- aber nicht rechtlos. Die Sache mit dem angeblichen "rechtlos" kam von anderer Seite, wie gesagt als reine Brutalität.

"Haben wir am 8. Mai 1945 eine „Zusicherung für Leib und Leben bekommen“? Nö. "

Wohl wahr.

Und?

Sagt Ihnen das nichts über die Motive der Sieger?

"Also: Bombenkrieg 43-45, zig Millionen Kriegstote mehr, Vertreibung, Abtrennung von 25% der deutschen Gebiete (Stand 1937) haben wir trotz (oder doch „wegen“?) heroischem Endkampf bekommen."

Das ist - mit Verlaub - schon fast eine Adresse an die Sado-Maso-Fraktion, nach dem Motto, "ich bin selbst schuld, daß man mich niederbombe