27. April 2012

Schreibtisch, Garten, Alltag (II): Aus der Leserschaft

von Götz Kubitschek / 16 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Mit einem alten Bauer aus dem Nachbardorf Kartoffeln gesteckt, dabei verwendet: den Reihenzieher, den Karst (eine Hacke mit Zinken), den Häufler. Danach "drillte" der Bauer noch fünfzehn Reihen Mais mit einer rein mechanischen Sähmaschine, die mich jedesmal begeistert, wenn er sie zum Einsatz bringt. Es spitzen schon durch den Boden: Schwarzwurzeln, Haferwurz, Radieschen, Salate, frühe Kartoffeln, Erbsen, Dill und - im warmen Frühbeet - Tomaten und Zucchini.

Vor einer guten Woche ging der Sezession-Werbebrief an rund 2500 potentielle Abonnenten zur Post. Drei Gründe für ein bis heute fehlendes Abonnement hatte ich notiert: 1. das schlichte Versäumen eines Abschlusses, der im Kopfe lange schon feststeht; 2. defätistisches Zögern angesichts der Schwäche unserer Positionen in der Gesellschaft; 3. die Vermessenheit, ein geistiges Leben ohne Sezession für möglich zu halten.

Der Ton geriet mir also verwegen, und so erhalten wir neben erfreulich vielen Abonnements auch reichlich Post von Lesern zurück, die sich zur Entgegnung oder Kommentierung aufgerufen fühlen. Ich zitiere:
Es gibt einen 4. Grund, ich nenne ihn Zeit-Ökonomie: Täglich lese ich die FAZ, wöchentlich die Junge Freiheit, und der Stapel der mich interessierenden Bücher nimmt stetig zu statt ab. Nichtsdestotrotz habe ich Ihr Probeheft aufmerksam studiert: Manches ist ausgezeichnet auf den Punkt gebracht, und dennoch - von welcher bereits eingespielten Lektüregewohnheit sollte ich mich zu Ihren Gunsten verabschieden?

Also, ich hätte da einen Tip.
Mein lieber Schwan! Sie haben ein Selbstbewußtsein!!

Selbstbewußtsein gehört zwingend zu der seltsamen Arbeit, die wir in seltsamer Zeit in einem seltsamen Land zu leisten haben.
Was nützt mir ein Aufsatz über Jünger, wenn ich zuhause den ganzen Jünger habe und 3 Biographien über ihn? Außerdem wird die modernste Jünger-Forschung in der FAZ rezensiert.

Ich möchte es so formulieren: Es gibt einen in Schweinsleder eingebundenen Jünger und einen, den man, wenn man eine Ader dafür hat, glatt für einen Pulverturm halten kann.
Nein, ich habe nicht vergessen, mein Abonnement der Sezession abzuschließen, - das habe ich nämlich längst getan.

Fehler liegt bei uns, waren einfach zu viele Neuabonnements in den letzten Wochen.
Das will ich jetzt doch genauer wissen: Wie Sie das meinen, daß eine geistige Existenz ohne Sezession zwar möglich, aber letztlich ein vermessenes Lebensexperiment sei.

Dazu eine streng wissenschaftliche Antwort: Der Großversuch dauert an, ausgeklinkt haben sich bisher erst knapp 2500 Köpfe. Wer den Versuch ebenfalls abbrechen möchte: Hier geht es zu den Sezessionisten.

 

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (16)

Unke
27. April 2012 12:15
Also, ich hätte da einen Tip.

Hahaha, großartig.
Wenn man den Genossen Nils Minkmar, Patrick Bahners und dem Oberbolschewisten Frank Schirrmacher entkommen ist hat man augenblicklich mehr Zeit und geistige Freiluft, um g'scheites Zeug zu lesen ;-)
Unke
27. April 2012 12:16
Oder anders: wer glaubt, dass die FAZ bürgerlich oder liberal ist der glaubt auch dass die CDU konservativ ist.
franz spitzauer
27. April 2012 13:26
Die schlimmsten Rechten sind die, die die Unterstützung rechter Projekte mit dem Argument verweigern, dass sie für die Nutzung des Angebotes dieses Projektes keine Zeit hätten. Was für eine intellektuelle Kurzsichtigkeit und Kleingeistigkeit. Es muss doch klar sein, dass zB. rechtsdemokratische Publikationen nur existieren können, wenn sie auch eine ausreichende ökonomische Basis haben. Muss man aus Sezession und/oder JF alles lesen (können), um auch eine Rechtfertigung für ein Abo zu finden? Doch wohl nicht. Also: Los, ihr Knicker und Spießbürger im Geiste: Ran an die Abo-Scheine. Oder wer soll den Krieg gegen die Linken für euch führen, wenn es euch schon auf die paar Euros ankommt, um rechte Netzwerke und deren Medien zu unterstützen?
tacitus
27. April 2012 13:32
Selbst bei Stockkonservativen beschränkt sich doch die Lektüre der FAZ auf das Lesen der Überschriften und der Suche in den Leserbriefen, möglicherweise dort die eine Perle zu finden, die einen durch den Tag rettet.
erwalf
27. April 2012 19:23
Wer täglich Brot und Wasser zu sich nimmt, braucht der nicht wenigstens alle zwei Monate auch mal ein Festessen mit Wein? Man sollte den Schnellimbiß ab und an verlassen und in einem guten Lokal essen, damit dieses überleben kann. Weitaus mehr gilt dies im geistigen, weltanschaulich-politischen Bereich!

dazu kubitschek:
nur, damit kein mißverständnis aufkommt: ums überleben der sezession gehts schon lange nicht mehr, der laden ist kerngesund. es geht darum, ob man speist oder pommes frist, um das beispiel von oben aufzugreifen. man speise, weil man es sich selbst schuldig ist, nicht unserer redaktion!
Steffen
27. April 2012 22:54
Der Franz hat aber wirklich recht - ob die Sezession überleben kann ist ja nur die eine Frage. Aber lässt sich mit nur 2500 Abonnenten etwas "reißen". Man sollte nämlich nicht auf dem bisher Geschaffenen sitzen bleiben, sondern auch investieren - und das geht nun mal nur mit Geld. Es gibt dutzende Themen die noch nicht "beackert" werden, unterschiedliche Kanäle und Personengruppen. Nur auf der "Meta"ebene kann man es nicht belassen, dafür sind die Probleme zu dringlich und deren Folgen in Ausmaß und Wirkung 'systemisch' und zu komplex. Wie sieht es mit einer Professionalisierung im Bereich Internet aus, wie mit filmischen Projekten - und wie mit Kooperationen zu anderem.
Und - das Zeitproblem sehe ich nicht: die Sezession liest sich doch relativ flüssig. Hier und da muss ich als "Jungspund" natürlich einiges nachschlagen - Fachbegriffe und Lateinfloskeln hauptsächlich. Aber ansonsten "verspeise" ich eine halbe Sezession glatt in einer Vorlesung.
Ein Problem was sich der Sezession aber bestimmt nicht stellen wird, ist die sinkende Nachfrage der Druckausgaben. Auf der "much content - less eyecandy" Schiene lässt sich eben gut fahren - hat etwas minimalistisches, das auf sich selbst reduzierte Notwendige. Ganz im Gegensatz zum "Cicero".
Diese zu einer Zeitschrift geformte Peinlichkeit hatte aber den Vorteil, dass ich eine Handvoll Werbeeinlagen als Lesezeichen nutzen konnte, weil ein Großteil der Fachliteratur keine Lesebändchen hat.
Hieraaetus fasciatus
27. April 2012 23:10
@ tacitus

Es war die Zeit vor dem großen Aufmachungswechsel, wo ich bemerkte, daß mich nur noch der Wirtschaftsteil, Strizz und die Leserbriefe an der FAZ interessierten. Mit dem Aufmachungswechsel wurden auch die Leserbriefe weichgespülter ausgesucht. Als ich merkte, daß ich nicht einem einzigen Leitartikel oder Kommentar und keinem Leserbrief mehr zustimmen konnte, war es aus mit dem Abonnement und bald darauf auch aus mit dem FAZ-Lesen überhaupt. Wirtschaftsdaten erhalte ich Netz schneller, vollständiger und besser. Strizz wurde eh eingestellt und hatte sich überlebt. Der Rest? Irrelevant.
Ich kann meine Beobachtungen meiner Lebenswelt mit der der FAZ nicht mehr in Einklang bringen. Radiohören habe ich vor fünf Jahren eingestellt, das Fernsehgerät gab ersatzlos vor 25 Jahren den Geist auf. Und ich lese nun seit einiger Zeit keine Tages-, Wochenzeitung oder Magazin mehr. - Mein Weltbild hat sich in dieser Zeit konservativer entwickelt. Schlicht deshalb, weil man sich mangels Anlaß nicht mehr zu spontanen Bewertungen des Tagesgeschehens hinreißen läßt. Statt dessen entwickelt man Beurteilungskriterien, die weit über die Lebensdauer der heutigen Wahrnehmungsepoche hinausgehen. An diesen Kriterien gemessen, ist unsere heutige Epoche bloß eine Episode, eine Übergangsmodalität, mehr nicht.

Ich weiß, daß es wichtiger ist, dem Nachwuchs beizubringen, den Knollenblätterpilz vom Feldchampion zu unterscheiden, ein tragendes Stück Rotwild zu erkennen, als den sich sinnlos über den täglich dokumentierten Schwachsinn in der FAZ hinzugeben. Das gilt für des Verständnis vom Zinseszins und den alles entscheidenden Zeitfaktor wie es auch für alte Technik, wie die des Kartoffelsteckens, wie auch für moderne Technik, wie die der Binärsprache. Vor allem bedeutet es zu verstehen, daß das Eigene den meisten Menschen im Wohlstand nichts zählt aber in der Not alles bedeutet und wer sich auf das Eigene in der Not verlassen will, es in der Zeit gepflegt haben muß und dazu überhaupt ersteinmal erkannt haben muß. Ein kleiner Anflug von Stolz erfaßt mich, wenn ich sehe, wie sich die kleine und große Familie aufeinander verlassen kann und andere sinnlos und dumm zerbrechen um trotzdem nichts besseres zu finden, als hatten.
Daß es Dinge und Verhaltensweisen gibt, die tausende von Jahren richtig waren und es in Tausenden von Jahren auch noch sein werden.

Aus der Erzählung der Irrfahrt des Odysseus kann für das tägliche Leben mehr Wesentliches entnommen werden, als aus allen Seiten der FAZ seit Bestehen zusammengenommen. Das gilt für die Sezession übrigens änlich. In Bezug zur FAZ enthält sie sehr viel mehr Wesentliches, wie auch in Bezug zur Iljias weniger.
K.
29. April 2012 09:34
Sehr geehrter Herr Kubitschek,
ich bin einer der Angesprochenen und weiß Ihren Einsatz durchaus zu schätzen. Bei einem x-beliebigen Magazin würde ein solch "verwegener Ton" auch geradewegs in den Papierkorb führen, aber nicht hier. Diese sportliche Ironie vor dem sehr ernsten Hintergrund der Bedrohungslage traf es einfach perfekt, und ich mußte bewundernd die Augenbrauen hochziehen als ich den Brief las. Ich bin momentan ohne Arbeit und habe schlicht kein Geld für ein Abonnement, aber das wird sich wieder ändern. Es wird ein Auslandsabo sein.
Herzliche Grüße,
K.
Biobrother
29. April 2012 17:14
Hmm, ich hab ja schon seit einiger Zeit ein Abo der Sezession, werde aber wohl auch mein zwischenzeitlich gekündigtes JF-Abo wieder aufleben lassen. Wobei dessen Kündigung damals immerhin zu einem lustigen kleinen Zwischenfall führte: Das JF-Abo hatte ich ganz zum Ende meines Studiums abgeschlossen und, da noch nicht klar war, wo ich mal zu wohnen komme, die Adresse meiner Eltern angegeben. Da es ein Online-Abo war, hab ich die Adressdaten auch später nicht mehr korrigiert. Nach der Kündigung erhielt meine Mutter einen Anruf aus dem Hause der Jungen Freiheit, mit der Frage, warum ich denn gekündigt habe. Sie konnte das aber nicht so recht zuordnen und meinte dann bei einem späteren Besuch zu mir: "Gut, dass Du deine Parteizeitung gekündigt hast (ich bin FDP-Mitglied), da steht steht doch bestimmt eh nur Quatsch drin. ;-)
Seelenherbst
29. April 2012 19:52
Allerdings ! GKs Sturm-Vertrieb-Schrieb in allen Ehren, jedoch bisweilen recht (!) pauschale Thesen. Geld, Zeit, etc. mögen Vorwände sein, jedoch hie und da begründete Einwände. Es soll auch "Truppenteile" geben, bei welchen sich das Selbstbewußtsein manifestiert, selber zu entscheiden, welche Ausgabe der Sezession man lesen / kaufen möge und nicht gleich per Abo verpflichtet wird. Unterstützung erfolgt auch gerne mal als Buchbestellung, je nach Zuspruch, Angebot und Interessenlage. Trotzdem eine hübsche Marketing-Aktion, bei der schwächere Gemüter ob des Tonfalls wohl Unbehagen spüren könnten. Ich find' sie ausgesprochen angebracht !
Schopi
29. April 2012 22:43
Ich lese die Sezession, allerdings nicht jede Ausgabe. Es mag zwar sein, daß Abos dem Kunden quasi als Zuckerl obendrauf auch einen preislichen Vorteil verschaffen, auch sehe ich den noch größeren Vorteil für den Verleger, wenn dieser durch kalkulierbaren Verkauf per Abo wirtschaftlich besser dasteht, es sei ihm auch gegönnt, gerade bei so einer anspruchsvollen Zeitung wie der sezession.

Nur: ich bin kein Freund (mehr) von Abonnements jeglicher Art und fühle mich ungebundener, wenn ich Einzelhefte kaufe, trotz höherer Unkosten.

Mein Wunsch wäre, wenn ich die Sezession auch in größeren (Bahnhofs-) buchhandlungen kaufen könnte. Wirtschaftlich wäre dies wohl durch zu hohe Remittenden kein gutes Geschäft, aber die Öffentlichkeitswirkung wäre ungleich größer als der im Verborgenen ablaufende Abobetrieb.
Frank
30. April 2012 10:36
Die "Zeit-Ökonomie" hält auch mich davon ab, auf das Abo-Angebot einzugehen. Mir reicht es momentan, die beste Seite im ganzen Internet regelmäßig zu lesen und mich an den erstklassigen Blogbeiträgen (Lichtmesz!) zu erfreuen. Gelegentlich lade ich mir auch mal eine alte Ausgabe im Netz herunter.
Wenn es vor allem darum geht, das Projekt Sezession finanziell zu fördern und voranzubringen, dann wäre ich daran interessiert zu erfahren, ob es dazu neben einem Abo und der Buchbestellung auch noch andere Möglichkeiten gibt.
Vulture
30. April 2012 22:38
Regelmaessiges Sezession lesen hilft die Gedanken zu ordnen. Es macht das taegliche Informationschaos verwertbar. Das sei auch den ganzen Zeitoekonomisten empfohlen.
Gottfried
01. Mai 2012 13:29
@ Kubitschek

"Der Ton geriet mir also verwegen, und so erhalten wir neben erfreulich vielen Abonnements auch reichlich Post von Lesern zurück, die sich zur Entgegnung oder Kommentierung aufgerufen fühlen."

Na, dann will ich auch einmal kurz kommentieren: Ich mag Ihren forschen Ton, was die Reklame für die "sezession" angelangt ausgesprochen gerne! Wie wird man in der BUNTEN Republik sonst als einer der "Menschen" - die absolute Krönung sind bei älteren "Menschen" freilich immer wieder die umworbenen "Senioren und Seniorinnen" - demokratisch umgarnt und umseiert.

Melde gehorsamst, daß ich ein liederlicher Anarcho bin, vielleicht unterstütze ich aber morgen schon mit einem Abonnenent Eure wunderbare Truppe, vielleicht schludert diese Option auch noch so einige Zeit vor sich hin, ohne konkrete Folgen nach sich zu ziehen.

Nee, ganz vielen Dank für Eure Arbeit, denke mal, Ihr werdet wohl in Bälde wieder von mir hören in Sachen Abonnement.

Gruß!
Gottfried
Kiki
01. Mai 2012 23:10
Der eine oder andere Vorkommentator hat schon angedeutet, daß es auch andere Gründe für eine Abonnementabstinez gibt. Sei es, daß die Gedanken bereits geordnet sind, sei es, daß man sich aus keinerlei Informationschaos zu retten hat, weil alle Anschlüsse an die heurige Medienkloake längst gekappt sind.

Denn manch ein Sezessionist mag als archaischer Steinzeitmensch die Notwendigkeit, regelmäßig Erbauungsliteratur zu lesen, nicht unbedingt einsehen ("Dat weeß ick allet scho" würde da mein Großvater selig sagen).

Und um bedrohliche Verhältnisse zu ändern, griffen er und seinesgleichen lieber zum Rosenkranz. Die Generation seiner Kinder und meiner Eltern pflegte derlei voll abgrundtiefer Verachtung zu schmähen, doch wenn man sich so anschaut, was diese Generation dann zustandegebracht hat und was für eine Figur sie damals wie heute abgibt und dagegen die Altväter betrachtet, kommen einem an allen Programmen, Aktionen, Plänen, Parteien und was der modernen Spielereien mehr sind, arge Zweifel - zugunsten der primitiven Alten.

Gerade nach dem Albtraum des 20. Jahrhunderts.

Die Welt im allgemeinen und das Leben im besonderem ist allem neuzeitlichen Wahn zum Trotz unberechen- und vor allem unbeherrschbar. Wohl dem, der in solch schwankender Lage noch einen "Draht" zum Schöpfer hat und ihn auch sinnvoll zu nutzen vermag.

Ein Zeitschriftenabonnement steht dem zwar nicht entgegen, aber es fördert nämliches auch nicht.
Asenkrieger
03. Mai 2012 20:07
Habe vor kurzem erst einen Neuabonnenten geworben.

Die "Sezession" ist noch viel zu unbekannt. Hier hilft nur Werbung, Werbund, Werbung.

Mein Vorschlag: Bei Leserbriefen, Beiträgen im Internet, Buchrezensionen und Kommentaren z.b. bei amazon.de immer wieder auf die Sezession und deren einzelne Publikationen verweisen und daraus kurz zitieren.

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