30. Mai 2012

Uniform oder Kostüm? - Blick auf Thomas Hettche und den "Friedensjochen"

von Götz Kubitschek / 11 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Heute morgen im Deutschlandfunk: Gespräch mit dem Herausgeber des Merkur, Christian Demand, über einen Beitrag von Thomas Hettche für das Juni-Heft: Feindberührung. Über die vergessene Kunst des Soldatischen; Hettche setzt mit Ernst Jünger ein, bezieht sich auf Carl Schmitt, während er vom Soldaten zum Feindbild und wieder zurück wechselt. Der "Staatsbürger in Uniform" wird demontiert als das glatte Gegenteil der durch einen Graben davon getrennten Gestalt des Soldaten. Aus diesem Anlaß nun also: Vorabveröffentlichung - samt umwerfenden Bildes am Schluß - aus Sezession 48, die morgen aus dem Druck kommt:

48Uniform oder Kostüm?
von Arthur East

(pdf aus der Druckausgabe, Sezession 48/ Juni 2012)

Podiumsdiskussion über die Kampfbereitschaft der im Ausland eingesetzten Bundeswehrverbände in einer Führungseinrichtung der Bundeswehr, bestückt mit Experten aus dem In- und Ausland. Ein Gast mit langjähriger Auslandserfahrung forderte, die Bundeswehr müsse sich wieder um eine »Kultur des Kämpfens« bemühen – und stieß damit auf große Zustimmung im Publikum. Die Veranstaltung lief danach zwar nicht aus dem Ruder, geriet aber zu einem unbeabsichtigten Exkurs in die tiefenpsychologischen Abgründe der deutschen Neurose und der Deutungsmacht im Land. Ein anderer Teilnehmer nämlich, bekennender Wehrdienstverweigerer und zugleich Experte für Sicherheitspolitik, fiel dem Redner sofort ins Wort und betonte, daß eine solche Aussage nicht nur »hochproblematisch« sei, sondern auch »äußerst gefährlich«.

Auf die Frage des Moderators, ob der Redner eine Zwischenfrage erlauben und auf den Einwurf eingehen wolle, antwortete dieser, daß er den inhaltlichen Einspruch des Kollegen keinesfalls für wichtig halte, hochinteressant hingegen die Körperhaltung des Publikums, nachdem sein Plädoyer für eine »Kultur des Kämpfens« als »gefährlich« eingestuft worden sei. In diesem Moment hätten die Zuhörer wie auf Kommando die zustimmenden Signale »abgeschaltet« und eine neutrale bis erschrockene Körperhaltung eingenommen. Das bedeute, daß die Bezeichnung »gefährlich« als ernstzunehmendes Gefahrensignal verstanden worden sei:

Er, der »Sender« einer politisch inkorrekten Botschaft, sei markiert worden, und sie, die »Empfänger«, hätten ihre spontanen positiven Gesinnungsbekenntnisse sofort eingestellt und sich im Wortsinne »klein« gemacht, um nicht in Verdacht zu geraten, der gleichen unerwünschten Meinung zu sein.

Er selbst kenne diesen Reflex als eine Auswirkung der sogenannten »Herrschaft des Verdachts«: Wem Sozialprestige und Karriere lieb seien, der habe soeben verstanden, daß sich beides nicht mit zu starker Zustimmung zu einer politisch unerwünschten Äußerung vertrage. Ihn fasziniere die seltene Einförmigkeit einer Reaktion deshalb so sehr, weil er doch Angehörige einer Armee vor sich habe, deren Aufgeklärtheit und staatsbürgerlicher Pluralismus bei jeder Gelegenheit hervorgekehrt würde. Im übrigen aber bleibe er bei seiner ursprünglichen Aussage und wolle darüber hinaus folgendes harte Urteil zu Protokoll geben: Die Leitidee des »Bürgers in Uniform« habe der Bundeswehr ein Offizierkorps beschert, das – schlimmer als in mancher Diktatur, deren einige er kennengelernt habe – geistig die Machtlosigkeit uniformierter Handlungseunuchen besitze. Dies sei kein Vorwurf, sondern eine Diagnose.

Es war nach diesen Worten peinlich still im Saal: Feigheit (nicht im Gefecht, sondern aus Sorge um die Karriere in einer Institution) verhinderte eine Aussprache über diesen wunden Punkt und die ungeheuerliche Feststellung.

Im Anschluß gab es den obligatorischen Häppchen-Empfang. Dennoch geriet auch hierbei der Comment durcheinander, denn die Diskussion ging in die nächste Runde. Etliche deutsche Teilnehmer hatten sich auf dem Weg zum Speisesaal beim »Delinquenten« bedankt und vorsichtig ihre Zustimmung, zumindest nonverbal, zum Ausdruck gebracht. Um den »Ankläger« standen etwas abseits zwei Obristen und schwärmten von ihren außerordentlich positiven Erfahrungen mit Frauen in Kampfeinheiten.
Test

Um den »Delinquenten« sammelten sich hingegen die ausländischen Teilnehmer und aus der Bundeswehr die Jüngeren, Angehörige der zwar nicht offiziell, jedoch im Jargon als »Einsatzarmee« bezeichneten Einheiten. Man sprach englisch, und die Bundeswehroffiziere hörten der von allen nationalmasochistischen Banden befreiten Diskussion über die Diskussionskultur aufmerksam zu. Der »Delinquent« erklärte die moralphilosophischen Schwächen und sicherheitspolitischen Gefahren jeglicher Denk- und Sprechverbote. Auch der inflationäre Einsatz einer »Nazi-Warnsprache« sei bedenklich. Sie basiere auf Assoziationsketten und Reflexen, die zwangsläufig zu Mißtrauen und Denunziation führten. Dies hörte einer der Obristen, und um Schlimmeres zu vermeiden, schlenderte er kauend zu der größeren Gruppe. Er sei selbstverständlich und ausdrücklich für den freien Gedankenaustausch, wolle bei dieser Gelegenheit aber noch einmal betonen, wie wichtig es neben aller freien Rede und Aussprache sei, bei solchen Veranstaltungen jeglichen Eindruck der »Kriegsverherrlichung« zu vermeiden.

Der »Delinquent« war daraufhin sprachlos – immerhin »ein Stück weit« nur, denn dann sammelte er sich und brachte den Abend zu Ende: Es sei die Generation seiner Großväter gewesen, die den Großvätern seiner heutigen Gastgeber den Krieg aus der Überzeugung heraus erklärt hätte, daß dies notwendig sei. Manchmal habe er bei Vorträgen in Deutschland das Gefühl, daß die Generation der Enkel sich nun dadurch räche, daß sie anderen mit erhobenem Zeigefinger und einem fast schon militanten Pazifismus bei jeder Gelegenheit den Frieden erklären wollte. Sie griffen dabei auch häufig Behauptungen an, die keiner aufgestellt habe.

Seine Kameraden hier würden das nicht gerne zugeben, aber sie schlössen zu Beginn von Sicherheitskonferenzen untereinander manchmal Wetten ab, welcher der anwesenden deutschen Offiziere sich als erster grundlos zum Thema »Menschenrechte« äußern werde – und zwar nicht, weil ihm die Menschenrechte wichtiger seien als den Nichtdeutschen (auch wenn dies jedesmal die implizite Unterstellung sei), sondern weil es ihm zwanghaft wichtig erscheine, der Welt zu zeigen, daß er – der Enkel grandioser Soldaten – nun der grandiose Gandhi und allen anderen moralisch überlegen sei. »Friedensjochen« laute der Spitzname, den man diesem je ersten deutschen Menschenrechtsoffizier dann für die Dauer der Tagung verleihe.

Sicherheitspolitisch spielten die Deutschen um ihren »Friedensjochen« eine peinliche Rolle. Ihre Offiziere müßten Einsatzbesprechungen in Afghanistan verlassen, weil von ihnen mit keinem Beitrag zu rechnen sei. Den hier anwesenden deutschen Soldaten könne diese Abwertung doch keinesfalls schmecken. Denn nur Feldgeistlichen könne man die Wirklichkeitsverweigerung gerade noch durchgehen lassen, als Offizier jedoch sei eine Verpflichtung auf die Realität bereits im Berufsbild angelegt: ohne sie keine Erfüllung des Auftrags.

Es sei selbstverständlich besser, kämpfen zu können und es nicht zu müssen, als kämpfen zu müssen und es nicht zu können. Er selbst könne einfach nicht verstehen, wie in einer Armee der Blick auf Sozialprestige und Karriereperspektiven einen Offizier dazu bringen könne, gesinnungspolitisch zu manövrieren und vorauseilenden Gehorsam zu praktizieren. Damit verschiebe sich der Schwerpunkt der Diskussion von der Sach- auf die Appellebene, was bedeute, daß der »Bürger in Uniform« ständig am Soldaten vorbeirede.

Natürlich könne er – und damit wolle er zu einem Ende kommen – gänzlich falschliegen, und man sehe in der deutschen Armee die Sache tatsächlich so, wie dies vorhin zum Ausdruck gekommen sei. In diesem Fall würde er ab sofort nicht mehr unter Soldaten, sondern unter Zivilisten stehen, und er habe sich dann in der Tat einer Sprache bedient, die man außerhalb einer Kaserne nur schwer verstehen könne. Wunderlich sei aber, daß sich diese Zivilisten als Soldaten verkleidet und Führungsaufgaben übernommen hätten. Die Kriegsgeschichte sei voller tragischer Ereignisse, bei denen solche Entscheidungsträger ihre Ideologie vor die soldatische Vernunft gestellt hätten. Es sei schade um das viele Blut, das von solchen Idioten vergossen worden sei.

Als Zuchtanstalt für derlei könne er das »Zentrum Innere Führung« in Koblenz ausmachen. Dort habe er einem Seminar für soldatische »Betreuungslotsen« beiwohnen müssen, in dessen Verlauf ein Stabsfeldwebel einen Hauptfeldwebel im Arm gehalten habe wie eine Mutter ihr Kind. Eine Kamera sei mitgelaufen. Ihm aber hätten die Worte gefehlt.



Bild: dpa

(Arthur East, 1970, ist Offizier der Scotts Guards im Range eines Captains/ Hauptmann. Er hat in Nordirland, dem Irak und Afghanistan gedient und ist seit seiner Verwundung als Ausbilder eingesetzt.)
Test

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (11)

H.F.
30. Mai 2012 12:37
Die "Kultur des Kämpfens" schleicht doch schon längst über die Auslandseinsätze in die Truppe - Amerika sei Dank!

Das die Bundeswehr derzeit kämpft, ist für mich ein negativer Aspekt, weil die Einsatzarmee die vollständige Ablösung vom Volk mit sich bringt. Es ist für die Mehrheit Privatsache, wenn jemand zur Bundeswehr geht und stirbt, wie wenn er beim Bungeespringen gestorben wäre.

Das sich die Bw dabei auch noch lächerlich macht, weil sie das in der ganzen westlichen Welt praktizierte Vorschieben der Menschenrechte übertreibt, ist bedauerlich, aber m.E. nur Folge der Umwandlung zum Expeditionskorps, das ein Mäntelchen zum Töten braucht. Daß es das Töten verlernt, steht hingegen nicht zu befürchten.

Ein Expeditionskorps hingegen, das nur dem Kampf huldigt, wäre ein weiterer Schritt weg vom preußisch-deutschen Soldatentum in Richtung Blackwater und nicht zurück zu ihm.
Marcus Junge
30. Mai 2012 12:57
Meine 12 Jahre als Offizier bei Heer haben mich erleben lassen, was der Artikel darlegt. Ergänzungen habe ich eine:
Das Zentrum Innere Führung wurde bei uns als Zentrum Innerer Wahnsinn bezeichnet. Mein Besuch in Führervorbereitung auf einen Auslandseinsatz 2005, stellte einen der absoluten Negativtiefpunkte jener 12 Jahre dar.

Mein Dank für die klaren Worte an Herr Kubitschek.
tacitus
30. Mai 2012 14:26
"Daß es das Töten verlernt, steht hingegen nicht zu befürchten."

Was das Töten unter Einsatzbedingungen angeht, scheinen die Gegner am Hindukusch den Soldaten der Bundeswehr überlegen zu sein, denn erstere werden diesen Krieg gewinnen, nachdem die BW-Angehörigen demnächst geschlagen aus dem Lande ziehen müssen.
Wer rein mental nicht oder nur unzureichend auf Kämpfen und Töten im Krieg vorbereitet ist, wird dieses "Handwerk des Soldaten" auch nicht so gut beherrschen wie diejenigen, die sich keine Denkblockaden aufdiktieren lassen.
Martin
30. Mai 2012 14:54
Das kommt eben dabei heraus, wenn man aus einem Stand und einer Pflicht einen schnöden "job" macht, der noch nicht einmal mehr "Beruf" ist ...
Raskolnikow
30. Mai 2012 16:32
Die ersten Offiziere,

mit (echter) Kampferfahrung (nicht Einsatzerfahrung!) erreichen mittlerweile die Stabsoffiziersränge. Und es wird der Tag kommen, an dem einer General wird, dem schon mal Kugeln um die Ohren geflogen sind.

Die Unteroffiziere, besonders Feldwebel, die sich in Gefechten bewährt haben, prägen mittlerweile den Geist der Kampftruppe. Diese albernen Seminare, werden ertragen.

Die Inneren Führer von Wolke 7 und ihre politisch-psychologische Arbeit, kann man am besten am meistgeschulten Verband in dieser Hinsicht bewerten: dem KSK. Trotz Trommelfeuer keine nennenswerte Wirkung im Ziel.

Wenn die Generation der Vorwende-BW abgedankt hat ("Ach, ich geh zum Bund. Gibt ja eh´keinen Krieg. Bequemer Job, gutes Geld, coole Technik.") - und nur noch die Nachwende-BW nennenswert ist ("Ich will kämpfen!"), wird die Diskrepanz zwischen Innere-Führungs-Seminar und seelischer Disposition der Soldaten noch größer.

R.
Rudolf Harras
31. Mai 2012 00:37
Als alter Bolschewik muss ich sagen, dass mir diese Leute bei der Bundeswehr leid tun. Das sind keine Soldaten mehr, man hängt ihnen von Berufs wegen eine hartnäckige Depression an, kein Mensch kann Uniform tragen, eine Waffe tragen, befehlen und gehorchen und sich aufführen wie eine Frauenbeauftragte. Ein Offizier in meinem persönlichen Umfeld, Major, war 6 Monate krank nach dem letzten Einsatz, weil man ihm eingeredet hat, dass seine Einstellung gegenüber einem "Gegner" (was für eine krankhafte Einbildung mitten im Krieg!) seine Leute auf "Feindbilder fokussiert" hätte. Grausig. Deutschland muss offenbar wirklich durch jedes Feuer gehen
Anonymer Offizier
31. Mai 2012 14:21
Eine erfolgreiche Armee ist eine, die das ihr zugrunde liegende Potential am wirksamsten in Kampfkraft umsetzt. Menschen sind der Kern einer jeden Armee. Es gibt verschiedenste Typen, die eine kampfstarke Armee ausmachen.

Zuerst: Es ist der Typ Kämpfer. Der ist im Krieg ein selbständig handelnder Mannschaftssoldat und, wenn Verstand vorhanden ist, auch ein guter praktischer Ausbilder. Und es ist der Typ "dynamischer Offizier". Diese tragen jede Armee; es ist der Kern, der Nukleus. Warum und weshalb dieser Typ Soldat wird? Weil es eine Herausforderung ist, weil Spannung und "action" geboten wird.

Ich befürchte, dieser Typus "Kämpfer" dilettiert gerade beim Gas-Wasser-Scheiße-Dienst oder fegt die Straße; bestenfalls (!) steht er "an der Tür" eines Etablissements. Der Typ "dynamischer Offizier" studiert BWL oder Sport und ballert sich die Hirse mit Alk und Sportzigaretten zu. Bei der Bundeswehr gibt es den Typen natürlich auch. Und dieser Typ wird häufig abgeschossen, wie in mehreren mir bekannten Fällen (oder er schießt sich mit Nichtigkeiten selbst ab).

Der sekundäre "gute Soldat", als Mannschaftsdienstgrad, Unteroffizier oder Offizier wird vor allem durch sein Sozialansehen motiviert. Sie orientieren sich nach oben und nach unten. Haben sie einen starken Vorgesetzen, blühen sie auf. Haben sie einen schwachen, sind sie mental orientierungslos oder sie schaffen es, sich an der Ästhetik und dem Ethos einer guten Armee zu orientieren. In einer guten Armee stellen diese Soldaten um die "Kämpfer" und "Dynamiker" herum die Masse der wirklich brauchbaren Soldaten. Ihr Mut kommt weniger aus dem Inneren, sondern aus der Norm bzw. dem Ethos des Soldaten. Sie werden mitgerissen, sind aber selbstlos und tapfer.

Die Bundeswehr hat immer noch sehr viele dieses Typus. Das Problem wird in dem Beitrag angesprochen: Das fehlende soldatische Ethos und die fehlenden geborenen Kämpfer und Führer, an denen sie sich aufrichten können.
Wenn die Bundeswehr es nicht schafft, diesen Typus "guter Soldat" abzugreifen, so wird man sie erfolgreich in jedem anderen Beruf finden.

Nur diese zwei Typen braucht eine Armee (zumindest in den Kampftruppen).

Der folgende Offizierstyp, der als "Mamakind" zu viel Soldat und Technik geblättert hatte und noch vor dem Grundwehrdienst als SaZ12 genommen wurde, kann ob seiner Untauglichkeit nur in der emotionalen Nische überleben. Er führt nicht, er wird geführt, er taugt auch nicht in den Stäben, in die er abgeschoben wird, weil er weder Kämpfer, noch Soldat ist, sondern nur die Uniform trägt (nichts bezeichnet es besser als: "Heeresuniformträger" oder wie oben: "Kostüm"). Diese Leute wären gerne mehr, als sie sind. Deswegen sind sie Soldat geworden, um den Schein zu erzeugen, der ihr selbstempfundenes Manko überkompensieren soll. Dieser Typ ist allerdings meistens recht intelligent, sprachbegabt, fleißig und lernwillig. Deswegen macht er die Lehrgänge und das Studium mit guten Noten und in den Auswahlkonferenzen kommt man deswegen nolens volens kaum an ihm vorbei. Dieser Typ scheint mir die Bundeswehr zu dominieren, das gilt zumindest für das Heer, in letzter Zeit sehe ich viele dieser in Führungsverwendungen, ausgerechnet die Stellen, die sie niemals hätten bekommen dürfen, weil um sie herum dann das Vakuum herrscht. Aber es scheint so, als habe man sich in den Verbänden und Einheiten daran gewöhnt. Der Gegenentwurf ist der Typ "Schnacker" oder "Selbstdarsteller". Häufig etwas adipös, meist freundlich, recht präsent. Genau dieser ist der Typus, den man meint, wenn man sagt, daß im Frieden die Führer andere sind, als im Krieg. Es sind diejenigen, die von den Dynamikern "gefahren" werden, diejenigen, die die Dynamiker auch "laufen lassen", wenn sie gut sind. Haben sie einen neidischen Zug, dann bremsen sie die Dynamiker ein, um selbst nicht so undynamisch zu erscheinen.

Um das alles zu bewerten, könnte man einfach sagen, daß von FüS über FüH bis zu P und SDH der Wurm drin steckt. Aber so einfach ist es nicht.
Es ist kein Wurm, der eine gute Substanz madig macht. es ist gar keine gute Substanz vorhanden. In der Vergangenheit waren es die Relikte einer guten Substanz, die aus einem Brei wenigstens einen Ziegel haben werden lassen. Nun, wo man die Relikte abwirft, vergißt, ja sogar ablehnt und pönalisiert, weicht der Ziegel langsam auf und wird wieder zu einem Brei.
Es ist die Substanz die falsch ist, bzw nicht vorhanden ist. Und die derzeitige Substanz trägt den Namen Bundesrepublik.
Dieser Staat ist historisch eine Fermdherrschaftsinstitution, die nicht aus eigener (militärischer!) Kraft entstanden ist, sondern unter dem windungsreichen Andenauer "ergaunert" wurde; in der zutreffenden Erkenntnis, daß die USA ihre deutsche Kolonie an langer Leine führen wollten. Kolonie bleibt Kolonie - und wenn die Leine noch so lang ist. (Und daß die Leine kürzer ist, als man allgemein annimmt, kann man an EFSF, ESM und Griechenland-Rettung, sprich Goldman-Sachs-Rettung sprich Dollar-Rettung erkennen.)

Und deswegen ist die Kämpfer-Mentalität tatsächlich "gefährlich". Sie ist es aus ihrer (wahrscheinlich genetischen) Natur heraus. Und wenn der Geist, sich nichts gefallen zu lassen (so wohl die Typologie des "Kämpfers"), bzw. Ehre, Recht und Gerechtigkeit zu verteidigen (so wohl der "gute Soldat") um sich griffen, müßte als erstes wohl die Bundesrepublik, NATO- und EU-Mitgliedschaft gleich mit, verschwinden, was die Weltkriegssieger wohl kaum als besonders zweckmäßig ansehen würden. Letztendlich ist diese Mentalität Ursache der Weltkriege. (Nein: Nicht schuld. Schuld sind diejenigen, die sich vor ihr ohne Grund gefürchtet haben.)
Ohne diesen Willen zur nationalen Selbständigkeit und Selbstbestimmung hätte es kein Leipzig, kein Belle Alliance, kein 1848, keine Düppeler Schanzen, kein Sedan, kein deutsches Reich und keine Wiedevereinigung gegeben. Sie gibt es. Sie hat die Deutschen trotz ihrer Jahrhunderte langen Zersplitterung wieder vereint. Niemand hat vor der Bundesrepublik Angst. Aber jeder vor diesem deutschen Potential. Und dieses Potential schwindet jährlich. Ursache: Pille, Lebensstil, Abtreibung, Kinder- und Familienfeindlichkeit des Rechts und der Politik. Und: Zuwanderung. Diese beiden Effekte wirken senken und binden dieses Potential. Verschwinden wird es deswegen nicht.

Diesen Geist der Selbstbehauptung zu erschlagen, besonders seit 1990, ist dem In- und Ausland ein besonderes Anliegen. Deswegen die Umvolkung ("Verdünnung" - J. Fischer), die EU als "Vereinigte Staaten von Europa", deswegen die historische "Nazi-Wochen-Schau" und die tägliche "Rassismus"-, "Kampf-gegen-Rechts"-Posse. Alles nur, um diesen "Geist" der doch genetische Ursachen hat, zu bekämpfen, auszuschalten, niederzuhalten.

In Folge ist natürlich auch die Armee von dem Anti-Geist beseelt (genau genommen vom Geist entseelt). Wenn der Typus "guter Soldat" Anti-Werte als Werte, als Feiglings-Ethos als militärischen Ethos schlucken muß, geht das auf Dauer nicht gut. Das ist zu leicht zu erkennen, spätestens, an der Dysfunktionalität. Nur der Typ "windiges Muttersöhnchen, das drei Fremdsprachen fließend spricht und den "C" Lehrgang mit Bestnoten hat und den Soldaten nur spielt", mit dem geht das! Nur ist der eben kein Soldat und versagt bei der kleinsten militärischen, sprich kriegerischen Aufgabenstellung. Er kann überhaupt nicht befehlen, noch weniger selbständig im Sinne des Ganzen denken oder selbständig handeln.

Bei allen historischen Fehlern der preußischen, österreichischen, bayerischen, württembergischen, sächsischen Armee, der Reichswehr und der Wehrmacht und seiner unterstellten Teile hat es diesen Wurm, der Geist und Körper zerfressen hat nicht gegeben.

Nichts kann das heilen. Es ist gar keine Krankheit. Es ist der Niedergang von etwas, das niedergehen muß, weil es selbst nicht trägt. Ein Gebäude ohne Fundament, auf dem Sand der ehemaligen Feinde gebaut.

Wenn es nochmals eine Verteidigung Deutschlands geben sollte, so wird es nicht die Bundesrepublik sein, die mit Bundeswehr voran geht. Und wenn wir anfangen, hier deswegen herum zu jammern, weil die Bundeswehr so ein schlapper Haufen ist, so wird man halt um den Punkt nicht herum kommen, das folgende zu erkennen, oder ein ewiger impotenter Nörgler zu bleiben:

1. Eine Freiheit ohne bewaffneten Arm kann es nicht geben. Geschnekte Freiheit basiert auf der Macht des Schenkenden. er wird auch die Macht haben, sein Geschenk jederzeit zurückzuziehen. Das gilt für den Einzelnen, wie für Völker. Staaten sind letztendlich nichts anderes als deren Organisation. Wenn die BRD und die BW es nicht leisten und nie geleistet haben, sich diese Freiheit zu erkämpfen, müssen es halt diejenigen leisten, die einen bewaffneten Arm wollen, wenn die Freiheit und Demokratie, die man uns geschenkt hat (bzw. deren Interpretation davon uns aufoktroyiert hat). Sie müssen den Totalausfall des Staates in Sachen Verteidigung eigenständig kompensieren. Das ist letztendlich jeder.

2. Dies gilt nicht nur für die klassische Sicht, daß Kriege Auseinandersetzungen zwischen Staaten sind, sondern zunehmend auch innenpolitisch, wo der Staat erodiert, den Schutz der Bürger nicht gewährleistet, ihre eigene effektive Selbstverteidigung aber durch ein strenges Verhinderngsrecht für legale Waffen sogar aktiv sabotiert.

3. Dies gilt ebenfalls in der Hinsicht, daß staatliche Konflikte nicht nur heute zu wesentlichen Teilen als Bürgerkriege (siehe Syrien, Afghanistan usw. usf.) geführt werden, in denen ethnische und religiöse Sollbruchstellen genutzt werden. Diese Option haben unsere Nachbarn seit Jahrhunderten mit Erfolg gezogen und durch die Umvolkung eröffnet sich diese zunehmend wieder durch die ethnische Substanzveränderung in Deutschland.

Politisch gesprochen sind "die Deutschen" schon lange gleichgültig. Relevant ist für politisch nur, wer, nachdem er die Lage erkannt hat, nicht mehr lammentiert, sondern wer innerlich bereit ist, zu handeln - und sich darauf bei Zeiten vorbereitet.

Wer daran glaubt, im Rahmen der bunderepublikanischen "Verafassungswirklichkeit" würde, ja müsse irgendwann, eine anständige rechte Partei entstehen, die dann für das "natürliche" Selbsterhaltungsrecht einträte, die dann selbst Gewicht erhalten und alle anderen Parteien vor sich hertreiben würde, der lebt im Traumland, aber nicht in der BRD 2012. Dieser gedankliche Strohhalm entbindet keinen, selbst zu handeln, seine eigene Pflicht, seine eigene natürliche Aufgabe zu erkennen. Es ist eine ethische Pflicht, wie sie eine existenzielle Selbstverständlichkeit ist.
Wenn das Schiff morsch ist und kentert, kann nicht auf ein Wunder hoffen, sondern muß die Rettungsboote klarmachen und das nächste Ufer ansteuern.
auch Offizier
31. Mai 2012 15:25
Ergänzend ließe sich auf die paradoxe Situation hinweisen, dass, wer diese Peinlichkeiten innerhalb der Armee zur Sprache bringt (was ja vorkommt, und sei es am Casinotisch), sich in der Regel einen Mangel an soldatischem Selbstverständnis vorwerfen lassen muss, also genau das, was es zu kritisieren gilt.
Marcus Junge
31. Mai 2012 17:08
Anonymer Offizier

Die Ausführungen zu den verschiedenen Typen, haben mich zum Schmunzeln gebracht. Gleich der Beginn erinnerte mich an meine Lehrgangsbeurteilung zum Ende des OAL II, kurz vorm Ende des letzten Jahrtausends erhalten.
Unser Hörsaalleiter schrieb darin, ich sei dem Offizierbild des Kämpfers verhaftet und habe den modernen Manager nicht verinnerlicht. Gleichzeitig warf er mir eine rechte Einstellung vor, die sich aber noch nicht im Dienst gezeigt hätten. Auf Nachfrage woran er die Ausmachen wolle, konnte er keine Fakten oder Taten benennen, was auch unmöglich gewesen wäre, da nicht vorhanden (wenn man RÄCHTS im Sinne von Nazi, so wie es unterstellt wurde, nimmt).
Spätestens die Drohung man würde den MAD auf mich hetzen, der mein gesamtes Umfeld auf der Suche nach der Verbindung zum Führer terrorisieren werde, wenn ich nicht unterschreibe und mich beschwere, hätte schon damals zum vollen Bruch mit der BW führen müssen, aber einen Fahnenjunker können ein Hauptmann (Hörsaalleiter) + Oberstleutnant (Inspektionschef) halt noch recht leicht einschüchtern und irgendwie hing ich damals noch an der Uniform und hatte noch nicht genug schlechte Erfahrungen gesammelt.

Der werte Hptm hat dann auch Karriere gemacht und einen besonders prestigeträchtigen Posten als OTL in den USA ergattert. Ein bewerter Mann halt.
Kein Offizier
07. Juni 2012 14:18
Mich wundern diese Verhaltensweisen keineswegs. Während meiner zwölf Dienstjahre in der Bundeswehr (1973 bis 1985) konnte ich deren Anfänge genau beobachten. Unter den Kanzlern Brandt und Schmidt wurden alle Schleusen dafür geöffnet, wobei besonders Professor Thomas Ellwein als Präsident der Hochschule der Bundeswehr, bezeichneterweise heute "Helmut-Schmidt-Universität", seine seichten Bildungs- und Erziehungsthesen durchsetzen konnte.
Zwei Beispiele hierzu, wie es damals angefangen hat:
Mein erster Kompaniechef (in einer Inst-Ausb.-Kp) war gelernter Maschinenbauingenieur (Dipl.Ing.) und ein halbes Jahr vor mir als Hauptmann vom ersten Tag an eingestellt worden. Markenzeichen, Fettfleck rechts am Schiffchen. Alle seine Glanzleistungen kann ich hier nicht aufzählen, er fiel nach knapp zwei Jahren Dienstzeit als Kp-Chef bei einer Geräteüberprüfung durch, Fehlbestand an Material ca. 80 000 DM. Danach wurde er zum MatAmtHeer versetzt und zum Major befördert.
Bei meiner letzten Dienststelle, fand der dortige Chef eine von einem französischen Zivilangestellten zurückgelassene "Nationalzeitung" auf dem vorhandenen, dienstlichen Zeitungsstand vor (mit Tageszeitungen, Bundeswehrpbulikationen etc.). Als erstes rief er die zuständige MAD-Dienststelle an, um zu erfahren, ob sich eventuell einer seiner Untergebenen strafbar gemacht hat. Er erhielt nur die Auskunft, dass das Vorhandensein einer Nationalzeitung an sich (damals) nicht verboten wäre, nur bei einem Abonnement wäre der Inhaber eventuell vom MAD zu überwachen. Durch eine nachträgliche Dienstbesprechung tat er dieses dann kund. Sein Wahlspruch war - "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern", was er öfters zu seinen erstaunten Untergebenen äußerte. Wegen seiner Spitzenleistungen wurde er ebenfalls zwangsversetzt und an seiner neuen Dienststelle umgehend zum Oberstleutnant befördert.
Auch Offizier
12. Juni 2012 20:26
Innerhalb meiner Verbände und Kompanien gab es immer Kameraden, denen ich vertraut habe und die mir vertrauten. Wir haben sehr offen unsere weit übereinstimmenden Ansichten dargelegt. Darüber hinaus gab es einen sehr weiten Kreis an Kameraden, bei denen man einen hohen Übereinstimmungsgrad an Überzeugungen vermutete und man zudem einen ähnlichen militärischen "Stil" übte, mit seinem eigenen Verhalten seinen Zügen und Kompanien.

Für mich habe ich ausgemacht, dass man damit eine stille Oposition darstellt, die versucht, das Militärische, den soldatischen Geist, so weit wie es möglich ist, aufrecht zu erhalten. Es sind ihrer zwar nicht viele, aber auch nicht wenige. Ich bin mir sicher, dass man damit eine Art Nukleus für den Ernstfall hat. Nur ob dieser Nukleus - selbst im Ernstfall - jemals abgerufen wird, wage ich schwer zu bezweifeln. Unter den derzeitigen Regimen in diesem Land ist natürlich kein Staat zu machen, der diesen Namen verdient und en Geburtsfehler der Bundesrepublik, nicht aus eigener Kraft enstanden zu sein (sehr wohl aber aus eigener Schwere, das sollte man nicht unterschätzen; als Indiz: diese Schwere war es, die zur Einheit führte, die im Ausland niemand wollte).

Dennoch verleitet mich mein Eid dazu, die Treue zu Deutschland jederzeit auf Abruf zu halten. Aber der Bundes-Regierung habe ich keine treuen Dienste geschworen, sondern nur der Bundesrepublik. Und das Handeln und Gehorsamsverlangen der Bundes-Regierung ist nur solange legitim, wie diese sich ihrerseits auf Eid und Grundgesetz stützt.

Ich leiste Gerhorsam, solange die Ehre dabei nicht beschädigt wird.
Ein Befehl kann - ausgehend vom Verteidungsminister - ja nur im Rahmen dessen Amtseides gegeben werden. Somit ist auch meineigenes Handeln gemäß Eid und Gesetz zwingend ebenfalls daran gebunden. Mir ist klar, dass ein Minister ob seiner Informationsüberlegenheit und seiner Stellung einen Einschätzungsvorrang haben muß.

Aber: Ich habe mein Vertrauen in die Bundesregierung völlig verloren, dass ihre Handlungen und Ziele vom Gegenstand ihres Amtseides motiviert sind. Ich muß also selbst über Sinn und Unsinn meines Handelns nachdenken und mit einem existierenden Befehl in Einklang bringen. Sollte dies nicht möglich sein: Eine gute Zivilausbildung macht es mir leichter, eine innere Bereitschaft zu entwickeln, Dienststellung und Dienstverhältnis zu riskieren.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.