Sezession
14. Juni 2012

Soldaten brauchen kein Mitleid

Gastbeitrag / 21 Kommentare

von Felix Springer

Günther Jauchs Sesselrunde vom vergangenen Sonntag bot Anlaß zum Hinweis auf eine Entwicklung, die die öffentliche Wahrnehmung der Bundeswehr und des soldatischen Dienens seit einiger Zeit bedeutend mitbestimmt. Es ging um deutsche Soldaten, die traumatisiert aus ihren Einsätzen zurückkehren und medizinischer Behandlung sowie finanzieller Unterstützung bedürften.

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Stellvertretend für die direkt Betroffenen war der als Buchautor nicht unbekannte  Robert Sedlatzek-Müller anwesend. Daneben: der Bundesverteidigungsminister nebst Gattin, ein Oberstleutnant der Reserve, ein Weltkriegsveteran und für die Linke Luc Jochimsen. Besonders kontrovers verlief die Diskussion erwartungsgemäß nicht. In den Minuten, in denen tatsächlich über das Thema gesprochen wurde, waren sich schnell alle einig: Das Schicksal der Traumatisierten ist bedauernswert, die Versorgung hat sich schon verbessert, muß aber noch weiter verbessert werden.

Außerdem solle, so der Tenor, dem sich nur Luc Jochimsen entzog, „die Gesellschaft“ die Leistung der Soldaten besser würdigen und ihr mehr Anerkennung zollen. Diese Forderung ist so berechtigt wie wirkungslos; darüber hinaus birgt sie aber unter Umständen auch das Potential, Bild und Selbstbild der Streitkräfte mit einem weiteren, nachhaltig zersetzenden Element anzureichern.

Die gönnerhaft vor die Kameras geworfene Bemerkung Jochimsens, sie empfinde ja durchaus „Mitleid“ mit dem an Leib und Seele versehrten Veteranen der Fallschirmjägertruppe, kann als exemplarisch für die Art von Anerkennung gelten, die den Soldaten zum Opfer (am besten noch seiner selbst) degradiert und die daher als völlig deplatziert zurückgewiesen werden muß. Es handelt sich bei dieser Art von „Anerkennung“ um das durchaus gut gemeinte Angebot einer wirklichen Zivil-Gesellschaft, die mit der Idee des Soldatentums vollkommen überfordert ist - ethisch wie intellektuell. Denn egal, welche große oder kleine Legitimationserzählung man seinem waffenbewehrten Einsatz schlußendlich auch zugrunde legt, liegt der Sinn des Soldaten immer in zwei Leistungen begründet, die er allen anderen abnehmen soll: Töten und Sterben.

Wo das nicht Auftrag des Soldaten ist, bleibt es sein Potential. Es sind eben diese zwei existentiellen und exklusiven letzten Konsequenzen, die die Gestalt des Soldaten der Zivil-Gesellschaft weiter entfremden als den Polizisten, den Rettungssanitäter oder den Feuerwehrmann; der Soldat ist sehr weit weg von Luc Jochimsen.

Nun ist es nicht nur so, daß es genau diese Wesensferne von Soldat und Zivil-Gesellschaft ist, die vielen jungen Männern den Soldatenberuf überhaupt erst attraktiv erscheinen läßt, sondern es ist auch so, daß, wer die Notwendigkeit dieser Distanz nicht sehen kann, auch für Robert Sedlatzek-Müller nur die Anerkennung aussprechen kann, die eine ideell nahezu vollständig desintegrierte Zivil-Gesellschaft eben im Arsenal hat. Indem man dem Veteranenstand mitleidig begegnet, gönnt man ihm hier und da einen Aufenthalt in dem Raum, in dem auch die anderen Spielkarten des Parteipokers aufbewahrt werden: Im Raum der bemitleidenswerten Minderheiten. Nur als solche, nämlich nur als Opfer, darf der deutsche Soldat öffentliche Anerkennung verlangen.

Durch diese Perversion der soldatischen Idee und des Dienstgedankens stellt man den Veteranen neben den Behinderten, „unterdrückten“ Schwulen, migrantisch oder sonstig Diskriminierten ab und bemitleidet ihn in einer sentimentalen Stunde, im Wahlkampf oder bei Jauchs Primetimeshow, um im Publikum die interesseabhängigen Sympathieknöpfchen zu drücken. Das ist die entwürdigende Adelung, mit der die Mediengesellschaft teure Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt.

Es kann nicht im Interesse der versehrten oder nicht versehrten Veteranen sein, in diesem Mitleidsmalstrom mitzutanzen. Die Anerkennung, die die deutschen Soldaten im und nach dem Einsatz verdienen, gilt nicht ihrem Leid, sondern ihrer Leistung. Dankbarkeit verdient ein Soldat wie Robert Sedlatzek-Müller nicht, weil er verwundet worden ist, sondern für die Opferbereitschaft, die sein Opfer beweist. Wer versehrt ist, braucht kein Mitleid, sondern Hilfe und Fürsorge.

Daß dafür wiederum der vermutlich eher unangenehme Umweg über die Öffentlichkeit tatsächlich nötig ist, muß eher als Akt der Notwehr gegen eine teils blinde, teils hilflose Armeeführung angesehen werden, die negative Presse mehr fürchtet als jeden Feind. Mit der neuerdings vielfach geforderten Anerkennung des soldatischen Dienstes hat das wenig zu tun. Dazu bedürfte es der ehrlich empfundenen Achtung vor der außergewöhnlichen Leistung derer, die - vereidigt auf das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes -  auftragsgemäß töten und sterben müssen, der Achtung vor dem Dienst des Kämpfers. Mitleid ist das Gegenteil davon.
Test


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Kommentare (21)

Ein Fremder aus Elea
14. Juni 2012 10:40

Das Mitleid der Parteiführung braucht aber auch der Schwule und sogar der Behinderte nicht.

Wer läßt sich schon gerne instrumentalisieren?

Wen entwürdigt es nicht?

Karl Eduard
14. Juni 2012 12:26

Das von Politikern und Medien produzierte Klima ist aber so, daß ein Soldat keine Anerkennung erhält, weder für Leistung, noch für Opferbereitschaft, denn 1. "Soldaten sind Mörder", was von Leuten, wie den Linken gerne skandiert wird und 2. Sind wir alle von Freunden umzingelt, was Soldaten zu einer Art HARTZ IV - Beziehern in Uniform macht, mit einem Hang zu Gewalttätigkeit, Männerbünden und Freude am Schiessen.

Marcus Junge
14. Juni 2012 12:30

Wie die Anerkennung der Zivilgesellschaft aussieht, sieht man im Umgang mit Soldatendenkmalen. Geschändet, zerstört, entsorgt oder, im besten Falle, an einen abgelegenen Ort abgeschoben. Das spiegelt 1 zu 1 das Verhältnis zu den Soldaten der BW. Für Details kann man gern die Indymedia und sonstige Antifa-Seiten besuchen oder Ulla Jelpke sprechen lassen.

Anerkennung für die Besonderheiten der soldatischen Herausforderungen wird es in dieser BRD nicht geben. Nicht für den Bürger in Uniform, der nur einer Tätigkeit nachgeht, wie jeder anderen möglichen Tätigkeit gleicht. Daher wird auch niemand den in Auslandseinsätzen verstorbenen Soldaten (Gefallene haben wir ja nicht) ein Denkmal setzen. Keine Gemeinde, keine Kriegervereinigung, keine Bürgerinitiative, also all jene, die den Denkmalbau nach 1871, 1918, 1945 initiierten.

Druide
14. Juni 2012 13:20

Auch mir als Verteidiger des Eigenen fällt es schwer, dem gegenwärtigen deutschen Soldatentum Anerkennung zu zollen.
Warum? Weil die Armee der Bundesrepublik im Kern eine Vasallenarmee ist, deren praktisches Betätigungsfeld nur zufällig mit den Interessen unseres Volkes übereinstimmt.

Unsere Freiheit wird eben nicht am Hindukusch verteidigt. Vielmehr wird das Überleben der westlichen Wirtschafts- und Handelsgemeinschaft, an der unser "WIR" nachgerade zugrunde gehen wird, gesichert.

Mit anderen Worten: Nur weil ich dieses alberne Sozialarbeitergeschwafel nicht gutheiße, komme ich im Ergebnis leider nicht zur Gegenansicht von Luc Jochimsen.

Daniel M
14. Juni 2012 13:47

Die Anerkennung für die Einzel(opfer)leistung eines Soldaten in Afghanistan ist nicht grösser als die Anerkennung für die Gesamtleistung aller Soldaten in Afghanistan und diese wird u.a. am Zweck und am moralischem Fundament des Einsatzes gemessen, welches mithin 0 ist.

Diese 0 ist natürlich Ansichtssache, erklärt aber mE eines Grossteil der Nicht-Anerkennung, da nur wenige Leute davon überzeugt sind, dass der Afghanistan-Einsatz notwendig und gerechtfertigt ist.

Da vermutlich ein grosser Teil der Versehrten genau dort entsteht und widerum der Nutzen nicht grösser als 0 sein kann, werden die Soldaten im Einsatz (zumindest von mir) eher als für Nicht-Volks-Interessen Instrumentalisierte betrachtet, denn als Dienstleister für das Volk.

Allgemeiner: Abgesehen von Ausnahmen wie dem Einsatz am Oderbruch ist der Soldat nunmal Dienstleister für den Staat, während die Leute ihn am Dienst fürs Volk messen. Dass die Interessen Staat / Volk alles andere als identisch sind, ist wohl unumstritten.

Anna Radack
14. Juni 2012 14:51

Der BW-Soldat ist, neben dem Wähler, der nützlichste Idiot dieser Gesellschaft. Er ist der still haltende Beschrieene, Bespuckte und Verachtete für linkes Gesindel. Er ist für die Politiker dieser Republik derjenige, der mit seinem Arsch für sie durchs Feuer reitet (Teutscher Spruchbeutel), damit jene ihren politischen Wahnvorstellungen nachgehen können (Deutschland wird am Hindukusch verteidigt). Und sie sind für die Mehrzahl der Bürger dieses Staates gar nicht existent, weil, politisch gewollt, im gesellschaftlichen Leben dieses Staates nicht integriert. Sie leben hinter den Mauern ihrer Kasernen, schleichen sich klammheimlich zu Werbeveranstaltungen in Schulen (damit der Mob nicht aufmerksam wird) und bewegen sich nahezu unsichtbar durchs Land (Manchmal fragt man sich, wie sie eigentlich nach Afghanistan gelangen). Wer sieht schon BW-Soldaten in Uniform in der Öffentlichkeit? Wahrscheinlich würden sie sofort von Autonomen und ähnlichen "Friedensfreunden" provoziert, ggf. sogar tätlich angegriffen. Sie sind halt die Prügelknaben dieser bigotten Gesellschaft.

Turmkönig
14. Juni 2012 14:53

Nach offizieller Lesart dürfen von deutschem Boden nie wieder Soldaten ausgehen!

In der freiheitlichst-demokratischsten Bundesrepublik gibt es keine Soldaten, nur gleichberechtigte Mitbürgerinnen und Mitbürger und Menschen, die zufällig eine Uniform tragen, waffenähnliche Geräte in den Händen halten und dafür zuständig sind, den Mitbürgerinnen und Mitbürgern und Menschen im Ausland bei der Frauenbefreiung, der Friedenserhaltung und der allumfassenden Demokratisierung zuzugucken.

Hin und wieder verirren sich Luftgeschosse in und Sprengkörper an einen zufällig uniformierten gleichberechtigten Mitbürger und Menschen, doch dies geschieht immer nur unfallartig und ist ein kleines menschliches Unglück, das uns Mitbürgerinnen und Mitbürgern und Menschen da draußen im Lande nicht weiter beunruhigen sollte. Gewalt ist keine Lösung, also gibt es auch sie nicht.

Denn stell dir vor, es ist Krieg, und es gibt ihn gar nicht! Indem er als solcher gar nicht erst genannt wird, ist er urplötzlich ganz dem menschlichen Dasein entschwunden, von der Erde getilgt und durch den Weltfrieden ersetzt.

Drum merke:
Wer Soldat sagte, sagte Gewalt, sagte Krieg!
Wer Mitbürgerinnen und Mitbürger und Menschen sagt, sagt Lösung, sagt Weltfrieden!

PS: Natürlich brauchen die gleichberechtigten Mitbürgerinnen und Mitbürger und Menschen in Uniform Mitleid, denn sonst wären sie nicht menschlich und mitmenschlich mit uns gleichberechtigten Mitbürgerinnen und Mitbürgern und Menschen ohne Uniform.

Gottfried
14. Juni 2012 16:14

@ Turmkönig

"... gleichberechtigten Mitbürgerinnen und Mitbürgern und Menschen ohne Uniform..."

Ihre Analyse ist bereits perfekt: Ohne Antagonisten (z.B. Deutsche - Nichtdeutsche, Freunde - Feinde) gibt es auch keinen Antagonismus, ohne Antagonismen kann es keinen Krieg geben, kein Krieg ist der Endsieg des Weltfriedens.
Nur sprachlich noch ergänzend: DER Mensch ist ein Maskulinum, DIE Person hingegen ein Femininum.
Schlüge also vor:
"... mit"mensch"lich mit uns gleichberechtigten Mitbürgerinnen und Mitbürgern und Personen wie auch Menschen ohne Uniform."

drauf und drann
14. Juni 2012 16:38

1. Ich habe nicht das Gefühl das die Soldaten im Auslandseinsatz etwas für mich und/oder unsere Gesellschaft/Volk tun.

2. Wo bleibt eigentlich die Anerkennung der Facharbeiter und Handwerker, welche das Rückrat unserer Wirtschaft bilden ?

3. Wer mit den psychischen Belastungen eines Einsatzes nicht klarkommt, sollte sich fragen ober nicht schlicht den Beruf verfehlt hat.
Mich erinnert das immer an einen Dachdecker, der wegen seiner Höhenangst beim Psychiater sitzt, und auch die Frage warum er denn eben diesen Beruf gewählt hat mit "wegen der Höhenzulage" antwortet.

M.Hofmann
14. Juni 2012 19:19

der deutsche normalbürger macht sich keine mühe selbst nachzudenken oder anderen zuzuhören die vieleicht nicht das gleiche parteibuch oder die gleiche religion haben. meinungen werden heute in fastfood manier konsumiert. zu wenige denken nach und suchen die wahrheit. ich mir mich mein - was sie nicht sofort verstehen werfen sie weg, wo sie keinen direkten nutzen haben treten sie alles in die tonne.
wir werden es nicht ändern - nicht jeder der ein diplom hat ist auch klug.
"mach dir keine gedanken darüber was sie denken - sie sind eine eigene art, sie denken gar nicht weil ihnen der verstand fehlt "

"aus dem lederstrumpf :o) "

Martin
14. Juni 2012 21:54

Ich möchte allen, die es sich überlegen Soldat zu werden, raten, sich bspw. einmal Kurt Eggers "Vater aller Dinge" durchzulesen (Gibt es auch online, muss man nur googlen).

Darin findet man bereits ganz am Anfang Sätze wie:

Wer im Kriege keine Idee und in der Kriegsführung keine ideeliche Notwendigkeit zu sehen vermag, muss irgendwann an der durch die Kriegsführung heraufgeführten Not geistig oder seelisch scheitern.
...
Der Zustand der ständigen Bedrohung kann so lastend, so aussichtslos erdrückend wirken, dass der in diesem Zustand zu leben bestimmte Soldat zu dem verzweifelten Gedanken getrieben werden kann, von diesem Zustand zerbrochen werden zu müssen."

Ebenso kann man auf Schriften anderer Kulturen, wie dem Hagakure zurückgreifen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass man das Soldat sein dort nicht als "Beruf" oder "job" angesehen hat, sondern als "Stand", als "Pflicht" und "Berufung der männlichen Jugend". Man hat den Leute mehr "reinen Wein" eingeschenkt, als heute ...

Den damaligen "Dienenden" war die volle Härte ihres Tuns bewusst. Das dies auf uns "Kriegsverherrlichend" wirken muss, ist klar - aber Soldaten an der Front helfen solche ästhetisch moraline Dünkel eines satten Bürgertums, welches die Gefahr scheinbar weit weg gebannt hat (bspw. an den "Hindukusch"), nicht weiter.

Ich habe den Endruck, dass man unseren Soldaten dies nie von Anfang an gesagt hat und ihnen keinerlei innerlichen Kompass zubilligt, der ihnen ein seelisches Überleben besser ermöglicht, da dies ja all das mitschwingen lässt, was ja "böse", "pfui" etc. ist.

Den Tod geben und den Tod nehmen - tja, darum geht es, die böse SS wusste das und hat ihre Leute immerhin darauf eingestimmt.

Der Stand des Kriegers war der, der als einer der wenigen die Tabuüberschreitung des Tötens gesellschaftlich legitimiert ausüben durfte, aber eben nur im Kriege. Dafür stand er aber auch in höchsten gesellschaftlichen Ehren.

Wer all das verleugnet und nur einen gut trainierten "Body" will, der seinen job macht und im übrigen bitte die Schnauze zu halten hat und gesellschaftlich bitte ja nicht auffallen darf, der muss eben dann damit Leben, dass mehr Soldaten durch Suizid sterben, als durch Feindeinwirkung (siehe aktuelle Daten USA), dass Soldaten infantil atavistisch mit "Trophäen", wie Schädeln und Gliedmaßen von Gegnern spielen etc.

Es wird Zeit, dass unsere Soldaten sich ihres Soldatseins bewusst werden und wieder einen selbstbewussten Kriegerstand bilden - dann kann sich etwas ändern. Vorher sind sie nur Kanonenfutter, das verheizt wird. Wenn nicht körperlich, dann seelisch.

Mein Mitleid haben sie, unsere Soldaten, die keine sein dürfen ...

Jens Rabenthal
15. Juni 2012 07:10

So langsam geht mir der Sedlatzek-Müller mit seiner scheinheiligen Tour gewaltig auf den Geist.
Ich bin in der selben Einheit wie er - ach, hat er etwa nicht erwähnt, dass er wieder bei der Bundeswehr ist, die ihn ja sooo schlecht behandelt?!?
Außerdem - ich bitte euch. Der Mann ist kein Elitesoldat - er ist ein Hundeführer und hat somit alle 2 Std Pause!
Er setzt sich so sehr auf ein hohes Podest, dass er vor einiger Zeit eine Veranstaltung in unserer Kaserne veranstaltete, es nur leider vergaß die Wache davon in Kenntnis zu setzen.

Ich habe genug von diesem selbstgefälligen Wichtigtuer. Auch wir gehen nach Afghanistan. Ich selbst war schon 4 Mal dort. Er soll aufhören zu heulen. Er wusste, was ihn erwartet, als er den Vertrag unterschrieb.

Also sei ein Mann, zum Donner nochmal!

Gottfried
15. Juni 2012 08:04

@ Martin

"Ich habe den Endruck, dass man unseren Soldaten dies nie von Anfang an gesagt hat ..."
"Den Tod geben und den Tod nehmen – tja, darum geht es"

Richtig, sehe ich auch so.
Nur könnte man sich alternativ, wenn es denn ausschließlich darum ginge, auch der organisierten Kriminalität anschließen, auch diese stellt schließlich Kriegsareale zur Verfügung.
Der Teufel - nämlich die Frage nach dem politischen Willenssubjekt und dessen Zielen - hält sich hier frivol hinter dem Pronomen "man" versteckt.

Martin
15. Juni 2012 11:03

Nur könnte man sich alternativ, wenn es denn ausschließlich darum ginge, auch der organisierten Kriminalität anschließen, auch diese stellt schließlich Kriegsareale zur Verfügung.
Der Teufel – nämlich die Frage nach dem politischen Willenssubjekt und dessen Zielen – hält sich hier frivol hinter dem Pronomen „man“ versteckt.

Ich musste bei diesem Satz an den Film "Ghost Dog - der Weg des Samurai" (sehr sehenswert!) denken, bei welchem die Aspekte des Kriegers und des Mafia-Herrn interessant bearbeitet werden ...

Im Artikel oben ging es aber um das soldatische und nicht um den Auftrag. Ich meine, wir sollten alle froh sein, wenn es noch "Soldaten" gibt und unsere Armee "soldatisch" im besten Sinne wäre und wir keine securities alá Blackwater & Co. bekommen ...

Gottfried
15. Juni 2012 15:54

@ Martin

"Im Artikel oben ging es aber um das soldatische und nicht um den Auftrag. Ich meine, wir sollten alle froh sein, wenn es noch „Soldaten“ gibt und unsere Armee „soldatisch“ im besten Sinne wäre und wir keine securities alá Blackwater & Co. bekommen …"

Hmmmmh .... ?

"Es ging um deutsche Soldaten, die traumatisiert aus ihren Einsätzen zurückkehren ..." (sic, Artikel oben)

Die BUNTE Wehr wird in Afghanistan eingesetzt. Soldatisches ohne Auftrag? Wer bitte ist "wir"? Freut mich, wenn Sie froh sind. Wer bitte ist "unsere". Freut mich, wenn es Ihnen als BUNT-Länder gut geht und Sie eine Armee haben. Was mich anbelangt, ich lebe nur körperlich in BUNT-Land, die Infrastruktur funktioniert ja - noch - erstaunlich gut.

Lucius de Geer
15. Juni 2012 19:03

@Martin

Muss ich mich bei der Kritik des heutigen 'Militärischen Technischen Hilfswerks' Eggers zum Vorbild nehmen? Er gibt doch allen meinen linken Freunden recht. Krieg ist notwendig, aber Eggers' freudig-religiöse Rechtfertigung bestimmt nicht. Unappetitlich.

Martin
15. Juni 2012 20:50

Gottfried,

ihr Leben muss wunderschön sein - alles ist so einfach ... für alles haben Sie immer nur die selbe Erklärung. Und weil damit alles so wunderschön ist, werden sie auch im Falle von etwaigen Veränderungen immer noch der sein, der draußen außen vorsteht, weil alles ja so wunderschön einfach ist, wieso sollte man sich auch ändern.

Alle anderen müssen mit den Leuten arbeiten, die da sind - und dazu gehört auch UNSERE Armee ... je besser die ist, um so besser für jeden ... außer natürlich für die Propheten des Untergangs ...

Gottfried
16. Juni 2012 06:50

@ Martin

"... wieso sollte man sich auch ändern.

Alle anderen müssen mit den Leuten arbeiten ..."

Den ewigen Diederich Heßlings dieser Welt mag das wohl so erscheinen. Ob beim Aufmarsch aller anständigen BUNTEN Demokraten und Demokratinnen gegen das Rechte, beim Überfall auf Afghanistan oder eben früher bei der SS: Mein Name ist Schmidt, ich mache alles mit.

Martin
16. Juni 2012 12:26

@Lucius de Geer:

Ich fordere nicht dazu auf, einen Eggers oder dessen Schriften zum Vorbild zu machen, obwohl der Eggers immerhin kein reiner Maulheld war, sondern tatsächlich ein Kämpfer, der auch konsequenterweise im Einsatz gefallen ist, womit er so manch anderem schon mal etwas voraus hat. Nein, mein Hinweis und meine Zitierung hatte den Sinn, dass man etwas über den Tellerrand hinaus schaut und sich einmal ansieht, wie andere Traditionen mit dem Thema der Belastungen des Krieges auf den Soldaten umgegangen sind. Das muss nicht der NS-belastete Eggers sein, da gibt es auch noch andere Schriften (Ernst Jüngers "Kampf als inneres Erlebnis" kommt bspw. ohne die von ihnen kritisierten religiöse Rechtfertigungen aus, die Schriften, die unter "Hagakure" publiziert werden, habe ich bereits genannt, die Liste lässt sich fortführen).

Nur darf man eben nicht das machen, was heute passiert, dass man eine Armee zum reinen Funktionsobjekt macht, die auf Knopfdruck alles möglich macht. Die Probleme, die moderne Armeen haben, die nur unter diesem Gesichtspunkt aufgestellt, trainiert und eingesetzt werden und die dann auf Gegner treffen, die eine andere Einstellung zum Ganzen haben, zeigen dies ganz deutlich, auch wenn man aus Sicht der Herrschenden immer sagen kann, was wollt ihr denn, im Vergleich zu den alten Kriegen, ist die Opferzahl doch deutlich geringer - nur, bei alten Kriegen folgte danach doch tatsächlich meist eine Befriedung oder ein Frieden. Und das sollte doch der Hauptgrund für das Ganze sein: Das nach dem Kampf Ruhe einkehrt, das nach Zeiten des Krieges, Zeiten des Friedens folgen. Das bekommt man heute offenbar nicht mehr hin und hier hat auch die Kritik bei denjenigen, die Armeen einsetzen, zu erfolgen. Sie schaffen es nicht, Kriege zu Ende zu führen und Regionen mehr als nur kurzfristig zu befrieden.

Franschi
16. Juni 2012 23:02

Ich glaube bei der Beschreibung der Leistung der Bundeswehr müssen wir sehr präzise sein. Die Leistung kann meiner Meinung nach nicht primär "Töten und Sterben" lauten, denn das ist nur die äußerste aber mögliche Konsequenz der Auftragserfüllung unter Einsatz des eigenen Lebens.

Zumindest früher war es einmal "Das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen", und hierfür konnte man von der Nation, also dem Nutznießer der erbrachten Leistung sehr wohl auch noch eine Achtung und Wertschätzung dafür erwarten.

Heute werden die Einsätze in Afghanistan und im Kosovo etc. vom Deutschen Volk nicht mehr als im eigenen Interesse stehend angesehen, sondern eher als Söldnereinsatz zugunsten amerikanischer Hegemonialpolitik bzw. zur Umsetzung unrealistischer ideologischer Gesellschaftskonzepte, wie der Versuch Bosnien oder den Kosovo zu einem multikulturellen Musterland auszubauen, oder in Afghanistan eine westliche Musterdemokratie errichten zu wollen, was wohl als reichlich illusorisches Ziel angesehen werden muß.

Dementsprechend ist es logisch, daß das Deutsche Volk diese als Söldnereinsatz verstandenen Einsätze nicht mehr im erwarteten Maße honoriert. Aus rechter Sicht ist deshalb die Frage durchaus zulässig, inwieweit man als Soldat unter den heutigen politischen Prämissen überhaupt noch einen positiven Beitrag für die Nation leisten kann, und ob es dieses Opfer wert ist?

Dietmar
17. Juni 2012 08:22

Wie schon mit der Neufassung des Staatsbürgerrechts unter Rot-Grün wurde auch mit der Re-Formierung der Bundeswehr zu einer Freiwilligen-Truppe eine wesentliche Säule des Nationalstaates geschleift.

Damit wurde - sorgfältig inszeniert - das überall in der Welt anerkannte Anliegen einer Landesverteidigung als Schutz von Leib und Leben, von Land und Besitz des eigenen Volkes gegen von außen drohende Gefahren für die Deutschen planmäßig beseitigt. 

Für mich existiert seither überhaupt keine Bundeswehr mehr, die diesen Namen verdient. Sie hat sich längst gehorsam von den Traditionen verabschiedet, auf welche die Menschen z.B. noch in der Zeit der Befreiungskriege Zu Recht bauen konnten und stolz sein durften. 

Unter dem Einfluss sowohl roter, als auch alliierter Propaganda wurde die Bundeswehr solange "umgestaltet", bis sie sich nun als Söldnerarmee problemlos dem Befehlsempfang aus dem NATO - Hauptquartier unterstellen ließ. Daran ändert sich auch nichts, wenn diese Einbindung als notwendige und angeblich für die EU "alternativlose" Neuorientierung 
ausgegeben wird.

Mit Landesverteidigung und einem ehrenvollen Auftrag des eigenen Volkes als höchstem Ideal soldatischer Tugend hat das längst nichts mehr zu tun. Einem Söldner steht keine Erklärung zu. Er verrichtet seinen selbstgewählten 'Job' für Geld, nicht um der Ehre oder der Pflicht willen, dem eigenen Volk zu dienen. Denn ein Volk Europas gibt es ebenso wenig, wie ein NATO - Volk. 

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