Sezession
18. Juni 2012

Wer von Mitleid spricht …

Gastbeitrag / 21 Kommentare

von Larsen Kempf

... der darf von Larmoyanz nicht schweigen. Gemeint ist jene Weinerlichkeit, die man allenthalben in so vielen Bereichen der Gesellschaft findet, mithin auch immer mehr bei den Soldaten selbst. Diese Wehleid- und Formlosigkeit ist moralisch defizitär, intellektuell unredlich sowie militärisch lästig. In diesem dreifachen Sinne sei diese kleine Entgegnung nicht dem in weiten Teilen durchaus richtigen inhaltlichen Ertrag des Beitrages zur Veteranenfrage von Felix Springer gewidmet, sondern der Perspektive, die der Diagnose vorausging.

Man kommt nicht herum, sie in der ganzen Weite der mißlichen Lage unserer Zeit zu bespiegeln. Der Adressat sei dabei nicht die Gesellschaft – sondern im Sinne einer „Gegenfrage“ der Soldat.

Es ist das eine, entscheidend darauf hinzuweisen, daß das Soldatische in der bundesrepublikanischen Gesellschaft wie ein Fremdkörper wirkt, in manchen Momenten gar zum Feindbild im Inneren verkommt. Eine ihrer faulen Früchte ist gewiss die ekelhafte Mitleidsmasche. Dies aber ist die unbezweifelbare Realität der „Nie-wieder-Krieg“-Republik, die seit Kriegsende ’45 ein gestörtes Verhältnis zu sich selbst pflegt. Der Umgang mit dem Militär als der am stärksten möglichen Identität von Untertan und Staat kann dafür als sein bedeutendes Ausdrucksmittel gelten.

Es ist etwas anderes, diese Diagnose normativ zu wenden und von der Gesellschaft zu fordern, was sie der sehr richtigen Beurteilung Springers nach gar nicht mehr zu leisten im Stande ist. Dazu bedürfte es letztlich einer konsequenten mentalen Umerziehung, die gegenwärtig in solch weiter Ferne liegt, wie die existentielle Not irreal erscheint, von der sich die nationale Legitimität des Soldaten herleitet: nämlich vom militärischen (!) Ernstfall im eigenen Lande. Ob dieser Preis allerdings angemessen wie wünschenswert wäre, sei in dieser Fraglichkeit einmal dahingestellt.

Mentalitätsgeschichtlich ist die besagte Perspektive jedenfalls aufschlußreich: Wie verweichlicht muß das deutsche Soldatentum angesichts seines klagenden Gemütes sein, sofern vom deutschen Soldatentum zu schreiben überhaupt noch legitim scheint? Performativer Selbstwiderspruch! Denn man hegt Erwartungen gegenüber der Gesellschaft, die einzufordern man doch gerade bezweifelt, indem man des Soldaten Leistung an Volk und Vaterland („Töten und Sterben“) als Dienst sui generis deklariert. Es ergibt keinen Sinn, das Dienen mit der Bedingung zu verbinden, dass dieses auf würdigende Resonanz stoße. Wer heute Soldat, zumindest wer Offizier wird, muß um diese Lage wissen, muß wissen, was er realistischer Weise von der Gesellschaft erwarten kann. Was und wem nützt es, sich an einem vielleicht erstrebenswerten und dennoch völlig irrealen Wunschbild festzuklammern?

Zu hoffen bleibt freilich, daß die Schwundstufe ziviler Anerkennung, die Bemitleidung, nicht die politische Gemeinschaft in Gänze betrifft. Aber auch diese Hoffnung darf nur sekundäres Motiv des Dienstes sein.

Dagegen zu stellen wäre rechtens die Tugend der Tapferkeit. Sie bedeutet für den Soldaten, nicht nur beständig im Gefecht seinen Mann zu stehen, sondern auch gegenüber allen Widrigkeiten des Alltages beharrlich und treu zu dienen. Dienst im Allgemeinen, der soldatische Dienst im Besonderen ist kein Geschenk, sondern immer Opfer. Das Opfer aber -- eine zutiefst religiöse Kategorie! -- kennt keine Anspruchshaltung, wiewohl es einer einsichtigen Sinnhaftigkeit bedarf.

Im Gegenteil: Aufopferung, mit der bewußten Inkaufnahme von Verwundung und Tod, beinhaltet im Letzten das aufrechte Martyrium. Eine solche Überhöhung kann nur dann recht, echt und edel sein, wenn es nicht an gegenwärtigem oder künftigem materiellen oder immateriellen Gegenleistungen aufgehängt und bemessen wird. Fragt sich, welche Gestalten heute noch solche eigene Stärke mitbringen; wer wollte sich da selbst belügen? So kann die eine normative Irrealität zwar nicht mit einer anderen ausgehoben werden. Im Kleinen scheint eine erinnernde Bewußtmachung der Tapferkeit als wohl grundlegendster soldatischer Tugend trotzdem brauchbarer, als die Forderung an die Gesellschaft, „Achtung vor dem Dienst des Kämpfers“ zu üben.

Von daher sei bloß noch eine Frage gestellt: Adelt sich der Dienst nicht hinreichend durch die Stärke der ihm entgegengebrachten Aversion?


 Gastbeitrag

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Kommentare (21)

Pit
18. Juni 2012 12:04

Soldat sein als... religiöse Übung in Dienen, Aufopferung? Wann war das soldatische Motivation? Zu Zeiten von Templern, Deutschordensrittern? Als völlig Fachfremder sage ich, daß m.E. die Motivation eines Soldaten natürlich der Dienst für das eigene Volk, die Verteidigung des eigenen Volkes ist (und nicht Dienen "an sich"), und daß für solchen Dienst und Opfer natürlich jede beliebige Menge an Dankbarkeit und Respekt erwartet, ja beansprucht, verlangt, eingefordert werden kann.

Auch ein rein religiös dienendes Soldatentum findet ja seinen Einsatz irgendwo, also für eine bestimmte Sache. Welche das sei, das wäre dem religiös motivierten Soldaten also völlig egal? Natürlich nicht, es kann nur eine respektable Sache sein. Wenn also ein religiös motivierter Soldat vielleicht auch keinen expliziten Respekt erwartet, so ist doch sein Dienen und Aufopfern nicht völliger Selbstzweck, sondern immer noch gebunden an eine wünschenswerte Sache.
Eine Sicht vom Dienen und Aufopfern als reinem Selbstzweck kommt also nicht hin. Denn ein solchermaßen religiös motivierter Soldat würde sich gewiß nicht in ein Erdloch setzen, um dort zu verhungern, was man auch als aufopfernden Gottesdienst sehen kann, wenn man´s denn will.

Christoph Nahr
18. Juni 2012 13:57

Dienst und Aufopferung für wen oder was, bitte? Wem dient denn die heutige Bundeswehr? Bestimmt nicht dem deutschen Volk oder einem souveränen deutschen Staat, wie vom Artikel unterstellt. Solche nationalistischen Zumutungen würden von der Regierung entrüstet zurückgewiesen! Unilateraler Bw-Einsatz ist m.W. sogar gesetzlich verboten, Einbindung in multinationale Gremien ist zwingend notwendig. Selbst im Ernstfall eines sowjetischen Angriffs vor 1990 hätten Amerikaner die Verteidigung Westdeutschlands geführt und wesentlich getragen.

Die Bundeswehr ist nach Auftrag und Selbstverständnis keine nationale Armee, sondern Hilfstruppe einer amerikanisch geführten Weltpolizei. Das kann man begrüßen oder ablehnen; Pazifisten bemerken ganz zu Recht, daß nationale Armeen sehr oft Mittel und auch Ursache für verheerende Angriffskriege gewesen sind. Tatsache ist jedenfalls, daß Bw-Tätigkeit mit tapferem Dienst für irgendein deutsches Volk derzeit nichts zu tun hat.

balu
18. Juni 2012 14:00

Nachdem ich mir das neue Opfer Addon installiert habe ist meine Drohne um einiges präziser.
Aufopferungsvoll steuere ich sie mit Hingabe in des Handtuchkopfs (towelheads) Gefaehrt.
Mein Gott was für ein Martyrium!
Zum Glück ist gleich Schichtwechsel und meine Alte wartet aufopferungsvoll .
Das spart mir den Therapeuten.

Unke
18. Juni 2012 14:31

Also als ebenfalls völlig Fachfremder (mit Ausnahme eines für den Erhalt des Sozialismus [West] erzwungenen Wehrdienstes) empfehle ich dem Autor die verabreichten / eingenommen hallozinogenen Substanzen (LSD? Weihrauch? Zuviel Rosenkranz gebetet?) abzusetzen und dann nüchtern noch mal über das Geschreibsel zu gehen:

die Tugend der Tapferkeit [...] bedeutet [...] auch gegenüber allen Widrigkeiten des Alltages beharrlich und treu zu dienen.
[...]
Dienst im Allgemeinen, der soldatische Dienst im Besonderen ist kein Geschenk, sondern immer Opfer.
Aufopferung [...] beinhaltet im Letzten das aufrechte Martyrium [...] Fragt sich, welche Gestalten heute noch solche eigene Stärke mitbringen[ ...]?

Wie wär's mit radikalen Islamisten?

*pling*

Lieber Herr Kempf, Ihr ritterliches Ideal ging mit der alten Ordnung 1914 unter. Und warum?
Weil die Kriegerkaste -a.k.a. der Adel- Europa in den Krieg gestürzt hatte. Und zwar diesmal so gründlich -wie das halt bei versippter Inzucht, d.h. Bruderkämpfen so zu sein pflegt- dass kein Stein auf dem anderen blieb.

Wie auch immer, da beim Militär gilt "der richtige Mann am richtigen Platz" stelle ich Ihnen anheim, an vorderster Front den Heldentod zu suchen. Die Schreibstube ist definitv nichts für Sie.

Raskolnikow
18. Juni 2012 15:09

Ach je,

die Dosis Walter Flex ist dann doch zu viel angesichts der Zeitläufte ... Gottesdienst? Vaterland? Albern!

Die Motivation des zeitgenössischen deutschen Soldaten ist eher eine sportliche (im weitesten Sinne). Und vielleicht war es stets und zu allen Zeiten das tatsächlich bewegende Soldaten-Motiv, das des Sich-selbst-Überwindens, des Sich-Messens.

Niemand denkt unter Beschuss an das Grundgesetz, den Kaiser, die Partei, die FDGO, den Führer oder an Deutschland. Das ist alles Papierdreck von Leuten, die nicht dabei waren oder Leuten, die sich selbst belügen.

Was sind die Gedanken eines Soldaten unter Beschuss?

"Verdammte Axt, wir stehen hier, die anderen sitzen zu Hause - wir haben Angst um unsere Eier und die anderen spielen am PC Krieg - wir schießen 40mm-Granaten in die afghanische Landschaft (das beruhigt) und die anderen ... Ich hab mir zwar fast eingeschissen, aber die anderen ... Ich gehöre zu diesen Männern, die sich Diesem aussetzen!"

Und eines muss klar sein: für das seelische Wohlbefinden ist die "fehlende Anerkennung" hervorragend! Man reduziert sich auf die Gemeinschaft der Kämpfenden, man bringt den "anderen" eine Mischung aus stiller Verachtung und wohlwollender Neutralität entgegen - man glaubt, Elite zu sein!

Die "immaterielle Gegenleistung" ist also mehr als unrelevant! Wer will Anerkennung von Stubenhockern und Schwächlingen? Kein gesunder Mann! Der Zivilist hält sich für wichtiger, als er ist ...

Männer müssen sich messen - wie auch immer! Am besten durch Gewalt! Wird diese Gewalt institutionalisiert, kämpft man eben als Soldat.

Ist das nicht möglich, prügelt man sich unter Hooligans, um den Maibaum, Dorf gegen Dorf, in der Maslenitza-Woche usw....

Soldaten sind institutionalisierte Hooligans!

Es ist eigentlich ganz einfach, ganz unheilig!

R.

Saxnot
18. Juni 2012 15:15

Schon etymologisch enthält der Begriff des"Opfers" ein Element der freiwilligen Hingabe (vgl. "to offer"). Ohne die Bereitschaft hierzu ist ein soldatisches Dienen undenkbar. Interessant ist, daß in der deutschen Sprache sowohl das Verbrechens"opfer", wie auch das Unfall"opfer", die alles andere als freiwillig erbracht werden, unter den Opferbegriff fallen. Anders ist dies im Englischen, das die Begriffe "sacrifice" und "victim" verwendet, je nachdem ob das Opfer des Helden für sein Vaterland oder das bedauerliche Los eines vom Schicksal Gebeutelten gemeint ist.

rütliboy
18. Juni 2012 15:53

Nun Hr. Kempf als Offizier sollten sie ja wissen wovon sie da sprechen.Ich allerdings, der lediglich seinen Wehrdienst geleistet hat, möchte ihnen trotzdem meine Sicht in dieser Sache nahelegen.

Was sie über die Verweichlichung der Bundeswehr, insbesondere im Umgang mit den Medien schreiben, dem stimme ich zu.
Eine Gesellschaft die den Krieg nur aus dem Kino und der Flimmerkiste kennt und keinerlei Nationalstolz mehr hat, sieht keinen Nutzen in einer starken, straff geführten Armee.
Was erwarten sie denn von einer Gesellschaft die gerade im Begriff ist "sich selbst abzuschaffen"?

Was den Heldentod und das "Letzte aufrechte Martyrium" angeht, bleiben wir doch mal auf dem Teppich!
Warum werde ich Soldat?Wegen dem Sold und/oder naiver Vorstellungen über das Soldatentum!
Warum ziehe ich in den Krieg?Auf Befehl!
Warum sterbe ich?Reines Pech, oder schlechte Taktik!

Selbst die Moslem-Attentäter erwarten für ihren Märtyrertod eine Belohnung im Jenseits.Und von deren "Opferbereitschaft" sind westliche Soldaten ja wohl meilenweit entfernt!

Heldentum im deutschen Militär gab es meiner Ansicht nach das letzte mal 1944-45.
Als sich die ganze Welt gegen Deutschland gestellt hatte und gegen Ende des Krieges sich Minderjährige mit Handgranaten gegen Sowjetische Panzer warfen und kleinste Kampfverbände den Sowjets und den Amies tagelang wiederstand leisteten.
Sie taten das nicht um Helden zu werden, sondern weil die Angst vor dem Feind größer war als die vor dem Tode.Sie starben um anderen die Chance zur Flucht zu geben, die ihnen als Soldaten verwehrt war.

Heute spuckt die Gesellschaft auf deren Opferbereitschaft.
(Ich verstehe aber worauf sie hinauswollen, wares Heldentum ist sich trotzdem zu Opfern!)

Es wird schwierig Heldenmut oder Operbereitschaft in der kämpfenden Truppe zu erwecken, wenn unterentwickelte Länder wie Afghanistan oder Libyen von Natotruppen zermalmt werden.Braucht es Tapferkeit, Heldenmut oder Opferbereitschaft um mit Natobombern und Panzern auf Beduinen zu schießen?
Warum lässt sich Afghanistan nicht kontrollieren?
Weil die nationalen Afghanen und nicht nur die Taliban sich heldenhaft den Besatzern wiedersetzen(Guerillakrieg).Dies unter Einsatz ihres Lebens, um danach von der gesammten westlichen Welt als Terroristen und Mörder gebrandmarkt zu werden.Ich sehe da durchaus parallelen zu Deutschland 1944-45.

Auf afghanischer oder libyscher Seite, sollten sie nach Helden suchen, dort werden sie fündig werden!

Insgesamt klingt ihr Apell gegen die Weinerlichkeit selbst etwas weinerlich, weil er verzweifelt nach etwas ruft, was im Zeitalter der "Internationalen Eingreiftruppen" und der "Deutschen Freiheit" die am Hindukusch verteidigt wird, in der 1. Welt schon längst dem Söldnertum geopfert wurde.Selbst ich als Zivilist kann das erkennen.

Dies ist keine Respektlosigkeit ihnen gegenüber, lediglich meine Einschätzung der Sachlage.

Hochachtungsvoll
rütliboy

Ein Fremder aus Elea
18. Juni 2012 20:00

"Adelt sich der Dienst nicht hinreichend durch die Stärke der ihm entgegengebrachten Aversion?"

Nein.

Zunächst mal. Ist ja ein Anzeichen dafür, daß der Dienst nicht Ausdruck eines nationalen Willens ist, welchem sich der Soldat opfern könnte.

Im Einzelfall mag es eine Adelung sein, wenn man voraussetzt, daß, wer da Aversion entgegenbringt, vom Selbsthaß zerfressen ist.

Aber das kann schwerlich das Selbstverständnis der Truppe sein, nicht wahr?

"Diese Kranken hassen euch, weil ihr gesund seid! Ein dreifaches Hurra!"

Ich sehe auch nichts Edeles darin, dafür zu kämpfen, daß Deutschland nicht dumm im Kreis der eigenen Freunde dasteht. Denn genau dafür ziehen deutsche Soldaten ja in den Kampf.

Würde ich nie machen, soll mein Nachbar doch dumm dastehen! Ist er ja schließlich auch!

Aus meiner Perspektive macht der Dienst unter den heutigen Umständen nur als Abenteuer Sinn.

Martin
18. Juni 2012 22:46

Von daher sei bloß noch eine Frage gestellt: Adelt sich der Dienst nicht hinreichend durch die Stärke der ihm entgegengebrachten Aversion?

Ja, viel Feind, viel Ehr eben ...

Das interessante bei diesen Diskussionen ist doch immer wieder, welch eine Aversion, fast schon Hass, mindestens aber Spott und Hohn gegen die eigenen Soldaten entgegengebracht werden, nur weil sie ja angeblich "fremden Interessen" dienen (dahinter steckt dann meist nur der notorisch billige USA-Hass, den West-Nazis und Linke sowie ostzonal erzogene miteinander teilen) ... dabei vergrätzt man damit im hohen Maße aus rechter oder konservativer Sicht seine eigene Klientel. Warum sollte ein Offiziersanwärter bspw. sich noch im Umfeld der "Sezession" umtun, wenn man ihm so, auf deutsch gesagt, blöde kommt?

Ich seh das ganze daher ein bisschen anders als die meisten: Es ist gut, wenn ein Nukleus an deutschen soldatisches leben kann, Kampferfahrung sammeln kann und dadurch Kasernenhoftöne immer auch am Maß des Einsatzes gemessen werden können. Auch das ist Dienst am Vaterland, wenn auch eher im höheren Sinne.

Arminius musste sein know-how auch erst bei den Römern lernen, um diese besiegen zu können.

Bundeswehr und Volksarmee haben gerne kampferfahrene ex-Wehrmachtler genommen, um sich aufzubauen etc. Bei fast jedem Systemwechsel blieb der Kern der Armee und die Masse der Beamten unangetastet - aus gutem Grund, denn man hat nur schlecht ausreichend Ersatz für diese Kräfte.

Mit welchem Ziel betreiben eigentlich hier so viele ihre politischen Übungen?

Das alles in Scherben fällt und danach hat man nur noch Leute, die bestenfalls den Notwehrreflex via Messer und Kuchengabel ausüben können?

Es ist für mich klar, dass eine konservative "Wende", die noch Lichtjahre weit weg erscheint, eine Rückkehr zur Wehrpflicht und eine Fokussierung auf eine Landesverteidigung bedeuten sollte. Eine halbwegs ernstzunehmende Armee ist eine Grundvoraussetzung, um überhaupt so etwas wie einen "Nationalstaat" (oder "Partikularismus"), von dem so viele rechte oder konservative so gerne schwafeln, auch ansatzweise wieder etablieren zu können. Spätestens dann kann man dankbar sein für einen Kern von Leuten, die einem mit Kampferfahrung dabei helfen können.

Aber ich weis, jetzt kommen gleich die ersten und sagen, man muss ja nur schnell genug Atombomben bauen, dann braucht man die undankbaren Heulsusen-Koffer von heute nicht mehr ...

Ach ja: Ich bin kein Soldat dieser BW - war nur mal vor zig Jahren Wehrdienstleistender in der BW ...

Unke
19. Juni 2012 00:23

@Martin

Es ist für mich klar, dass eine konservative „Wende“ […] eine Rückkehr zur Wehrpflicht und eine Fokussierung auf eine Landesverteidigung bedeuten sollte. Eine halbwegs ernstzunehmende Armee ist eine Grundvoraussetzung, um überhaupt so etwas wie einen „Nationalstaat“ (oder „Partikularismus“) […] wieder etablieren zu können.

Einverstanden! Es hat sicherlich zu den seitens der Siegermächte „unintended consequences“ gehört, dass mit Aufkommen des kalten Krieges den Deutschen nicht nur eine massive und funktionierende Kriegsmaschinerie zugestanden, sondern regelrecht aufgenötigt wurde; und sie wurde auch noch von Biodeutschen bemannt! (Und wäre der SPIEGEL nicht gewesen, könnten wir sogar über Atomwaffen gebieten.)
Und man kann, denke ich, behaupten, dass die Bundeswehr grosso modo auch militärisch etwas getaugt hat. Heute ist die Bw ein schlechter Witz; unten dazu mehr.

Die soldatischen Kategorien, mit denen unser junge Freund Kempf hantiert mögen zwar per se nicht falsch sein, sie gehen aber m.E. am Thema vorbei. Insbesondere sei einmal gefragt, wozu Krieg geführt wird? Doch wohl, um Frieden (und zwar zu den Bedingungen des Siegers) zu erzwingen; oder?
Nun, die heutigen („demokratischen“) Gesellschaften befinden sich in einem permanenten Kriegszustand, der zwar nur selten erklärt, aber von oben angeordnet bzw. systemimmanent ist: Frauen gegen Männer, Ausländer gegen Einheimische, Rentner gegen Arbeitnehmer…
Heutzutage wird alles verhandelt. Der Krieg verlagert sich so auf den virtuellen Marktplatz; man nehme das Fingerhakeln im Rahmen der Eurokrise als Beispiel.
Wir befinden uns in einem Zustand permanenter maoistischer Aktivierung, die Atemlosigkeit und Bedrohlichkeit des Krieges wird im Alltag von den Medien pausenlos simuliert. Die Frage, welchen Platz in welcher (anzustrebenden) Gesellschaft das Militär hier zu spielen hat lässt sich nun einmal nicht mit den Kategorien der Ritterzeit beantworten; ja –leider!- nicht einmal mit denen des 19. Jahrhunderts.
Man denke nur mal an die Kosten des Kriegsgeräts. Eine „Panzerhaubitze 2000“ schießt auf 40 km das Frühstücksei vom Untersetzer; panzerbrechende Munition, verschossen mit der Leo II Rheinmetall- Glattrohrkanone bringt selbst den stärksten Merkava zum Stehen. Nur: so schön und ggf. effektiv das ganze Gelerch ist, es ist auch gigantisch teuer. Den USA hat das seit 2001 das finanzielle Rückgrat gebrochen. Die haben fertig!
Die Frage „welches Militär wozu“ ist somit eine vieldimensionale. Die derzeitige an der Macht befindliche Clique hat sich die Antwort längst gegeben; die Aufhebung der Wehrpflicht und die de facto Verausländerung (Verhintergründerung) der Armee macht den Weg auch auf diesem Wege frei die Rest-Biodeutschen dermaleinst zu massakrieren, sollten die nicht spuren.

Ein Fremder aus Elea
19. Juni 2012 09:08

Martin,

ich hatte Arminius durchaus im Hinterkopf, als ich meinen Kommentar schrieb, nur halte ich diesen Vergleich nicht für realistisch. Arminius stammte aus einem Volk, welches bereits aus Soldaten bestand und lernte dann lediglich noch das eine oder andere von den Römern dazu. Wenn Sie bei diesem Vergleich bleiben wollen, dann liegt heute eine ganz andere Parallele nahe. Sehen Sie sich doch nur einmal an, wie viele US Soldaten Schwarze sind. Die Römer damals oder die westlichen Staaten heute, sie rekrutieren sich zuvörderst aus "sozial schwachen" Schichten.

Wenn das, was Sie sagen, also auch theoretisch richtig ist, daß Deutschland einen gewissen Kern an Leuten mit Kampferfahrung braucht, so sind die psychologischen Bedingungen dazu doch nicht gegeben, aus der von Ihnen genannten höheren Pflicht riskiert niemand sein Leben.

Der einzige Weg ist, wie ich schon schrieb, die Abenteurer gezielt anzusprechen.

Gottfried
19. Juni 2012 11:34

@ Martin

"... dahinter steckt dann meist nur der notorisch billige USA-Hass, den West-Nazis und Linke sowie ostzonal erzogene miteinander teilen) ..."

Nun bin ich nicht in Mitteldeutschland erzogen worden und auch kein ausgesprochener Linker. Mache aber keinen Hehl daraus, daß ich nicht viel von der Elite der FED-Bankiers und Co. halte, die die VSA nebst NATO gekapert hat.
Würde die Diskussion mal voranbringen, wenn Sie mir als Kämpfer gegen das Rechte auf dieser rechten Seite "sezession" mal erklärten als westlichem Natzieh und Gefahr aus der Mitte, warum ich meinen Feind, der Europa die "diversity" und die "Menschen"-"Rechts"-Diktatur der EU sowie die Ausraubung durch ESM auferlegt hat, nicht hassen sollte?
Wie kann ich als friedliebender Partikularist und Gegner des absoluten Primats der Gewinne einiger weniger privater Zentralbankiers, auf der Seite unserer europäischen Kultur und der Rechtstaatlichkeit stehend, unrechtmäßige Überfälle auf Nationen wie Afghanistan, Irak, Libyen oder auch das serbische Volk anerkennen?

Gottfried
19. Juni 2012 11:47

@ Unke

"Nun, die heutigen („demokratischen“) Gesellschaften befinden sich in einem permanenten Kriegszustand, der zwar nur selten erklärt, aber von oben angeordnet bzw. systemimmanent ist: Frauen gegen Männer, Ausländer gegen Einheimische, Rentner gegen Arbeitnehmer…
Heutzutage wird alles verhandelt."

Der "herrschaftsfreie Dialog" unseres BUNTEN Philosophen Nummer I, Habermas. Gut gesehen.
Möchte nur noch ergänzen, daß unter dem ganzen Möglichkeitsterror der tausend Wahlfreiheiten der Krieg nicht nur zwischen Rauchern und Nichtrauchern, Islam-"Kritikern" und Salafisten, Mann und Frau usw., sondern ganz besonders auch in den befreiten, nunmehr gänzlich isolierten Hagestolzen bwz. alten Mädchen (Euphemismen: "Single", "autonomes Individuum") selber stattfindet. Die eigentlichen Machtstrukturen werden verwischt, vernebelt, dürfen in den "Teams" nicht mehr benannt werden, werden oft gar nicht erkannt, der Krieg findet im Einzelnen selber statt, soll ich mich scheiden lassen oder nicht, "verwirkliche" ich mich jetzt "selber" als Chemieingenieur oder studiere ich noch ein anderes Fach usw.
Was für ein absurdes Konstrukt ist doch dieses sogenannte "Individuum", ein kleines Glied in einer langen Ahnenreihe, in einer ganz bestimmten Landschaft lebend, wo ganz bestimmte Regeln und Begriffe herrschen, eine hochkomplizierte Logistik, innerhalb derer ganz enorme Abhängigkeiten des Einzelnen von seinem Umfeld bestehen.

Meyer
19. Juni 2012 13:22

Sehr geehrter "Fremder aus Elea", ich stimme dem Kern Ihrer Äußerungen zu: "Aus meiner Perspektive macht der Dienst unter den heutigen Umständen nur als Abenteuer Sinn."

So ist es. So war es früher, so wird es immer sein. Aus diesem Grunde bin ich Soldat geworden, aus diesem Grunde bin ich Offinzier geworden, aus diesem Grunde habe ich die Einsätze gesucht. Und irgendwann habe ich erkannt, daß es da "draußen" mehr Abenteuer und mehr zu gestalten gibt, als in der Armee.

Arminius, der den Haß gegen alles Römische bis zuletzt in sich trug, zu sehen am Streit mit seinem Bruder, der von Roms Attributen korrumpiert wurde, ging zur römischen Armee, um zu lernen, wie man sie besiegt. Das will ich zwar nicht auf heute übertragen, aber dennoch kann man in der Armee (wenn auch nicht mehr als freiwillig Wehrpflichtiger, das reicht icht aus) noch wesentliches lernen, was den Krieg und kriegerische Auseinandersetzung betrifft. Immer noch éinen Nukleus an Kampfgeist erkennen, in Ausbildung und Erziehung.

In einer Welt, die in einem atemberaubenden Tempo degeneriert, kann man von einer konfliktreichen Zukunft ausgehen. Die Gemengelage dazu ist längst bereitet.
Wer dieser nicht ausgeliefert sein will, der muß wenigstens eine gewisse Zeit Soldat gewesen sein, um für das Soldatenhandwerk und die Kriegskunst Verständnis zu entwickeln und den Geist zu entwickeln, der in einem Konflikt bestehen kann.

Wer übrigens die fehlende Zivilisation bei sogenannten Hooligans höher bewertet, als deren Willen zum Kampf, der ist bereits in einem Maße degeneriert, daß ihm der kämpferische Kern des Soldatischen bereits in einem Maße abgeht, daß er für zukünftige Konflikte ungeeignet ist.

Gott, Kaiser, Republik, Volk oder Vaterland sind immer nur gute Ausreden für einen Abenteuerer, das Abenteurer zu suchen. Der Abenteurer der soldatisch-kämpferischen Art wird unter allen Umständen immer eine kämpferische Armee suchen. Und wenn es nicht die Bundeswehr ist - und sie ist es nicht - wird er in zukünftigen Konflikten halt eine andere finden.

Die Bundesrepublik, deren Entstehung eben nicht auf einem Krieg beruht, den die Bundeswehr gewonnen hat, so wie (zumindest pro forma) die Geschichte aller relevanten Staaten um uns herum, wird sich selbst marginalisieren. Mit ihr wird das verweichlichte Deutschland verschwinden. Die Zeiten, als mir das noch leid tat, sind wohl vorbei. Dieses jämmerliche Schwunddeutschland verdient keine Achtung und keine Vaterlandsliebe. Es ist die institutionalisierte Durchwurschtelei. Dies verstehe ich die Ursache des Selbsthasses der Linken, die bloß nicht genug innere Stärke haben, dennoch optimistisch in Deutschland das Ideal zu sehen.

@ Martin
"... dahinter steckt dann meist nur der notorisch billige USA-Hass, den West-Nazis und Linke sowie ostzonal erzogene miteinander teilen ..."
Ich verachte nicht die Soldaten der Bundeswehr, dafür war ich selbst zu lange einer und kenne sie zudem zu gut. Aber ich halte die Institution der Bundeswehr für verbesserungsunfähig. Aber selbstverständlich hasse ich die USA, wie jeder Mensch, der sich ein Mindestmaß an moralischer Integrität bewahrt hat. Sie sind der charakterliche Gegenentwurf zu dem, was Deutschland historisch symbolisiert. Das gilt nicht für "die" Amerikaner. Die amüsieren mich eher.

Ich habe mir den Haß des Arminius gegen alles römische bewahrt.

Druide
19. Juni 2012 13:36

@ Martin

Sie schrieben:
"dahinter steckt dann meist nur der notorisch billige USA-Hass, den West-Nazis und Linke sowie ostzonal erzogene miteinander teilen"

Dabei unterschlagen Sie aber, dass die BRD für die Besatzungskosten nach wie vor aufkommen muss und vor allem, dass diese nach wie vor anfallen. 100.000 Auslandssoldaten sind in Deutschland stationiert und benutzen Deutschland als Flugzeugträger und sogar ungefragt als Zentrale für den gegen Russland gerichteten Raketenschild, wodurch wir im Fall der Fälle automatisch als Kampfplatz Nr. 1 zur Entlastung unserer Freunde auserkoren sind.

Auch erwähnen Sie nicht, dass wichtige Teile des Überleitungsvertrages noch in Kraft sind und, dass die BRD nach dem Ausscheiden der Russen aus der Viermächteverantwortung einen neuen Vertrag mit den drei Westalliierten aufgesetzt hat, der die Viermächteverantwortung von vor dem 2+4-Vertrag auf die Dreimächte umgeleitet hat.

Diese Aversionen haben also eine reale Basis, deren Auswirkungen gegenwärtig und brandaktuell sind.

Während ein Großteil der Bürger von Trizonesien sich nämlich fatalerweise selbstbetrügerisch für frei gehalten haben und diverse politische Entscheidungen lieber der Dummheit der Regierenden zugeschoben haben als der Vasallenrealität ins Auge zu sehen, waren sich die DDR-Bürger immerhin vielfach bewusst in die sozialistische Familie zwangsadoptiert worden zu sein. Diese Haltung haben selbstverständlich auch die sogenannten Konservativen Parteien der Bundesrepublik immer gefördert. Da drüben die Ostzone hier die freie Welt. Das ist eins zu eins die Übernahme der vorgegebenen imperialen Logik des Westen. Gratulation zu so viel Eigenständigkeit.

Nun kann man aus opportunistischen Gründen es tatsächlich begrüßen, für den eigenen staatlichen Schutz nicht letztverantwortlich zu sein, dann muss man sich aber damit abfinden auch unter fremdem Recht zu stehen. Erwarten sie aber nicht, dass alle das prima finden.

Ich stimme insoweit den Ausführungen des Fremden aus Elea zu, dass daher im Kern nur noch das Lob auf das soldatische Abenteurertum bleibt. Sonst ist das Soldatentum innerhalb der vorgebenen Organisationen und Hierarchien ein zweischneidiges Schwert.

Martin
19. Juni 2012 16:01

An die verschiedenen, die auf meinen Beitrag geantwortet haben:

Ich habe nicht behauptet, dass es nicht tausend gute Gründe gibt, etwas gegen die USA als Hegemon zu haben. Ich habe mich nur explizit dagegen gewendet, dass man es Soldaten der BW zum persönlichen Vorwurf macht, sie deswegen angeht oder über sie spottet, weil sie unter Bedingungen dienen, die auch und zu einem großen Teil anderen Ländern und hier auch den USA dienen.

Ab jetzt kann man dann wieder eine Grundsatzdiskussion beginnen, die aber nicht Thema des Beitrages war. Ich jedenfalls kann mich der Einfachheit des regelmäßigen USA- bashings nicht anschließen und sehe das Verhältnis zu diesem Land differenzierter - Aber: Das ist hier nicht das Thema gewesen.

Wenn einmal ein Beitrag zur Frage, wie halten wir es mit den USA und unseren derzeitigen Veründeten kommt, bin ich gerne bereit, weiter auszuholen und auch den advocatus diaboli zu geben.

Meyer
19. Juni 2012 16:27

Sehr geehrter Druide,

auch Ihnen ist vollkommen - als west-trizonesischer Nichtlinker, der ich bin - zuzustimmen.
Dem Ausgangsbeitrag Kempfs ist also in soweit zuzustimmen, daß wehleidiges Gewinsel der Bundeswehr, nach Innen und Außen gerichtet, mit einem Mindesmaß an Abenteurertum nicht vereinbar, ja das glatte Gegenteil dessen ist.

Bezüglich: "Linker", "Ostzonie" und "West-Nazi". Wer so "argumentiert" ist doch bloß ein Opportunist. Da wär ich ja selbst noch lieber ein "Linker". Was man gegen einen "Ostzonie" haben soll, ist mir zudem schleierhaft. Vor jemanden, der sich heutzutage noch traut, ein echter "Nazi", also ein Nationalsozialist zu sein, empfinde ich aufrichtige Hochachtung.

Martin: "Warum sollte ein Offiziersanwärter bspw. sich noch im Umfeld der „Sezession“ umtun, wenn man ihm so, auf deutsch gesagt, blöde kommt?"
Soll er es doch lassen. Es zwingt ihn doch niemand. Wer seine Scheuklappen nicht absetzen möchte, wenn er sie überhaupt trägt, soll sie sich schön zurechtrücken. Wessen Persönlichkeit so schwach ist, daß man den treuen Dienst für die Bundesrepublik Deutschland nicht kritisieren kann, ohne daß er sich angepißt fühlt, der paßt wahrscheinlich recht gut in das moderne Anforderungsprofil des Personalamtes.

Gottfried
19. Juni 2012 18:06

@ Martin

"Ich jedenfalls kann mich der Einfachheit des regelmäßigen USA- bashings nicht anschließen und sehe das Verhältnis zu diesem Land differenzierter – Aber: Das ist hier nicht das Thema gewesen."

Falls es das nicht ist, warum thematisieren Sie es dann? Sie wollen womöglich "gar nichts gesagt" haben?
Werter Differenzierer, einen Konflikt kann man verorten. Wenn der Feind außen steht und Ihr Terrain zerschlägt, dann kann die Beseitigung der Demokratie, der Meinungsfreiheit, der Rechtstaatlichkeit und der Verteidigungsfähigkeit aufgrund der Übermacht des Feindes überaus einfach sein.
Umgekehrt können die ganzen Folgeschäden, allgemeine Effeminisierung, Uneinigkeit des besiegten Volkes, Auswirkungen der jahrzehntelangen Gehirnwäsche etc. zugleich überaus kompliziert sein.

Druide
20. Juni 2012 11:38

@ Martin

Ich hatte auch nicht vor über Gebühr zu stänkern. Aber als Gegensatz zur Mitleiddebatte sollen ja hier die Tugenden des deutschen Soldatentums wieder in den Blick gerückt werden im Sinne einer "Perspektive, die der Diagnose vorausging".

"Die Schwundstufe der zivilen Anerkennung" hat aber doch etwas mit der Gesamtsituation unseres Landes zu tun, von der man nicht so ohne weiteres abstrahieren kann.
Wenn die Verwendung unserer Truppen für irgendwelche dubiosen Missionen im Volk nicht gutgeheissen wird, so dann jedenfalls schon weil diese in Gefahr für Leib und Leben gebracht werden, und auch ihre Familien dabei geschädigt werden. Dieser Zusammenhang zwischen Sinn und Folgen des Einsatzes ist jedermann unmittelbar einsichtig, weshalb die Diskussionen über posttraumatische Belastungsstörungen und die dabei von Berufsbetroffenen ausgeschütteten Krokodilstränen m.E. genau in diesem Zusammenhang gesehen werden müssen. Hier werden wie so oft Nebenkriegsschauplätze benutzt, um Grundsatzpositionen - die gerade nicht explizit thematisiert werden - in eine Richtung zu zementieren. Und es dürfte klar sein, dass das weniger partikularistische denn universalistische sind.

Defensor75
20. Juni 2012 15:17

Ein schöner und ganz gar zutreffender Beitrag.
Natürlich kann man auch über das Opfer, das potenziell vom Soldaten verlangt wird, nicht reden, ohne den religiösen Ursprung des Opfergedankens gegenwärtig zu halten. Gerade weil in heutigen "humanistischen" Schwundstufen des Christentums bisweilen der Gedanken aufkommt, das Leben sei "an sich" ein "höchster Wert". Dabei hat die Kirche immer gewusst, dass die Verherrlichung Gottes dieser "Wert" ist: "Sie hielten ihr Leben nicht fest, bis hinein in den Tod" so betet die Kirche noch heute mit der Johannes-Offenbarung in der Stundenliturgie der Märtyrerfeste und -gedenktage. Und der Berliner Erzbischof Woelki hat anlässlich seiner Kardinalserhebung noch einmal daran erinnert, woran der Kardinalspurpur seinen Träger erinnern soll: In jedem Augenblick bereit zu sein, sein Blut für die Kirche zu vergießen.

Agricola
20. Juni 2012 16:09

Das Wesen des Staates und insbesondere das Militär erlebte in Deutschland nach der Kapitulation der Wehrmacht eine Zäsur, die nicht größer hätte sein können. Alle Werte - alle!!- wurden im Sinne der Siegermächte neu definiert. Das bedeutete: Entsouveränisierung des Staates und Verwandlung Deutschland in ein Vasallenstaat (OMF-Republik ;C.Schmid).Daran hat sich bis dato nichts geändert! Im Gegenteil: die Einbindung wurde nach der "Wiedervereinigung" absolut durch Auflösung der Währungshohheit, die die letzer Hoheit der BRD gewesen ist. Militärisch eingebunden in das westlich-kapitalistische Hegemonialsystem, konnte die BW - von Anfang an eine Armee ohne eigenen Generalstab - nur fremden Interessen dienen u. war verdammt dazu, eine "zivilisierte Armee" ( Zivilgesellschaft!!, Habermas) zu sein. Zur ideologischen Rechtfertigung wurde die deutsche Geschichte/Miltärgeschichte bis zur Unkenntlichkeit deformiert, insbesondere die Zeit des Dritten Reiches verteufelt, um die neue deutsche Armee vom Balast der Vergangenheit loszulösen, d.h. eine Identiät auf der Basis des Landesverrates (Stauffenberg!!) aufzubauen. Das konnte nicht verwundern bei der Inferorität und Geschichtslosigkeit der BRD-Poilitkaste! Die Bundeswehr wurde das passende Militärkleid zur BRD!!

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