Sezession
28. Juni 2012

„Krieg in den Städten“ – eine Rezension

Felix Menzel / 6 Kommentare

Klaus Farin ist Vorsitzender der Stiftung »Respekt!«, die sich für »jugendkulturelle Vielfalt und Toleranz« einsetzen will. Eberhard Seidel ist Geschäftsführer von »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«. Beide sind damit maßgeblich verantwortlich für die Verschleierung der Ursachen der »Jugendgewalt« in Deutschland.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Das Programm »Schule ohne Rassismus« treibt dies auf die Spitze, indem es in einem aktuellen Themenheft allen Ausländern, die sich deutschenfeindlich geben, einfach das Etikett »rechtsextrem« verpaßt. Damit wird so getan, als würde es genügen, zwischen bösen, menschenverachtenden Einstellungen und guten, pazifistischen zu unterscheiden.

Daß es so einfach nicht ist, zeigt zum einen die Realität, zum anderen ein in diesem Jahr neuaufgelegtes Buch von Farin und Seidel, das bemerkenswerterweise zuerst 1991 im Rotbuch-Verlag erschien. Krieg in den Städten heißt es und klärt in Form von Reportagen und Hintergrundanalysen über »multikulturelle Streetgangs«, »Sturmtruppen für Doitschland«, Hooligans und Autonome auf. Brisant ist vor allem das unveränderte Kapitel über ausländische Jugendgruppen. Zieht man den politisch-korrekten Sprachgebrauch ab, bleiben einige unbequeme Fakten und Schilderungen übrig. Zum Beispiel heißt es, im Berlin der 90er Jahre hätte jeder zweite Türke eine nationalistische Einstellung gehabt. In einer Kreuzberger Grundschule seien sich zudem die zehnjährigen Türken einig gewesen, was ihre zukünftige Aufgabe wäre: »Wir müssen die Deutschen töten, bevor die uns töten.« Berichtet wird auch von dem zwölfjährigen Nazim, der mit Dolch und Beil durch die Hinterhöfe Berlins zog: »Damit bringe ich Schweine um. Deutsche Schweine und Nazischweine«.

Im weiteren Verlauf schildern die Autoren, wie sich türkische Jugendliche auf die Straßenschlachten zu Hitlers 100. Geburtstag am 20. April 1989 vorbereiteten und warum die »Türkische Mädchen Armeefraktion« von den eigenen Landsleuten nur als ein »Haufen Nutten« belächelt wurde. Das Buch illustriert damit sehr anschaulich jene Lage in Deutschland, die Hans Magnus Enzensberger 1993 veranlaßte, seine Aussichten auf den Bürgerkrieg zu schreiben. Ob und wie sich die Lage seither verändert hat, läßt sich nur schwer beantworten. Zu nebulös sind die Auskünfte der Polizei, Justiz und des Statistischen Bundesamtes. Das neugeschriebene, letzte Kapitel von Farin und Seidel fügt sich nahtlos in dieses Nebelbild ein. Die zwei haben das Interesse an der Wirklichkeit verloren und verfassen ihre Beiträge jetzt so, daß ihre Posten auch weiterhin sicher sind.

Klaus Farin/Eberhard Seidel: Krieg in den Städten. Jugendgangs in Deutschland, Berlin: Archiv der Jugendkulturen 2012. 228 S., 12 €
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Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Kommentare (6)

Toni Roidl
29. Juni 2012 08:07

Vor 20 Jahren hat dieses Autorenteam ein für damals wirklich hervorragend gutes Buch über die Skindhead-Jugendsubkultur veröffentlicht. Vermutlich sind sie einfach in den Denkschemata von damals stehengeblieben und einfach zu alt, um noch am Geschehen zu sein. Dass sie jetzt einen alten Titel neu auf den Markt bringen, sieht nach Alterssicherung aus.

Gottfried
29. Juni 2012 09:19

Verstünde man nur einen Funken von dem, was in der wirklichen Welt passiert, dann dürfte man für Achtung, Rücksichtnahme, einen angemessenen Benimm im allgemeinen Miteinander niemals das Motto "Respekt" wählen, denn auf der Straße ist "respect" etwas ganz anderes, als in unserer ehemaligen Kultur darunter verstanden wurde.
Daß die Stiftung sich so nennt, zeigt die epochentypische Geste der ubiquitären Fortschrittler und Fortschrittlerinnen, der weltoffenen anständigen Demokraten: "Ich bin wie Du." Unter diesem totalitären Humanismus ist der allgemeine Absturz auf Gossenhöhe nicht aufzuhalten.
Nun drehen sich BUNTE Legosteinbegriffe in einer Endlosschleife tumbe wie unermüdlich um sich selber: "Laut gegen den Rassimus. Sich mit einem innovativen Diversity-Konzept vor Ort nachhaltig aufstellen. Rüdesheim-Nord ist BUNT und vielfältig. Toleranz und Dialog der Kulturen als Lernziel ...."

Landeskrankenhaus. BUNT-Land hat restlos fertig.

Sixty
29. Juni 2012 21:07

"Daß es so einfach nicht ist, zeigt zum einen die Realität, zum anderen ein in diesem Jahr neuaufgelegtes Buch von Farin und Seidel, das bemerkenswerterweise zuerst 1991 im Rotbuch-Verlag erschien. Krieg in den Städten heißt es und klärt in Form von Reportagen und Hintergrundanalysen über »multikulturelle Streetgangs«, »Sturmtruppen für Doitschland«, Hooligans und Autonome auf. Brisant ist vor allem das unveränderte Kapitel über ausländische Jugendgruppen. Zieht man den politisch-korrekten Sprachgebrauch ab, bleiben einige unbequeme Fakten und Schilderungen übrig."

Aufschlußreich ist vor allem, daß es vor 20 Jahren noch "Linke" gab, die noch nicht so "politisch korrekt" verkorkst waren wie die heutige Mainstream-Linke.

Theosebeios
29. Juni 2012 21:41

Nun, Herr Roidl, jetzt fühle ich mich aber durch Ihre Erklärung der Schieflage der angesprochenen Autoren persönlich provoziert ... zu alt, um ...! Erstens wird sachlich Richtiges nicht durch das Alter beglaubigt. Zweitens garantiert "am Geschehen zu sein" durchaus nicht, den ritualisierten Vernebelungsaktionen nicht zu unterliegen!
Herrn Menzels Vermutung, Farin & Seidel hätten das Interesse an der Wirklichkeit verloren, halte ich für sehr interessant. Man fragt sich ja, wie es zu verstehen ist, dass intelligente Kollegen anscheinend das herrschende Denkkartell nicht verlassen können oder wollen und sich wie dressierte Äffchen verhalten.
Die Rolle der beiden wird im Beitrag jedoch überschätzt. Maßgeblich verantwortlich sind andere.

Columnist
30. Juni 2012 19:12

"warum die »Türkische Mädchen Armeefraktion« von den eigenen Landsleuten nur als ein »Haufen Nutten« belächelt wurde."

It makes very much sense to kill only the males. We should keep the females for ourselves. Not eradicating the Turks will break their resistance. After all, the Turks will only kill the German men, but will keep the German women as harem slaves. If the Germans were to eradicate the Turks fully, the Germans would be more immoral and genocidal than the Turks. Compare the Holocaust to Khaybar.

Unke
1. Juli 2012 09:55

Kann mich erinnern, Anfang der 90er Jahre in einem Büchelchen von einem linken Autor aus der Zone gelesen zu haben, dass nach seiner Beobachtung Provokationen und Gewalttätigkeiten gegen Schwarze in Berlin vor allem von Orientalen (Türken und Araber) ausgingen. Das deckte sich mit meinen Beobachtungen in Frankfurt.
Es war -wieder mal- die hohe Zeit der Hysterie, "Hoyerswerda" & Co...
Vielleicht ist das ja eben jenes Büchelchen...?
Damals dachte ich mir: Sieh an, ein SED-Ossi ist offenbar nicht mal halb so deformiert wie ein westdeutscher Linksgrüner.

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