Neues vom Hakenkreuz

Auf meiner kleinen Liste der Nachteile Mitteldeutschlands gegenüber Westdeutschland steht an mittlerer Stelle die Klage darüber,...

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

daß die Leu­te hier (Bezugs­punkt ist die kon­kre­te Aus­gangs­la­ge, also bäuerlich/proletarisch gepräg­te Regi­on) extrem unsen­si­bel sind.

Mei­ne deut­lich umfäng­li­che­re Lis­te mit den Plus­punk­ten nennt auf Platz 73 – auch mitt­le­re Stel­le – als Vor­teil, daß die Men­schen hier nicht über­sen­si­bel sind. Frei­lich kennt jede Roheit Grenzen.

Was wie­der zu bewei­sen gewe­sen wäre: Unse­re Grund­schü­le­rin las als Klas­sen­satz das Kin­der­buch Flie­gen­der Stern von Ursu­la Wöl­fel, eine hüb­sche India­ner­ge­schich­te, ein moder­ner Kin­der­buch­klas­si­ker. In der Fol­ge hat­ten sie in der Schu­le Bot­schaf­ten im „India­ner-Alpha­bet“ anzu­fer­ti­gen. So unge­fähr: Wel­len, Boot, zwei iko­ni­sier­te Gesich­ter, ein „Schieß­ge­wehr“ – bedeu­tet: Der Wei­ße Mann kommt über den Fluß gefah­ren und führt Böses im Schil­de. Dar­aus sind anspre­chen­de Lese­zei­chen entstanden.

Her­nach soll­ten die Kin­der an die eige­ne Lebens­welt angepaß­te Bot­schaf­ten for­mu­lie­ren und dazu auch Zei­chen krei­ie­ren, die den India­nern viel­leicht nicht geläu­fig waren. Fern­se­her, Han­dy, Mikro­wel­le, Stö­ckel­schu­he; sol­che Sachen halt. Ein Jun­ge nun woll­te die extrem dump­fe Nach­richt „ Schu­le ist schei*e“ kom­mu­ni­zie­ren. Für einen der bei­den Begrif­fe hat der arme Kerl aus­ge­rech­net wel­ches Sym­bol gewählt -? Das Haken­kreuz. Muß wohl!

Die Leh­re­rin bekam (wört­lich) „so´nen Hals!“ Nun kam hin­zu, daß just an jenem Tag in einer der ansons­ten rein­li­chen Toi­let­ten­tü­ren eben­die­ses Zei­chen ein­ge­ritzt wurde.

Die Rek­to­rin, eine durch­aus beson­ne­ne Frau, droh­te der Schü­ler­schaft (1.–4. Klas­se) nun mit der Poli­zei, die sie ver­mut­lich ein­schal­ten müs­se. Seit­her ist „das The­ma“ viru­lent, nicht grad als Dau­er­bren­ner, aber wenigs­tens als Tabu­bruch­ver­suchs­ge­gen­stand. Mei­ne Toch­ter über­lie­fer­te mir heu­te die­ses Kom­mu­ni­ka­ti­ons­do­ku­ment, das sich zunächst inner­halb eines auf Her­ab­set­zung abzie­len­den Wort­wech­sels zwei­er Jun­gen ent­spon­nen hat:

Schü­ler X (kon­tert irgend­ei­ne Belei­di­gung): „Na und! Dei­ne Mut­ter sieht voll aus wie Adolf Hitler!“
Schü­le­rin Y: „Du hast Hit­ler gesagt! Ich sag´s der Frau T.!“
Schü­ler X: „Jetzt hast Du´s ja auch gesagt! Das sag ich dann auch der Frau T.!“
Eine klas­si­sche Patt-Situa­ti­on, in deren Nes­seln sich wuch­tig prompt Schü­le­rin XY setz­te: „Frau T.! Der X und die Y haben gera­de Hit­ler gesagt!“ Frau T. reagier­te so auto­ri­tär (übri­gens ein Punkt auf mei­ner Plus­lis­te) wie unsen­si­bel: „Ich krieg gleich so´nen Hals! Ich will die­sen Namen n i e  w i e d e r hören!!“

Das wie­der­um ist hei­kel. Das wäre Schlußstrich-Mentalität.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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