Sezession
19. Juli 2012

Fünf Randnotizen zum Leipziger Einheits- und Freiheitsdenkmal

Gastbeitrag

von Jakob Altenburg

1. Wenn alles gut geht und der Stadtrat im Oktober ja sagt, wird bis 2014 mitten in Leipzig, auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz, eine riesige kunterbunte Spielfläche für Jung und Alt entstehen.

Der größte Spielplatz in ganz Leipzig, wenn nicht in ganz Deutschland!

Auf siebzigtausend farbigen Flächen – darum auch der Name, "Siebzigtausend" – stehen siebzigtausend bunte Hocker aus Aluminium, die zum Verschieben, Stapeln und Mitnehmen einladen. M+M heißen die Künstler aus München, die sich das ausgedacht haben – das passt! Mit den Aluhockern kann man auch Straßen, Türme und Mauern bauen, und wer will, stellt sich auf einen der Hocker und musiziert oder schwingt lustige Reden. Weil’s ein echter Mitmachspielplatz ist – "partizipatorisch und performativ" nennen Politiker das –, darf jeder ungestraft einen oder mehrere Hocker einpacken, um sie an anderer Stelle in der Stadt oder im heimischen Kinderzimmer wieder aufzubauen. Und wenn sie irgendwann weg sind, werden einfach neue geliefert und das Spiel geht von vorne los.
"Erneuern der Kubenmitnahmeaktion", sagt man dazu. Schade nur, daß manche überhaupt keinen Spaß verstehen: Skadi Jennicke von der Linkspartei meint doch tatsächlich, der Platz könne durch seinen bunten, spielerischen Charakter leicht „infantil“ wirken. Spielverderber! Besser weiß es Roland Quester von den Grünen, der mit in der Jury saß. Seine witzige Idee: im Internet anderen davon berichten, wie man seinen Hocker benutzt hat.

2. „Das Wort Rose hat weder Stil noch Blatt noch Dornen. Es ist weder rosa noch rot noch gelb. Es verströmt keinen Geruch. Es ist per se ein willkürliches phonetisches Kennmal, ein leeres Zeichen. Nichts, aber auch gar nichts in seinem (minimalen) Klang, in seiner graphischen Erscheinung, in seinen phonemischen Komponenten, seiner etymologischen Geschichte oder den grammatikalischen Funktionen hat irgendeine Entsprechung zu dem, was wir für den Gegenstand seiner rein konventionsbestimmten Referenz halten.“ So schreibt George Steiner in seinem Buch Von realer Gegenwart über Stéphane Mallarmés Diktum, das Wort Rose sei „l’absence de toute rose“. Zwischen „Wort und Welt“ habe ein Vertragsbruchs stattgefunden, „eine der wenigen echten geistigen Revolutionen in der Geschichte des Westens ... durch den sich die Moderne definiert“. Ursprung einer Kunst, der Konzept alles, reale Gegenwart, konkrete Anschaulichkeit nichts bedeutet. Wer veranschaulichende Darstellung, Mimesis fordert, ist hoffnungslos rückständig.


 Gastbeitrag

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