Sippenhaft: Ruderin Nadja Drygalla muß gehen

Die 23-jährige Ruderin Nadja Drygalla startet bei Olympia im Achter. Die Frauen werden Letzter, doch es gibt keine Diskussionen über die sportliche Leistung. Trainer Ralf Müller betont: „Klar, die Enttäuschung ist immer groß, wenn man ausscheidet. Die Mädels können aber erhobenen Hauptes vom Platz gehen.“

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Doch dann pas­siert das: Am Mitt­woch ent­hüllt eine anonym geführ­te Anti­fa-Inter­net­sei­te, was schon lan­ge bekannt ist. Die Ros­to­cke­rin Nad­ja Dry­gal­la ist seit Jah­ren mit einem Mann liiert, der in der Kame­rad­schafts­sze­ne aktiv ist und Kon­tak­te zur NPD hat. Bis heu­te früh dau­ert es dann, bis die Kon­se­quen­zen aus der „Ent­hül­lung“ gezo­gen wer­den: Dyr­gal­la muß nach Hau­se. Sport­funk­tio­nä­re hat­ten sie zu die­sem „frei­wil­li­gen“ Ent­schluß gedrängt und tre­ten das The­ma nun in der Öffent­lich­keit breit.

Zwar habe die Sport­le­rin „glaub­wür­dig“ ein Bekennt­nis zu den olym­pi­schen Wer­ten abge­legt und mehr­fach beteu­ert, „mit der rech­ten Sze­ne nichts zu tun zu haben“, aber das nützt ihr wenig. Anstatt sich schüt­zend vor sei­ne Ath­le­tin zu stel­len und den Vor­fall intern auf­zu­ar­bei­ten, gibt der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ruder­ver­ban­des (DRV), Sieg­fried Kai­del, zum Bes­ten, man wer­de „noch im August ein wei­te­res Gespräch mit Nad­ja Dry­gal­la füh­ren. Danach wer­den wir gemein­sam die wei­te­re Vor­ge­hens­wei­se bespre­chen und natür­lich auch kom­mu­ni­zie­ren.“ Was heißt das im Klar­text? Darf Dry­gal­la nun wei­ter rudern oder nicht? Oder muß sie erst mit ihrem Freund Schluß machen, um auch in Zukunft Leis­tungs­sport trei­ben zu dürfen?

Dry­gal­la rudert seit ihrer Kind­heit. Sie hat die mitt­le­re Rei­fe erlangt, danach eine Aus­bil­dung zur Sport- und Fit­neß­kauf­frau absol­viert. Mit 19 Jah­ren geht sie schließ­lich zur Lan­des­po­li­zei, um als Mit­glied der Sport­för­der­grup­pe ihre sport­li­che Lauf­bahn fort­set­zen zu kön­nen und sich trotz­dem eine beruf­li­che Per­spek­ti­ve auf­zu­bau­en. Im Gespräch mit dem Poli­zei Jour­nal sagt sie, ihre Uni­form füh­le sich noch „ein wenig unsi­cher“ an. 2011 erfährt dann ihr Aus­bil­der (und damit zugleich das Innen­mi­nis­te­ri­um), in wen sie sich in ihrem Ruder­ver­ein ver­liebt hat. Nad­ja Dry­gal­la schei­det dar­auf­hin „frei­wil­lig“ aus dem Poli­zei­dienst aus. Sie macht genau­so wie jetzt kei­nen Rabatz, son­dern läßt alles über sich erge­hen. Zu die­sem Zeit­punkt war ihr Freund schon nicht mehr Mit­glied im Ruder­ver­ein. Man hat­te den eben­falls sehr erfolg­rei­chen jun­gen Mann 2010 aus­ge­schlos­sen, weil er aus sei­ner Gesin­nung nie ein Geheim­nis mach­te. Dry­gal­la stand damals auch schon auf der Kip­pe, ret­te­te ihre sport­li­che Kar­rie­re aber mit einer Distan­zie­rung von rech­tem Gedankengut.

Inzwi­schen hat die gesam­te eta­blier­te Pres­se über den „Neo­na­zi-Skan­dal“ (Focus) berich­tet. Spie­gel Online schreibt jedoch nicht: „Anony­mes Anti­fa-Por­tal wirft Rude­rin Rechts­ex­tre­mis­mus vor.“ Nein, das wür­de zu unse­ri­ös klin­gen. Des­halb beginnt der Satz mit:

Laut ARD gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass …

Eini­ge Poli­ti­ker haben trotz Som­mer­pau­se eben­falls sofort ange­bis­sen: Petra Pau von der Links­par­tei läßt von ihrem Pres­se­spre­cher aus­rich­ten, der Rude­rin wer­de „ein stram­mer Hang ins Nazi-Mil­lieu nachgesagt“.

Das ist nicht neu, und das war nicht unbe­kannt. Den­noch wur­de sie sport­lich von Behör­den und Orga­ni­sa­tio­nen zur Olym­pia-Rei­fe geför­dert und in das deut­sche Vor­zei­ge-Team beru­fen. Die Geschich­te sei nicht unpro­ble­ma­tisch, räumt der Chef der Deut­schen Mis­si­on Ves­per höchst zurück­hal­tend ein. Von nun an wird es oberfaul.

„Ober­faul“ ist auch, daß Andre­as Speit für die taz die­se Stel­lung­nah­me eben­so schnell auf­griff wie die bür­ger­li­che Welt. Wäh­rend­des­sen sie das per Copy&Paste auf ihre Sei­ten rüber­zie­hen, löschen indes Spie­gel Online und die Zeit flei­ßig die Kom­men­ta­re der Leser.

Das Volk spricht von „Sip­pen­haft“, DDR-Metho­den und vie­lem mehr. Poli­ti­ker, Jour­na­lis­ten und Sport­funk­tio­nä­re hin­ge­gen sor­tie­ren wei­ter aus. Wer wie die grie­chi­sche Sport­le­rin Paras­ke­vi Papachris­tou einen unbe­dach­ten Spruch fal­len läßt oder wie Dry­gal­la die fal­schen Leu­te kennt, der wird nicht etwa nur unter vier Augen vom Trai­ner zurecht­ge­stutzt, wie es unter Umstän­den aus Sor­ge um die Ath­le­ten zu ver­ste­hen wäre.

Es läuft anders: Die „Bade­wan­nen­ab­tei­lung“ (Zitat Lothar Späth über Jour­na­lis­ten) kommt schnel­ler, als man den­ken kann, und läßt solan­ge Was­ser ein, bis sich das Opfer in die Wan­ne hin­ein­legt und die Puls­adern aufschneidet.

 

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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