Stil und Arbeit

Wenn Nietzsche der Auffassung war, daß "der große Stil ensteht, wenn das Schöne den Sieg über das Ungeheure davonträgt", dann legt diese Aussage für eine Akademie des IfS zum Thema Stil in mehrfacher Hinsicht die Grenzen fest: Zunächst steht damit die Forderung im Raum, sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten, sondern ins Zentrum der Frage nach dem Stil zu gehen. Weiterhin leitet sich daraus ab, daß es sich beim Reden über den Stil nur um Annäherungen an das handeln kann, was uns als Idee von Stil leitet. Am Ende jedoch entläßt uns das nicht aus der Pflicht, uns dieser Idee anzunähern.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Unter die­ser Maß­ga­be waren am letz­ten Wochen­en­de wie­der vier­zig Schü­ler, Stu­den­ten und jun­ge Erwach­se­ne auf dem Rit­ter­gut Schnell­ro­da ver­sam­melt. Die ver­schie­de­nen Vor­trä­ge der Tagung schrit­ten dabei das Spek­trum ab zwi­schen dem, was wir vor­fin­den und dem, wie wir uns zu dem ver­hal­ten. Das konn­te die Unter­schei­dung von lin­kem und rech­tem Bau­stil im 20. Jahr­hun­dert, die (anhand von Bild­bei­spie­len) recht leicht nach­voll­zieh­bar ist, oder auch die kom­ple­xe Beschrei­bung ver­schie­de­ner Kul­tur­sti­le sein, die eine Aneig­nung umfang­rei­chen eth­no­lo­gi­schen Mate­ri­als voraussetzt.

Ein wei­te­rer Aspekt war das Ver­hält­nis von äußer­lich ables­ba­rem Stil und der inne­ren Hal­tung einer Per­son, das sich ins­be­son­de­re als deut­sche Fra­ge ent­pupp­te. Wäh­rend es in Deutsch­land die unaus­ge­spro­che­ne For­de­rung nach einer Über­ein­stim­mung von inne­rem und äuße­rem Stil gibt, kön­nen ande­re Völ­ker, bei­spiels­wei­se Fran­zo­sen oder Eng­län­der, gut (und erfolg­reich) mit dem Schein leben, den der äußer­li­che Stil erzeu­gen kann. Inso­fern ist es kein Wun­der, daß uns das Phä­no­men des Dan­dys in Deutsch­land bis­lang eher sel­ten begeg­net ist. Das liegt nicht zuletzt auch dar­an, daß der Deut­sche eben einen ande­ren Stil pflegt, der dem Wer­den mehr Wert bei­mißt als dem Sein, was ihm regel­mä­ßig den Vor­wurf der Form­lo­sig­keit ein­bringt. Nietz­sches Wor­te aus der Göt­zen-Däm­me­rung zei­gen warum:

Das höchs­te Gefühl von Macht und Sicher­heit kommt in dem zum Aus­druck, was gro­ßen Stil hat. Die Macht, die kei­nen Beweis mehr nötig hat; die es ver­schmäht, zu gefal­len; die schwer ant­wor­tet; die kei­nen Zeu­gen um sich fühlt; die ohne Bewußt­sein davon lebt, daß es Wider­spruch gegen sie gibt; die in sich ruht, fata­lis­tisch, ein Gesetz unter Geset­zen: Das redet als gro­ßer Stil von sich.

Durch die gan­ze Aka­de­mie zog sich des­halb die Klä­rung der Fra­ge, ob es denn einen eige­nen Denk­stil, einen eige­nen Arbeits­stil der­je­ni­gen gibt, die sich unter dem Dach des Insti­tuts für Staats­po­li­tik ver­sam­meln. Daß auch da Abstu­fun­gen exis­tie­ren, liegt in der Natur der Sache. Es ist jedoch eben­so deut­lich, daß das, was da regel­mä­ßig als Aka­de­mie, als Sezes­si­on, als Staats­po­lit­si­ches Hand­buch oder als Stu­die ent­steht, deut­lich von ande­rem unter­schie­den wer­den kann (und inso­fern das wich­tigs­te Kri­te­ri­um des Stil erfüllt). Nicht zuletzt die Stil-Aka­de­mie war wie­der ein Beleg dafür: die ein­zel­nen Momen­te der Vor­trä­ge, der Debat­ten, der Nach­fra­gen, der Ant­wor­ten, der Gesel­lig­keit, des Sports und der gerich­te­ten Gemein­schafts­ar­beit über­haupt erzeu­gen das, was den “eige­nem Stil” ausmacht.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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