Sezession
10. Oktober 2012

Unser Stil – Laudatio zum 50. Heft „Sezession“

Gastbeitrag

von Günter Scholdt

Der folgende Text ist ein Teil des diesjährigen Sommer-Akademie-Votrags von Günter Scholdt. Er hielt ihn unter dem Titel "Unser Stil" und kürzte ihn dann, um ihn als Jubiläumsrede für die Festveranstaltung im Rahmen des zwischentags noch einmal vorzutragen.

50 Hefte Sezession - ein stolzes Jubiläum! Wir wollen es feiern samt seinen Herausgebern und Mitarbeitern, stellvertretend für weitere Initiativen, die gerade heute beweisen, daß der Nonkonformismus in Deutschland noch nicht gänzlich am Boden liegt. Sie alle, die auf dieser Messe ausgestellt haben, vereint schließlich zweierlei: Man müht sich nach Kräften, Ihre angemessene Beteiligung am politischen Diskurs zu unterbinden. Und Sie selbst suchen für unser Land einen neuen Stil.

Über ihn lohnt sich zu reden. Denn Stil als charakteristischer Ausdruck zentraler gesellschaftlicher Tendenzen, Leistungen und Lebensformen ist ein Schlüsselbegriff zur Kennzeichnung jeder Epoche. Im Idealfall ist er ihr Gütesiegel. Doch in diesem positiven Sinne taugt er wenig zur Bestimmung gegenwärtiger Dekadenz, die sich hierzulande vornehmlich als Mangel an Souveränität, Gemeinsinn, Niveau, Freiheits- und Traditionsbewusstsein sowie generationenübergreifender Verantwortung äußert. Wer diesen Zeitgeist begrifflich fassen will, bleibt eher auf Definitionen ex negativo verwiesen:

Heutiger Stil wäre dann das, was wir in Deutschland mehrheitlich nicht (mehr) haben. Was wir (quer in diversen politischen Lagern) meist nur noch bei Solitären finden, bei im besten Sinne Konservativen. Für sie ist Stil – im Gegensatz zum pseudotoleranten anything goes unserer Zeit – etwas, das ihren Identitätskern ausmacht und dadurch Handlungssicherheit verleiht.

Konzentriert tritt er auf in einer seit gut einem Vierteljahrhundert aktiven Szene, deren Mitglieder sich teils als Konservative, teils als Angehörige einer Neuen Rechten verstehen. Willkommener Zuzug bei der Verteidigung der Meinungsfreiheit erfolgt auch aus klassisch liberaler Position im Kreis um André Lichtschlag, dessen „eigentümlich frei“ einen hierzulande ironischen Doppelsinn artikuliert.

Heute sei zentral die Aufklärungsarbeit in Schnellroda gewürdigt, einem Fort der Avantgarde, in dem seit zehn Jahren der Verlag Antaios und die 2003 gestartete Sezession beheimatet sind. Durch persönliche Verflechtungen gefestigt, entwickelt sich zudem ein Ergänzungs- wie zuweilen produktives Spannungsverhältnis zur Jungen Freiheit, die letztes Jahr ihr 25. Jubiläum beging. Auch die „Blaue Narzisse“, hervorgegangen aus einer Schülerinitiative, ist eng mit Schnellroda verbunden. Und die mehr als zwei Dutzend Verlage, Periodika, Institutionen, Bünde oder Einzelaussteller, die sich heute beteiligt haben, belegen weitere solidarische Kooperationen oder weisen Wege künftiger Effizienzsteigerung durch Vernetzung.

Hat diese Szene schon ihren eigenen Stil gefunden? Ich glaube ja. Zumindest hat sie neue Akzente gesetzt in Publizistik, politischem Denken und Charakterhaltung. Signifikant wirkt eine starke Konzentration von Persönlichkeiten als grundsätzliche Alternative gegenüber dem durchgängigen Trend der Mainstream-Parteien und -Medien, bei denen allenfalls ein paar Quoten-Querdenker wie Michael Klonovsky, Harald Martenstein, Matthias Matussek oder Jan Fleischhauer geduldet werden.

Was sie eint, ist als wichtigster Handlungsbegriff: Sezession, d.h. Auszug aus einer Gesinnungsgemeinschaft mit dem herrschenden polit-medialen Kartell, Aufkündigung der Loyalität, nicht zu einem Staat, aber zu seiner Nomenklatura sowie den Kriterien ihrer Wertsetzungen, Tabus und Sprechverbote.


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