Lichtmesz oder Stürzenberger – Sezession oder PI?

Es ist im Nachgang zum zwischentag zu einer im Internet ausufernden Debatte gekommen, die mir mißfällt. Sie dreht sich in...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

ihrem Kern um die Bewer­tung eines “Fein­bilds Islam”, wur­de auf gutem Niveau inner­halb einer Podi­ums­dis­kus­si­on zwi­schen Karl­heinz Weiß­mann und Micha­el Stür­zen­ber­ger geführt und ist mitt­ler­wei­le zu einem im Ton unschö­nen Gefecht zwi­schen Stür­zen­ber­ger auf der einen und Mar­tin Licht­mesz auf der ande­ren Sei­te verkommen.

Dies ist nicht in mei­nem oder in Karl­heinz Weiß­manns Sinn. Die Debat­te muß ent­we­der been­det oder auf ein Niveau zurück­ge­ho­ben wer­den, das uns ange­mes­sen ist. Hier­zu eini­ge Punkte:

1. Die Posi­tio­nen Stür­zen­ber­gers und Weiß­manns (resp. Licht­mesz’) sind nicht ver­mit­tel­bar: Ihr Ansatz ist je so unter­schied­lich, daß es den Kreu­zungs­punkt nur in einer grund­sätz­li­chen Über­zeu­gung gibt: Die Hyper-Iden­ti­tät isla­mi­scher Zuwan­de­rer bedroht den inne­ren Frie­den und die Rest-Sub­stanz unse­rer “offe­nen Gesell­schaft”, die so recht kei­ne kol­lek­ti­ve Iden­ti­tät mehr kennt und frem­den kol­lek­ti­ven Ansprü­chen recht hilf­los gegenübersteht.

2. Die Posi­tio­nen Stür­zen­ber­gers und Weiß­manns sind vor allem dort nicht ver­mit­tel­bar, wo es um ein Bünd­nis mit dem ame­ri­ka­ni­schen und israe­li­schen Weg aus grund­sätz­li­cher Über­zeu­gung geht: Weiß­mann sieht NICHT in jedem Men­schen einen klei­nen Ame­ri­ka­ner, der raus­ge­holt wer­den will; er ver­spürt kei­ner­lei Nei­gung, jeman­den von sei­ner Kul­tur zu befrei­en. Er ver­steht Inte­gra­ti­on als Assi­mi­la­ti­on, die wie­der­um das Gast­volk nicht unver­wan­delt las­sen wird. Dies aber ist his­to­ri­sches Leh­re im bes­ten Sin­ne: Anver­wand­lung des Frem­den in eine im Kern uner­schüt­ter­li­che eige­ne Iden­ti­tät hin­ein. Daß dies auf­grund unse­rer eige­nen iden­ti­tä­ren Schwä­che und ange­sichts mil­lio­nen­fa­cher Ein­wan­de­rung nicht gelin­gen kann, wür­de Weiß­mann nicht bestreiten.

3. Stür­zen­ber­ger hat – um es undif­fe­ren­zie­ert aus­zu­drü­cken – Ernst Nol­tes Buch über den Isla­mis­mus als einer Drit­ten radi­ka­len Wider­stands­be­we­gung gegen die Moder­ne her­un­ter­ge­bro­chen auf ein paar sehr kla­re Bot­schaf­ten (viel­leicht ohne die­ses Buch zu ken­nen). Wo Nol­te beschrei­bend arbei­tet und den Anti­mo­der­nis­mus des radi­ka­len Islam als eben­so not­wen­di­ge wie nach­voll­zieh­ba­re Bewe­gung vor­stellt und als Wis­sen­schaft­ler natür­lich kei­ne poli­ti­schen Schlüs­se zieht, argu­men­tiert Stür­zen­ber­ger bereits im Sti­le eines Agi­ta­tors, eines Poli­ti­kers, der Mas­sen über­zeu­gen und in Bewe­gung set­zen will. Das ist sein gutes Recht, das ist nach­voll­zieh­bar, und vor allem spielt es sich jen­seits der Ebe­ne ab, die von uns Publi­zis­ten und Wis­sen­schaft­lern berührt und bespielt wird. Hier Meta-Poli­tik, dort Ein­tritt in die Praxis.

4. Nicht nach­voll­zie­hen kann ich den Vor­wurf der Feig­heit von dort nach hier und den der Dumm­heit von hier nach dort. Weiß­mann steht mit Klar­na­men seit bald drei Jahr­zehn­ten im Schul­dienst und hat Kam­pa­gnen durch­ge­stan­den, von denen 98 Pro­zent jener anony­men Kom­men­tie­rer im Netz noch nicht ein­mal zu träu­men wag­ten; auf der ande­ren Sei­te geht Stür­zen­ber­ger den Weg sei­ner Über­zeu­gung und argu­men­tiert kon­se­quent. Gut ist, daß er uns liest – das ist so oder so für jeden gut …

5. Ich bin nicht damit ein­ver­stan­den, daß die zwi­schen­tag-Debat­te ohne mei­ne Erlaub­nis in sechs Tei­len bei youtube.de ver­öf­fent­licht wor­den ist. Davon wuß­ten die Kon­tra­hen­ten nichts, auch hät­te ich anders mode­riert, wenn ich an eine Ver­öf­fent­li­chung gedacht hät­te. Mir zeigt dies wie­der, wie unschön und unfrucht­bar es ist, daß jede Situa­ti­ons­auf­nah­me, jeder ers­te Aus­tausch kur­ze Zeit spä­ter als etwas Fer­ti­ges und nicht mehr Kor­ri­gier­ba­res im Netz abge­spei­chert ist. Ich bin mir sicher, daß Stür­zen­ber­ger die emi­nen­ten Kennt­nis­se Weiß­manns nicht bloß als Stö­rung, son­dern durch­aus als beden­kens­wer­te, von einer geis­ti­gen Auto­ri­tät vor­ge­tra­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung wahr­ge­nom­men hat. Auf der ande­ren Sei­te weiß ich, daß Weiß­mann die Wucht Stür­zen­ber­gers als eine mög­li­che Reak­ti­on auf den Zustand unse­res Lan­des nach­voll­zie­hen kann.

6. Die­ses “Nach­voll­zie­hen-Kön­nen” ist etwas ande­res als Zustim­mung. Es ist der Beweis für geis­ti­gen Spiel­raum und die Bereit­schaft, die Viel­falt mög­li­cher Lebens­re­ak­tio­nen anzu­er­ken­nen: die Ver­zweif­lung, den Cha­rak­ter, den Mut, den Irr­weg, den Taten­drang, den poli­ti­schen Instinkt eines ande­ren. Die­ser ande­re soll aus­re­den dür­fen, Zwi­schen­ru­fe sei­en auf­ge­spart für jene, von denen wir sicher wis­sen, daß sie sich an der täg­li­chen Abschaf­fung des Deut­schen Vol­kes beteiligen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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