Schreibtisch, Garten, Alltag (XII): Alle Jahre wieder

Schöpfe seit einigen Tagen aus dem Vollen. Untrügliches Zeichen für diesen Zustand ununterbrochenen Zuflusses ist das...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Ansit­zen am Hüh­ner­stall: beob­ach­ten, zugrei­fen, schlach­ten, rup­fen, zube­rei­ten. Heu­te Abend gab es zwei Hähn­chen mit Kar­tof­fel­knö­deln aus der Sor­te Arrant Vic­to­ry (schot­tisch, 1912) und gedüns­te­ten Schwarz- und Hafer­wur­zeln (letz­te­re urwüch­si­ger, aber nicht so ergiebig).

Im Topf lan­den alle Jah­re wie­der zunächst jene Häh­ne, die sich nicht durch­zu­set­zen wuß­ten. Es tre­ten näm­lich, weiß Gott, nicht alle Häh­ne gegen­ein­an­der an, son­dern nur sol­che, die eine Aus­ein­an­der­set­zung nicht scheu­en. Denn die Küm­mer-Häh­ne, die, aus denen etwas hät­te wer­den kön­nen, wenn es nicht Grün­de gäbe, die das ver­hin­der­ten, ver­krie­chen sich in irgend­ei­nem Win­kel des Gehe­ges oder wüh­len sich in die staub­tro­cke­ne Erde wie die Hüh­ner, wäh­rend sich die paar ech­ten Män­ner fet­zen, daß die Federn fliegen.

Da hocken sie dann her­um, die Ange­ber, die nur ein Huhn abkrie­gen oder einem Gefol­ge vor­schar­ren dür­fen, wenn ein Zaun dazwi­schen ist: Häh­ne ohne Sporn, Que­xe, naß­for­sche Typen, Maul­hel­den, erkenn­bar schon allein dar­an, daß sie weder eine stol­ze Schwanz­fe­der aus­bil­den, noch ein geschei­tes Krä­hen aus der Keh­le brin­gen. Im schlimms­ten Fall: andro­gy­ne Stack­se mit Stim­men wie Blech­ei­mer, schee­len Auges immer dort­hin äugend, wo ein­mal doch eine Tür auf­ge­hen und einer von denen näher­tre­ten könn­te, die wenig fres­sen, aber den Kopf oben haben.

Man guckt sich das eine Wei­le lang an, es ist nicht unin­ter­es­sant. Aber in jedem Herbst kippt dann unver­mit­telt die Stim­mung einer gewis­sen Groß­zü­gig­keit in jene der mit­leid­lo­sen Redu­zie­rung auf das Not­wen­di­ge – denn der Win­ter kommt. Herr­lich, die Debat­te zwi­schen Weiß­mann, Stür­zen­ber­ger, Licht­mesz und Klei­ne-Hart­la­ge. All den anony­men Kom­men­ta­to­ren auf PI und Sezes­si­on sei – sofern sie nichts Essen­ti­el­les bei­zu­tra­gen wuß­ten, son­dern bloß ihre unver­meid­li­chen Korin­then dazwi­schenk­ack­ten – gesagt: Bil­det erst ein­mal eine Schwanz­fe­der aus und steigt in den Ring. Hahn oder Broiler?

Alle Jah­re wie­der? Unbe­dingt: Der nächs­te “zwi­schen­tag” ist am 5. Okto­ber 2013.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.