Identitäres Europa: Der Kampf um die Symbole

Martin Lichtmesz hat vor einigen Tagen die identitäre Bewegung vorgestellt. Besonders bemerkenswert finde ich die Bild- und Symbolsprache der Identitären, die das Zeug hat, sich gleichzeitig in mehreren Ländern Europas zu etablieren.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

In mei­nem kapla­ken-Bänd­chen Medi­en­ri­tua­le und poli­ti­sche Iko­nen habe ich eini­ge Stra­te­gien zusam­men­ge­tra­gen, wie es der Neu­en Rech­ten gelin­gen könn­te, eine unver­wech­sel­ba­re Bild­spra­che auf­zu­bau­en. Ich fas­se noch ein­mal kurz zusammen:

  1. Für den Kampf um sym­bo­li­sche Macht ist es not­wen­dig, sich in der Hoch­kul­tur eben­so wie in der All­tags- und Pop­kul­tur umzusehen.
  2. Man muß „Pro­sumen­ten“ ein­bin­den, also Frei­wil­li­ge, die ins­be­son­de­re über das Inter­net an der Ent­ste­hung und vira­len Ver­brei­tung von Bil­dern und Vide­os mitarbeiten.
  3. Die Neue Rech­te muß Schlüs­sel­bil­der, Sym­bo­le und Iko­nen selbst schaf­fen. Dies kann über eige­ne Aktio­nen gelin­gen. Zwei wei­te­re Stra­te­gien sind aber eben­so wichtig:

Zum einen könn­te es sich loh­nen, bereits vor­han­de­ne Medi­en­iko­nen mit neu­en, unse­rem Welt­bild ent­spre­chen­den, Bedeu­tun­gen zu reak­tua­li­sie­ren. Dies hat den Vor­teil, daß wir dann auf ein bekann­tes, funk­tio­nie­ren­des Sche­ma auf­bau­en und die Gefahr ver­rin­gern, in sze­ne­eige­ne Codes zu ver­fal­len. Die­se Stra­te­gie dürf­te im Hin­blick auf die gesell­schaft­lich eta­blier­ten sym­bo­li­schen Codes am anschluß­fä­higs­ten sein. Als drit­tes könn­ten wir kon­ser­va­ti­ve „Bil­der ohne Betrach­ter“ aus unse­ren Archi­ven her­vor­kra­men, sie reak­tua­li­sie­ren und popularisieren.

Von der Theo­rie zur Pra­xis: Die Iden­ti­tä­ren set­zen die­se Stra­te­gien sehr geschickt um. Das beweist nicht nur das Video über die Akti­on in Frank­reich. Auch im deutsch­spra­chi­gen Raum tut sich etwas:

Für manch Kon­ser­va­ti­ven viel­leicht etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig hat eine Grup­pe in Wien eine Tanz­ak­ti­on durchgeführt.

https://www.youtube.com/watch?v=Qr1giOez9Ng

Die Pres­se reagier­te hys­te­risch und sprach sogar von einem „ras­sis­ti­schen Über­griff“. Trotz­dem (oder gera­de des­we­gen?) ver­brei­te­te sich das Video in Windeseile.

Die visu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on der Iden­ti­tä­ren beruht auf einem „Do-it-yourself“-Prinzip. Es han­delt sich hier um wei­test­ge­hend anony­me „Pro­sumen­ten“ (Mischung aus Pro­du­zent und Kon­su­ment), die ein­fach los­le­gen, mit ein­fa­chen Mit­teln ein Video dre­hen, mit ein biß­chen Bild­be­ar­bei­tung Wer­bung ent­wer­fen und mit Krei­de ihr Sym­bol, das Lamb­da der Spar­ta­ner, in der Fuß­gän­ger­zo­ne hinterlassen.

Wer sich davon über­zeu­gen möch­te, soll­te die Face­book-Sei­te der Iden­ti­tä­ren mit­ver­fol­gen. Dort wer­den fast täg­lich neue Bil­der ein­ge­stellt, die von den Anhän­gern dann ver­brei­tet wer­den. Es han­delt sich um fix ent­wor­fe­ne Werbebanner:

 

 

Bekann­te Bil­der, die mit den Sym­bo­len der Iden­ti­tä­ren ver­se­hen werden:

 

Dar­über hin­aus wer­den klei­ne Aktio­nen eines abend­li­chen Spa­zier­gangs dokumentiert:

 

Und nicht zu ver­ges­sen: Eine Anlei­tung für die­je­ni­gen, die dem­nächst aktiv wer­den wollen.

 

Wer die Grund­satz­po­si­tio­nen der Iden­ti­tä­ren liest, wird hier sicher noch sehr viel Ver­bes­se­rungs­be­darf fest­stel­len. Gera­de nach der Akti­on in Wien hät­te man z.B. wis­sen kön­nen, daß es völ­lig unsin­nig ist, sich von irgend­was und irgend­wem zu distan­zie­ren. Die Pres­se inter­es­siert sich nicht für Distan­zie­rungs­for­mu­la­re. Sie rich­tet selbst. Wenn man die­se neue Bewe­gung jedoch allein auf ihr inhalt­li­ches Poten­ti­al abklopft, ver­kennt man die­se genera­ti­on iden­ti­taire, die mit Video­spie­len, Fern­se­hen und Inter­net auf­wächst und nicht allein über Tex­te, son­dern zu einem Groß­teil über Bil­der kommuniziert.

Ich bin mir z.B. sehr sicher, daß der Urhe­ber des iden­ti­tä­ren Lamb­da-Sym­bols kein Dop­pel­gän­ger von Karl­heinz Weiß­mann ist. Viel eher könn­te es sich um einen jun­gen Mann han­deln, der den Film 300 gese­hen hat und sehr viel Zeit vor der Play Sta­ti­on ver­bringt und viel­leicht „Spar­tan: Total War­ri­or“ spielt. In der Spiel­be­schrei­bung heißt es:

Mit den anrü­cken­den Römern vor den Toren Spar­tas, sind es Män­ner wie er und sei­ne Gefähr­ten, die den ent­schei­den­den Unter­schied machen kön­nen. Der Stadt­staat Spar­ta begehrt als letz­te Bas­ti­on gegen die Römer auf, die bereits rück­sichts­los den Rest der frei­en Welt unter­wor­fen haben. Um sei­ne Hei­mat zu ret­ten, begibt sich der Spar­ta­ner auf eine Rei­se, die ihm alle Ant­wor­ten auf die Fra­ge nach sei­ner Her­kunft, Ver­gan­gen­heit und sei­nem Schick­sal geben wird.

Ob die Iden­ti­tä­ren die­se Rei­se haupt­säch­lich am Com­pu­ter bestrei­ten oder tat­säch­lich zu „Euro­pas neu­er Jugend­be­we­gung“ wer­den (dazu Baal Mül­ler in der JF), hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, über die­se vir­tu­el­len Spiel­plät­ze hin­aus Wir­kung zu ent­fal­ten. Selbst­ver­ständ­lich kann heu­te eine poli­ti­sche Bewe­gung im Inter­net ihren Anfang neh­men, aber sie muß danach als zwei­ten Schritt zumin­dest eine Offen­si­ve am Later­nen­mast wagen und danach irgend­wann auch Gesicht zeigen!

Auch das habe ich in den Medi­en­ri­tua­len beschrie­ben: Jede Bild­po­li­tik steht und fällt mit den cha­ris­ma­ti­schen Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten, deren Gesicht man mit ihrer Bewe­gung in Ver­bin­dung bringt.

Bis wir die­se Per­sön­lich­kei­ten gefun­den haben, kann sich jeder als Pro­sument enga­gie­ren und die lin­ke Deu­tungs­ho­heit an den Later­nen­mas­ten der Uni­ver­si­tä­ten bre­chen. Die Blaue Nar­zis­se hat dazu bereits einen Auf­kle­ber „Iden­ti­tä­res Euro­pa“ her­stel­len lassen.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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