25. Oktober 2012

Identitäres Europa: Der Kampf um die Symbole

Felix Menzel

Martin Lichtmesz hat vor einigen Tagen die identitäre Bewegung vorgestellt. Besonders bemerkenswert finde ich die Bild- und Symbolsprache der Identitären, die das Zeug hat, sich gleichzeitig in mehreren Ländern Europas zu etablieren.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

In meinem kaplaken-Bändchen Medienrituale und politische Ikonen habe ich einige Strategien zusammengetragen, wie es der Neuen Rechten gelingen könnte, eine unverwechselbare Bildsprache aufzubauen. Ich fasse noch einmal kurz zusammen:

  1. Für den Kampf um symbolische Macht ist es notwendig, sich in der Hochkultur ebenso wie in der Alltags- und Popkultur umzusehen.
  2. Man muß „Prosumenten“ einbinden, also Freiwillige, die insbesondere über das Internet an der Entstehung und viralen Verbreitung von Bildern und Videos mitarbeiten.
  3. Die Neue Rechte muß Schlüsselbilder, Symbole und Ikonen selbst schaffen. Dies kann über eigene Aktionen gelingen. Zwei weitere Strategien sind aber ebenso wichtig:

Zum einen könnte es sich lohnen, bereits vorhandene Medienikonen mit neuen, unserem Weltbild entsprechenden, Bedeutungen zu reaktualisieren. Dies hat den Vorteil, daß wir dann auf ein bekanntes, funktionierendes Schema aufbauen und die Gefahr verringern, in szeneeigene Codes zu verfallen. Diese Strategie dürfte im Hinblick auf die gesellschaftlich etablierten symbolischen Codes am anschlußfähigsten sein. Als drittes könnten wir konservative „Bilder ohne Betrachter“ aus unseren Archiven hervorkramen, sie reaktualisieren und popularisieren.

Von der Theorie zur Praxis: Die Identitären setzen diese Strategien sehr geschickt um. Das beweist nicht nur das Video über die Aktion in Frankreich. Auch im deutschsprachigen Raum tut sich etwas:

Für manch Konservativen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig hat eine Gruppe in Wien eine Tanzaktion durchgeführt.

https://www.youtube.com/watch?v=Qr1giOez9Ng

Die Presse reagierte hysterisch und sprach sogar von einem „rassistischen Übergriff“. Trotzdem (oder gerade deswegen?) verbreitete sich das Video in Windeseile.

Die visuelle Kommunikation der Identitären beruht auf einem „Do-it-yourself“-Prinzip. Es handelt sich hier um weitestgehend anonyme „Prosumenten“ (Mischung aus Produzent und Konsument), die einfach loslegen, mit einfachen Mitteln ein Video drehen, mit ein bißchen Bildbearbeitung Werbung entwerfen und mit Kreide ihr Symbol, das Lambda der Spartaner, in der Fußgängerzone hinterlassen.

Wer sich davon überzeugen möchte, sollte die Facebook-Seite der Identitären mitverfolgen. Dort werden fast täglich neue Bilder eingestellt, die von den Anhängern dann verbreitet werden. Es handelt sich um fix entworfene Werbebanner:

 

Bekannte Bilder, die mit den Symbolen der Identitären versehen werden:

 

Darüber hinaus werden kleine Aktionen eines abendlichen Spaziergangs dokumentiert:

 

Und nicht zu vergessen: Eine Anleitung für diejenigen, die demnächst aktiv werden wollen.

 

Wer die Grundsatzpositionen der Identitären liest, wird hier sicher noch sehr viel Verbesserungsbedarf feststellen. Gerade nach der Aktion in Wien hätte man z.B. wissen können, daß es völlig unsinnig ist, sich von irgendwas und irgendwem zu distanzieren. Die Presse interessiert sich nicht für Distanzierungsformulare. Sie richtet selbst. Wenn man diese neue Bewegung jedoch allein auf ihr inhaltliches Potential abklopft, verkennt man diese generation identitaire, die mit Videospielen, Fernsehen und Internet aufwächst und nicht allein über Texte, sondern zu einem Großteil über Bilder kommuniziert.

Ich bin mir z.B. sehr sicher, daß der Urheber des identitären Lambda-Symbols kein Doppelgänger von Karlheinz Weißmann ist. Viel eher könnte es sich um einen jungen Mann handeln, der den Film 300 gesehen hat und sehr viel Zeit vor der Play Station verbringt und vielleicht „Spartan: Total Warrior“ spielt. In der Spielbeschreibung heißt es:

Mit den anrückenden Römern vor den Toren Spartas, sind es Männer wie er und seine Gefährten, die den entscheidenden Unterschied machen können. Der Stadtstaat Sparta begehrt als letzte Bastion gegen die Römer auf, die bereits rücksichtslos den Rest der freien Welt unterworfen haben. Um seine Heimat zu retten, begibt sich der Spartaner auf eine Reise, die ihm alle Antworten auf die Frage nach seiner Herkunft, Vergangenheit und seinem Schicksal geben wird.

Ob die Identitären diese Reise hauptsächlich am Computer bestreiten oder tatsächlich zu „Europas neuer Jugendbewegung“ werden (dazu Baal Müller in der JF), hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, über diese virtuellen Spielplätze hinaus Wirkung zu entfalten. Selbstverständlich kann heute eine politische Bewegung im Internet ihren Anfang nehmen, aber sie muß danach als zweiten Schritt zumindest eine Offensive am Laternenmast wagen und danach irgendwann auch Gesicht zeigen!

Auch das habe ich in den Medienritualen beschrieben: Jede Bildpolitik steht und fällt mit den charismatischen Führungspersönlichkeiten, deren Gesicht man mit ihrer Bewegung in Verbindung bringt.

Bis wir diese Persönlichkeiten gefunden haben, kann sich jeder als Prosument engagieren und die linke Deutungshoheit an den Laternenmasten der Universitäten brechen. Die Blaue Narzisse hat dazu bereits einen Aufkleber „Identitäres Europa“ herstellen lassen, der hier sehr günstig bestellt werden kann!


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.


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