Sezession
13. November 2012

Beim Bloc Identitaire in Orange: Maßnahmen

Götz Kubitschek / 41 Kommentare

In einem abschließenden Gespräch in Orange, unmittelbar nach dem Ende des Kongresses, fragte mich Jean-David Cattin, wie ich die Chancen für eine identitäre Bewegung in Deutschland einschätzte. Er setzte, bevor ich antwortete, gleich nach und teilte mir seine eigene Einschätzung mit - wobei er sich als realistisch informierter Beobachter der deutschen "Szene" präsentierte.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Cattin sieht im Wesentlichen drei Hürden:

1. die deutsche Vergangenheit in Form einer Denk-, Äußerungs- und Handlungshemmung jedweder deutschen Rechten oder identitären Bewegung;
2. eine knallharte, per se provokante ns-nahe Kameradschaftsszene, die mit ihren Strukturen absorbiere, was eigentlich identitär ansprechbar wäre;
3. die konsequente soziale (d.h. vor allem berufliche) Ächtung von Protagonisten, die den virtuellen Raum verlassen und mit offenem Visier agieren würden.

Ich bestätigte seine Einschätzung und beschrieb den "Zwischenraum", in dem sich das befände, was als "Neue Rechte" in Deutschland bezeichnet werden könnte (mit all den Problemen, die eine solche generelle Bezeichnung auch unter den Protagonisten dieses Milieus aufwürfe). Ich konnte von meinem Verlag, von der Sezession und beispielsweise von einem Großtreffen wie dem "zwischentag" berichten, und auf Cattin machte dies deshalb Eindruck, weil er etwas von der Notwendigkeit von Strukturen und szenehaftem Hinterland versteht.

Danach zählte ich auf, was aus meiner Sicht nun zu tun sei und was ich tun würde, wenn ich jung wäre und DIESE Sache nun zu MEINER Sache machen würde:


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (41)

Ernstfall
13. November 2012 12:23

Ich habe in einem früheren Fall die berufliche Ächtung nur mit Glück vermeiden können, und das für ein Anliegen, bei dem ich dieses Risiko aus reiner Sturheit eingegangen bin, ohne das es irgendetwas gebracht hätte, wenn dieses Anliegen erfolgreich gewesen wäre. Ich kenne einige mittlerweile beruflich und gesellschaftlich einigermaßen etablierte Personen, die solche Risiken unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht bzw. nicht mehr eingehen würden, aber durchaus etwas beizutragen hätten. Sie würden die Risiken vermutlich auf sich nehmen, wenn das Vorhaben durch straffe Führung sicherstellen würde, daß Provokateure jeder Art ferngehalten werden und es bei aller provokativen Deutlichkeit in der Positionierung absolut seriös bleibt. Die erwähnten "inhaltlichen und formalen Richtlinien" wären ein Mittel dazu. Ich werde diese Anregung praktisch aufnehmen und den Identitären entsprechende Erfahrungen aus dem Bereich der strategischen Kommunikation anbieten.

Weltversteher
13. November 2012 12:52

Die vorgeschlagenen Maßnahmen scheinen zwar naheliegend, aber, wie ich fürchte, nicht originell genug.
Unter den herrschenden Verhältnissen wäre eine Entwicklung abzusehen wie bei Piraten und NPD zusammen. Jede verbindliche Vereinigung unterliegt heutzutage wohl Vorschriften über "Offenheit, Transparenz und Demokratie". Das muß doch zur Durchspitzelung führen. Es macht auch die Mitgliederkontrolle schwer. Doch immerhin kann dann nicht jeder Provokateur behaupten, im Namen dieser Bewegung gehandelt zu haben.

Ich halte es für zweifelhaft, wenn Menschen, deren Einsatz für diese Bewegung auch noch so hoch sein mag, wirtschaftlich von ihr abhängig werden. Das klang hier an. Wohin das führt, ist doch klar (siehe Apfel u.a. einerseits, BRD-Verwaltung andererseits). Es gibt durchaus Bereiche, in denen man seinen Lebensunterhalt verdienen kann und doch nicht zwangsläufig wegen Mißliebigkeit angreifbar ist.
Insofern sollte die Lebensperspektive gerade nicht darin liegen.

Was noch nicht erwähnt wurde: Verdichten, was unter "identitär" zu verstehen sein soll! Bisher erscheint es mir wie eine verklemmte Ausrede. Der Name läßt eine Definition durch Gegnerschaft gar nicht zu. Es ist schon grenzwertig, darunter hauptsächlich Aktionen gegenüber unseren Bedrängern durchzuführen.
Ich denke, die passenden deutschen Wörter hat mancher im Hinterkopf. Wenn sich die Gegner mit dem schwammigen Fremdwort vernebeln lassen, wenigstens was! Wir werden dann an den Früchten sehen, was darunter verstanden wird. (Die armen Franzosen, die auf solche Wörter angewiesen sind!)

An Kubitschek: Ich habe noch nichts gefunden, was eine Beteiligung von Männern über 30 ausschließt?

Inselbauer
13. November 2012 13:22

Es ist ein schönes Foto, das zwei Deutsche zeigt, die schnell vom Kinderspielplatz weg wollen (...) und auch ihre Bärte sind noch gar nicht so lang. Solange Sie noch nicht 45 sind, gibt es keine Ausreden! Wie Lichtenberg sagt: "Mit dem 45. Lebensjahr erwirbt der Mensch das Recht, eine Gesellschaft zu verlassen und im Nebenzimmer ruhig seinen Humpen und allein zu leeren".

Azo
13. November 2012 13:23

Wenn man ehrlich ist, besteht Identität doch zu einem nicht geringen Teil aus: "Dagegen !", bzw. "Nicht das !" Unser deutsches Nationalbewusstsein hat sich aus einer Opposition gegenüber dem Napoleonischen Frankreich entwickelt.

Und das Abendland ist aus der Geschichtsperspektive der nicht-mohammedanische - übriggebliebene Teil - der christlichen Welt. Die Moscheebesetzung in Poitiers ("732 !") war genau die richtige, identitäre, Initialaktion des Bloc.

F451
13. November 2012 14:07

Die Identitären brauchen weder einen Haider noch einen Strache. Für deren Aktionskonzept brauchen sie einen Gianluca Iannone. An der Frage ob sie so eine Person finden oder nicht, wird sich entscheiden ob das ganze mehr wird als ein Sturm im virtuellen Wasserglas.

Rumpelstilzchen
13. November 2012 14:13

Solange die Neue Rechte nicht endlich mal eine geistige Hürde übersteigt, wird sie zwangsläufig immer wieder in die Nähe der Alten Rechten rückbar. So verquast muß sie sich definieren. Identitär ist ein ideologischer Begriff. Identität hat man.
Dazu gehört im Abendland nun mal auch das Christentum. Hier sollte sich die Neue Rechte endlich mal klar positionieren. Hat man grundsätzlich was gegen das Christentum und wenn ja warum ? Oder nur gegen bestimmte Ausprägungen des Christentums und gegen welche.
Wenn d