Sezession
23. November 2012

Segel bei Windstille

Gastbeitrag / 61 Kommentare

von Heino Bosselmann

Es mag eine Befreiung darin liegen zu konstatieren: Wir, der Westen insgesamt, Amerika ohnehin, befinden uns in einer Phase untergehender Kultur. Kein Grund, eine Krankheit zu bejammern oder zu verdrängen, deren Symptome allzu deutlich sind. Leben mit dem Krebs muß möglich sein.

Sicher, die Systeme, oftmals überkomplex, daher fragil und angreifbar, funktionieren, jedenfalls die technischen und ökonomischen, jedenfalls für die meisten. Die oral hochbefriedigten Konsumenten stoffwechseln noch, mehr denn je. Und all die Unterhaltungssender senden. Dank Intensivmedizin und Dialysezentren steigt die Lebenserwartung, so daß Deutschland und andere Industrieländer zu gerontologischen Versorgungsgesellschaften hinüberaltern. Eher schlecht als recht, aber auch das wird anständig verdatet und verwaltet. Überhaupt leben hierzulande beinahe fünfzig Prozent von Transferleistungen. Das ist humanitär gesehen lobenswert, soziologisch ist es ein Signal, und quergerechnet in ähnlicher Weise ein Luxus wie die immensen Gewinne der klügsten oder kaltblütigsten Geldmacher. Regiert wird das alles von einer sich tugendhaft gebenden Kraft mit mystisch anmutender Selbstbezeichnung – der Mitte.

Daß es im Produzieren und Verbrauchen weitergeht und dennoch im Schatten des Blasen-Booms eine ideelle Krise einsetzen mag, die Wendungen vorbereitet, zeigt das Beispiel Deutschlands und Europas in einer Zeit mit der beredten Bezeichnung „Fin de siècle“. Wenn die Nation je Großmacht war – industriell, militärisch, sogar sozial gesichert –, dann um 1900. Eine hohe Zeit für die Wissenschaften, die Ingenieure, die Literatur. Was für eine Reihe großer Namen von Albert Einstein bis Max Weber! Was für ein Spektrum in den Künsten von Worpswede bis zur Berliner Sezession und zur Dresdener Brücke! Zudem vielleicht die letzten Jahre ganz großer Musik – noch Bruckner, schon Mahler, bald Schönberg.

Und doch: Bei aller Prosperität – welche Erschöpfung! Oder Poetisch ausgedrückt:

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei
und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

(Jakob van Hoddis, 1911)

Was für eine Weltendestimmung, obwohl das Leben, meint man, ungleich vitaler pulste – auf dem Potsdamer Platz ebenso wie auf den Gütern Ostelbiens. Immerhin genoß noch jeder, wenngleich nach unten bescheiden, die heute so oft beschworene, aber meist erledigte Teilhabe am Gesellschaftlichen. Die Arbeiterbewegung entwickelte eine eigene Lebenskultur und schritt voller Kraft und Zuversicht dem Morgenrot entgegen. Auch diejenigen, die am wenigsten hatten, die Landarbeiter, erlebten sich auf ihre Weise und an ihrer Stelle, als wichtig, selbst der polnische Schnitter und der Kutscher, der Getreide zur Mühle fuhr und nach Feierabend die Pferde pflegte. Dazu die Beamten als versorgte Entscheidungsträger, die Lehrer als vielleicht kauzige, aber durchgebildete Persönlichkeiten, in den Städten die Bohemiens und Lebenskünstler, die Schnorrer und Tagediebe.

Mit Ausnahme Rußlands, dessen Revolution von 1905 tatsächlich wie ein Menetekel ausbricht, schien Europa gesund. Selbst der heutzutage rundweg negativ konnotierte Imperialismus kann bei allen beschworenen Konflikten als Zeitalter politischer Kraft und Stärke gelten. Was immer man davon halten mag: Die europäischen, amerikanischen und japanischen Zeitgenossen erlebten ihre Nationen nicht als Krisenfälle. Die ganze Gesellschaft wurde gebraucht und hielt sich arbeitend lebendig. – Was für ein Vergleich zu den traurig armseligen Ein-Euro-Jobbern, die aus therapeutischen Zwecken zu Arbeiten zwangsverpflichtet werden, auf die es leider kaum ankommt.

Und obwohl die Schlote damals rauchten, malte Edvard Munch seinen „Schrei“, den furchterregenden Blick auf ein furchtbares Jahrhundert. Über dessen Portal könnten wie ein Motto die Worte von Nietzsches vereinsamtem Wanderer stehen, der in einer modernen Winterreise fatalerweise seine sichere Stadt verließ, alle Brücken hinter sich abbrechend:

„Die Welt – ein Thor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt.
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.“

Tatsächlich machte das neue Jahrhundert nirgendwo halt und ließ keine denkbare Grausamkeit aus. Die Historie schien zu pathologisieren. Empfindsame Gemüter beherrschte die Ahnung einer großen Entgrenzung, die neben Befreiung und Belebung einem geschichtlichen Horror die Tore öffnete, der so vom Vorjahrhundert kaum gedacht werden konnte. Franz Kafka einerseits als Visionär der neuen Entfremdung, andererseits der totalitären Gleichschaltungen, der Straflager und einer Angst, die über den Dächern liegt wie in Graphiken von Alfred Kubin. Alles Neue beginnt mit dramatischer Ambivalenz, aber es mag sein, das Luziferische, durchaus im Sinne des Lichts, überwiegt. Dazu trommelt Georg Heym in „Der Gott der Stadt“ den Rhythmus des Korybantentanzes.


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Kommentare (61)

Kurt Schumacher
23. November 2012 08:00

Guten Morgen, Herr Bosselmann,

Sie sind doch DDR-Bürger. Das 19. Jahrhundert ist lange her, wir alle kennen es nur aus Büchern. Aber die DDR ist noch nicht so lange her, können Sie einen Vergleich ziehen zwischen ihrem Ende und dem Niedergang der Bundesrepublik heute? Erwarten Sie einen neuen Herbst 1989? Und was kommt danach? Bitte deuten Sie doch einmal die Krise der Gegenwart aus ihrer DDR-Erfahrung heraus. Sie sind ja, im Gegensatz zu vielen studentischen Netznutzern, alt genug dazu. Haben Sie damals geglaubt, die Mißstände um Sie herum würden "von oben her" schon irgendwie geregelt werden? Oder schien "der Westen" schuld zu sein an der Misere des real existierenden Sozialismus? Sehen Sie Grund zu einer neuen Totalitarismus-Theorie ("Der neue Totalitarismus wird nicht sagen, ich bin der Nazismus oder der Kommunismus. Der neue Totalitarismus ist der Konsumismus = Amerikanismus"...?)

Ich bin selbst aus dem Westen, ich kann da nicht mitreden. Aber Sie können es! Das wäre wirklich sehr interessant! Mit freundlichen Grüßen,
Kurt Schumacher

Nick N.
23. November 2012 08:41

Sehr geehrter Herr Bosselmann,

dieser Artikel gilt ohne Zweifel als einer der besten, den ich je hier gelesen habe. Eine seziermesserscharfe Analyse der gegenwärtigen Lage, ein fesselnder historischer Vergleich und vielleicht ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft tun sich in Ihren Zeilen kund. Danke, daß Sie damit meinen Morgen wahrlich bereichert haben!

Mit herzlichen Grüßen

Nick N.

Heino Bosselmann
23. November 2012 09:13

Sehr geehrter Herr Schumacher, weil Sie so direkt fragen, antworte ich vorerst eilig zwischendurch: Tatsächlich rechne ich mit einer "Wende", die ohne Massen, ohne Barrikade, vermutlich ohne charismatische Bewegung auskommt. Ich sehe die Bundesrepublik vor allem ideell erschöpft. Einen Vergleich zum Untergang der DDR herbeizuziehen wäre m. E. völlig unhistorisch. Aber manche Phänomene gleichen sich: die Kultur der Farce in der Sprache, die Eupemismen der Trostbegriffe, daher das Bedürfnis nach einer zweiten Lesart und anderen Textsorten, das Beschwören der immer gleichen "Grundvereinbarungen", das freudianisch darauf hindeuten mag, daß man ihrer längst nicht mehr sicher ist und stattdessen der neurotisch wirkenden Rituale bedarf. - Wenn sich etwas bewegen wird, dann allem Anschein nach nicht nach links, denn die etablierte Linke legt sich nicht fundamentalkritisch mit dem Bestehenden an, sondern lebt gedanklich wie materiell gut darin.- Die alte DDR und der alte Westen verstehen sich m. E. ausschließlich vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, also innerhalb eines Kontextes, der in der politischen Propaganda jetzt noch eher weggelassen wird als früher. Einen "Nexus" (Nolte) wollen die offiziellen Propagandisten gerade nicht herstellen, um ihnen mißliebige Phasen der deutschen Geschichte isoliert und pathologisiert in Quarantäne schicken zu können. Später mehr ...

eulenfurz
23. November 2012 09:23

Eine treffende Analyse, ein Hoffnungsschimmer ist allerdings nicht zu erkennen.

Der Niedergang offenbart sich als erstes im Geburtenrückgang, der nahm in Frankreich vor bald 200 Jahren seinen Anfang und breitete sich wie eine Epedemie über Nordwesteuropa und dann über ganz Europa aus. Angesichts der Altersverteilung mangelt es schon an einer kritischen Menge potentieller Eltern, von der Qualität ganz zu schweigen.

Um das Ruder herumzureißen und einen Normalzustand herzustellen, würde eine Zwei- oder Dreikindfamilie heute überhaupt nicht mehr genügen, der qualitativ bessere Teil der Europäer bräuchte durchgehend Zehnkindfamilien über mehrere Generationen.

Quollen noch vor 100 Jahren in Deutschland die Dörfer über vor lachenden Kinderscharen, so hausen heute in den öden Hinterlassenschaften aus morbidem Verfall und zusammengeflickter Baumarktlösung bestenfalls noch Rentner und Ratten.

Die Städte haben den letzten Rest Lebens an sich gesogen und füllen die neblige Nacht mit Blitzlicht und Lärm, der erbärmliche Rest an Jugend verdämmert im Rausch von Unterhaltungsangeboten, Süßstoffen und Fettmachern.

Und dennoch ist es richtig, in der widrigsten Zeit die schönsten Apfelbäumchen zu pflanzen!

balu
23. November 2012 09:49

@eulenfurz

Um Gottes Willen keine Äpfelbäumchen mehr!!
Kein Mensch liest heut mehr Äpfel auf!

Raskolnikow
23. November 2012 10:08

Wow! (Verzeihung!)

Das ist wirklich verstörend; die Fünft-Zillionste Lageanalyse schafft es immer noch, bei gefesselten deutschen Dissidenten hoffnungsschimmernde Morgendstunden zu versüßen ...

Lieber Herr N., Sie haben es mit obigem Geständnis in mein "Bestiarium des deutschen Conservativismus" geschafft. Ich muss langsam aufpassen, dass der Wälzer nicht auf über 1000 Seiten anschwillt, sonst will Kubitschek ihn nicht mehr publizieren. Geschätzter Herr N., was Ihre Coolness anbelangt, ist eine Multiplication um, sagen wir, 5 vonnöten! Geschenkt!

Doch: Wie fern ist wohl jene süß-reiche Morgenstunde, die einen Text in ihrem tau-benetzten, rot-belippten Schnütchen für mich bereithält, in dem es nicht um "die", "der", "das", "die" (Plural), "wir", "ihr" etc... geht, sondern der mir ein "seziermesserscharfes" "Ich" entgegenschleudert ...

Dann, ja dann, werde auch ich mich in wohligen Schauern schütteln und "bereichert" zurück in meinen Lehnstuhl sinken ...

Bosselmann trifft, wie immer, ins Schwarze. Gut!

Mir fehlen, wie immer, die Konsequenz und das Konkrete. Beide können nur aus dem "Ego" kommen. Ich entscheide, ich habe, ich denke, ich tue, ich bin verantwortlich für .... Die Millionenmassen sind mir scheißegal!

Für Herrn Eule zum Beispiel würde das bedeuten, auf´s Dorf zu ziehen, ein altes Haus ohne Baumarktprodukte zu beseelen, Kinder zu bekommen und nicht fett zu werden. (Vielleicht macht er das ja? Ich kenne ihn ja nicht. Wahrscheinlich heißt er nicht mal eulenfurz ...) Und eben nicht zu versuchen, "die Deutschen" zu solch einem Tun zu überreden oder eben ihr Nicht-Tun zu beklagen.

Trotzdem,

R.

eulenfurz
23. November 2012 10:28

@R.
Einerseits als genügt Ihnen die Analyse allein nicht, sie solle konkrete Konsequenzen aufzeigen.

Laut Ihrem nächsten Absatz wiederum sollten die Deutschen jedoch zu keinem Tun überredet werden, wobei behauptet wird, ich hätte dies gemacht.

Also wieder alles nicht recht, der Kaffee schmeckt nicht und das Wetter ist auch blöd. Am schlimmsten wär's aber, wenn's nix zu mäkeln gäbe für den Spießer.

Kurt Schumacher
23. November 2012 11:12

Vielen Dank, Herr Bosselmann, für diese schnelle Antwort, die mehr verheißt!

Eins fällt mir gerade ein (mit der Einschränkung, daß ich als "Wessi" das vielleicht falsch einschätze): die Bevölkerung in der DDR hatte damals nur den Mut, gegen ihre Regierung aufzustehen, weil 1.) Gorbatschow Honecker eindeutig die Gunst entzogen hatte (am 40. Jahrestag der DDR das berühmte Wort: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"), die DDR also quasi "freigelassen" hatte; und weil 2.) Westdeutschland als Alternative und reicher Onkel bereitstand, bei dem man sozusagen immer "ein Zimmer frei" hatte.

Wie wäre das heute? Zu 1.) Ich glaube nicht, daß die USA freiwillig ihre dickste Melkkuh Deutschland freilassen. Obama ist doch kein Gorbatschow? Und zu 2.) Wo ist heute die Alternative? Wer hat heute für uns "ein Zimmer frei"? Gibt es irgendwo ein Gebiet, wo die Identitären oder eine ähnliche Bewegung wirklich schon eine reale Ordnungszelle gebildet hätten, die über rein intellektuelle Zirkel hinausgeht?

Das soll kein Widerspruch gegen Sie sein, es ist mir nur so spontan eingefallen.

Raskolnikow
23. November 2012 11:24

Werter e.,

haben Sie bitte etwas Nachsicht mit einem, der dämlich genug ist, sich beide (!) Beine zu brechen und der keinen Fernseher besitzt. (Und gelesen hat er auch schon alles!)

Und ja: Sie sagen es; Analysen genügen mir nicht mehr. Auch habe ich die Hoffnungen aufgegeben, was eine "Verbesserung der Gesellschaft", Umschwünge, Aufbrüche, Wendemarken und irgendwelche "Überzeugungsarbeit" angeht.

Mich interessiert nur noch der Einzelne. Wenn mir einer sagt, er hielte die Deutschen für Kleidungskulturbanausen, dann frage ich, wie er sich kleidet. Wenn einer sagt, die Deutschen seien weiche Würstchen geworden (Umerziehung und so ...), dann lade ich ihn zum Eisbaden und Fallschirmspringen ein. Wenn einer sagt, die Deutschen sind ja soooo fett, dann fordere ich ihn zum nächsten Schorfheide-Marathon heraus ... usw. Mehr wollte ich mit meinem, nicht böse gemeinten, kleinen Gleichnis, unter dessen Rädchen Sie gekommen sind, nicht darstellen. Kurz: Ich will mit dem ersten Schritt beginnen und nicht mit dem 80 Millionsten!

Da ich finde, die Deutschen sind so fürchterlich unmännlich-dünnhäutig geworden, erwidere ich auf Ihren letzten Absatz nur ein: "Geschenkt!" (Stellen Sie sich bitte eine großzügige Geste mit der linken Hand vor!)

Unterwürfigst,

R.

Irrlicht
23. November 2012 12:49

Das Traktat ist mir zu germanozentrisch. Denn während das Kaiserreich um 1900 eine der explosionsartigen Industrialiserung entsprechende gesellschaftliche Dynamik entfaltete, eine Blüte der Wissenenschaften und Künste erlebte, die (ich glaube es war Fritz Stern) als "Zweite Geniezeit" bezeichnete und an der Person Max Plancks festmachte, sah es im europäischen Ausland düsterer aus. Das politische Klima Frankreichs war durch den Revanchismus für die nie verarbeitete Niederlage 1870/71 vergiftet, und das British Empire stagnierte, zeigte sklerotische Züge, und konnte wirtschaftlich mit dem aufsteigenden Reich immer weniger mithalten. Der einzige andere Land, das zumindest auf ökonomischen Gebiet eine ähnliche Dynamik wie das Reich zeigte, waren, schon ein Kontinent entfernt, die USA.

Der beschriebene kulturelle Niedergang ist primär ein deutscher, und dürfte eher auf spezifisch deutsche Bedingtheiten zurückzuführen sein als zu einer Diagnose des Untergangs des "Westens" - eigentlich der USA - taugen.

ene
23. November 2012 14:32

Lieber Herr Bosselmann,

Ihre Sichtweise im ersten Teil Ihres Essays erinnert mich sehr an Stefan Zweig : Die Welt von Gestern, Erinnerungen eines Europäers.
Man könnte vielleicht sagen, in diesen Erinnerungen wird Europa noch einmal als ein geistiger Raum wahrnehmbar, der es wohl nie wieder sein wird.

Und wenn man einmal Photos jener Dichter, Gelehrten, Maler, Politiker - überhaupt jener Menschen der Vorkriegswelt mit den heutigen (veröffentlichten) Physiognomien vergleicht - kommt man ins Grübeln.
Wohin ist jene Differenziertheit, wohin sind jene Charakterköpfe verschwunden?

Inselbauer
23. November 2012 14:33

Lieber Raskolnikow! Ich fordere Sie zum 1. Cehlendorfer Großkotz-Rittern an der Friedenseiche zum 29.11.2012 um Punckt 5 Uhr morgens. Wir treten an im einfachen desillusionierten Daherreden, diesem altehrwürdigen Genre der Conservativen in Friedenszeiten. Keiner versteckt sich hinter einem Vollbart, und wer als erster lacht, hat verloren...

Heino Bosselmann
23. November 2012 16:52

Sehr geehrter Herr Schumacher, das Medium verlockt zu allzu schnellen Antworten, aber vielleicht zwingt das zur Prägnanz: Ich gebe Ihnen durchweg recht. Zeuge des Untergangs eines Staates gewesen zu sein, der, mindestens mit Breschnew-Doktrin, unantastbar, unverrückbar schien und über eine bedrohliche Exekutive verfügte, gehört zu meinen wichtigsten biographischen Erfahrungen. Erstaunlich, daß quasi über Nacht, nichts mehr galt, was Jahrzehnte unumstößlich war. Was Menschen konstruieren, können Menschen wieder lösen, und schon manche Verfassung wurde schnell auf ihren Papierwert reduziert. Trostreich! Ebenso erstaunlich, wie unkompliziert "die Eliten" umzuschalten verstanden, wie die Lehrer etwa die Demokratie sofort ebenso schlüssig vermittelten, wie gestern noch das Erfordernis der führenden Rolle der Partei. – Mit Blick auf unsere Gegenwart meine ich jedoch: Die DDR ging mitnichten allein an ihrer "maroden Wirtschaft" und den "Schulden in harter Währung" unter, denn an diesen Problemen kranken ganz andere Nationen; vielmehr versiechte sie an ihren eigenen Lebenslügen und war nicht mehr in der Lage, Menschen für sich zu mobilisieren – etwas, das sie zwischenzeitlich durchaus vermochte. Letztlich richtete sie sich in einer tragischen Stagnation nicht zuletzt des Geistigen ein. Wer um sein Warum weiß, so Nietzsche, erträgt jedes Wie! Aber das Warum war kaum mehr zu kennzeichnen, außer vielleicht in den Abwehrbemühungen des Kalten Krieges. Dessen letzte Phase ab Reagan und NATO-Doppelbeschluß konnte die DDR noch ein Stück konservieren. Und richtig, als die UdSSR die DDR entließ, war es vorbei. - Wo wäre heute die Alternative?, fragen sie. Umgekehrt geantwortet: Der einzig echte Konsens, den ich sehe, liegt im Konsumismus. Mit einem FORUM-Beitrag der JF versuchte ich letzte Woche den Begriff der "oralen Gesellschaft" anstelle von „Demokratie“ vorzuschlagen. Demokratie lebt von einem reinen utilitaristischen Zuschnitt. Kennzeichen ist die dem hedonistischen Kalkül verpflichtete Koalition zwischen den profitorientierten Produzenten und dem oralen Verbraucher: Einverleibung, Medienerlebnisse, Genuß, ruhige Peristaltik, Verdauung, faule Zufriedenheit, ab und an ein neuer Reiz. Das ist doch normal und gut so, meinen die Liberalen. Möglich, aber es reicht nicht. Die Inspiration fehlt. Meine Gymnasialklassen konnten mir jüngst über den Konsum hinaus keine Motive mehr benennen. Sicher, Ideologien bergen stets Gefahren. Übrigens ist eine Ideologie sehr lebendig und arbeitet mit beeindruckenden Propaganda-Methoden – die Wirtschaft. Außer Konkurrenz. Alles andere schweigt und dämmert. Diskutiert werden die Saldi und Ratings; aber von der Wirtschafts- und Haushaltspolitik allein wird kein Land zu einem lebendigen Selbstwertgefühl finden.

Rumpelstilzchen
23. November 2012 17:55

Eine sehr gute Lageananlyse und sei es die Billionste,
Danke, Herr Bosselmann ! Gute Schreibe
Assoziationen:
Maritime Metaphern: Segel bei Windstille, Beschreibung eines aufziehenden Sturms, Tsunami gar...
Keine alten Seebären mehr da, die letzten hängen am Tropf..
Zuwenig junge Seeleute, die wenigen auch nicht beseelt
"Junge Generation ahnt nicht, was auf sie zukommt" titelt die Welt am 22.11
Junge Menschen machen Party auf sinkendem Schiff. Lifestyleparty.
Die hippen Segler wissen nicht, woher sie kommen und wohin sie fahren wollen, der Sturm zieht auf...
Da.. sie tauchen auf, die schönen Meerjungfrauen, echt, unoperiert, jungfräulich schön und stolz , werden sie Europas Söhnen Rettung bringen...
(Fortsetzung folgt nicht, Schiff untergegangen)

Heldensöhnen

Martin Lichtmesz
23. November 2012 19:18

"Leben mit Krebs", nein danke.

Sixty
23. November 2012 19:49

Wenn sich etwas bewegen wird, dann allem Anschein nach nicht nach links, denn die etablierte Linke legt sich nicht fundamentalkritisch mit dem Bestehenden an, sondern lebt gedanklich wie materiell gut darin.

Das stimmt, trifft aber vor allem auf den "liberalen" und generell auf den (partei-)etablierten Teil der Linken zu. Der linksalternativ-linksradikale Teil (innerhalb und außerhalb der Linkspartei) sieht sich schon noch als "fundamentalkritisch", aber es ist nur eine Minderheit, wie auch ihr radikales Pendant auf der Rechten (NPD, "Kameradschaften", "Autonome Nationalisten"). Ihre jeweilige ideologische Verkorkstheit verhindert aber bei beiden einen größeren Einfluß (zum Glück). Diese Art von "Fundamentalkritik" brauchen wir nicht.

Die alte DDR und der alte Westen verstehen sich m. E. ausschließlich vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, also innerhalb eines Kontextes, der in der politischen Propaganda jetzt noch eher weggelassen wird als früher.

Das muß man wohl doch historisch gesehen etwas relativieren. Der "Kalte Krieg" im engeren Sinne bestand ja eigentlich nur vom 1948 bis Mitte der 60er und dann noch einmal kurz in den Jahren 1983 und 1984, war aber nach dem Amtsantritt von Gorbatschow schon wieder Geschichte.

Die DDR ging mitnichten allein an ihrer „maroden Wirtschaft“ und den „Schulden in harter Währung“ unter, denn an diesen Problemen kranken ganz andere Nationen; vielmehr versiechte sie an ihren eigenen Lebenslügen und war nicht mehr in der Lage, Menschen für sich zu mobilisieren – etwas, das sie zwischenzeitlich durchaus vermochte.

Sehe ich auch so ähnlich. Die DDR ging gleichzeitig an ihrer ökonomischen (bürokratisch-planwirtschaftlichen) Misere wie auch an ihrer Unfähigkeit, sich zu "liberalisieren" und zu demokratisieren, zugrunde. Solche Fortschritte hatte Gorbatschow, wenn er auch ökonomisch ebenfalls nichts bewegen konnte, der Sowjetunion doch wenigstens immerhin verschaffen können (genutzt hat es ja letztlich bekanntermaßen auch nichts).

Demokratie lebt von einem reinen utilitaristischen Zuschnitt. Kennzeichen ist die dem hedonistischen Kalkül verpflichtete Koalition zwischen den profitorientierten Produzenten und dem oralen Verbraucher: Einverleibung, Medienerlebnisse, Genuß, ruhige Peristaltik, Verdauung, faule Zufriedenheit, ab und an ein neuer Reiz. Das ist doch normal und gut so, meinen die Liberalen. Möglich, aber es reicht nicht. Die Inspiration fehlt.

Diese Kritik an der gegenwärtigen Situation in Deutschland kann ich nur voll unterstreichen. Der Liberalismus (im Bundestag haben wir ja nur noch vier mehr oder weniger liberale und mit der Linkspartei und der CSU noch zwei zumindest "halbliberale" Parteien) hat abgewirtschaftet. Höchste Zeit, daß sich eine demokratische Alternative, die sowohl "linke" (soziale) als auch "rechte" (nationale) Positionen zusammenbringen sollte, herausbildet.

Hesperiolus
23. November 2012 20:57

Identität ist Volk auf die Stufe seiner Reflektion gehoben, und kommt, wie "Volk" damals, möglicherweise zu spät. "Identitär" als volltreffende Kampfparole, wäre "volkstreu" zu übersetzen, wenn das die Biologisten nicht verbrannt hätten. Die Referenz des erhobenen Banners ist geschwunden und die Performanz der hüpfenden Identitären bezeugt den Schwund. Ja, der Expressionismus, schön beschrieben von Herrn Bosselmann, ein Gewinn hier, ist überwältigende Kaskaden des Kulturverfalls über uns. Es fällt nichts mehr nieder, stagniert noch, miasmisch.

Rumpelstilzchen
23. November 2012 21:53

Werter Raskolnikow,
Eine ernstgemeinte Frage,
Wie kann er leben, wenn er schon alles gelesen hat und nicht mehr an Veränderungen glaubt ?
Kann man in so einem Forum konkret werden?
Konkret werden ist immer auch etwas unappetitlich ?
Nicht jeder kann das Konkrete in so poetische Worte packen wie er.

Rumpelstilzchen
23. November 2012 22:18

Werter Herr Bosselmann,
"Ihre Gymnasialklassen konnten Ihnen jüngst über den Konsum hinaus keine Motive mehr nennen" . - Einspruch ! Konkret : ich weiß von einigen jungen Menschen, die ganz konkret konsumverweigernd durch Wälder und Wiesen wandern, Natur erfahren und dabei sehr glücklich sind.
Ich traue diesen Menschen sehr viel zu.

exguti
24. November 2012 05:52

Ja, die Artikel und Essays zum Untergang werden immer brillianter, nähern sich oft schon artifiziellem Geschreibsel an.
Es geht aber auch kürzer und gänzlich unbrilliant. Und die simple Wahrheit gilt gerade für das Schaf, das nur konsumieren will, denn irgendwann hat sich's ausgefressen:
Dem Schlachtvieh wird eingetrichtert, daß Gewalt "keine Lösung" sei. Weil sie die Lösung ist.

Rumpelstilzchen
24. November 2012 08:36

@Rumpelstilzchen
Es gbt gibt eine Fortsetzung:
Die Meerjungfrauen sehen das wunderschöne alte Segelschiff in sein Unheil fahren, sie schreien, sie winken, sie zeigen ihre unoperierten Brüste und rufen "free minds", aufwachen. Ein paar junge Männer, die über die Reling kotzen, sehen die schönen Jungfrauen, hören sie schreien. Sie fuchteln mit Lamdazeichen und hüpfen lustig herum. "Aufwachen,euer altes schönes Schiff hat keinen Kurs und der Sturm kommt auf." rufen die glutäugigen Mädchen. "wir brauchen euch noch"!
Einige junge Männer rütteln an den dahinsiechenden alten Seebären: wo kommen wir eigentlich her, was ist unser Kurs, wer hat eigentlich das tolle Schiff gebaut und wo soll es überhaupt hinfahren ???
"Christus war unser Steuermann"' haucht der alte Seemann und geht über Bord. ........ Vielleicht gibt es eine Fortsetzung...

Raskolnikow
24. November 2012 09:30

Mann, Inselbauer,

wenn meine beiden Pedale mich in eine irgendwie mobil zu nennende Lage versetzen könnten und ich derzeit nicht auf den Einsatz von Gehhilfen zurückgreifen müsste, begänne ich um diese Uhrzeit meine Arbeit. Sie müssen sich für Ihre Rap-Battle schon mit jemand Anderem begnügen, denn ich muss Ihre, etwas fragwürdigen, Avancen leider abschlägig bescheiden. (5 min zu Fuß vom Gothen-Haus, wa?)

Auch werter Herr Rumpelstilzchen!

Ich glaube an Veränderungen, zum Beispiel, dass ich durch tägliches Eincremen meine Hände von den Schwielen befreien kann, oder, dass über Winter die Luzerne endlich mal den Boden im Vorgewende saniert ...

Aber Sie zielen wahrscheinlich mehr ins politisch-gesellschaftliche Feld. Nun ja, es sei im Geheimen gestanden, dass ich manchmal lüge. In meinem Beitrag zu Julian Fosfers Artikel deutete ich meine noch verbliebenen Hoffnungen an, die offenbar von Herrn/Frau exguti mehr oder weniger geteilt werden. Ja, DIESE Debatte steht nämlich noch aus ...

Mit cordialem Gruß,

R.

Heino Bosselmann
24. November 2012 10:00

Lieber "Rumpelstilzchen", Sie haben wohl recht. Meine Erfahrungen beziehen sich berufsbiographisch vor allem auf die Jugend an gepriesenen Privatschulen, also auf Orte sog. „Privilegiertenbildung“, wo Unterricht und Erziehung zur Ware geworden sind und Gegenpositionen gerade nicht aufgerufen werden, obwohl eben dort die Möglichkeit bestünde, sondern eher eine Verstärkung der gängigen Moden erfolgt. Gegen elterliche Bezahlung werden elterliche Vorstellungen von Karriere eingegleist. Leben findet dort – ganz nach linker Vorstellung von „Ganztagspädagogik“ – hinter Glas statt, und „in“ ist ein nach Plastik aussehendender „Lifestyle“, wie ihn die oben von mir zitierten Serien des Privatfernsehens vorspielen. – Aber: In der Sächsischen Schweiz, meiner Lieblingsgegend, begegnen mir tatsächlich junge Leuten auf anspruchsvollen Routen, für deren Bewältigung man sich anstrengen muß und die für athletische wie seelische Ereignisse etwas bieten. Jeder, der auch nur zum Fußball geht oder aus freien Stücken am Klavier sitzt, erstaunt mich und hat meinen Zuspruch. So wie ich jedes Training schätze, das – im allerweitesten Sinne – Kampfkampf erhält oder Urteilskraft schult. Ich bin skeptisches Facebook-Mitglied und verzeichne eine Menge „Freunde“, die durch meinen Unterricht gingen. Ich lese von ihnen sehr wenig Substantielles und denke auch darüber nach, inwiefern ich Teil dieses Kulturbetruges bin.

Swoboda
24. November 2012 10:13

"Die Segel sollte man bereits bei Windstille setzen …" -hm, als Segler muss ich widersprechen, der Seemann an sich ist faul und lässt bei Windstille die Segel lieber aufgetucht. Er wirft bei Windstille lieber den Motor an oder wartet besseren Wind ab, was wohl viele von uns auch tun.
Aber haben wir wirklich Windstille ? Mir jedenfalls bläst der Wind ins Gesicht. In diesem Jahr nennen wir unsere Weihnachtsfeier im Betrieb das erste Mal Jahresabschlussfeier. Auf Schweinefleisch wird insgesamt verzichtet. Gab es in der DDR nicht auch mal eine Jahresendflügelfigur ? Der Wind hat aufgefrischt in den letzten Jahren, und man sieht am Verklicker, woher er weht. Das freut den Segler aber mehr als die Windstille ! Er wählt den schnellsten Kurs, nicht direkt in den Wind, dann bliebe sein Schiff liegen, sondern hart am Wind, dann ist es am schnellsten. Für mich und einige Kollegen bedeutet das z.B., daß die Weihnachtsfeier ohne uns stattfindet. Daß damit das Ziel der Fahrt noch lange nicht erreicht ist, ist mir klar, aber am Ende des Tages zählt das Etmal. Denn die Elemente kann der Seemann nicht beeinflussen, wohl aber den Kurs seines Schiffes.

Kurt Schumacher
24. November 2012 11:18

Vielen Dank, Herr Bosselmann, für diese ausführlichen Erklärungen! Ich halte mich erst mal zurück und denke darüber nach. Noch ein Nietzsche-Zitat (genaue Quelle weiß ich leider nicht mehr, ich zitiere es aus dem Gedächtnis, aber es stimmt schon ungefähr): "Seit mir ein Wind hielt Widerpart, segle ich mit allen Winden. Seit ich es Suchens müde ward, erlernte ich das Finden."

Kurt Schumacher
24. November 2012 11:18

-edit- "des" Suchens natürlich (vertippt)

Inselbauer
24. November 2012 13:04

@ Raskolnikow
Für einen gehbehinderten Mann im besten Alter nehmen Sie den Mund aber schon recht voll (...) aber der Wille zur conservativen Selbstbehauptung zählt, nur er allein, auch von einem Rollstuhl können Rührung und Strenge ausgehen

Rumpelstilzchen
24. November 2012 13:22

Servus,
Herr Raskolnikow, versuche zwischen den Zeilen zu lesen,
Auf was richten sich Ihre Hoffnungen im politisch-gesellschaftlichen Feld ? Was meinen die Ex-Guten mit Schlachtvieh, dem man eintrichtert, daß Gewalt keine Lösung sei.
Gab doch mal die Karrikatur von Schlachtvieh, das mit belämmerten Blick im offenen Stall steht und nicht abhaut.
Darunter stand: "Wenn ihr Angst vor der Freiheit habt, dann laßt euch verwursten"
Ich denke wirklich, daß die Tür noch offensteht, aber das alte Schlachtvieh immer noch Angst vor der Freiheit hat,
die jungen Ferkel gehen schon mal vor die Tür.
Ich habe eher das Gefühl, daß wir Alten nichts Substantielles mehr beizutragen haben.
Konkret würde mich mal interessieren, den Beitrag von Martin L. zur Diskussion zu stellen, Der Untergang des Abendlandes, Folge 4 über den "linken Feldvorteil" und die "schlechten Ideen der Rechten".
Den Beitrag fand ich richtig gut.

Kersti Wolnow
24. November 2012 14:17

Swoboda

Ich glaube auch, daß sich eher Widerstand bildet, je mehr die Linken sich als Sieger fühlen und ihre internationalen und an die Moslems anbiedernden Parolen herausposaunen.
alle
Ich habe die Wende erlebt und glaube auch jetzt an eine Wende. 1989 wurde der Globalismus eingeläutet mit all seinen unangenehmen Erscheinungen. Der Osten mußte aufgehen, damit der Westen weiter überproduzieren konnte, das Bankencasino wurde global und die Menschen im Osten brauchten Kredite für ihre Konsumwut.

Die Wende jetzt wird anders daherkommen, sie geht im Kleinen vor sich, ich sehe es an mir und vielen Gleichgesinnten, denen Zeit wichtiger als Geld geworden ist, die sich von internationalen Konzernen abwenden und in der Region konsumieren. Wir waren ja alle mal Kosmopoliten, aber das Pendel schlägt gerade ins Gegenteil. Jeder muß bei sich anfangen. Ich freue mich über meine Tochter, die ohne Agitation genauso angefangen hat zu leben. Auch sie wendet sich der Natur zu und von der Wegwerf- und Konsumgesellschaft ab.
Uns wurde dieser Zeitgeist übergestülpt, wir müssen uns ihm entziehen, freiwillig und schmerzhaft.

Rumpelstilzchen
24. November 2012 14:59

Für die Eltern, Lehrer und Pädagogen hier

Für meine Söhne

Hehle nimmer mit der Wahrheit!
Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue,
Doch, weil Wahrheit eine Perle,
Wirf sie auch nicht vor die Säue.

Blüte edelsten Gemütes
Ist die Rücksicht, doch zuzeiten
Sind erfrischend wie Gewitter
Goldne Rücksichtslosigkeiten.

Wackrer heimatlicher Grobheit
Setze deine Stirn entgegen,
Artigen Leutseligkeiten
Gehe schweigend aus den Wegen.

Wo zum Weib du nicht die Tochter
Wagen würdest zu begehren,
halte dich zu wert, um gastlich
In dem Hause zu verkehren.

Was du immer kannst, zu werden,
Arbeit scheue nicht und Wachen,
Aber hüte deine Seele
Vor dem Karrieremachen.

Wenn der Pöbel aller Sorte
Tanzet um die goldnen Kälber,
Halte fest: du hast vom Leben
Doch am Ende nur dich selber.

Theodor Storm 1854

Th.R.
24. November 2012 15:47

Gut geschrieben, Herr Bosselmann, ich finde es äußerst zutreffend, was Sie oben geschrieben haben.

Die Frage, die sich uns stellt, lautet, wie es mit uns Deutschen weitergehen soll. Und da sollten wir ganz analytisch vorgehen, wobei solche Diskussionen im Rahmen eines Internetformus natürlich nur bloßes Stückwerk sein können.

Unser Ziel ist die Erhaltung der Deutschen. Und wie jedes Volk so unterliegt auch das deutsche den `universellen´ (ich benutze dieses widerliche Wort äußerst ungern) Lebensgesetzen des (wie auch immer es einem beliebt:) Kosmos, Gottes oder der Natur, denen alle lebensbejahenden Völker unterworfen sind, die sich über ihre Generationenfolgen hinweg in der Ewigkeit halten wollen. Denn ein Volk ist, dynamisch gesehen, eine Aneinanderreihung von Geschlechterfolgen, die aus der vergangenen Ewigkeit kommen und die in die künftige Ewigkeit gehen (wollen), und zwar ganz simpel dadurch, dass jedes gerade zeitlich bestehende Glied ein weiteres, ein möglichst quantitativ und qualitativ besseres Glied der Kette anfügt.

Nationalistische Völker, denen ihr Wille und ihre Pflicht zum Selbsterhalt bewußt und offenbar geworden ist, haben das `ewige irdische Leben´zum Ziel. Die Vorstellung, dass in Ferne einmal eine Generation in der Kette der Generationenfolge stehen könnte, an denen die Kette reißt und wodurch alle zukünftigen Generationenfolgen - und das Volk selbst - verloren gehen, diese Vorstellung finden nationalistische Völker ganz unerträglich. In ihr kristallisiert sich alle Furcht und Angst des Volkes, dessen Ziel und Wille ja das Ewige Leben ist.

Nun müssen wir uns eingestehen, dass wir wohl eine eben solche Generation sind, die der ewigen Kette unseres Volkes kein neues Glied anfügen und die nichts weitergeben wird, sondern eine, die diese Kette abbricht und beendet. Eine Generation, die Verrat an allen vor uns gewesenen Generationen verübt; eine Generation, die die auch ihr auferlegte ewige Pflicht zum ewigen Daseinserhalt aufgekündigt und Ziel und Mission zur Ewigkeit des deutschen Volkes verraten hat. Eine Generation, die alles Erbe und alle Hinterlassenschaften gleichgültig und desinteressiert zurückläßt; die alle verbliebenen Reste seelenlos abwickelt, und die sich heute innerlich daruf eingestellt hat, im kommenden Rasseninferno unterzugehen.

Wir, aber auch die Nachkriegsgeneration vor uns, sind in die Irre gegangen, weil uns jedwede Rechtleitung, alle Orientierung und alle lebensbejahenden Maßstäbe verloren, - aber auch genommen worden sind.

Wenn die Neue Rechte eine Aufgabe hat, dann die, solche elementaren Lebensgesetze 1.) wieder zu erkennen, zu sammeln, neu zu finden, alte zu restaurieren und 2.) ihnen - quasi als stabilisierender Faktor und zur Rechtleitung des Fühlens und Denkens der Masse - wieder zur uneingeschränkten Autorität über das Geistesleben der Deutschen zu verhelfen. Letzteres jedoch dürfte zweifelsohne die schwierigere Aufgabe ergeben, an der die deutsche Rechte bislang noch immer gescheitert ist. Denn an der Suche nach der optimalen `Form´, d.h. der Art und Weise wie diese Lebensgesetze inhaltlich am effektivsten in die Vorstellungswelt der Masse gebracht und dort verankert werden können, an dieser Suche sind die Rechten vor uns alle gescheitert.

Fakt ist, dass mit der Form ein Heilsversprechen, ein Heilspotential generiert werden muß, das den eigentlichen `kalten´ materiellen Ideenkern mit einer Aura von Attraktivität umhüllt und das der Idee zu einem deutlich wahrnehmbaren Charisma verhelfen soll. Ein solches Heilsverprechen soll der Masse Stärke, Kraft, Macht, Sicherheit und Überlegenheit signalisieren, um als entsprechende geistige Alternative im Wettbewerb um die Gunst überhaupt eine Chance zu haben, dass die Masse ihr Aufmerksamkeit widmet.

Denn das muß klar sein: Die Masse zeichnet sich eben eigenschaftlich dadurch als Masse aus, dass sie an inhaltlichen und intellektuellen Fragestellungen und Problemen weder Interesse noch Verständnis hat, geschweige denn dass sie über diesbezügliche geistige Verarbeitungskapazitäten verfügt. Hingegen aber fühlt sich die Masse instinktiv zu allen Zeiten zu solchen Erscheinungen hingezogen - ganz gleichgültig ob diese von materielle oder ideeller Art sind -, die dem Adressaten Kraft, Stärke, Überlegenheit, Auserwähltheit, Männlichkeit, Sicherheit, Freiheit von Furcht und Angst, Geborgenheit, Ewigkeit und Unsterblichkeit - schlicht `Heil´, Glück, Trost -´verheißen/signalisieren. Und dieses Formgesetz muß bei der Gestaltung einer entsprechenden Vorstellungswelt, die materielle Inhalte transportieren und verwurzeln will und die gleichzeitig attraktiv sein soll, unbedingt berücksichtigt werden. Davon bin ich überzeugt.

Heino Bosselmann
24. November 2012 16:13

Sehr geehrter, lieber Th.R., Sie haben das Problem so treffend beschrieben, daß ich dem nichts hinzufügen kann, ausgehend von Ihrer Kernwahrnehmung: "Nun müssen wir uns eingestehen, dass wir wohl eine eben solche Generation sind, die der ewigen Kette unseres Volkes kein neues Glied anfügen und die nichts weitergeben wird, sondern eine, die diese Kette abbricht und beendet." Ich stimme Ihnen zu und komme eher illustrierend mit einer Beobachtung, die ich hier kürzlich schon thematisierte, vielleicht etwas jammervoll. Sie hat nicht mal direkt mir Ihrem so kernigen Beitrag zu tun: Obwohl ich als Lehrer meine drei Fächer geradezu liebe, mich darin lesend und erlebend zu bilden versuche, obwohl ich es stets vermied zu granteln, Schüler zu brüskieren, zu beckmessern, am längeren Hebel zu sitzen etc. etc., bekam ich in den letzten Jahren kaum je einen der jungen Menschen irgendwie inspiriert, motiviert, angeregt. Dieser Eindruck wurde für mich – nicht etwa "pädagogisch", sondern kulturell – immer gespenstischer. Ich weiß, daß es Ausnahmen gibt, ja, aber im Gegesatz zu den Achtzigern, Neunzigern begegneten mir keine mehr. Die Kollegen "machten ihren Job", redlich und gut, wir zogen wie erwartet jeden durch, aber ich stellte innerhalb der mir bekannten Jugend immer weniger Puls, immer weniger Leidenschaft fest. Die Amplituden blieben flach. Kaum Erregung spürbar. Ich galt als "sympathischer Typ". Weshalb? Weil mein Unterhaltungswert ganz passabel war, weil ich etwas zeigte, was man aber sogleich wieder vergaß, um im Befolgen einfacherer Algorithmen zu den üblichen Noten zu kommen. Nichts Subversives, nicht mal jemand frech oder gar aggressiv, nie Widerrede, also auch keine Diskussionen, keine Debatten. Leider flaches, seichtes, sehr ph-neutrales Milieu. Und das angesichts bester litararischer Stoffe! Die Welt immer weit weg, irgendwo da draußen, das Weltbild, obwohl alle Medien stets zur Hand sind, verengt wie die ptolemäische Karte, der Horizont schmal, die Vorstellungen ungenau, die Wünsche von der Werbung und dem Plunder der Privatsender coloriert. Viel Nachahmung, natürlich, auch politisch. Wenig Ortung, kaum Positionen, als Perspektive nur das, was man an Wohlstand so sieht. Früher fuhr ich mit meinen größeren Klassen Rad, durch die Seenplatte, rastend in Herbergen. Die darauf Lust hatten, wurden weniger, und selbst die waren durchschnittlich sogar physisch nicht mehr so gut in Form … Kurz: Ich wußte am Ende überhaupt nicht mehr, wo überhaupt noch Kraft und Leidenschaft liegen. Das regt hier manchen Teilnehmer des Forums auf. Nur normal: Denn wer sich hier äußerst, der sucht ja etwas. Jenseits der "Blauen Narzisse" auf der einen Seite, meinetwegen auch der jungen Linken auf der anderen Seite stelle ich aber gerade in der "Mitte" nichts Regsames fest. Das ist mir unheimlich. - ich danke Ihnen nochmals für Ihre so treffenden Gedanken!

Kurt Schumacher
24. November 2012 20:07

Sehr geehrter Herr Bosselmann, darf ich noch eine Frage stellen? Ist eigentlich alles an Ihrer Schule freiwillig? Ich meine, ich wundere mich. Sie schreiben: "Die Schüler, die Lust zu Fahrradausflügen hatten, wurden immer weniger." - Was heißt denn Lust?! Bei uns damals in der Schule wurde das befohlen. Ein Wandertag oder eine Busfahrt waren niemals freiwillig. Und das war im Westen! Man hätte schon ein ärztliches Attest gebraucht, um sich da auszuschließen, und das kam niemals vor. Die Klassenfahrten für eine Woche waren theoretisch freiwillig, weil sie ja das Geld der Eltern kosteten, aber praktisch haben doch alle mitgemacht. Wie übertrieben liberal ist denn die Schule in den letzten Jahren geworden, oder gilt das "Lustprinzip" nur für die reichen Elite-Schulen? Ebenso bei der Literatur-Liste. Die haben wir ganz einfach von oben zugeführt bekommen, da gab es kein "ich will nicht" oder "Goethe nein danke"....Sicher haben die stumpferen Schüler auch damals gemault, und nicht jeder ist dann im Unterricht zu den tiefsten Deutungen vorgedrungen, aber gedrückt hat sich keiner. Wie denn auch? Die Strafe hätte sich ja sofort in den Noten niedergeschlagen. Ist Ihre Schule ein anti-autoritäres Kuschelparadies? Selbst an der Waldorfschule gibt es Regeln, wenn sie auch schräg sind. Aber Ihre Schule erscheint mir wie ein zuckersüßer Alptraum. Wer nicht gefordert wird, der verweichlicht doch und wird auch nicht gefördert! Da kann der Begriff "Elite-Schule" nur nach USA-Manier definiert werden: als Selbstergänzung der Eliten, sprich: nicht die Schüler werden zu elitärer Leistung erzogen, sondern die Eltern der Schüler *sind* bereits Elite (im NWO-Sinne) und wollen ihren Söhnchen und Töchterchen einen warmen Platz unter ihresgleichen zuschustern. George W. Bush junior ist ja bekanntlich auch auf solche USA-NWO-Elite-Anstalten gegangen, trotz selbst für einen US-Amerikaner erstaunlicher Gehirnleere, und ist trotzdem (oder gerade deshalb) Präsident geworden. Mein Gott, es schüttelt mich! Und solche Zustände haben wir jetzt auch in Deutschland??

Afrikaforscher
24. November 2012 23:01

Tja, 1900.
Grossmacht mit Kolonien in Afrika (die Siedlungskolonien DOA und Südwest; sowie Kamerun, Togo) und in der Südsee (die Partykolonie Neuguinea mit den Marshallinseln, Marianen, Karolinen, Nauru, Palau; und als zweites Südseereich die Perle Samoa).
Und was war der Kardinalfehler nach Bismarck? Dass der Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht verlängert bzw. keine Allianz mit Russland mehr gesucht wurde, und man infolgedessen den beiden Zweigen, dem alten und schon etwas brüchigen und dem jungen starken, der angelsächsischen Hauptkonkurrenz, die Deutschland unten halten wollte und evtl. immer noch will, ziemlich allein gegenüberstand. Diesen Fehler machte sowohl das Kaiserreich ab 1890, als auch das 3. in seiner Überheblichkeit, und ebenso die Bundesrepublik, die 1952 und 1989 nicht auf die russischen Angebote einging, und nun als Cashkuh der bankrotten US-Amerikaner in der Falle sitzt.
Möglicherweise, auch wenn dann wohl der Grossteil des hart erarbeiteten Volksvermögens für Rettungen des angloamerikanischen Casinos draufgegangen sein wird, mit Glück bleibt noch etwas für den Neuanfang, kommt wieder eine Chance auf Erneuerung und Souveränität, wenn Euro und EU auseinanderfallen, und die Besatzungsmacht USA ihre Truppen woanders, vielleicht zu hause, braucht. Und Deutschland sich Verbündete wie Russland und China sucht.
Aber dann ist zumindest der Wille dazu notwendig. Und man muss, wenn man Erfolg haben will, auch den kleinen Leuten sozial etwas bieten, aus dem alternativlosen Niedriglohn/Hartz-4/Ein-Euro-Elend herauszukommen, Heino Bosselmann, Sie erwähnten es. Sonst haben die nämlich zu recht kein Interesse.

Antichrist
25. November 2012 01:44

Wie ich das sehe fehlen hier eindeutig wirksame Strategien um den Zustand absoluter Sinnlosigkeit und der endgültigen Vernichtung zu überwinden. Der nächste logische Schritt nach der Zustandsbeschreibung wäre handfeste Schwachpunkte beim Gegner zu finden und damit meine ich wirklich handfeste konkrete Dinge und kein diffuses Gejammer über Konsum, H4 und McDonalds. Hat man wirklich echte Schwachpunkte gefunden, kann man den Gegner an diesen packen und auf die Matte werfen, von daher: Denkt über den nächsten Schritt nach! Findet Punkte, an denen man wirklich etwas bewirken kann!

exguti
25. November 2012 05:24

"Gespenstisch" - ein treffender Ausdruck, für eine tote Jugend. Jugend? Diese auf ihren sog. Handys herumkratzenden Algen? Der Sinn des Lebens: ein gefüllter Handy-Akku?
Der hehre Versuch, das Fortpflanzen um des Fortpflanzens willen als Lebenssinn zu verkaufen kann nur schiefgehen. Diese Idee ist grundfalsch. Man muß der Sinnlosigkeit des Daseins - ob als Einzelwesen oder Volk - schon offen ins Auge sehen. Denn bei all ihrer Flachheit bzw. gerade aufgrund ihrer Flachheit ist diese allen zumal Konsum-Menschen intuitiv fühlbar. Dann aber wird es natürlich schwierig. Denn dann ist nur noch ein "ausgeträumt Träumen" (Zitat S. Beckett) möglich, ein Spiel. Nach dem aber, wie an der halt populären Kultur deutlich ablesbar (Fantasy-Kram, Computer-Spiele), dennoch eine tiefe Sehnsucht besteht, und durchaus in "nationaler, völkischer" oder wie auch immer Hinsicht.
Überall zitieren die Rechten ohne Ende Nietzsche. Nietzsche ist aber nicht ohne Grund zusammengeklappt, untergegangen, Schopenhauer dagegen nicht. Dem alten Finsterling kann ohnehin nichts und niemand etwas anhaben. Aber wer es nicht irgendwie schafft oder nicht einmal versucht, mit dem Kerl zu leben, der hat schon verloren.

Mauretanier
25. November 2012 09:20

"„Leben mit Krebs“, nein danke."

Sterben mit Krebs?

Heino Bosselmann
25. November 2012 09:48

Sehr geehrter Herr Schumacher, ich bezog mich auf freiwillig zu vereinbarende Wochenendaktionen. Zum anderen: Mit dem Begriff der Elite-Schule habe ich, zumindest was Deutschland betrifft, meine Schwierigkeiten: Bei allen hervorragenden Möglichkeiten, die solche Bezahl-Schulen bieten, erlebte ich sie nur hinsichtlich des Finanziellen als elitär. Ihr Grundproblem: Sie könnten mit ihrer Ausstattung Gegenpositionen zum Mittelmaß der Bildungsansprüche beziehen; sie behaupten dies auch zu leisten, aber eher verstärken sie in sich "den Mainstream". Sie wissen, es geht vor allem um eines, die Lieferung der richtigen "Abi-Schnitte", die den Start in die Karriere nach Elternwunsch ermöglichen, abgesehen davon, daß man gern von der Bezahl-Schule zur Bezahl-Hochschule wechselt. Nebenher wird die Etikette geliefert, werden Netzwerke sichergestellt und wird vor allem ein Menschen- und Weltbild gepflegt, das mit klassisch bürgerlichen Tugenden wenig gemein hat. Als erfolgreich gilt, wer in eine solche Schule eintritt. Für den Abschluß ist gesorgt. Viele meine Schüler meinten: Ich bin doch hier; das wird ja wohl seine Richtigkeit haben. –

Rumpelstilzchen
25. November 2012 11:24

An die Zyniker, Nihilisten, Antichristen.....

Das Dasein in seiner Tiefe wird immer leerer..

"So leer, daß Einer, der gescheit war wie wenige und im Innersten verworren wie kaum einer sonst, erklären konnte, Gott "sei tot".

Ein furchtbares Wort!

Wie es meistens nachgesagt wird, ist es ja nur Gerede, der es aber zuerst gesagt hat, hat damit das Gefühl der Gottesleere, des Alleinseins im Ganz - Fremden ausgesprochen.
Daraus hätte in ihm, der ja doch die Offenbarung vernommen hatte, die Treue gegen den fernen Gott hervorgehen können, er hat aber die Weise seines Fühlens mit Wirklichkeit gleichgesetzt und gesagt, Gott sei nicht mehr.
Nun spricht die halbe Welt es ihm nach. Wenn aber einmal die Zeit kommt - und sie wird kommen, nachdem die Dunkelheit durchgestanden ist - und der Mensch Gott fragt:" Herr, wo warst Du doch damals?", dann wird er wieder die Antwort vernehmen:
"Euch näher als je!"
(Romano Guardini 1953)

Antichrist
25. November 2012 12:31

@Rumpelstilzchen

Außer dem ethnozentristischen Kriegsgott Allah hat in Europa kein Gott mehr die Kraft etwas zu bewegen, das liegt nicht an ihm sondern an dem ethnischen Zusammenhalt, dem Fortpflanzungserfolg und Willen seiner Anhänger, sorry aber es ist nunmal so.

Das christliche Abendland ist tot und es bleibt tot, was wir erleben sind lediglich die Verwesungsstadien seines faulenden Leichnahms. Auf die Frage wie es so weit kommen konnte, muss man sagen das der christliche Gott an dem elendigen Schicksal seiner Gläubigen nicht ganz unschuldig ist. Seine Weltmission, sein kolonialistisches kümmern um den "Primitiven" und seine universalistischen Ansprüche und sein antiethnisches Menschenbild war es, das sich im Kommunismus und ebenso in dem aktuellen Multikulti-Selbstauslöschungswahn spiegelt.

Was wir in unserer von irregeleiteten Gedanken verfluchten Zeit von den USA bis zur polnischen Grenze erleben, ist die Abtötung der eigenen ethnischen Wirklichkeit unter Inkaufnahme dessen, das damit natürlich nicht das Ethnische selbst sondern nur das Unsere verschwinden wird, die Zukunft die dadurch hervorgebracht wird gehört den Rassisten konkurrierender Ethnien, die heute schon geschützt und gefördert werden und unsere dem christlichen Universalismus entspringende Schwäche nicht ganz zu unrecht zutiefst verachten.

In nur 4 Jahrzehnten wurden damit die Schwächen unserer ideologischen Grundformung von uns, unserer universalistischen Art zu Denken und unserer Ideologie selbst geschickt ausgenutzt um uns zu Fall zu bringen und in einen gründlich vollzogenen Untergang zu treiben, der in den Wahnvorstellungen der universalistischen Selbsthasser wie eine andere psychologische Version des muslimischen Paradises mit dutzenden Jungfrauen erscheint.

Wir gehen an einem ideologischen Wahn zugrunde, dessen Wurzel im Christentum verankert liegt, deshalb hat das Christentum mit seinem unterschiedlosen Seelenmodell, das der Kommunismus und die Multikultiideologie prägte und hervor brachte, keine Zukunft und jede Anstrengung es zu retten ist zum scheitern verurteilt, da man damit nur den Quell des Niedergangs in einer unbedeutend winzigen Dimension erhält. Es täte den Christen hier wirklich einmal gut die messerscharfe Analyse des Christentums von Friedrich Nietzsche zu lesen, er zeigt eindeutig die Schwächen und die Mängel dieser Religion und des durch sie gelehrten virtuellen Menschenbildes auf, ein Denken das unser heutiges Elend überhaupt erst ermöglicht hat. Daran liegt es das wir nicht mehr für die Blüte unserer Kultur, unseres individuellen Lebens und unserer Völker arbeiten sondern gegen sie, mit dem Ideal des Gleichen, des Hässlichen und des Niederen, daran liegt es das wir heute sterbende Zellen in einem toten Körper sind.

Rumpelstilzchen
25. November 2012 13:06

Antichrist,
Ihrer Analyse kann ich in jeder Hinsicht zustimmen,geistesgeschichtlich hat das Christentum mit seinem Universalismus den Kommunismus und Multikultiwahn wesentlich mitbewirkt. Nur ..
1. Eine Nutte kann nicht mehr als Jungfrau anfangen.
2. Das ethnische Menschenbild hat aber gerade auch nicht zu einem tausendjährigen Reich geführt, sondern die Ethnien Europas innerhalb von 12 Jahren zerstört.
Was nun mehr Schaden angerichtet hat, sei dahingestellt.
3. Allah wird in Europa überhaupt nichts bewegen, die Masse ist nicht die Klasse. Auch und gerade islamisch wird Europa nicht mehr sein!
4. Deutsche Philosophen müßten, so sie irgendwo im Untergrund vergraben denken an einem philosophischen Modell der Gleichursprünglichkeit von Kollektiv und Individuum arbeiten. Ein paar Deutsche werden vermutlich noch denken.

Ansonsten stellt sich schon die konkrete Frage einer europäischen Politik des Überlebens.

Antichrist
25. November 2012 14:29

@Rumpelstilzchen

Zu 2.: Das war nicht das ethnische Menschenbild sondern das antiethnische, als dessen hypothetische Vorstufe die multikulturelle Gesellschaft von den Linken erdacht wurde. Der antiethnischen universalistischen Idee zufolge sollen in unseren Ländern die Bevölkerungsmehrheiten dekonstruiert werden, um den neuen Europäer zu erschaffen, der vom rassistischen Phänotyp dem imaginierten Welt-Durchschnitt (d.h. Araber + Schwarzafrikaner) entsprechen soll, deshalb beschweren sich zum Beispiel auch Multikulti Ideologen über "weiße Mehrheiten" im Osten Deutschlands und bezeichnen dies als Missstand der beseitigt werden müsse (die Maßnahmen dazu laufen bereits auf vollen Touren). Allah steht dabei bei der universalistischen Grundidee der neuen Linken zwar ebenso auf der Abschussliste wie Jahwe und der Biodeutsche, wird aber durch die übermächtige Wirkung des Dogmas der Positivdiskriminierung ebenso ignoriert wie türkische Faschisten, die "Mein Kampf" lesen. Das ethnische Menschenbild verinnerlicht habten hierzulande nur die türkischen Parallelgesellschaften und Verbände, die eine ethnozentristisch seperatistische Agenda eines Verdrängungskampfes gegen uns verfolgen.

Zu 3. Ich beziehe in meine Gleichung einfach drei Faktoren ein: die islamische Kriegermoral, den ethnischen Zusammenhalt und Antiindividualismus der muslimischen Ethnien und das Wachstum durch die höheren Geburtenraten einerseits und den Zustrom neuer ethnoislamischer Kolonialisten andererseits. Wir haben allen drei Punkten nicht nur garnichts entgegen zu stellen, wir werden durch unseresgleichen auch noch geächtet und aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wenn wir uns nicht wie das wehrlose Gegenteil dazu benehmen. Deren Kultur sagt das sie uns auf die Wange schlagen sollen und unsere (christliche) Kultur sagt uns das wir als Antwort die andere Wange hinhalten sollen, das hat dazu geführt das wir nicht mehr als eine Opfer- und Beutegesellschaft geworden sind. Und wer sich nicht wie eine leichte Beute verhält, über dem wird sozusagen die Reichsacht verhängt, so fesseln wir uns selbst, beziehungsweise wir werden von den Selbstauslöschungsfetischisten unter uns gefesselt. Aus diesem Grund ist Allah zu unserem Leid der einzige Gott, der im Europa des 21. Jahrhunderts etwas bewegen kann, ihm den christlichen Gott entgegen zu stellen würde im Erfolgsfall noch kläglicher enden als das zum Exodus und zur Vernichtung bestimmte Christentum im Nahen Osten. Diese Zustandsanalyse soll freilich nicht zur salafistischen Konvertierung ermuntern sondern für ein besseres Verständnis der Verhältnisse sorgen.

Zu der Frage des europäischen Überlebens: Ich würde da eher auf Osteuropa inklusive Russland setzen, wobei es ohne Fortschritt in die richtige Richtung dort in vier Jahrzehnten ebenso übel aussehen kann wie hier bei uns in Westeuropa. Demnächst will die EU zum Beispiel mit Masseneinwanderung Polen überschwemmen und ich denke das dies ebenso gelingen wird, wie uns in die Selbstauslöschung zu treiben. Wir Europäer bräuchten eine totale und ruckartige ideologische und demographische Umkehr um wenigstens halb Europa halten zu können, aber das ist weit und breit nicht in Sicht, wir sind vollständig umgeben von dem Gegenteil. Keine Minni-Wahlerfolge, keine Texte, keine virtuellen Gegenmedien, keine Organistionen haben auch nur entfernt die Möglichkeit das zu schaffen, ein Lottogewinn währe leider weitaus wahrscheinlicher.

antifa ist profa
25. November 2012 14:43

Hallo,

ich finde das wichtigste für einen selber in dieser Zeit ist gelassenheit- wirklich gelassen sein und geduldig bleiben!

antifa ist profa
25. November 2012 14:55

@ antichrist:

ich frage mich nur gerade, wie schnell es ging das Syrien in einem totalen Bürgerkrieg ausbrach?

Druide
25. November 2012 18:33

@ Antichrist

Dass das Christentum auf die Bergpredigt reduziert worden ist und konsequent falsch verstanden wird, weil beispielsweise die spezifische Situation in der Jesus die Bergpredigt hält, nicht mehr bei ihrer Analyse reflektiert wird, mag stimmen. Das könnte aber auch einfach zeigen, dass der universalistische Aufklärungsmoralismus seit anno knips einfach in die Bibel hineingelesen und seitdem reproduziert wird. Wie ein Virus. (Hans Blühers "Korruptive Gedankengänge") Anders sind christliche Marxisten gar nicht denkbar.

Sie verkennen die Vielschichtigkeit der Heiligen Schrift, wenn Sie die aristokratischen Tendenzen des NT ignorieren. Die Mehrdeutigkeit diverser biblischer Aussagen ist gerade ihre ungeheure Stärke.
Wenn im Vaterunser gebetet wird, unser tägliches Brot gib uns heute, dann erklärt der (verbildete) Pfarrer, dass ja nicht das Brot gemeint sei, sondern die geistige Nahrung. Es ist Mode geworden bei der Interpretation ein Entweder-Oder der Bedeutung festzumachen, worüber dann gelahrte Theologiedisputationen so manchem den Doktortitel eingetragen haben. Es ist meine ganz feste Auffassung, dass die Texte absichtlich so konzipiert worden sind, dass die verschiedenen Bewusstseinstufen zugleich mit einem Text angesprochen werden. Der Hungernde wird also mit dem Vaterunser selbstverständlich für seinen Kanten Brot bitten, während der gleichzeitig betende Philosoph die geistige Nahrung für seine Erkenntnis oder meinethalben das rechte Leben erbittet.

Folgt man also der Annahme, dass die Gleichnisse und Begebenheiten mehrere Bedeutungsebenen bereithalten, vielleicht eine für den Pöbel, und eine für die echten Königskinder unter den Völkern, dann könnte man eher sagen, der Mangel an Christentum unter den akademisierten Priestern ist das Problem. Sie verstehen unter dem Einfluss von Deismus und anthropologischen Aufklärungsaxiomen ihre eigene Schrift nicht mehr zur Gänze!.

Im Übrigen gelten im Christentum recht verstanden auch die Völker/Ethnien als Teil der göttlichen Schöpfungsordnung und sind selbstredend zu hegen. Also auch hier ein grundsätzlicher Einwand gegen ihre, sehr eindringliche und bewegende, aus meiner Perspektive aber oberflächlich-empirische Analyse.

Nun könnte man auch noch auf die gegenwärtigen lehramtlichen Floskeln vom Verhältnis der Christen zu ihren "älteren Brüdern und Schwestern" eingehen und diese mit Jesusworten und frühreren Positionen vergleichen, aber das sprengte den Rahmen.

Um in herkömmlichem christlichen Duktus zu schließen, scheint mir die ganze christliche Lehre heute verkürzt und satanisch umsponnen. Dieser Umstand ist genauso Signum der geistigen und zunehmend auch physischen Bedrängnis Europas und seiner Völker, wie andere Dinge auch.
Ich bin Christ geworden, obwohl ich das Elend der Amtskirchen sehe. Denn auch die ecclesia ist eine ideele Gemeinschaft mit allzuirdischen Abbildern.

Gruß

Paracelsus
25. November 2012 20:20

Ich teile die Sorge um den geistigen Zustand dieses Landes, den Zustand der veröffentlichten Meinung und erlebe täglich geistige Not mit den überquellenden Lügen über Geschichte und Gegenwart.
Dennoch - die Untergangsstimmung ist eine schlechte Basis für das Tun des Rechten.
Mir wurde tröstlich der Gedanke daran, in welcher politischen Situation das Volk Israel war, als die Messias-Prophezeiung in der Geburt, dem Leben und Tod Christi in Erfüllung ging.
Äußere politische Freiheit ist nicht notwendig, damit sich weltwendendes Gotteshandeln in einem Volk verwirklichen kann.
Christliches Abendland ist nicht der einzig mögliche Zustand, in dem sich die Christusverheißung auch weiterhin erfüllen kann.

Was die aus der Analyse folgenden Taten betrifft, so kann die Analyse durchaus den Schluss beinhalten, dass der Feind übermächtig ist und Handeln gegen ihn tödlich.

Fenris
25. November 2012 20:31

2. Das ethnische Menschenbild hat aber gerade auch nicht zu einem tausendjährigen Reich geführt, sondern die Ethnien Europas innerhalb von 12 Jahren zerstört"

Was zur Zerstörung der europ. Ethnien in besagten 12 Jahren geführt hat, waren wohl weit eher die selben globalkapitalistischen Interessen welche noch heute diesem ethnischen Menschenbild entgegenstehen.

Der Gegner ist derselbe.

Ein maximal überdehnter Koloß, selbst wankend, der uns den Todesstoß versetzen will.

Stellen wir ihm doch ein Bein...

niekisch
25. November 2012 20:33

Etwas Spaß muß sein:

https://diskuswerfer.wordpress.com/2012/11/25/den-fahrstuhl-hoch/

Th.R.
25. November 2012 21:40

@ Herr Bosselmann

Hallo, Herr Bosselmann, vielen Dank für Ihre Worte, auch ich kann Ihren Ausführungen nur vollumfänglich zustimmen. Die Zeit, in der wir leben, ist zweifelsohne eine Zeit des Verfalls und des Niedergangs, und die Zeichen eines sich anbahnenden völligen Zusammenbruchs mehren sich.

Die Frage ist doch, wo die Kraft liegt, oder was eine solche Kraftquelle sein könnte, die imstande wäre, uns vor der sich abzeichnenden Katastrophe zu retten. Auf (neue) Parteien und (neue) Politiker zu hoffen, das wäre unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die wir mit diesen gemacht haben, naiv. Eine Rettung wird von diesen ganz sicher nicht kommen.

Die Ursache unseres Niedergangs ist ein Mangel an vitalen, lebensbejahenden Ideen, soll heißen eine klaffende inhaltliche Leere in unser aller Geistes- und Seelenleben. Uns Deutschen fehlt eine zentrale Leitidee von höchster Autorität, die tief in der Vorstellungswelt der Masse zu verankern wäre und die jedem Einzelnen als zentrales Axiom zur Erlangung individuellen Seelenheils den Imperativ zum Selbsterhalt, den Willen zum Leben, zur Macht und zum Herrentum verbindlich auferlegen müßte. In unserer Lage stünde uns eine Art `germanischer Islam´ gut an. Der `Antichrist´ hat die ganze Problematik sehr gut dargelegt, und ich stimme ihm hierin voll zu!

In letzter Zeit schaue/höre ich mir immer wieder gerne auf youtube die `Hasspredigten´ des Herrn Ibrahim Nagie an (Der Mann hats wirklich gut drauf, das muß man ihm zugestehen). Nicht jetzt aus dem Grunde, dass ich Moslem wäre, aber ich finde es interessant zu sehen bzw. fühle geradezu eine Pflicht darin, zu erkunden, wie denn die anderen es anstellen, ihren Laden geistig zusammenzuhalten und geistig zu führen. Da darf man sich nicht zu stolz sein, beim Gegner zu studieren, denn schließlich funktioniert bei denen die Führung der Masse durch Suggestion, und bei uns eben nicht.

Anne Galinat
26. November 2012 08:39

Folgenden Text exzerpierte ich bereits am Sonnabend in der Uni-Bibliothek. Er zeigt die Tragweite, wohl auch die in der Euphorie liegende Fragwürdigkeit des erwähnten Hoddis-Textes. Wie man auch dazu stehen mag, so floss damals in der intellektuellen Jugend wohl tatsächlich Strom:

"Auch die kühnste Phantasie meiner Leser würde ich überanstrengen bei dem versuch, ihnen die Zauberhaftigkeit zu schildern, wie sie dieses Gedicht ‚Weltende’ von Jakob van Hoddis für uns in sich barg. Diese zwei Strophen, o diese acht Zeilen schienen uns in andere Menschen verwandelt zu haben, uns emporgehoben zu haben aus einer Welt stumpfer Bürgerlichkeit, die wir verachteten und von der wir nicht wußten, wie wir sie verlassen sollten. Diese acht Zeilen entführten uns. Immer neue Schönheiten entdeckten wir i diesen acht Zeilen, wir sangen sie, wir summten sie, wir murmelten sie, wir pfiffen sie vor uns hin, wir gingen mit diesen acht Zeilen auf den Lippen in die Kirchen, und wir saßen, sie vor uns hinflüsternd, mit ihnen beim Radrennen. Wir riefen sie uns gegenseitig über die Straße hinweg zu wie Losungen, wir saßen mit diesen acht Zeilen beieinander, frierend und hungernd, und sprachen sie gegenseitig vor uns hin, und Kälte und Hunger waren nicht mehr da. Was war geschehen? Wir kannten das Wort damals nicht: Verwandlung. (…) Alles, wovor wir sonst Angst oder Schrecken empfanden, hatte jede Wirkung auf uns verloren. Wir fühlten uns wie neue Menschen, wie Menschen am ersten geschichtlichen Schöpfungstag, eine neue Welt sollte mit uns beginnen, und eine Unruhe, schworen wir uns, zu stiften, daß den Bürgern Hören und Sehen vergehen sollte und sie es geradezu als eine Gnade betrachten würden, von uns in den Orkus geschickt zu werden.“ (Johannes R. Becher, Expressionismus) – Dass Becher später vom begeisterten Expressionisten zum erweckten Sozialisten wurde – ja, ich weiß.

Rumpelstilzchen
26. November 2012 08:49

Antichristen und Restchristen,

Jetzt geht es endlich mal ans Eingemachte

Vitale Ideen brauchen vitale Männer, Herrentum, germanischen Islam aha,
Ich schicke Euch wie die Schafe unter die grauen Wölfe ?
Nix Dionysos gegen Mohammed, sondern Mohammed gegen den Gekreuzigten. Weltenwendendes Gotteshandeln und weltenendendes Menschenhandeln. "Wenn Khader nicht unser Bruder sein kann, kann Hatun auch nicht unsere Schwester sein", wenn "Beate nicht unsere Schwester sein kann, kann Onur auch nicht unser Bruder sein."
Die Linke ist am Ende und die alte Rechte ist am Ende.
Jesus spricht:
Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Bis heute scheiden sich an ihm die Geister.

Kurt Schumacher
26. November 2012 11:54

@ Rumpelstilzchen

Sie scheinen mehr Massenmedien zu konsumieren als ich. Auf welche Personen spielen Sie bitte an - oder sind es Fantasienamen? "Beate" konnte ich mit Müh und Not als "Beate Zschäpe" identifizieren, deren reale Existenz so ähnlich wie die Osama bin Ladens immer wieder angezweifelt wird. Manche nennen sie deshalb auch "das braune Phantom". Bei "Onur" kam Google mit einer BILD-Schlagzeile: "Der Messerkiller vom Alexanderplatz". Ein Türke, der einen Vietnamesen erstochen hat. Tja. Und weiter? Aber wer sind "Khader" und "Hatun"? Ich kenne Kader Loth, "das Tittenluder von der Alm" (wieder führte mich Google zur BILD). Und Hatun? Nie gehört, liebes Rumpelstilzchen! Ach, was kennen Sie nur für Leute...?

Rumpelstilzchen
26. November 2012 13:36

@ schumacher
War doch ein leichtes Rätsel:
der fiktive Khader der generation identitaire und die reale Hatun Sürücü....

Kurt Schumacher
26. November 2012 16:59

@ Rumpelstilzchen

zu Khader: Ich hatte mir den Namen nicht gemerkt, hatte die Debatte um die Identitären für mich selbst eher auf Deutschland bezogen / und zu Hatun Sürücü: hab ich eben gegoogelt, Ehrenmord, ach so. Das Thema ist mir natürlich bekannt (man kann sich ja den Nachrichten nicht ganz verschließen), aber ich muß gestehen, die Namen solcher Leute merke ich mir nicht.

Trotzdem danke für die Aufklärung!

Weltversteher
27. November 2012 20:02

Sehr geehrter Herr Bosselmann,
Es wäre vermutlich wertvoll, wenn jemand wie Sie auf dem "Bildungskongreß" in Berlin aus der Schule plauderte. Ich habe den Eindruck, das jetzige Programm theoretisiert eher einen Bildungsgedanken, der lange verflossen und vielleicht wieder herbeizuwünschen wäre.
Es müssen (!) aber heute unsere Kinder in die besagten Schulen gehen. Das geht so oder so nicht spurlos an ihnen vorbei.
Ich fürchte, die scheußliche Tragweite dieser Umstände für unser Volk ist vielen nicht plastisch genug bewußt. Es wird ja dort nicht etwa nur "nicht erzogen" und "nicht gebildet", es wird vielmehr umerzogen und verbildet.

Antichrist
1. Dezember 2012 17:33

Ich kann es nur wiederholen, "der Gekreuzigte" hat uns erst die Gehirnwäsche (eine geistige Software mit vielen Angriffspunkten für Trojaner) verpasst, durch die wir heute in unseren Untergang trudeln. Der "Gekreuzigte" ist gegen Mohammed einen Dreck wert. Wie diese Konfrontation aussieht, können wir an den Christen im Nahen Osten betrachten, ethnisch bedrängte kleine Inseln im islamischen Menschenmeer, isoliert und diskriminiert, aussterbend und in der Existenz bedroht, täglich Gewalt und Vergewaltigung ausgesetzt, unter existenziellem Dauerstress stehend und wie im Irak zur völligen Auslöschung getrieben, es ist besser garnicht zu leben als so zu leben.
Das Christentum hindert uns daran frei und groß zu denken, es diszipliniert unsere Gedanken zu denen von Schlachtvieh. Wir müssen identifizieren wie sehr die christliche Gedankensoftware unser Denken verbiegt und uns statt einer Ethik des Hässlichen, eine Ethik des Erstrebenswertem zulegen, wenn man so will die eines Übermenschen, ein überlegener Geist der es vermag die Programmierung zu löschen und uns aus dem selbstverschuldeten Elend zu führen. Leider sehe ich dafür weit und breit keinerlei Anzeichen, ganz im Gegenteil, ob PI oder Sezession, überall setzt man auf die Karte des christlich Konservativem, dessen was in den 50gern die totale Macht in der BRD inne hatte und im Laufe von Jahrzehnten jämmerlich zugrunde gegangen ist. Ist es wirklich sinnvoll dem christlich-konservativen Irrweg weiter zu folgen, wo er doch sichtbar zu nichts führt? Ich schaue mir die Realität an und sage nein.

Th.R.
1. Dezember 2012 20:35

@ Antichrist

"Wir müssen identifizieren wie sehr die christliche Gedankensoftware unser Denken verbiegt und uns statt einer Ethik des Hässlichen, eine Ethik des Erstrebenswertem zulegen, wenn man so will die eines Übermenschen, ein überlegener Geist der es vermag die Programmierung zu löschen und uns aus dem selbstverschuldeten Elend zu führen. "

Antichrist, sei dir gesagt, dass Du in diesem Denken nicht alleine bist. Vielleicht wirst Du mir keinen Glauben schenken, aber ich versichere Dir, dass es genau dieser Gedanke ist, der mich seit nunmehr bestimmt 8 Jahren vollständig vereinnahmt hat. Es ist so ziemlich das erste, woran ich denke, wenn ich früh aufstehe, und das letzte, woran ich denke, wenn ich abends Schlafen gehe, und auch nachts träume ich oft davon. Denn davon bin ich vollständig überzeugt: Dass der Schlüssel zur Lösung all unserer Existenzfragen und aller Probleme unseres Daseinserhaltes allein in der Erschaffung und Durchsetzung einer neuen Vorstellungswelt liegt, deren zentrales inhaltliches Axiom die Erhaltung der weissen Rasse sein soll und die nur über klassisch religiöse Formen, die sich bewährt haben, herbeigeführt werden kann, damit unser Denken und Fühlen endlich in entsprechend gesunde Bahnen gebraucht wird.

Zum selben Thema gab es auf Altermedia vor einiger Zeit eine spannende Diskussion. Auch ich habe dort im Kommentarbereich einige Anmerkungen beigesteuert. Falls es dich interessiert, dann suche im Archiv nach "Carlos Dufour - Über Dr. Clemens‘ „Christentum und Nation“ (Teil 2/2)".

Kurt Schumacher
1. Dezember 2012 21:08

@ Antichrist

Wieso nennen Sie sich eigentlich "Antichrist" und nicht "Anti-Islamist"? In jedem Ihrer Kommentare singen Sie das Lied der "armen verfolgten Christen" in den islamischen Ländern. Warum eigentlich? Ich dachte, Sie sind gegen das Christentum? Dann müßte Ihnen das doch nur recht sein?!

Außerdem geht uns als weiße Europäer das gar nichts an, wenn die Farbigen sich in ihren eigenen Ländern um irgendwelche Glaubensstreitigkeiten umbringen. Iraker ist Iraker. Was schiert mich das, ob er ein "Christ" ist? Ich bin Deutscher. Mit einem Iraker verbindet mich gar nichts.

Hesperiolus
1. Dezember 2012 22:50

@ Antichrist

Ich meine, da tuen sie "dem" Christentum Unrecht, vermutlich von nietzscheanisch-epigonaler Warte aus. Ärgert mich immer, wie wenig zumindest die Spenglersche Unterscheidung von "magischem" und "faustischem" Christentum bei Rechten eingegangen ist. In der Tat bietet die "christliche" Gegenwart ein jämmerliches Szenario und entschuldigt manche Aufwallung. Davon aus, in großem Bausch und Bogen, eine (erloschene) Wesenskraft unserer Kultur zu, ja hier muß dieses Wort gebraucht werde, zu besudeln, stösst mich allerdings ab. Ich antworte ausnahmsweise, weil die "Hinderung, frei und groß zu denken" auf die faustische Kultur und abendländische Geschichte nun am allerwenigsten passt (Weltraum vs. magische Höhle). Unbenommen persönlicher Idiosynkrasie.

Rumpelstilzchen
3. Dezember 2012 09:52

Oswald Spengler singt gerade nicht(!) das hohe Lied der weißen Herrenvölker im nationalistisch- ideologischen Sinne. Wenn er von der Tragödie jeder Hohen Kultur spricht, meint er nämlich jede hohe Kultur.

"Er hat radikal gebrochen mit dem europazentrischen Hochmut, der Babylon, Ägypten, Altchina, die Antike und den Islam nur als Vorläufer ...der eigentlichen Weltgeschichte, die vom Mittelalter zur technischen Zivilisation führe, betrachtet hat.....Aus dem Wissen um die letzthinnige Vergeblichkeit und Sterblichkeit aller ! Kulturen...verkündete er vielmehr eine Haltung heroischen Ausharrens und stoischer Unerschütterlichkeit....
Und eben dies ist groß: wissend, dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird, dennoch mit Würde die Pflicht des Tages zu erfüllen, auch angesichts des unvermeidlichen Untergangs - nicht nur des Abendlandes, sondern aller Kulturen - nicht in Panik zu geraten oder sich in Selbstbemitleidung zu begeben."
( aus Gerd Klaus Kaltenbrunner, Europa seien geistigen Quellen).

Kurt Schumacher
3. Dezember 2012 12:09

@ Rumpelstilzchen

Jein.... ich habe ja auch Spengler gelesen. Spengler schreibt in "Jahre der Entscheidung" sehr wohl von nordischen Herrenschichten. In diesem Werk definiert er die farbigen Völker auch vom germanischen Standpunkt. Südfrankreich, Süditalien, der ganze Balkan ohnehin, und die slawische Welt jenseits der deutschen Ostgrenze. Ich habe die Taschenbuchausgabe aus den 1960er Jahren, und da steht im Vorwort (von Hilde Kornhardt, seiner Nichte, Tochter seiner gleichnamigen Schwester): "Asien beginnt heute am Brandenburger Tor." - Das ist eindeutig.

Spengler sah zwar in visionärer Schau Aufgang, Blüte und Untergang aller Kulturen der Weltgeschichte - aber er blieb trotzdem Deutscher. Und im Vorwort zum "Untergang des Abendlandes" von 1917 schreibt er unmißverständlich, daß er sich für den Sieg der deutschen Waffen einsetzt. - Untergang des Abendlandes ja, aber vorher ein großgermanisches Europa.

Trotzdem war er gegen die Rassenlehre des Nationalsozialismus; in "Jahre der Entscheidung" verhöhnte er sie als "Zoologie". Ich zitiere aus dem Gedächtnis: "Wer zuviel von Rasse spricht, hat keine mehr. Entscheidend ist die starke Rasse, die man in sich fühlt, nicht eine fragwürdige Reinheit des Blutes. Das eine ist Ethos, das andere ist Zoologie."

Ich muß allerdings zugeben, daß es meine geistigen Kräfte übersteigt, Spengler bis in die letzten Begründungen vom Nationalsozialismus, vom konservativen Nationalismus, vom italienischen Faschismus abzugrenzen (Spengler war ja uneingeschränkter Bewunderer von Mussolini, aber Hitler stand er zwiespältig gegenüber)...ein weites Feld!

Aber seine standhafte Haltung war ganz bestimmt kein bürgerlich-leeres "Weiter so, Deutschland" nach CDU-Manier, sondern eine Selbstüberwindung ungeheuren Ausmaßes. Wenn man "Eis heauton", sein privates Tagebuch gelesen hat, wo man den geheimsten Spengler kennenlernt, bekommt man es geradezu mit der Angst zu tun!

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