Sezession
29. November 2012

Identitäre Basisarbeit (5): Der Tanz als inneres Erlebnis

Gastbeitrag / 38 Kommentare

von WIGGO MANN

Es ist ein kalter und feuchter Novemberabend in Wien. Die Universität dämmert unter dem grauen Himmel vor sich hin. Langsam löschen die Lichter in ihren Fenstern. An den Mauern der Alma Mater drücken sich paar junge Leute entlang. Ihr Nervosität ist offensichtlich.

Einer trägt einen großen unförmigen Sack, der andere eine Tasche, aus der ein Plakat ragt. Sie betreten das Gebäude durch den Hintereingang. Aufgeschreckt zucken sie zusammen: Eine Tür fällt irgendwo schwer ins Schloss. Man ist auf feindlichem Territorium. Nervös nestelt einer in seinem Sack. Ein Strauß an Masken kommt zum Vorschein, ein CD-Spieler, eine Fahne. Mit zittrigen Fingern werden Schnipsel verteilt, nervös gezischte letzte Anordnungen und dann geht es los.

Mit übergezogenen Masken verfällt die Gruppe in Laufschritt. Ihr Ziel ist ein kleinerer Hörsaal im Ostflügel, in welchem gerade der in Österreich namhafte “Rechtsextremismusexperte“ Andreas Peham seinen Text vorträgt. Den identitären Aktivisten ist er gut bekannt. Wütend und amüsiert hatte man sich am Stammtisch über seine Tiraden gegen die Gruppe, echauffiert. Das Vortragsthema ist klar. Es geht um Rechtsextremismus und neue „Tarnstrategien“. Peham will die junge, identitäre Bewegung gleich präventiv mit der NS-Keule erschlagen.

Nur wenige Studenten sind dem Rufe gefolgt, wie es die Informanten im Saal vorher noch per SMS zugetragen haben. So oder so, die Masken sind auf, jetzt gibt es ohnehin kein zurück mehr. Der rotzige Bass aus dem Getthoblaster zerreißt die akademische Stille, sie reißen die Tür auf und treten ins Licht und Stimmengewirr, das aus dem Hörsaal dringt.

Dann geht alles ganz schnell: Die Lambdafahne wird gehißt, ein Regen an bedruckten Papierschnipseln geht auf die Zuhörer nieder. Die unmißverständliche Botschaft, die sich auf Pehams bissige Aussagen über den identitären Tanzsstil bezieht, lautet: „Besser schlecht tanzen als Scheiße reden!“

 

Der Vortragenden verliert sofort die Contenance und stürzt, wie von Sinnen, mit den Händen fuchtelnd, auf die Eindringlinge los. Er schreit, strampelt, tritt nach ihnen, wirft mit seiner Wasserflasche, während sich die Identitären lachend und feixend aus dem Staub machen. Man war da und hat gezeigt, daß jeder mit solchen Aktionen rechen muß. Mehr wollte man nicht.

Das Ganze ereignete sich vor rund 2 Wochen und ist eine von vielen ähnlichen Aktionen die sich in Wien in letzter Zeit häufen. Erst am Mittwoch, den 28. November, kamen die identitären Tanzguerillas wieder zum Einsatz und stürmten in aller Herrgottsfrühe in ein Protest-Zeltlager, das von linksextremen „No-Border No-Nation“ Aktivisten und aufgehetzten Asylanten aufgemacht wurde. Ziel war, die versammelte Gemeinde mit Hardbass-Rhytmen zu wecken. Wieder das blitzartige Auftauchen, die Papierschnipsel und das ebenso rasche Verschwinden.

Die sogenannten „Hardbass-Flashmobs“ scheinen zum fixen Bestandteil der identitären Protestkultur geworden zu sein. Das nicht nur zur Freude vieler konservativer Beobachter, welche die Aktionsform als stil- und einfallslos abtun. Ja, man ortet in ihr sogar jene postmoderne Beliebigkeit, die Martin Lichtmesz unlängst der Lambda-Bilderflut im www attestierte, welche die identitäre Generation, mehr zum Symptom des, als zum Panaceum für den Zeitgeist machen könnte.


 Gastbeitrag

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Kommentare (38)

Weltversteher
29. November 2012 07:13

Man beachte, daß die hier geschilderten Gestalten bei ihren Einsätzen anscheinend schneller verschwinden als sie gekommen sind. Und zum Trost: Man war ja da.
Natürlich, als Mutprobe und zum Aufwärmen aus dem Dauerschlaf ist das völlig in Ordnung. Auf die Dauer macht es aber den Eindruck von kleinen Wänstern, die bei großen Jungs die Nervensäge spielen, hinter der Ecke pupsen, mit Papierkügelchen werfen und sich abkichern. Hoffen wir, daß es nicht dabei bleibt.

Raskolnikow
29. November 2012 07:59

"Wer mit Ungeheuern kämpft,
mag zusehn, dass er nicht
dabei zum Ungeheuer wird."

(Unser aller Lieblings-Fritz)

Lieber Herr Fosfer,

betreten Sie nicht nur die Bühne, die Ihnen ohnehin bereitet ist? Bewegen Sie sich etwa nicht an der Longe? Sie halten doch die rechte und linke Grenze (nicht politisch sondern militärisch gesprochen) fein säuberlich ein? Ich verstehe die "Provokation" nicht ...

Schon die selbst auferlegte Zeitgemäßheit ist eine brave Arschkriecherei, die nach saturierten Jung-Akademikern aus gutem Hause riecht. So ein bißchen böse sein, aber immer noch so lieb, dass die Co-Studentinnen den Co-itus in Betracht ziehen ... Alter, diese Zeit ist die beschissenste und niederträchtigste seit (... bin mir nicht ganz klar, seit wann ...)! Gemäß zu sein, wäre das Letzte, das mir dazu einfiele!

Und den Zweck, formulieren Sie doch bitte mal einen Zweck! Mir ist das alles schleierhaft. Eine wohlwollende Neutralität bringe ich Ihnen gerne entgegen, auch wenn Sie auf diese hoffentlich keinen Wert legen, aber was bezwecken Sie denn nun? Die Störung eines drittklassigen "Experten"? Ich bitte Sie!

Wenn es Ihnen um einen Wohlfühlaktionismus geht, so eine Art rechter Ablasshandel, dann könnte ich mir das erklären, aber so ...

Ich stelle mal die steile These auf, dass die Kommentatoren in hiesigem Netztagebuch mit ihrem Papierpfeilen mehr "bewirken", wie obbesagte Hopsereien. Könnten Sie das widerlegen?

Bis dahin kann ich mit ihnen allen ewigen Kritikastern, die aus den Höhen intellektueller Eitelkeit ihre Papierpfeile auf sie schießen nur existenzialistisch entgegenhalten:

Technisch-stilistische Anmerkung: Vielleicht sollte in Betracht gezogen werden, dass der Verfasser eines Kommentars hier bei SiN sich nicht in dieser Erscheinung erschöpft. Eventuell tut er auch etwas, oder Vieles und, wer weiß das schon, möglicherweise verschießt er nicht NUR sondern AUCH digitale Papierpfeile ... Diese unterste Form des Abstraktionsvermögens sollte man von einer "modernen", offenbar stark "internet-basierten Bewegung" erwarten können.

Hinter "Rumpelstilzchen", "Weltversteher", "Schuhmacher" oder "Th.R." verbirgt sich, das ist meine Hoffnung, ein Mensch, der viel mehr ist ... (Einzige Ausnahme bin ich; mehr als ein "Raskolnikow" (-Minor) vermag ich in meiner Tatenabstinenz nicht zu sein. Schon mein gewaltiger Embonpoint hindert mich an jeder "Aktion" und diese identitistische Art von "Tanz" ist ohnehin undenkbar.)

Frisch soigniert,

R.

Nachtrag: Ich konnte mich aufraffen, eben dreimal um mein Haus zu hinken. Dabei murmelte ich immer wieder "Sezession lesen! Laphroaig trinken! Cohibas rauchen!" Ich erkläre das hiermit zu einer systemkritischen Aktion; lassen Sie das gelten? Wenn nicht, versuche ich es heute Abend mal mit identitärem action-painting!

Toni Roidl
29. November 2012 08:14

Hervorragend! Jeder identitäre Hardbass-Flashmob ist zehnmal mehr wert, als jeder Online-Kommentar! Machen, machen, machen!

Kurt Schumacher
29. November 2012 08:35

Flashmobs sind als postmoderne Aktionsform, wenn man so will, unpolitisch. Jeder kann sich ihrer bedienen. Es gibt "Kunst"-Flashmobs (das bekannte "Einfrieren" auf USA-Bahnhöfen), Werbe-Flashmobs (wie vor, nur mit einem Markennamen als Sponsor), politische linke Flashmobs, jugendliche Spaß-Flashmobs (Sylt-Fahrt, Facebook-Party), Konsum-Flashmobs (1000 Jungen treffen sich bei McDonald's, um einen Burger zu essen, oder wahlweise 1000 Mädchen treffen sich bei - hab den Namen der Ladenkette vergessen-, um ein rosa T-Shirt zu kaufen)....und heute gibt es eben auch rechte Flashmobs. Dafür muß sich niemand entschuldigen. Die Linken sind eben nur so engstirnig, daß sie denken, sie hätten alles "Kuhle" und Spontane für sich allein reserviert!

Rumpelstilzchen
29. November 2012 09:55

Begebe mich an meine identitäre Hausarbeit, zunächst mit dem Wischmob.
Dann geht es an die Weihnachtsbäckerei, für das Buttergebäck benutze ich heuer die Lambdaausstechförmchen. Hoffe, das gibt nicht so viel Bruch.

N. N.
29. November 2012 09:57

Ich hätte gerne gesehen wie der werte Herr Peham vulgo Schiedel, selbsternannter Doktor, ehemaliger (?) Kommunist und „Rechtsextremismusexperte“, die Nerven verliert.
Ich befürchte nur, dass das DÖW bald ein, von einem “Experten“ erstelltes, Gutachten präsentiert, in dem auf biegen und brechen versucht wird darzulegen, das die Identitäre Bewegung in Österreich gegen das Verbotsgesetz verstößt. Da wird dann auch die fünfzigste Distanzierung der Identitären vom Nationalsozialismus nichts nutzen, wenn das Establishment zum Angriff bläst.

Die Bezeichnung „drittklassiger Experte“ mag zwar zutreffen, allerdings sollte der Einfluss des DÖW auf die Politik in Österreich nicht unterschätzt werden.

Gunnar
29. November 2012 10:13

Die Hardbass-Provokation ist eben keine radikale Abkehr von der üblichen Aktion nationaler Gruppen:

https://www.youtube.com/watch?v=ZJg-oiCMSt4

https://www.youtube.com/watch?v=xXyWk7DvhGI

Denn gerade die nationalen Jugendbewegungen nutzen diese Form der Aktion schon seit einiger Zeit, wobei der Schwerpunkt und die Herkunft vermutlich in den osteuropäischen Staaten zu verorten ist. Auch "namenhafte" Kapellen wie Outlaw Heroes Standing bedienten sich bereits vor geraumer Zeit diesen Ausdrucks. Aber auch den spanischen "White Boys" ist das nicht fremd.
Folglich erachte ich es auch als völlig verfehlt, zu behaupten, man sprengt vermeintlich "alte Muster".

T.
29. November 2012 11:15

Ich stehe diesen Tanzeinlagen wohlwollend gegenüber. Es gilt die Masse im Zeitgeist abzuholen und sie zur Kultur, zum Volk hinzuführen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die breite Masse mit vernünftiger Propaganda nur mehr äußerst schwer zu erreichen ist. Fallen gewisse Schlagwort - die nun einmal fallen müssen -, werden die Scheuklappen heruntergefahren. Ein "Flashmob" (gibts dafür denn kein deutsches Wort?) hat "leicht verdauliche" Botschaften, welche zu weiterem Interesse anregen. Es ist wie mit einem Fisch im Aquarium: man wirft ihn nicht rein, sondern führt ihn schrittweise zum "Neuen".

Der Fehler wäre aber, den Anderen abholen zu wollen, und dann bei ihm stehenzubleiben. Wir haben nichts mit dem dekadenten Zeitgeist zu tun, wir wollen Kultur statt Mode, Volk statt One-World, Europa statt Einheitsbrei. Die Identitäre Bewegung (und ich meine nicht die regionalen Gruppen) ist jedoch davon abgekommen, sich auf diesen wesentlichen Punkt zu konzentrieren.

Sie wittert in antifaschistischer Manier gegen alles, was nicht so modern daherkommt. Dabei sind unsere Gegner nicht bei den Rechten, sondern bei den Linken zu finden. Den Nostalgikern gilt es klarzumachen, dass jede Zeit ihre Symbole und ihre Anschauungen hat und wir für unsere Zeit Symbole und Anschauungen finden müssen. Alte Anschauungen müssen historisiert werden - und das ist längst überfällig. Es gilt nicht - wie die Linken - ein Phänomen, das in dieser Weise ein Konstrukt der Umerziehung ist, künstlich auch noch am Leben zu halten.

Das war auch damit gemeint, dass nach Innen eine Selektion durchgeführt werden muss und nicht nach Außen. Teilt das rechte Lager nicht noch weiter, sondern seid eine integrative Kraft. Nicht Distanzieren, sondern Überzeugen lautet das Schlagwort. Die Asozialen sollen sich nicht weiter hinter der Maske der Radikalität verstecken können. Dann wird es auch gelingen, jenseits von "political correctness" und Nostalgie eine deutsche, zeitgemäßge Weltanschauung zu finden.

Also holt die Masse ruhig ab, führt sie aber auch hin zu einem neuen Bewusstsein.

gerd B.
29. November 2012 11:52

Mit zittrigen Fingern Schnipsel verteilen?
Das erinnert mich an die Weisse Rose!

Raskolnikow
29. November 2012 12:23

"Den Nostalgikern gilt es klarzumachen, dass jede Zeit ihre Symbole und ihre Anschauungen hat und wir für unsere Zeit Symbole und Anschauungen finden müssen."

Aha, das müssen wir also? Jede Zeit hat ihre Anschauungen? Oh, Mann, genau das sind die metapolitischen Axiome, die von all den Rebellen und Revolutionären nie hinterfragt werden. Und das nachdem wir in Deutschland im letzten Jahrhundert ganze fünf "neue" Anschauungen der jeweiligen Zeit erlebt haben. Vielleicht sollte man sich mal auf die Dinge konzentrieren, die schon immer richtig waren. Das ist eben nicht Nostalgie sondern die Zukunft, aber das scheint in so zeitgemäße Hirne nicht mehr reinzugehen ...

Das Neue als Selbstzweck, tiefer kann eine Kultur nicht mehr sinken. Naja, unsere Vorfahren waren eben allesamt Idioten, die vor Bäume gelaufen sind ...

Kurt Schumacher
29. November 2012 12:23

@ T.

Eine griffige deutsche Übersetzung von Flashmob würde ich auch begrüßen. Nur wie? Das Wort hat (wie so vieles aus Amerika) nur 2 Silben; das ist im Deutschen sehr schwer. "Blitzkrieg" fällt mir spontan ein; "flash" heißt ja auch "Blitz". Ja, man könnte "flashmob" mit "Blitzkrieg" übersetzen; die Frage ist nur, ob man damit kein Eigentor schießt. Das klingelt ja sofort das "Nazometer". Und "mob" heißt unter anderem "Pöbel" (auch "Gruppe" oder "Zusammenrottung")...das wollen wir ja nicht auf uns beziehen, oder? Die Amerikaner mit ihrem kindlichen Gemüt sind da weniger heikel. Oder wie wäre es mit "Blitzspaß"? Ein Flashmob ist ja ein blitzartig einsetzende Spaß-Aktion. Blitzspaß läßt sich aber schwer aussprechen, wegen der quasi "slawischen" Zischlaute. "Kurzschriftler, grauslig, das klingt ja wie Tschechisch", meinte mal jemand im Tischgespräch und schloß, "da bleiben wir lieber bei Steno."

Also bleiben wir ruhig bei Flashmob und denken uns was dabei!

Angela Brüning
29. November 2012 13:22

Man darf nicht vergessen, dass die Identitären in Wien in der Hauptsache aus Leuten bestehen, die die parteipolitische Tätigkeit in sog. rechtspopulitischen Parteien satt habe, erstens weil man 80 % der Zeit damit verbringt sich gegen die Intrigen von "Parteifreunden" zur Wehr zu setzen und zweitens, weil das ideologische Fundament, um politisch wirklich etwas zu ändern in diesen Parteien nicht vorhanden ist. Gerade die FPÖ überholt die SPÖ in Wien links und faselt irgendwas von der Verteidigung der Menschenrecht gegen den Islam. In der FPÖ gibt HC Strache, eine intellektuelle Null, die Linie vor und wer Karriere machen will, muss dieses diffuse Argumentation übernehmen. Wer dort die Sezession liest, gilt schon als "verdächtig". Die FPÖ kapiert einfach nicht, dass die meisten Leute sie nicht wegen ihres Programms wählen, sondern aus Protest. Nachhaltigkeit in Form eines durchdachten Programms gibt es nicht. Flashmobs gegen Linke versetzen diese in Unruhe, sie spüren am eigenen Leib, dass sie nicht Herr des Geschehens sind. Allein das ist tausendmal mehr wert als jedes teure FPÖ - Zeitungsinserat, das der SPÖ "soziale Kälte" vorwirft.

Sixty
29. November 2012 13:37

"Dabei sind unsere Gegner nicht bei den Rechten, sondern bei den Linken zu finden."
...
"Teilt das rechte Lager nicht noch weiter, sondern seid eine integrative Kraft."

Wer immer noch meint, es gehe einfach um einen Kampf "rechts" gegen "links" oder umgekehrt (obendrein ohne zu definieren, was er damit jeweils meint), wird von vornherein nichts bewirken können. Selbstverständlich sind die Gegner nicht nur "links", sondern AUCH "rechts" zu finden, und es handelt sich dabei nicht NUR um die "Extremisten", sondern gerade auf der "Linken" vor allem um den "politisch korrekten" Neo-Linksliberalismus, der bekanntlich bis weit in die CDU hineinreicht und absoluter Mainstream ist. Auf der "Rechten" sind es zwar vorrangig die Extremisten, die sich um den sog. "Nationalen Widerstand" scharen, aber auch die "konservativen" oder "liberalen" Rechtspopulisten wie PI-News oder die "Pro..."-Parteien, die sich als einseitig antiislamische radikale USA- und Israel-Fans aufführen.

"Den Nostalgikern gilt es klarzumachen, dass jede Zeit ihre Symbole und ihre Anschauungen hat und wir für unsere Zeit Symbole und Anschauungen finden müssen. Alte Anschauungen müssen historisiert werden – und das ist längst überfällig."

Hier kann ich auch nur vor solch einer Unterbewertung der Geschichte bzw. der Tradition warnen, die ja eigentlich gerade für die geschichtsvergessene heutige Mainstream-Linke typisch ist.
"Das Neue als Selbstzweck" - damit kann ich ebenfalls gar nichts anfangen.
Das heißt nicht, daß ich solchen "Tanzeinlagen" grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe. Grundsätzlich hat es schon seinen Reiz, die etablierte "Multikulti-Linke" mal auf solch eine Weise mit ihren eigenen Methoden zu provozieren (wie auch z.B. seinerzeit Cohn-Bendit), aber es sollten einzelne Ausnahme-Aktionen bleiben.

Azo
29. November 2012 14:11

Auf dem verschlafenen Kieler Campus mehren sich die Lambdas wie ein leises Wispern. Die Parolen wirken frisch und aktuell neben dem immergleichen linken Gesülz aus den 70ern.

N. N.
29. November 2012 14:31

Auf der „Rechten“ sind es zwar vorrangig die Extremisten, die sich um den sog. „Nationalen Widerstand“ scharen, aber auch die „konservativen“ oder „liberalen“ Rechtspopulisten wie PI-News oder die „Pro…“-Parteien, die sich als einseitig antiislamische radikale USA- und Israel-Fans aufführen.

Sehr geehrter Sixty,
hier unterscheidet sich die Lage in der BRD und Österreich doch recht deutlich. T. dürfte eher über die österreichische Lage sinniert haben. In Österreich wird die Auseinandersetzung höchst wahrscheinlich zwischen deutschnationalgesinnten Kräften und österreichischen Patrioten geführt werden. Es drängt sich die Frage auf, ob und wie weit diese heterogenen Kräfte zusammenarbeiten können. Der Aktionismus kann kein alleiniges Standbein sein und sobald es um Definitionen und Theorien geht, werden sich sicher Gräben zwischen den einzelnen identitären Gruppen/Personen in Österreich auftun.

Julian Fosfer
29. November 2012 14:57

@Raskolnikow

Den Zweck dieser Aktionen habe ich doch klar dargelegt. In der Innenwirkung schaffen sie eine routinierte und handlungsfähige Gruppe an Aktionisten und Provokateueren, welche die Scheu verlieren sich zur Not auch ganzen Menschenmengen zu stellen.
In der Außenwirkung schaffen sie in Wien mittlerweile ein Atmosphäre der Unsicherheit und Unruhe bei all jenen die sich mit ihren politischen Taten zu Gegnern der Identitären machen. Keiner weiß wann, wo und wie wir als nächstes Auftauchen werden

Diese Aktionen sind das Trockentraining und die Aufwärmphase. Eines Tages werden die Masken fallen.

Der Schlenker am Schluss gegen die ewigen Kritiker bezieht sich weniger auf metapolitische Wegbereiter und geistige Kolonisatoren der aktivistischen IB, als auf jene, die anstatt diesen neuen Aufbruch mit zu gestalten, mit zu tragen und mit zu formen, in der Pose des jovialen, eloquenten Endzeit-Dandys vorhersagbare Kritik üben. Kritik, deren Zweck keine Richtungsänderung der IB sondern vielmehr eine Selbstdarstellung ist. Was die Kommentatoren in der realen Welt so treiben kann ich nicht beurteilen, was sie hier schreiben schon.

Sich in die Ebene der Politik, der Propaganda und des Aktivismus zu begeben bedeutet immer einen Abbruch der Reflexion und ein "sacrificium intellectus". Nur wenn man bereit ist dafür, die intellektuelle Eitelkeit zu überwinden und in der Zeit, gegen die Zeit zu arbeiten hinterlässt man eine Spur und schwimmt gegen den Strom. Selbst wenn dieser sich als Pissrinnne entpuppten sollten ist das immer noch besser als unbeiteiligt beiseite zu stehen.

T.
29. November 2012 15:35

@Raskolnikow:

"Vielleicht sollte man sich mal auf die Dinge konzentrieren, die schon immer richtig waren."

Eben, das Richtige übernimmt man und das Falsche wird verworfen. Es gibt aber genügend Leute, welche krampfhaft an veralteten Thesen festhalten, nur weil sie irgendeine historische Persönlichkeit vertreten hat (Festhalten um des Festhaltens willen). Das Zurückwünschen in die "gute alte Zeit" - zurückschauen statt vorwärtsblicken. Was ich sage heißt nicht die Leugnung oder Herabwürdigung einer Geistestradition, sondern deren Fortführung. Oder mit Fernau:

„Man nennt mich (richtiger: schimpft mich) konservativ. Das stimmt, wenn man darunter einen Mann versteht, dem das Bewahren des Vernünftigen und Guten im Geistigen ebenso wie im Alltäglichen wichtiger ist als das Ändern um des Änderns und das Verwerfen um des ›Fortschritts‹ willen..."

"Naja, unsere Vorfahren waren eben allesamt Idioten, die vor Bäume gelaufen sind..."

Über den heutigen geistigen Zustand unseres Volkes dürften wir einig sein und auch darüber, wer in Anbetracht dessen die Idioten sind. Dennoch leben wir in einer anderen Welt. Die technischen, kulturellen, politischen und wissenschaftlichen Veränderungen, welche unser Leben fundamental (selbst in den letzten 80 Jahren) verändert haben, sind nicht wegzuleugnen. Und so gilt es, die unvergänglichen Ziele mit zeitgemäßen Mitteln zu verfolgen.

Als Beispiel die weltpolitische Lage: war es angesichts des Fehlens eines wirklichen Gegenspielers außerhalb von Europa über Jahrhunderte nachvollziehbar, dass sich die europäischen Völker gegenseitig bekriegten, muss angesichts der heutigen demographsichen und machtpolitischen Weltlage Europa gemeinsam auftreten. Die Instrumentalisierung der "deutsch-französischen Erbfeindschaft" hätte heute also in der Politik keinen Platz.

Es haben sich neue Probleme gestellt, sich aber auch neue Lösungsmöglichkeiten gefunden.

@Sixty:

Solche Begriffe wie "links" oder "rechts" sollten nicht verwendet werden - mein Fehler, die Verwendung nicht näher erläutert zu haben. Inhaltlich gebe ich Ihnen recht - nur verstehen wir unter den verwendeten Begriffen "links" und "rechts" etwas anderes: Leute wie von PI-News etc. würde ich nämlich nicht als "rechts" bezeichnen. Das Problem stellt sich eben auch mit Distanzierungen anhand von äußerst unscharfen Begriffen, welche je nach Auffassung verschiedene Personenkreise umfassen.

"Hier kann ich auch nur vor solch einer Unterbewertung der Geschichte bzw. der Tradition warnen, die ja eigentlich gerade für die geschichtsvergessene heutige Mainstream-Linke typisch ist."

Es geht mir nur um die 1:1-Übertragung politischer Konzepte auf die Gegenwart.

Petra
29. November 2012 15:38

Solche Aktionen sind genau richtig für den Anfang!

Nils Wegner
29. November 2012 16:07

@ Kurt Schumacher:

Wenn Sie eine Eindeutschung von flashmob suchen, so nehmen Sie doch Blitzschlag.

Das bewahrt die Dynamik des Ausgangsbegriffs, vermehrt die klangliche (wie auch – im Idealfall – faktische) Wucht und berücksichtigt, daß das englische Wort mob im Sinne von Zusammenrottung immer nur ein Lehnwort war und nicht zuletzt immer einen leichten Ruch von Illegalität hat, seitdem die Mafiakommandos aus Prohibitionszeiten als mobsters popularisiert wurden.

Das wäre mein Vorschlag als passionierter Wortjongleur.

Schnippedilderich
29. November 2012 16:21

Am 22. Januar kriegt der allseits beliebte politische Denker und Lenker Jürgen Habermas in München einen mit 10.000 € dotierten Kulturpreis dieser nordbalkanischen Stadt überreicht. Hoffentlich kommen keine identitären Jünglinge auf den Einfall dazwischen zu husten.
Vor vierzig Jahren rastete er jedenfalls noch aus, als häkelnde Overallgrazien beim Erläutern der Reziprozität des Reziproken zu kichern anfingen. Also, ihr Edlen von Brabant, haltet euch zurück!

Nick N.
29. November 2012 17:47

@ Petra

„Solche Aktionen sind genau richtig für den Anfang!"

Bravo! Ganz meine Meinung! Diese Entwicklung ist in der Tat zu begrüßen.

Steffen
29. November 2012 18:00

Ich verstehe ebenfalls nicht wie eine solche Aktion positiv gedeutet werden kann. Wenn man schon Masken aufsetzt und ein gutes Dutzend an Personen ist, kann man auch provokanter und aggressiver auftreten. Einer öffnet die Tür, ein anderer nimmt Anlauf und schüttet einen Eimer mit zwanzig Liter gelber Farbe in die Menge, wahlweise können die Gepeinigten noch mit Lamdaschnippsel beworfen werden. Selbstverständlich noch den Schockmoment nutzen und ein Erinnerungsphoto knipsen, Beine in die Hände nehmen und flitzen. So versaut man deren Abend mal richtig, man muss allerdings sportlich sein, eine kurze Fluchtroute wissen und vielleicht einen Abholservice bereit haben, bevor das grün-weiße Taxi kommt. Ein anonym bleibender Gleichgesinnter in der Zielgruppe wäre für eine video-technische Dokumentation ebenfalls sehr zu empfehlen.

N.
29. November 2012 20:28

Lieber Raskolnikow,
eine flinke Feder haben Sie, und doch können Sie kaum verbergen, daß keines Ihrer Worte Nutzen oder Sinn hat. Was für ein Spiel treiben Sie hier?

Wissen Sie - in meinem jungen Leben habe ich gelernt, auf Schwätzer und Polemiker ganz besonders zu achten; und sobald jemand kommt, der kritisiert, aber keine Gegenbeispiele nennen kann, ja nicht einen konstruktiven Punkt nennen kann, nicht ein Beispiel aus jener guten alten Zeit, die Sie unnachgiebig wie ein verklärender Romantiker besingen, dann tut sich bei mir der Verdacht auf, daß Sie gar nicht wissen, was gemacht werden muss.

Sie glauben nur zu wissen, wie es nicht gemacht werden muss. Reflektieren Sie sich, alter Mann. Und überlegen Sie sich, wie Typen wie Sie auf junge Leute wirken. Gehen Sie in sich und denken Sie nach.

Asenkrieger
29. November 2012 21:25

Guter Anfang! Gute Aktion! Jede Zeit braucht die ihr angemessenen Aktionen.

Was haben wir denn in den ganzen vergangenen Jahrzehnten erreicht? Nichts und wieder nichts!

Gegen diese Erfolglosigkeit muß man NEUE AKTIONSFORMEN setzen.

Es ist wie beim Wasser: Es sucht sich seinen Weg. Wer es besser machen kann, soll es beweisen.

Fred
29. November 2012 21:48

Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass bei der Heterogenität, der Vereinzelung und dem Zerfall der Gemeinschaft in Individuen und Interessengruppierungen eine Änderung durch EINE Gruppe oder Bewegung erfolgen kann, die die Masse erreicht, in Bewegung versetzen und Macht gewinnen kann. Die herrschenden Verbrecher werden fallen wenn der Rückhalt weg ist. Ich bin froh um jede Gruppe, die sich wehrt. Egal wie, egal warum. Hauptsache Ablehnung.

Fred
29. November 2012 22:00

Ich les Raskolnikov gern. Ein Zyniker, der den Glauben verloren hat und mit dem Whiskyglas und Zigarre im Ohrensessel sitzend auf den Untergang wartet und hoch intelligent und -gebildet mit verschwurbelten Anspielungen auf sich aufmerksam macht. Er will dabei sein, in erster Reihe, als Kommentator, der schon immer alles wusste und kommen sah.
Ich les ihn trotzdem gerne. Verdammt kurweilig wie ein guter Konsalik, hehe.

Manfred Kleine-Hartlage
30. November 2012 00:49

Lieber Julian Fosfer,

alle Ihre Argumente leuchten mir ein.

Zur Bekräftigung und Ergänzung: Es kommt auf Aktion an, damit man wahrgenommen wird; es kommt darauf an, demonstrativ anders aufzutreten, als Linke sich Rechte vorstellen, um die Antifa-Klischees lächerlich zu machen; es kommt darauf an, die Initiative zu haben, also Ort und Zeit selbst zu bestimmen, damit der Gegner nicht seine quantitative Überlegenheit ausspielen kann; es kommt darauf an, ihn zu verunsichern und Störtaktiken, die er selbst so gerne praktiziert, gegen ihn selbst zu wenden; es kommt darauf an, unkalkulierbar zu sein; und das "postmoderne" Auftreten ist keine Kapitulation vor dem Zeitgeist, sondern eine ausgefallene Variante des Marxschen Vorhabens, die Verhältnisse dadurch zum Tanzen zu bringen, dass man ihnen ihre eigene Melodie vorspielt. Macht einfach weiter mit eurer Spaßguerilla, und nehmt euch für die Entwicklung eurer Aktionsformen die Zeit, die ihr braucht!

Rumpelstilzchen
30. November 2012 09:20

Ich liebe Raskolnikow für seine Beiträge.
Die Feuilletonisten müßten sich um ihn reißen. Ein Zyniker ist er sicher nicht. Eher abgeklärt, altersweise.

Wenn es Spannungen in dieser Diskussion gibt, dann ist das sicher generationenbedingt. Flashmobs erschließen sich nicht jedem.

R. kritisiert diesen "Aktionismus" sehr genüßlich, aber nicht bösartig!
Seine intelligente Kritik mag manchen Jungspund hier treffen, ist aber kein Grund ausfallend zu werden!
Von wegen "alter Mann, reflektieren Sie, wie Typen wie Sie auf junge Leute wirken".
Da kann man schon nach der Kinderstube fragen, konservativ Rechten oder Identitären steht ein solches Benehmen nicht an.
Kann immer besser verstehen, dass man am Morgen schon einen Whiskey braucht.

Raskolnikow
30. November 2012 09:22

Lieber Herr Fosfer,

vielen Dank für Ihre Antwort! Nervosität schweißt zusammen, darum scheint es also maßgeblich zu gehen. Das ist eine klare Aussage. Ich fühl mich hinter dem Ofen und in heimeliger Gemeinschaft auch, mehr oder weniger, wohl, aber es sollte nicht zum Fundamentalium verkommen.

Und die Außenwirkung? Der Vortragende muss seinen Redefluss für zwei Minuten unterbrechen, dann sind die Tanzpöbler wieder spur- und folgenlos verschwunden. Ich hätte keine Angst vor solchem formlos-quietschvergnügten Flohzirkus ...

Der Schlenker am Schluss gegen die ewigen Kritiker bezieht sich ... auf jene, die anstatt diesen neuen Aufbruch mit zu gestalten, ...

Das könnte auch ein Vertreter der Sozialdemokratischen Partei oder des Wall-Street-Kapitalismus zu Ihnen sagen: "Gestalten Sie doch unsere Demokratie mit, als nur immer odiös herumzukritisieren ..."

Herr Fosfer, ich will Ihre Bewegung nicht mitgestalten, ich verbleibe lieber hier oben auf meinem Katafalk in möbelhaftem Schweigen! Und hüten Sie sich vor dem Teufelchen der scheinbar-rationalen Evidenz, das bei Kleine-Hartlage oftmals durch den Vorhang seiner marx´schen Sozialisation grinst!

Lieber T.,

auch wenn ich glaube, dass es nie eine Phase der Nachvollziehbarkeit des nationalistischen Wahns gab, denke ich, dass ich Sie im Kern nur missverstanden habe.

Zitat N.: ...eine flinke Feder haben Sie, und doch können Sie kaum verbergen, daß keines Ihrer Worte Nutzen oder Sinn hat. Was für ein Spiel treiben Sie hier?

Lieber N.! Niemals stritte ich ab, dass mein Geschreibsel sinnfrei und nutzlos ist! Und im übrigen lüge ich meistens .... Ich verstecke meine Mediocrität gern hinter sonorer Pracht und einer männlichen Portion Bildung, aber in Wahrheit bin ich ein inkurabler Analphabet und Soziopath der Reserve.

Wissen Sie – in meinem jungen Leben habe ich gelernt ... Reflektieren Sie sich, alter Mann. ... wie Typen wie Sie auf junge Leute wirken.

Ich wette meinen Lieblingsspazierstock (den mit dem in Gold gefassten Löwenkopf aus Elfenbein), dass ich nicht halb so alt bin, wie Sie glauben. Wissen Sie was; ich leg meine Gelenktasche (England, Pferdeleder) noch mit oben drauf! Nicht halb so alt!

Zitat Fred: ...Ich les Raskolnikov gern. .... Verdammt kurzweilig wie ein guter Konsalik, hehe.

Fred, dieser Stich tut weh!

Nichts für ungut, aber Kubitschek hat in seinem neuen ksa-Artikel alles geschrieben! Seine Fahne trage ich gerne mit.

Angst schweißt mehr zusammen als Nervosität und wer nicht für "seine Sache" Angst verspürt, gelitten und vielleicht ein bißchen geblutet hat, den braucht man nicht ernst zu nehmen! Der ist nicht mehr als ein schlaumeiernder Kommentator ...

Wie gesagt:
Nichts für ungut,

R.

Rumpelstilzchen
30. November 2012 09:36

Ergänzung zu MKH
Denkanstoß aus Sicht eines Älteren Rechten.

" es kommt darauf an, demonstrativ anders aufzutreten, als Linke sich Rechte vorstellen" MKH

Genau das ist die Krux, weil Taktik an die Stelle von Selbstbewußtsein tritt.
Und genau hier kann die Linke und die differenziertere Rechte immer wieder reinhauen und zwar genüßlich.
Die Rechte läßt sich von der Linken definieren: wir sind nicht so, wie ihr denkt, das ist keine Position.
Also, dann steht dazu wie ihr seid, zu dem was ihr mögt, einfach authentischer sein. Echt sein, Gesicht zeigen. Der Zeitgeist ist schon lange auf eurer Seite.

Kurt Schumacher
30. November 2012 10:32

Übrigens, zur Überschrift "Tanz als inneres Erlebnis", das ist natürlich ein Jünger-Zitat "Kampf als inneres Erlebnis". Aber es fragt sich, inwieweit die identitären Tanzschlag-, Blitzschlag-, Blitzspaß- oder Flashmob-Aktionen das innere Erlebnis auf das Publikum überspringen lassen! Was ja Julian Fosfer mit der Erklärung der Innen- und Außenwirkung auch angesprochen hat. Beim Kampf als inneres Erlebnis stellte sich die Frage so nicht, da ja erstens der Kampf (1. Weltkrieg) als solcher ein überwältigendes äußeres Ereignis war, und zweitens eine ganze Generation damals das *gleiche* Erlebnis geteilt hat. Jünger nannte es "das äußere Erlebnis" und wollte mit seinem Buch eine soldatische Schar rufen, die im Kampf gleichzeitig auch "das innere Erlebnis" gehabt hat.

Die Schwierigkeit heute sehe ich (ähnlich wie, wer hatte es geschrieben? ...Fred) darin, daß die Ereignisse und Erlebnisse heute so vereinzelt und zersplittert sind. Man könnte die sich entwickelnde NWO als eine wirre Kakophonie innerer Erlebnisse bezeichnen, die von den Menschen aus, also subjektiv, als Chaos, "Individualismus" oder auch "Freiheit" empfunden wird, dagegen von den Herrschenden, wenn man so will: objektiv, nach dem Prinzip "teile und herrsche" eingefädelt und ausgebeutet wird. Aus dieser manipuliert/manipulierenden seelischen Kakophonie heraus die deutschen Menschen (und im weiteren Sinne die Europäer) wieder auf einen gemeinsamen Grundton zu stimmen: das ist die Aufgabe.

Und wenn die rechten Flashmobs dazu beitragen: Daumen hoch!

Rumpelstilzchen
30. November 2012 11:22

Werter Herr Raskolnikow,
Daß sie kurzweilig seien wie Konsalik, dieser Vergleich tut auch mir in der Seele weh.
Der hochgradig nervöse Herzog Des Esseintes würde sich ob dieses Vergleiches im Grabe umdrehen, Oblomov würde es von seinem Sofa hauen.
Nichts für ungut,
R.

Antichrist
1. Dezember 2012 19:18

@ Steffen

Du möchtest alles gleich wieder in Richtung Radikalität lenken, doch das Radikale ist für das bisherige Scheitern mitverantwortlich, denn der Feind kann damit prima Propaganda betreiben, die Teilnehmer zu kriminellen Terroristen erklären (passierte auch schon Radikalen, die nur Musik gemacht haben), Mahnwachen und kirchlich-linke "Bürgerinitiativen" mit Staatsgeld mobilisieren, die Polizei für Razzien benutzen, einzelne Mitglieder ins Gefängnis stecken und Seite an Seite zum weißen Schnürsenkel, dem NSU und Breivik stellen und damit auch noch dem Bürger den Mund verbieten. Was du also mit deinem Vorschlag zu mehr Radikalität erreichen würdest, wäre eine noch stärkere Repression gegen dem Volk wohlgesinnte Meinungen, es gilt aber im Ergebnis genau das Gegenteil zu bewirken! Man muss den Gegner auch dadurch bekämpfen, indem man endlich damit aufhört ihn zu füttern, das heist eine Form des politischen Kampfes zu entwickeln, die seine Aktions- und Reaktionsfähigkeit nicht fördert sondern behindert und im optimalen Fall ganz unterbindet! Dabei kann man den Feind auch reichlich mit Gülle übergießen, aber aus strategischen Gründen nur verbal, man muss zb bei Politikern und "Experten" mit linksextremer Ausrichtung oder Vergangenheit ein strohdummes Kommunistenschwein auch mal genau so nennen, genau so wie man das am Ende der DDR getan hat und so, damit etwas hängen bleibt. Man muss sich auf die Wirkung und das Ziel konzentrieren und nicht darauf, nur seinen Frust abzureagieren.

Landsdale
2. Dezember 2012 04:48

Natürlich kann man jetzt diskutieren, ob sie nicht doch besser ohne Maske aufgetreten wären, und gelbe Säure ausgekippen hätten sollen; und man es nicht lieber "Blitzfeme" nennen sollte.

Und ob "Rechte" so was überhaupt tun sollten, anstatt wie brave Streber über Ernst Jünger zu meditieren und sich von Linken im Reallife den Schneid abkaufen zu lassen.... blablabla

eulenfurz
4. Dezember 2012 11:39

Ich warte schon sehnsüchtig auf die Ausarbeitung "Identitäre Basisarbeit (Teil 215)" und die darauffolgenden lebhaften Diskussionen!

antwort kubitschek:
kein spott, meister. dazu ist noch zeit, wenn Sie und ich jene rente kriegen müßten, die dann nicht gezahlt werden kann. dann noch: hiermit sei offiziell verlautbart, daß das eulenfurz-honorar aus der druckausgabe april/2012 endlich einem jüngst erst denunzierten zugute kam - auf wunsch von eulenfurz persönlich. der empfänger dankt.

niekisch
4. Dezember 2012 21:16

Hier noch ein wenig zum identitären Tanz, den wir als kreativ und wenigstens für die Anfangszeit wirksam annehmen sollten sowie zu den Namen der mutmaßlichen Mörder bzw. Totschläger an dem niederländischen Linienrichter:

https://diskuswerfer.wordpress.com/2012/12/04/identitarer-tanz-am-falschen-ort/

Kurt Schumacher
5. Dezember 2012 13:57

Also seit ich das Video gesehen habe, wo ein Haufen "bildungsferner Jugendlicher" (wie sie sich ja selbst stolz beschreiben) als 5. Kolonne von PI vor einer Moschee herumhopsen, hat mein Vertrauen in die identitäre Bewegung doch einen Knacks erlitten. Das muß ich ehrlich sagen. Die Texte von Julian Fosfer sind eine Wohltat. Aber er ist wohl intelligenter als das hüpfende Fußvolk. Warum kann man die nicht erst schulen und dann auf die Menschheit loslassen? Ich weiß zwar, daß Nietzsche im Zarathustra sagt: "Ihr müßt noch Chaos in euch tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären" - aber war es wirklich so gemeint? Ein bißchen weniger Ballermann und ein bißchen mehr weltanschaulich gefestigte Intelligenz wären schon gut! Bei der Armee gibt es auch eine Grundausbildung, bevor man sich zum ersten Mal in Uniform unter Zivilisten zeigen darf.

eulenfurz
5. Dezember 2012 17:44

@Kurt Schuhmacher
Nein, eher, daß in ellenlangen Elaboraten zerredet und seziert wird, was ursrprünglich eher aus einem Bauchgefühl entstanden sein könnte, nervt. Soviel Texte und Erklärungen und Erläuterungen gab es wohl nicht einmal während aller Montagsdemos 1989 zusammengenommen. Daß da aber während einer Vereinstagung ein Kassenwart gewählt wurde, setzt der Revolution die Krone auf.

Gut: Es allen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

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