Sezession
1. Oktober 2011

Parolen der Konservativen Revolution

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 44 / Oktober 2011

»… der Orden als Keimzelle des Staates. Das war es, was wir suchten. Und wir fanden es, aber als wir es aussprachen, wurden wir nicht verstanden, denn in der Zwischenzeit war eine große Welle über uns weggerollt: die des Nationalsozialismus … Unsere Neusetzungen, wir bemühten uns zu sagen: Was ist Staat? Was ist Nation? Was ist Volk? Was ist dies alles? Und plötzlich, unsere Antworten, die röhrten durch alle Straßen, durch Rundfunk, durch alles, nicht wahr, und er benutzt unsere Begriffe im verkehrten Sinn.« Ernst von Salomon in einem Interview, 1979.

 

DAS DRITTE REICH war ohne Zweifel eine der Schlüsselformeln der Konservativen Revolution. Das hängt mit der – wenngleich verspäteten – Wirkung des gleichnamigen Buches von Arthur Moeller van den Bruck zusammen, das 1923 erschienen war, dessen Autor aber bereits zwei Jahre später Selbstmord beging und insofern keinen Einfluß mehr auf die weitere Entwicklung nehmen konnte. Von dem Erfolg seines Werkes ahnte er jedenfalls nichts, schon gar nichts von der Wirkung des Buchtitels als Schlagwort. Denn die Entscheidung zu dessen Gunsten war eher zufällig zustande gekommen. Ursprünglich hatte Moeller an »Die dritte Partei« oder auch »Der dritte Standpunkt« – nämlich der Konservativen Revolution jenseits von Reaktion und Liberalismus – gedacht. Nur wirkte beides zu blaß, weshalb sich sein jugendlicher Freund Max Hildebert Boehm mit dem Vorschlag »Das dritte Reich« durchsetzen konnte. In einem Brief von 1932 schrieb Boehm: »Moeller deutete selbst an, daß das Wort ursprünglich einen chiliastischen Sinn hatte und offenbar in der okkulten Literatur seine Geschichte hat.« Auch ein Bezug auf die Idee des »dritten Italiens« in der Propaganda des frühen Faschismus habe eine Rolle gespielt. Boehm fährt dann fort: »… ich glaube sagen zu können, daß für Moellers Wahl die Anlehnung an das italienische Beispiel bestimmend gewesen sein dürfte und daß bei ihm auch ein Einfluß der hegelianischen Dialektik nachwirkte. Auf den mystischen Klang hat er es, soviel ich weiß, nicht primär abgesehen gehabt.«

In allen Untersuchungen zur Begriffsgeschichte wird darauf hingewiesen, daß die Rede vom »Dritten Reich« als einem Reich der Versöhnung der Gegensätze oder einem Reich der Vollendung bis in die Zeit der orientalischen Hochkulturen zurückverfolgt werden kann, daß sich Belege oder Hinweise in der Bibel finden und in der antiken Literatur, und daß dieses Konzept spätestens mit der (häretischen) Geschichtsspekulation über das Kommen eines dritten, »tausendjährigen Reiches« des Joachim von Fiore Einfluß auf die Vorstellungswelt des Abendlandes gewann, der sich fortsetzte in allen möglichen sektiererischen, maurerischen, aufklärerischen, romantischen, idealistischen Entwürfen.


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