Gespensterkunde: NPD

von Heino Bosselmann

"Kommunikation entsteht da, wo sie am Wesentlichen vorbeigeführt wird", schreibt Arnold Gehlen in Die Seele im technischen Zeitalter.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Dies beach­tend, reden wir jetzt über die NPD, denn das ist not­wen­dig und gleich­sam interessant.

Aller­dings erweist es sich als schwie­rig, denn nie­mand, nicht ein­mal der dilet­tie­ren­de Ver­fas­sungs­schutz, dürf­te die wesent­li­chen Inter­na ken­nen. Wäre bei­spiels­wei­se klar zu bestim­men, ob die NPD in den weit­läu­fi­gen Berei­chen ihrer Basis eine hit­le­ris­ti­sche Par­tei ist oder ob sie sich vom Natio­nal­so­zia­lis­mus in des­sen his­to­ri­scher Gestalt abgrenzt? Ver­mut­lich sind die meis­ten Wahr­neh­mun­gen von außen gera­de mit Blick auf die­se Fra­gen unklar und nur durch Mit­glie­der der in sich dif­fe­ren­zier­ten Füh­rungs­rie­ge dar­zu­stel­len, dürf­te man vor­aus­set­zen, daß deren poli­ti­schen Stel­lung­nah­men red­lich und nicht eher aus vor­beu­gend tak­ti­scher Selbst­zen­sur her­aus erfolgen.

Mag sein, die all­seits geschmäh­te Par­tei krankt – abge­se­hen von ihrem beein­dru­cken­den ver­fah­rens­tech­ni­schen und finan­zi­el­len Unge­schick – selbst eher an der eige­nen ideo­lo­gi­schen Ortung als an der Aus­gren­zung durch die ande­ren und dem dro­hen­den Ver­bots­ver­fah­ren. Abge­se­hen davon, daß es um belas­te­te Begrif­fe und deren kom­pli­zier­te Zuschrei­bun­gen geht: Die Semio­tik avan­ciert mitt­ler­wei­le ohne­hin zur poli­ti­schen Wisssenschaft.

Im übri­gen wird die NPD, ganz abs­trakt und logisch ange­schaut, eine gewis­se Exklu­si­vi­tät – und sei es jene des Skan­dals – nie ver­lie­ren, stellt sie sich doch selbst (und eben­so in den Augen der Betrach­ter) als die tota­le Alter­na­ti­ve dar. Das ist, was die Gemü­ter erhitzt. Anders, gewis­ser­ma­ßen mit Luh­manns Sys­tem­theo­rie ange­schaut: Die NPD setzt sys­te­misch eine kras­se Unter­schei­dung, eine Dif­fe­renz. Im wis­sen­schaft­li­chen Wort­sinn: Sie dis­kri­mi­niert. Damit for­dert sie die Auf­klä­rung und deren gesam­te Tra­di­ti­on her­aus. Die ver­tei­digt sich laut­stark, nicht ohne Angst vor der eige­nen Cou­ra­ge, sich ihrer selbst näm­lich längst nicht mehr sicher. Pfei­fen im Walde?

Außer­dem: Die Prot­ago­nis­ten der NPD fin­den sich durch die soge­nann­te Zivil­ge­sell­schaft in einer Wei­se erle­digt, ver­femt und ins Abseits gestürzt, wie man es nur von Figu­ren Shake­speares kennt. Das ist kei­ne Auf­wer­tung, son­dern ein Vergleich.

Hät­te eine sich radi­kal ver­ste­hen­de Rech­te eine Chan­ce, die sich kon­se­quent vom Hit­le­ris­mus distan­zier­te und ras­sis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche, kurz nazis­ti­sche Hal­tun­gen über­haupt glaub­haft aus­schlös­se, sich im kla­ren dar­in, wel­che Ver­bre­chen zu Las­ten der Hit­ler-Dik­ta­tur gin­gen? Kann es eine sol­che radi­ka­le Rech­te in Deutsch­land geben, wo schon die mode­ra­te als Polit­ver­bre­chen gilt? Wüß­te sie zu rele­van­ten, mit­hin moder­ne­ren The­men zu fin­den und sich auf Aktio­nen ein­zu­stim­men, die, wie sei­tens der Par­tei­füh­rung beteu­ert wird, tat­säch­lich auf dem Boden des Grund­ge­set­zes ste­hen? Oder ist das ein­fach unmög­lich? Hat die NPD im Gegen­satz zu ande­ren rechts­ra­di­ka­len Bewe­gun­gen in Euro­pa nicht eine ver­dammt altes Gesicht?

Wie bemerkt: schwie­rig dar­über zu befin­den, denn alles redet über die NPD, kaum jemand aber mit ihr. Thors­ten Hinz hat in einem erst­klas­si­gen Bei­trag auf die Male­sche der Par­tei eben­so hin­ge­wie­sen wie auf den “volks­päd­ago­gisch” insze­nier­ten Thea­ter­don­ner, der um ihr Ver­bot ver­an­stal­tet wird. Ganz ande­re Fra­gen, meint er zu Recht, wären weit existentieller.

Die „Demo­kra­ten“, über­haupt all die erklär­ter­ma­ßen „Anstän­di­gen“, tabui­sie­ren die Rechts­au­ßen­par­tei nicht nur (was zum poli­ti­schen Geschäft gehört); sie patho­lo­gi­sie­ren sie viel­mehr und ver­ge­ben sich damit die Mög­lich­keit einer ope­ra­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung, die, wie sie fin­den, nicht zu füh­ren ist. Die NPD wird als das poli­ti­sche Böse und dabei als ein non­kau­sa­les Phä­no­men betrach­tet, das es so eigent­lich nicht geben dürf­te, ein Mons­trum, das uner­klär­lich erscheint.

Die Posi­tio­nie­rung der ande­ren fällt an die­ser Stel­le so leicht wie offen­bar sonst nir­gend­wo. Sie gleicht der in Ost und West wäh­rend des Kal­ten Krie­ges dau­ernd gestell­ten Gewis­sens­fra­ge: Bist du für den Frie­den? Es gab nur eine Ant­wort, und die hat­te hüben wie drü­ben so undif­fe­ren­ziert wie reflex­ar­tig aus­zu­fal­len, sonst erschien kei­ne wei­te­re Ver­stän­di­gung mehr mög­lich: Ja, natür­lich! – Nur war damit sehr wenig gesagt und noch gar nichts bewegt. Einen Satz des Chef­kom­men­ta­tors des DDR-Fern­se­hens, Karl-Edu­ard von Schnitz­ler, „an die Adres­se des Geg­ners“ könn­ten die „Anstän­di­gen“ auf die NPD über­tra­gen, wenn sie nur ein Wort aus­wech­sel­ten: „Alles, was vom Wes­ten kommt, kommt vom Geg­ner, auch die Wahrheit.“

Wer „gegen Nazis“ mit­macht, hat in beque­mer Wei­se per se Recht, und zwar auf gan­zer Brei­te; wer dabei distan­ziert bleibt, ist ver­däch­tig, min­des­tens ein Ver­harm­lo­ser, viel­leicht schon in Gefahr, am Ende gar bereits „Täter“. Das Gute an sich steht dem Bösen als sol­chem gegen­über, etwas, was es sonst so nur im Mär­chen gibt: Das Licht gegen das Dun­kel, Rot­käpp­chen gegen den bösen Wolf, die Elben gegen die Orks, Har­ry Pot­ter gegen Lord Vol­de­mort. Das ver­steht jeder, das kann jeder; Irr­tum von vorn­her­ein ausgeschlossen.

Selbst wo gar nichts mehr los ist, im äuße­ren deut­schen Nord­os­ten etwa, geht sofort etwas los, wenn „die Nazis“ kom­men. Eine Hand­voll davon reicht völ­lig aus, eigent­lich schon ein ein­zel­ner. Ver­teilt da nicht jemand mit Kapu­ze auf dem Schul­hof Musik-CDs? Die Pest ist in der Stadt, die brau­ne Pest! Alle sind gefor­dert, wie­der für welt­an­schau­lich hygie­ni­sche Zustän­de zu sor­gen und begin­nen mit dem viel­fach durch­ge­prob­ten Pro­gramm von Men­schen­ket­ten über Ker­zen­hal­te­rei bis zur Mahn­wa­che. Sor­gen die „Nazis“ schon selbst für kei­nen Radau, weil sie durch ihre Füh­rer auto­ri­tär dis­zi­pli­niert wer­den, so um so mehr die in Stern­fahr­ten anrei­sen­de „Anti­fa“, die sich stets gebär­det, als müs­se augen­blick­lich ein faschis­ti­scher Putsch nie­der­ge­schla­gen werden.

Denn der „Nazi“, das Gegen­bild, ist immer der ganz ande­re, jener, der so, wie er ist, ver­nünf­ti­ger­wei­se gar nicht zu den­ken wäre – und gera­de des­we­gen ein Phä­no­men son­der­glei­chen dar­stellt, weil es ihn den­noch gibt. Sicht­bar und oft genug mar­tia­lisch. Die­se Tat­sa­che ist der poli­ti­schen Bil­dung selbst ein Rät­sel, denn „der Nazi“, der „ewig­gest­ri­ge“, müß­te in unse­rer Welt, die sich im Ver­ständ­nis von Auf­klä­rung und hege­lia­ni­scher Geschichts­phi­lo­so­phie immer wei­ter ver­bes­sert und läu­tert, ideo­lo­gisch längst aus­ge­stor­ben sein, ins­be­son­de­re weil „aus der Bewäl­ti­gung der Ver­gan­gen­heit“ von allen ande­ren längst „die rich­ti­gen Leh­ren gezo­gen wur­den“ und so per­ma­nent wie flä­chen­de­ckend „gegen Rechts“ gekämpft wird. Jedes Kind weiß doch, daß der „Nazi“ so etwas wie ein poli­tisch Per­ver­ser ist, mit dem man kei­nes­falls mit­ge­hen darf.

Der „Nazi“ aber erweist sich die­sen Kam­pa­gnen gegen­über als resis­tent oder als ver­blen­det „fehl­ge­lei­tet“. Von wem? Woher? Alle Argu­men­te zur Klä­rung des­sen muten gera­de­zu gnos­tisch an. Es kann sich letzt­end­lich nur um einen Defekt han­deln, an dem alle ande­ren nicht lei­den, der „Nazi“ aber umge­kehrt in sol­cher Inten­si­tät, daß er es in sei­ner Ver­bohrt­heit gar nicht merkt! Er ist „unbe­lehr­bar“ in einer Art und Wei­se, die von moder­nen „Anti­fa­schis­ten“ nur als etwas Kran­kes, Abar­ti­ges, mit­hin Gefähr­li­ches ange­se­hen wird, wovon zudem Infek­ti­ons­ge­fahr aus­geht. Udo Pastörs, der vor einem absei­ti­gen meck­len­bur­gi­schen Super­markt Schü­ler und deren stum­men Leh­rer in ein Gespräch zie­hen woll­te, gilt des­we­gen als Miß­bräuch­ler und wur­de straf­recht­lich ver­ur­teilt. Als Video-Film­chen eine fins­te­re Posse!

Durch­aus ergibt sich eine Art Welt­an­schau­ungs-Apart­heid, die es aus­schließt, „Nazis“ zur Aus­ein­an­der­set­zung über­haupt zuzu­las­sen, denn das hie­ße, ihnen „ein Podi­um zu bie­ten“ und so die Gefahr der Ver­füh­rung ande­rer sehr unfrei­wil­lig gar noch zu erhö­hen. Nein, da blei­ben nur Sprech­chö­re, Pfeif­kon­zer­te und „krea­ti­ver Pro­test“, um die feind­li­chen Red­ner nie­der­zu­schrei­en. Oder anders: Sich bei Spit­zen­kan­di­da­ten-Inter­view-Run­den nach Land­tags­wah­len mit NPD-Erfol­gen umzu­dre­hen und lie­ber zu ver­schwin­den, wenn der “Nazi” etwas zu sagen ver­sucht, ver­steht man neu­er­dings unter „Kampf“

Einer­seits ver­fü­gen die Nazi­be­kämp­fer über ein an Selbst­ge­fäl­lig­keit gren­zen­des Selbst­be­wußt­sein, ander­seits trau­en sie dem Ver­mö­gen des Demo­kra­ti­schen nicht mehr zu, im Mei­nungs­streit zu obsie­gen, obwohl des­sen Kul­tur Ultra­rech­te in einst erprob­te Ritua­le der Rede und Gegen­re­de hin­ein­zwän­ge. Die Haber­mas­sche Dis­kurs­ethik, das phi­lo­so­phi­sche Selbst­ver­ständ­nis der Repu­blik, soll oder darf gegen­über Rech­ten nicht gelten.

Geläu­ter­te „Nazis“, Rene­ga­ten und Über­läu­fer, müs­sen fol­ge­rich­tig nicht nur zum eige­nen Schutz in ein Qua­ran­tä­ne­pro­gramm, son­dern weil es, wie­der wohl­mei­nend gedacht, gar nicht anders geht, wenn einer der­art kon­ta­mi­niert ist. So jemand braucht Zeit für die poli­ti­sche Gene­sung von ideo­lo­gi­scher Durch­seu­chung. Den Fall Nad­ja Dry­gal­las kann man dem Ver­fah­ren nach als Bei­spiel zeit­ge­mä­ßer Inqui­si­ti­on auf­fas­sen. Man zeig­te der mit einem „Nazi“ Liier­ten höf­lich die Werk­zeu­ge, und das läu­ter­te sie glück­li­cher­wei­se. Dräng­te man sie erst aus dem olym­pi­schen Ren­nen, fol­gen jetzt, da sie doch ein­sich­tig ist, die Gna­den­ak­te der Wie­der­zu­las­sung zu Förderungsprogrammen.

Da den moder­nen „Anti­fa­schis­ten“ all jene rechts der Mit­te min­des­tens poten­ti­ell als „Nazis“ gel­ten, da fer­ner „Nazis“ und „Rech­te“ fast durch­weg als Syn­ony­me ver­stan­den wer­den bzw. ange­nom­men wird, daß der „Rech­te“ irgend­wann wie unter evo­lu­tio­nä­rem Druck Gefahr läuft, zum „Nazi“ hin­über­wach­sen oder unter beson­de­ren Bedin­gun­gen spon­tan in die­ser Rich­tung zu mutie­ren, wird die­ser Geg­ner als sehr gefähr­lich emp­fun­den, ver­schlim­mert noch dadurch, daß mit gestei­ger­tem Fein­ge­fühl nahe­zu über­all, in poli­ti­schen Hand­lun­gen wie in der Spra­che, Anzei­chen einer Gefahr von rechts aus­ge­macht wer­den. Schon rein pro­phy­lak­tisch. Allen „rechts“ der Mit­te, aber „links“ der NPD wird zudem die Per­fi­die unter­stellt, vor allem eine „Schar­nier­funk­ti­on“ erfül­len zu wol­len – eine Hin­ter­häl­tig­keit also, der ins­be­son­de­re intel­lek­tu­el­le Rech­te gezie­hen wer­den, die stets im Ver­dacht ste­hen, die NPD durch die Hin­ter­tür hereinzuwinken.

Mit Fug und Recht darf man der NPD eini­ges, dar­un­ter sehr Prin­zi­pi­el­les unter­stel­len. Aber kann man die­se aus­ge­grenz­te, geschmäh­te, von allen Sei­ten an den Pran­ger gestell­te Par­tei, die sich zudem inhalt­lich, finan­zi­ell und kader­po­li­tisch auf so ver­blüf­fen­de Wei­se immer wie­der selbst demo­liert und ver­schleißt, tat­säch­lich für eine Gefahr hal­ten, die sich anschickt, nach der poli­ti­schen Macht zu grei­fen und Deutsch­land in die Fins­ter­nis zu stürzen?

Nie­mand dürf­te damit rech­nen – trotz lau­ter Wor­te, trotz schwar­zer Demos, trotz NSU. Aber die dage­gen sich auf­stel­len­de und den Mut ihrer hohen Mehr­zahl so hoch­schät­zen­de Gegen-rechts-Bewe­gung, die­se viel­leicht letz­te deut­sche Volks­front, möch­te in der NPD bzw. „den Nazis“ eine exis­ten­ti­el­le Bedro­hung erken­nen. Um ihres eige­nen Selbst­ver­ständ­nis­ses wil­len! Sie muß es, denn sie lebt aus der Pro­jek­ti­on. Gegen­bild des Nazis­mus ist ein­ver­nehm­lich die „demo­kra­ti­sche Mit­te“, ein schwie­ri­ger Ort des­we­gen, weil sie in der Kri­se ist – unter ande­rem des­we­gen, weil sie sich selbst nicht mehr dif­fe­ren­zie­ren will und dif­fe­ren­zie­ren läßt. Sie setzt kei­ne Unter­schie­de und nähert sich so der Block­po­li­tik, für die bereits ein Name gene­riert ist – die Mit­te. Die Wahl­be­tei­li­gung sinkt daher ste­tig, das Prin­zip der Sub­si­dia­ri­tät steht seit län­ge­rem in Fra­ge, die offi­zi­ell erwünsch­te Supra­na­tio­na­li­tät der EU kon­ter­ka­riert erleb­bar erprob­te natio­na­le demo­kra­ti­sche Regu­la­ri­en, der Bür­ger, inso­fern es ihn als „Citoy­en“ über­haupt noch geben mag, erkennt, daß viel­fach die Macht eben nicht mehr von ihm aus­geht, weil sei­ne Ent­schei­dung immer weni­ger Wesent­li­ches legi­ti­mie­ren oder ableh­nen darf – den Euro eben­so­we­nig wie eine einst ange­streb­te EU-Verfassung.

Als die Demo­kra­tie natio­nal noch funk­tio­nier­te, war „der Nazi“ kaum The­ma. Heu­te ist er das aller­ers­te, und zwar in Per­ma­nenz und mit freu­dia­ni­schen Phä­no­me­nen: Immer wie­der die Schirm­müt­zen in immer neu­en TV-Doku­men­ta­tio­nen, und kaum eine moder­ne Thea­ter-Insze­nie­rung, die ohne eine SS-Frat­ze aus­kommt, einer­lei ob die nun hin­ein­paßt oder nicht. Es ist das Zei­chen einer para­no­iden Gesell­schaft, wenn jeder, der etwas nach­drück­lich Kri­ti­sches schreibt oder spricht, sich damit der Gefahr aus­setzt, als Nazi oder als des­sen Hel­fer ver­schrien zu wer­den. Als Brand­stif­ter, der Bie­der­mann bedroht! Autor der JF oder SEZESSION zu sein reicht völ­lig aus, anders­wo zur per­so­na non gra­ta zu werden.

Der gefähr­lichs­te Feind der Demo­kra­tie ist eben nicht der „Nazi“, son­dern – wie oft in der Geschich­te – die Demo­kra­tie als das schwie­ri­ge Geschäft poli­ti­schen Aus­gleichs von Inter­es­sen selbst. Es fällt nur schwer, dar­über zu reden – in der erfor­der­ten Genau­ig­keit, im his­to­ri­schen Ver­ständ­nis, in der Dis­pa­ri­tät der Inter­es­sen und in kri­ti­scher Ansicht der Akteu­re. Es fällt weit leich­ter, über „den Nazi“ zu spre­chen, der, wie alle wis­sen sol­len, die Demo­kra­tie nicht will. Da kann man im gro­ßen Kon­sens end­lich jeman­den ding­fest machen und sich etwa die ener­vie­ren­de Dis­kus­si­on dar­über, war­um man in unse­rer Demo­kra­tie zwar wäh­len, aber manch Miß­lie­bi­ges nicht abwäh­len darf, sparen.

Auf die NPD ein­zu­dre­schen erscheint ein­fa­cher und freud­vol­ler, als eine ech­te Demo­kra­tie wie­der „von unten auf“ zu den­ken, bei­spiels­wei­se als Dis­kurs dar­über, inwie­fern „markt­kon­for­me Demo­kra­tie“ mit all ihren ver­meint­li­chen Alter­na­tiv­lo­sig­kei­ten eben kei­ne leben­di­ge Demo­kra­tie mehr ist, son­dern zu einer Mar­ke­ting-Agen­tur der Wirt­schafts- und Finanz-Welt ver­kommt. Falls ein “gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Dis­kurs” in Anbe­tracht der Aus­dif­fe­ren­zie­rung von Inter­es­sen über­haupt noch mög­lich ist, denn eher als dis­ku­tiert wird ent­schie­den. Dezisio­nis­mus kon­ter­ka­riert Demokratie.

Man muß gar nicht so weit aus­grei­fen, es reicht aus, ver­fes­tig­te Leit- und Trost­be­grif­fe kri­tisch anschau­en zu wol­len, und man wird von den Eli­ten, „Mul­ti­pli­ka­to­ren“ und Beken­nern als Anti-Demo­krat ver­un­glimpft, der an den Grund­fes­ten der frei­heit­li­chen Ord­nung rührt, obwohl man, im Gegen­teil, die Debat­te als Herz­stück des Demo­kra­ti­schen wie­der zu bele­ben wünscht.

Indem die selbst­er­klär­ten Demo­kra­ten die müde gewor­de­ne Demo­kra­tie selbst kei­ner Revi­si­on unter­zie­hen, son­dern ihr pau­schal als Abs­trak­tum applau­die­ren, indem sie in die­ser Nach­läs­sig­keit aber min­des­tens intui­tiv erle­ben, daß Demo­kra­tie aus Ver­än­de­run­gen her­aus, die ein waches Bür­ger­be­wußt­sein so nie hät­te zulas­sen dür­fen, kaum mehr leben­dig funk­tio­niert, wen­den sie sich, einen fau­len Burg­frie­den schlie­ßend, „gegen Rechts“, weil sie dort eine Gefahr zu iden­ti­fi­zie­ren mei­nen, die hand­hab­bar ist. Man soll­te dies­be­züg­lich Karl Rai­mund Pop­per neu lesen und den Mut zu Fal­si­fi­ka­tio­nen aufbringen.

Die exis­ten­ti­el­le Gefähr­dung der Demo­kra­tie geht mit­nich­ten von der NPD aus, son­dern von Expo­nen­ten des Estab­lish­ments selbst, die sich eben­falls lie­ber auf Anti-Nazi-Demos fei­ern las­sen und selbst­ver­ständ­lich ein schnel­les NPD-Ver­bot for­dern, als hart mit sich ins Gericht zu gehen – ein Vor­gang, der ohne­hin mehr und mehr dem Ver­fas­sungs­ge­richt obliegt. Wor­in man nun tat­säch­lich ein erns­tes Zei­chen erbli­cken kann.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (36)

Hermann Becker

17. Dezember 2012 12:04

Man lebt in Symbiose, die pc-Demokraten mit der NPD. Auffallend ist seit langem, daß man den Popanz NPD, der vermutlich zu diesem Zweck unterhalten wird, stets dann aufbaut, wenn allerhand gemauschelt werden soll.

Karl Eduard

17. Dezember 2012 12:59

Zum Glück geschieht das in Deutschland. In Rußland würde unsere Bundeskanzlerin sonst mehr Demokratie einfordern, denn demokratische Gesellschaften müssen auch abweichende politische Ansichten aushalten. Ohne die Parteien, die sie vertreten, durch den Geheimdienst zu infiltrieren. Oder daß sich die Post weigert, ihre Sendungen zu befördern. Oder Menschen deswegen ihre Jobs verlieren.

Kurt Schumacher

17. Dezember 2012 13:45

Sehr richtig, Herr Becker! Das eigentliche Gespenst ist auch nicht die NPD, sondern die BRD. Bekanntlich starb Deutschland am 8. Mai 1945 - seitdem lebt das deutsche Volk im Niemandsland. Im Kalten Krieg wurde es zerstückelt, hilflos, wehrlos, in eine West- und eine Ost-Hälfte (die späteren Phantomgebilde BRD und DDR) - und außerdem, wie bei einem schlechten Koch (aber es war Absicht), der eine Kartoffel schält und am Ende nur noch einen kleinen Griebsch in der Hand hält, schnippelten Roosevelt bzw. Truman und Stalin aus dem Vollen (fremder Leute Gut verteilt man gern) und ließen gigantische Teile deutschen Landes rechts und links herunterfallen. Frankreich bekam Elsaß-Lothringen und das Saarland, "Luxemburg" wurde "souveräner Staat", "Österreich" desgleichen; Polen wurde gemästet wie eine Weihnachtsgans (der Vergleich stammt übrigens von Churchill); Italien, das wieder mal rechtzeitig die Seiten gewechselt hatte, durfte Deutsch-Südtirol behalten und, und, und.... von Deutschland, auch als Leiche, blieb nicht mehr viel übrig. Aber wenigstens überlebte das deutsche Volk! Oder? Stalin sagte am 9. Mai 1945 "Kopf hoch, Leute. Die Adenauers und Merkels kommen und gehen, aber das deutsche Volk bleibt bestehen." Hier irrte Stalin. (Fortsetzung folgt)

Walter

17. Dezember 2012 14:12

Tiefgehend analysiert. Man kann Bosselmann nicht genug dafür danken, dass er die eigenen Gedanken so wortgewaltig und differenziert ausformuliert.

Marcus Junge

17. Dezember 2012 14:33

"Hätte eine sich radikal verstehende Rechte eine Chance, die sich konsequent vom Hitlerismus distanzierte und rassistische, antisemitische, kurz nazistische Haltungen überhaupt glaubhaft ausschlösse, sich im klaren darin, welche Verbrechen zu Lasten der Hitler-Diktatur gingen?"

Wie soll man das ausschließen, wenn das ganze System BRD auf Lügen über diesen Themenkomplex aufbaut?
Das die Ablehnung der Überfremdung und Islamisierung plötzlich nicht mehr als rassistisch angegriffen wird, wer will es glauben? Soll man dann diesen Themenkomplex nicht ansprechen?

Das selbst berechtigte Kritik an der Politik Israels oder der ewigen Zumutungen des ZdJ nicht mehr als antisemitisch hingestellt werden, wer will es glauben? Also auch dazu keine Äußerungen und schlucken?

Ein klares Nein zu den Lügen der Sieger des 2. Weltkrieges und des von ihnen geschaffenen Geschichtsbildes, würde das plötzlich begrüßt? Und man beginnt hier tatsächlich auf der historischen Wahrheit die Abläufe darzustellen, in allen Grautönen, wer will es glauben? Wie wollte man dann noch die Zerstörung und Ausplünderung des dt. Volkes rechtfertigen?

Ja eine, "radikale Rechte", die auf all das verzichtet, die wäre so richtig brauchbar. Außer Herr Bosselmann, Sie vermögen es, in der medialen Darstellung der radikalen Rechten, endlich für eine wahrhaftige Darstellung dieser Themenkomplexe zu sorgen, wird man diese radiakle Reche immer in die gleiche Ecke stellen, weil sie die Finger in die Tabus und in die Lügen steckt, die allgemeine (Ver)Schweigespirale durchbricht.

"Die NPD wird als das politische Böse und dabei als ein nonkausales Phänomen betrachtet, das es so eigentlich nicht geben dürfte, ein Monstrum, das unerklärlich erscheint."

Klingt wie die Erklärung dafür, warum Hitler an die Macht kam und dann für seine Taten. Jene, die dies behaupten, wollen ja nicht verstehen, weil es deren eigene Fehler und Verbrechen aufzeigen würde.

"Das Gute an sich steht dem Bösen als solchem gegenüber, etwas, was es sonst so nur im Märchen gibt: Das Licht gegen das Dunkel ..."

Was nur die Infantilität jener zeigt, die sich dieses Märchens bedienen. Mit den gleichen Vokabeln hetzt(e) man auch gern seine Soldaten auf den Feind. Heute nennt sich das Aufstand der (Un) Anständigen und Antifa.

"Die existentielle Gefährdung der Demokratie geht mitnichten von der NPD aus, sondern von Exponenten des Establishments selbst ..."

Da muß man aber vorher annehmen, daß die BRD mal eine Demokratie war und nicht die Modalität einer Fremdherrschaft, welche ohne Verfassung ist, nur mit einem beliebig umschreibbaren GG. Eine Staatssimulation, dessen Verfassungsgericht nach meinem Wissen nicht für Härte gegen die Träger des System gekennzeichnet ist und bisher noch jedes Verbrechen gegen das deutsche Volk abgenickt hat, mit seinen berühmten, "harten" "JA ABER!"-Begründungen/Einschränkungen.

Neuling

17. Dezember 2012 17:41

@Marcus Junge 17 Dez. 14:33
Beim Lesen dieses Artikels(sehr lesenswert,wie immer bei H. Bosselmann) gingen uns Beiden anscheinend ziemlich ähnliche
Gedanken durch den Kopf.
Ich wollte auch schon zu einem Kommentar ansetzen,dann las ich Ihren,und bemerkte,daß Sie mit klaren,präzisen Formulierungen einfach nur schneller waren als meine Wenigkeit.
Bin mal gespannt auf Herrn Bosselmanns Erwiderung-so er denn Kenntniss von Iher Kommentierung erhält.

Belsøe

17. Dezember 2012 17:42

Kann es eine solche radikale Rechte in Deutschland geben

Derzeit nicht, und zwar aus Gründen der Zersplitterung und Fehleinschätzung. (Über dezidierte Schlägertypen, die sich anscheinend grundsätzlich nur an Einzelpersonen oder kleine Gewerbetreibende herantrauen, und nicht an die gern bejammerten Vergewaltiger, Revierpisser und Clans, will ich hier mal kein Wort verlieren).

Die Hybris, die der Gegenseite vorgeworfen wird, ist bei genauem Hinschauen auch in der Rechten nicht ganz ohne, und sie vernebelt den selbstproklamierten "kalten Blick". Nun ist Blockdenken wohl unabdingbar, wenn eine gewisse Konsequenz angestrebt wird, ob dies aber die Antwort sein kann, wenn doch eigentlich JEDER wirkliche Standpunkt diffamiert wird, ob rechts, links oder wo auch immer verortet...? De facto teilen aufrechte Konservative doch das Schicksal beispielsweise aufrechter Sozialdemokraten oder aufrechter bundesrepublikanischer Kräfte aller Couleur (auch diese gab es). Die Mittel mögen unterschiedlich spektakulär sein, dennoch kann man durchaus nicht eine exclusiv rechte Opferrolle beanspruchen bloss weil es hier besonders kracht. Nur ein Beispiel wäre etwa, wie in der SPD der Schröder-Ära personell aufgeräumt wurde.

Viele sich als rechts bezeichnende Menschen scheuen aber den Schulterschluss, vielleicht zu recht, ich weiss es nicht. Ich würde persönlich jedenfalls eher gemeinsame Feinde ALLER gebildeter und positionierter Menschen als das derzeit grösste Problem sehen, und weniger die unterschiedlichen Sichtweisen zwischen den Blöcken. Wo klare Interessen offen vertreten werden, ist es oft noch eher zu einer Einigung und lebbaren Lösung, oder wenigstens einem Burgfrieden gekommen, als dort wo keiner mehr ausspricht für wen und was er eigentlich arbeitet (also im weltweiten Amerika). Einer dezidiert den Kampf liebenden Freikorpsrechten dürfte das egal oder sogar ein Graus sein, einem eigentlich Konservativen eher nicht.

Dazu kommt, dass viele auch ihre Kleingeisterei sehr lieben und als konservative Essenz begreifen, so wie viele ihre Schmalspurlinkerei besonders aufgeklärt und modern finden. Bei nur sehr schwer (und bei Lichte betrachtet: wohl nur unterdrückerisch) rückgängig zu machenden Zeitläuften in Sachen Lebensstandard, Mann/Frau/Familie, persönlicher Lebensgestaltung usw. ist vielen dann eben doch die Asche lieber als das Feuer, auch wenn sie das natürlich vehement bestreiten würden. Eine weitere Verzweigung hat die Ökonomie als Leitbild innerlich voll akzeptiert und benutzt sie auch unkritisch als Dauerargument, bezeichnet sich aber dennoch und aus mir unerfindlichen Gründen als konservativ - hier spielt wohl eher die Besitzstandswahrung einer im Kern amerikanisierten Schicht eine Rolle, die man durch Destabilisierung in Gefahr sieht. Sehr gut möglich, dass die teilweise ikonisch verehrte Alte Welt der Altvorderen, die ja in Wahrheit vieles souverän und an seinem Platze integrieren konnte, durch solchen Vulgärkonservatismus im Grunde auch trockengelegt worden wäre.

Betrachtet man dann noch die unglückliche Abbildungsfähigkeit der deutschen Parteienlandschaft, ist es wohl als Krönung des Ganzen kein Wunder, wenn die deutsche Rechte sich apparatisch in einer NPD bündelt. Die übrigen Parteien können ja auch unmöglich der Ernst jener Menschen sein, die sie zu repräsentieren vorgeben.

Fahrnheit451

17. Dezember 2012 18:38

Die Analyse gefällt, nur fehlt mir hier jener Blick auf die Auswirkungen, den zB. MKH im Tal der Aussätzigen gezeigt hat.
Was die Forderung nach Distanzierung angeht, das ist eine Anmassung, eine Forderung nach Unterwerfung. Wer sich unterwirft hat verloren.

Die NPD hat Recht, wenn sie sich eine solche Distanzierung von Teilen einer überlieferten Vergangenheit verbittet und jeder andere ob Konservativ, Islamkritisch, Befreiungsnational oder sonst was, hat auch Recht, wenn er sich sich eine Forderung nach Distanzierung von der NPD verbittet.

Im Gegenteil, was das Distanzieren angeht, die fordern, wenn, dann wir.

Distanzierungen vom Islam, Distanzierungen von antigermanistischer Greuelpropaganda, Distanzierung von nordophober Rassenhetze, von antieuropider Völkermordpolitik. Das fängt beim Donnerwetter auf jeden Blondenwitz an und hört beim Vorwurf der Billigung von Völkermord auf, wenn man von europiden Völkern Dinge verlangt, die ihre Entfaltung, ihre Lebens- und Freiheitsrechte schmälern.

Karolus

17. Dezember 2012 19:45

Kurt Schumacher, Sie bringen da einige geschichtliche Fakten durcheinander - Elsaß-Lothringen, im Mittelalter reichsdeutsch und nach 1648 Stück um Stück von Frankreich annektiert, von 1871-1918 wieder reichsdeutsch (wenn auch das Reich diesmal eine andere Form und Verfassung hatte), wurde 1918 wieder französisch. Von 1940-1945 unterstand es deutscher Hoheit. Dass es 1945 wieder unter französische Hoheit zurückkehren würde, war klar. Dieser Akt lässt sich rechtlich keinesfalls mit dem Verlust deutscher Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße vergleichen. Und das Saarland war im 20. Jahrhundert nie völkerrechtlicher Teil des französischen Staates, weder nach dem Ersten noch nach dem Zweiten Weltkrieg.

Irrlicht

17. Dezember 2012 19:58

Der Umgang mit der NPD, als Symbol für einen 12 Jahre umfassenden Zeitraum in der deutschen Geschichte, zeugt weniger von einer dysfunktionalen Demokratie, die, jedenfalls bis 1990, bloß den Zuckerguss für eine Fremdherrschaft darstellte, als der zentralen Schwäche Nachkriegsdeutschlands, nämlich einer, jenseits pseudo-religöser Darstellungen als Reinkarnation des Bösen, ernsthaften Auseinandersetzung mit dem NS-Staat und dem (historischen) Nationalsozialismus, der sich nicht pauschal als "Widerstandsbewegung gegen die Moderne" - dazu lassen sich Modernierungsschübe, z.B. in der Wirtschaftspolitik, ausmachen - werten läßt. Die Kritik von Marcus Junge an der im Artikel angeführte Kurzcharakterisierung durch die Termini "rassistisch", "anisemitisch" und "Verbrechen der Hitler-Diktatur" ist berechtigt, es handelt sich um idelogische Fragmente aus dem politik-korrekten Diskurs.

Die angeführten Veteranen aus dem Positivismusstreit, Habermas und Popper, bezeugen, entgenen der Einschätzung im Artikel, auch eher die intellektuelle Malaise. Ersterer bediente sich einer metaphysisch angereicherten Sprechakttheorie und ist samt der "neuen" Frankfurter Schule fast vollständig aus dem akademischen Bereich verschwunden, letzterer erlitt mit dem Versuch ("Die offene Gesellschaft und ihre Feinde") einer Übertragung eines selbst für den naturwissenschaftlichen Bereich ungeeigneten wissenschaftstheoretischen Ansatzes auf die ganze Gesellschaft Schiffbruch.

Kurt Schumacher

17. Dezember 2012 21:01

@ Karolus

Ich halte hier keine "völkerrechtliche" Vorlesung, sondern ich spreche als Deutscher. Und als Deutscher ist für mich Deutschland der Dreh- und Angelpunkt! Alberne Papierparagraphen spielten weder 1648, noch 1918 oder 1945 eine Rolle - Deutschland hatte sich einfach verausgabt; es war zu Tode erschöpft. Da machten seine Feinde mit ihm, was sie wollten. Das ist die nackte Wahrheit. Was denken Sie zum Beispiel, woher die Amerikaner plötzlich nach 1945 "ihre" Fernseher, "ihre" Raketen, "ihre" Computer, "ihre" Düsenflugzeuge, "ihre" Helikopter bekamen...? Alles aus Deutschland gestohlen. Googeln Sie mal "Operation Paperclip". Also, wie die französischen Besatzer ihre Saar-Ausplünderung "juristisch" bemänteltenn, wen juckt das? Fakt ist, sie beuteten die deutschen Saargruben aus. Und die deutschen Gebiete im Osten sind übrigens umfangreicher als die Oder-Neisse-Grenze. Schon in Versailles hat man Deutschland im Osten verstümmelt, daher kam ja (unter anderem) der Zweite Weltkrieg.

Asenkrieger

17. Dezember 2012 21:08

Wir müssen aufhören, uns von Personen und Organisationen zu distanzieren, nur weil das der politische Gegner so will.

Der politische Gegner distanziert sich zwar gelegentlich rein verbal von Extremisten und Kriminellen in seinem Lager, doch wenn es um gemeinsame Aktionen gegen "Rechts" und anderes geht, sind wieder alle herzlich willkommen.

Man sollte sich nur noch bezüglich unterschiedlicher Meinungen und Inhalte in einem fairen Diskurs "abgrenzen".

Es gibt ein Thema, bei dem alle Deutschen an einem Strang ziehen müssen: Die Verhinderung der totalen Überfremdung und Islamisierung Deutschlands und Europas. Da ist es völlig egal, wer mit uns ist, da es nur zwei Seiten der Barrikade zur Auswahl gibt. Selbst "Links" und "Rechts" spielt da bald keine Rolle mehr.

Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und können unser Ende schon absehen, wenn nicht sehr bald Entscheidendes passiert.

Kurt Schumacher

17. Dezember 2012 21:40

Aber gut, zurück zum Thema. Die real existierende NPD hat wohl eine Art "Blitzableiter-Funktion" in der Parteienlandschaft. Noch nicht einmal dadurch, daß jemand sie wählt (aber einige Wähler hat sie doch); hauptsächlich vielmehr dadurch, daß die anderen sich von ihr distanzieren. Und da nützt es übrigens gar nichts, wenn die NPD sich nun ihrerseits von Hitler distanziert, oder vom Rassismus, oder vom Antisemitismus, oder wovon auch immer. Wie in der Fabel vom Hasen und vom Schweinigel ruft die übrige Parteienwelt sowieso immer: "Ick bünn allhier!" - Theoretisch könnte die NPD also "Klartext reden" - nur ich fürchte, da gibt es gar keinen Klartext. Udo Voigt war ja noch etwas intelligenter und auch mutiger als Holger Apfel, aber ehrlich - auch er war oft eher peinlich. Man erinnere sich an die Plakatkampagne "Gas geben". Da saß Herr Voigt auf dem Motorrad (ohne Helm, damit man ihn auch erkennt) und grinste verschmitzt über seinen "erschröcklichen" Wahlspruch. Auweia. Oder die Kampagne der hessischen NPD mit den Gartenzwergen im Wald. Erinnert sich noch jemand? Da kam der Spitzenkandidat als Schimmelreiter angaloppiert und schlug wie, Kasper das Krokodil, den "schwarz maskierten Finanzkapitalisten" mit dem Klappspaten nieder. Unter dem Gejohle der Zwerge....

Es sind solche Ausrutscher der NPD, die den Verdacht aufkommen lassen, daß - selbst wenn es die V-Männer nicht gäbe - die ganze Partei ein Verein von Hofnarren ohne eigenes Wissen ist, eine absichtliche Negativauslese, um das Konservative in Mißkredit zu bringen.

Eine echte nationale Opposition benötigte wahrlich eine Gesundkur an Haupt und Gliedern! Vielleicht könnte die NPD das schaffen. Aber dann würde sie wahrscheinlich wirklich verboten.

Martin

17. Dezember 2012 21:51

@Fahrenheit451:
Sie schrieben:

Was die Forderung nach Distanzierung angeht, das ist eine Anmassung, eine Forderung nach Unterwerfung. Wer sich unterwirft hat verloren.

Das sehe ich genauso. Es wird immer inhaltliche Schnittmengen mit der NPD geben, ja selbst etablierte Parteien habe solche.

Sich davon zu distanzieren, nur weil es von der NPD formuliert wird, bedeutet das Spiel des Gegners zu spielen, ja sich bereits auf solche Argumentationsriten einzulassen, ist ein selbsttätig verpasster politischer Genickschuss, ohne dass die anderen auch nur einen Finger dafür krumm machen.

Insgesamt fühle ich mich nach der Lektüre des Artikels dazu aufgerufen, als Zeichen des an einer Wahlurne maximal möglichen Protestes, zukünftig NPD zu wählen. Dass ist die einzig logische Schlussfolgerung und die einzig demokratische Antwort auf das undemokratische Spiel der Etablierten, oder liege ich da falsch?

(Sarkasmus Modus) Los, jetzt haltet mich vor der Einleitung der Selbstvernichtung meiner bürgerlichen Existenz ab - die IP- Adressen liegen vermutlich schon bei den Schlapphüten und übermorgen verliere ich meinen job , nur weil ich heute derartiges schreibe ...

Sara Tempel

17. Dezember 2012 23:27

Ich stimme Ihrer treffenden Analyse voll zu.
Der Generation von Studenten aus der Dekade, die der 68-ger-Revolte folgte, entstammend, verurteilte ich selbst alles konservative, traditionelle, die Kirche a prori als schlecht und mit der NS-Diktatur verwoben. Heute sehe ich die Geschichte Deutschlands und meiner Vorfahren als leidvoll an, im 21. Jahrhundert mehr denn je. Die BRD war niemals souverän, die Politiker Marionetten, aber meine Zeitgenossen arrangierten sich, wurden gekauft oder manipuliert. Dann wurde die rot-grüne Ideologie immer intoleranter und unkritischer, während sie gesellschaftliche Dominanz erlangte. Menschen werden aufgrund ihrer "falschen" Einstellung abgelehnt! Überall Nachfolger der Jakobiner, Vorläufer der neuen linken Faschisten, Duckmäuser, die man auch in der CDU findet! In meinem Freundeskreis spielte die linke Zeitströmung eine große Rolle und ich musste entsetzt beobachten, dass man eine Freundschaft zu einem italienischen Katholiken nur deshalb aufkündigte, weil dessen Meinung als reaktionär eingestuft wurde. Die sich als "intellektuelle Elite" Begreifenden lehnen alles Transzendente ab, zudem ist “rechts” oder “reaktionär” ein Schimpfwort! -
In Wahrheit entpuppen sich solch´selbstgerecht "Progressive" nach und nach entweder als machtgeile Materialisten oder als heuchlerische “Gutmenschen”, die sich im Mainstream suhlen, wie viele FunktionäreInnen der evangelischen Kirche. Diese ist heute politisch so stark linkslastig orientiert, dass man eher von einer Partei als von einer Kirche sprechen sollte.
Die Gesinnungsschnüffelei und Entwicklung der BRD zum Überwach-ungsstaat hat bereits bedrohliche Ausmaße angenommen, wenn eine kritische Einstellung zu “Fremden” die Förderung junger SportlerInnen gefährden soll, während Migranten Narrenfreiheit genießen! Wenn die SPD/Grünen rechtes Gedankengut eliminieren wollen und mit dem NPD-Verbot Erfolg haben, dann werden sie immer weiter gehen müssen (wo fängt extrem an?) und die Gehirnwäsche verstärken (z.B. durch Gesetzespflicht permanenter TV-Berieselung mit ö.-r. Sendern und noch mehr Vorschriften, noch kompliziertere Sozial- und Steuergesetze)! Und dennoch würden freie Denker überleben ...
Ein frühes Beispiel für die Manipulation des braven Bürgers durch Medien (nicht nur der Springerpresse)) waren die provozierten Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen gegen Asylanten, ein offiziell geplantes Ventil, um die Masse von Protesten gegen die Migrantenflut aus dem Osten abzuhalten. Linksextreme Provokateure, fehlende Vorbeugemaßnahmen der Polizei, trotz Ankündigung von Drohungen der dummen NPD, die in der Presse kommentarlos verbreitet wurden, das konnte nicht gut gehen! War dieses Bauernopfer nötig, um wieder das schlechte Gewissen des Deutschen zu nähren? Warum wohl griff die Polizei nicht ein? Wie könnt Ihr so naiv sein, das von den “Linken” verbreitete Gerücht zu glauben, die Ordnungshüter hätten eigenmächtig mit der NPD sympathisiert? Hat unsere Polizei je derart agiert? - Als Erfolg war jedenfalls das rechte Lager in aller Augen diffamiert. So konnte sich seither keine seriöse konservative Partei mehr rechts der CDU etablieren.
Die plausibelste Erklärung für die seltsamen "NSU-Morde" ist, dass der türkische Geheimdienst dahinter steckt, der grenzübergreifend organisierte Kriminalität bekämpft. Diese illegalen Operationen wurden hier vom deutschen Geheimdienst so gedeckt, dass es die rechte Szene in Verruf brachte. Dagegen ist die in den Mainstream-Medien (den sog. "Qualitätsmedien") verbreitete Ansicht so hirnverbrannt, dass sie entlarvt, für wie dumm der Bürger hier verkauft wird.

Georg Mogel

18. Dezember 2012 00:05

Wird einem Demokraten ein Finger brandig,
dann fällt ihm, nur ein, ein Gesetz zu verlangen,
das das Abschneiden aller Hände anordnet.

Gomez Davila

Sixty

18. Dezember 2012 02:35

"Das die Ablehnung der Überfremdung und Islamisierung plötzlich nicht mehr als rassistisch angegriffen wird, wer will es glauben? Soll man dann diesen Themenkomplex nicht ansprechen?
Das selbst berechtigte Kritik an der Politik Israels oder der ewigen Zumutungen des ZdJ nicht mehr als antisemitisch hingestellt werden, wer will es glauben? Also auch dazu keine Äußerungen und schlucken?"

Was soll das jetzt bedeuten?
Kritik an Überfremdung und Islamisierung hat doch mit "Rassismus" objektiv gar nichts zu tun, genausowenig wie die Ablehnung der aggressiven Außenpolitik Israels oder Kritik an den Einlassungen des "Zentralrats der Juden" "antisemitisch" ist. Diesen Schuh braucht man sich doch nicht anzuziehen ... wobei in den letzten beiden Punkten ja auch Teile der Linkspartei vom politisch korrekten (übrigens keineswegs nur "linken") Mainstream ausgegrenzt werden.
Diese absurden Unterstellungen fallen doch letztlich denen, die sie absondern, auf die Füße. Das kann jeder, der noch in der Lage ist, seinen gesunden Menschenverstand zu benutzen, begreifen, egal ob er "links", "rechts" oder sonst was ist. Und das kann man alles in Ruhe und mit den besseren Argumenten widerlegen. So wie es z.B. auch Sarrazin getan hat. Das ist immer noch die beste Methode, um dem hysterischen Gezeter der Political-Correctness-Blockwarte entgegenzutreten.
Daß die NPD und der "nationale Widerstand" vom herrschenden Block als Popanz aufgebaut und die von ihnen ausgehenden Gefahren maßlos aufgebauscht werden, daran sind sie aufgrund ihrer sektiererischen und teilweise extremistischen Politik selber nicht schuldlos.
Daß etwas nicht allein dadurch, daß es auch von der NPD gesagt wird, schon falsch wird, ist allerdings auch wahr. Das trifft aber eigentlich im Prinzip auf alle Parteien zu.

Kardinal Fehler

18. Dezember 2012 10:01

Sie lieben "ihren" Hitler, die Kämpfer gegen Rechts. Sie suchen ihn und finden ihn nicht und sie können es schier nicht ertragen, dass er schon tot ist. Und fänden sie ihn doch, töteten sie ihn nicht augenblicklich, sondern spielten endlos mit ihm, wie die Katze mit der Maus. Sie brauchen ihn, mindestens zur Legitimation ihrer Aktionen, die sie nicht müde werden als Courage zu verkennen.
Sie geben zwar vor, aus prinzipiellen, aus ethischen Erwägungen heraus nicht mit Nazis sprechen zu wollen. Aber man wird dabei den Eindruck nicht los, dass es eher die Furcht ist, einem der erahnten Argumente des Bösen nichts entgegenhalten zu können. Denn was geschähe dann? Die unaussprechliche Antwort generiert soviel Angst, dass sie sich in hyperventilierenden Trillerpfeifenkonzerten abarbeiten muss.
Wahre Courage wäre es, sich dem Diskurs zu stellen. Mit den Mitteln der Zivilisation und nicht der Barbarei, die man ja bekämpfen will, zu hantieren. Und wahre Courage wäre es, sich zu erlauben, zu differenzieren: sich zu lösen von dem faulen Zauber, dass alles was nicht bei 3 links ist, automatisch rechts, mithin Nazi ist.
Eine auf einem Bein stehende Gesellschaft kippt irgendwann um. Egal, ob sie auf dem rechten oder auf dem linken Bein stand.

Sara Tempel

18. Dezember 2012 10:24

Lieber Sixty,
was meinen Sie mit "sektiererischen und teilweise extremistischen Politik"?
Es stimmt "Kritik an Überfremdung und Islamisierung hat doch mit „Rassismus“ objektiv gar nichts zu tun", aber es wird doch so von der herrschenden Meinung der „Qualitätsmedien“, Politikern, grün-linken Faschisten und türkischen Verbänden dargestellt! Es ist doch gerade die extreme Manipulation durch öffentlich-rechtliche Sender, die unsere Freiheit bedroht!
Die gleiche Taktik, die bei der RAF erfolgreich war, benutzt der Verfassungsschutz jetzt offensichtlich bei ihrer V-Frau Beate Zschäpe.
(s.o. mein Beitrag und www.saratempel.de)
Bekennen Sie doch selbst Farbe!

Marcus Junge

18. Dezember 2012 11:24

Sixty

Leider ist es nur die Theorie, die sie hier darstellen. Die besseren Argumente werden in den Medien unterdrückt oder fliegen aus der Sendung, in den Parlamenten werden sie niedergebuht, in den Schulen als Nazi gegeißelt und in den Parteien ausgeschlossen, so man es irgendwie hinbekommt (Stadtkewitz, Nitsche, Hohmann, der Umgang mit Sarrazin - der nur durch Zufall "gerettet" wurde").

Das diese absurden Unterstellungen daher auf fruchtbaren Boden fallen, sollte eigentlich jeder am Umgang mit Sarrazin, Heisig und Co. erkannt haben, oder gern auch an der Wirkung auf die Lebensumstände/Politik, die diese Personen hatten. Was hat sich durch die besseren Argumente Sarrazins geändert? Nichts! Es wurde und wird saogar immer schlimmer und die Propagandaschlach immer heftiger gegen uns geführt.

Wer einen Schritt weiter zu gehen gedenkt, der darf sich gern überlegen, was die NPD in dieser Richtung erreicht hat. Alle Defizite in der Darstellung seien mal nicht beachtet, so waren doch diverse Aussagen/Wahlkampfplakate der NPD, schon von vor 20 Jahren, recht identisch mit den Dingen, die politisch völlig korrekt heute bekämpft werden. Meint jemand wirklich eine neue radikale rechte Partei, würde da anders behandelt?

Vulture

18. Dezember 2012 13:46

Mir gefaellt der Artikel fuer sich besehen sehr.
Grundsaetzlich wuerde ich aber anmerken wollen, dass eigentlich schon die Beschaeftigung mit dem Thema in eine Falle fuert. Der Herr Hinz hat das in der JF ja auf den Punkt gebracht: Ablenkungsmanoever.

Wenn ich einer der Vertreter dieser oder jener oder auch jener Truppen waere, wuerde es mich beilaeufig amuesieren, dass man in D mit der NPD "busy" ist, es wuerde mich freuen, dass man in Frankreich fuer oder gegen die Homoehe grosskampfdemonstriert, auch schoen dass sich die europaeische Presse gerade im Schnellfeuer auf das amerikanische Waffenrecht einschiesst (als ob die da was mitzubestimmen haetten), herrlich dass man fuer fehlinvestierte GM Werke in Europa Staatshilfen fordert und letztendlich nicht weiter stoerend wenn einige Rinke wie Lechte immer wieder aufs neue nach mehr Bankenregulierung schreien, solange die Cashversorgung mit Zentralbankkrediten zum Ramschzins sichergestellt ist und der Wert der Arbeit durch massenweise Frauen- und Migrantenarbeit niedrig bleibt. Alles andere regelt sich dann von selbst.

Yvonne

18. Dezember 2012 14:06

„...alles redet über die NPD, kaum jemand aber mit ihr.“ Und warum wird es dann nicht hier getan?
„...ob sie sich vom Nationalsozialismus in dessen historischer Gestalt abgrenzt?“ Wäre es also für Sie in Ordnung, wenn die NPD einen neu formulierten, „modernen“ Nationalsozialismus vertreten würde?
Der spannende Punkt ist doch, ob es (moralisch) erlaubt sein kann, einen positiven Rückbezug auf das Dritte Reich zu suchen. Sich inhaltlich mit der NPD auseinanderzusetzen heißt, sich auch dieser Frage zu stellen. Ich jedenfalls habe sie mir mit „ja“ beantwortet. Wir sollten zu stolz sein, uns der üblichen Phrasen zu diesem Thema zu bedienen, und den Mut haben, das Gute an unserer Geschichte weiterhin hochzuhalten. Das versucht doch die NPD, und dafür wähle ich sie (ungeachtet vieler Peinlichkeiten).
Abgesehen davon glaube ich nicht, daß es eine von nazistischer Gesinnung unbefleckte, aber dennoch „radikale“ Rechte geben kann, da es zu viele Gemeinsamkeiten gibt, die, wie bei all diesen Versuchen, von unseren Feinden auch nicht ganz zu Unrecht sofort attestiert werden würden (es sei denn, man versteht unter Nazitum exklusiv das Begehen bzw. Gutheißen von Verbrechen).
Viele hier wollen Hitler gern begraben, tun gelangweilt. Ich glaube aber, daß noch ein schönes Feuer von ihm ausgehen könnte, und warum sollte man das nicht nutzen?

Theosebeios

18. Dezember 2012 14:09

Sehr lesenswerte, subtile Analysen, die hier von Hinz (JF-Forum) und Bosselmann vorgelegt wurden. In der von Hinz stört mich freilich, dass 'die andere Seite' als allzu strategisch und monolithisch denkend unterstellt wird. Bay. Staatsregierung, Grüne und Linksparteiler werden in Bezug auf ein NPD-Verbot kaum (unter den Topoi Ablenkung, Ersatzhandlung etc.) an einem Strang ziehen. Dem steht eine Position gegenüber, wonach die NPD oder eine vergleichbare Organisation als Popanz gebraucht werde. Zweifellos erleichtert das extreme Erscheinungsbild der Partei, von wem auch immer es maßgeblich geprägt worden ist, Formen der Pathologisierung und Mythologisierung, durch die sich die politischen und Funktionseliten jeder sachlichen Debatte entziehen können. Man kann die NPD insoweit trefflich funktionalisieren, aber sie wird aus funktionellen Gründen von der 'anderen Seite' keineswegs gebraucht. In mancher Hinsicht bildet sie sogar eine Sperre gegen die angestrebte Vertiefung des "Kampfs gegen Rechts", gerade weil sich viele Kämpfer auf die Formel Rechts = NPD kapriziert haben.
Beim nun anstehenden NPD-Verbotsverfahren darf man nicht übersehen, dass es bereits seit vielen Jahren angestrebt und vorbereitet wird. Dabei spielen viele Gründe eine Rolle, darunter auch die Befürchtung, die NPD könnte sich parlamentarisch und als Protestpartei etablieren. Der biedere Verfassungs- oder Staatsschützer ist gegen ein Verbot. Die Politik im (beinahe) Konsens handelt im Dissens mit ihren Experten, übrigens auch den Wissenschaftlern, natürlich in gemeinsamer Absicht. Die Reihen der Politik sind längst nicht so geschlossen wie 2002. Gleichwohl wird eine abweichende Stellungnahme wie die des hessischen Justizministers mancherorts als Hochverrat eingestuft und von der Presse mit Häme übergossen. In den Kommentarspalten fand ich auch am Wochenende eine treffende Schlussfolgerung: Wenn die NPD verboten sei, könne man sich endlich dem "braunen Sumpf im Alltag" zuwenden.
Freilich wird das so ohne weiteres nicht gelingen, denn bereitstehende Ersatzorganisationen werden erneut vom Kampf gegen die (alte) Mitte ablenken.

Kurt Schumacher

18. Dezember 2012 15:53

Was würde wohl passieren, wenn die NPD sich in "Zentralrat des deutschen Volkes" umbenennen würde? Ich meine, wir haben einen "Zentralrat der Muslime", einen "Zentralrat der Aleviten", "Zentralrat der Sinti und Roma"....und alle dürfen Forderungen an Deutschland stellen. Wie wäre es, wenn das deutsche Volk den Spieß mal umdreht? Wenn es sich selbst eine Stimme gibt und offensiv auftritt? Oder sagen wir es gutgläubig auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung: wenn das deutsche Volk in den pluralistischen Dialog eintritt? Alle anderen schließen sich immer zusammen ("Block statt Brei" nannte das, glaube ich, dieser Was-Guckstu-Türke mal, hab den Namen vergessen). Nur wir Deutschen stehen vereinzelt und hilflos auf weiter Flur?! Ein Partei-Name wie "Zentralrat des deutschen Volkes" könnte immerhin wie ein Licht in dunkler Nacht sein. Die Diskussion "Was ist deutsch?" dürfte man dann allerdings nicht scheuen!

Antichrist

18. Dezember 2012 16:53

@ Karl Eduard

Von unseren lupenreinen Demokraten werden in Russland sogar Demos von Ultra-Ultra-Ultra-NAZIonalisten (erkennbar an der Romanow Fahne oder gar der gruseligen Nazbol Fahne) bejubelt und gefördert, so lange diese gegen den böööösen bööhhhhsen Putin demonstrieren. Panslawische Ultra-Ultra-Ultra-NAZIonalisten sind eben für den braven deutschen PC verliebten Bundesdeppen etwas gaaanz anderes als die bööösen rrrechten Naaahzis in Germany. PC richtet sich eben wie in der DDR nach der Orientierung der Regierungsinteressen nach innen und nach außen und nicht nach Fakten oder Rationalität oder gar der exotischen und vom aussterben bedrohten Wahrheit. :)

Meyer

18. Dezember 2012 17:27

Wenn ich mal irgendeinen Parteivorsitzenden, sei es Bund oder Land, sei es jedweder Partei, die in irgendeinem Landtag sitzt, mit irgedneinem Landes- oder Bundesvorsitzenden der NPD vergleiche, kann ich keinen Qualitätsabfall bemerken.
Beispiel: Größte Bundespartei: VDU. Größter Landesverband: NRW. Laschet!
Dagegen war Voigt, von dem ich wenig halte, menschlich, charakterlich, intellektuell ein Gigant. Und er war keiner.

Mein Verdacht, daß Voigts Niederlage im engen Zusammenhang mit dem Rückzug der Verfassungschutzämter/-Abeilungen aus der NPD steht, ist wohl nicht völlig unbegründet. Oder eben Zufalll. So wie Molaus "Ausstieg".
Da lachen nämlich die Hühner.

Parteien sind halt per se Dreck. Und natürlich ist die NPD schon immer das geringste Übel gewesen, für das selbst ich die CDU lange gehalten hatte. Das war natürlich völliger Blindflug. Nochmal: Die CDU bringt einen Laschet hervor! Das hat selbst die NPD noch nicht geschafft. Gegen einen Laschet ist selbst die pro-Partei-Führung ein Hort der Sympathie, was sie nicht ist.

Fahrnheit451

18. Dezember 2012 19:02

Marcus Junge
Dass die Medien gegen die Opposition arbeiten ist seit Ewigkeiten so. Deswegen spricht man nicht mit denen, sondern diskreditiert sie an der Wurzel. Besuch beim Kollegen , TV gesehen. Frage:
"Du hast eine Eloktrolügner. Wie bist Du denn drauf?". Rechtfertigungsbombe gelegt. Defensive auf Gegenseite, Nachdenkprozess angestartet.

Sara Tempel
Ob und inwieweit „Kritik an Überfremdung und Islamisierung hat mit „Rassismus“ objektiv gar nichts zu tun“, hat ist erstens Definitionssache "Was ist Rassismus" (Definitionshoheitstreit) und zweitens egal, den nichts wird richtiger oder unrichtiger, wenn man es "rassistisch" nennt. Das ist nur eine Polemik. Als passende Gegenfrage auf den Rassismusvorwurf reicht es nachzuhaken "Was willst Du damit sagen, das sei rassistisch?"
Btw: Kürzlich habe ich einmal bei google.se "Rassismus – Die kuriosen Ursprünge eines nutzlosen Wortes" gegooglet. Nur so am Rande.

Im Endeffekt geht es nur darum, zu erkennen, dass der Status Quo nicht wir sind, seine Ethik ist nicht die unsere, nichts von ihm hat mit uns etwas zu tun. Die Machtverhältnisse sind eine Gegengesellschaft. Vor denen rechtfertigt man sich einfach nicht. Deren Werturteile und sonstige Urteile sind ein Fall für "die Tonne". Ich erinnere höflich an den Aufruf An Mein Volk und die Implikationen davon. Gerade die 1-Mann Divisionen sollten so etwas sehr wohl wohl verstehen und umsetzen können.

Antichrist

19. Dezember 2012 01:39

@ Meyer

Das beste was der Neuen Rechten und einer realen Chance Europa zu retten passieren kann, ist das die NPD verboten wird. Es mag sein das NPD Politiker teilweise größere Leuchten sind als der armselige Schleimhaufen, der sich in den etablierten Parteien tummelt, aber das ist doch nun wirklich keine Kunst. Selbst Pierre Vogel steckt die allesamt in Sachen Intelligenz und demagogischem Geschick in die Tasche, ich, du, unser Hausmeister, der Müllmann und der Taxifahrer übrigens auch, was sich in unserer Politik auf den höchsten Posten tummelt, ist wirklich zum schämen erbärmlich. Das was die NPD allerdings zu totalen Vollpfosten macht, ist das sie im Gegensatz zu dem etablierten Schleimhaufen nicht wissen wie man kommuniziert, wie man Andere überzeugt und das sich nicht um die Notwendigkeit dieser Kommunikation wissen. Das peinliche anquatschen von Schulklassen, obwohl man als NPD-Gesicht ja wissen muss das man ein stigmatisierter "Nazi" ist, ist ja wohl ein Tiefpunkt in Sachen Kommunikationsfähigkeit. Wie die NS Szene verharrt die NPD störrisch in brauner Nostalgie und ist nur an ihrer eigenen ideologischen Wohlfühlstimmung interessiert, was sie dabei kaputt macht (machte, denn die begangenen Fehler sind für diese Partei nicht mehr gut zu machen) und wie sie damit nicht nur sich selbst, sondern alles identitäts- und volksbezogene beschmiert und isoliert, das ist dieser Partei und ihren FAP Kadern entweder garnicht bewusst oder in ihrer autosuggestiven NS-nostalgischen Wohlfühlstimmung vollkommen egal. Und genau das ist es was Voigt und Co dümmer macht als Schleimspur-Laschet. Ein intelligenter NPD Politiker an der Führung dieser Partei, sofern er kein V-Mann ist, würde diese verunglückte Partei sofort ersatzlos auflösen und seine Andere stigmatisierende "politische Arbeit" einstellen, das gleiche gilt für die "Kammeradschaften" aber denen traue ich noch weniger Intelligenz als einer Scheibe Brot zu.

Sixty

19. Dezember 2012 10:52

Liebe Sara Tempel,

Ihrer scharfen Kritik an den Mainstream-Medien und der leider erfolgreichen Art und Weise, wie sie die öffentliche Meinung und die Masse des Volkes negativ beeinflussen, kann ich nur zustimmen. Das sind übrigens keineswegs nur "linke" oder öffentlich-rechtliche Medien, sondern gerade auch solche wie z.B. BILD oder RTL (BILD im Fernsehen).
Auch ich ärgere mich immer wieder über das "politisch-korrekte" Parteienkartell, das mehr oder weniger alle Parteien einschließt.

Ihre Homepage und insbesondere auch Ihre persönliche Geschichte finde ich übrigens sehr interessant, nebenbei bemerkt.

Sara Tempel

19. Dezember 2012 14:32

Lieber Sixty,
ich bedanke mich herzlich für Ihr Interesse an meiner Website. Man kann auch von dort aus auch direkt mit mir kommunizieren. Das treffende Dávila-Zitat von Georg Mogel habe ich übrigens dort eingefügt.
Mag sein, dass ich mich mit meiner Kritik etwas einseitig auf die links Orientierten und die Grünen eingeschossen habe, weil ich morgens WDR höre, einige dieser Leute kenne und von dieser Richtung ursprünglich etwas anderes erwartet hatte. Offenbar habe ich mir ein Ideal der Konservativen geschaffen, dass weder mit der CDU/CSU, noch mit RTL oder Bild zu tun hat; eine Partei oder Gruppierung, deren Gründung in Deutschland überfällig ist. Die freien Wähler? Selbstverständlich habe ich keine Vorliebe für die NPD, aber ein Verbot lehne ich aus vielerlei Gründen (s.o. Herrn Bosselmanns + unsere Argumente usw.) ab! Ich denke, Sixty, da sind wir uns einig! Zudem finde ich es undemokratisch und diskriminierend, wenn man NPD-Funktionären keine Hotelzimmer vermietet. Bei einem Türken, z.B. von der PKK, oder Asylanten würde sich das niemand trauen! Hier wird ein Feindbild aufgebaut, dass niemand überprüfen kann, denn es gibt auch keine Interviews in Radio oder Fernsehen.

Fahrnheit451

19. Dezember 2012 19:12

Ich störe nur ungern Euren Flirt, aber ihr verharrt auf einer Erkenntnisstufe, die so schon längst überwunden wurde.

Weder Parteien, die schlecht genug sind, von den Kartellmedien positiv erwähnt zu werden noch Medienkartelle selbst sind irgendwie für Konservative und alles treudeutscher davon relevant.

Natürlich diskriminiert das BRD Deutsche, die Deutsche Interessenvertretung fordern negativ. Ohne Glacehandschuhe. Und natürlich diskriminiert das BRD Nichtdeutsche, die ihm als nützliche Idioten taugen, positiv. Egal wen die totttretten und womit sie dealen. Das ist dort keine moralische Frage, sondern simpelste Taktik. Deswegen ist die Debatte, ob das jetzt unnett, diskriminierend oder sonstwas findbar ist, irgendwie entbehrlich, denn dahinter steckt Absicht.
Nur so zum Spass habe ich meine google.se Anektote nicht gebracht. Der Ausweg ist dort, wo die Feinde über eine pawlofsche Konditonierung uns das dickste Brett vor die Stirn zu nageln versuchten, nur so zum Spass haben sie genau dort nicht ihr eigenes Schwergewicht gesetzt

Wolf

20. Dezember 2012 09:40

@Kurt Schuhmacher,ich stimme ihnen wie Marcus Junge zu, und daher findet der Hinz-Artikel im Gegensatz zu vielen anderen seiner Veröffentlichungen nicht meine ungeteilte Zustimmung. Wir sollten uns doch wenigstens darum bemühen ein unverkrampftes und der Wahrheit entsprechendes Geschichtsbild zu haben. Wer über die NPD redet oder schreibt sollte sich ihr Programm ansehen.
Wem nützen wir mit unserer Häme gegenüber der NPD. Eine sachliche Kritik sei dahin, aber eine undifferenzierte Polemik ist für mich eine
Verbeugung vor dem linken Zeitgeist

Sixty

20. Dezember 2012 14:27

"Wie die NS Szene verharrt die NPD störrisch in brauner Nostalgie und ist nur an ihrer eigenen ideologischen Wohlfühlstimmung interessiert, was sie dabei kaputt macht (machte, denn die begangenen Fehler sind für diese Partei nicht mehr gut zu machen) und wie sie damit nicht nur sich selbst, sondern alles identitäts- und volksbezogene beschmiert und isoliert, das ist dieser Partei und ihren FAP Kadern entweder garnicht bewusst oder in ihrer autosuggestiven NS-nostalgischen Wohlfühlstimmung vollkommen egal."

Das beurteile ich für den Mainstream der NPD- und Kameradschafts-Szene ganz genauso. Sicherlich mag es da einzelne Ausnahmen geben wie Arne Schimmer oder Jürgen Gansel, aber sie dienen den Extremisten nur als "nützliche Idioten", um rechtskonservative oder womöglich auch linksradikale "Interessenten" anzulocken.

Sixty

20. Dezember 2012 14:30

Pardon, ich meinte nicht Jürgen Gansel, sondern Jürgen Schwab ;-)

Fahrnheit451

21. Dezember 2012 14:22

Was genau ist hier soll die inhaltliche Kritik an den sogenannten "Extremisten" sein, und inwieweit spricht das gegen sie?
Bitte klar Begründungen auf den Tisch, auf die wird dann Stück für Stück eingegangen.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.