19. Dezember 2012

Die neue Empfindsamkeit der Linken oder Der Wolf im Schafspelz des Feuilletons

Gastbeitrag / 39 Kommentare

ndvon Heino Bosselmann

Seit der Wende habe ich die Kulturseiten des „Neuen Deutschland“ geschätzt, einer Zeitung, die sich das Attribut „sozialistisch“ gibt, zudem aus dem „SED-Zentralorgan“ hervorgegangen ist, sich angestrengt wendete, wenden mußte, sich aber nicht verriet, sondern in ihrem angestammten Spektrum zu einem informativen und gehaltvollen Blatt entwickelte. Mit für den literaturinteressierten Leser vergleichsweise hervorragendem Feuilleton!

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  • Sezession
Man mag es hier finden, wie man will: Ich hielt es für angezeigt, in der Wochenendbeilage des ND einen meiner Essays zur sogenannten neuen Lyrik zu veröffentlichen, und zwar unter meinem im Netz völlig fadenscheinigem Pseudonym, dessen Öffnung ich Protagonisten der Lyrik-Szene zu verdanken habe, die sich von mir angegriffen fühlten und mit allerlei Schmähung an der Grenze des Cyber-Mobbings reagierten. Gerade deswegen beschloß ich, Literarisches und Essayistisches unter dem verschlissenen Namen „Martin Mollnitz“ ganz bewußt weiter zu publizieren, sandte ein Manuskript an die Kulturredaktion des ND und wurde prompt an exponierter Stelle plaziert.

Das geschah an einem Sonnabend. Bereits am Montagmorgen war der Skandal da: Irgend jemand hatte gleich früh die Kulturredaktion alarmiert, die von mir Rechenschaft forderte, denn es gäbe „ein Verdikt, daß Autoren der ‚Jungen Freiheit’ im ND nichts zu suchen hätten.“ Mir schoß am Telefon nur ein: Gibt es ein solches „Verdikt“ umgekehrt gegen linke Autoren ebenso in der JF oder „Sezession“. Ich hoffe doch nicht. Einer sich frei verstehenden Presse sollte es nicht primär um Parteigängerei zu tun sein! Die Stimmen der anderen sorgen erst für Debatten, von denen wir uns mehr wünschen sollten.

Um die Redakteurin zu beruhigen, schrieb ich sehr freundlich an die Chefredaktion und erklärte mich. Dort nämlich war man völlig aufgescheucht, ja hocherbost, mutmaßte man doch ein rechtes Bubenstück und machte später unmißverständlich klar: „Ihr Lyrik-Text wäre im ‚Neuen Deutschland’ nicht erschienen, hätten Sie die zuständige Redakteurin nicht über ihre wahre Identität arglistig getäuscht.“

Arglistig getäuscht! Ich bot an, öffentlich zu reagieren und empfahl, mir doch noch einmal eine schöne große Seite Platz einzuräumen, um hinsichtlich Politik und Literatur über die Begriffe des Linken und Rechten nachdenken zu dürfen, aber man verzichtete lieber darauf. Dies um so mehr, da ich – zufällig – in einem anderen Beitrag des ND als Referent vor der „rechten Burschenschaft ‚Gothia“ benannt wurde, worauf darunter der Blog-Kommentator „Johannes20“ mit Blick auf meinen Lyrik-Essay sofort denunzierte: „Im Artikel wird ein Herr Bosselmann erwähnt, ein Kolumnist der rechtsnationalen Wochenzeitung ‚Junge Freiheit’. Vielleicht sollte man mal erwähnen, daß er auch ein ND-Autor ist. Unter dem Namen Martin Mollnitz veröffentlichte er am 24.11.2012 einen Essay im ND. Eine Reaktion des ND ist bisher nicht erfolgt.“ – Hört, hört! Vielleicht sollte man mal erwähnen … Und weshalb schweigt die Chefradaktion zu der rechten Bazille? – Was für eine zählebige Mentalität des Anzeigens und Denunzierens! Kann man sich auf etwas verlassen, dann darauf, daß sofort jemand anzuschwärzen bereit ist, vorzugsweise politisch, weil’s so noch immer am sichersten Erfolg verspricht.

Ich kommentierte gleichfalls umgehend, stellte klar, daß mein Essay über Lyrik rein gar nichts mit einem Vortrag über Bildung bei der „Gothia“ zu tun hat, wurde aber mit meinen zwei sehr moderaten, sachlichen und ausnehmend höflichen Anmerkungen nicht freigeschaltet – ein Vorgang, wie ich ihn im Online-Journalismus noch nie erlebte. Statt meiner meldete sich der Chefredakteur in der Spalte doch lieber persönlich und beeilte sich väterlich vorzubeugen, damit nicht noch mehr artige linke Leser verschreckt würden:

„Hinter dem Pseudonym verbarg sich Heino Bosselmann. Unter seinem Originalnamen schreibt er seit mehreren Jahren als Kolumnist für die ‚Junge Freiheit’ wie auch für das nationalkonservative Magazin ‚Sezession’. In einer Erklärung gegenüber unserer Redaktion entschuldigte Bosselmann sich, daß er über seine tatsächliche Identität nicht informiert hatte. Als Grund nannte er: Sein Text wäre dann sicher abgelehnt worden. Das ist richtig vermutet: Für JF-Kolumnisten hat ‚ND’ keine offenen Seiten.“

Ach ja, das „Verdikt“! Tatsächlich hatte ich per Mail eine solche „Entschuldigung“ formuliert – vor allem um die Redakteurin aus der Bredouille zu nehmen, die meinen Essay angenommen hatte und drucken ließ, bevor es dann in der Chefredaktion zu Krisensitzungen kam und eilige Mails kursierten, die mir vorliegen, weil sich noch überall ein Klardenker findet, der einem den O-Ton durchkopiert, weil er sonst mit seinem stillen konsterniertem Kopfschütteln allein bleibt.

Fazit: Das Grundproblem besteht darin, daß es, seit die Rede auf Heino Bosselmann kam, überhaupt nicht mehr um meinen Lyrik-Essay ging, der beifällig angenommen und publiziert worden war, sondern nur noch darum, DASS ich Autor der „Jungen Freiheit“ und der „Sezession“ bin. Gegenüber der Politik schweige also die Literatur! Als ich nachfragte, welch gefährlich rechtes Gedankengut man mir in meinem Essay nachweisen wolle – nur indigniertes Schweigen. Ich wurde als der böse, böse Rechte angesehen, der sich im trojanischen Pferd seines eigenen Feuilleton-Beitrages in die Zeitung geschmuggelt hatte. Und man war ärgerlich, darauf hereingefallen zu sein. – Nur war das überhaupt nicht mein Ansinnen! Es sollte gar keiner hereinfallen. Ich wollte über Lyrik reden. Mehr nicht!

Mindestens meines Wissen wurde weder von der „Jungen Freiheit“ noch von der „Sezession“ aus ideologischen Gründen abgewiesen, wer dort schreiben wollte. Offenbar gibt es keine „Verdikte“. Ich rechne den beiden Blättern zudem hoch an, daß sie fraglos Beiträge von mir veröffentlichten, die im landläufigen Verständnis nicht unbedingt als konservativ oder als rechts zu identifizieren wären. – Wer in der konservativen oder rechtsintellektuellen Presse veröffentlicht, riskiert, daß er außerhalb dieses Ortes zu schweigen hat – ganz egal, wovon er reden wollte. Ganz abgesehen davon, daß er vielen als persona non grata gelten wird und mit Karriereplänen besser abschließen sollte. Längst wäre eine offensive Diskussion darüber zu führen, ob Autoren nichtradikaler Blätter einer institutionellen Zensur derart anheimfallen, daß sie, schreiben Sie für die JF oder „Sezession“, nicht einmal – wie in meinem Fall – in belletristischen Verlagen Lyrik und Prosa veröffentlichen können, sondern mit klarem Verweis auf ihren journalistischen Ort abgewiesen werden.

Die beiden Chefredakteure des ND jedenfalls, die sich doch wohl als intellektuell kämpferische Linke verstehen dürften, hat der Mut verlassen, nachdem ihnen hinterbracht wurde, wer da plötzlich in ihrem Feuilleton steht. Souverän fand ich das nicht. Schade, ich hätte mir eine interessante übergreifende Diskussion vorstellen können, die ich mir schon lange wünsche, wäre mir ein zweiter Auftritt, diesmal eher politisch akzentuiert, gestattet worden. Aber nein, statt dessen Weltanschauungsapartheit: Nicht bei uns!


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Kommentare (39)

Kurt Schumacher
19. Dezember 2012 13:37

Lieber Herr Bosselmann, die Reaktion des ND war kleinlich, typisch BRD. Sie haben recht, von einer Zeitung, die selbst "randständig" ist, hätte man etwas mehr Offenheit erwartet. Das "Neue Deutschland" (ich lese es selbst ab und zu, und ich bin ein konservativer "Wessi") hat doch die einmalige Chance, ein Stück anderen Lebens im falschen weiterzutragen. Man sollte meinen, der Rückhalt der DDR-Vergangenheit würde die Redaktion immunisieren gegen die BRD-Konformität?! Aber nein. Auch nur eine Zeitung wie viele andere. Schade.

Nur: warum verwendeten Sie das Pseudonym "Martin Mollnitzer"? Sie sagen ja selbst: im Netz-Zeitalter fadenscheinig. Warum wählten Sie nicht ein frisches, unverbrauchtes?

Zu Ihrer Lyrik-Besprechung: tut mir leid, da will ich Ihnen nicht folgen. In meinen Augen ist diese Nora Bossong einfach Gartenlaube 2.0; ein Fall für den Papierkorb.

Ein Fremder aus Elea
19. Dezember 2012 13:45

Nun, wer einfordert, nichts mit irgendwelchen Leute zu tun zu haben, der muß sich auch selber dran halten.

Turmkönig
19. Dezember 2012 14:35

Seinerzeit rechtfertigte einer meiner Schullehrer die RAF-Verbrechen mit dem Argument, das damalige Establishment und andere gesellschaftliche Organe hätten keine Diskursbereitschaft gegenüber diesen alternativen Linken gezeigt, sie im Gegenteil unerbittlich ausgegrenzt; also hätten sie nur mehr in der Gewalt das einzige Mittel gesehen, das auf ihre Gedanken aufmerksam machen konnte.

Heute bereue ich, damals zu unpolitisch gewesen zu sein, die Frage zu stellen, ob dies heute für die alternativen Rechten ebenfalls gelte.
Die rechtsnationalkonservativen Medien sind in diesem Drama BRD gezwungen, einen dauernden Monolog zu führen, der ihre Leser, Autoren und Aktivisten zunehmend langweilen und ermüden soll, bis sie vor Erschöpfung in sich zusammensinken.

Ich frage mich ernsthaft, wie es für die alternativen Rechten weitergehen soll, wenn nicht einmal semietablierte linke Medien wie das ND die kleinste Gesprächs-, geschweige denn offene Dialogbereitschaft zeigen.
Werden die alternativen Rechten bis zum Ende aller Dinge dazu verdammt sein, in sich selbst verharren zu müssen; und wird gar eine schlechte RAF-Kopie aus diesem Ohnmachtszustand hervortreten?

fnord
19. Dezember 2012 14:54

Wer kluge Argumente fürchtet, zensiert. Aber auch diesbezüglich nichts Neues unter der Sonne...

Gruß,

Fnord

Raskolnikow
19. Dezember 2012 14:56

Dürfte,

Christian Worch einen Beitrag über "Die Klostergeschichte von Corbie und deren Einfluss auf die Karolingische Minuskel", mithin einen unpolitischen Text, bei der JF oder hier im Tagebuch der SZSSN veröffentlichen?

Fragt,

R.

PS: Ich hoffe nicht!

Heino Bosselmann
19. Dezember 2012 15:53

Vielen Dank. Mitunter frage ich mich nämlich, ob es naiv ist, der Auffassung zu sein, Diskurse und Debatten wären prinzipiell immer möglich, wenn man sich allgemein an kultivierte Gepflogenheiten hält. Ich wüßte keinen anderen Weg. Ein Streitgespräch zwischen rechten und linken Kritikern fände ich ergiebig. Und: Es dürfte auch herzlich gelacht werden – über die eigenen Festgelegheiten wie über jene der anderen. Die Geschichte kennt große Beispiele einer so übergreifenden Diskussionskultur ...

Toni Roidl
19. Dezember 2012 15:57

Ja, so sind'se, die Linken. Bei denen, die ständig die »Toleranz« im Mund führen, funktioniert Toleranz eben nur in eine Richtung. War da mal was mit »herrschaftsfreier Diskurs«? Längst vergessen. Vergleichbar ist die taz-Debatte um Bio-Bauern: Öko ist nur gut, wenn es nicht von »rechten« Bauern kommt. Da zeigt sich die ganze geistige Enge der spießigen, linksreaktionären Betonköpfe. Unter langen Haaren der Muff von 40 Jahren.

Martin
19. Dezember 2012 16:27

Sehr geehrter Herr Bosselmann,

da Sie selber nun das Wort "naiv" verwendet haben, erspare ich es mir und muss schon konstatieren, dass man bei einem ausgewiesenen Kader-Blatt, wie dem ND, nichts anderes erwarten durfte und eigentlich schon von selber aus kein Bedürfniss haben sollte, etwas dort zu veröffentlichen. Perlen vor die Säue eben oder falsche Kommunikationssuche.

Womit Sie aber sehr recht haben ist, dass es den "Bannstrahl" eben nicht nur in ausgewiesenen Partei-Blättern gibt, für die man ja als sog. erkennbare Tendenzbetriebe schon ein bisschen Verständnis aufbringen kann, sondern vor allem auch in der unter Täuschung des Lesers sich als "freie Presse" gerierenden anderen Publikationswelt. Aber rein rechtlich sind auch diese Medien lediglich Tendenzbetriebe, die nicht zu irgendeiner politischen Neutralität oder gar Objektiviät verpflichtet sind, sondern nur der Durchsetzung der "Tendenz" des Inhabers, als nur dessen Meinung. Ein Redakteur darf sich nicht gegen die "Meinung" des Inhabers stellen und dessen Medium zu seiner eigenen Meinungsäußerung benutzen. Das sind juristische Fakten in unserem Land. Eine Zeitung gibt nicht die Meinung der dort versammelten Redakteure oder eines einzelnen Mitarbeiters oder Autors wieder sondern die des Herausgebers. Dies erklärt auch, warum es die von Ihnen beschriebenen "Bannstrahlen" so flächendeckend und so effektiv in Deutschland gibt.

Dabei sollte ihre Argumentation, dass ein Fachaufsatz nach seiner inhaltlichen Qualität beurteilt werden sollte und nicht zwingend nach der Person des Autors, für jemanden, der seinen Lesern "Objektivität" und "Freiheit" verspricht, selbstverständlich sein - so bleibt es eben nur ein Vorgaukeln von "Objektivität" und "Freiheit" gegenüber den Lesern.

Nur durch eigene Zeitungen und Medien kann man da dagegenhalten, auch wenn man dann wiederum das Problem der Autorengewinnung hat, da sich nur wenige "verbrennen" wollen.

Weltversteher
19. Dezember 2012 16:31

Hm, den Glauben an das Gute werden die Deutschen wohl mit ins Grab nehmen. Meine Herren, einerseits stellt man hier fest, wir befänden uns im Kriege (was offenbar ist), andererseits glaubt man, mit dem Gegner über Lyrik träumen zu dürfen, sozusagen im Waffenstillstand unterm Weihnachtsbaum. Die Geschichte zeigt doch, daß wir in den Kriegen stets die letzten Biederleute waren, uns die Schurkereien unserer Gegner, mit der sie alle Welt verhetzten, nicht einmal vorstellen konnten.

Vielleicht ist es auch unsere Schuld, anstatt unsere Burg auszubauen, immer noch in den Gärten der Gegner flanieren zu wollen. Jahrzehntelang hat jeder Rechte, der noch diplomatischen Anstand erhoffen konnte, sich im vom Feinde besetzten Gelände angebiedert und ausgelebt. So blieben in unserer Burg nur die "Unberührbaren". Wie könnte sie heute blühen, wenn alle (wie in jedem anderen Volk üblich) unbedingt unter ihrer eigenen Fahne gestanden hätten.

bernardo
19. Dezember 2012 16:40

@Turmkönig

Sie hätten Ihren Lehrer besser darauf hingewiesen, daß er völlig falsch liegt. Die RAF-Leute hatten journalistisch und sonst sehr viel Gelegenheit zum Dialog. Sie wollten irgendwann einfach nicht mehr, weil das "System" durch Diskussionen und Journalismus natürlich nicht wie gewünscht zu revolutionieren war.

„Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine. Wir sagen, der Typ in Uniform ist ein Schwein, kein Mensch. Und so haben wir uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden. Und natürlich kann geschossen werden. Denn wir haben nicht das Problem, daß das Menschen sind, insofern es ihre Funktion ist beziehungsweise ihre Arbeit ist, die Verbrechen des Systems zu schützen, die Kriminalität des Systems zu verteidigen und zu repräsentieren.“

Ulrike Meinhof

Irrlicht
19. Dezember 2012 17:07

Zur prinzipiellen Möglichkeit von Diskursen:

"611. Wo sich wirklich zwei Prinzipien treffen, die sich nicht miteinander aussöhnen, da erklärt jeder den Andern für einen Narren und Ketzer.
612. Ich sagte, ich würde den Andern 'bekämpfen', - aber würde ich ihm denn nicht Gründe geben? Doch; aber wie weit reichen die? Am Ende der Gründe steht die Überredung. (Denke daran, was; geschieht, wenn Missionare die Eingeborenen bekehren.)"
(Wittgenstein, Über Gewißheit)

Die Auffassung steht in konträrem Gegensatz zu liberalen diskurstheoretischen Auffassungen, die zur Definition des Begriffs der Wahrheit den (begründeten) Konsens heranziehen, der in fast jeder Gesellschaft, die sich explizit auf den Liberalismus bezieht, nur durch erheblichen Konformitätsdruck hergestellt werden kann. Jemand, der in der JF oder Sezession Artikel veröffentlicht, stellt sich außerhalb dieses Konsenses und wird bekämpft, zum Narren und Ketzer erklärt.

Heino Bosselmann
19. Dezember 2012 17:39

Lieber Martin, der sinnige Begriff Tendenzbetrieb gefällt mir, und zwar besser als „Kader-Blatt“. Das ND hat seine politische Richtung, fungiert nach meinem Empfinden aber nicht als Kampfpostille, sondern offenbart gerade im Kulturellen durchaus Spektrum. Gerade deshalb war ich über die Reflexe der Chefredakeure verwundert. Was mich an dieser Diskussion hier freut: Der Nachweis, daß von Seiten der Kommentatoren her niemand pauschal polemisiert: Ha, Bosselmann im ND! Das geht gar nicht! – Ich finde, so weist sich kritische Toleranz aus, abgesehen davon, daß es nun mal um einen Essay zur Literatur ging. – Vielen Dank.

Heino Bosselmann
19. Dezember 2012 17:49

Mit Verlaub, die Literatur ist für mich kein Kampfterrain; und den Satz "Kunst ist Waffe!" hielt ich bereits als Schüler in der DDR für Unfug. Selbst einen Disput über Politik mit Linken oder Vertretern "der Mitte" zu führen, so sie es denn zuließen, hielte ich für förderlich. Mein randständiger Beitrag über Lyrik ist an sich völlig ohne Belang. Allerdings wünschte ich tatsächlich, mehr Auseinandersetzung würde im Feuilleton geführt, dem Ort, der um Gedanken, Literatur und Kunst ringt. Kriegerisches bräuchte es dazu freilich nicht, geistreiche Polemik reichte vollauf. Regte ich Diskussionen "zwischen den Gegnern" an, ernete ich bisher nur wortarme Bestürzung auf beiden Seiten.

Wolf
19. Dezember 2012 17:55

@ Raskolikow

Warum sollte hier nicht auch jemand wie Herr Worch mit einem unpolitischen Text zu Worte kommen? Ihre Besorgnisse wollen Sie doch bitte erklären.

Heino Bosselmann
19. Dezember 2012 18:35

Trefflich! Danke! Und das Wittgensteinporträt hängt bei mir neben dem Schopenhauers.

Marc
19. Dezember 2012 20:42

Die Frage dabei ist doch, inwiefern die Verweigerung des offenen Diskurses eine Spezialität der "Linken" ist. Könnte dies nicht vielleicht auch einen generellen Mechanismus darstellen, welchen hegemoniale Positionen grundsätzlich auszeichnet? Wieso sollte jemand freiwillig andere Meinungen zulassen, welche die eigene Position als kontingent erscheinen lassen würde? Damit würde man sich und die eigene Position ja selbst untergraben. Und ja, natürlich geht es dabei immer auch um Personen, selbst bei "unpolitischer" Lyrik. Immerhin ist der Umstand ja "politisch" genug, daß er auch hier auf einer politischen Plattform ebenfalls diskutiert wird.

Umgekehrt kann sich die unterlegene Position leicht auf Meinungspluralität berufen; im Grunde genommen kann sie dabei ja nur gewinnen. Daß die JF jedem SPD-Politiker wohl ein Forum bieten würde - geschenkt.

Ich würde hierbei deswegen nicht von "linken" oder "rechten" Eigenschaften reden. Es scheint mir zweifelhaft, daß in einer "rechtsgeprägten" Mediengesellschaft "linken" Positionen mehr Raum zur Meinungsfreiheit eingeräumt werden würde oder daß hier dann auch immer ganz sachlich zwischen Meinungsäußerung und Person getrennt werden würde.

Schopi
19. Dezember 2012 22:19

Das "ND" hat sich, sagen wir mal, in den letzten 10 Jahren von einer sozialistischen Zeitung, zu einem MultiKultiAllesversteherblatt entwickelt.
Auffallend ist die sehr islamfreundliche Berichterstattung, nebst all dem, wo gesellschaftliche Randgruppen per se fast schon als die Avantgarde der Menschheit beschrieben werden. Merkwürdiges tritt zu Tage, wenn etwa in der "sozialistischen Tageszeitung" Koran Zitate stehen und den Führern dieser gesellschaftlichen Gruppe ein breites Forum geboten wird. Was hätte wohl Karl Marx dazu gesagt?

Auffallend ist der Graben vom politischen Tagesgeschehen einerseits und der (linken) Hochkultur im Feuilleton andererseits. "HDS" ist immer lesenswert, vor allem zum Nachdenken anregend.

So weit mir bekannt, ist die Partei der Linken mittlerweile Eigentümer oder Haupteigentümer dieses Blattes, welches wahrscheinlich mittlerweile ohne diese Säule schon längst das Schicksal der FR erlitten hätte.

Was ich immer schon gerne gewusst hätte, wäre die Meinung der betagten Kadertreuen Leserschaft aus Mitteldeutschland zu dem Wandel und "bunten" Anpassungsprozesses "ihres" Blattes. Diesen Leuten ist wohl Schweigen und "zwischen den Zeilen lesen" schon zu DDR Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen.

ABC
20. Dezember 2012 00:01

Mir schoß am Telefon nur ein: Gibt es ein solches „Verdikt“ umgekehrt gegen linke Autoren ebenso in der JF oder „Sezession“. Ich hoffe doch nicht. Einer sich frei verstehenden Presse sollte es nicht primär um Parteigängerei zu tun sein! Die Stimmen der anderen sorgen erst für Debatten, von denen wir uns mehr wünschen sollten.

Wenn Sie verschiedene Weine haben ... trinken Sie die dann alle zusammen aus einem Glas? In der Annahme nur auf diese Weise zu einem ganz neuen Geschmackserlebnis zu finden??

Ich kann mit linken Ansichten und Meinungen ausgezeichnet leben - aber, abgesehen von der Ausnahme, die die Regel bestätigt, verspüre ich keinerlei Verlangen in einem rechten Medium linke Botschaften serviert zu bekommen.

ABC
20. Dezember 2012 00:33

Die rechtsnationalkonservativen Medien sind in diesem Drama BRD gezwungen, einen dauernden Monolog zu führen, der ihre Leser, Autoren und Aktivisten zunehmend langweilen und ermüden soll, bis sie vor Erschöpfung in sich zusammensinken.

Ich frage mich ernsthaft, wie es für die alternativen Rechten weitergehen soll, wenn nicht einmal semietablierte linke Medien wie das ND die kleinste Gesprächs-, geschweige denn offene Dialogbereitschaft zeigen.

Und? Führen die linksantinationaloffen+modernen Medien etwa keinen 'Monolog'? Und geht es ihnen dabei nicht ausgezeichnet?? Na ja, hier und da bröckelt der Umsatz ein wenig - aber dafür steigt er dann im Bereich des Internetstandbeins an (jedenfalls bei Springer). Davon abgesehen: Wofür gibt es Medien wie dieses hier? Für einen 'funkensprühenden Gedankenaustausch' mit ... ja, wem eigentlich? Jakob Augstein??

Ist ein Blog wie dieser nicht eher (auch) ein Suchen und Tasten ins Unbekannte, weil die Macher schon vor Zeiten erkannt haben, was die Linken, also die Macht im Lande, mutmaßlich in Jahrzehnten noch nicht erkennen werden: Daß es nicht mehr weitergeht ... auf ihrem Weg? Bloß daß das Publikum - ja, man sollte es nicht ganz vergessen - wohl keine Jahrzehnte mehr brauchen wird, um zu genau der gleichen Erkenntnis zu gelangen: Dieser 'Staat' ... ist nicht unser Staat!

Und DAS ist dann wenigstens mal die halbe Miete, denn es reicht ja nicht, daß 'die oben nicht mehr können' (das tun sie ja schon lange nicht mehr), sondern es müssen eben auch 'die unten nicht mehr wollen' - und das war nicht der Fall seither. Nicht weit von meinem Wohnort wurde in Schotten vor einigen Tagen ein 21jähriger von einem '17jährigen' durch einen unverbindlichen Begrüßungsstich ins Herz ... nun ja, sagen wir es offen: getötet! Heute lese ich dazu in der OZ, die 'Bevölkerung sei geschockt und fassungslos'.

Man gewöhnt sich ja an vieles ... aber abgestochene Familienmitglieder? Die Kinder, die man großzog, plötzlich ... weg?? Es wird schwerer mit dem Totschweigen, aber bis aus einer desinteressiert-neutralen Masse, die eigentlich nur friedlich vor sich hin konsumieren möchte, eine im Sinne tiefgreifender Veränderung zündfähige Masse geworden ist ... dauert halt. Vielleicht zu lange. Aber von Langeweile und Stillstand merke ich eigentlich nichts auf der alternativen Rechten.

Wir haben es wohl eher mit zwei völlig unterschiedlichen und unvereinbaren Gesellschaften zu tun. Einer etablierten, die sich in Wirklichkeit seit Jahrzehnten im Kreise dreht. Und einer, die erst in Keimstadien im Werden ist ... die aber die einzige ist, die tatsächlich von sich zutreffend würde behaupten können die deutsche Gesellschaft zu sein. Und innerhalb dieser sich keimhaft entwickelnden tatsächlich deutschen Gesellschaft wird es auch nicht nur 'eine rechte' Monopolposition geben, die wg fehlender Kontrastspannung ihre Rezipienten zu Tode langweilt, sondern es werden sich, wie das eben immer so ist, verschiedene - auch stark konträre - Positionen herausbilden, die für hinreichend Spannung und Entwicklungspotential sorgen werden.

neocromagnon
20. Dezember 2012 01:36

Wer Heino Bosselman als rechtsnational tituliert, hat eh einen an der Klatsche. Ich finde aber, man sollte die Linke nicht durch übertriebenen Argumentationsaustausch an der fortschreitenden Infantilisierung hindern. Es bricht sich unübersehbar Bahn und steht ihnen ganz gut.

GästIn
20. Dezember 2012 08:44

Hier lief das ewiggleiche bundesdeutsche Schauspiel/Ritual "Böse rechte Meinung wird von guter linker mit Diffamierung und Ausgrenzung der Person bekämpft". Aber inzwischen ist das Ritual sklerotisiert, nur noch die Ewiggestrigen steigen darauf ein. Die Ritualforschung sagt, dass Rituale in Gefahr geraten, wenn sie andauernd nach den immer gleichen Regeln ausgeführt werden. Entweder sie lassen sich durch neue Einflüsse wandeln oder sie zerfallen und sterben mangels Wandlungsfähigkeit. Deshalb: Einfach weitermachen. Auch wenn noch ein wenig Geduld gefragt ist: Die Zeit arbeitet für uns.

Rumpelstilzchen
20. Dezember 2012 09:16

Danke ABC für ihre treffende Situationsbeschreibung.
Ich verfolge die rechtsnationalkonservative Publizistik schon sehr lange und ich finde , daß die Auseinandersetzungen innerhalb der rechten Publizistik wesentlich interessanter sind als die linke Monologunkultur.
Veranstaltungen wie der "Zwischentag" tragen zur intellektuellen Attraktivität nichtlinker Publizistik bei. Das sehen auch die klugen unter den Linken.
Man braucht sich linken Gazetten deshalb auch nicht "anzudienen".

Gerald
20. Dezember 2012 12:55

Frage mich allerdings, warum das "Neue Deutschland" kein Problem damit hat, immer wieder Interviews mit dem JF-Autoren und JF-Interviewpartner Peter Scholl-Latour zu führen ...? https://www.neues-deutschland.de/artikel/807153.weder-zeter-noch-mordio.html

Sixty
20. Dezember 2012 15:03

"Das „ND“ hat sich, sagen wir mal, in den letzten 10 Jahren von einer sozialistischen Zeitung, zu einem MultiKultiAllesversteherblatt entwickelt."

Dem Artikel von Schopi und seiner Analyse der Entwicklung des ND kann ich nur zustimmen. Ich hatte das Blatt Mitte der 90er (als es insgesamt noch weitaus "genießbarer" und die damalige PDS weitaus weniger "etabliert" war als die heutige "Linkspartei") zeitweise sogar abonniert, davon aber wieder Abstand genommen, als sich die "Political Correctness" schon damals dort langsam durchzusetzen begann.
Im Laufe der Zeit verstärkte sich dieser Trend immer mehr, er gipfelte schließlich Anfang 2009 im Rauswurf des damaligen Redakteurs Jürgen Elsässer, der regelmäßig gegen diesen "neuen Kurs" verstoßen hatte.
Von daher kann mich dieses zutiefst bornierte Verhalten Herrn Bosselmann gegenüber nicht wirklich überraschen ... es ist typisch für die heutige Mainstream-Linke.

Frank S.
20. Dezember 2012 15:15

Das "neue deutschland" wird es nach derzeitiger Auflagenentwicklung in ein paar Jahren nicht mehr geben. Insofern hat sich das Grundproblem dann eh erledigt. Nach der Insolvenz der Frankfurter Rundschau hat übrigens auch gerade "Der Freitag" einer Viertel seiner Belegschaft gekündigt ( https://www.taz.de/Kuerzungen-bei-Wochenzeitung-Freitag/!107308/?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter) . Intoleranter, engstirniger und bornierter Journalismus ist wohl etwas, was immer weniger Menschen lesen möchten.

Kurt Schumacher
20. Dezember 2012 15:29

Wieso wird eigentlich das "Neue Deutschland" immer als "links" bezeichnet? Normalerweise meint man damit nur die BRD-Linke. Aber die DDR-Linke war etwas ganz anderes! Nämlich eine konservative Ordnungsmacht unter marxistischem Vorzeichen. Übrigens hat Arnold Gehlen das auch so gesehen. Deshalb war er in der DDR respektiert, wie ich neulich gelesen habe. D

Heino Bosselmann
20. Dezember 2012 17:52

Versuch meiner Kurzreplik auf die artige Stellungnahme der ND-Chefredaktion auf den eigenwilligen Seiten von https://linksunten.indymedia.org/de/node/73753: "Zu den letzten beiden Zeilen Ihrer eiligen Reflex-Erklärung: Dass der Name des Autors und die aus dem Netz bezogenen Wahrnehmungen zu ihm wichtiger sind als die Substanz seines Textes – was immer der für sich taugen mag oder nicht – , stellt eben das Problem dar. Ein von mir angebotener Beitrag zur modernen Handhabung der klassischen politischen Attribute "rechts" und "links" durfte nach souveräner Entscheidung der Chefredaktion nicht erscheinen. Akzeptiert. Ebenso wie für produktive Aufregung hätten 10.000 Druckzeichen ohne vordergründige Erste-Person-Perspektive mit ein paar Querverweisen von Aufklärung bis Luhmann günstigenfalls für gleichermaßen Aufregung wie Klarheit sorgen können. Wegen eines völlig zerschlissenen Pseudonyms warfen Sie mir Arglist vor. Allzu gern hätte ich die Chance erhalten, diesen starken Vorwurf zu kompensieren. Mitnichten hätten Sie eine Polemik zu erwarten gehabt. Herzlicher Gruß!"

cromagnon
20. Dezember 2012 17:58

@Kurt Schumacher
Eine Ordnungsmacht ist aber nicht zwangsläufig konservativ, sonst würde ja jeder Machthaber automatisch konservativ. Mangels umfassender Ideologie verstehe ich den Konservativismus als innere Haltung zu Fragen des Lebens und Wrtschaftens. Konservativ im Wortsinne im Bezug auf das Leben selber, im Bezug auf die Gültigkeit der ewigen, dem Menschen übergeordneten, Wahrheiten und im Bezug auf den bewahrenden Umgang mit den Ressourcen.
Eine Gesellschaft, die, anstatt zu erschaffen, verbraucht was die vorhergehenden Generationen erarbeitet haben, kann keine konservative Führung haben. Und das trifft auch auf die EU zu.

Theosebeios
20. Dezember 2012 18:02

Raskolnikow, was hoffen Sie denn: dass „Die Klostergeschichte von Corbie" nicht hier erscheint oder der Name Christian Worch? Ich täte Worch einfach einen Tarnnamen empfehlen. Das geht bei der Klostergeschichte aber nicht.

Toni Roidl: Im Umfeld von SED-PDS-Linkspartei gibt es nicht den Anspruch auf "herrschaftsfreie Diskurse". Das propagieren andere (wenige). Man müsste sie einmal aufsuchen und testen. Im Übrigen: Wenn man für den "herrschaftsfreien Diskurs" eintritt, schließt das nicht aus, mit manchen überhaupt keinen führen zu wollen.

ABC: "Ich kann mit linken Ansichten und Meinungen ausgezeichnet leben – ..., verspüre ich keinerlei Verlangen in einem rechten Medium linke Botschaften serviert zu bekommen."
Ich kann mit den Linksfüßen nur schlecht leben, habe aber nichts gegen eine "linke Botschaft" in einem "rechten Medium". Die gibt es hier überdies (JF-Forum eingeschlossen) immer wieder. Ein Philosoph wie de Benoist ist für mich z.B. mehr links als rechts, das stört (mich) aber im Prinzip nicht, wenn die "linke Meinung" eine plausible Facette des konservativen Ganzen bildet. Bekundungen "einer konservativen Ordnungsmacht unter marxistischem Vorzeichen" gehören allerdings nicht zu meinem Toleranzbereich, denn auf das Vorzeichen kommt es nicht nur in der Mathematik an.

Nochmal ABC: "Nicht weit von meinem Wohnort wurde in Schotten ..." Richtig, das ist viel wichtiger als die Frage, ob eine Lyrikbesprechung über Nora Bossong angezeigt wäre und diese im Neuen Deutschland erscheinen sollte. Herr Bosselmann wird das natürlich nicht gerne lesen und evtl. recht klug replizieren. Aber: ich habe schon im JF-Forum kommentiert, dass mir sein Faible für das Feuilleton ein Rätsel ist. Ein Mann mit seinen Qualitäten muss sich auf das (ganz) Wichtige konzentrieren. Er ist einfach dazu verpflichtet!

prolet
20. Dezember 2012 18:30

Wenn das ND ihre (jetzt ist ihr Name ja bekannt) Beiträge veröffentlichen würde, hätten sie den versammelten Aufklärermob am Hals und würden dann als "Rechtsoffen", Kontaktschuldig" "Grauzone" inkl. Boykottdrohungen etc.

Heino Bosselmann
20. Dezember 2012 18:33

Aber sehr wohl! Ich lese das aufmerksam und gern. Und ich mache mir als Skeptiker fortlaufend Gedanken darüber. Haben Sie vielen Dank.

Kurt Schumacher
20. Dezember 2012 18:38

@ cromagnon

Da gebe ich Ihnen recht, daß die DDR nicht konservativ in unserem Sinne war. Ich meinte nur, relativ zur BRD-Linken gesehen, die immer nur zersetzt. In der DDR haben sie wirklich versucht, eine gewisse Ordnung aufzubauen. Natürlich nach Moskauer Blaupausen, und ich möchte dort nicht gelebt haben! Die Zersetzung des Westens wurde zwar auch teilweise vom Osten aus gesteuert, aber das eine war eben die Innen- und das andere die Außen-Strategie.

Unke
20. Dezember 2012 20:47

Nur so mal mitten aus dem Gallopp dazwischengeworfen gäbe es ja schon so einige Aspekte, bei denen zwischen "rinks" und "lechts" durchaus Konsens besteht - auch wenn das, mal von der einen, mal von der anderen Seite, von den Betroffenen regelmäßig erschrocken zurückgewiesen wird (auf linker Seite vielleicht aus Furcht, dass dann noch mehr der ihrigen überlaufen und zu undogmatischen Linken [Elsässer], Linkslibertären [Arne Hofmann], [Nenn-]Konservativen [Fleischhauer] bzw. Klerikalen [Matussek] oder gar "Rechtsextremen" [Mahler] werden).
- der Antiamerikanismus, insbes. der westdeutschen Altlinken, ist mit dem sowohl der Libertären (Kritik am Schuld-/Scheingeld-Imperialismus) als auch der Identitären (Kritik am NWO-Völkerbrei) ident
- der eiserne Vorhang mag ja viele Nachteile gehabt haben; er hatte jedoch auch den Effekt, dass er half, die ethnische Zusammensetzung in dem Gebiet, dass er "beschützte" weitgehend unverändert zu lassen
- die Ausplünderung der Leistungsträger (vulgo Arbeiter) durch EUdSSR, internationales Kapital etc. bei gleichzeitiger Vernichtung des Industriestandortes Deutschland wird sicherlich vom Triumphgeheul der Grünen und der grünlinken "Deutschland verrecke"- Fraktion begleitet; gleichwohl sind rückläufige Löhne bei gleichzeitig höheren Abgaben/Steuern zur "Rettung" der Bonzen urlinke Themen, die insbesondere die sogenannte linke Basis (die eben nicht durch ÖD-Posten verbonzt ist) anfällig für "Rechtspopulismus" machen
- "Enteignet Springer!"... jaja, das waren noch Zeiten: heute stehen die schlimmsten linken Lügner im Sold von Friede und Aenne (und natürlich vom restlichen ARDZDFSpringerSpiegelBurdaBertelsmannBauer MSM-Brei). Nun, ein Linker am Futtertrog ist halt auch nur noch ein Nenn-Linker (Analoges gilt für den Rechten). Follow the money trail. Finde ich tröstlich.

Das Unterscheidungsmerkmal "rechts" und "links" taugt nur noch bedingt. Die CDU ist nun einmal so links wie 1980 die (kommunistischen und von den USA groß gemachten) GRÜNEN, und das gesamte System der BRD ist von Grund auf links durchbolschewisiert.
Die Frage, die sich also nicht nur das ND zu stellen hat ist: versteht es sich als "staatstragend" (und möchte somit jeglichen Widerspruch neutralisieren) oder als Opposition? Dann resultieren Berührungsängste aus Unwissenheit bzw. sind kindische Reflexe.

Zugegebenermaßen hat das alles schröcklich wenig mit der schöngeistigen Seite zu tun, um die es im "Fall Bosselmann" geht. Hach - Thema (knapp) verfehlt. Und trotzdem...

Asenkrieger
20. Dezember 2012 22:55

Lieber Herr Bosselmann,

es ist doch so gekommen, wie es kommen mußte. Damit dürfte das Thema ND erledigt sein. Trotzdem finde ich Ihren Versuch nicht schlecht.

Ich glaube allerdings auch, daß die Konservativen mehr Angst vor den rechts von ihnen Stehenden haben, als vor den Linken.

Da muß ich den Herrn Kubitschek bewundern, der der "Nationalzeitung" ein umfassendes Interview gab.

Für die Linken - für alle unsere politischen Gegner - sind wir sowieso alle "Rechtsradikale" oder "Nazis". Da hilft keine Abgrenzung.

Raskolnikow
21. Dezember 2012 07:34

Liebster Theosebeios, lieber Wolf,

Sie wollen mich ja nur necken, weil Sie mich mögen! Ist es nicht so? Nun gut, ich will mal so tun, als replicierte ich ernstiglich und würde Ihre kleine Scharade in eine weitere Scene setzen.

Ja, ich würde gern über Corbie und die Minuskel hier bei SiN lesen, nein, ich wünschte mir den Herrn Worch hier nicht.

Bosselmann und die meisten Kommentatoren bewerten die Debatte an sich viel zu hoch; und das ist wohl der, auch selbst so empfundenen, untergeordneten Socialstellung zu verdanken. Die Andern sind nun mal die Bestimmer, man mag sie nicht, aber nickten sie einem freundlich zu, freute man sich doch ein wenig ... Der prügelnde Vater steckt dem Filius einen Taler zu und diesem schwellt die stolze Brust; ja sogar ein wenig Liebe scheint möglich ...

So lange eine olfactorische Indignation vom Gegenüber ausgelöst wird, verzichte Ich gern auf Debatten. Streit, cultivierter Streit, die politische Debatte, setzt Persönlichkeit voraus. In einer Zeit, in der Persönlichkeitsbildung bzw. Menschwerdung einfach ausfällt und Präsidenten mit Nutten debattieren (im TV meist), mag das schwer durchzuhalten sein; aber es ist trotzdem wahr.

Herr Bosselmann gehört nicht ins "ND", auch nicht unter einer Larve verborgen, denn die Nutten dort verdienen diese Aufwertung nicht!

Mein Wunsch-Debatten-Linker wäre übrigens Chomsky ... Mit dem säße ich gern mal bei einem coelesten Tropfen beisammen. Dann wären da noch Karl Rahner (leider tot) und natürlich Habermas, dieser putzige Dussel ...

Seh ich das falsch, oder was? Würdet Ihr Euch mit Gina Wild zu Anne Will setzen und über Gender Mainstreaming "debattieren"?

Kurz: das ND-Verhalten ist kein Rechts-Links-Schema, wie zahlreiche der rechten Helden hier vermuten, sondern ein Kaiser-Untertan-Schema. Ihr wärt doch genauso "engstirnig" und nenntet es dann Prinzipientreue, wärt Ihr die Kaiser ...

Und - dieses "und" scheint mir am bedeutsamsten - und man muss nicht jedem Schulmädchen die Welt erklären! Ein gutes (Streit-)Gespräch unter zwei geraden Männern wiegt mehr als ein "breiter gesellschaftlicher Diskus"!

Lavendulös verbleibt,

R.

Asenkrieger
21. Dezember 2012 11:46

@ Raskolnikow

Chomsky war gestern. Dessen Kritik hat zu enge Grenzen.

lch empfehle hierzu Prof. James Petras "The Power of Israel in the United States" zu lesen. Dort wird Chomsky von linksaußen - sehr überzeugend - demontiert (S. 168-181).
Petras wäre was für ein spannendes Streitgespräch.

Fahrnheit451
21. Dezember 2012 14:16

Die Reaktion ist ganz klar:
Wer sich aufgrund von Unwerten des Status Quo distanziert, von dem wird sich distanziert. Wirtschaftlich total. Anders lernen die das nicht.

Sara Tempel
23. Dezember 2012 17:42

Liebe Herr Bosselmann, Raskolnikow, Fahrnheit451, Sixty und Andere,
ein interessantes Beispiel für postmodene Intoleranz und sicher schade, dass die Deutschen sich so selbst beschneiden. Alle diese Medien, wie ND, werden immer langweiliger, da es kaum noch echter Journalismus und eigene Recherchen gibt. Der von Sixty erwähnte Elsässer ist die einzige mir bekannte rühmliche Ausnahme aus der linken Ecke. Die Konsequenz ist nicht zu bedauern: Die Presselandschaft wird karger, aber die wenigen freien Zeitungen/Zeitschriften, wie "Junge Freiheit" oder "Eigentümlich frei" erleben ein stetes Wachstum. Dumont, dessen "Frankfurter Rundschau" bereits einging, wäre auch bereits in Konkurs, hätte er nicht der "Bundesanzeiger" von Bund erstanden. Jetzt schreien Politiker bereits nach einem Unterstützungsfont für solche sogenannten "Qualitätsmedien", die ihr Mainstreem-Gesülze verbreiten. Diese Aussicht wäre aber schlimmer als direkte Zensur einer Diktatur, ergänzend zu den Zwangsabgaben für öffentlich-rechtliche Sender! -
In Ergänzung zur NPD-Debatte gebe ich Fahrnheit451 recht, was den polemischen Begriff "Rassismus" angeht, der von unseren Medien offenbar mit dem Ziel verbreitet wird, Deutsche zu beschämen. So gilt man hier bereits als rassistisch, wenn man erwähnt, dass Gewaltverbrechen von Männern ausländischer Herkunft, vor allem Muslimen, begangen wurden. Im Unterschied zu Raskolnikow möchte ich persönlich mit meinem Roman und meiner Website schon am liebsten "jedem Schulmädchen die Welt erklären"! Das wird wohl nur ein Denkanstoß sein können.
In diesem Sinne wünsche ich allen Deutschen und allen Christen ein friedvolles Weihnachtsfest!

Fahrnheit451
29. Dezember 2012 19:37

Sara Tempel,
ich finde zwar nicht schlecht, was Du schreibst, aber eines ist doch etwas mainstream um nicht zu sagen, konditioniert:
"...die Deutschen sich so SELBST beschneiden...", sicher es gibt auch minderbelastete Erfüllungsgehilfen, aber: Aber, das sind nicht wir selbst, die das tun. Das sind uns Fremde, von uns Verschiedene.
Es hilft nichts, Du musst den Blick auch dorthin wenden, wohin Du nicht schauen magst. Denn das Brett dort, das wurde uns allen genau deswegen an diese Stelle genagelt, um uns zu blöd zu machen. Nicht um uns etwas gutes zu tun.
Ich erwähnte es bereits, nur so zum Spaß wird sich niemand die Arbeit antun, uns genau in dieser Frage, genau so zu konditionieren zu versuchen.

Sezession beginnt damit, diese ..Konditionierung als einen, vom eigenen Selbst verschiedenen, dem eigenen Selbst feindlichen, fremden Einfluss wahrzunehmen und sich von ihm zu emanzipieren.
Vielleicht beginnst Du bereits das zu spüren, das Wörtchen "beschneiden" kann hier ein "freudscher" Emanzipationsversuch sein. Denn es ist konnotiert. Oder es war ein Zufall? Schauen wir mal.

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