Sezession
1. August 2007

Pluralismus als Falle

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 19/August 2007

sez_nr_191von Karlheinz Weißmann

Die Anziehungskraft des Pluralismus erklärt sich daraus, daß er die Suspendierung politischer Entscheidungen zu erlauben scheint. Ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Lebensformen und Weltanschauungen gilt den meisten als Garant von innerem Frieden, Freiheit und Demokratie. Pluralismus gehört demnach zu den Kennzeichen eines modernen Gemeinwesens, das jenen Zustand erreicht hat, in dem frühere Verhältnisse - Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung - überwunden sind oder jedenfalls nur noch Randphänomene darstellen.

Es gibt durchaus eine konservative Theorie des Pluralismus - von den Federalist Papers über die Schriften Tocquevilles bis zu denen Othmar Spanns - aber die spielt für die heutigen Vorstellungen keine Rolle. Mehr noch, die Konservativen selbst bilden keinen Teil des pluralistischen Systems. Sie sehen sich regelmäßig den erwähnten Randphänomenen zugeschlagen. Die Ursache dafür zu begreifen, fällt ihnen schwer, und sie appellieren in rührender Weise an die Mächtigen, sie doch nach Maßgabe dessen zu behandeln, was sonst als erwünscht gilt, ihnen Spielraum, Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, wie den anderen „gesellschaftlich relevanten" Kräften auch. Und wenn das nicht geschieht, dann fällt in Deutschland regelmäßig der Hinweis auf die dunkle Vergangenheit. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, so das On dit, habe alles, was rechts von der Mitte steht, damit zu leben, daß es verdächtigt wird oder jedenfalls zu dauernder Entschuldigung verpflichtet ist.
Unbestreitbar wurde die Niederlage von 1945 auch als Niederlage der Rechten aufgefaßt. Das war so aus der Sicht der Alliierten und auch aus der Sicht der Mehrheit in Deutschland, und die Konservativen waren durch dieses Verdikt mitbetroffen. Allerdings besagte das nichts gegen die Annahme einer prinzipiellen Legitimität der konservativen Position. Unmittelbar nach Kriegsende wurde ein Manifest der Rechten, auch Konservatives Manifest, verbreitet, dessen Verfasser sich selbstbewußt als Konservative, und damit als dem rechten politischen Spektrum zugehörig, betrachteten. Aus ihrer Sicht war Hitler ein Revolutionär und das Kind einer Revolution - der bolschewistischen nämlich -, was die neue Ordnung verpflichte, antirevolutionär zu sein, also aus einer „bewahrenden Weltanschauung" hervorzugehen; Deutschland, so das Manifest weiter, sollte am besten eine Monarchie auf demokratischer Grundlage erhalten und sich als Teil des christlichen Abendlands verstehen.


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