Sezession
1. August 2007

Neue Linke

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 19/August 2007

sez_nr_193von Christian Vollradt

Woher?
„Wir vollenden damit die deutsche Einheit, wir machen das!" verkündete vollmundig ein zuversichtlicher Gregor Gysi auf dem Vereinigungsparteitag der „Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS) und der „Wahlalternative Arbeit und Gerechtigkeit" (WASG) zur neuen Partei „Die Linke". Natürlich ist diese Aussage ebenso vermessen wie historisch falsch; dies dürfte auch Gysi selbst bewußt und von daher als (gelungene) Provokation beabsichtigt gewesen sein. Denn mit dem Duo Gregor Gysi / Oskar Lafontaine, das bereits seit 2005 kollegial die gemeinsame Bundestagsfraktion der jetzt fusionierten Linken anführt, sind zunächst einmal zwei hartnäckig um die Verhinderung der deutschen Einheit bemüht gewesene Politiker vereinigt. Lafontaine, der 1988 noch frohlockte, es sei „ein Glück für uns alle", daß der „Traum der deutschen Einheit eine Chimäre bleiben" müsse, wollte dieser kurz darauf überholten Aussage doch noch zu ihrem Recht verhelfen, indem er 1990 als saarländischer Ministerpräsident im Bundesrat gegen den Einigungsvertrag stimmte. Und Gysi bedauerte damals öffentlich die Zustimmung der (ersten demokratischen und insgesamt letzten) DDR-Volkskammer zu eben jenem Vertrag, damit habe die Mehrheit „nichts weniger beschlossen als den Untergang der DDR".

Wenn überhaupt, wurde am 16. Juni 2007 also die deutsche Einheit nur institutionell nachvollzogen, und zwar von einer politischen Kraft, die diese Einheit eigentlich nicht wollte, dann aber wohl oder übel akzeptieren mußte. Dabei ist bemerkenswert, daß der jetzige Fusionspartner aus dem Osten (also die PDS) damals als hervorstechendes Argument für den Erhalt der DDR die besonderen sozialen Errungenschaften nannte, während Lafontaine gegen die Wiedervereinigung jene Befürchtungen aufgriff, wonach neben materiellen Besitzständen vor allem der „europäische Lebensstil" sowie „liberale Qualitäten" der alten Bundesrepublik mit dem Beitritt Mitteldeutschlands auf der Strecke bleiben könnten.
Zutreffender ist da schon die nicht weniger euphorische Aussage, man habe mit der Gründung von „Die Linke" erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Gesamtheit der Sozialisten unter einem organisatorischen Dach vereint. Das umfaßt jetzt also von der westdeutsch demontierten WASG-Seite her jene dissidenten Sozialdemokraten und Gewerkschafter (Maurer, Troost, Ernst) als Apostel einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik mit Anleihen an die SPD der siebziger Jahre genauso wie die altgedienten SED-Kader mit nicht selten nachweisbarer Stasi-Vergangenheit (Bisky, Gysi, Brie).


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