Günter Maschke wird heute 70

übernommen aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012

von Karlheinz Weißmann

Günter Maschke wurde 1943 in Erfurt geboren und kam 1949 als Adoptivkind mit seiner Familie nach Trier. Er verließ mit der mittleren Reife die Schule und absolvierte eine Lehre als Versicherungskaufmann, schloß sich zuerst der kommunistischen Tarnorganisation „Deutsche Friedensunion“, dann der illegalen KPD an und besuchte Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Stuttgart.

 Gastbeitrag

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Masch­ke kam dadurch in Kon­takt mit der lin­ken stu­den­ti­schen Sze­ne (unter ande­rem lern­te er Gud­run Ens­s­lin ken­nen, deren Schwes­ter Johan­na er in ers­ter Ehe hei­ra­te­te), wech­sel­te nach Tübin­gen und hör­te Phi­lo­so­phie bei Ernst Bloch. Gleich­zei­tig arbei­te­te er als Redak­teur einer mar­xis­ti­schen Stu­den­ten­zei­tung und betei­lig­te sich an der „Sub­ver­si­ven Akti­on“, einem Vor­läu­fer der legen­dä­ren „Kom­mu­ne 1“, dann an der Arbeit des Sozia­lis­ti­schen Deut­schen Stu­den­ten­bun­des (SDS). 1965 deser­tier­te Masch­ke aus der Bun­des­wehr und floh nach Paris, konn­te dort aller­dings kei­nen Unter­schlupf fin­den und kam über Zürich nach Wien, wo er bald zu den Zen­tral­fi­gu­ren der Neu­en Lin­ken gehör­te. Nach einer Anti-Viet­nam-Demons­tra­ti­on wur­de er 1967 ver­haf­tet. Ein Sitz­streik vor dem Poli­zei­ge­fäng­nis ver­hin­der­te die geplan­te Aus­lie­fe­rung an die Bun­des­re­pu­blik, und die öster­rei­chi­schen Behör­den erlaub­ten Masch­ke die Abrei­se nach Kuba, dem ein­zi­gen Staat, der bereit war, ihm Asyl zu gewähren.

Die Armut und der tota­li­tä­re Cha­rak­ter des dor­ti­gen Sys­tems behag­ten ihm aber so wenig wie der kapi­ta­lis­ti­sche West­deutsch­lands. Wegen „kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­rer Ver­schwö­rung“ erneut inhaf­tiert, schob ihn die kuba­ni­sche Regie­rung nach Madrid ab. Schließ­lich kehr­te Masch­ke in die Bun­des­re­pu­blik zurück, trat die aus­ste­hen­de Gefäng­nis­stra­fe an und arbei­te­te nach sei­ner Frei­las­sung als Jour­na­list. Vie­le sei­ner Arbei­ten dien­ten der Selbst­kri­tik, zuerst aus einer unor­tho­dox-lin­ken, dann aus einer libe­ra­len, zuletzt aus einer kon­ser­va­ti­ven Posi­ti­on. Sein Ori­en­tie­rungs­punkt wur­de Carl Schmitt, des­sen Schrif­ten er schon län­ger gekannt, aber als Äuße­run­gen des Fein­des wahr­ge­nom­men hat­te. Das änder­te sich dra­ma­tisch seit dem Ende der sieb­zi­ger Jah­re. Jeden­falls zeig­ten vie­le Tex­te, die er als Redak­teur der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen ver­öf­fent­lich­te, einen zuneh­mend schär­fe­ren Ton. Masch­ke bedien­te sich einer an Schmitt geschul­ten Begriff­lich­keit und einer Lust, den Geg­ner zu rei­zen, die nur gedul­det wur­de, so lan­ge ihm der Ruf anhing, ein selt­sa­mer Lin­ker, aber eben doch ein Lin­ker zu sein. Das änder­te sich nach einem Gene­ral­an­griff auf Jür­gen Haber­mas, der Masch­kes Aus­schei­den aus der FAZ erzwang.

Seit­dem hat Masch­ke als „hei­mat­lo­ser Rech­ter“, Exeget und Fort­set­zer Schmitts Außer­or­dent­li­ches geleis­tet und gehol­fen, die gro­ßen Kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re – allen vor­an Dono­so Cor­tés – der Ver­ges­sen­heit zu ent­rei­ßen. Sein prä­gen­der Ein­fluß auf das Pro­gramm des Wie­ner Karo­lin­ger-Ver­la­ges oder die von ihm mit her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift Etap­pe spre­chen für sich. Er gehört ohne Zwei­fel zu den bedeu­tends­ten rech­ten Intel­lek­tu­el­len der Nach­kriegs­zeit, wenn­gleich er jede Hoff­nung auf prak­ti­sche Wirk­sam­keit längst begra­ben hat.

Schrif­ten: Kri­tik des Gue­ril­le­ro. Zur Theo­rie des Volks­kriegs, Frank­furt a.M. 1973, Der Tod des Carl Schmitt. Apo­lo­gie und Pole­mik, Wien 1987; als Hrsg.: Carl Schmitt. Staat – Groß­raum – Nomos, Arbei­ten aus den Jah­ren 1916 – 1969, Ber­lin 1995; Das bewaff­ne­te Wort. Auf­sät­ze aus den Jah­ren 1973 – 93, Wien/ Leip­zig 1997; als Hrsg.: Carl Schmitt. Frie­den oder Pazi­fis­mus? Arbei­ten zum Völ­ker­recht und zur inter­na­tio­na­len Poli­tik 1924 – 1978, Ber­lin 2005.

Lite­ra­tur: Liber Ami­co­rum ofre­ci­do a Gün­ter Masch­ke – Fest­schrift für Gün­ter Masch­ke, Empre­sas Polí­ti­cas 7 (2008), Heft 10/11.
Ver­rä­ter schla­fen nicht. Masch­ke im Gespräch, Regin: Kiel 2012

 

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