Wieder in Deutschland!

pdf der Druckfassung aus  Sezession 19/August 2007

sez_nr_196von Hermann Heidegger

1947
22.8. Früh in Brest. Regen. - K. hält eine schmierige Rede, W. liest eine von ihm verfaßte Resolution vor. Beide des Inhalts: Dank für die vorzügliche Behandlung in der Sowjetunion. Verpflichtung, nie wieder Krieg gegen Rußland. Aber Kampf den Kapitalisten und Westmächten, Kampf dem reaktionären Schumacher, laßt euch nicht einfangen von dem Geschwätz der westlichen Demagogen und ähnliches. Innerlich koche ich. Wenige klatschen Beifall. Dumpf läßt die Masse auch das über sich ergehen. K. zum Schluß, mit einem Pathos wie die NS-Parteiredner: „An dem starken Beifall, der mir entgegendringt, sehe ich, daß die Resolution einstimmig angenommen ist. Falls aber doch einer etwas dagegen zu sagen hat, wir sind ja freie, demokratische Bürger, möge er bitte hier vortreten". Wir hüten uns. - Ein bestellter, antifaschistischer Diskussionsredner unterstreicht nochmal den Dank an das sozialistischste Land der Welt, das uns Humanität und Freiheit bringt. - Der Propagandist im Waggon (ist er so nett oder so dumm?) sagt, als er einen Zettel bringt: „Wer nicht unterschreibt, kommt sofort mit zum NKWD-Major". Das erste Mal während meiner ganzen Gefangenschaft mache ich den Zinnober mit, äußere nichts dazu. Juristisch sowieso eine Farce, ohne Bezug, ohne Datum, mit Bleistift auf ein leeres Papier. Nur jetzt nicht noch mal auffallen.

 Gastbeitrag

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23.8. Umge­la­den auf Nor­mal­spur. Deut­sche Wagen. Deut­sches Lok­per­so­nal. – Fünf­zehn Mann wer­den ausgeladen.

24.8. Brest ab. Bug. – An der Gren­ze viel zer­stört, in Polen auch meist nur Indus­trie. – Auf­bau, Ord­nung, Sau­ber­keit, viel wei­ter. – Ein klei­nes Brot, ein Stück Wurst, je fünf­zig RM. Was ist die Mark gesun­ken, frü­her drei­ßig bis vier­zig Pfen­ni­ge für das­sel­be. – M’s. Geburts­tag. – Bevöl­ke­rung bes­ser geklei­det, viel mehr Lebens­mit­tel wer­den ange­bo­ten, höhe­res Lebens­ni­veau deut­lich sicht­bar. – Siedlce. – Polen ein schö­nes Land, wirk­lich guter Ein­druck. – Pra­ga. – Nachts durch War­schau, über die her­ge­stell­te Weich­sel­brü­cke (nicht durch den Tun­nel), ein dün­nes Lich­ter­meer. Viel steht zerstört.

25.8. Nur ein Essen am Tag, immer noch wer­den wir betro­gen. – Sohn des Ober­forst­meis­ters H. ken­nen­ge­lernt. Ruß­land ver­schlepp­te Forst­meis­ter nach­richt­los, rück­sichts­lo­ser Holz­ein­schlag. – Was rollt alles aus Deutsch­land her­aus! Deut­sche Werks­ar­beit. Zug um Zug begeg­net uns. Eisen­bahn­wag­gons, Maschi­nen, Schrott, PKW, neue und alte Typen, Holz, Getrei­de, Vieh, Obst. Die Eisen­bah­ner kön­nen viel erzäh­len. Was wir sehen, genügt. – Kir­chen, Fried­hö­fe, Heim­kehr ins Abend­land. Lang­sam löst sich der unge­heu­re see­li­sche Druck, der Jah­re auf uns las­te­te. – Kut­no, ers­tes Glo­cken­läu­ten! Gro­ße, schö­ne Güter, gut bestell­te Fel­der, das ist doch ein ande­res Bild. Nachts durch Posen.

26.8. Mor­gens Neu-Bent­schen. Die ers­ten deut­schen Frau­en, an der Bahn­stre­cke arbei­tend, schüch­tern win­ken sie uns zu, ver­härm­te, ver­gräm­te Gesich­ter. – Alles neue pol­ni­sche Namen. – Schie­nen, Röh­ren, Brü­cken­tei­le, Zug hin­ter Zug. – Viel zer­stör­te Wohn­häu­ser, viel unbe­wohnt, fast alle Fel­der lie­gen brach, ver­grast, ver­steppt. Woh­nun­gen geplün­dert und mut­wil­lig zer­stört, wenig durch Kampf­hand­lun­gen. – Bau­ern­hö­fe, Güter, leer, ver­las­sen. Es schnürt einem das Herz zusam­men. Deutsch­land hun­gert, und hier liegt unser Land unge­nützt: „Urdeut­sche Erde, von Gott uns gege­ben, deutsch wie­der wer­de, Deutsch­land muß leben!” – Schwie­bus, Top­per, Rep­pen, fast lee­re Städ­te mit pol­ni­schen Namen. Die Land­schaft hat ein so trau­ri­ges Ant­litz bekom­men. – Stre­cke noch nicht völ­lig umge­na­gelt. – Um fünf­zehn Uhr die Tür­me von Frank­furt, das alte, mir so ver­trau­te Bild. Wir rol­len über die not­dürf­tig her­ge­stell­te Oder­brü­cke. Und hier soll nun Gren­ze sein? Und doch, es ist bereits eine Gren­ze, solch ein Unter­schied zwi­schen Ost- und West­ufer. Wie­der in Deutsch­land! Das ers­te Bild: Frau­en, die in den Oder­käh­nen Koh­len schip­pen. Aber wie sie win­ken! – Trotz den Kriegs­zer­stö­run­gen welch ande­res Bild: Sau­be­re Häu­ser, Blu­men, Gär­ten, deut­sche Men­schen! – Der Glau­be und die Zuver­sicht, der Wil­le vor allem wur­de belohnt. – Vom Haupt­bahn­hof Nach­richt zum Anger (Stu­di­en­freun­din) und die Auf­zeich­nun­gen Nov. 44-Aug. 47, Exzerp­te und Apho­ris­men, Gedich­te, Staats­ge­dan­ke und R’s. Bild hin­un­ter­ge­schickt durch einen Jun­gen, da im Ent­las­sungs­la­ger noch mal total gefilzt wer­den soll. – Beim West­kreuz aus­ge­la­den. Gute deut­sche Orga­ni­sa­ti­on, schnel­le Abwick­lung. Fünf­zehn Kom­pa­nien je hun­dert Regis­trie­rung, Wäsche­emp­fang, Essen, Ent­lau­sung (ohne Fil­zung), Rasie­ren, Musik durch Laut­spre­cher. – Prof. S. vor acht Wochen mit zurück­ge­schick­tem Trans­port Stabs­of­fi­zie­re nach Ruß­land. – Die Besat­zung zu sehen tut weh. – Leben kärg­lich, seit zwei Mona­ten kein Fleisch, noch län­ger kei­ne But­ter. Vie­le Frau­en und Mäd­chen ernäh­ren sich durch das Horizontalgewerbe.

27.8. Ärzt­li­che Unter­su­chung, Sta­tis­tik. – Kund­ge­bung: Ober­bür­ger­meis­ter, Prä­si­dent Heim­keh­rer, SED, KPD West­zo­ne, Frau­en­bund, unter ande­rem Reden, Lügen, Krie­che­rei vor dem Rus­sen. Nur Par­tei­wer­bung. Genau die­sel­ben, ekel­haf­ten Anti­fa­schis­ten-Typen. Het­ze gegen den Wes­ten. Was wer­den wir froh sein, wenn wir von hier weg sind. – Mit­tags offi­zi­el­le Ent­las­sung aus dem rus­si­schen Lager. Noch­mals wer­den eini­ge zurück­be­hal­ten, auch eini­ge Anti­fa­schis­ten gehen nicht mit, Agen­ten? – Wir tref­fen mit ent­las­se­nen Kriegs­ge­fan­ge­nen aus ande­ren Gebie­ten zusam­men, Sibi­ri­en, Ural, Kau­ka­sus, Nord­ruß­land. Von allen hört man ähn­li­ches, man­che hat­ten es schlech­ter, man­che bes­ser. Das Milieu ist das glei­che und auch ihre Gebie­te waren Straf- und Ver­ban­nungs­ge­bie­te, ein Sys­tem der Men­schen­un­ter­drü­ckung. Staat­li­che Len­kung der wider­stre­ben­den Arbeits­kräf­te. – Die Sterb­lich­keit in den Kriegs­ge­fan­ge­nen-Lagern über­all sehr hoch, beson­ders in den ers­ten Jah­ren erschre­ckend. – Trans­port unmit­tel­bar hin­ter uns, aus Astra­chan, hat­ten es noch viel schlech­ter als wir. – Durch Schwes­tern abge­holt, zum Zivil­la­ger Grone­fel­de. – Ein­tei­lung in Zonen. – F. scheint nicht hier zu sein. – Man läßt mich nicht in die Stadt. Viel eng­her­zi­ger Büro­kra­tis­mus. Aber Heim­keh­rer raub­ten und plün­der­ten, als man groß­zü­gi­ger war. Dumm, ich kom­me nicht mehr an mei­ne schrift­li­chen Sachen. Nur noch 700 Tele­fo­ne. Nach vie­len Schwie­rig­kei­ten mit der Nach­bar­schaft tele­fo­niert. – Unzu­frie­den­heit, Span­nung groß. – Kar­ten nach Zehlen­dorf, Ham­burg und Stutt­gart. – Hei­mat­lo­se kom­men in der rus­si­schen Zone gleich wie­der in Arbeitsprozeß.

28.8. Außer Ber­lin und Bran­den­burg alles wie­der ver­la­den. Dürf­ti­ge Marsch­ver­pfle­gung für vier Tage, fünf­zig Reich­mark Ent­las­sungs­geld. – Ein Was­ser­hahn, elek­trisch Licht, Sau­ber­keit, deut­sche Schwes­tern: Es ist doch was ande­res. – Gespräch mit einem älte­ren, schle­si­schen Bahn­be­am­ten. Alle Stre­cken ein­glei­sig. Loks und Wagen­park fast rest­los weg­ge­holt, drei­vier­tel der Ern­te, alles, was nur denk­bar, täg­lich Zug um Zug, Lebens­mit­tel­kar­ten kön­nen nicht voll belie­fert wer­den. Chao­ti­sche, auf die Dau­er untrag­ba­re Zustän­de. Aus­powerung bis zum letz­ten. Frau­en Schwerst­ar­beit. Pol­ni­sche Par­ti­sa­nen laden Züge auf der Fahrt ab. – Ame­ri­ka­ner zur Elbe? – Zucker, Holz, Koh­le, Spinn­stoff, Vieh, Men­schen, alles rollt nach Ruß­land. – Über­all gro­ße Erbit­te­rung, aber kolos­sa­ler Druck. Abho­len und Ver­frach­ten. Jun­ge Män­ner flie­hen nach Wes­ten. – Guben, Gren­ze mit­ten durch die Stadt. – Obst, Gemü­se, alles geht nach Ruß­land. – Bevöl­ke­rung muß orga­ni­sie­ren und klau­en, um sich ernäh­ren zu kön­nen. – Aus Poli­zei, Jus­tiz, Bahn, Post, Schul­dienst alle Par­tei­ge­nos­sen ent­las­sen und ent­fernt. – Ich spre­che soviel als mög­lich mit der Bevöl­ke­rung. Über­all das­sel­be. Hoff­nung auf Ände­rung durch den Wes­ten. SED eine Bon­zenund Schie­ber­wirt­schaft ohne­glei­chen. – Am Anfang acht­zig Pro­zent aller Frau­en ver­ge­wal­tigt. – Cott­bus. – Boden­re­form zei­tig­te Nicht-Belie­fern der Städ­te. – Abho­len durch GPU häu­fig, selbst Jugend­li­che. Spur­lo­ses Ver­schwin­den. – Unse­re Land­ser dis­zi­plin­los, plün­dern die Frau­en aus, klau­en in den Gär­ten Obst.

29.8. Früh in Leip­zig. – Demon­ta­ge erschre­ckend. – Die Bevöl­ke­rung winkt so herz­lich, und vie­le Frau­en wei­nen. – Ost­zo­ne wahn­sin­ni­ge Steu­ern. – Pri­vat­woh­nun­gen wur­den alle durch­sucht und geplün­dert. – Apo­the­ken leer. – Vie­le Tele­gra­fen­lei­tun­gen abge­baut. Schwar­zer Markt in Hoch­blü­te (auch NS-Lite­ra­tur!). – Hand­wer­ker nur gegen Lebens­mit­tel. – Solan­ge die Rus­sen kei­nen Schnaps trin­ken, beneh­men sie sich eini­ger­ma­ßen, aber dann! Tanz­ver­an­stal­tun­gen mit Schie­ße­rei­en. Vie­le Rus­sen­frau­en und Fami­li­en sind nach­ge­zo­gen. Rus­sen flie­hen zum Teil in den Wes­ten. – Zug­fens­ter mit Bret­tern zu, nur ein 10x10cm gro­ßes Loch. Loko­mo­ti­ven mit Bri­ketts und Braun­koh­le. Wir noch immer in Güter­wag­gons. – Hilfs­förs­ter arbei­ten als Lan­des­forst­meis­ter, Hilfs­schaff­ner als Bahn­hofs­vor­stand, die Fach­kräf­te (Par­tei­ge­nos­sen) sind dafür Hilfs­ar­bei­ter oder schu­len um. – Deut­sches Land, die Saa­le! Trotz der Armut, der Not, der Kriegs­zer­stö­run­gen: Welch’ Reich­tum, welch’ ande­rer Ein­druck gegen­über Ruß­land. Jetzt kön­nen wir erst so ganz unser Leben schät­zen. – Der Wes­ten ver­han­delt ohne Ruß­land über deut­sche Fra­gen. – Die Sach sen wer­den abge­hängt. – Pakt Rom/Athen? – Dol­lar und Pfund machen sich wie­der auf dem Bal­kan breit, Juden keh­ren zurück. – Ich spre­che mit einem alten, ein­fa­chen Arbei­ter, er war seit 1918 KPD-Mit­glied, saß im KZ, 1945 gleich wie­der Mit­glied, nun ist er aus der SED aus­ge­tre­ten. – Lügen in der Pres­se über unser gutes Leben in Ruß­land; wie umge­kehrt! – Viel Gesin­del in füh­ren­der Stel­lung. Die arbei­ten­de Bevöl­ke­rung sieht klar. – Gesun­den-Trans­por­te kamen bis­her noch nicht. – Naum­burg, Wei­mar. Deutsch­land, Deutsch­land über alles, und du sollst leben. Herr­li­che Land­schaft! – Abends in Erfurt. In der Stadt Baden, Ent­lau­sung, Regis­trie­rung, ärzt­li­che Unter­su­chen und Pro­pa­gan­da­re­de. Bom­ben­zer­stö­rung ver­schwin­det lang­sam, schö­ne Stadt, Grün­an­la­gen. Der alte Turm, der Fluß, der Dom, der Mond steht über den Dächern, sau­be­re Stra­ßen. Und die deut­schen Frau­en und Kin­der! – Auf dem Peters­berg gut unter­ge­bracht. Mit F. und I. – Die Poli­zei ekel­haf­te Typen, Snobs und die meis­ten Vor­be­straf­te und Berufs­ver­bre­cher. Schie­bung und Kor­rup­ti­on wie noch nie zuvor. – Rit­ter­kreuz­trä­ger ver­pfif­fen und spur­los abge­holt. Die Bevöl­ke­rung sieht klar. Der ein­fa­che Arbei­ter sehnt sich nach der anstän­di­gen Intel­li­genz­schicht zurück.

30.8. Tren­nung von der eng­li­schen Zone. – Das ers­te deut­sche Mit­tag­essen, gute Ver­sor­gung. – Was wer­den Ver­miß­te gesucht! – Schö­ner Blick über die Stadt zu den Thü­rin­ger Ber­gen. Mit F. allein durch die Stadt. Ein Ver­kehr, Betrieb, Men­schen und noch mal Men­schen. Ich stu­die­re auf­merk­sam Typen und Gesich­ter. Ein altes Frau­chen aus Posen spricht mich an, ob ich nicht mit einem ihrer zwei Söh­ne zusam­men war, von bei­den (Witebsk und Ber­lin) kei­ne Nach­richt. Dage­gen die Bon­zen, die Däm­chen. Beim Fri­seur, er wur­de im Win­ter 46/47 ent­las­sen, von 2.900 kamen 480 lebend an. 2.400 Tote, Trans­port von Woro­schi­low­grad. – Wirk­lich eine schö­ne Stadt, male­ri­sche Bil­der. In einer Büche­rei. Nur Pro­pa­gan­da und Schund in Mas­sen. Die Buch­händ­ler haben kei­ne Aus­wahl. – Abends spät von Erfurt ab. Gotha. Um ein Uhr in Eisenach.

31.8. Ins Umsied­ler­la­ger. Wie­der ent­laust, ärzt­li­che Unter­su­chung. Gute Ver­pfle­gung. – J. vor drei Jah­ren. – Regis­trie­rung für den „Grenz­über­tritt”. – Mit Mäd­chen und Frau­en gespro­chen, die jetzt auch als Dys­tro­phi­ke­rin­nen und Kran­ke zurück­ka­men. Erschüt­tern­de Erleb­nis­se und Berich­te, grau­en­haft! Genau das, was wir Män­ner mit­mach­ten, erle­ben sie auch in Sibi­ri­en, dann in Sta­li­no im Koh­len­schacht, Hun­ger, Norm, Pro­zen­te, Fleisch­be­schau, Nacht­ar­beit, gegen­sei­ti­ges Ver­kau­fen, alles wie wir, nur die poli­ti­sche Sei­te nicht so stark, aber auch NKWD-Ver­hö­re. Tote, Schlä­ge, furcht­bar. – See­lisch unge­bro­chen ein Pom­mern­mä­del und eines aus Bes­sa­ra­bi­en-Wart­he­gau. Kei­ne Post­ver­bin­dung. Vie­le Jugo­s­laven-Deut­sche, Tren­nung von ihren Kin­dern. – Die gan­ze ver­schlepp­te, weib­li­che Zivil­be­völ­ke­rung von Ost­preu­ßen, Schle­si­en und Pom­mern und die Volks­deut­schen vom Bal­kan und aus Polen sind noch drü­ben. Der größ­te Teil ist im Ver­lauf der Jah­re umge­kom­men. Auch nur weni­ge Kran­ke und Schwa­che läßt der Rus­se her­aus. Unge­heu­er­li­ches Schick­sal für die­se Ost­deut­schen und Volks­deut­schen, ohne Hei­mat, ver­trie­ben von Haus und Hof. Ja, die in Ost­preu­ßen flo­hen, taten rich­tig. – Ein durch­schnitt­li­ches Schick­sal eines Mäd­chens: Drei Brü­der, alle ver­mißt im Osten seit Kriegs­en­de, Mut­ter zu Tode ver­ge­wal­tigt, Vater ver­schleppt, kei­ne Nach­richt; älte­re Schwes­ter von ihren klei­nen Kin­dern los­ge­ris­sen auf dem Trans­port, jün­ge­re Schwes­ter im Lager gestor­ben. Die Kin­der ver­mißt. Alle Schwes­tern mehr­mals ver­ge­wal­tigt. Wel­che see­li­sche Kraft und inne­re Hal­tung sieht man noch bei man­chen die­ser so elen­den, abge­ma­ger­ten, zusam­men­ge­fal­le­nen Gestal­ten. Die Frau­en sind der wert­vol­le­re Teil des deut­schen Vol­kes. Die meis­ten aber sind gebrochen.

1.9. Früh ab Eisen­ach. Ein Leip­zi­ger Mes­se­zug aus Baden, Tau­sen­de von Ziga­ret­ten, dazu Obst, Bro­te usw. wur­den her­aus­ge­reicht. Der ers­te, hei­mat­li­che Apfel; herz­lichs­te Frei­ge­big­keit. Es besteht doch noch ein deut­sches Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl. – Der Erfur­ter Stadt­rat: „Ver­geßt uns deut­sche Brü­der hier in der Ost­zo­ne nicht!” Der Eisen­acher Eisen­bahn­be­am­te: „Ihr fahrt nun heim ins Reich.” Wer­ra die Gren­ze. Nun ist es geschafft! End­lich dem Zugriff der Rus­sen ent­zo­gen. Der unge­heu­re Druck hört auf, die see­li­sche Span­nung läßt nach, die Heim­kehr wird Wirklichkeit.

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