Sezession
1. Dezember 2011

Der Dreck, der sich für uns interessiert

Götz Kubitschek

Das ist eine Meta-Deutung des Falls. Thorsten Hinz hat sie in der Jungen Freiheit vom 18. November aufgebracht: »Die Enthüllungen über eine neonazistische Terrorzelle bieten eine willkommene Ablenkung: weg vom kriselnden Euro und hin zum ewigen Hitler in uns. Eine kontrollierte Hysterie könnte psychologisch den Boden bereiten für geplante Gesetzes- und Verfassungsänderungen.« Martin Lichtmesz hat sie im Netz-Tagebuch der Sezession fortgeschrieben: »Die zweite große Entscheidung, die dem Willen der Wähler entzogen werden soll, ist diejenige über ihre Zukunft als selbstbestimmtes Volk in seinem historischen Raum. Kampagnen ›gegen Rechts‹ sollen jegliche Widerstandsregung gegen die (historisch beispiellose) Masseneinwanderung und die daraus resultierende kulturelle, territoriale und demographische Enteignung in der Angst vor sozialer Isolierung und einem schlechten Gewissen ertränken. Indem jeglicher Selbstbehauptungs- und Selbstbestimmungswille als unethisch und verwerflich verschwefelt wird, werden die Deutschen psychisch wehrlos gemacht. Damit wird die Grundlage der Demokratie selbst außer Kraft gesetzt.«

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Neonazistischer Terror-Popanz zur Erneuerung und Verfestigung der deutschen NS-Traumatisierung also? Zu einem Zeitpunkt, an dem die Deutschen als Zahlmeister Europas gefragt sind wie nie zuvor und an dem sie beim Blick auf Griechenland, Italien oder die USA von einer Ahnung an Stolz auf die eigene, bessere Position beschlichen werden? Ein Schlag mit der Faschismus-Keule auf den Kopf einer wiederum ein vorsichtiges Schrittchen mehr selbstbewußten Nation?

Neben allerlei Berichte über die Terror-Zelle und den »Tröster-Karneval« hat Spiegel-Online eine interaktive Graphik über die braunen Zentren Deutschlands plaziert: Deutschland ist überall ein bißchen braun, am braunsten aber in den fünf Bundesländern jenseits der Umerziehungsgrenze. Die allgemeine Bedrohungslage ist damit visualisiert, und über Wochen diskutierte Deutschland nicht mehr darüber, daß sich »unsere Ersparnisse, Lebensversicherungen und Altersvorsorgen verflüssigen« (Thorsten Hinz), sondern darüber, daß es notwendig sei, weiterhin und noch einmal verstärkt gegen das Nazi-Gen in uns zu kämpfen. Darüber wird sich der Rest an nationaler Souveränität auch noch verflüssigen, der deutsche, braune Impuls wird sich in einem völlig geeinten Europa auflösen, endlich.

Vielleicht wäre es angesichts der Unaufhaltsamkeit der Ereignisse in den vergangenen Wochen sinnvoller gewesen, altgriechische Vokabeln zu rekapitulieren oder ein Stückchen Gartenland umzugraben, bevor der Frost kommt. Vielleicht ist es manchmal doch sinnvoll, das Schlachtfeld zu verlassen und sich um die Sicherung des ganz und gar Eigenen zu kümmern. Oder – wie es jüngst ein später Gast ausdrückte: in Deckung gehen, überrollen lassen, aufstehen, weitermachen.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


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