Sezession
1. Februar 2013

Französischer Blätterwald (1) – Rébellion

Benedikt Kaiser

Dem 2012 Rébellion 56in deutscher Fassung erschienenen Am Rande des Abgrunds (Edition JF) Alain de Benoists wurde ein umfangreiches Nachwort beigestellt, das zuvor bereits als Einleitung für eine Aufsatzsammlung eines hierzulande kaum bekannten Periodikums diente. „Wider die kapitalistische Ordnung“ lautete der Titel, Rébellion der Name der Zeitschrift.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Dieses zweimonatlich publizierte Organ mit Sitz im südfranzösischen Toulouse versteht sich als „sozialistisch, revolutionär, europäisch“ und sieht sich in der Folge eines „volksnahen Sozialismus“. Als geistige Ahnen werden in der Eigenvorstellung, die in jedem Heft abgedruckt ist, Pierre-Joseph Proudhon, Louis-Auguste Blanqui und die französische Kommune, aber auch der von Armin Mohler als „Regenpfeifer“ geadelte Georges Sorel angeführt. Nicht fehlen darf die Inanspruchnahme des „Nationalbolschewisten“ Ernst Niekisch. Dies ist zugleich die einzige Personalie der revolutionären Jung-Sozialisten, der sich Benoist in seiner Würdigung der Zeitschrift nicht anschließen möchte: der Nationalbolschewismus sei überholt und ginge auf „längst obsolete historische Umstände“ zurück. (Was etwa auf die Pariser Kommune von 1871 wohl ebenfalls zutreffen würde.)

Die Hauptforderungen der Redaktion, die zugleich den Kern der freilich sehr kleinen „Organisation Socialiste Révolutionnaire Européenne“ (OSRE) bildet, beinhalten u. a. ein „starkes Europa“, das sich seiner Wurzeln bewußt sei sowie die forcierte Frontstellung gegen nationalen Zentralismus und zugleich gegen seine „Karikatur“, den „mikronationalistischen“ Separatismus. Letztere unverhüllte Absage an die strikt regionalistische Konkurrenz kommt nicht von ungefähr: Die Equipe der Rébellion stammt wie Teile des Bloc Identitaire aus der Unité Radicale. Bei den Neustrukturierungen nach dem 2002 (aufgrund eines Attentatsversuchs auf Jacques Chirac durch einen mutmaßlichen Sympathisanten) erfolgten Verbot der Unité wurde der linke Flügel durch die sich formierende stärkste Fraktion, die Identitären, ausgeschlossen. Die Linksnationalen verfolgten fortan ihren strikt antikapitalistischen und antiwestlichen Kurs. Berührungspunkte – wenngleich in der Intensität nicht vergleichbar mit einer weiteren linksnationalen Gruppe des Schriftstellers Alain Soral (Égalité & Réconciliation) – gibt es gar mit dem schiitisch-iranisch orientierten Parti Antisioniste. Die Masseneinwanderung, vornehmlich von Muslimen, wird dementsprechend keineswegs thematisiert, wie es der Bloc überspitzt praktiziert. Stattdessen seien beide Seiten, Einheimische wie Zugereiste, Opfer des globalen Kapitalismus und müssten sich als gemeinsam Ausgebeutete gemeinsam gegen die Ausbeuter zur Wehr setzen. Rassismus wird zugunsten eines „differentialistischen Antirassismus“ verworfen; das politische Ziel sei ein sozialistisches, antikapitalistisches, antiimperialistisches und föderal zusammengesetztes Europa, das von unten nach oben durch partizipative Demokratie strukturiert werden müsse.

Diesen Leitlinien gemäß ist die umfangreiche „Bibliothek des Aktivisten“ (Nr. 51, Dez.-Nov. 2011) zusammengestellt. Neben Karl Marx und Karl Polanyi stehen Henri Lefebvre und Kostas Papaioannou, ihnen folgen Theodor Adorno und Jean-Claude Michea. Es überwiegen demnach marxistische Autoren, aber auch „traditionale“ Denker wie René Guénon und Julius Evola werden den Lesern der Zeitschrift empfohlen, ferner die distinguierten Solitäre Nicolás Gomez Dávila und Henry de Montherlant oder Ernst Jünger und Ernst von Salomon in ihrer nationalrevolutionären Phase. Über alledem stehe immer wieder Nietzsche und die antike Philosophie.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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