Sezession
25. Februar 2013

Neues aus der Bildungsrepublik

Gastbeitrag / 17 Kommentare

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Erstens: Jüngst verkündete der Deutschlandfunk, die traditionsreiche Institution anspruchsvoller Radiojournalistik, er würde ab jetzt Nachrichtenleicht anbieten, einen „Wochenrückblick in leichter Sprache. Er richtet sich an alle Menschen, die aus welchen Gründen auch immer von den klassischen Informationsangeboten nicht erreicht werden können.“

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Ein Beispiel:

Ein Meteorit ist ein Brocken aus Stein oder Metall, der aus dem Weltall kommt. Am Freitag, den 15. Februar, ist so ein Brocken auf die Erde gestürzt. Über dem Gebirge Ural in Russland gab es einen lauten Knall. Der Meteorit ist explodiert, als er noch am Himmel war. Er explodierte, als er die Atmosphäre über der Erde erreichte.
Wegen der starken Explosion sind auf der Erde viele Fenster-Scheiben zersplittert. An den Splittern und Scherben haben sich viele Menschen verletzt. Viele kleine Teile von dem Meteoriten sind auf die Erde gestürzt. Das kann man auf vielen Video-Filmen im Internet sehen.

Man beachte die konsequente Trenn-Schreibung der zusammengesetzten Haupt-Wörter und überhaupt den Ansatz, Wörter zu vermeiden, die mehr als zehn Buchstaben haben. "Schwierige Wörter" sind außerdem in einem Glossar erklärt, in diesem Fall: "Meteorit" und Atmosphäre" - wohl gemerkt in einem Nachrichtendienst, der sich dezidiert nicht an Kinder richtet.

Zunächst glaubt man an einen Scherz, aber es ist längst noch nicht 1. April. Dann überlegt man. "Schule leicht" gibt es ja schon. Tatsächlich habe ich selbst meinen eher politikabstinenten und unter weitgehendem Verzicht auf Allgemeinbildung aufgewachsenen Abiturienten des öfteren die KIKA-Nachrichten „Logo“ nahegelegt – ohne jeden Zynismus, sondern gut gemeint als Einstiegsprogramm.

Ob aber jene, die „aus welchen Gründen auch immer“ Qualitätsjournalismus meiden, nun den Deutschlandfunk nutzen werden, dürfte zweifelhaft bleiben. "Nachrichtenleicht", das können andere noch besser. Also primitiver. Offenbar geht es gemäß pädagogischem Impetus oder einfach in Nutzung von Erfahrungen des Privatfernsehens mal wieder darum, Leute dort abzuholen, wo sie stehen, anstatt eine Haltung anzuregen und zu befördern, die sie sich bewegen läßt – in einem Land, das dafür bildungsrechtlich alle Möglichkeiten bietet.

Zweitens: Am Montag, dem 4. Februar, war in der Süddeutschen Zeitung in einem Beitrag von Hannes Vollmuth zu lesen, daß neuerdings Hunde Kindern helfen würden, besser zu lesen. Ja, Hunde. Eine bundesweite Initiative kümmere sich endlich darum. Hunde, erfährt man, verbesserten ein noch stockend lesendes Kind nämlich nicht, sie hörten einfach nur zu, jedenfalls solange sie ihr Leckerli bekämen und gut angeleint seien. Ja, Hunde hören zu! Die Idee käme – mal wieder – aus den USA.

Als Autoritätsbeweis wird die Leseforscherin Cordula Artelt zitiert, eine Professorin mit Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung in Bamberg: „Ein positiver Verstärker kann das negative Lesen wieder attraktiv machen.“ Dieser positive Verstärker wäre beispielsweise ein handzahmer Golden Retriever. Die Initiative engagiert sich von München aus schon in allerlei Städten. Ihre begeisterte Leiterin Kimberley Grobholz schätzt gegenüber der SZ ein: „Wer regelmäßig zum Lesehund geht, liest auch im Unterricht besser.“ Sie betreibt gleichzeitig eine Naturheilpraxis für Tiere, Bachblütentherapie inklusive, und hat sicher immer einen Lesehund am Start.

Weshalb bedarf es, fragt man sich, zur Lesehilfe eines eigens angestellten Hundes? In ähnlicher Weise würden sich vermutlich bereits im Haushalt befindliche Goldhamster, Katzen oder gar Guppys und die bekanntlich sehr geduldigen Terrarium-Schildkröten anbieten. Aber man kann diesen Fall eigentlich nicht lächerlich machen – wie immer, wenn es sich um eine Realsatire handelt.

Könnten Kinder nicht wenigstens ihren Großeltern etwas vorlesen, wenn die Eltern schon keine Zeit haben, überlegt man. Oder sind die älteren Herrschaften Lesefehlern gegenüber zu unleidlich? Nach vermeintlich modernen Unterrichtsauffassungen gilt lautes Vorlesen oder gar Auswendiglernen als ziemlich antiquiert. Zu wenig los! Nicht handlungsorientiert, nicht heuristisch, viel zu wenig lust- und freudvoll. Viele Schulbuchverlage verzichten mittlerweile bereits auf gesondert aufgelegte Lesebücher, die früher ganzen Generationen literarische Orientierung boten. Sie behandeln das Fach Deutsch statt dessen  modernerweise "integral". Alles in einem Band, im kunterbunt aufgeregt wirkenden Layout dann und wann auch mal ein Märchen, eine Sage, eine Geschichte, dann und wann ein Gedicht – möglichst Stoffe, an denen alles mögliche im Sinne bloßen Machens ausprobiert werden soll. Das einfache Lesenkönnen, mithin der Genuß, die Spannung, das Erleben von sprachlicher Gestalt sind kaum mehr Kriterium.

Man stelle sich einfach vor, beide Meldungen, jene über "Nachrichtenleicht" und den Lesehund, vor zwanzig, gar dreißig Jahren gelesen zu haben. Man hätte sie bestenfalls für eine Sketchidee Loriots gehalten. Heute sollte man sie mit viel Ernst zur Kenntnis nehmen.


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Kommentare (17)

Gottfried
25. Februar 2013 10:26

"Offenbar geht es gemäß pädagogischem Impetus oder einfach in Nutzung von Erfahrungen des Privatfernsehens mal wieder darum, Leute dort abzuholen, wo sie stehen, ..."

Doch nicht die Leute, Herr Bosselmann! Die "Menschen" werden abgeholt. Auch als man den Frühling in den Maghreb brachte, sprach der grüne EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit gegenüber der Journalistin Slomka im ZDF ausschließlich von den "Menschen", ein gutes Dutzend mal in den wenigen Interviewminuten. Jegliche unterscheidende (lat. "discriminare") Zuweisungen unterhalb des Oberbegriffes der über sieben Millarden "Menschen", wie z.B. Russen, Libyer, auch Fürwörter wie "einige" oder "alle" scheinen ausgestorben zu sein. Es heißt nicht mehr "die Russen", sondern "die Menschen", allenfalls noch "die Menschen in Rußland", es heißt nicht mehr "einige besuchten gestern die Veranstaltung", sondern "einige Menschen besuchten gestern die Veranstaltung." Es ist alles sehr viel "mensch"licher geworden jetzt.

Von den OECD-getreuen BERTELMÄNNERN wird immer wieder darauf hingewiesen, daß im "promised land" selber, also im humanistischen Bildungsparadies der heiligen (skandinavischen) Länder, der "Mensch" im Mittelpunkt stünde - und nicht etwa tumbes Rechnen oder gar stures Auswendiglernen.
Wichtig sei, so kann man es bei BERTELSMANN-Vorträgen hören, die Vernetzung. Wie kann ein junger "Mensch" überhaupt lernen, wenn die Deutschstunde rigide in ein 45-Minuten-Korsett gepreßt und unter einer Art Apartheidmaßnahme vom Mathematik- oder Erdkundeunterricht abgetrennt wird? Zu meiner Zeit noch zusätzlich traumatisiert durch den Frontalunterricht, kann ich mir allmählich immer vollständiger erklären, warum bei mir sämtliche Bildungsmaßnahmen scheitern mußten.

Man kann die Effeminisierung Europas nunmehr wohl als abgeschlossen betrachten. Im Rahmen der humanistischen Leitkultur der unbegrenzten mütterlichen Versorgung mit gezuckerten Joghurts verschiedener geschmacklicher Aromen kommt Männlichkeit schlichtemang nicht mehr vor, der überzeugte Humanist kann diese nicht mehr denken.

In der Natur hingegen sieht es anders aus. Ein Bub kann mit fünf Jahren sehr stolz darauf sein, daß er selber, als junger "Mensch", eben NICHT vorkommt, den es eigentlich leicht fröstelt, der von den größeren Knaben auch noch nicht für voll genommen wird, und der trotzdem unter leidenschaftlichem Eifer danach strebt, auf dem Bolzplatz den Ball in das Netz des Gegners zu befördern. Auf dem Bolzplatz, den er womöglich noch auf den eigenen Beinen angesteuert hat, ohne daß ihn jemand "abgeholt" hat.

Jede Kultur ist eine des Werdens, des Anstrebens eines Zieles unter partieller bis gänzlicher Mißachtung des eigenen Narzißmus. Egal, ob einem der Sinn danach steht, es in seinem Stamm zu einem anerkannten Jäger zu bringen oder ob eine wissenschaftlicher Karriere als Physiker zum Ziel erkoren wird.
Die humanistische Bertelsmanisierung läuft hingegen auf gänzliche Vernichtung unserer Kultur hinaus.

Wer es sich antun möchte: https://www.youtube.com/watch?v=sgtKWPZmh9s

Kluge Höhepunkte der Erkenntnis in dieser Diskussionsrunde, unter enormer sprachlicher Eleganz vorgetragen:
"Das, was wir auf der Spitze des Eisbergs erleben, ist doch nur die Spitze."
"Wenn das so weiter geht, haben wir alle nur noch die Ellenbogen als das Hauptinstrument im Kopf."
(Beide von der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Rita Süßmuth)

Und dann noch die ausgiebigen Warnungen Heitmeiers, was unserem Land - und das vor dem Hintergrund unserer besonderen Geschichte! - droht, wenn wir sogenannten "Deutschen" uns unter der ständigen Gefahr der Selbstüberhebung in homogenen Gruppen zusammenrotten, statt die Vorteile des Dialoges der verschiedenen Kulturen zu nutzen.

Auch das ein Beispiel, wie vorzüglich sich ein Medienkonzern, der mit Random House und RTL zur Weltspitze gehört, mit dem Linkstum eines Heitmeiers verträgt.
Der Hauptfeind scheint mir nicht die Linke zu sein, sondern der Humanismus.

Rainer Gebhardt
25. Februar 2013 14:14

Mir ist nicht klar, an wenn sich dieses Angebot richtet. An Vorschulkinder? An Kinder, die gerade das Lesen lernen? An Leseschwache? Oder ist dieses Format der Versuch, sich der wachsenden Zahl von Klippschülern anzudienen und deren Verstehensfähigkeit zum Maßstab der "Kommunikation" zu machen? Dann wäre es das öffentliche Eingeständnis, dass wir bildungspolitisch nun endgültig auf dem absteigenden Ast gelandet sind.

Die leichten Nachrichten über Ottfried Preußler sind ein Beispiel dafür, auf welcher geistigen Flughöhe man die Leser und Höhrer vermutet:
"Otfried Preußler wurde am 20. Oktober 1923 in der Stadt Reichenberg geboren. Reichenberg liegt im heutigen Tschechien. Dort hat ihm seine Oma als Kind viele Märchen und Sagen-Geschichten erzählt. Diese Geschichten haben Otfried Preußler sehr gefallen. Er träumte davon, einmal Schriftsteller zu werden. Mit 12 Jahren schrieb er dann seine ersten eigenen Texte."

Ob dieser Schlichtheit dürften selbst Sechjährige sprachlos sein. Solch reduzierte und vorgefertigte Kost gibt es eigentlich nur bei MacDonald. Doch offensichtlich entspricht die Magerstufe dieser Sprache der Light-Version eines Denkens, das sich weder auf das Abenteuer der Sprache noch auf die Poesie der Wirklichkeit einzulassen bereit ist.

Vergleichen wir spaßeshalber das kurzatmige Rumpfdeutsch mit dem 2. Satz des 1. Kapitels aus O.Preußlers 'KRABAT':

"Krabat, ein Junge von vierzehn Jahren damals, hatte sich mit zwei anderen wendischen Betteljungen zusammengetan, und obgleich Seine allerdurchlauchigste Gnaden, der Kurfürst von Sachsen, das Betteln und Vagabundieren in Höchstderoselben Landen bei Strafe verboten hatten (aber die Richter und sonstigen Amtspersonen nahmen es glücklicherweise nicht übermäßig genau damit), zogen sie als Dreikönige in der Gegend von Hoyerswerda von Dorf zu Dorf: Strohkränze um die Mützen waren die Königskronen; und einer von ihnen, der lustige kleine Lobosch aus Maukendorf machte den Mohrenkönig und schmierte sich jeden Morgen mit Ofenruß voll."

Es muss also einmal eine Zeit gegeben haben, in der selbst Kinder eine Satzperiode wie diese ohne Schwierigkeiten verstehen konnten. Und es muss Eltern und Lehrer und einen Rundfunk gegeben haben, die bereit waren, auf einem Niveau zu sprechen, das weit über NN lag.

@ Gottfried
„Der Hauptfeind scheint mir nicht die Linke zu sein, sondern der Humanismus.“

Na, so einfach wollen wir uns die Sache dann aber doch nicht machen. Vor allem gilt es, den Begriff Humanismus nicht mit dem geschmeidigen Design einer Firmenphilosophie (bspw. der von Bertelmsmann) zu verwechseln. Und wenn heute auf jeder Verpackung Humanismus drauf steht, kann eben auch „Pferdefleisch“ drin sein. ((Merke: „Nicht überall, wo nicht Scheiße drauf steht ist auch keine Scheiße drin.“))

Das Problem ist, dass der Begriff „Humansimus“ etwas anderes und etwas mehr umfasst als das, was uns heute unter diesem Etikett verkauft wird.
Ohne hier auf lang und breit darauf einzugehen, zitiere ich mal Mario Perniola: „Dieses Leitbild vom Menschen (Humanismus), der sich durch herausragende Leistungen auszeichnet, ist für Europa heute zu beschwerlich geworden: Es kostet zuviel und bringt zuwenig ein...Dieses Ideal des Menschen...hat unseren Kontinent mittlerweile verlassen...Kaum zeigt sich eine Überlegenheit, verbündet sich alles gegen sie, um sie zu vernichten, indem man sie totschweigt oder lächerlich macht, diffamiert oder der Diktatur der Meinungsumfragen unterwirft, indem man der Qualität Verachtung entgegenbringt oder die allgemeine Niedrigkeit bekräftigt. Dieser Zustand, bei dem der Beste zum Abschuß freigegeben wird, beginnt mit der systematischen Zerstörung der Einrichtungen für die mittlere und höhere Schulbildung, die in den meisten europäischen Staaten sorgfältig betrieben wird und darin gipfelt, daß die großen europäischen Denker des 19. und 20. Jahrhunderts (von Marx zu Freud, von Wittgenstein bis Heidegger) persönlich lächerlich gemacht und ihr theoretisches Erbe vernichtet wird...Die Abwertung der Bewunderung, die Descartes für die stärkste aller menschlichen Leidenschaften hielt, kennzeichnet das Ende einer Kultur, die die gesellschaftliche Anerkennung herausragender Leistungen jahrtausendelang zu einer ihrer Grundlagen gemacht hat.... Die Wut gegen herausragende Leistungen steht in engem Zusammenhang mit der europäischen Melancholie, mit jenem Zustand tiefer Niedergeschlagenheit und Traurigkeit, die den emotionalen Grundton des heutigen Europa charakterisiert...Die Europäer bleiben auf diese Weise Gefangene jener metaphysischen Werte, die sie verbal ablehnen. Ihr Nihilismus (oder Zynismus) ist keine Befreiung von der Tradition, er ist kein Phänomen der Entzauberung und Säkularisierung, sondern im Gegenteil die Faulheit von heruntergekommenen, melancholischen Herrschern, die nicht mehr in der Lage sind, bei der gegenwärtigen generellen Neuverhandlung aller zum Globalisierungsprozeß gehörenden Werte eine eigene Position zu finden.“

Gottfried
25. Februar 2013 15:55

@ Rainer Gebhardt

"... daß die großen europäischen Denker des 19. und 20. Jahrhunderts (von Marx zu Freud, von Wittgenstein bis Heidegger) persönlich lächerlich gemacht und ihr theoretisches Erbe vernichtet wird…"

Über Freud, seine Spekulationen, die Nachwirkungen seiner Lehren in der Frankfurter Schule ließe sich auch noch einiges sagen.
Was Marx anbelangt, er war in hohem Maße beeinflußt vom Humanisten und Zionisten Moses Hess, halte es für sehr sinnvoll, sich die Ausführungen von Hess mal zu Gemüte zu führen und seine Grundthesen zur Diskussion zu stellen.

Aus meiner Sicht lassen sich dessen Prämissen - für mich stellvertretend für die Prämissen des Humanismus schlechthin - mit den anthropologischen Grundkonstanten des homo sapiens in keiner Weise vereinbaren. In weiten Zügen erinnern mich seine Lehren auch an die späteren Postulate der Anarchistin und Frühfeministin Emma Goldman:

"Das socialistische Problem ist freilich kein deutsches; es ist ein menschliches."
"ein Commis-voyageur [...] warf mir sieg-gewiß die Frage entgegen: 'Wer soll denn meine Stiefel wichsen, wenn alle Menschen gleiches Glück haben?' Ich sagte ihm: Wenn Sie ihre Stiefel durchaus gewichst haben wollen und es findet sich Niemand, der es Ihnen vorthun mag, dann müssen Sie es selber thun; das Unglück wäre nicht so groß wie manches andere."
"Was ist die Ursache dieser großen Noth mitten im Ueberflusse? - Die Concurrenz!" -- "Der Egoismus hat seinen Kreislauf vollendet, und diese Vollendung hat er in der Concurrenz erreicht. In ihr hat der Egoismus seine klassische Gestalt erhalten."
"Klagt nicht die menschliche Natur an, wenn Ihr Bosheit, Dummheit, Niederträchtigkeit, Unglück und jede Art von Elend in unserer Gesellschaft findet - klagt die unmenschlichen Verhältnisse an, die das beste, humanste, thätigste Geschöpf in Elend und Laster stürzen können."
"Die falsche Bildung aber, welche den Menschen zum gebildeten Raubthier macht, kann immer nur den Einen auf Kosten des Andern bereichern."
"Ja, wir glauben, dass die Menschen noch einen höhern Beruf haben, als sich gegenseitig auszubeuten."

(aus "Ueber die Noth in unserer Gesellschaft und deren Abhülfe"; Deutsches Bürgerbuch für 1845. Hrsg von Hermann Püttmann. C. W. Leske, Darmstadt 1845)

Rumpelstilzchen
25. Februar 2013 16:24

@ Rainer Gebhardt

Könnten Sie bitte die Quelle dieses Textes von Perniola angeben. Vielen Dank.

Robert
25. Februar 2013 18:54

Ich fasse mich etwas kürzer: der Hauptfeind ist weder Humanismus noch Linke, sondern die OMF-BRD insgesamt. Seit 1945 läuft ein Genozid am Deutschen Volk, zwar schleichend, jedoch verläuft er planmäßig. Näheres dazu ist zu erfahren unter https://de.scribd.com/doc/24266045/birthelm-michael-komm-heim-ins-reich-handbuch-zur-befreiung-2008.

Somit dürfte ohne vielen Ismen oder Anführen von vermeintlichen Vordenkern bereits fast alles gesagt sein.
Wachen Sie hier bitte mal aus Ihrem Tiefschlaf auf!

jak
25. Februar 2013 20:59

@ Rumpelstilzchen

Kurzes nachgoogeln ergibt Lettre Internatinal als Quelle:
https://www.lettre.de/content/mario-perniola_vom-zustand-europas

Georg Mogel
25. Februar 2013 21:32

Es gibt Leute, die können alles glauben, was sie wollen;
das sind glückliche Geschöpfe.

G.Chr.Lichtenberg
Sudelbücher, Heft G (79)

Georg Mogel
25. Februar 2013 21:55

Oberhaupt der "Bildungsrepublik":

https://www.youtube.com/watch?v=YWT7hnQAW24&feature=player_embedded

Realist
25. Februar 2013 22:52

In Familien, in denen die Kinder schlecht lesen können, gibt es in der Regel bereits einen Hund aber eben keine Bücher. Am geduldigen Zuhörer scheitert es also sicher nicht.

Auch die Nachrichtenleicht-Seite scheint mir inhaltlich doch weit an der Zielgruppe vorbeigeschossen. Wer auf diesem Niveau liest, hat sicher kein Interesse an Nachrichten aus aller Welt. Sponge Bob-Leicht hätte sicher eine größere Reichweite.

Ich weiß nicht ob ich das Ganze traurig oder lustig finden soll. Einen beruhigenden Aspekt hat diese Entwicklung jedoch - es wird mit wirklich minimaler Anstrengung möglich sein, meine beiden Kinder im Schul- und Berufsleben wie Brillianten in einem Kohlehaufen funkeln zu lassen.

Waldgänger
26. Februar 2013 09:33

@ Rainer Gebhard

Stimme Ihnen zu: Die Zielgruppe dieser vereinfachten Sprache ist unklar.

Wer den Deutschlandfunk tatsächlich hört - also zumeist mittlere und höhere Funktionsträger der Parteien und des Regierungsapparats - der hat diese Kindersprache nicht nötig.

Und wer diese Kindersprache nötig hat, der weiß nicht mal , dass es den Deutschlandfunk überhaupt gibt!

Die ganze Sache ist insofern auch ein schöne Beispiel dafür, wie meilenweit die Macher des Deutschlandfunks vom tatsächlichen Volk entfernt sind.

eulenfurz
26. Februar 2013 10:49

Die Einführung debilengerechter Balla-Balla-Nachrichten durch den Schlandfunk sind angesichts eines für die letzten zehn Jahre konstatierten IQ-Rückgangs der BRD-Bevölkerung von 102 auf 97 mehr als nachvollziehbar.

Rainer Gebhardt
26. Februar 2013 12:48

@Gottfried: "Über Freud, seine Spekulationen, die Nachwirkungen seiner Lehren in der Frankfurter Schule ließe sich auch noch einiges sagen.
Was Marx anbelangt, er war in hohem Maße beeinflußt vom Humanisten und Zionisten Moses Hess, halte es für sehr sinnvoll, sich die Ausführungen von Hess mal zu Gemüte zu führen und seine Grundthesen zur Diskussion zu stellen."

Der Humanismus von Moses Hess und Karl Marx – da betreten Sie ein weites Feld. Hess kommt wie Marx aus der linkshegelianischen Schule. Beide sind „geborene“ Dialektiker und beide legen die Geschichte (ich sage das jetzt mal so salopp) im Modus eschatologischer Erwartungen aus. Der dialektische Drei-Schritt (in der Geschichtsauffassung) beider lautet (sehr vereinfacht): Schöpfung (Urkommunismus), Entfremdung (Privateigentum), Kommunismus (Vergesellschaftung der Produktionsmittel).

Aber anders als Marx betrachtet Hess die Geschichte unter den moralischen Aspekten von Recht und Gerechtigkeit. Der Kommunismus von Hess sieht ein bisschen aus wie das NEUE JERUSALEM. Im Gegensatz zum Marxschen Kommunismus (Revolution+Diktatur des Proletariats) ist Hess von der Reformbarkeit des Kapitalismus (besser der kap. Produktionsweise) überzeugt und liefert 40 Jahre vor Eduard Bernstein ein Programm ab, mit dem die Sozialdemokratie bis heute wirbt: Recht auf Arbeit, gerechte Entlohnung etc.

Marx dagegen lehnt jede „moralisierende Gesellschaftskritik“ ab. Und genau an dem Punkt unterscheidet sich sein Humanismus von dem eines Hess. Als echten Hegelianer interessiert es ihn nicht, ob die Menschen die Verhältnisse ungerecht oder gerecht finden. Was der Hegelsche Weltgeist „anrichtet“, ist vernünftig. Und was vernünftig ist, ist gut (echt preußisch, könnte man sagen). Und da der Hegelsche Weltgeist bei Marx ganz materialistisch zu einem der Geschichte innewohnenden objektiv realem Entwicklungsgesetz wird, ist es sinnlos, sich über die objektiven Gesetzmäßigkeiten der Natur und der Geschichte zu beschweren. ((„Es kütt wie’s kütt“ würde man in Köln sagen, und wenn’s ganz dick kommt, sich trösten: „Es hätt noch immer jod jejange!“ :))

Immer wieder gibt es Versuche, Marx aus der christlich-abendländischen Tradition zu lösen und in den jüdischen Humanismus zu binden: »Marx war Jude und ist nur als Jude zu verstehen.« (Massiczek: Der menschliche Mensch. Karl Marx' jüdischer Humanismus, 1968). Unterschlagen wird, daß Marx antireligiös dachte. Ihm sind Christen und Juden „als religiöse Mittler“ im Prozess der politischen Emanzipation (des Proletariats) überflüssig. Marx:„Die politische Emanzipation des Juden, des Christen, überhaupt des religiösen Menschen, ist die Emanzipation des Staats vom Judentum, vom Christentum, überhaupt von der Religion.... Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum... Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum.“ (K. Marx, Zur Judenfrage, 1844).

Dieser Hieb ging auch gegen Moses Hess, der Sozialismus immer als praktischen Mosaismus verstand und in der jüdischen Rasse den Kollektivmessias der Zukunft erblickte, während für Marx der Jude der praktische Repräsentant des Krämertums war (so wie der Christ – in Marx materialistischer Geschichtstheorie - dessen theoretischer Repräsentant ist.)

Aber so ganz ist Ihre These der „Humanismus sei an allem Schuld“ “ ja nicht aus der Luft gegriffen. Ich erinnere mich da an die Diskussionen um Althusser Schriften „Für Marx“ (dtsch.1968) und „Das Kapital lesen“ (dtsch.1972). Ganz im Sinne des franz. Strukturalismus „dekonstruierte“ Althusser den tradierten Humanismusbegriff mit dem Ziel ihn als Leitbegriff politischer Emanzipation aufzugeben. Er polemisierte mit einem (aus seiner Sicht) aus Marx abgeleiteten ’Antihumanismus’ gegen den “realsozialistischen Fürsorgeblödsinn“. Daß dieser Antihumanismus dann wiederum die Bedingung für den „brüderlichen Humanismus des Kommunismus“ sein soll, gehört zu den Paradoxien der kommunistischen Lehre. Aber Althusser konnte sich durchaus auf Marx berufen, der im „humanistischen Gefasel“ die Ideologie v.a. eines (Wirtschafts)-Liberalismus erkannte, seinen politischen Privatinteressen den Anschein „allgemeinmenschlicher Interessen“ zu geben. Und genau hier liegt ja der Hase im Pfeffer, würde ich sagen.

Sara Tempel
26. Februar 2013 13:48

@Robert
Ihr Link führt ja wohl auf eine recht interessante Datei, aber für meinen Geschmack leider zu umfangreich zum Ausdrucken!
Falls Sie eine Verbindung zum Autor Michael Birthelm haben, weisen Sie ihn doch darauf hin, dass sein Zitat nicht von Nietzsche stammt! Ich habe das selbe Zitat auf meiner eigenen Webseite eingebaut: “Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein." - stammt von J. W. Goethe!”

Im Übrigen hat Herr Bosselmann ja mal wieder ein treffendes Beispiel für unseren kulturellen Niedergang gefunden.

Gottfried
26. Februar 2013 15:35

@ Rainer Gebhardt

"Marx:„Die politische Emanzipation des Juden, des Christen, überhaupt des religiösen Menschen, ist die Emanzipation des Staats vom Judentum, vom Christentum, überhaupt von der Religion…"

Demnach spricht Marx hier vom Glauben - nicht von einem rassischen Kontext, dem Kontext des Zusammenhaltes eines Volkes.

"gegen Moses Hess, der Sozialismus immer als praktischen Mosaismus verstand und in der jüdischen Rasse den Kollektivmessias der Zukunft erblickte"

Moses Hess war nicht religiös. Er war ein Ungläubiger, ein Gegner des Reformjudentums, der das orthodoxe Chassidentum instrumentalisieren wollte, als Mittel zum Zweck.

"Aber Althusser konnte sich durchaus auf Marx berufen, der im „humanistischen Gefasel“ die Ideologie v.a. eines (Wirtschafts)-Liberalismus erkannte, seinen politischen Privatinteressen den Anschein „allgemeinmenschlicher Interessen“ zu geben. Der reiche adlige Gutsbesitzer Wladimir Iljitsch Uljanow ("Lenin") hat seinen Gutspächter seinen Bauern auch während größter Hungersnot den letzten Rubel abpressen lassen. Eine Humanistin wie Emma Goldman hat zu Beginn der Oktoberrevolution an den ganz großen Fortschritt unter Bronsteins und Lenins Regime geglaubt, auch wenn Apfelbaum ("Zinoviev") 1918 ankündigte, daß zur Beförderung dieses Fortschrittes zehn Millionen getötet werden müßten.

"Und genau hier liegt ja der Hase im Pfeffer, würde ich sagen."

Eben-t. Ich sage genau das auch. Die humanistische Religion ist das Opium für das Volk.

Rainer Gebhardt
26. Februar 2013 19:53

@ Gottfried

Ich bin mir der Brisanz des Humanismusproblems bewußt. Zuletzt hatte Sloterdijk in „Regeln für den Menschenpark“ den „metaphysischen Humanismus“ als konstruktive Denkmöglichkeit für die Zukunft zurückgewiesen: „Wozu erneut den Menschen und seine maßgebliche philosophische Selbstdarstellung im Humanismus als die Lösung anpreisen, wenn sich gerade in der Katastrophe der Gegenwart gezeigt hat, daß der Mensch selbst mitsamt seinen Systemen metaphysischer Selbstüberhöhung und Selbsterklärung das Problem ist?“ Die Frage ist zu Recht gestellt. Aber für mich war die Frage immer, was unter Humanismus zu verstehen ist – die Selbstermächtigung des Menschen oder seine Selbstbildung im ganz vorbildlich klassischen Sinn. Das ist, wie ich meine, ein Unterschied ums Ganze. Und dann stellt sich mir die nächste Frage, nämlich die, ob oder wie Konservatismus und Humanismus aufeinander bezogen sind und inwiefern sie überhaupt aufeinander bezogen sein können. Ich kann die Frage nicht befriedigend beantworten. Aber hier hängt vieles davon ab, an welcher Stelle man dieses „Buch“ aufschlägt. Bei Platon oder Aristoteles. Bei Nietzsche oder Marx. Bei Heidegger oder bei Bloch. Bei Sloterdijk oder bei Habermas. Bei dem sehr hermetischen Rudolf Borchardt finde ich eine mögliche Antwort: „Der Grundgedanke des Humanismus, daß wir dazu da sind unsere Söhne mit unseren Ahnen zu verknüpfen, ist der Kern des Konservatismus.“ (Konservatismus und Humanismus, 1931). Bildung und Bewahrung des Überlieferten schienen ihm dazu die geeigneten Mittel. Ein dünnes Fädchen, an das Borchardt da anzuknüpfen sucht, aber immerhin...

Gottfried
27. Februar 2013 08:40

@ Rainer Gebhardt

"Der Grundgedanke des Humanismus, daß wir dazu da sind unsere Söhne mit unseren Ahnen zu verknüpfen, ist der Kern des Konservatismus.“

Zwei Grundfragen stellen sich mir, gegen die alle andere verblassen:
a) Wer bin ich, was will ich?
b) Wer genau ist das wir?

(Borchardt gibt auf b) ja eine ganz konkrete biologische Antwort.)

Als Antihumanist, Antiidealist und Antiuniversalist gehe ich nicht von Descartes aus, ich bin nicht, weil ich denke. Ich bin, weil ich Hunger habe oder weil mich mein Fußgelenk schmerzt.
Mein Instinkt, mein Willen, meine Macht in meinem Lebensraum zu entfalten, findet sodann ein nützliches Werkzeug vor, den Verstand, gegen den genau solange nichts hervorzubringen ist, wie er sich denn als Sklave meines Willens als nützlich erweist.

Weil ich nun diesen Hunger verspüre, komme ich mit der Zeit auf die Idee, mit anderen gemeinsam zu jagen, aber nicht mit sogenannten "Menschen", ungefiederten Zweibeinern - die Gesamtbevölkerung dieses Planeten ist in soziologischer/politischer Hinsicht grundsätzlich ein vollkommen irrelevantes Konstrukt - sondern mit männlichen Mitgliedern meines Rudels/Klans/Stammes.

Leben UND nach dem Rezept des Königsbergers darüber zu meditieren, wie meine Jagdaktivitäten das Wohl der gesamten "Mensch"heit nun befördern könnten, geht nicht.
Wer bedient sich einer humanistischen Lehre, wie die Lehre Kants über das Völkerrecht mit dem Ziel des Ewigen Friedens ist? Welchen Gewinn kann er aus dieser Lehre ziehen? Zwecks Implementierung der "Menschen"rechte hat man bereits eine Million Iraker gemordet, man hat den souveränen Staat Libyen bombardiert, dem Maghreb den Frühling beschert.

Wir haben es hier mit einer typischen semantischen Doppelbelegung zu tun:
"Geh doch mal unter Menschen!" rät man womöglich dem Melancholiker und meint damit aber eher keine Samoaner oder Chinesen, sondern mehr oder minder Leute, die ihm verwandt sind.
Andererseits unsere BUNTE Republik der "Menschen", in der es auf der Agenda jeder Hauptstrompartei von CDU/CSU steht, jede Zugehörigkeit unterhalb des Oberbegriffes der sieben Milliarden zu eliminieren.

Rainer Gebhardt
27. Februar 2013 14:55

@Gottfried

Das Zitat von Borchardt fiel mir ein, weil es teilweise anschlußfähig ist. Aber der Blick zurück (auf die Ahnen) ist eben auch nur die halbe Miete.
Der nüchterne und unsentimentale Blick nach vorn - auch das ist konservativ: Es ist der Blick auf diejenigen, die nach uns kommen, und die Verantwortung ihnen etwas zu hinterlassen, das sie nicht wie Dreck wegräumen, nicht wie Schulden abtragen müssen (( (a) Wer bin ich, was will ich?)).

Zu Kant: Das Rezept des Königsbergers war so schlecht nicht, wenn ich bedenke, daß es unausgesprochen auch die Staatsraison Preußens war.

Aber dieses Kapitel sparen wir uns auf für eine andere Debatte.

In diesem Sinne: Beste Grüße!

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