8. Februar 2013

Identitäre Bewegung: Lage, Herausforderungen, Perspektiven

Gastbeitrag / 15 Kommentare

13687_445130962209572_1836393611_nDie seit einem knappen Vierteljahr bestehende Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) erfährt aufgrund ihrer für manche unerwartet starken Resonanz gegenwärtig besondere Aufmerksamkeit durch Aktivisten aus dem linken Spektrum und mit diesen sympathisierende Journalisten. Man sieht in dieser neuen Jugendbewegung offensichtlich eine ernstzunehmende Herausforderung, auf die man mit der gleichen Rhetorik und denselben Methoden reagiert, mit denen man jedem nicht-linken Herausforderer zu begegnen versucht.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession
Die IBD entstand im Oktober 2012, nachdem einige Studenten ein Video des französischen "Bloc Identitaire" ins Deutsche übersetzt und bei YouTube eingestellt hatten. Auf einer dazugehörigen Facebook-Seite meldeten sich daraufhin innerhalb weniger Wochen mehrere tausend Interessenten, aus denen mittlerweile rund 35 lokale Gruppen mit rund 300 aktiven Unterstützern hervorgingen. Eine formelle Mitgliedschaft oder feste Organisationsstrukturen gibt es bislang nicht.  Die meisten Unterstützer sind zwischen 16 und 27 Jahre alt, überdurchschnittlich gebildet, männlich und leben in westdeutschen Großstädten. Zur Erklärung dieser Zusammensetzung wurde angemerkt, daß Identitätsverlust für die Bewohner ländlicher Regionen sowie des Ostens der Bundesrepublik weniger stark im Alltag spürbar sei bzw. dort andere Probleme als dringender erschienen.

Das erklärte Ziel der IBD ist der Erhalt der ethnokulturellen Identität Deutschlands und Europas, die man durch Zerstörung kultureller Substanz in Folge des Wirkens der 68er-Bewegung, die demographische Entwicklung und Massenzuwanderung bedroht sieht. In vier Grundsatzerklärungen (1, 2, 3, 4) hat die Bewegung ihre Positionen erläutert.

Als wichtigste Motivation unter den Aktiven treten neben Sorgen über die Zukunft Deutschlands und Europas auch Sorgen über die eigene Zukunft hervor. Einige der Aktiven erleben in ihrem Umfeld und in ihrer Altersgruppe Deutsche bereits als demoralisierte Minderheit, die zunehmend von Zuwanderergruppen zurückgedrängt wird, die ihrer Identität deutlich positiver gegenüberstehen und diese mit Unterstützung von Staat und Zivilgesellschaft selbstbewußt bis aggressiv artikulieren, während von Deutschen Anpassung verlangt wird. Der gegenwärtige Kurs der deutschen Gesellschaft, der für die jüngere Generation und deren Nachkommen nur eine Rolle als stetig zurückweichende Minderheit in der eigenen Heimat vorsieht, welche die Schulden der Elterngeneration abzutragen und die Ansprüche der Zuwanderer zu erfüllen hat und darüberhinaus die überwiegend negativen Folgen dieser Entwicklung als Bereicherung verstehen soll, wird von den Identitären abgelehnt.

Der Großteil der Identitären macht dabei nicht in erster Linie den in Identitätsfragen besonders sichtbaren Islam oder muslimische Zuwanderer für diese Entwicklung verantwortlich, sondern die Deutschen selbst. Problematische Folgen von Zuwanderung werden überwiegend als Folge des Versagens der Deutschen verstanden, Zuwanderung und andere Themen im Interesse künftiger Generationen zu gestalten. In einem programmatischen Text heißt es dementsprechend: "Wenn ihr die wahre Ursache von Deutschlands und Europas Misere sehen wollt, dann schaut in den Spiegel!"

Aktivitäten der Identitären reichen von „Flashmobs“ und überraschenden Auftritten bei multikulturalistischen Veranstaltungen über Plakatier- und Aufkleberaktionen und Verbreitung graphisch orientierter Botschaften über Facebook bis zur Produktion von Videos. Ziel der Aktionen ist es, identitäre Fragen durch Störung des behaupteten Konsenses und Konfrontation mit den realen Folgen des Identitätsverlusts stärker sichtbar werden zu lassen.

Chancen der Identitären Bewegung

Identitätsdebatten sind eine Konstante deutscher Kultur, wie etwa Nietzsche beobachtete:

 Es kennzeichnet die Deutschen, daß bei ihnen die Frage "was ist deutsch?" niemals ausstirbt.

Durch Zuwanderung und Globalisierungsdruck haben Identitätsfragen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Vor allem Identitätsfragen mit Islambezug prägen zunehmend politische Diskussionen, wenn auch nur recht einseitig in Form von Anpassungsforderungen an die deutsche Bevölkerung. Deutsche reagieren darauf verstärkt mit der Entdeckung, daß die eigene Identität und deren Rolle in ihrer Heimat nicht selbstverständlich sind. Eine Umfrage der GfK Marktforschung zum Identitätsthema ergab etwa, daß gerade unter jüngeren Deutschen (die den Bevölkerungsaustausch direkter erleben als andere Generationen) stärkere Bezüge zur deutschen Identität zunehmen würden. Über 70% aller Befragten stimmten der Aussage zu, daß Deutsche "mehr Selbstbewußtsein im Hinblick auf ihre nationale und kulturelle Herkunft zeigen" sollten.

Die Erfahrungen der Deutschen mit dem Bevölkerungsaustausch und der Tabuisierung der eigenen Identität sind überwiegend negativ und werden mit fortschreitender Entwicklung immer negativer, was auch aus einer aktuellen Erhebung des Allensbach-Instituts hervorgeht, der zufolge durch persönliche Erfahrungen mit Zuwanderern positive Einstellungen gegenüber Zuwanderung abnehmen würden. Zunehmen würden hingegen Forderungen von Deutschen nach einer Leitkultur, die auf ihrer kollektiven Identität aufbaut und diese gegen Verdrängung schützt.

Werbestrategen haben den zunehmenden Wunsch nach Identität längst erkannt und vermarkten Produkte seit einiger Zeit durch Ansprache entsprechender Bedürfnisse mit regionalen Identitätsbezügen (siehe etwa hier, hier oder hier), während Landlust-Magazine hohe Auflagen erreichen und deutsche Nachrichtenmagazine sich an vermehrt auftauchenden "bezopften Mädels in Biostrickmode" stören.

Die Identitären stoßen mit ihrem Thema in eine Lücke vor, die zu besetzen kein relevanter Akteur in den vergangenen Jahren gewagt hatte. Dabei vermeiden die Identitären bislang zu enge Definitionen dessen, was deutsche Identität für sie ausmacht. Identität wird von ihnen nicht als Katalog klar abgrenzbarer Eigenschaften definiert, sondern als lebendige Erfahrung verstanden. Daß sie damit einen Nerv getroffen haben, zeigen neben den vielen Interessenten, die innerhalb weniger Wochen den Kontakt zu ihnen suchten, auch die Reaktionen ihrer Gegner.

Herausforderungen für die Identitäre Bewegung

Die größten Herausforderungen für die Identitären sind die Kampagnen ihrer Gegner, die von Teilen der Medien unterstützt werden; sowie der Mangel an Leitung und Strukturen innerhalb der IBD. Weitere Herausforderungen sind offene Fragen, inwiefern Distanzierungen im Vordergrund der öffentlichen Darstellung stehen sollten, und welche Aktionsformen identitäre Ziele am besten vermitteln können. Auch der Umgang mit dem Thema Islamkritik stellt eine offene Frage dar.

  • Die IBD ist sowohl seitens NS-naher Aktivisten als auch seitens diverser Antifa-Initiativen und mit ihnen verbundenen aktivistischen Journalisten Anfeindungen ausgesetzt. Bereits kurz nach der Entstehung der IBD startete das „Netz gegen Nazis" einen ersten Angriff, in dem Alice Lanzke der IBD „Nazi-Inhalte“ unterstellte. Auch der für Antifa-Projekte wie „Störungsmelder“ und „Publikative“ schreibende Aktivist Roland Sieber behauptete zunächst, die IBD vertrete „braune Ideologie“. Dies empfand auch Sieber selbst offensichtlich als überzogen, so daß  er kurz danach zurückruderte und in einem weiteren Beitrag Ansätze zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der IBD zeigte, deren Positionen er nun sprachlich leicht entschärft als „rassistisch“ bewertete. Robert Scholz gelang in einem sachlichen Beitrag bei „Endstation Rechts“ eine in mancher Hinsicht zutreffende Analyse der IBD, die jedoch eine Ausnahme blieb. Zuletzt kehrten Aktivisten und mit ihnen verbundene Medien wieder zur Strategie der aggressiven Denunziation zurück, wie etwa Timo Brücken von „Spiegel Online" oder das ZDF, wo diverse als unabhängige Experten vorgestellte Aktivisten die IBD wegen der Verwendung von Begriffen wie „Heimatliebe“ als „rechtsextrem“ und „rassistisch“ zu entlarven versuchten. Die Angriffe aus dem NS-nahen Spektrum kritisieren hingegen gerade, daß das Identitätsverständnis der IBD sich nicht hinreichend auf den Faktor Rasse stütze. Gleichzeitig finden aus diesem Lager Versuche statt, identitäre Symbolik zu übernehmen und mit eigenen Inhalten zu versehen. Die Positionierung der NS-nahen Kräfte unterstreicht dabei die Distanz der IBD zur NS-Ideologie deutlicher und glaubwürdiger, als es jede Distanzierung könnte, was der IBD nützt. Die auf Einschüchterung und Delegitimation zielenden Angriffe durch aktivistische Medien haben hingegen das Potential, der IB dauerhaft Schaden zuzufügen. Aus Rückmeldungen an die IBD geht zwar hervor, daß diese Anfeindungen vielen als so überzogen erscheinen, daß sie oft eher gegenteilige Wirkung haben und Interesse für die IB schaffen. Mittelfristig jedoch kann mediales und aktivistisches Dauerfeuer dieser Art die enthaltenen Unterstellungen und Zuschreibungen in der öffentlichen Wahrnehmung verankern und Interessierte davon abhalten, sich in der IBD zu engagieren.
  • Innerhalb der eher spontan entstandenen IBD war man verbreitet überrascht über die Stärke der positiven Resonanz, die auf das erste Auftreten im Oktober 2012 folgte. Strukturen, die dies hätten auffangen können, gab es zunächst nicht. Zwar traten aus den sich bildenden Gruppen nach und nach einzelne Personen hervor, die organisatorische Aufgaben übernahmen, aber es gibt bis heute niemanden, der innerhalb der IBD leitend in Erscheinung tritt und ihr ein Gesicht nach außen verleiht. Zudem bringt die überwiegende Mehrheit der Aktiven keine Erfahrungen aus früheren vergleichbaren Aktivitäten mit. Dies trägt dazu bei, daß es den Identitären bislang nicht gelungen ist, den Kampagnen gegen sie sichtbarer zu begegnen. Das fehlende persönliche Gesicht nach außen dürfte auch die Resonanz reduzieren, die noch größer sein könnte, wenn man die Identitären mit Namen und Gesichtern verbinden könnte. Innerhalb der IBD verhindert der Mangel an Strukturen zudem, daß Vorhaben koordiniert angegangen werden können.
  • Die IBD setzte von Beginn an einen der Schwerpunkte ihres Auftretens auf die Distanzierung von jenen NS-nahen Positionen, mit denen sie Aktivisten später in Verbindung zu bringen versuchten. Die Entscheidung zur Distanzierung war eine Schlußfolgerung aus der Beobachtung, daß fast jede Kampagne gegen nicht-linke Akteure in Deutschland mit solchen Zuschreibungen arbeitet. Innerhalb der IBD gab es jedoch Kritik, daß man durch Distanzierung negative Botschaften in den Vordergrund stelle und sich zudem auf die Spielregeln des Gegners einlasse, dessen Anspruch auf Definitionshoheit man dadurch stärke. Man akzeptiere und fördere nicht nur dessen Machtanspruch, sondern nehme auch dessen Zuschreibungen teilweise an, indem man sich auf sie beziehe. Der Gegner verzichte ohnehin nicht auf unsachliche Angriffe, weshalb Distanzierungen davor nicht schützen würden. Anstatt Distanzierungsforderungen nachzugeben, solle man den Gegner stärker unter Rechtfertigungsdruck zu setzen, etwa durch Herausstellung der für Deutschland und Europa schädlichen Folgen seines Handelns und seiner Weltanschauung.
  • Kritik an Aktionen konzentriert sich darauf, daß die gewählte Hardbass-Ästhetik Identität nur unzureichend ausdrücke. Bislang wurden zudem keine Aktionsformen gefunden, die so sichtbar sind, daß sie nicht ignoriert werden können, und die so deutlich für sich sprechen, daß man ihre Aussagen nicht mißverstehen oder falsch darstellen kann.
  • Identitäre lehnen meist jene Formen der Islamkritik ab, die nicht auf der Verteidigung eigener Identität beruhen. Der Islam wird nicht pauschal als Bedrohung betrachtet, da er nicht in jeder seiner Erscheinungsformen als Ausdruck einer auf Verdrängung zielenden Gegenidentität auftritt. Für einzelne Aktive spielt die direkte Auseinandersetzung mit Islamthemen jedoch eine wichtigere Rolle, was zu kontroversen Diskussionen innerhalb der IBD führte.

Perspektiven der Identitären Bewegung

Der Druck der Identitären könnte mittelfristig dazu beitragen, daß auch andere politische Kräfte es sich nicht mehr erlauben können, das Thema brachliegen zu lassen. Die Linke hat die Verteidigung der eigenen ethnokulturellen Identität nicht immer anderen überlassen. Einzelne Linke haben aufgrund der von ihnen negativ wahrgenommen Veränderung ihrer Heimat bereits vorsichtig damit begonnen, Identitätsfragen wieder aufzugreifen, auch wenn sie sich dabei wie Wolfgang Thierse oder Christian Ströbele nicht an die eigentlichen Probleme heranwagten.

In jedem Fall muß die Identitäre Bewegung weiterhin mit hartem Gegenwind rechnen, der noch zunehmen wird, wenn ihre Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit zunimmt. Ihre Gegner wissen, daß tatsächliche Vielfalt und echter Pluralismus, die durch eine neue, alternative Jugendbewegung entstehen könnten, ihnen die Möglichkeit rauben würden, ihre Positionen weiterhin durch die Behauptung eines Konsenses durchzusetzen. Sie müßten sich dann Diskussionen stellen, die sie ebenso verlieren würden wie kurz darauf ihre Macht und ihren Zugriff auf staatlich finanzierte Stellen und Zugriff auf staatliche Mittel. Angesichts dieser existentiellen Bedrohung wird verbissen und auch mit schmutzigen Mitteln gekämpft werden.

Die Identitären haben dabei jedoch die allgemeine Entwicklung auf ihrer Seite, die dazu führen wird, daß Identitätsfragen unter Deutschen um so stärker an Bedeutung gewinnen werden, je mehr ihre Identität herausgefordert wird und unter Druck gerät. Autoritäre Versuche, diese Antwort zu unterdrücken, können dabei nur vorübergehenden Erfolg haben. In der Sarrazin-Diskussion, in der es auch um identitäre Themen ging, gelang es trotz Extremismusvorwürfen und Versuchen zur Vernichtung beruflicher Existenzen erstmals nicht mehr, die Diskussion wie beabsichtigt abzubrechen.

Das Zeitfenster, in dem ein Aufhalten oder eine Umkehr der vielen Verfallstendenzen noch mit realistischen Mitteln möglich ist, schließt sich innerhalb den kommenden zwanzig Jahre. In einem Video der Identitären heißt es: "Wir sind die letzte Generation, die noch etwas verändern kann." Die Identitären und andere um die Zukunft Deutschlands und Europas besorgte Kräfte befinden sich in einem Wettlauf mit der Zeit, in dem den Identitären immerhin einen beachtlicher Start gelungen ist.


 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (15)

Waldgänger
8. Februar 2013 10:31

Danke, Torsten, für diesen gut lesbaren(!), differenziert-vielschichtigen und informationsreichen Text!

Für einen Erfolg der Identitären sehe ich kaum eine Alternative zu jenem langen Entwicklungsweg, den die grün-alternative Bewegung von etwa 1978 bis 1985 gegangen ist.
Von den Grünen lernen.

Wie nannte man das damals? "Graswurzelbewegung".
Erst später kam es dann auf Landesebene zum allmählichen Zusammenschluss der diversen Initiativen und Grüppchen.
Das dauerte natürlich so einige Jahre ...
Jahre, die heute angesichts jenes "Zeitfensters" knapp sind.
Dennoch - wie sollte es sonst gehen?

Auch die komplett ablehnende Haltung des Establishments stellt eine Parallele zu damals dar. Es ist ja so, dass auch nach Gründung der TAZ die ganz große Mehrheit der etablierten Zeitungen und Sender die damalige Alternativbewegung kritisierte.

Die ablehnende Haltung der Eliten dürfte jedoch heute stärker sein, weil die Brüsseler EU-Behörden und die Vertreter der globalisierten Wirtschaft
als Gegner hinzukommen bzw. stärker sind als vor 30 Jahren.

Gottfried
8. Februar 2013 11:21

Nach meiner Diagnose ist JEDER, der etwas für unser Deutschland tun will und damit eine Gegenposition gegen Entwicklungen einnehmen muß, die er für schädlich hält, nach BUNT-Sprechterminologie "rechts" und nach der Lehre der "Scharnierfunktion" damit dann auch ein Natzieh. Siehe als Beispiel die betuliche Herman, die sich - selber Kämpferin gegen Rechts - dereinst für den Kinderschutz und die Familien eingesetzt hatte und den Schauprozeß, der dann gegen sie erfolgt ist.

Für den Erhalt unserer deutschen Sprache, für Buben und Maderln statt "gender"hauptverströmter junger "Menschen", für eine gesunde Volkswirtschaft statt ESM, für Volksherrschaft (Demokratie, "alle Macht geht vom Volke aus) statt Räten und Kommissaren der EU uvm.

Und an der Dekonstruktion des "racism" (Buchveröffentlichung von Magnus Hirschfeld, 1938), seiner Enttarnung als ein Kodewort für antiweißen Rassismus führt kein Weg vorbei.

Die "Ethnie", in linken und antideutschen Kreisen sehr beliebter Begriff ist nicht operationstauglich, da er etwas sehr Unterschiedliches zwecks der Verschleierung summiert, dessen getrennte Betrachtung sich lohnte: a) die biologische Grundlage der Erbverwandschaft, b) das Teilen einer Kultur
Kultur nun wiederum ist ein Begriff, der endlich mal entweder definiert oder gänzlich verboten werden sollte.
In den VSA bedeutet "culture" nicht mehr, als die Segnungen der Zivilisation zu konsumieren. In einen "Drive-In" zu fahren, um sich dort ein Hackfleischbrötchen und eine Coke einzuverleiben.
Die Erbanlagen sind die notwendige körperliche Bedingung einer Kultur.

Wenn die Identitären die Spielregeln inklusive der Sprache des Feindes und den Kampf gegen Rechtes brav und bieder übernehmen, dann sind sie bestenfalls ein vorübergehendes Einstiegspodium, schlimmsten Falles systemstabilisierende Pseudoopposition.

Streitereien mit tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen NASOS (nationalen Sozialisten) sollten besser intern geführt werden.

Toni Roidl
8. Februar 2013 13:22

Gute, sehr sachliche Analyse.

Lose Gedanken:
1. Jeder, der nicht für »Buntheit, Vielfalt und Toleranz« ist, kriegt den Naßieh-Stempel. Drum sind Distanzierungen unwirksam. Im Gegenteil: Vernetzung ist das A und O. Lokal, regional, national. Man kann mal wieder dagegen sagen, was man will, aber die PI-Gruppen vor Ort sind ein gutes Konzept.

2. Die Identitären sollten, statt sich von »Rassismus« zu distanzieren, klarmachen, dass man gegen JEDEN Rassismus (also auch anti-weißen) und gegen JEDEN Sozialismus ist (also braunen und roten).
Der Angriffspunkt bei den Linken ist doch, dass ihr ganzer Humanismus asymetrisch und damit falsch ist, weil er nur selektiv gilt. DAS könnten die Identitären plakativ herausstellen, weil es so einfach belegbar und begreifbar ist.

Yvonne
8. Februar 2013 14:24

Es sollte unterschieden werden zwischen NS-nahen Personen und NS-nahen Positionen. Daß letztere nicht von den Identitären vertreten werden, ist nachvollziehbar, daß erstere per se ausgeschlossen werden, allerdings ein Fehler und vermutlich nur der – sinnlosen - Anbiederung an das System geschuldet bzw. der Angst vor Stigmatisierung. Niedlich auch die Erklärung, warum die Bewegung hauptsächlich von westdeutschen Großstädtern getragen wird...
Mit den Grünen ist es nicht vergleichbar, denn sie haben als vornehmlich linke Gruppierung von Anfang an einflussreiche Unterstützung von verschiedensten Seiten erfahren und waren bereits zeitgeistkompatibel.
Statt eiliger Distanzierungen wäre es jetzt besser gewesen zu sagen: „Wir Rechten“ haben so viele verschiedene Auffassungen und Stoßrichtungen, aber der Kampf gegen die Überfremdung in unserem Land und allgemein gegen die Erosion der nationalstaatlichen Ordnungen soll uns einen. Unter diesem Oberziel wollen wir uns gemeinsam einfinden und unsere anderen Belange soweit zurückstellen, denn die Zeit läuft uns davon...

Rumpelstilzchen
8. Februar 2013 15:03

Ich kann die Motive, aus denen sich die jungen Männer zusammenschließen, um sich zu be-haupten, absolut nachvollziehen.
Ich sehe die Not-wendigkeit und die Berechtigung einer neuen Jugendbwegung Europas (im Sinne eines Europas der Vaterländer).
Aber: Als Angehörige der Elterngeneration tut es mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie junge "unschuldige", ja unsichere Männer ins Messer von abgefuckten, gewieften, zynischen Altlinken laufen. So überdurchschnittlich gebildet und kampferprobt sind die Männer der IBD dann doch nicht oder werden sie instrumentalisiert und wenn ja, von wem?
Ein paar Fragen:
1. Warum formuliert man das Recht auf Herkunft und Zukunft, das Normalste der Welt, als ideologische Frage? Identitär ist nicht Identität.
2. Wozu verwendet man eine Symbolik, die an kommunistische und NS-Symbolik erinnert? (aufgehende Sonne , Hand in sowjetischem Realismus, Lambdazeichen). Für was steht das alles?
3. Warum erfolgt von Anfang an eine Distanzierung, statt selbstbewußt aufzutreten?
4.warum wird eine theoretische Identitätsdebatte geführt, statt der lebendigen Erfahrung zu vertrauen und daraus seine Schlüsse zu ziehen.

Wenig Selbstbewußtsein ist genauso ungesund wie übersteigertes Selbstbewußtsein.

Tut mir leid, nichts konstruktiveres beitragen zu können, vielleicht das Lied von Sophie Hunger, dem größten Popexport der Schweiz, mit dem selbstbewußten und realitätsdichten Lied: DAS NEUE
Guckst du gugel.

Gorch Fock
8. Februar 2013 15:58

Danke für den ausführlichen Bericht, ebenso für den Kommentar von Waldgänger. Volle Zustimmung. Besonders für diesen Satz:

"wie sollte es sonst gehen?"

Ich wüsste aktuell auch keinen anderen Weg. Jedenfalls ist in den letzten Jahren vom etablierten, konservativem Spektrum kein Ansatz aufgezeigt worden. Alles beschränkte sich auf Bestandsaufnahmen und den guten Glauben an die parlamentarische Demokratie innerhalb der BRD bzw. Europas (nicht der EU). Das der Feind ebendiese schon angefressen bzw. ausgehöhlt hat, wollte man scheinbar nicht wahrnehmen.

Die Distanzierungen der IB müssen sein. Da es in den aktuellen Diskussionen eben genau darum geht. Hier braucht man, um argumentativ beim "Erstvowurf" (der kommt ja in jeder Diskussion) standhaft bleiben zu können, eine Referenz auf die man sich beziehen kann. Und die einfachste Methode ist hier nunmal das Schema: "Du bist aber ein doofer Neo-Nationalsozialist" - "Nein bin ich nicht, ich habe es hier sogar schwarz auf weiß und bekenne mich dazu".
Ein Fehler wäre es, dies jedes mal aufs Neue argumentativ auseinander setzen zu wollen.

Ein Fremder aus Elea
8. Februar 2013 17:00

Deutsch: "The Taming Power of Small".

Siehe: https://theabysmal.wordpress.com/2006/10/23/i-ching-hexagram-9/

Nun ja, ein Aspekt. Wettmachen der Ohnmacht durch Andienen.

Unlust, Verantwortung zu tragen, ausweichen auf Bereitstellungsaufgaben. Gute Christen, sozusagen.

In den falschen Händen desaströs. Gerade deswegen auch besser für alle in den eigenen Händen und auf die eigene Art.

Biobrother
8. Februar 2013 17:05

Zitat aus dem Video der „Génération identitaire“ (Übersetzung):

"Wir glauben nicht mehr daran, dass Mehmet jemals unser Bruder wird ..."

Sehr interessantes Video, trotz seiner etwas dystopischen und jugendlich heroisierenden Stimmung. Da es die benannten Probleme alle gibt, sicher auch nicht unverständlich. Da "Mehmet" bereits >20% der jungen Generation ausmacht, kommt man wohl nicht mehr darum herum - falls man nicht gerade Liebhaber von Bürgerkriegen ist - sich irgendwie mit "Mehmet" zusammenzuraufen. Das kann man aber natürlich nur, wenn man noch so etwas wie eine eigene, über die drei großen Fs hinausgehende Identität hat. Insofern ein interessanter Ansatz, insbesondere, wenn er den Schwerpunkt auf die Stärkung des Eigenen statt auf die Verächtlichmachung des Anderen bzw. Fremden legt.

Wobei hier im Hinblick auf die drei Fs unbedingt noch der US-Politiker Zbigniew Brzeziński (Leuten mit nicht aussprechbaren Namen ist grundsätzlich zu misstrauen) und das von ihm propagierte "Tittytainment" zu nennen ist. Zitat aus seinem Wikipedia-Eintrag: "Von ihm soll auch der Begriff des "Tittytainment" stammen, welcher besagt, dass in Zukunft 80 Prozent der - dann arbeitslosen - Weltbevölkerung durch eine moderne Form von Brot und Spielen bei Laune gehalten werden müssen."

Gorch Fock
8. Februar 2013 17:40

Danke für den ausführlichen Bericht, ebenso für den Kommentar von Waldgänger. Volle Zustimmung. Besonders für diesen Satz:

"wie sollte es sonst gehen?"

Ich wüsste aktuell auch keinen anderen Weg. Jedenfalls ist in den letzten Jahren vom etablierten, konservativem Spektrum kein Ansatz aufgezeigt worden. Alles beschränkte sich auf Bestandsaufnahmen und den guten Glauben an die parlamentarische Demokratie innerhalb der BRD bzw. Europas (nicht der EU). Das der Feind ebendiese schon angefressen bzw. ausgehöhlt hat, wollte man scheinbar nicht wahrnehmen.

Die Distanzierungen der IB müssen sein. Da es in den aktuellen Diskussionen eben genau darum geht. Hier braucht man, um argumentativ beim "Erstvowurf" (der kommt ja in jeder Diskussion) standhaft bleiben zu können, eine Referenz auf die man sich beziehen kann. Und die einfachste Methode ist hier nunmal das Schema: "Du bist aber ein doofer Neo-Nationalsozialist" - "Nein bin ich nicht, ich habe es hier sogar schwarz auf weiß und bekenne mich dazu".
Ein Fehler wäre es, dies jedes mal aufs Neue argumentativ auseinander setzen zu wollen.

Hohenstaufer
9. Februar 2013 08:38

Vorweg: den Ansatz, die Symbolik sowie gerade die Nicht-Organisation in gewohnten (deutschen) Bahnen der Identitären halte ich für richtungsweisend und erfolgversprechend.

Doch wer die Deutungshoheit über den Begriff innehat, hängt doch zwangsläufig mit der Mobilisierungskraft zusammen. So beanspruchte das nationalistische (hier oftmals zu Unrecht als ns-nah titulierte) Pendant zur Sezession, das Magazin "hier&jetzt" bereits vor dem Aufkommen der Identitären für sich, die "identitäre Rechte" darzustellen und zu repräsentieren.
Wenn ich mir einen Vergleich aus dem Januar erlauben darf: während eine Aktion der "Identitären" in Rüdesheim 40 Personen vereint, marschierten im Rahmen des "Gedenkmarsches in Magdeburg" 1.200 Nationalisten. Dies bedeutet im Umkehrschluß, daß der in der NPD parteipolitisch organisierte und mit freien Kräften koopierende Nationalismus doch durchaus ein Anrecht darauf hätte, für sich den Begriff "identitäre Rechte" zu reklamieren.

Abgesehen davon ist die Abgrenzung gegenüber rassisch-völkischen Grundlagen absoluter Schwachsinn. Man lese einfach einmal die seriösen Publikationen von Andreas Vonderach (der Artikel in der aktuellen Sezession, "Wir selbst - anthropologisch" als Einstieg) und dürfte somit bemerken, daß selbst bei den Sezessionisten (im Gegensatz zu den Identitären) ein Bewußtsein dafür gibt,

"daß es zwischen den Völkern, Rassen und Kulturen Unterschiede gibt, die alles andere als trivial sind"

(A. Vonderach, ebd. S. 4)

Oder mit Götz Kubitschek (im Gespräch mit dem Rotfunk aus Berlin-Brandenburg) gesprochen:

„Natürlich gibt es eine ethnische Kontinuität in Deutschland und die ist deutsch.“

„Dass es ethnische Kontinuität gibt und dass die ethnische Kontinuität an sich etwas ist, was nicht ohne Not aufgegeben werden sollte.“

Und Karlheinz Weißmann äußerte diesbezüglich in der Jungen Freiheit:

"Die entscheidenden Bruchlinien innerhalb der Gesellschaft sind weder sozialer noch kultureller Natur, sondern ethnischer – völkischer, nationaler, rassischer -, und Segregation – also Apartheid, mehr oder weniger freiwillige – ist unsere Zukunft, hinzuzufügen wäre: bis die Noch-Mehrheits-Ethnie endgültig den Stab abgibt.“

Asenkrieger
9. Februar 2013 11:49

Mir erscheint es hier so, daß wieder alles zerredet wird, anstatt über Aktionsmöglichkeiten und die konkreten Formen der Reconquista zu sprechen. Wichtig ist doch, was man tut - und wer mitmacht. Der entscheidende Satz: In 20 Jahren schließt sich das Zeitfenster!

RexSalvator
9. Februar 2013 12:53

Mein Kurzbeitrag zur Debatte: "Identitäre Bewegung: Lage, Herausforderungen, Perspektiven".

Ich denke, daß es sich bei der Identitären Bewegung überwiegend um Aktivitäten von anspruchsvollen Studenten und Schülern handelt. Diese haben erkannt, daß die eigene Identität an der Basis, z.B durch Bürgerinitivativen, neu geschaffen werden muß. Der größte Identitätsverlust entsteht durch die Folgen einer raschen wirtschaftlichen Globalisierung, davon bleiben die ländlichen Gebiete und Regionen nicht verschont. Auf dem Lande wird die gemeinsame Identität weniger durch Einwanderung bedroht, sondern vielmehr durch den Verzicht auf die eigenen Traditionen und einer Amerikanisierung der eigenen Lebensweise. Betroffen sind Konsumgewohnheiten, durch Medienkonsum, Supermärkte, Fast-Food-Läden, American Diner´s und -Lifestyle. Identitätsverlust kann auch durch moderne Neubauten entstehen, die nicht in die jeweilige Landschaft und in das Stadtbild gehören. Fachwerkhäuser und Bauten der großen Gründerzeit sind zu erhalten. Die Identitäre Bewegung hat ihr Thema nicht annähernd und vollständig ausgeschöpft, da ist noch viel Luft nach oben. Dazu gehören, was unsere französischen Freunde stärker ansprechen, die Identitäten der deutschen und europäischen Regionen, das Verständnis der Sprache als Identität, die Bedeutung der Skulptur in der kulturellen Identität, der christlich Glaube als Sinn und Identität.

Waldgänger
9. Februar 2013 13:02

An @ Yvonne

Mit den Grünen ist es nicht vergleichbar, denn sie haben als vornehmlich linke Gruppierung von Anfang an einflussreiche Unterstützung von verschiedensten Seiten erfahren und waren bereits zeitgeistkompatibel.

Ich verglich nicht die Inhalte miteinander, sondern die Vorgehensweise, die mögliche Art des Aufstiegs.

Eine Unterstützung, die die Grünen Ihrer Meinung nach von Anfang an von verschiedensten Seiten erfahren haben, sehe ich nicht.
Und ich kann mich recht gut an diese Jahre zurückerinnern.

Es gab damals noch nicht so viele linke Profs oder Journalisten wie heute.
Im Gegenteil, die grünalternative Bewegung wurde um 1980 sogar auch von den noch marxistisch-fortschrittsfixierten 68er-Linken recht misstrauisch beäugt.
Und die Etablierten standen sowieso woanders.

Welche andere Art des Erfolgs sehen Sie denn sonst für die Identitären?

Götz Kubitschek
10. Februar 2013 20:00

Diskussion ist zu Ende.
Gruß! Kubitschek

Vogtland
11. Februar 2013 18:46

Sehr guter Text!

Wir im ländlich geprägten Mitteldeutschland (Thüringen) haben nicht die Probleme wie die westdeutsche Großstadt-Jugend. Ich spreche aus Erfahrung von vielen Arbeitsreisen. Im Westen der Republik steht die Problematik des Bevölkerungsaustausches an erster bzw. höchster Stelle. Wir in Mitteldeutschland haben mit Bevölkerungsabwanderung und kompletter Vergreißung ganzer Landstriche zu kämpfen. Hier müsste das Augenmerk mehr auf Heimat und Tradition sowie stolz und Verbundenheit gelegt werden. Naturlich sollte die gesamtdeutsche Problematik nicht ausser Acht gelassen werden.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.