Frei.Wild – Heimatrock und Politik

Im Januar hat mich die Junge Freiheit um einen Artikel über die Südtiroler Band Frei.Wild gebeten, die zur Zeit einerseits die Charts stürmt, andererseits einem politkorrekten Sperrfeuer ausgesetzt ist. Frontmann Philipp Burger hat eine "rechte" Vergangenheit als jugendlicher Skinhead und später als Sympathisant und offenbar auch Mitglied des Südtiroler Pendants zur FPÖ, der Partei "Die Freiheitlichen".

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Auch heu­te noch hat die sich als “unpo­li­tisch” ver­ste­hen­de Band Songs über The­men wie “Hei­mat­lie­be” im Reper­toire, deren Ver­äch­ter sie mit sym­pa­thi­scher Schlicht­heit als “Voll­idio­ten” bezeichnen.

Seit Ende letz­ten Monats hat die Kapel­le nun eine Sei­te ein­ge­rich­tet, in der sie einen kri­tisch kom­men­tier­ten Pres­se­spie­gel prä­sen­tiert, und Stel­lung nimmt zu diver­sen Miß­ver­ständ­nis­sen und “Vor­wür­fen”. Dies wirkt kla­rer und durch­dach­ter als das eher gewun­de­ne Video, das Bur­ger im Okto­ber letz­ten Jah­res auf You­tube ver­öf­fent­lich­te. In mei­nem JF-Arti­kel habe ich sei­ne Aus­sa­ge dar­aus, die Band habe sich stets nicht nur gegen „einen Natio­nal­so­zia­lis­mus“, son­dern auch „gegen jeg­li­che rech­te Gesin­nung“ aus­ge­spro­chen, als “unauf­rich­tig” und “unglaub­wür­dig” kritisiert.

Um zu die­sem Schluß zu kom­men, reicht es, die unbe­strit­te­nen Fak­ten zu betrach­ten (wer etwa noch vor weni­gen Jah­ren, als die Band schon exis­tier­te, den “Frei­heit­li­chen” nahe­stand, kann nicht “stets” gegen “jeg­li­che” rech­te Gesin­nung gewe­sen sein.) Die Crux dabei ist frei­lich, was man denn unter einer “rech­ten Gesin­nung” über­haupt ver­steht, und ob man der­glei­chen per se für etwas “Schlech­tes” hält. Zur Erin­ne­rung: Auch Wert‑, Natio­nal- oder Libe­ral­kon­ser­va­ti­ve zäh­len zur nicht gera­de klei­nen Fami­lie “rech­ter Gesinnungen”.

Ich habe aller­dings nicht das aktu­el­le “unpo­li­ti­sche” Selbst­ver­ständ­nis der Band als unglaub­wür­dig bezeich­net, und betont, daß die meis­ten Lie­der­tex­te in der Tat poli­tisch neu­tral sind, auch, daß ihre Lie­der offen­bar eher aus dem Bauch als aus einem poli­ti­schen oder sonst­wie gear­te­ten Kal­kül her­aus kommen.

Das sei klar­ge­stellt, da ich eben ent­de­cke, daß ein Autor des belieb­ten NPD-Grou­pie-Forums “End­sta­ti­on Rechts” mei­nen Arti­kel nun allen Erns­tes für eine “Kronzeugen”-Aussage zu Unguns­ten von Frei.Wild hält. Etwa nach dem Mus­ter: “Wenn ein Rech­ter sagt, daß Frei.Wild rechts sind, muß es ja wohl stim­men.” Aber das habe ich so ja nicht gesagt. Und er gibt sich ver­wun­dert, offen­bar geblen­det von der eige­nen Zirkelschlußlogik:

Dass sich nun die neu­rech­te „Jun­ge Frei­heit“ in die Dis­kus­si­on ein­schal­tet und die Grup­pe für ihren Zick­zack-Kurs hef­tig atta­ckiert, kommt eini­ger­ma­ßen überraschend.

Ich fra­ge mich nun, was denn genau an mei­nem Arti­kel so furcht­bar “über­ra­schend” sein soll. Ich habe dar­in auch kei­nes­wegs Frei.Wild “hef­tig atta­ckiert”, son­dern viel­mehr die (Zitat) “Nie­der­tracht” von gewis­sen Jour­na­lis­ten (dar­un­ter diver­se “End­sta­ti­on Rechts”-Autoren) die mit­ver­ant­wort­lich sind, daß sich Künst­ler, die vom lin­ken Kon­sens abwei­chen, der­art ver­bie­gen, win­den und recht­fer­ti­gen müs­sen. Ich habe außer­dem Ver­ständ­nis dafür gezeigt, daß gera­de Show­biz-Leu­te, die in ers­ter Linie Musik machen wol­len und vom Publi­kums­zu­spruch leben, kei­ne Lust haben, sich von poli­ti­sie­ren­den Hexen­jä­gern die Kar­rie­re ver­sau­en zu las­sen, und dar­um lie­ber aus­wei­chen, als auf Grund­satz­kon­fron­ta­ti­on zu gehen.

Mir kön­nen besag­te Nei­gungs­in­qui­si­to­ren jeden­falls nicht erzäh­len, daß es ihnen kei­nen Spaß macht, wenn ein Zei­ge­fin­ger­he­ben oder Lip­pen­spit­zen ihrer­seits aus­reicht, daß sich ein Phil­ipp Bur­ger oder sonst irgend­ein gera­de aktu­el­ler Pro­mi öffent­lich win­den muß, um sei­nen Ruf zu ret­ten. Was für ein Macht­ge­fühl das sein muß! Beson­ders apart ist die Heu­che­lei die­ses Typus, der einer­seits sei­ne Posi­ti­on auf der “rich­ti­gen” Sei­te offen­bar in vol­len Zügen genießt und dabei kaum einen Hehl dar­aus macht, wie ger­ne er Bands wie Frei.Wild “ent­larvt” und weg vom Fens­ter sähe, der aber ande­rer­seits unschul­dig die Augen auf­schlägt, wenn man sein Tun auch nur bloß beschreibt:

Anschlie­ßend unter­stellt die Jun­ge Frei­heit, die „Lin­ken“, ange­führt vom „Anti­fa-Jour­na­lis­ten Tho­mas Kuban“, feu­er­ten aus allen Roh­ren, um Frei.Wild kleinzukriegen.

Eine “Unter­stel­lung”! Ich weiß lei­der nicht, wie man die emsi­gen Bemü­hun­gen einer expli­zi­ten Nazi­jä­ger­sei­te wie ER und zig ande­rer lin­ker Jour­na­lis­ten, die Band auf Teu­fel­komm­raus ins braun-bräun­li­che Eck zu zer­ren und ihren Erfolg zu sabo­tie­ren, sonst bezeich­nen soll. Und sogar dann, wenn die Ange­grif­fe­nen sich weh­ren, machen sie sich in den Augen ihrer Anklä­ger schul­dig. Als Bei­spiel noch mehr Augen­ge­klim­per des ER-Autors, dem es offen­bar schon als skan­da­lös erscheint, daß Bur­ger & Co über­haupt zu wider­spre­chen wagen:

Im wei­te­ren Ver­lauf zwän­gen die vier Män­ner um Front­mann Bur­ger, der frü­her in der Rechts­rock­band „Kai­ser­jä­ger“ hin­ter dem Mikro stand, fest ins enge Anti-Anti­fa-Kon­zept: „Damit sich auch jeder ein Bild davon machen kann, um wen es sich beim jewei­li­gen Autor und Medi­um han­delt, ver­su­chen wir nach und nach jedem Arti­kel den jewei­li­gen Autor zuzu­ord­nen und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu lie­fern und mit­tels Pfeil­kom­men­ta­ren auf die größ­ten Falsch­aus­sa­gen ein­zu­ge­hen“. Auf der Nega­tiv­lis­te sind neben Arti­keln des „Stö­rungs­mel­der“, der taz oder des WDR auch eini­ge Bei­trä­ge von ENDSTATION RECHTS. gelandet.

Frei.Wild ent­schei­det also, wel­che Ver­öf­fent­li­chun­gen der Wahr­heit ent­spre­chen und wel­che nur „Schlag­zei­le“ machen sol­len. Mit wel­chem Recht neh­men die Musi­ker die­se Unter­schei­dung in einer plu­ra­lis­ti­schen Medi­en­land­schaft vor? Und wie passt dies in ihr selbst gewähl­tes „unpo­li­ti­sches“ Image? Die Objek­ti­vi­tät, die sie ihren Kri­ti­kern abspre­chen, las­sen die Sei­ten­be­trei­ber jeden­falls vermissen. (…)

Wo soll man hier anfan­gen, um eine solch selt­sa­me Den­ke aus­ein­an­der­zu­neh­men? Inwie­fern scha­det es denn dem “Plu­ra­lis­mus” der “Medi­en­land­schaft”, wenn jemand auf sei­ner Netz­sei­te Kri­tik und Gegen­dar­stel­lun­gen ver­öf­fent­licht? Wie­so wird eine Ver­tei­di­gung in eige­ner Sache bezie­hungs­reich und ohne die lei­ses­te Grund­la­ge als “Anti-Anti­fa-Kon­zept” aus­ge­ge­ben? Was für ein Recht hat man denn über­haupt als Staats­bür­ger, wenn man sich nicht ein­mal das Recht “her­aus­neh­men” darf, Wer­tun­gen über Zei­tungs­be­rich­te zur eige­nen Per­son abzu­ge­ben? Seit wann bedeu­tet denn “unpo­li­tisch” zu sein, daß man poli­tisch moti­vier­ten Angrei­fern nicht ant­wor­ten und kei­ne Wer­tun­gen und Gegen­dar­stel­lun­gen abge­ben darf? Seit wann wird “Objek­ti­vi­tät” dadurch erreicht, daß eine Streit­par­tei es unter­läßt, ihre eige­nen, natur­ge­mäß sub­jek­ti­ven Inter­es­sen zu verteidigen?

Leu­te wie der ER-Autor wären wohl ger­ne Anklä­ger und Rich­ter in einem, am bes­ten nach dem Mot­to “guil­ty by sus­pi­ci­on”, um den Pro­zeß zu ver­ein­fa­chen. Aus der Schlei­fe gibt es jeden­falls kein Entrinnen:

Indem Frei.Wild die „Macht der Medi­en“ beschwö­ren, bedient sich die Band eines gän­gi­gen rechts­ex­tre­men Klischees.

Da surft also einer locker auf der Wel­le der “Macht der Medi­en” (mehr als ein Mit­schwim­mer ist er ja nicht), und zückt ganz neben­bei die übli­che, bekannt­lich äußerst wirk­sa­me Keu­le gegen die­je­ni­gen, die behaup­ten, es gäbe eine “Macht der Medi­en”, was natür­lich nichts wei­ter als ein “rechts­ex­tre­mes Kli­schee” ist. Alles klar. Die Melo­die ken­nen wir.

Ein­mal möch­te ich sehen, daß sich ein Lin­ker hin­stellt und ehr­lich sagt, was er vor­hat: “Wir haben die Mei­nungs­macht und die roten Knöp­fe, wir haben den Groß­teil der Medi­en, wir wol­len euch nicht haben, und wer­den alles tun, um euch hin­aus­zu­drän­gen, hopp­la. Es ist uns auch egal, inwie­fern und auf wel­che Wei­se ihr ‘rechts’ seid, wir wol­len über­haupt gar kei­ne Rech­ten haben.”

Mehr noch als das: das Ziel ist im End­ef­fekt, daß über­haupt nie­mand, sei er links, rechts, oben, unten, “poli­tisch” oder “unpo­li­tisch”, Din­ge von sich gibt wie die Zei­len aus dem Frei.Wild-Song “Wah­re Wer­te”: “Hei­mat heißt Volk, Tra­di­ti­on und Spra­che”.  Nichts ande­res ist der Hin­ter­grund der gan­zen Gesin­nungs­schnüf­fe­lei, ob Frei.Wild nun frei nach Mon­ty Python’s “Jeho­va gesagt” gesagt haben oder nicht und daher die Stei­ni­gung verdienen.

Was ist außer­dem noch “über­ra­schend” für unse­ren ER-Autor? Etwa daß man (natür­lich: aus­ge­rech­net) als Kon­ser­va­ti­ver oder “Neu­rech­ter” (was nach die­sem lus­ti­gen Schau­bild offen­bar eh irgend­wie das­sel­be ist) oder neu­er­dings “Iden­ti­tä­rer”, etwas mit Tex­ten wie die­sem anfan­gen kann? -

Wo soll das hin­füh­ren, wie weit mit uns gehen
Selbst ein Baum, ohne Wur­zeln kann nicht bestehen
Wann hört ihr auf, eure Hei­mat zu hassen
Wenn ihr euch Ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen
Du kannst dich nicht drü­cken, auf dein Land zu schauen
Denn dei­ne Kin­der wer­den spä­ter drauf bauen
Spra­che, Brauch­tum und Glau­be sind Wer­te der Heimat
Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser klei­nes Volk…

Man muß nun weder Tiro­ler sein noch Ange­hö­ri­ger einer eth­ni­schen Min­der­heit (ein Kon­text, der bei Frei.Wild gern ver­ges­sen wird), um all dies sym­pa­thisch und ver­nünf­tig zu fin­den und zu beja­hen. Man kann sogar theo­re­tisch ein Lin­ker sein und all dies als Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten anneh­men, nur lei­der hat die heu­ti­ge Lin­ke anders ent­schie­den und übt sich lie­ber im Selbst­haß und als Auf­lö­ser von Bin­dun­gen wie “Volk, Tra­di­ti­on und Spra­che” (womit sie nur, wie Paso­li­ni schon in den Sieb­zi­ger Jah­ren bemerk­te, die Pla­nier­rau­pe für den Glo­bal­ka­pi­ta­lis­mus spie­len). Aber im Grun­de soll­ten sich lie­ber all die Frei­wild-Jäger ein­mal dafür recht­fer­ti­gen, was sie an sol­chen Tex­ten denn so ver­werf­lich finden.

Die Ant­wort der Band sah so aus:

Das ist das Land der Volidioten
die den­ken, Hei­mat­lie­be ist gleich Staatsverrat.
Wir sind kei­ne Neo­na­zis und kei­ne Anarchisten,
wir sind ein­fach gleich wie Ihr, von hier.

Dar­in steckt eine inter­es­san­te Beob­ach­tung, derer sich Frei.Wild viel­leicht gar nicht bewußt sind. “Hei­mat­lie­be” war vor gar nicht all­zu lan­ger Zeit zwar nicht gleich­be­deu­tend mit der Treue zum Staat, aber doch ihre ethi­sche Grund­la­ge. Aber an wen rich­ten sich die­se Zei­len eigent­lich? Ein Ita­lie­ner mag hin­ter Süd­ti­ro­ler “Hei­mat­lie­be” sepa­ra­tis­ti­sche Ten­den­zen und laten­te Illoya­li­tät zum ita­lie­ni­schen Staat wit­tern. Dann wür­de der Text etwa aus­sa­gen, daß das Süd­ti­ro­ler Bekennt­nis zum eige­nen Volks­tum an sich noch kei­nen Ver­rat an Ita­li­en bedeutet.

Aber Frei.Wild sin­gen vor allem für ein deut­sches Publi­kum. Und in der Tat ist mit “Land der Voll­idio­ten” wohl eher die Bun­des­re­pu­blik gemeint, ein selt­sa­mer Anti-Staat, der sys­te­ma­tisch Begrif­fe wie “Hei­mat, Volk, Brauch­tum, Glau­be, Tra­di­ti­on und Spra­che” unter “Ver­dacht” stellt und von sei­nem Selbst­ver­ständ­nis abzu­kop­peln ver­sucht. Nicht bloß aus “Voll­idio­tie”, son­dern aus kla­ren poli­ti­schen Ziel­set­zun­gen. Und das ist in der Geschich­te etwas abso­lut Neuartiges.

In die­sem Kon­text kön­nen Frei.Wild noch so sehr ihre Harm­lo­sig­keit beto­nen, die man ihnen ohne wei­te­res glau­ben kann: die Poli­ti­sie­rung wer­den die ande­ren für sie über­neh­men. Eben­so­we­nig wird man um die Erkennt­nis her­um­kom­men, daß die “Wer­te der Hei­mat” auch einen poli­ti­schen Arm brau­chen, der sie ver­tei­digt, erst recht, wenn sie dezi­diert auf der Abschuß­lis­te der herr­schen­den Mäch­te, nicht nur der Medi­en, stehen.

In die­ser ungleich­ge­wich­ti­gen Lage hal­ten Bur­ger & Co mit ihrer “Macht der Medien”-Seite ehren­haft ihre Stel­lung. Hier eini­ge ihrer Ant­wor­ten auf “häu­fig gestell­te Fragen”:

Frei.Wild ist kei­ne „poli­ti­sche Band“ im Sin­ne einer Fest­le­gung auf par­tei­po­li­ti­sche Inhal­te. Frei.Wild ist aber eine sozi­al­kri­ti­sche und somit selbst­re­dend auch sozi­al enga­gier­te Band, par­tei­un­ab­hän­gig und mit gesell­schafts­kri­ti­schen Inhalten.

Natür­lich sind die Band­mit­glie­der poli­tisch inter­es­sier­te Men­schen und somit der fes­ten Über­zeu­gung, dass jeder Mensch eine poli­ti­sche Mei­nung haben soll­te. Par­tei­po­li­tisch ist kei­ner aktiv, weder als Mit­glied noch als Unterstützer.

Phil­ipp war als Jugend­li­cher ein rech­ter Skin­head und steht heu­te wie folgt dazu: In den Sturm und Drang Zei­ten, also wäh­rend der Puber­tät und dem Vor- Erwach­sen­sein, also etwa zwi­schen 13 und 18, durch­lebt jeder Mensch Zei­ten des sich selbst Fin­dens, des sich Ori­en­tie­rens, Zei­ten des Gren­zen Aus­lo­tens, ja des sich Auf­bäu­mens, der Revo­lu­ti­on, des Dage­gen seins und Pro­vo­zie­rens. Dass die Skin­head­be­we­gung vie­les davon ent­hält, ist nicht von der Hand zu wei­sen. Sei­nen Kon­takt zur rech­ten Sze­ne in die­sem Zeit­raum betrach­tet Phil­ipp seit­her aller­dings als Feh­ler. Die Geschich­te liegt aber nun immer­hin knapp 15 Jah­re zurück.

Ob ganz links oder ganz rechts bedeu­tet für die Band kei­nen Unter­schied, die Geschich­te und auch jüngs­te Ereig­nis­se zei­gen immer wie­der, dass sowohl Faschis­mus, Kom­mu­nis­mus, Anar­chis­mus als auch Natio­na­lis­mus jeweils Men­schen­ver­ach­tung und Unheil bedeu­ten. Die Band lässt sich nicht instru­men­ta­li­sie­ren und misst NICHT mit zwei­er­lei Maß.

Die Band­mit­glie­der von Frei.Wild wur­den christ­lich-katho­lisch erzo­gen und sehen in ihrem Glau­ben auch einen Teil ihrer Kul­tur, Geschich­te und Wer­te, sprich, sie sind über­zeug­te Chris­ten. (…) Die Band ist der Auf­fas­sung, dass moder­ne und rich­tig ange­wand­te Inte­gra­ti­on ande­rer Reli­gio­nen und Kul­tu­ren nicht zu Las­ten der bereits vor­han­de­nen Spra­che, Gepflo­gen­hei­ten, Bräu­che, Kul­tur und Reli­gi­on funk­tio­nie­ren kann und darf.

Es ist nicht von der Hand zu wei­sen, dass ein­zel­ne Pas­sa­gen aus Frei.Wild-Texten inhalt­li­che Über­schnei­dun­gen mit Tex­ten von Rechts­rock­bands haben – anders als Rechts­rock­bands kom­men wir aber trotz ein­zel­ner ver­gleich­ba­rer Zei­len stets zu ande­ren Schluss­fol­ge­run­gen und unter­schei­den uns somit ein­deu­tig von den Tex­ten der Rechtsrockbands.

Was das The­ma Hei­mat angeht, stellt Frei.Wild die­ses aber immer in einen ande­ren Kon­text als klas­si­sche Rechts­rock und Naz­i­ka­pel­len und warnt im sel­ben Atem­zug vor poli­ti­scher Übermotivation.

Ja, die Band ist über­zeugt von bestimm­ten kon­ser­va­ti­ven Wer­ten und fin­det auch wahr­lich nichts Ver­werf­li­ches dar­an. Hier­zu zäh­len Wer­te wie Freund­schaft, Fami­lie, Loya­li­tät, Gerech­tig­keit, Tra­di­ti­on und Kul­tur. Rock‘n Roll uncool? Mag sein, aber wen küm­mert es?

Zuletzt: soll­te nun die “Hei­mat­lie­be” der ein­zi­ge Grund sein, war­um die Lin­ke auf Frei.Wild ein­drischt, dann fal­len mir noch eini­ge wei­te­re Pop­sän­ger ein, die man auf die Schwar­ze Lis­te set­zen könn­te. Hier­mit ernen­ne ich mich zum “Kron­zeu­gen” für die neu­rechts-kon­ser­va­tiv-iden­ti­tä­re Kom­pa­ti­bi­li­tät bei­spiels­wei­se von:

Rain­hard Fend­rich (ich las­se den Text mal unübersetzt):

Do bin i her, do g’her I hin
Do schmü’zt des Eis von mei­ner Söl’
Wia von an Glet­scher im April
A wenn ma’s schon ver­gessn ham’
I bin dei Apfel, du mei Stamm!
So wia dei Was­ser tal­wärts rinnt, unwi­der­steh­lich und so hell
Fast wia die Trä­nen von an Kind, wird a mei Bluat auf amoi schnö’
Sog i an Mensch der Welt voi Stolz und wann ihr woits, a ganz allan
I am from Austria!

Udo Jür­gens:

Ein biß­chen Heimat,
das braucht der Mensch nun mal.
Ein paar Freunde,
ein klei­nes Stammlokal.
Ein biß­chen Hei­mat ist eine Men­ge wert.
Denn jeder soll­te wis­sen, wo er hingehört.

Peter Heppner/Paul van Dyk:

Wir sind wir! Wir ste­hen hier!
So schnell kriegt man uns nicht klein,
Kei­ne Zeit zum bit­ter sein.
Wir sind wir! Wir stehn’ hier!
Wir sind wir!

Wir sind Wir!
Auf­ge­teilt, besiegt und doch,
Schließ­lich gibt es uns ja immer noch.

Nichts (NDW-Band):

Deutsch sein, nie­man­dem sagen
Nur Angst vor Fra­gen, Scham für mein Land

Stolz sein ist mir ver­bo­ten, bin hier geboren
Mich trifft kei­ne Schuld

Ich sing ein deut­sches Lied!
Ich sing ein deut­sches Lied!
Und will es kei­ner hör’n -
Ich sing ein deut­sches Lied!

Ramm­stein:

Mein Land
Mein Land
Du bist hier in mei­nem Land,
mei­ne Wel­le und mein Strand.
Jaaa!

Eine Stim­me aus dem Licht,
Fällt dem Him­mel vom Gesicht.
Reisst den Hori­zont entzwei…
Wohin gehst du? Hier ist nichts mehr frei!
Das ist mein Land.
DAS IST MEIN LAND!

Okto­ber­klub:

Kennst du das Land mit sei­nen alten Eichen,
das Land von Ein­stein, von Karl Marx und Bach.
Wo jede Ant­wort endet mit dem Fragezeichen,
wo ich ein Zim­mer habe unterm Dach.
Wo sich so vie­le, wegen frü­her, oft noch schämen.
Wo man­cher Vater eine Fra­ge nicht versteht,
wo ihre Kin­der ihnen das nicht übelnehmen,
weil sei­ne Ant­wort im Geschichts­buch steht.

Das ist das Land mit dem Pro­blem im Winter,
das Züge stoppt und an die Fens­ter klirrt.
Wo wir viel reden über spä­ter und auch Kinder,
und wo ein Cel­lo spielt, bevor es lei­se wird.
Hier lern­te mei­ne Mut­ter das Regieren,
als sie vor einem Trüm­mer­hau­fen stand.
Ich möch­te die­ses Land nie mehr verlieren.
Es ist mein Mut­ter- und mein Vaterland.

Refrain:
Hier schaff ich sel­ber, was ich ein­mal werde.
Hier geb ich mei­nem Leben einen Sinn.
Hier hab ich mei­nen Teil von uns­rer Erde.
Der kann so wer­den, wie ich sel­ber bin.

Rein­hard Mey:

Du kommst heim von der lan­gen, anstren­gen­den Reise,
Schließt die Woh­nungs­tür auf, gehst in die Küche und machst leise
Das Radio an, läßt dich auf einen Stuhl fall‘n ganz benommen,
Du bist noch gar nicht so rich­tig angekommen.
Du blät­terst in der Post, der Radio­mann ver­spricht den Kids
Gebets­müh­len­ar­tig die größ­ten Hits
Und die cools­ten Oldies der letz­ten 200 Jahre
Und sie dudeln dich zu mit der immer glei­chen Meterware
Wie von Hel­sin­ki bis hin­un­ter nach Kampala,
Von links nach rechts über die gan­ze Radioskala
Und du merkst erst beim Verkehrslagebericht:
Dies ist das Land, in dem man angeb­lich dei­ne Spra­che spricht!

Doch du bist heimatlos,
Belogen,
Betrogen,
Übern Tisch gezogen,
Wie von ‘nem schwar­zen Loch aufgesogen.
Heimatlos,
Abgezockt,
Tro­cken gedockt,
Schwer geschockt,
In die Fal­le gelockt,
Und wie ein Schaf an den Hin­ter­bei­nen angepflockt.
Ein blö­des Gefühl,
Du fin­dest kein Asyl,
Du bist nackt und bloß,
Heimatlos.

Und für die Anglo­pho­nen noch Mor­ris­sey:

Irish blood, Eng­lish heart
This I’m made of
The­re is no one on earth I’m afraid of
And no regime can buy or sell me

I’ve been drea­ming of a time when
to be Eng­lish is not to be baneful
to be stan­ding by the flag, not fee­ling shameful
racist or partial

Und die 90er Jah­re-Rap­per House of Pain, die offen­sicht­lich mäch­tig stolz auf ihre Irish­ness sind:

Wohl bekomm’s!

 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (36)

Ein Fremder aus Elea

18. Februar 2013 08:11

Frei.Wild entscheidet also, welche Veröffentlichungen der Wahrheit entsprechen und welche nur „Schlagzeile“ machen sollen. Mit welchem Recht nehmen die Musiker diese Unterscheidung in einer pluralistischen Medienlandschaft vor? Und wie passt dies in ihr selbst gewähltes „unpolitisches“ Image? Die Objektivität, die sie ihren Kritikern absprechen, lassen die Seitenbetreiber jedenfalls vermissen.

Beängstigend und zugleich faszinierend: Die "pluralistische Medienlandschaft" wird de facto zum vollwertigen Ersatz zum beanspruchten Besitz der "objektiven Wahrheit", wie ihn einst die katholische Kirche gehandhabt haben soll, ein Argument, das jede Gegendarstellung in der Bereich des Verbrechens rückt.

Toni Roidl

18. Februar 2013 09:11

Die kruden Thesen der Germanophoben von ER sind eindeutig »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit«. Umso ungeheurer, als südländische Migranten (Südtiroler) davon betroffen sind! Das zeigt, wie rassistisch ER ist!
So einfach kann man diesen Schwachsinn umdrehen. Es sind inkonsistente Gummi-Vorwürfe, die man beliebig gegen alle und jeden drehen und wenden kann.
In Wahrheit sind Frei.Wild nur eine neue Projektionsfläche für den pathologischen Selbsthass der Linken.
Das Erfreuliche ist, dass es die Fans der Band nicht interessiert, im Gegenteil zusammenschweißt und den Wert der Marke Frei.Wild erhöht, weil sie ein Statement darstellt. Den Erfolg mindert es auch nicht, weil sich Konzertveranstalter, Labels, Vertriebe etc. einen Scheiß um das Gezeter scheren, wenn die Kasse stimmt. Und die stimmt.
Hier werden sich die spießigen Links-Ayatollahs die Zähne ausbeißen, genauso wie an den Onkelz.

Rumpelstilzchen

18. Februar 2013 09:43

DIE HUNDE BELLEN! DIE KARAWANE ZIEHT WEITER....

Heimatpop aus der Schweiz

DAS NEUE

"dreissig ist das neue zwanzig
der mann ist die neue frau
FREIHEIT IST DAS NEUE GEFÄNGNIS
und reich ist das neue schlau
Islam ist die neue katholische Kirche
und deutschland die neue türkei.........
(Sophie Hunger)

"Luther predigte noch spirituelle Freiheit
In politischer Knechtschaft,
wir haben spirituelle Knechtschaft
in politischer Freiheit"
(Norbert Bolz)

"Der politischen Korrektheit geht es nicht darum, eine abweichende Meinung als falsch zu erweisen, sondern den abweichend Meinenden als unmoralisch zu verurteilen. Man kritisiert abweichende Meinungen nicht mehr, sondern hasst sie einfach. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. ". (Norbert Bolz, Die neuen Jakobiner)

Laßt die Hunde doch bellen.

Schmidt

18. Februar 2013 10:00

ER hat das allgemeine Ausmaß der Verbreitung neurechten Gedankenguts noch weit unterschätzt.

Auch hinter den "Jungen Pionieren" der DDR verbargen sich nach neusten Erkenntnissen offenbar Neurechte. Dort wurden Texte wie diese gesungen:

"Und wir lieben die Heimat, die schöne
Und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört,
Weil sie unserem Volke gehört."
https://www.youtube.com/watch?v=x3BXXSzA2oQ

Nur mühsam verborgene neurechte Botschaften finden sich auch in einem der Lieder aus der Gründungsphase der Grünen, das unter dem Titel "Karl der Käfer" Harmlosigkeit zu suggerieren versucht, um Blut-und-Boden-Ideologie (es ist gar von bedrohtem "Lebensraum" die Rede) in die Mitte der Gesellschaft einzuschleusen:

"Karl ist schon laengst nicht mehr hier.
Einen Platz fuer Tiere gibt's da nicht mehr.
Dort, wo Karl einmal zuhause war,
Fahr'n jetzt Käfer aus Blech und Stahl.
Karl der Käfer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.
Karl der Käfer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt."
https://www.youtube.com/watch?v=euWqCKR5eGo&feature=related

Neu bewertet werden muß auch Bertold Brecht, der völkisch-nationale Botschaften in seine Texte einbaute und im Einklang mit neurechtem Gedankengut eine angebliche Erhaltungswürdigkeit des "deutschen Volkes" behauptete:

"Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das liebste mag’s uns scheinem
So wie andern Völkern ihrs."
https://www.youtube.com/watch?v=S4xDporl2pU&feature=related

M.L.: Gute Hinweise, hab noch "Oktoberklub" in meine Liste aufgenommen. ;-)

Jan

18. Februar 2013 10:31

Freiwild braucht, um ihre Würde zu erhalten, intellektuelle Munition aus dem Buch "warum ich kein Linker mehr sein kann". Sonst wird die Band in ihren Aussagen bald so kastriert und gegendert, also schlicht fad sein wie die Onkelz

Gottfried

18. Februar 2013 10:47

@ Ein Fremder aus Elea

Was soll es außerhalb des Pluralismus denn noch geben? Das Kasperl und die wohlgarschöne Prinzessin, der Schutzmann und das fiese Krokodil ... ist doch alles schon da.

Oder wollen wir hier jetzt kleinliche Erbsenzählerei betreiben, ob es vielleicht jenseits der Atlantikbrücke, über die dann die Jungen Führer ("young leaders") wie unsere Genossin Parteivorsitzende Merkelowa, Westerwelle, der Schöne Theo mit seiner Gelfrisur oder unser neuer BUNTER Präsident einhergegeschritten kommen, vielleicht doch noch ...?
Ob jenseits all dieser Zwerge, hinter dem Bilderberge womöglich ....?

LS

18. Februar 2013 12:13

Die Partei heißt "Die Freiheitlichen", nicht "Die Freiheit". ;)

M.L.: Danke, korrigiert! :-)

Zudem versteht in der BrD anscheinend niemand, dass wir Südtiroler in Italien eine Minderheit bilden, die einerseits durch Zuwanderung, die sich hauptsächlich in die italienischsprachige Bevölkerung "integriert" sowie andererseits durch die Autonomiebeschneidungen Roms, droht zu verschwinden.

Für den durchschnittlichen deutschsprachigen Südtiroler sind die deutsche Sprache, seine Kulturgepflogenheiten, schlicht das Südtiroler-Sein, immer noch selbstverständlich. In der BrD hieße dies vermutlich, "die Mitte der Gesellschaft ist rechtsradikal". In Südtirol ist dies zum Glück (noch) nicht der Fall und deshalb sind die Texte dieser in Südtirol auch nichts besonderes. In Deutschland schlagen die Lieder hohe Wellen und glücklicherweise drücken sie auch die Meinung vieler deutscher Jugendlicher aus.

Beste Grüße aus dem Heil'gen Land!

Ratataskolnikow

18. Februar 2013 13:00

Hola Estacas,

auf den ersten Blick scheinen diese Leute (aehnlich wie die Boesen Onkels) nicht mehr zu sein als BRD-Buergersoehnchen, die ploetzlich erschrecken, weil sie nicht mehr nur bereits sperrangeloffene Provocations-Tueren einlaufen, sondern an eine echte Grenze gestossen sind. Langweilig!

Erinnert ein wenig an Diskussionen in den 90-iger Jahren um die geniale HC-Punk-Band Minor Threat und ihr Stueck "Guilty of being white". Allerdings flennte der kleine, duenne Veganer MacKay nicht gleich los, sondern bleibt bis heute locker im Schritt. Die harten, taetowierten und kraeftigen Jungs distancieren und erklaren sich gleich heftigst. Nochmal: Langweilig!

https://www.youtube.com/watch?v=YG3uZPmDvsE

Wer hoert sich Frei.Wild eigentlich an? Kirchenbesetzer? 0%-Rassisten? Nazis gegen Rechts? ... Verzeihung, habe wenig geschlafen zuletzt ...

Saludos con Respeto,

R.

[Valle Hermoso, Tamaulipas, 18-05:39-S-feb-13]

Ungern von Sternberg

18. Februar 2013 14:23

Ist Everlast nicht inzwischen Moslem ? Ich meine Irisch und Moslem ist wie alkohofreies Guinnes...
So identitär scheinen House of Pain doch nicht gewesen zu sein...

M.L.: Na, wenn man's streng nimmt, dann ist Hiphop ja auch nicht gerade ein irischer Musikstil. Das Video zu "Jump around" ist jedenfalls noch schön "irisch-identitär"...

Ton, Steine, Scherben (sieh an!):

Der Traum ist ein Traum, zu dieser Zeit,
doch nicht mehr lange, mach dich bereit
für den Kampf um's Paradies!
Wir haben nichts zu verlieren außer unserer Angst,
es ist unsere Zukunft, unser Land.
Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand.

https://www.youtube.com/watch?v=yfc2nWP1KpY

Ungern von Sternberg

18. Februar 2013 14:35

Mensch ... das aktuelle hab ich vergessen:

Heinos neues Album:

Hier bin ich gebor'n, hier werd ich begraben.
Hab taube Ohr'n, 'nen weißen Bart und sitz im Garten.
Meine 100 Enkel spielen Cricket auf'm Rasen.
Wenn ich so daran denke, kann ich's eigentlich kaum erwarten.

https://www.youtube.com/watch?v=Ohhg8tlCzyI

Wenn das nicht Blut und Boden ist.

Aber es ist ja Heino - der Rechte!!! So weit so Nazi...

Jedoch: das Original ist von Peter Fox!!!!

https://www.dailymotion.com/video/x7cxxh_peter-fox-haus-am-see-new-hq_music#.USItjvLFLFw

M.L.: Das neue Heino-Album ist sensationell, ähnlich dem Alters-Relaunch von Johnny Cash mit seinen "American Recordings". Nur, daß Heino freilich die Camp-Ebene nicht verläßt.

Nachtfalke

18. Februar 2013 16:57

Naja, musikalisch ist dieser Frei.Wild Stadion-Rock nicht unbedingt mein Geschmack. Und ich wette, sie werden demnächst auf irgendeinem 'Rock gegen Rechts'-Festival ihre systemkonforme Gesinnung präsentieren, wie das ja auch schon Rammstein taten, als ähnliche Vorwürfe gegen sie laut wurden. Eigentlich, man mag von ihnen halten was man will, fällt mir nur Von Thronstahl ein, die es gewagt haben, nicht einzuknicken und dafür einen hohen Preis zahlen und weitgehend im Untergrund verschwunden sind. Death in June (Mr. Pearce ist auch nicht mehr das, was er mal war) können nur noch geheim auftreten, und der Blutharsch sind inzwischen zu einer Psychedelic-Kapelle mutiert.

Ungern von Sternberg

18. Februar 2013 17:13

@ Ratastaskolnikov:

Minor Threat? Ich bin geschockt!!!

Den Namen habe ich zuvor nie gehört...

https://de.wikipedia.org/wiki/Guilty_of_Being_White

Ich kannte bisher nur "kill all the White Man..."

Der Hintergrund ist krass: das was JETZT von American Renaissance und dem Occidental Observer beklagt wird - war in den 70ern bei den Kindern von WASP Hinz und Kunz bitter erlebte Realität - daß Problem das jetzt auf der Rechten mit Torschlußpanik als "the disposession of Whites"diskutiert wird - wurde damals aus einer Linken (!!) subkulturellen Perspektive am eignen Leib erlebt! Zu einem Zeitpunkt als die großkopferten Rechten noch am Biertisch - im Völlegefühl der eignen Macht über die Kanacken schimpften...

Außerdem - die ganzen Infos die einen jetzt erreichen - entsprechen vielleicht gar nicht der Tatsache, daß es jetzt erst wirklich unangenehm wird - sondern das Netz schafft jetzt Publizität, die früher nicht dagewesen ist...

Nur - inzwischen sind 30 Jahre vergangen - und die Zeit spielt ja gegen uns.

Aber wie auch immer – besten Dank für die Info...

p.s.
Ian Mac Kaye:
Nach einer Geschichtsstunde, bei der über die Sklaverei gesprochen wurde, wurde er verprügelt. Zudem sei gerade die Fernsehserie Roots im Fernsehen gelaufen und er sei verprügelt worden, weil er der „Massa“ gewesen sei.

Das kenne ich doch – im Zarenreich in der Karwoche, was hat man da mit Juden noch mal gemacht?

Richtig! ... :-)

M.L.: Aus Wikipippi: "Ian MacKaye musste sich für den Text mehrfach rechtfertigen. In dem Dokumentarfilm American Hardcore gibt er an, immer noch zu seinem Lied zu stehen. Er bezeichnete dort das Lied als 'Anti-Rassismus-Song'." Er "mußte sich rechtfertigen", ich frage mich vor wem, jedenfalls wird damit genau das, was der Song kritisiert, ja wieder bestätigt. Wie ging das nochmal? "Antiracist is a codeword for..." etc.

Asenkrieger

18. Februar 2013 18:07

Nicht nur die Linken, auch die Rechten, stürzen sich auf jede noch so kleine winzige "rechte" Tendenz. Ich frage mich, warum man um die im Winde der PC schwankende Kommerzband Frei.Wild so ein Geschrei macht. Alternativen gibt es doch massenweise.

Es gibt weltweit mehr als 1000 Bands, die nicht so herumeiern und sich eindeutig politisch rechts einordnen. Die Bandbreite reicht von Balladen über Neofolk zu Pagan Metal, Black Metal, RAC, Industrial bis zu allen möglichen weiteren Musikrichtungen. Das Problem ist nur, daß diese unzähligen rechten Bands in ihrem Wert nicht erkannt und unterstützt werden.

Man kann seinen Wagner und Bruckner hören, doch bewegt wird nur da etwas, wo zeitgemäße Musik mit politischen Inhalten gekonnt dargeboten wird. Heute sitzt Hagen nicht mehr auf einem Pferd, um die Gibichsmannen zu den Waffen zu rufen ("Hoiho, hoiho"). Heute ist es die E-Gitarre, die emotionalisiert.

Die Rechte hat Jahrzehnte über eine "Kulturrevolution" und die "Erringung der kulturellen Hegemonie" geschwafelt und dabei die sich bietenden Chancen alles verpaßt.

Ihr feinen Konservativen - fangt mal an Absurd und Totenburg zu hören!
Das paßt viel besser in unsere Zeit des sich abzeichnenden Unterganges. Macht Schluß mit Heino und Frei.Wild. Keine halben Sachen mehr, sondern den passenden Höllengesang für die Höllenfahrt in den Abgrund!

M.L.: Absurd oder Totenburg sind unterirdischer Vollschrott. Geschmacksfragen sind keine Gradmesser für wie auch immer definierte politische Strammheit. Derlei gegen einen Popanz à la "feine Konservative" auszuspielen, ist grober Unfug. Jedem Tierchen sei sein Pläsierchen gegönnt, aber mit so einer überspannten Rhetorik bleibt man im Sektiererischen stecken, was sich auch ästhetisch entsprechend niederschlägt.

Es gibt unter den genannten Genres nur sehr wenige wirklich herausragende Bands, die sich zugleich "eindeutig" politisch exponieren, wie etwa Burzum, denen ja die Anerkennung bis weit in den gehobenen Mainstream (Rezensionen in der Welt, SpOn...) nicht verweigert wird. Trotzdem kann dieser ganze Heiden- und Okkultkram naturgemäß nur eine überschaubare Klientel ansprechen. Und die besten BM- und Neofolk-Bands sind auch eher die nicht explizit politischen oder dezidiert unpolitischen. Gerade beim Neofolk springt das drastisch ins Auge bzw. ins Ohr. (Es ist nebenbei auch eine Sache, der Hölle zu trotzen, und eine andere, die Hölle zu feiern.) Das ist fast schon eine Faustregel mit wenigen Ausnahmen: je stärker die Politisierung der Musik, umso schlechter die Band, und umgekehrt, egal ob nun "links" oder "rechts".

Man könnte sogar sagen: es gibt in diesen genannten Genres überhaupt nur wenige Bands, die rein qualitativ gut genug sind, um über ihre kleinen Untergrund-, Emotions- und Gesinnungsnischen und -subnischen hinauszureichen, und darauf kommt es an. Zu glauben, daß hier Chancen auf eine "Kulturrevolution" liegen und gelegen haben, zeugt mit Verlaub von einem krassen Realitätsverlust. Viel eher sind es "Kommerzbands" wie Frei.Wild oder Rammstein, die eine Chance haben, die metapolitischen Koordinaten zu verschieben. Mich persönlich interessiert Frei.Wild nur als "Fall" und Phänomen, an dem die intolerante und repressive Natur der Linken deutlich wird, während etwa Rammstein oder Laibach oder Morrissey Kaliber fürs Pantheon sind.

sebascologne

18. Februar 2013 19:22

Ich danke den linken Medien für diesen Hype um diese Band,
die ich vorher garnicht kannte.Ich hörte das erste Mal von ihr, als es um ein Konzert in der Westfalenhalle in Dortmund ging.Und grad, als ich das schon wieder vergessen hatte,der nächste linke Medienhype.Ich find das super,
so hat die Band immer wieder Publicity und kostenlose Werbung,fast so wie Bahlsen mit dem Krümelmonster.Weiter so, Ihr Linken, dafür liebe ich Euch!!!

prolet

18. Februar 2013 20:38

Mich wundert jetzt beim Martin ganz ehrlich, das er Daniel Landa gar nicht erwähnt hat, ist er doch seit Jahrzehnten DER - wenn man so will - identitäre Superstar aus Österreichs Nachbarland und jede Platte landet auf Platz 1 der Charts und kriegt mindestens Gold, wenn nicht Platin.
Stammt ursprünglich auch aus der Hardcore-Punkszene, wenig später dann erste Skinheadband Tschechiens (Orlik) und dann die Solokariere.
Auf der letzten Tour hat er sogar wieder ein paar der Orlik Sachen gespielt (musikalisch nicht so berauschend, aber hier ein Video um die Dimension zu verdeutlichen)
https://www.youtube.com/watch?v=-sYoWsQP9JA

M.L.: Danke, den Namen höre ich zum ersten Mal, ich bin jetzt fast stolz darauf.

Toni Roidl

18. Februar 2013 21:44

Minor Threat!! Ich wusste doch, dass mindestens die Hälfte, na sagen wir, ein Drittel aller Rechten ehemalige Punkrocker sind! Obwohl, was heißt "ehemalige"? Rechts sein ist heutzutage Punk - im frischesten Sinne.

neocromagnon

19. Februar 2013 01:52

Die Macht der Linken resultiert eben nur darin, daß alle kuschen. Warum eigentlich rechtfertigen? Wer sich rechtfertigt ist schon in der Defensive. Ignorieren wäre die passende Antwort auf das Gewürm. Was können die schon machen, wenn alle Beteiligten die Schlammtriaden schlicht nicht beachten? Wofor haben eigentlich alle so eine Angst? Das deren Fans die CDs nicht mehr kaufen, weil dei Linken rumheulen? Vor den paar peinlichen Antifatrupps? Wen interessiert, was so ein paar Zecken auf irgendeinem Internetportal scheiben? Die haben inzwischen doch schon Nachwuchsprobleme, weil die intelligenteren die Sache inzwischen durchschaut haben. Die Macht der Linken basiert auf ihrem lauten Gebrüll. Oropax oder laute Musik hilft.

Heike

19. Februar 2013 06:44

Die Linken sind emotional schwach und kommen nicht mit der "Geschichte" zurecht. Die rechten kennen ein Geheimnis aus der Geschichte und wissen nicht wie sie da mit umgehen sollen. Ob linke oder rechte, beide sind Deutsche und gehören zu uns und unserem Volk.
Dieses Links/Rechts gewurstele bringt doch nichts, sich dagegen verteidigen oder andere so zu nennen egal ob Links oder Rechts bringt uns alle nicht vorwärts.

Am besten die zwei Wörter nie benutzen.

Martin

19. Februar 2013 07:39

Wofor haben eigentlich alle so eine Angst? Das deren Fans die CDs nicht mehr kaufen, weil dei Linken rumheulen?

Wohl eher, dass es keine Plattenfirma mehr gibt, die sie unter Vertrag nehmen, Konzerte nur noch subversiv organisiert werden können etc.

In der Vergangenheit gab es dafür genug Beispiele, das bekannteste dürfte wohl der Fall Josef K. mit seinem Projekt "Weissglut" sein ... da langte auch ein "Nazi"- Artikel und das Major-Label lies ihn fallen, wie eine heiße Kartoffel ...

Gut, heutzutage braucht man für einen Erfolg nicht mehr zwingend eine große Plattenfirma und eine heutige Band sollte wirklich auch mehr Haltung zeigen oder zumindest wagen, aber das ganze wirkt eben nach, insbesondere bei Bandmanagern etc., getreu dem alten linken Motto: "Bestrafe einen, diszipliniere hundert" (Mao, wenn ich mich recht erinnere ...).

Aber alleine, dass ML überhaupt etwas dazu schreibt, macht die harmlosen "Freiwild" eh zu bösen rechten ... egal, was für Argumente gebracht werden. Auch hier gilt das alte Herrschaftsinstrument:

"Wer Ju.. - äh - Nazi ist, bestimmen immer noch wir" (frei nach Göring).

Hohenstaufer

19. Februar 2013 10:58

Den Ausführungen von "Asenkrieger" wäre insofern zuzustimmen, als die berühmt-berüchtigte und wohl am meisten indizierte Musikgruppe L.....r und deren Nachfolger L......f inzwischen zwei Generationen von Heranwachsenden beeinflußte und über die Szene hinaus Anziehungskraft entfaltete, insbesondere die teils sarkastisch-ironische Verballhornung der politischen Zustände in den späteren Scheiben. Aber dies nur am Rande.

In der aktuellen Sezession schrieb Sebastian Hennig in "Der goldene Käfig der Kunst" eigentlich das nunmehr aktuelle Thema bereits pointiert und abstrahiert vorweg. Auszug:

Der Weg zur Wahrheit ist derart böse mit verrenken Hingerichteten verziert, daß vielen das Blut in den Adern gefriert, sobald sie erwägen, ihr Herz auf der Zunge zu bringen.

Wahr-Sager

19. Februar 2013 14:04

Mir hat schon das Gewinde und Geflenne von Frei.Wild gegenüber der Antifa-Front gereicht, um sie nicht zu mögen. Eine Band, die sich politisch korrekten und linksextremen Grundsätzen unterwirft und sich dann noch deutlich von rechts distanziert, weil sie Angst um ihr Image hat, ist für mich eine Scheiß-Band. Dass es auch anders geht, zeigt der patriotische Musiker Sacha Korn, dessen Lied der Deutschen es nur aufgrund der desolaten Lage im "Rechtsstaat" BRD nicht in die Charts geschafft hat.

eulenfurz

19. Februar 2013 15:36

@Wahr-Sager
Geschmäcker sollen verschieden sein, aber man fragt sich, ob dieses Sascha-Korn-Lied der Deutschen Verballhornung ist oder ob er es damit Ernst meint. Ersteres wäre schlimm, das zweite tragisch.

Bei Frei.Wild oder Onkelz - alles schon mit wohlwollender Herangehensweise probiert - oder diesem Daniel Landa kommt keine Ehrfurcht auf, die man vor hoher Kunst haben möchte, im Gegenteil. Nur Gebrüll und Geschrei und primitivste Lyrik. Dazu noch dieses abstoßende Massenpublikum.

Von diesen Rechtsrockern wären einige locker in den Charts, spielten sie zum Wohlgefallen der Kulturindustrie. Die Qualität ist erstaunlicherweise hin und wieder besser oder zumindest ebenbürtig, als das, was über die Mainstream-Propagandakanäle feilgeboten wird. Das zeigt, daß man offenbar mit kleinem Geld, fehlender Ausbildung und einem Scherflein Talent immer noch besser ist, als diese Millionen Anwärter und Euro zählende Popp-Industrie der Vielzuvielen.

Kleiner Hör-Tip: Lindsey Stirling

Yvonne

19. Februar 2013 15:56

...etwas off-topic, doch wo es hier gerade um Musik (also eigentlich um das Wichtigste!) geht: Mein Autoradio muß die immer gleichen Lieder wiederholen, ich brauche dringend einen Tip! Herr Lichtmesz, könnten Sie nicht einen Beitrag dazu verfassen oder vielleicht die anderen hiesigen Autoren mal ihre „politisch unkorrekten“ Top-Ten-Listen präsentieren? Bei meiner ist bisher nur ein Platz sicher belegt, nämlich von Death in June, alle anderen sind noch frei und werden deshalb mit unserer guten alten deutschen ernsten Musik oder mit Soldatenliedern und Ähnlichem gefüllt.
Bin durch diese Seite vor einiger Zeit auf Trotz der Lüge gestoßen, da gefällt mir auch manches, oder Laibach hat viel Gutes, aber was gibt’s Neues?

M.L.: Ein kleines Pop-Kompendium ist bei Edition Antaios in Planung. Nach "Neuem" muß man sich nicht zwanghaft umsehen, es gibt genug Altes, das immer neu ist.

Asenkrieger

19. Februar 2013 18:13

@ M.L.
Haben Sie mal die "Texte" von Rammstein gehört? Diese explizit linke Band ist textlich recht primitiv und obszön.

Ich empfehle den Text von Alex Kurtagic über Black Metal in dem Buch
"Ja, Afrika muß zur Hölle gehen" (S. 72-91 "Black Metal - Die konservative Revolution in der modernen Populärkultur").

Ich glaube wir kommen musikalisch nie auf einen gemeinsamen Nenner.
Das ist aber auch egal.

Trotzdem nichts für ungut: Ihre sonstigen Texte finde ich sehr gut.

M.L.: Ich bin mir da nicht so sicher. Gerade wenn man sich manche Texte und Videos anschaut, ist Rammstein keineswegs so eindeutig "links". Sie sind zum Teil recht poetisch und vieldeutig. Ihre Songs sind voller geschickt inszenierter Melodramatik und effektvoll dosiertem Pathos. Insgesamt sind sie im Habitus "deutscher" als tausend Rechtsrockdilettanten die ständig über ihr Deutschsein singen. Die "Primitivität" und "Obszönität" mancher Songs von Rammstein ist wie auch die allgemeine Kraftmeierei schwarzer Humor und eher eine bewußte, selbstironische-spielerische Pose als echte Primitivität oder Unvermögen (wie bei Frei.Wild). Kurtagic ist ein kluger Kopf, aber meiner Meinung nach überschätzt er drastisch die Wirkung von Subkulturen, insbesondere des Black Metal und seines ästhetischen wie inhaltlichen Extremismus.

Martin Lichtmesz

19. Februar 2013 18:33

Als post scriptum noch meine persönliche Einschätzung von Frei.Wild: mag sein, daß mir diesbezüglich die Rezeptoren fehlen, aber ich kann dem Projekt rein gar nichts abgewinnen. Stinknormaler Gebrauchs- und Schweinerock, mal hart-prollig, mal sentimental, angestrengtes Rumposieren, Onkelz-Epigonentum eben (die auch schon gräßlich waren). Inhaltlich finden Texte wie "Wahre Werte" freilich meine Zustimmung, das ändert aber nichts an ihrer Holprigkeit und Hölzernheit (was auch, soweit ich sehen kann, für den Rest der Frei.Wild-Texte zutrifft). Die "Message" kommt viel zu direkt und agitpropartig rüber, und das schadet sowohl ihr als auch dem Rock. Generell finde ich, daß "Botschaften" schlecht zu Rockmusik passen, in der es in erster Linie um den expressiven Ausdruck von Emotionen geht. Insofern sind Frei.Wild gut beraten, mehr die unpolitische Schiene einzuschlagen.

Das Emotionale spielt beim Rock überhaupt eine entscheidende Rolle, vor allem, wenn die Musik mit einer bestimmten Szene und ihrem Lebensgefühl verknüpft ist. Wenn man einmal in so eine Szene involviert war, kann man kaum mehr objektiv bleiben, und hält die eigene Mucke für die beste der Welt. Es gibt viele Neofolk- oder Gothrock-Songs, die in mir starke Emotionen wecken, von denen mir aber nicht im Traum einfiele, sie nun trotz einzelner genialer Höhepunkte objektiv für Spitzenwerke zu halten, so sehr ich sie liebe: Death in June ist eben nicht Joy Division und Douglas P. ist nicht Scott Walker, und Allerseelen nicht Portishead oder Massive Attack. Aber mit "Kult" läßt sich eben nicht diskutieren, die Wirkung spielt sich auf ganz eigenen Ebenen ab.

Noch zum Rechtsrock/RAC: im Gegensatz zum artverwandten Punkrock ist er eben doch ein Nischenprodukt geblieben, und hat sich stark zur reinen "Message"-Musik entwickelt. Da kommt es dann zu skurrillen Erscheinungen wie der fast schon bizarr untalentierten "deutschen Mutter" Anett, die aber offenbar vieles an- und ausspricht, was ihre Klientel bewegt, eine Art Star "wie wir", zum "Anfassen", da wird die Musik zweitrangig. Ähnlich verhält es sich mit Frank Rennicke, der außerhalb seiner Szene eine unsägliche Lachnummer ist. Die vielleicht einzige Band aus dem Genre (neben Landser), die auch außerhalb ihrer Kreise gehört wird, ist Skrewdriver, und das hat wohl mit ihrer Berüchtigtheit ebenso zu tun, wie mit ihrem frühen Punkrock-Kultstatus und ihrem Talent, einigermaßen flotte Rocksongs zu schreiben. Aber trotzdem ist das eine minderwertige Angelegenheit: stumpfsinnig-verblödete bis kitschige Naziglorifzierung und prolliges Herumgegröhle, das in der Folge das ganze Genre geprägt hat, und nach außen eher abstossend wirkt, mitunter mit voller Absicht. Wie schlecht die Lieder von Skrewdriver sind, wird in den nervtötend prätentiösen und glatt gebügelten Cover-Versionen von Saga vielleicht erst so richtig deutlich.

Dagegen habe ich noch keine Rechtsrockband gesehen, die musikalisch und textlich so geniale Nummern wie "Holiday in Cambodia" oder "California Uber Alles" von den Dead Kennedys oder "Bloody Revolutions" und "Shaved Women" von Crass oder "Thieves" oder "NWO" von Ministry produziert hätten, deren Appeal weit über ein einschlägiges politisches Klientel hinausreicht. In Italien und Frankreich gibt es da einige Ansätze mit ZetaZeroAlfa und Hotel Stella oder vor allem Sottofasciasemplice, die ziemlich komplexe und poetische Texte haben. Andererseits gibt es Bands wie Type-O-Negative oder Rammstein, die Welterfolge eingefahren haben, zum Teil von einer "rechten" Aura leben und mit diversen unkorrekten Seitenhieben schockten. Aber auch hier verdankt sich der Erfolg vor allem dem unbestreitbaren Können (neben dem freilich cleveren Marketing).

Zuletzt: es ist nicht unbedingt, die Band oder der Sänger am "deutschesten", der ständig über Deutschland oder Patriotismus usw. singt, bis es einem zum Halse herausreicht. Das gilt für alle anderen Länder auch, Frankreich, Italien, Spanien... Wesentlich ist, daß die Musik die "Seele" des Landes und der Sprache zum Ausdruck bringt, und das wirkt am Ende mehr als alles Agitpropgedöns.

Rautenklause

19. Februar 2013 18:58

Ja, die alten Zeiten, da gab es - wenn man auf Texte und Inszenierungen achtete - schon recht eindeutige Lieder. In meinen Augen textlich immer noch sehr ähm direkt (?)

Alphaville: To Germany with Love (ein Kommentator hat es auch bemerkt, man google mal nach dem Text)
https://www.youtube.com/watch?v=yywfGOsKXTI

M.L.: Aus der Zeit fällt mir auch "Demain Berlin" von Guerre Froide ein... und "Volksmusik" von Breslau. "Volksmusik, so muß sie sein...!"

Und, lieber ML, was gab es da beim letzten Konzert von "L'affaire fatale" nicht alles zu bewundern ....

IANVA: Di nuovo in armi (der REFRAIN!)
https://www.youtube.com/watch?v=WwB7IlDv9po

Da geht selbst mir altem Mann das Herze auf ...

Eia eia alala!

Vercel

M.L.: Ja, herrliches Konzert, Götterkapelle!

Ratataskolnikow

19. Februar 2013 19:40

Mann, Eulenfurz,

habe bei Ihrem Hoer-Tipp staendig auf die Einhoerner und Delphine am Horizont gewartet ...

Im Ernst: Musik sollte authentisch sein. Ich habe in loco Mexico sogar das HipHop-Hoeren gelernt. Und zwar weil diese Freaks hier nicht nur hart tun (wie unsere Wohlstandsmigrantenrapper aus Berlin-Neukoelln), sondern wirklich verrueckt sind. Sympathisch ist auch, dass die ihre Musik meist nicht lange ueberleben ... Ausserdem laeuft das hier wirklich ueberall!

Und da ja wohl die Zeit fuer musicalische Gestaendnisse angebrochen scheint: Ich war mal in Elena Fossi verliebt ...
https://www.youtube.com/watch?v=8shfVucwZNg

Bien Pilazzzz,

R.

M.L.: Mensch, Raskolnikow, kaum sind Sie ihrer finsteren, zweifellos auch bei Tageslicht mit Jalousien abgedunkelten Bude entstiegen, welche stickig und schwer vom Geruch süßlich-gilbenden Papiers; und lassen die Strahlen der südlichen Sonne keimeweckend ins Gin-getränkte Mördergruben-Herz sinken... da erwacht auch in Ihnen endlich der Groove. Ich antworte mit Funkadelic: "Free your mind, and your ass will follow!"
https://www.youtube.com/watch?v=xiqmEibSY0I

Nachtfalke

19. Februar 2013 19:51

Hier scheinen ja die MetalFans in der Mehrzahl zu sein. Sieht fast so aus, als stünde ich hier mit meiner Vorliebe für MartialPop a la Triarii, Arditi oder Puissance alleine da. Aber was soll's. Mag aber auch Minimal AngstPop wie Haus Arafna oder die dekadenten Ordo Rosarius Equilibrio. Letztlich muss jeder seinen eigenen Soundtrack finden, mit dem er dem kollektiven als auch dem individuellen Untergang entgegengeht.

nino

19. Februar 2013 20:47

"Don't Mistake Lack of Talent for Genius" wie Type O Negative selbstironisch meinten. War es aber nicht eher Carnivore die mit einer rechten Gesinnung kokettiert haben?
Dass Skrewdriver auch ausserhalb der Szene gehört wurden liegt wohl eher daran, dass die einmal unpolitisch angefangen hatten, ende der 70er. Daher war die Band einem grösseren Publikum ein Begriff. und sie wurden auch dementsprechend gepusht in der Presse. Oder welche Rechtsrockband hat schon jemals die Bühne mit Motörhead geteilt? So sagt man zumindest. Dass Skrewdriver zu dieser Zeit noch unpolitisch waren, ändert nicht ihre Musik.
Und ja, es ist zu beobachten: je extremer die Botschaft, desto schlechter die Musik. Und ja, es gibt viele grottenschlechte Rechtsrockkombos.

Trotzdem unterschätzt ML das Potential an rechten Bands komplett. Frei.Wild sind sicher nicht die Spitze musikalischer Virtuosität oder künstlerischer Kreativität. Aber offensichtlich sprechen sie Massen an


M.L.: Nu, sag ich doch. Deswegen muß mir Frei.Wild persönlich nicht gefallen.

und Deutschrockbands auf dem Niveau gibt es in Deutschland auch im rechten Sektor. Steck sie in ein anständiges Tonstudio und stell ihnen einen Produzenten zur Seite der etwas von Musik versteht, dann haben wir zehn Frei.Wilds

Dass sie, ML, gerade an Zeta Zero Alfa so einen Narren gefressen haben, verwundert schon ein wenig.

M.L.: Hab ich gar nicht. Ein paar Lieder finde ich ganz gut, und ich habe sie erwähnt, weil sie auch außerhalb ihrer Szene gehört werden. Sottofasciasemplice sind um Klassen besser, zumindest das Album "Idrovolante".

Sie sind vielleicht eine überdurchschnittlich gut Italo-Band, aber das ist auch nicht so schwierig. Viel mehr als primitivster Punkrock kam von da auch selten.

Was bspw. an "Shaved Women" in musikalischer Hinsicht so genial sein soll, erschliesst sich mir nicht. Wenn ich einen Zug hören will, dann schieb ich HankIII rein ;-)

Und vielleicht müsste man noch anmerken, dass es im Rechtsrockbereich kaum einen Gütefilter gibt. Wie ML richtig bemerkt, geht es vielen Bands mehr um die Botschaft als um die Musik. Das heisst; alles was den Weg in ein Tonstudio findet, wird auch produziert. Das ist im unpolitischen Musikbereich natürlich völlig anders, so dass das Zerrbild entsteht, die Talente seien völlig ungleich verteilt. Zudem sollte man auch nicht vergessen, dass sich Rechte, denen es zuerst um die Musik geht, sich vielleicht auch gar nicht outen. Man betrachte nur einmal, wer sich schon alles "distanzieren" musste. Bspw. Amon Amarth aus Schweden. Die haben noch nicht einmal politische Texte, aber sie singen halt immerzu von Wikingern und Odin, was auch schon die Gesinnungswächter aktivierte. Die Finnen von Impaled Nazarene mussten sogar mal eine Tour abbrechen, weil ihnen viele Shows gekündigt wurden.

Und zuletzt: es gab da mal ne Kombo aus Berlin, die waren wirklich grottenschlecht, aber brachten es ganz ohne Werbung und Auftritten auf dem WAO zu ganz beachtlichen Verkaufszahlen. Was von denen noch alles kopiert wurde, will gar keiner wissen.

Rumpelstilzchen

19. Februar 2013 20:57

Also, ich kenn von den meisten Liedern keine.
Nur eins: heimatfolk können die Iren am besten.
Da ich immer noch zu blöd zum verlinken bin, kann mir mal jemand helfen

Titel

"The only time I feel alright is when I'm into drinking " von Ralph Mc Teel

Danke

Martin

19. Februar 2013 21:00

... habe viel aus der "Neofolk"-Szene bislang live gesehen, gehört und eine anständige Tonträger-Sammlung über die vergangenen 25 Jahre aufgebaut (neben all den hunderten von anderen musikalischen Sachen) und komme für mich persönlich zum Ergebnis, dass am Ende dann doch nur Death in June, Blood Axis und Forseti mehr als "One-Hit-Wonder" sind ... im Hinblick auf das Schaffen von Douglas P. möchte ich ML widersprechen - für mich ist er DER einzige INTERNATIONALE Star dieser Szene, der bleibendes geschaffen hat ... Fall Apart wird man bspw. wohl auch noch in 25 Jahren hören können ...

M.L.: Ich finde auch, daß Douglas P. Bleibendes und Einzigartiges geschaffen hat, ich habe nur gesagt, daß er nicht Scott Walker ist. Von David Tibet/Current 93 wird gewiß auch einiges bleiben.

... und da ich in meinem Platten-Kauf-Wahn manche Sachen auch erst mit ziemlicher zeitlicher Verzögerung einlege, finde ich zur Zeit die Ösi-Band Graumahd gar nicht so schlecht ... hier mit einem Sampler-Beitrag:

https://www.youtube.com/watch?v=2EyDCfb-LS8

Aber auch ihre erste (und bislang einzige?) CD ist m.M.n. durchaus gelungen ...

Von Thronstahl haben wir die weitere Verbreitung von Hans Milch - Gott hab ihn selig - zu verdanken, jemanden, der ansonsten vermutlich nicht so bekannt geworden wäre ...

M.L.: Ich finde wenige Dinge so gräßlich wie die Reden von Hans Milch.

Insgesamt kann Musik also viel bewegen - Wagner selbst glaubte gar, dass eine Regeneration des deutschen Volkes durch Tonkunst möglich wäre (jetzt musste ja auch mal was zum "Wagnerjahr" sagen ...).

Yvonne

20. Februar 2013 01:20

DiJ muß sich nicht verstecken. Douglas Pearce lebt von seiner super Stimme und präsentiert sich als Gesamtkunstwerk. Er ist der Beste, mindestens! Was hat es mit Scott Walker zu tun? Und den Sänger von Joy Division mag ich z. B. gar nicht und mochte ihn noch nie, dann vielleicht aus der Zeit The Fall oder oder... Geschmackssache. Aber schade, rechts ist wohl einfach nicht viel zu holen.
Skrewdriver haben in ihrer Simpelheit tatsächlich einen gewissen Witz, läuft auch manchmal in meinem Auto, aber schlecht sind sie schon.
Ob noch jemand außerhalb der Szene diese Musik hört, ist doch eigentlich kein Kriterium. Es berührt einen oder nicht.
Mal sehen, was in Eurem Buch stehen wird...

M.L.: "Brown Book", "The World That Summer", "But What Ends When The Symbols Shatter?"... allesamt Monumente!

Wahr-Sager

20. Februar 2013 02:25

@eulenfurz:

Warum soll das Deutschlandlied in der Version von Sacha Korn eine Verballhornung sein? Es müsste ja irgendwelche hör- bzw. sichtbaren Anzeichen dafür geben. Oder war das Deutschlandlied in der Heino-Version etwa auch eine Verballhornung?

neocromagnon

20. Februar 2013 03:23

@Martin

Wohl eher, dass es keine Plattenfirma mehr gibt, die sie unter Vertrag nehmen, Konzerte nur noch subversiv organisiert werden können etc.

Ja genau, alle kuschen. Aber wovor hat die Plattenfirma angst? Oder die Veranstalter? Das es böse Kommentare aus den Medien gibt? Und?
Es würde mich mal interessieren was passieren würde, wenn so ein Betrieb, der vom Publikumsinteresse und nicht von Staatsgeldern lebt, das Geschnatter in Medien und Politik einfach ignorieren würde. Journalisten keine Intervievs geben, Politikern nicht antworten und statt dessen einfach weiter machen würde, den Leuten zu geben was sie wollen. So wie es Sarrazin vorgemacht hat. Der hat das einfach alles ignoriert und die Leute strömten in Scharen zu seinen Vorträgen. Im Gegenteil es war sogar Werbung für ihn.

eulenfurz

20. Februar 2013 09:04

@Wahrsager
Die Heino-Version ist auch nicht besser. Es gibt bestimmte Lieder, die sind im Lauf ihrer Geschichte derart geheiligt worden, daß man sie nicht einfach herunterleiern oder verpoppen darf. Genauso wenig, wie man den Dom zu Speyer rosarot anmalen sollte. Dann soll man doch lieber etwas Neues bauen, sodann kann jeder im Vergleich beschauen, was schöner und wertvoller ist.

Aber ich ärgerte mich bereits über meinen Kommentar, der dem Impetus der vorhergehenden Kommentare folgte, die persönliche Geschmacksrichtung darzulegen.

Im Ursprungsbeitrag ging es um die Ausgrenzung mißliebiger Elemente des etablierten Kulturbetriebs, welche - auch von Kommentatoren - soziologisch bzw. psychopathologisch untersucht gehört, unabhängig davon, ob die Musik gefällt.

Martin Lichtmesz

20. Februar 2013 11:03

Karawane zieht weiter, Debatte geschlossen, Dank an alle Teilnehmer.

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