Sezession
17. Februar 2013

15. Todestag Ernst Jünger

Erik Lehnert

9783935063562(Text aus dem Band Vordenker des Staatspolitischen Handbuchs, Schnellroda 2012.)

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

  • Sezession

Jüngers Leben überspannt einen Zeitraum vom Kaiserreich bis zum wiedervereinigten Restdeutschland. Durch diesen einzigartigen Erfahrungshorizont und seine durchgehende Teilhabe an den geistigen Auseinandersetzungen des Jahrhunderts gehört Jünger zu den bedeutendsten rechten bzw. konservativen Autoren.

Jüngers Ruhm leitet sich bis heute von seinem Erstling her, seinem Kriegstagebuch In Stahlgewittern, das 1920 erschien. Darin schildert der Freiwillige von 1914, der froh war, Elternhaus und Schule zu entkommen, seine Erlebnisse als Stoßtruppführer an der Westfront, vom ersten Gefecht bis zur Verleihung des höchsten Ordens, Pour le mérite, am Ende des Krieges. Jüngers Buch zeichnet sich durch eine nüchterne Diktion aus, die den Krieg als Naturereignis begreift, das man nicht mit einem Pro oder Kontra abtun kann.

In den zwanziger Jahren war Jünger einer der einflußreichsten Publizisten der politischen Rechten. Es ging ihm um die Begründung eines neuen Nationalismus, der nichts mit dem Vorkriegs-Patriotismus, aber auch nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun haben sollte. In diese Phase fallen auch einige metaphysische Deutungen des Krieges. Formal und inhaltlich schloß Jünger mit seinem Abenteuerlichen Herzen (1929) sein politisches Engagement ab und zog sich auf die Position des Beobachters und Deuters zurück. Sein Arbeiter (1932) nimmt insofern eine Zwitterstellung ein, da nicht ganz klar ist, ob Jünger bloß als Seismograph oder nicht auch als Wegbereiter einer neuen Gesellschaftsordnung schrieb. Mit der Machtübernahme von 1933 mußte Jünger sich entscheiden, ob er sich zum Aushängeschild des neuen Deutschland machen lassen wollte. Er zog statt dessen aus Berlin in die Provinz, setzte seine Reisetätigkeit fort und veröffentlichte einen unverfänglichen Erinnerungsband (Afrikanische Spiele, 1936). Kurz vor Kriegsbeginn erfolgte die Reaktivierung als Hauptmann. Seine Erzählung Auf den Mamorklippen erschien im Oktober 1939 und stand bald in dem Ruf, eine Widerstandsparabel zu sein. Jünger war in der Armee vor Nachstellungen sicher, tat Dienst in der Pariser Etappe und schrieb fleißig Tagebuch. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er entlassen. Bereits seit 1941 beschäftigte sich Jünger mit der Konzeption einer Nachkriegsordnung, die er in der Denkschrift Der Friede umriß. Als Manuskript kursierte sie unter Gleichgesinnten (u. a. Erwin Rommel), konnte aber erst nach Kriegsende erscheinen.

Jüngers Nachkriegsruhm begann mit Verzögerungen, da er sich weigerte, den alliierten Fragebogen auszufüllen, was die Briten mit einem Publikationsverbot beantworteten. Über die Schweiz – der Kontakt kam über den späteren Sekretär Armin Mohler zustande – gab es erste Publikationsmöglichkeiten. Auch Gerhard Nebel spannte sich in dieser Zeit ganz in den Dienst von Jüngers Rehabilitation. Sein Comeback feierte Jünger mit den Strahlungen (1949), seinem Tagebuch vom Februar 1942 bis April 1945. Einleitend kommentiert er seine Situation und rechtfertigt seine beobachtende Haltung: »Nach dem Erdbeben schlägt man auf die Seismographen ein.« Wenig später erschien sein erster Roman, Heliopolis, eine Zukunftsvision, in der zwei Bürgerkriegsparteien um die Macht kämpfen. Die eine steht für die aristokratische Ordnung, die andere versucht eine demokratisch legitimierte »absolute Bürokratie« zu installieren.

Der Roman wurde kritisch aufgenommen, sein wachsender Ruhm gründete sich auf seine Reisetagebücher, vor allem aber die Essays der fünfziger Jahre. Über die Linie (1950) ist eine Heidegger gewidmete Abhandlung über den Nihilismus, auf die Heidegger wenig später antwortete. Am bekanntesten dürfte bis heute Der Waldgang (1951) sein, der Jüngers Vorbehalt gegen Massendemokratie zeigt und das Lob des Anarchen singt, der sich entzieht, weil er sich einem höheren Prinzip verpflichtet weiß. Erfolgreich war auch Der gordische Knoten (1953), in dem Jünger den Ost-West-Konflikt als eine unhintergehbare Polarität verschiedener Wirklichkeitsauffassungen beschreibt.


Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

  • Sezession

Kommentare (0)

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.