Donoso Cortés und der katholische Blick auf das Abendland

pdf der Druckfassung aus Sezession 18/Juni 2007

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Die „schwarze Legende" ist Spanien angehängt worden, weil den Vertretern der Aufklärung und der Revolution die militante Katholizität dieses Landes seit jeher ein Dorn im Auge war. Denn an Spanien sind alle Revolutionen, die Europa erschütterten, nahezu spurlos vorübergegangen. Aus dem blutigen Kampf gegen den Islam und die Häresie formte sich ein Spanien, das Persönlichkeiten wie Ignatius von Loyola hervorbrachte: Seine Gesellschaft Jesu (die „Jesuiten") ist zum Inbegriff der Gegenreformation schlechthin geworden. Es ist dies ein Spanien, das wegen seines mittelalterlichen, will heißen: authentischen Katholizismus und seiner gegenrevolutionären Tradition ähnlich verleumdet wurde wie die Kirche selbst. Die Feinde des katholischen Spanien, die Kräfte des „Fortschritts", hat niemand so unnachsichtig gebrandmarkt wie der spanische Adelige Juan Donoso Cortés, der Marqués de Valdegamas (1809-1853), der prompt der „Legende" und der Verdammung als unverbesserlicher katholischer Reaktionär verfiel. Ernst Jünger, der sich vor seinem Tode noch zum Katholizismus bekehrte, schätzte ihn, und Carl Schmitt rühmte an Cortés namentlich dessen Feindschaft gegen den Liberalismus, der jeder Festlegung ausweiche, der es vorziehe, Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit, zu einem Sozialreformer zu degradieren, statt die begrenzte menschliche Einsicht der höheren Wahrheit der Inkarnation zu unterwerfen.

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Sei­ne ehe­ma­li­gen libe­ra­len Par­tei­freun­de nann­te Cor­tés „doc­to­res de una sci­en­cia impo­ten­te” – Leh­rer einer ohn­mäch­ti­gen Wis­sen­schaft. Ihr Got­tes­be­griff sei der eines abs­trak­ten und indo­len­ten Herr­schers. Die Völ­ker wür­den ihm zwar Ver­eh­rung, aber kei­nen Gehor­sam mehr schul­den. Der Libe­ra­lis­mus behaup­te die Sou­ve­rä­ni­tät der mensch­li­chen Ver­nunft, die jedoch eine dele­gier­te Sou­ve­rä­ni­tät ist, weil hin­ter ihr die kon­sti­tu­ie­ren­de Sou­ve­rä­ni­tät Got­tes steht. Die rei­ne, unein­ge­schränk­te Volks­sou­ve­rä­ni­tät, die Gott als Ursprung aus­schließt, sei eine rein athe­is­ti­sche Theo­rie: „Athe­is­mus und Volks­sou­ve­rä­ni­tät sind Kon­se­quen­zen des Libe­ra­lis­mus, die zwar an sich in wei­ter Fer­ne lie­gen, aber letz­ten Endes doch unver­meid­lich sind.” Die Ver­göt­te­rung der mensch­li­chen Ver­nunft ist laut Cor­tés der Grund der Unfrucht­bar­keit des Libe­ra­lis­mus und die Ursa­che der Ver­bre­chen der Moder­ne. Der Impo­tenz der Libe­ra­len, sich für oder gegen etwas, sich „zwi­schen Jesus und Bar­ra­bas zu ent­schei­den”, steht die irdi­sche Erlö­sungs­leh­re der Sozia­lis­ten und Kom­mu­nis­ten gegen­über, die sich nur in der Radi­ka­li­tät ihrer Ver­nunft­gläu­big­keit von den Libe­ra­len unter­schie­den. Die Selbst­er­mäch­ti­gung des Men­schen, die Nega­ti­on alles des­sen, was ihn an eine höhe­re Auto­ri­tät bin­det, wer­de Ver­bre­chen mög­lich machen, wie sie in der Geschich­te der Mensch­heit bis­her nicht vor­ka­men – pro­phe­zei­te Cor­tés. Als Lud­wig Fischer 1933 Cor­tés’ Haupt­werk, den Essay über den Katho­li­zis­mus, Sozia­lis­mus und Libe­ra­lis­mus neu her­aus­brach­te, schrieb er im Vor­wort: „Gera­de in unse­ren Tagen, in denen so viel gere­det wird vom ‚Unter­gang des Abend­lan­des‘, vom Zusam­men­bruch der euro­päi­schen Kul­tur, ist der Name Dono­so Cor­tés, der eine Zeit­lang selbst bei Katho­li­ken ver­ges­sen schien, wie­der­um leben­dig geworden.”

Für Cor­tés hin­gen die Eman­zi­pa­ti­on des moder­nen Men­schen von Gott und der gesell­schaft­li­che Ver­fall ganz eng zusam­men. Eine Gesell­schaft, in der die men­schen­ge­mach­te Wahr­heit an die Stel­le Got­tes tritt, zer­stört sich selbst, so der regie­ren­de Papst Bene­dikt XVI.; oder in den Wor­ten von Gómez Dávi­la, wie Orte­ga y Gas­set ein gro­ßer Ver­eh­rer des Dono­so Cor­tés: „Die moder­ne Tra­gö­die ist nicht die der besieg­ten, son­dern die der tri­um­phie­ren­den Vernunft.”
Cor­tés’ Dia­gno­se traf so ziel­si­cher ins Herz der Pro­gres­sis­ten und Moder­nis­ten, daß ihn nicht nur die Mazzi­ni, Proud­hon und Marx rasch als Feind aus­mach­ten, wie Carl Schmitt schrieb, son­dern auch libe­ra­le Kir­chen­ver­tre­ter wie Bischof Dup­an­loup von Orlé­ans, das geis­ti­ge Haupt des libe­ra­len Katho­li­zis­mus sei­ner Zeit. Vom Hei­li­gen Stuhl wur­de Cor­tés’ Essay mit Dank und Genug­tu­ung auf­ge­nom­men. Der lang­jäh­ri­ge Pari­ser Nun­ti­us und nach­ma­li­ge Kar­di­nal Forn­ari, den Pius IX. mit den Vor­ar­bei­ten für den Syl­labus betraut hat­te, wand­te sich im Mai 1852 an Dono­so Cor­tés und bat ihn um eine Zusam­men­stel­lung der wich­tigs­ten Zei­tirr­tü­mer. Zu die­sen zähl­te man unter ande­rem den Pan­the­is­mus, die Ableh­nung eines per­sön­li­chen Got­tes, und die Vor­stel­lung, alle Reli­gio­nen sei­en gleich­wer­ti­ge Heils­we­ge – Irr­tü­mer, die gera­de heu­te wie­der im Schwan­ge sind.
Als Cor­tés’ Essay erschien, schäum­ten die Libe­ra­len in Spa­ni­en vor Wut. „Sie wür­den mich ganz bestimmt ver­nich­ten, wenn sie könn­ten”, mein­te Cor­tés. Doch auch Gadu­el, der Gene­ral­vi­kar von Bischof Dup­an­loup von Orlé­ans, hät­te dies ger­ne getan. Gadu­el war der erbit­ter­te Feind jener streng kirch­li­chen Rich­tung im dama­li­gen Frank­reich, wie sie Lou­is Veuil­lot und der Wie­der­be­grün­der des bene­dik­ti­ni­schen Mönch­tums und Vor­kämp­fer der römi­schen Lit­ur­gie, Abt Gué­ran­ger von Sole­s­mes, ver­tra­ten – wel­chem Cor­tés sei­nen Essay zur Kor­rek­tur vor­ge­legt hat­te. Ihnen und allen vor­an Cor­tés warf Bischof Dup­an­loup vor – wie es ja heu­te noch ein plat­ter Jour­na­lis­mus (und eine weit­ge­hend moder­nis­tisch geson­ne­ne Theo­lo­gie) allem authen­tisch Katho­li­schen unter­stellt -, ins Mit­tel­al­ter zurück­keh­ren zu wol­len. Cor­tés ent­geg­ne­te dem: „Was damals Men­schen­werk war, muß­te wie­der ver­schwin­den und ist mit den Men­schen ver­schwun­den; ich habe kei­ne Sehn­sucht dar­nach, es wie­der ins Leben zurück­zu­ru­fen. Ich ver­lan­ge jedoch nach­drück­lichst die Wie­der­her­stel­lung alles des­sen, was ewig wahr ist.” Dem All­mäch­ti­gen als Ursprung der Wahr­heit wis­se sich, mein­te Cor­tés, unter den poli­ti­schen Ein­rich­tun­gen allein die Mon­ar­chie ver­pflich­tet, weil sie nicht nach dem Bei­fall der Mas­sen schie­le. Ob sie jedoch unter den Zeit­um­stän­den fähig sein wür­de, die Revo­lu­ti­on abzu­weh­ren, dar­an beschli­chen ihn Zwei­fel. Denn das „Resul­tat der gegen­wär­ti­gen Bestre­bun­gen wird unfehl­bar die Auf­rich­tung einer dem­ago­gi­schen Herr­schaft sein, einer Herr­schaft, heid­nisch in ihrer Ver­fas­sung und sata­nisch in ihrer Größe”.
Im Spa­ni­en der 1830er und 40er Jah­re waren das die revo­lu­tio­när­neu­heid­ni­schen Bewe­gun­gen, die ganz Euro­pa in Auf­ruhr ver­setz­ten. An den Gra­fen Mon­ta­lem­bert schrieb Cor­tés: „Mei­ne Bekeh­rung zu den rich­ti­gen Prin­zi­pi­en ver­dan­ke ich in ers­ter Linie der Barm­her­zig­keit Got­tes und dann dem gründ­li­chen Stu­di­um der Revolutionen.”

Die revo­lu­tio­nä­ren Erschüt­te­run­gen des Juli 1834 in Spa­ni­en waren das Ereig­nis, das Dono­so Cor­tés zum lei­den­schaft­li­chen Anwalt des katho­li­schen Euro­pa wer­den ließ. Der Juli 1834 mit sei­nen Pries­ter­mor­den und Kir­chen­schän­dun­gen mach­te auf Cor­tés einen unaus­lösch­li­chen Ein­druck: „Die Erin­ne­rung dar­an wird unaus­tilg­bar sein und wird uns auf lan­ge hin­aus im Schla­fe ver­fol­gen (…) Nein! Madrid wird nie und nim­mer den schmerz­li­chen Tag ver­ges­sen, da es sah, wie die Gesell­schaft sich auf­lös­te, wie die öffent­li­che Auto­ri­tät ver­schwand, wie sei­ne Kir­chen ent­weiht wur­den (…)” Genau hun­dert Jah­re spä­ter gescha­hen im Namen der spa­ni­schen Repu­blik ähn­li­che Greu­el­ta­ten. Wie in den Zei­ten der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on gin­gen Kir­chen in Flam­men auf, Grüf­te wur­den geschän­det und Klos­ter­schwes­tern miß­han­delt, was letzt­lich auch Gene­ral Fran­co 1936 zum Han­deln veranlaßte.
Als sich um die Mit­te des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts Dono­so Cor­tés’ Ruhm auch im deut­schen Sprach­raum ver­brei­te­te, gehör­ten so unter­schied­li­che Geis­ter wie Met­ter­nich und der preu­ßi­sche König Fried­rich Wil­helm IV. zu sei­nen Bewun­de­rern, obwohl für Cor­tés Preu­ßen die staat­ge­wor­de­ne pro­tes­tan­ti­sche Häre­sie ver­kör­per­te. Dem preu­ßi­schen Gesand­ten in Madrid, Graf Rac­zyn­ski, schrieb er die pro­phe­ti­schen Wor­te: „Preu­ßen lebt im Pro­tes­tan­tis­mus, für den Pro­tes­tan­tis­mus und durch den Pro­tes­tan­tis­mus. Dar­in beruht auch das Geheim­nis sei­nes Ruhms. Der Pro­tes­tan­tis­mus ist aber auch das Geheim­nis sei­nes Todes”. Und spä­ter, eben­falls an Rac­zyn­ski: „Wenn Sie nicht wären, hät­te ich Preu­ßen im Par­la­ment ange­grif­fen. Denn ich bin kein Freund Preu­ßens, noch sei­ner Poli­tik, noch sei­ner Ver­grö­ße­rung, noch über­haupt sei­ner Exis­tenz. Ich glau­be, daß es von sei­ner Geburt an dem Satan geweiht ist und hege die Über­zeu­gung, daß es ihm durch ein Geheim­nis sei­ner Geschich­te („por una fata­li­dad de su his­to­ria”) für immer geweiht bleibt.”
Für Cor­tés ist die Theo­lo­gie der Schlüs­sel zur Geschich­te der Völ­ker. In der Art und Wei­se, wie die Men­schen und Völ­ker den Namen Got­tes aus­ge­spro­chen haben oder aus­spre­chen, lie­ge die Erklä­rung für ihr Schick­sal. Seit der Mensch­wer­dung Got­tes ist „die eine hei­li­ge, katho­li­sche, apos­to­li­sche, römi­sche Kir­che, der mys­ti­sche Leib des Herrn, [die Insti­tu­ti­on, die] die Welt lehrt, was sie aus dem Mun­de des Hei­li­gen Geis­tes ver­nimmt”. In der mensch­li­chen Gesell­schaft soll sich die ewi­ge Hier­ar­chie spie­geln – von Gott­va­ter über die Regie­run­gen bis zum Vater, der gerecht herr­schen soll, weil er sich dem Vor­bild des ewi­gen Vaters ver­pflich­tet fühlt: „Wo dage­gen die katho­li­sche Zivi­li­sa­ti­on die Herr­schaft ver­liert und in eine Peri­ode des Ver­falls ein­tritt, dort ver­fällt im sel­ben Augen­blick auch die Fami­lie.” Wo die „Red­ner­tri­bü­ne” sich anma­ße, über Wahr­heit und Irr­tum zu ent­schei­den, dort müs­se die dog­ma­ti­sche Into­le­ranz der Kir­che ein Segen sein, weil sie die Welt vor dem Cha­os bewah­re. Das Mit­tel, den Sturz einer Zivi­li­sa­ti­on auf­zu­hal­ten, ist allein die Bekeh­rung – „ein Zusam­men­hang, der den Libe­ra­len unver­ständ­lich blei­ben muß”. Die Febru­ar-Revo­lu­ti­on in Frank­reich und die Revo­lu­ti­on in Ita­li­en im Jah­re 1848 über­rasch­ten Cor­tés im Unter­schied zu sei­nen ehe­ma­li­gen libe­ra­len Par­tei­freun­den nicht. Ihnen hat­te er immer wie­der vor­ge­wor­fen, die Gefahr, die von den revo­lu­tio­nä­ren, anar­chis­ti­schen und athe­is­ti­schen Bewe­gun­gen Euro­pas aus­ging, sträf­lich zu unter­schät­zen, und ihnen ihr plötz­li­ches, geräusch­vol­les Hin­schei­den vorausgesagt.

Am 4. Janu­ar 1849 hielt Cor­tés eine Rede, die ganz Euro­pa in Atem hal­ten soll­te – sei­ne berühm­te Rede über die Dik­ta­tur, von der Graf Mon­ta­lem­bert sag­te: „In mei­nem Leben habe ich auf dem Gebie­te der par­la­men­ta­ri­schen Bered­sam­keit nichts Erha­be­ne­res und Wah­re­res gese­hen.” Die Par­al­le­le zu den moder­nen Dik­ta­tu­ren, die man spä­ter aus sei­ner Rede her­aus­le­sen woll­te, ver­fehlt aber die Den­kungs­art Cor­tés’, dem nichts fer­ner lag als die Herr­schaft eines Dem­ago­gen, der sich nur sei­ner selbst­er­dach­ten Ideo­lo­gie ver­pflich­tet weiß. Cor­tés’ Motiv war, in Carl Schmitts Wor­ten, daß es „ange­sichts des radi­kal Bösen nur eine Dik­ta­tur” geben kön­ne. Dono­so Cor­tés war mit sei­ner Dik­ta­tur-Rede end­gül­tig zum Dämon des auf­ge­klär­ten Euro­pa und zum Ban­ner­trä­ger des christ­li­chen gewor­den: „Die Frei­heit ist tot. Sie wird nicht wie­der auf­er­ste­hen, weder am drit­ten Tage, noch viel­leicht im drit­ten Jahr­hun­dert (…) Die Welt eilt mit gro­ßen Schrit­ten der Errich­tung einer Des­po­tie ent­ge­gen, wie sie die Men­schen gewal­ti­ger und zer­stö­ren­der noch nie erlebt haben (…) Nur ein Mit­tel ver­mag die Kata­stro­phe abzu­wen­den, ein ein­zi­ges. Man wird sie nicht ver­mei­den, wenn man mehr Frei­hei­ten, mehr Rech­te oder neue Ver­fas­sun­gen gewährt. Man wird sie aber ver­mei­den, wenn wir alle, jeder nach sei­nen Kräf­ten, uns bemü­hen, eine heil­sa­me reli­giö­se Reak­ti­on her­vor­zu­ru­fen. Ist eine sol­che Reak­ti­on mög­lich? Ja. Ist sie aber auch wahr­schein­lich? Dar­auf ant­wor­te ich mit tiefs­ter Betrüb­nis: Ich hal­te sie nicht für wahr­schein­lich. Ich habe zwar sehr vie­le Per­sön­lich­kei­ten gese­hen und gekannt, die zurück­ge­kehrt sind, nach­dem sie vom Glau­ben abge­fal­len waren, aber ich habe lei­der noch nie ein Volk gese­hen, das zum Glau­ben zurück­ge­kehrt ist, wenn es ihn ver­lo­ren hat­te.” Ein Blick auf die aktu­el­le deut­sche und euro­päi­sche Rea­li­tät bekräf­tigt Cor­tés’ Pro­phe­tie. Die „Genera­ti­on Bene­dikt” erkennt zwar lang­sam die Lee­re des revo­lu­tio­nä­ren Hedo­nis­mus und Anthro­po­zen­tris­mus, die auch die Kir­che ver­wüs­tet haben, doch die Ver­wun­dung des Wes­tens durch den libe­ra­lis­ti­schen, rela­ti­vis­ti­schen Moder­nis­mus ist in ihrer Tie­fe lan­ge noch nicht erfaßt. Der staat­lich sank­tio­nier­te Kin­der- und Alten­mord, der euro­pa­weit als Sieg der Frei­heit und des Fort­schritts gilt, ist nur das schlimms­te Beispiel.

Für Cor­tés war ein Kom­pro­miß zwi­schen der Wahr­heit des Katho­li­schen und dem Irr­tum der aus Auf­klä­rung und Revo­lu­ti­on gebo­re­nen moder­nen Häre­si­en undenk­bar. Als Vor­läu­fer, sozu­sa­gen als his­to­ri­sche Bei­spie­le für die Selbst­er­mäch­ti­gung des Men­schen gal­ten dem Spa­ni­er Cor­tés, der vom Erobe­rer Mexi­kos abstamm­te, die Refor­ma­ti­on und die poli­ti­sche Reli­gi­on des Islam, deren Herr­schaft über Spa­ni­en erst die Recon­quis­ta been­de­te: „Wenn sich der Moham­me­da­nis­mus wie eine Sint­flut über halb Afri­ka, Asi­en und Euro­pa ergie­ßen konn­te, so kam das daher, daß er mit leich­tem Gepäck mar­schier­te und alle sei­ne Wun­der, Bewei­se und Zeug­nis­se in sei­ne Degen­spit­ze ver­leg­te.” Ernst Jün­ger lob­te nicht von unge­fähr an Cor­tés des­sen „Geist eines spa­ni­schen Kon­quis­ta­do­ren”. Doch die­ser alte Glau­bens­mut, der Euro­pa vor dem Unter­gang geret­tet hat, ist fast ver­schwun­den. Zu sei­nem Freund Lou­is Veuil­lot mein­te Cor­tés, daß das Heil Euro­pas kei­ne Sache ist, „die von sel­ber geht und an der man nicht zwei­feln darf. Bli­cken Sie um sich! Sie sehen die Gesell­schaft ist in zwei Heer­la­ger geteilt: das der Schla­fen­den und das der Ein­schlä­fe­rer. Im letz­te­ren ste­hen auch Katho­li­ken (…)” Nur die Rück­kehr zu Chris­tus und zu Sei­ner Kir­che kann Euro­pa vor dem Unter­gang ret­ten, den ihm ein gott­lo­ser Libe­ra­lis­mus und Mate­ria­lis­mus vor­be­stimmt: „Die euro­päi­sche Gesell­schaft stirbt. Ihre Extre­mi­tä­ten sind bereits kalt. Bald wird es auch ihr Herz sein. Und wis­sen Sie, war­um sie stirbt? Sie stirbt, weil sie ver­gif­tet wor­den ist. Sie stirbt, weil Gott sie geschaf­fen hat­te, um mit der katho­li­schen Sub­stanz ernährt zu wer­den und weil Kur­pfu­scher ihr die ratio­na­lis­ti­sche Sub­stanz als Nah­rung ver­ab­reicht haben (…) Sie stirbt, weil der Irr­tum tötet und weil die­se Gesell­schaft auf Irr­tü­mern auf­ge­baut ist (…) Daher wird die Kata­stro­phe, die kom­men muß, in der Geschich­te die Kata­stro­phe schlecht­hin sein. Die ein­zel­nen Men­schen kön­nen sich noch ret­ten, weil sie sich immer ret­ten kön­nen. Aber die Gesell­schaft ist ver­lo­ren, nicht des­halb, weil ihre Ret­tung eine radi­ka­le Unmög­lich­keit an sich dar­stellt, son­dern weil die Gesell­schaft mei­ner Über­zeu­gung nach ganz offen­bar sich nicht ret­ten will. Es gibt kei­ne Ret­tung für die Gesell­schaft, weil wir aus unse­ren Kin­dern kei­ne wah­ren Chris­ten machen wol­len und selbst kei­ne wah­ren Chris­ten sind. Weil der katho­li­sche Geist, der ein­zi­ge, der Leben in sich trägt, nicht alles belebt, weder den Unter­richt noch die Regie­rung noch die Insti­tu­tio­nen noch die Geset­ze noch die Sit­ten. Es wäre ein gigan­ti­sches Unter­fan­gen, das sehe ich nur zu klar, woll­te man den der­zei­ti­gen Lauf die­ser Din­ge ändern.”

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