Sezession
1. Juni 2007

Donoso Cortés und der katholische Blick auf das Abendland

Gastbeitrag

Die revolutionären Erschütterungen des Juli 1834 in Spanien waren das Ereignis, das Donoso Cortés zum leidenschaftlichen Anwalt des katholischen Europa werden ließ. Der Juli 1834 mit seinen Priestermorden und Kirchenschändungen machte auf Cortés einen unauslöschlichen Eindruck: „Die Erinnerung daran wird unaustilgbar sein und wird uns auf lange hinaus im Schlafe verfolgen (...) Nein! Madrid wird nie und nimmer den schmerzlichen Tag vergessen, da es sah, wie die Gesellschaft sich auflöste, wie die öffentliche Autorität verschwand, wie seine Kirchen entweiht wurden (...)" Genau hundert Jahre später geschahen im Namen der spanischen Republik ähnliche Greueltaten. Wie in den Zeiten der französischen Revolution gingen Kirchen in Flammen auf, Grüfte wurden geschändet und Klosterschwestern mißhandelt, was letztlich auch General Franco 1936 zum Handeln veranlaßte.
Als sich um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts Donoso Cortés' Ruhm auch im deutschen Sprachraum verbreitete, gehörten so unterschiedliche Geister wie Metternich und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zu seinen Bewunderern, obwohl für Cortés Preußen die staatgewordene protestantische Häresie verkörperte. Dem preußischen Gesandten in Madrid, Graf Raczynski, schrieb er die prophetischen Worte: „Preußen lebt im Protestantismus, für den Protestantismus und durch den Protestantismus. Darin beruht auch das Geheimnis seines Ruhms. Der Protestantismus ist aber auch das Geheimnis seines Todes". Und später, ebenfalls an Raczynski: „Wenn Sie nicht wären, hätte ich Preußen im Parlament angegriffen. Denn ich bin kein Freund Preußens, noch seiner Politik, noch seiner Vergrößerung, noch überhaupt seiner Existenz. Ich glaube, daß es von seiner Geburt an dem Satan geweiht ist und hege die Überzeugung, daß es ihm durch ein Geheimnis seiner Geschichte („por una fatalidad de su historia") für immer geweiht bleibt."
Für Cortés ist die Theologie der Schlüssel zur Geschichte der Völker. In der Art und Weise, wie die Menschen und Völker den Namen Gottes ausgesprochen haben oder aussprechen, liege die Erklärung für ihr Schicksal. Seit der Menschwerdung Gottes ist „die eine heilige, katholische, apostolische, römische Kirche, der mystische Leib des Herrn, [die Institution, die] die Welt lehrt, was sie aus dem Munde des Heiligen Geistes vernimmt". In der menschlichen Gesellschaft soll sich die ewige Hierarchie spiegeln - von Gottvater über die Regierungen bis zum Vater, der gerecht herrschen soll, weil er sich dem Vorbild des ewigen Vaters verpflichtet fühlt: „Wo dagegen die katholische Zivilisation die Herrschaft verliert und in eine Periode des Verfalls eintritt, dort verfällt im selben Augenblick auch die Familie." Wo die „Rednertribüne" sich anmaße, über Wahrheit und Irrtum zu entscheiden, dort müsse die dogmatische Intoleranz der Kirche ein Segen sein, weil sie die Welt vor dem Chaos bewahre. Das Mittel, den Sturz einer Zivilisation aufzuhalten, ist allein die Bekehrung - „ein Zusammenhang, der den Liberalen unverständlich bleiben muß". Die Februar-Revolution in Frankreich und die Revolution in Italien im Jahre 1848 überraschten Cortés im Unterschied zu seinen ehemaligen liberalen Parteifreunden nicht. Ihnen hatte er immer wieder vorgeworfen, die Gefahr, die von den revolutionären, anarchistischen und atheistischen Bewegungen Europas ausging, sträflich zu unterschätzen, und ihnen ihr plötzliches, geräuschvolles Hinscheiden vorausgesagt.


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