Sezession
5. März 2013

Boah, wie Hitler (1)

Ellen Kositza / 42 Kommentare

ahaAn dem Stadtteil von Offenbach, in dem ich aufgewachsen bin, hänge ich sehr. Ein Vierteljahrhundert habe ich dort gelebt. In meiner Kindheit war es ein Idyll, rundum viel Natur und Brache, gegenüber vom Haus der Schloßpark, dahinter der Main. 4000 Einwohner, ein stadtnahes Dorf. Heute sind es über 5000, die Brachen sind verschwunden, diverse Neubaugebiete wurden erschlossen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Der Ausländeranteil ist für Offenbacher Verhältnisse nach wie vor extrem niedrig, er liegt unter 10%. Der Stadtteil ist dreigeteilt: Im alten Ortskern sowie in den frühen Neubaugebieten aus den sechziger und siebziger Jahren wohnen ausschließlich autochthone Deutsche der Mittelschicht. Die Population der aktuellen Neubaugebiete deckt ein breiteres Spektrum ab. Es gibt einerseits superschmale Reihenhäuser ohne kunstvolle Mülltonnenverkleidungen und ohne Blumenrabatten, an deren Klingelschildern großteils fremdstämmige Namen zu lesen sind, sowie kreativ geschmückte, größere Häuser mit dickeren Autos davor, die Namensschilder verraten, daß dort oft Eigentümer mit Doktortitel wohnen. Daneben gibt es einige vier- bis sechsstöckige Betonklötze; sozialer Wohnungsbau, hier wohnen die, die aus anderen Ländern zugezogen sind.

Heute bin ich ein häufiger Gast in meinem Elternhaus. Gestern durchquerte ich, rein zufällig, gleich zweimal zu den beiden Hofpausen mit vieren meiner Kinder den Schulhof der örtlichen Grund- Haupt- und Realschule. Wir fielen auf, nicht allein als Schulfremde, sondern als haufenweise auftretende Hellblonde. Das kennt man dort nicht. Uns wurde hinterhergeschaut, es wurde gestarrt. Einer rief: „Boah, wie Hitler, ey!“ Eine zugegeben grandiose Assoziationsfähigkeit. Wir fünf, das muß  vielleicht betont werden, waren in keiner Weise folkloristisch gekleidet.

Zu meiner Schulzeit hatte ich an derselben Schule zwei Ausländer in der Klasse. Als ich anderthalb Jahrzehnte später kurze Zeit selbst an dieser Schule unterrichtete und aus erster Hand mitbekam, wie multikulturalitätsbedingte Probleme übereifrig unter den Teppich gekehrt wurden (ein Zigeunervater bedroht den Rektor mit einem Messer: „Bloß nicht an die große Glocke hängen!“; Serbenmutter spricht Todesdrohungen aus: „Die Frau redet viel“; durchgefallene Hauptschüler randalieren Autos: „Wie können wir ihnen eine Freude machen, daß die Bildungsverlierer dieses Jahr psychisch nicht so durchhängen?“), stellten deutsche Schüler schon die Minderheit. Die Kollegen fanden´s im Grunde gut: „Wären die vielen Ausländer nicht, hätten wir keine Arbeit mehr.“

Gestern habe ich nur vereinzelte Schüler gesehen, die offenkundig ohne Migrationshintergrund waren. Fast ausschließlich tiefschwarzhaarige mit dem üblichen Slang, Mädchen mit Kopftuch, einige Male die türkische Fahne auf Schultaschen. „Senorita, brauchen Sie noch ein Kind?“, rief mir ein Schwarzgelockter höflich hinterher, er stünde „zur Verfügung“.

Wie gesagt, mein Stadtteil hat einen sehr niedrigen Ausländeranteil. Wenn in zehn Jahren die vielen Alten gestorben sind, die die Deutschenquote bislang hochtreiben, und in 30 Jahren die sehr vielen mittelalten Deutschen mit ihren 1,3 Kindern, die wiederum nicht viel in Offenbach halten wird, wird sich die Statistik auch hier völlig verändert haben.

Vom Schulhof aus zog ich mit den meinen durch die leeren, ordentlich gefegten Straßen des „alten“, urdeutschen Ortsteils zu meinem Elternhaus. Kein Mensch war unterwegs, wir machten uns breit auf dem Bürgersteig, zu fünft, wir machten Quatsch. Da kam doch einer, an einer Ecke. Die typisch deutsche Thujagrundstücksumrandung verdeckte uns, wir stießen quasi aufeinander. Ein junger Rentner, dick, deutsch und häßlich. Es war kein realer Zusammenprall, nur ein verbaler. Denn wir hinderten ihn am problemlosen Um-die Ecke-biegen.

Es dauerte wohl zweieinhalb Sekunden, den Gehsteig freizumachen. Ihm hat´s den Tag versaut. Fluchte, gleich hochrot: „Könnse die Brut nicht mal ordnen? Unmöglich! Wie die Karniggel!“ In meinem Stoffbeutel waren eine Flasche und zwei Bücher. Sie hätten so gut auf den Wanst gepaßt, nein, ich muß es sagen: direkt ins Antlitz hinein, in die Fresse einer ganzen Generation. Aber, ach, es ist ja Fastenzeit. Mäßigung. Und die Kinder dabei. Ich beschränkte mich drauf, herablassend und kurz etwas sehr Unschönes zu entgegnen, während meine Hände und die der größeren Tochter sich flugs auf die Ohren der beiden Kleinsten legten.

„Unter Hitler wärn asoziale Sippen wie Sie im Knast gelandet“, so schallte es grammatisch und inhaltlich interessant zurück. Mein Stoffbeutel begann heftig zu baumeln, er konnte nicht anders.

„Mama, zweimal der Hitler und wir, an einem Vormittag“, lachte da mein Sohn, und der Flasche-Bücher- Beutel drehte eine Runde, nur so zum Spaß, und noch eine. „Gell, Mama, man kann´s so drehen, daß nichts rausfällt, obwohl es doch eigentlich rausfallen müßte!“ Meine Sechsjährige hat das erkannt, was wir als eine Trägheitskraft kennen.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (42)

Gottfried
5. März 2013 09:37

"Traurig, traurig, traurig" ....
Kam vor einigen Monaten mal am Fußballplatz meines Geburtsstadtteiles vorbei, kein einziger Blondschopf unter den elf Mannen, kein Spieler dabei, den ich auch nur entfernt als Landsmann wahrgenommen hätte.
Erinnere mich dabei noch an die Gesichts- und Wesenszüge des ersten Ausländers überhaupt, ein junger italienischer Arbeiter, der sich dort in den 60ern niedergelassen hatte. Ein lustiger dauergrinsender Geselle, Sensation und Gesprächsthema für Wochen, mehrheitlich nach einer gewissen Beobachtungsphase für "ganz in Ordnung" befunden.
Dann gab es noch ein, zwei Kilometer weiter ein Wohnwagenlager der Zigeuner. Mag sein, daß es über diese hier und dort negative Urteile gegeben hat, daß es auch negative Vorfälle gab. Grundgefühl als Kind, das die unendlich fremd waren. Ein wenig so, als wären mit deren vier oder fünf Kindern, die man aus sicherer Ferne auf dem Schulhof beäugte, Marsmenschen auf Erden gelandet.
Jeglicher Vergleich wäre müßig gewesen, das humanistische Gleichheitsdiktat, zumal unter Kindern, hatte sich damals eben noch nicht durchgesetzt.

Mal als kleine Detailkritik an dem exzellenten Artikel: "Authochthonie", das klingt ja noch negativer als Bluthochdruck. "Nasses Wasser", "autochthone Deutsche", müssen wir das Vokabular des Feindes weitertragen, indem wir es selber verwenden?

Albert
5. März 2013 10:33

Schrecklich... ich weiss nicht, ob ich so cool geblieben wäre.

Nicht ganz so drastische, aber in der Tendenz ähnliche Erlebnisse habe ich hier im rheinländischen Speckgürtel auch schon mehrmals gehabt - Herablassung von kinderarmen/-losen, begüterten, mittelalten Restdeutschen, wenn diese sich durch Kinder und Kinderlärm in ihrem ruhigen, ausländerfreien Habitat gestört fühlen.

Das Gefühl des Hasses auf diese satte Generation, die ihre Lebenszeit in den fettesten Jahren der Bundesrepublik zugebracht hat, durchfährt mich dann jedesmal. Diese Leute haben niemals die negativen Seiten der Überfremdung kennengelernt und gleichzeitig zum Volkstod beigetragen.

Was mich besonders verstört und frustriert, ist das Gefühl, daß die Merkels, Wulffs, Westerwelles, de Maizieres usw. zu genau dieser Gruppe zählen - dass die, die uns regieren und die unser Land lenken, niemals in ihrem Leben Erlebnisse hatten wie Ellen Kositza auf dem Schulhof.

Wir sind ganz offensichtlich verkauft und verraten...

Jedesmal, wenn ich solche Erlebnisse habe, denke ich an meinen ersten Besuch auf einer Tagung des IfS 2006 (oder 2007?) in Berlin im Logenhaus zurück: KHW hielt einen Vortrag über "Lob der Krise" - die bestimmt kommende Krise würde diese Krankheiten und Fehleentwicklungen offensichtlich werden lassen und zur Heilung beitragen.

Nun - inzwischen haben wir bald 5 Jahre Krise, und nun überfluten auch die Zigeuner unser Land. Mittlerweile sind zwei Wellen rechter Gegenöffentlichkeit (ksa, generation identitaire) geräuschlos verpufft.
Nix hat sich getan... Nix hat sich gebessert...

Ich tröste mich zwar noch mit Lichtmesz' Metapher von den fröhlich scharwenzelnden Kaulquappen in der austrocknenden Pfütze, aber auch hier geht mir langsam, aber sicher die Hoffnung aus...

eulenfurz
5. März 2013 10:35

Daß diese mysteriösen Rentner tatsächlich existieren, die in den antirechts/zivilcouragen Erlebnisberichten immer wieder unschuldige Menschen mit "Unter Hüttler hätt's das nicht gegebenen" oder "Hüttler hätte Sie vergast" malträtieren - wer hätte das für möglich gehalten?

Der obige Zustandsbericht zeigt eine Realität auf, die bislang in 3, 4 oder 5 % der deutschen Landstriche auftritt. Tendenz steigend - das Krebsgeschwür breitet sich aus. Ein Volk, das der Welt nichts mehr zu sagen oder zu geben hat, tritt von der Bühne ab.

Importprimat
5. März 2013 11:49

Die Beschreibung Offenbachs ist zutreffend und noch recht milde. Tatsächlich gelten Rhein/Main und besonders Offenbach in der Migranten Community als hartes Pflaster, wer Bildung erlangt hat, verlässt die Gegend. Es ist fair zu erwähnen, dass nach einer ethnischen Säuberung Offenbach eine Geisterstadt wäre. Raum ohne Volk.
Für Kinder braucht es (salopp gesagt) Optimismus. Ich lese hier die Beiträge und frage mich ernsthaft, was an diesem konservativem Gejammer attraktiv sein soll. In jedem zweiten Beitrag wird die gute, alte Zeit beschworen und die Gegenwart als Katastrophe empfunden. Ich war einer der ein bis zwei Ausländer, die es früher in der Klassenstufe gab und ja, es war eine wundervolle Zeit mit Dialekten, Vereinen und Gebräuchen. Ich bin erstaunt, mit welcher Hingabe Ernst Jünger diskutiert wird, ohne auf den Zerfall der dörflichen und kleinstädtischen Strukturen einzugehen. Wer sich für Senioren in der katholischen Nachbarschaftshilfe engagiert, hat ein Vertrauen in die Zukunft, weil er Teil eines Ganzen ist und weil er weiß, dass er nicht alleine ist. Das können Kitas und Kindergeld nicht ersetzen. Ich unterstelle, dass dies mit einer Elitären Ernst-Jünger Attitüde, die hier von vielen kultiviert wird, nicht machbar ist. Kurz: das elitäre Gejammer über Verfall und die mangelnde Bereitschaft anderen zu dienen (Keks-Wichsen beim Bund zählt nicht)in den Kommentaren, erinnern mich sehr an den dicken, hässlichen Deutschen aus dieser Geschichte. Es macht halt mehr Spaß in einer Burschenschaft zu saufen und über Migranten herzuziehen, als sich um Oma zu kümmern. Dort, wo Kultur wieder anfangen könnte, hört sie leider in der elitären Szene wieder auf.
Ist mein Eindruck falsch?

Alexander
5. März 2013 12:39

Ich kenne solche Situationen auch. Wir, drei Jungs im Gepäck, und eine alleinstehende Freundin, drei etwa gleichaltrige Mädels aus einer Ehe, also insgesamt neun Personen, gingen des Öfteren, sonntags, Hand in Hand spazieren. Wir machten uns breit. Scheele Blicke und gehässige Bemerkungen begleiteten unsere Wege immer. Sogar die Partei wurde damals vorstellig, wohl um sich zu vergewissern, dass dies keine systemfeindliche Demo war. Im Magdeburger Stadtpark wurden wir immer dann zu Sensation, wenn sich unserem obligatorischen Sonntagspaziergang noch ein paar Freundinnen meiner Frau anschlossen. Sie brachten ebenfalls ihre Kinder mit. Manche Kaffee- oder Würstchenbude verfiel in regelrechte Panik, wenn unsere fröhlich lärmende Meute anrückte.

Als einziger Mann in diesem emanzipierten Harem hatte ich damals alle Hände voll zu tun, denn nach dem Sonntagsbesuch sah unsere Wohnung aus, wie nach einem alliierten Bombenangriff, wie meine Großmutter einmal ironisch anmerkte, die sich herzallerliebst um die Kindlein mühte. Ich war damals die Ordnungsperson, der Familienpolizist (Alle Frauen: "Nun tu doch mal was, Alex"), den Klein-Liebchen mit heruntergezogenen Lippen und schmachtenden Augen anhimmelte, wenn ich mich zu einer Standpauke anschicken wollte. Jungs waren immer einfacher zu ordnen, denn ihnen reichte die Demonstration körperlicher Stärke aus, um sie im Gleichschritt zu halten. Jedenfalls solange, wie man nicht hinguckte.

Trotz der immanenten Feindseligkeit, die man hierzulande reichlichen Kindersegen entgegenbringt - ich möchte die Zeit nicht missen, in der mich meine kleinen Hosenscheißer auf Trab hielten und um den Schlaf brachten. Es war die schönste Zeit meines Lebens.

tacitus
5. März 2013 12:47

Sie beschreiben hier ein in der Gegenwart häufig anzutreffendes Phänomen. Der einzelne, ein Standpunkt hat sich überhaupt nicht geändert, nur die Umwelt ist inzwischen eine andere geworden. Und vor diesem neuen Hintergrund erscheint man selbst/eine Anschauung plötzlich extrem.
Auch ich kenne das, was Gottfired geschildert hat, aus eigenem Erleben. In meiner Schulzeit stellten die Blondschopfe noch die Mehrheit auf dem Pausenhof, einzelne schwarzhaarige "Ausländer" stachen hervor, jedoch verursachte ihr Auftauchen niemals so negative Assoziationen, wie sie offenbar heute unter umgekehrten Vorzeichen ausgelöst werden.

Biobrother
5. März 2013 13:22

Ich lese gerade ein ganz interessantes Buch des bekannten Evolutionsbiologen Edward O. Wilson (angeblich der derzeit bekannteste Biologe), mit dem Titel „Die soziale Eroberung der Erde“. Kernthese seines Buches ist, dass gerade bei der Weiterentwicklung des Menschen und menschlicher Gesellschaften die Gruppenselektion als entscheidendes Prinzip neben die Individualselektion tritt, wobei ersteres Prinzip letzteres sogar deutlich ausstechen kann. Unter den als „Tribalismus“ (Stammeskultur) zusammengefassten Elementen der Gruppenselektion nennt er neben den allgemeinen soziokulturellen Überlieferungen v.a. auch die Religion, die er als Atheist nicht in einer transzendenten oder heilsbezogenen Weise betrachtet, sondern als wesentlichen Erfolgsfaktor und „Kitt“ tribalistischen Gruppenzusammenhalts; damit liefert er in gewisser Weise auch eine Erklärung für den lang anhaltenden Erfolg gerade traditionalistischer und strenger Religionen, die die individuelle Entfaltung zurückdrängen und stattdessen sittsame Selbstbeschränkung und Opferbereitschaft im Dienste der „eigenen Leute“ lobpreisen, wobei zusätzlich natürlich auch religiös basierte Netzwerke solidarischen Zusammenhalts hinzukommen. Meines Erachtens ein überzeugender Gedanke, der ganz gut veranschaulicht, wer warum im Fortpflanzungswettstreit die Nase vorn hat. Erst recht, wenn dann noch ein Steuer- und Sozialsystem hinzukommt, das die eh schon kinderarmen „Individualisten“ schwächt, die andere Seite aber, in der fragwürdigen Hoffnung, dafür von fremdkultureller Seite wiedergeliebt zu werden, eifrig pampert.

Unnötig zu sagen, dass man hier selber - als Kind der westlichen Kultur - zwischen dem Wunsch nach maximaler individueller Freiheit und dem heimlichen Gedanken, dass das angesichts obigen Sachverhalts vermutlich kein wirklich tragfähiges Zukunftskonzept sein wird, hin- und hergerissen sein kann.

Rumpelstilzchen
5. März 2013 13:45

Diese von ihnen sehr anschaulich beschriebenen Verlust- und Entfremdungserfahrungen machen in diesen Zeiten zahlreiche Deutsche .
Man könnte Bücher füllen mit solchen Erzählungen.
Stadtteile verändern sich mit einer solchen Geschwindigkeit, dass man sich wirklich fragt, wo noch Heimat ist. Kirchen werden geschlossen, Vereine haben keinen Nachwuchs, einheimische Paare keine Kinder mehr.
Meine alte Mutter engagiert sich noch für den Heimat- und Geschichtsverein ihres zerfallenden Stadtteils und ich frage mich, wen interessiert das noch in 10 Jahren?
Ich ertappte mich schon bei dem Gedanken, dass es selbst die Vertriebenen besser hatten, sie bauten in der Fremde eine neue Heimat auf.

Die heutigen Deutschen haben nicht mal mehr die Vision einer neuen Heimat.

Was der Krieg nicht geschafft hat, schafft, ja was oder wer eigentlich?
Noble Stadtviertel als Rückzugsort oder Rittergüter für die letzten instinktsicheren Deutschen können ja auch nicht die Lösung sein.
Und warum sollte man sich für den feisten deutschen Rentner überhaupt einsetzen, wenn man ihm eigentlich lieber einen Beutel um die Ohren schlagen will ?
Aber, es ist gut, wenn diese Zustände anschaulich geschildert werden und ich bewundere ihre Unerschrockenheit und Stärke, Frau Kositza.
Ich denke an die "Welt von gestern", lese die "Tag - und Nachtbücher", bin melancholisch wie Brecht:
" Von diesen Städten wird bleiben, der durch sie hindurchging, der Wind!"
Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.

Toni Roidl
5. März 2013 15:37

Die Geschichte ist furchtbar traurig und deprimierend.

Aber ehrlich gesagt, glaube ich, nicht repräsentativ. Ich erlebe in meinem (überwiegend BRD-/links sozialisiertem) Umfeld jedenfalls oft das Gegenteil. Ein zaghaftes Äußern von Unbehagen, unerwartet offene Worte des Missfallens, goldige Übungen eines neu erlebten, diffusen Patriotismus - also insgesamt leichte, aber zunehmende seismographische Erschütterungen des Systems. Eine wachsende Gereiztheit, ein lauter werdendes, genervtes Grummeln. Vielleicht weil die Ursachen für die Trägheit - langer, langer Frieden und vorgefundener Wohlstand - spürbar erodieren?

"Unter Hitler hättense euch..."-Sprüche von deutschen Spießern habe ich jedenfalls zuletzt in den frühen 80er Jahren gehört.

Schnippedilderich
5. März 2013 17:31

Einige Kilometer Mainaufwärts schlenderte ich auch mal über den Schulhof meiner Kindheit. Das uralte Städtchen ist im Gegensatz zu Rumpenheim ein wirkliches Kleinod deutscher Geschichte, gesegnet mit Erinnerungen bis auf die ferne Römerzeit und ein Bewußtsein davon hat sich bis heute erhalten.
Wer sich dort als deutsch bezeichnet, tut dies auf tiefere Weise als jene Jünglinge, die sich umständlich auf Preußen beziehen ...
Aber ich wollte ja nur eine aktuelle Impression von der großen Pause der einstigen Volksschule geben. Die Kinder sprechen jetzt alle Fernsehdeutsch.
Nichts ist mehr zu vernehmen vom gemütlichen, nasalen Hessisch , wie es einst um Frankfurt herum selbstverständlich war. Die Eltern versuchen auf groteske Weise den vermeintlichen Wohlklang dieses Neudeutsch den Kleinen gegenüber zu imitieren, sofern sie noch lokale Wurzeln haben. Es werden so die Kinder zu Sprachlehrern gegenüber den Alten, die den Mut zum Dialekt schon früh aberzogen bekamen. Solch ein Verlust der Sprachtradition, der heimatlichen Tonart kann noch befremdlicher sein als die schleichende und immer sichtbarer werdende Umvolkung. Der alte Klotz von Schulgebäude soll übrigens mangels altstädtischen Nachwuchses abgerissen werden. Dafür Kriegen wir eine Moschee. Aufbauen und Niederreißen gehen ganz unkriegerisch Hand in Hand.

Waldgänger
5. März 2013 18:51

Danke, Frau Kositza, für diesen aus dem Leben gegriffenen Bericht.
Ich könnte ähnliches schreiben ... wie fast jeder von uns.

Bemerkenswert scheint mir die Erwähnung und Darstellung der räumlichen Trennung, der ethnischen Segregation.
Die Gruppen, die Völkchen bleiben unter sich.

Das dürfte für die Zukunft der vorherrschende Trend sein und bleiben. Wer es sich leisten kann, zieht in die Vororte, in die Speckgürtel, wo er in relativ homogenen Verhältnissen leben kann. In Verhältnissen wie in den Jugendjahren in den 1960ern oder 1970ern. Oder gar noch weiter aufs Land.

Wer sich das nicht leisten kann, der wird in der eigenen Stadt zur an den Rand gedrückten Minderheit, der ist zu bedauern und in seinem Ärger zu verstehen.

.....

Nebenbei ist es diese jetzt schon stark ausgeprägte Segregation, die auf deutscher Seite die Wahrnehmung und Lösung der vollen Dimension der Probleme so erschwert.

An der Alster in Hamburg, auf den Hängen des Taunus, im Münchner Umland, in Berlin-Nikolassee lässt sich trefflich über das reden, was man selbst aus eigener Praxis gar nicht kennt ...
Duisburg oder Neukölln sind da weit weg.

Dass solche Verhältnisse lange so bleiben können, zeigen uns die USA. Man sehe sich nur einmal die ethnische Aufteilung der Stadtteile von Washington/DC an.

Ann Newton
5. März 2013 19:09

@Importprimat
Da schreiben Sie mir aus dem Herzen!Ich verfolge erst seit einiger Zeit die Beiträge und Kommentare der Sezession und mich beschleicht ein ähnliches Gefühl. Sich um Oma kümmern soll sich eher die Frau im Dirndl - das Dirndl wenn man sich so manche Identitäre Facebookseite anschaut. Kann ich meiner Tochter raten, da mitzumachen?Je nackter die Mädels umso weniger Muslima umso identitärer -hä? Ich weiß nicht, ich weiß nicht...

Weltversteher
5. März 2013 19:52

Ach Quark, Rittergüter (die haben nur das Haus!), katholische SeniorInnenbetreuung, maximale individuelle Freiheit.

Protoplan für unglückliche konservative Denker:
Erst einmal heiraten, schön hetero, immer paarweise. Dann eine Siedlerstelle kaufen, vorzugsweise in Mitteldeutschland: Dach über dem Kopf, mindestens einen Morgen Grund. Ab 5000 Ewro aufwärts, kann jeder. Das weitere folgt naturgemäß: Werkeln (dabei geschickt werden), Gärtnern (dabei reich ernährt werden), Schnackseln (davon Kinder-reich werden).
Verhungern wird dabei schon keiner. Recht viele werden eine Möglichkeit finden, dabei noch etwas zu erwerben.

Und je mehr so handeln, um so dichter kommen sie an einander, so daß sich die zarten Bande einer Schicksalsgemeinschaft knüpfen.

So, liebe Tagträumer. Nun möchte ich mal wissen, was daran nicht recht sein soll, welche Schmetterlinge ihr lieber fangen möchtet? Diesem Plan steht kein Gebäude an unerfüllbaren Vorbedingungen im Wege, und die Rettung winkt nicht erst ganz vielleicht, am Ende, nein, überströmendes Glück wird unmittelbar von Euch geschaffen.

Wenn Ihr das nicht packt (oder etwas nach Belieben, das jedoch darüber hinausgeht), dann hat der Herr Importprimat wohl recht. Dann hockt euch mit 'nem Buch in den Wald. Jeder auf seinen Stubben. Dann geht unsere Welt eben ohne euch unter.

OJ
5. März 2013 20:04

Dieses Sich-Ergötzen in Endzeitstimmung in den Kommentaren auf dieser Seite kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Dann geht doch alle sterben, "echt ey".

Ohne Führerschein
5. März 2013 20:56

In der Tat ein wunderschöne Gegend in der Sie ihre Kindheit verbracht haben. Als Stadtkind bin viele Sommer mit dem Fahrrad in ihre Gefilde geradelt um zu machen was Jungs in einem gewissen Alter eben gerne so tun - Feuer machen, mit der Steinschleudern Unsinn treiben, schnitzen... trotz mehrfacher Versuche mit Feuerzeuggas haben mein Kumpel und ich es nie geschafft den alten verbunkerten Unterstand am Main zu sprengen ;-)

Mein Abitur haben ich u.a. im Schloßpark gefeiert, was wohl einen der damals schon vorhandenen "Wutbürger" auf den Plan rief, der, anstatt seinen Mißmut pers. vorzutragen, die Polizei rief. Zu meiner Überraschung liessen uns die Polizisten gewähren, damals ('96) ging man bei der Offenbacher Polizei wohl noch davon aus dass ein Abitur tatsächlich auch ein Reifezeugnis darstellt, vielleicht war es auch die Tatsache dass die üblichen Verdächtigen massiv unterrepräsentiert waren. Vielleicht war es auch die Kombination aus beidem, wer weiss.

Ob dies dem Drang "Zurück zur Natur" geschuldet war vermag ich heute nicht mehr nachzuvollziehen, sicher hatte es aber etwas mit den wahrhaft kriminellen Zuständen in der Innenstadt zu tun die eine normale Kindheit/Jugend nahezu unmöglich machten ohne dabei nicht mit in den Sog gezogen zu werden. Es waren nicht einmal meine Eltern die mich nicht mit den "Schmuddelkindern" spielen lassen wollten, irgendwie kam ich selbst auf den Trichter dass ich dort nichts verloren hatte (ausser dort wohnen zu müssen).

Scho seit längerem sind meine Eltern aus der Stadt in ihr nettes Dorf geflüchtet, sodaß ich, ebenso wie Sie, dort häufiger anzutreffen bin. Daher weiss ich dass die Neubaugebiete am Ortseingang teilweise von der städt. Baugesellschaft erschlossen wurden. Und wie das immer so ist wenn die Öffentliche Hand ein Geschäft machen will ging die Sache in die Hose, für die gebotene Qualität zu hoher Preis, zudem war man zu spät dran, es war die Zeit der Rekordarbeitslosigkeit Anfang der letzten Dekade als Rot/Grün gerade Hartz IV auf den Weg brachte und Deutchland als "Der kranke Mann Europas" galt. Böse Zungen behaupten die Ladenhüter seien - ganz dem Offenbacher Kredo folgend - Migranten zugewiesen wurden, wobei man dazu sagen muss dass dem Stadteil zumindest die ehemaligen Bewohner des Lohwalds erspart wurden, wo übrigens erst vor wenigen Jahren die nächste Investitionsruine der öffentlichen Hand enstand ("Schöner wohnen zwischen Einflugschneise und Schienenverkehr"). Nebenbei bemerkt ist der Stadtteil einer jener Orte die ein Herr Ulfkotte in seinem Buch "Vorsicht Bürgerkrieg" als einen der zahlreichen "Explosionsorte" aufführte, obwohl konkrete dieser zu Zeitpunkt der Veröffentlicbung schon einige Zeit physisch nicht mehr existent war.

Aber genug von unterdurchschnittlichen Autoren und des schwelgens in Offenbacher Erinnerungen.

Die von Ihnen so treffend beschriebene Sandwich-Position zwischen migrantischen "Mitbürgern" und übersaturierter 68'er Generation (man muss nicht mitgemacht haben um dazu zu zählen) ist mir nur zu gut bekannt. Gerne tragen sie Jack Wolfskin Funktionsjacken mit bequeme Turnschuhe, "jungeblieben" gerieren Sie sich und lassen dabei nicht selten Manieren nach dem Motto "Ich bin Rentner, ich darf mich vordrängeln" (zumindest bei Landsleuten) vermissen.

Im Supermarkt greifen sie zu Bio-Produkten, kaufen ansonsten vermeindlich lokal (Wochenmarkt) ein - "Think global, act local". Es sind jene, die auf den Bionade-Zug aufsprangen als diese in alternativen Kreisen en vogue wurde und wieder absprangen als der Preis erhöht wurde. Die "Bionade-Spiesser aus dem Rotweingürtel" sind eben zuallererst ökonomisch und erst nachrangig ökologisch oder politisch korrekt. Erst kommt das Fressen, dann die Moral...

Es ist die Generation der Kinder des Wirtschaftswunders bei der sich die Frage ob man ein Leben lang einen Arbeitsplatz haben würde nicht stellte, sondern lediglich wie weit man aufsteigen würde. Es war die letzte Generation die nicht privat vorsorgen musste um der Altersarmut (das Wort kannte man seinerzeit nicht einmal) nicht anheim zu fallen, mehr noch, die Frau konnte daheim bleiben, der Mann brachte ausreichend Geld nach Hause. Als Sahnehäubchen blieb u.U. sogar noch genug übrig um sich zumindest ein bescheidenes Eigenheim zu finanzieren. Dinge, die folgenden Generationen nicht einmal zu träumen wagen. Es ware diese Generation welche die Grünen in den 80'ern hoffähig machte weil eben "doch etwas dran ist".

Ein wenig Revoluzzertum fliesst immer noch in ihren Venen, einige lokale Grössen demonstrieren (besser: zelebrieren) ihren "Widerstand" gegen den Fluglärm am Frankfurter Flughafen, Zeitungsberichten zufolge eine Art Wutbürger-Kaffeeklatsch für - genau - junggebliebene Jack Wolfskin-JackenträgerInnen mit reichlich Zeit und zudem eine gute Gelegenheit der arbeitenden Bevölkerung in der S-Bahn sowhl Sitzplätze als auch Ruhe durch unablässiges, seichtes Gelaber streitig zu machen.

Für einige dieser Generation bracht die heile Erwerbswelt Ende der 90'ern zusammen, man versüsste ihnen den Abschied mit Frühverrentung und Beschäftigungsgesellschaften, die zwar immer brav den Lohn zahlten, aber nie eine Gegenleistung verlangten - alles letztlich auf Kosten folgender Generationen ("Das ham' wir uns verdient" *träller*).

Es macht mich wütend von dieser Generation im Stich gelassen zu werden. Sie wollen einfach nicht erkennen dass die Ideale ihrer Generation ursächlich für die aktuelle Misere sind, mehr noch, sie erkennen die Situation nicht einmal an. Für sie bestehen Migranten aus dem Patrone des örtlichen Italieners oder dem netten Türken vom Gemüseladen. Das migrantische Prekariat gehört nicht dazu, sonst würde u.U. noch die Illusion des aufgeschlossenen und toleranten Weltbürgers ins Wanken geraten, an dem man doch so lange gerabeitet hat. Alles soziale Probleme, mit kulturellen oder gar etnischen Eigenarten hat das nichts zu tun.

Ich fürchte gar ob dieser Situation zum Zyniker zu werden, würde ich dem autochthonen Hitler-Sager eine intensive Begegnung mit den migrantischen Hitler-Sager nicht nur gönnen, sondern sogar wünschen.

Für mich bin ich zu der Überzeugung gelangt dass diese Generation Teil des Problems ist. Man hat den Staat, an den man (noch?) verbissen glaubt, selbst mit geschaffen. Die Politik liefert - Demographie sei Dank - auch. "Die Jungen" sind doch selbst schuld, sollen sie es halt so machen wie man selbst, so schwer kann das doch nicht sein.

Wenn Sie prophezeien dass dieser schnuckelige Stadteil in 10 Jahren ebenso migrantisch dominiert sein wird wie der Rest Offenbachs (womit sie wohl Recht behalten dürften) merke ich wie Schadenfreude in mir hochkommt, wobei ich mir bewusst bin dass es das genau Gegenteil dessen ist, was ich möchte.

Das ist zutiefst destruktiv und ich erschrecke fast vor mir selbst, aber die Gedanken sind nunmal so frei dass man sie kaum zu kontrollieren vermag, vorallem die eigenen.

Es verhält sich wie in diesem alten Witz:
"Der Optimist denkt wir leben in der besten aller Welten, der Pessimist fürchtet dies sei wahr."

Kurze Zeit schöpfe ich Hoffnung als die Identitären hochkamen. Endlich formuliert eine junge Generation ihre Interessen, dachte ich mir. Die Euphorie ist mittlerweile wieder dem Pessimismus gewichen, Ein Kommentator schreib letzte Woche hier auf der Sezession bzgl. Identäre dass er lieber erstmal in Ruhe sein Studium zuende bringen möchte um "das System von innen zu verändern" statt sich in öffentlichen Aktionen verheizen zu lassen. Ohne jemanden beschimpfen zu wollen meine ich in diesen Worten das hässliche Antlitz der nächsten Generation politisch-korrekter Wutbürgern zu erkennen.

Kiki
5. März 2013 21:15

Ja, ja - selbst in Dörfern der tiefsten Westprovinz vermitteln die Schulhöfe während der großen Pause den Eindruck, man wäre in Kabul, Gaziantep oder Kinshasa.

Und unschöne Streiflichter dieser Art sind täglich Legion.

Eine zeitlang war ich irritiert bis verzweifelt, doch inzwischen ist mir klar, daß unsere Lage der römischen in der Spätantike entspricht.

Irgendwo hockt hermetisch abgeriegelt von allem irdischen Ungemach eine Art von Regierung, die tagelang über die Farbe von Vorhangsstoffen oder dem Freßverhalten der Hofhühner debattiert, während im Rest des Reiches buchstäblich der Teufel los ist.

Damals wie heute hat man es einerseits mit debilen Marionetten an der Staatsspitze zu tun und mit Heerscharen verblödeter Wohlstandswanzen auf der anderen Seite, deren geistiger Horizont nicht mal vom Kopf bis zum Brett davor reicht - zur behaglichen Verdauung und zur wohlstandssichernden Kindstötung reicht die Energie aber allemal. Wer sich selbst aufgegeben hat, hält nichts und niemandem mehr stand.

Wahrscheinlich ist es in der Natur einfach so, daß Völker entstehen, blühen und vergehen - daher ist es mit dem, was einst das Abendland war, schlicht und ergreifend vorbei und wenn Barbarei unser aller Zukunft ist, dann will ich mir wenigstens aussuchen, in welcher Variante der dritten Welt meine Kinder und ich leben müssen.

Troiani fuimus.

Schnippedilderich
5. März 2013 21:39

@OJ

Wenn Sie, werter Mitkommentator, aus der beklagten Untergangsrhetorik die nötigen Schlüsse ziehen, wäre der Sache der Morituri schon sehr geholfen!

Schopi
5. März 2013 22:05

Gefährlich für uns wird wohl in Zukunft eher der Schulhofhitlerismus der Schwarzgelockten. Werden dann Blonde rassistisch verfolgt?

Der dicke Rentner ist harmlos und Sprüche wie "so einen Kleinen bräuchten wir noch mal..." sind äusserst selten, das war einmal, in den 60er, 70iger Jahren. Heutzutage traut man sich das nicht mehr.

Bis jetzt ist es den Blonden ja noch nicht verboten worden, sich fortzupflanzen, also muß es da noch andere, schlummernde und unbewußte Gründe, für die Verweigerung geben.

Für meine westdeutsche Kleinstadt kann ich "Offenbacher Verhältniss" nicht bestätigen. Hier könnten Sie, liebe Frau Kositza mit ihren Kindern, unbehelligt über den Pausenhof spazieren. Bei einem Auländeranteil von ca 20% ist alles soweit im grünen Bereich.

Ellen Kositza
5. März 2013 22:38

Daß die spießerdeutsche Retroprophezeihung "Unter Hitler hätt man euch..." hier von zwei Kommentatoren in ihrer Authenzität angezweifelt wird, mag daran liegen, daß diese Kommentatoren nie "anstößig" (aus Sicht des Retroprophezeienden) auftreten. Ich weiß noch genau, wann ich den Spruch zum vorletzten Mal an den Kopf geworfen bekam, nicht das Datum, aber die Situation: Ich kam, ein paar Jahre ist´s her, zu einer Veranstaltung (JF? IfS?) zum Frankfurter "Haus der Heimat". Ich mit Doc-Martens-Stiefeln und Parka, mein Begleiter leger gekleidet und mit Zopf. Vor dem Haus eine kleine aufgebrachte Antifa-Demo. Ein Herr, vielleicht Spaziergänger, vielleicht (hoffentlich nicht) Besucher der Veranstaltung, rechnete uns spontan dazu, uns ins Gesicht keifend: "Unter Hitler hätt man euch...!" Sachen gibt´s, die glaubt man kaum. Oft ist eben jede Seite die falsche.

Martin
5. März 2013 22:51

Den Spruch "Unter Hitler ..." habe ich seit mindestens 25 Jahren nicht mehr gehört und ich kenne den typisch deutschen "Thuja-Hecken-Nazi" zur Genüge ... (hab ja selber ne Thuja-Hecke - he, he ...) ... der ärgert sich lieber ein Magengeschwür und hat im "Hobbykeller" mehrere Regale mit Akten seiner letzten Rechtsstreite gegen Gott und die Welt, als laut etwas zu sagen. Aber das ist unter literarische Freiheit abzuhaken und gibt einen guten Kontrast zur "Kanak-Story" und zeigt ganz gut, woran die Deutschen leiden.

Wenn es den "Unter-Hitler ..." Spruch gegeben hat, wäre aus meiner Sicht die einzig korrekte Antwort gewesen:

"Wie sprechen Sie mit einer Mutterkreuzträgerin?"

neocromagnon
6. März 2013 02:08

Eine Kultur der Kinder- und Gottlosigkeit. Das hat ja im Grunde schon vor langer Zeit mit den Sozialismen angefangen und setzt sich bis in die Gegenwart fort. Aber wer hätte gedacht, daß die Früchte eines Tages so bitter aussehen werden. Durchtränkt von der Selbstliebe mit ihrem immanenten Hass auf das Leben. Da bleibt wirklich nur noch beten und bitten.

Peter Niemann
6. März 2013 05:14

Eindeutig geschildert, klar interpretiert. Wir im Westen sind in jener faszinierenden Situation, dasz wir im Makrokosmos unermeszlich stark sind (s. z.B. zuegige Unterwerfung Malis durch Frankreich, Afghanistaninvasion der USA etc.), im Mikrokosmos jedoch zahnlos. Das fuehlt sich graeszlich an fuer uns Urspruenglichwestliche, voellig einfach nachzuempfinden fuer uns Identitaersensiblen.
Wer wenigstens Kinder hat hat damit gezeigt, dasz er den Raum auch nach seinem Ableben nicht aufgeben wird. Die sicherste Antwort angesichts der schwierigen Kontermoeglichkeiten im starken Geflecht der modernen westlichen Gesellschaft mit ihren subtilen Zwangsmechanismen. Danke E.K., dasz Sie es stets so klar aufzeigen!

Toni Roidl
6. März 2013 08:22

"Antifa-Demo. Ein Herr, vielleicht Spaziergänger, vielleicht (hoffentlich nicht) Besucher der Veranstaltung, rechnete uns spontan dazu, uns ins Gesicht keifend: „Unter Hitler..."

Da hat sich der Herr aber (doppelt) geirrt. Unter Hitler wären die Antifanten nämlich ein SA-Trupp gewesen.

Schopi
6. März 2013 08:32

Mit den heutigen "Rentnern" ist eine Sache für sich. Mag sein, daß hier oder dort die Vergangenheit verbal hochghubelt wird um Andere herablassend anzusprechen.
Nur: Typisch ist für diese Generation heutzutage eher folgendes:

Zu Fuß gehen die Wenigsten, meistens sind die Autos dicker, als die Benzinkutschen derer, die denen die Rente bezahlen.

Meistens erscheint man jung, so mit Baseballkappe und sportlicher Kleidung.

Man gibt sich "weltoffen" und "tolerant".

Auf der Bank hat man ein kleines Aktiendepot, wählt aber eher grünlinks, wegen der Ausbeutung und Diskriminierung der Zukurzgekommenen.

Man reist um die halbe Welt, kennt fast jedes Kreusfahrtschiff mit seinen multikulturellen Hungerlöhnern als Personal.

Oder man bevölkert ganzjährig Deutschlands Strassen mit den teuren Wohnmobilen, für die es seit einigen Jahren auch in jeder Stadt "Zapfstellen" gibt.

Diejenigen Keiferer unter der heutigen Rentnergeneration sind eher die, welche notgedrunegen zum "Vergnügen" auf das Wasserhäuschen und Kleingarten beschränkt sind.

Rumpelstilzchen
6. März 2013 09:30

@Importprimat

Ich habe keine "Ernst Jünger Attitüde" und "ergötze mich auch nicht in der Endzeitstimmung".
Ja, und ich kümmere mich tatsächlich auch um die letzten alten Frauen in meiner katholischen Gemeinde.
Trotzdem beschleicht mich Wehmut.
Ich neige eher zur Haltung des "letzten Mönchs von Tibhirine" als dass ich zum Zyniker werde (@ohne Führerschein).
Ja , auch ein linker ZEIT Journalist hegte offene Sympathie für die Schläger der Münchner U-bahn, die einen Rentner zusammenprügelten, der sie aufgefordert hatte, die Zigaretten auszumachen. Solchen Spießern gönne er das.
Sie sollten gegen ihre destruktiven Gedanken angehen, ohne Führerschein.
Auch wenn sie provoziert, die Generation Jack Wolfskin im Alnaturamarkt.
Ja, und ganz schlimm finde ich die silver ager magazine:
"So finden sie das beste Altersheim, sie müssen auch im Alter auf nichts verzichten."
Und dann die unverschämt fitten Senioren auf dem Titel.
Als Nächstes:Das perfekte Sterben. Optimales Coaching bis zum Schluß!!

Importprimat
6. März 2013 10:25

@Rumpelstilzchen

Es fällt Außenstehenden auf, dass viele der elitären Rechten ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass sie natürlich die Juncker vom Rittergut wären. Ich habe bis jetzt nirgends gelesen, wer eigentlich der Stiefelknecht und Malocher sein wird, oder, übertragen auf die heutige Zeit, wer für 1200€ im Monat 50Stunden Fenster putzen will. In ihrem Auftritt gehen alle ganz selbstverständlich davon aus, dass sie ein authentisches Leben des 19 Jahrhunderts führen werden (nach dem Tag X), natürlich mit dem Lebensstandard der oberen 3%. Könnte es nicht sein, dass die Potenzlosigkeit der Bewegung gerade aus der Sprachlosigkeit gegenüber der dem Durchschnittsmichel resultiert? Was ich lese, erscheint mir wie die Wahl zwischen Entfremdung mit Konsummöglichkeit und der Chance auf Reichtum und Aufstieg auf der einen Seite und wahrem deutschen Leben als Stiefelputzer im Ständestaat. Wenn sie nicht ein Mensch mit elitärem Selbstverständnis wären, welche Alternative würden sie wählen? Sollte ich etwas nicht verstanden haben, lasse ich mich gerne von Ihnen belehren.

Unke
6. März 2013 11:50

Diese Begegnung mit dem übergewichtigen Rentner war zwar unschön, sollte jedoch schnell unter emotionaler Irritation abgehakt werden („Spinner gibt’s überall“).
Nachhaltiger und interpersonaler scheint mir da der Bericht aus der Schule (präziser: der Schulhofdurchquerung) zu sein, sozusagen ein Feldpostbrief aus der Genozidfront. Schon komisch, „mein“ Zahnarzt in Offenbach inklusive seiner Gehilfinnen ist deutsch. Vermutung: schon simpelste Maßnahmen wie ersatzloses Beenden der Umverteilung würde aus dem Stand die Verhältnisse radikal ändern, z.B. ganze Viertel (inkl. deren Schulen) veröden lassen. Wenn das mal keine Ironie ist: damit der Staat nicht zusammenbricht, muss er sich (qua Umverteilung = Ausplünderung der Produktiven und Künftigen) peu-à-peu selbst abschaffen bzw. auf allen Ebenen aushöhlen (bei gleichzeitiger Aufblähung – wie ein weißer Riese, der später auch in ein schwarzes Loch zusammenfällt).
.
Eines sei aus meiner Sicht ergänzt: die (teilweise Möchtegern-) Mittelklasse Vorstadtidylle ist auch nicht wirklich idyllisch. Wenn man da ohne eigenem Fortbewegungsmittel –naja, eigentlich: ohne irgendetwas- in beengten familiären Verhältnissen festhängt lernt man zu hassen. (Nicht ohne Grund ist das „urbane Wohnen“ ja so beliebt – daily commuting, anyone?) Es kommt eben sehr auf die individüllen Umstände an… und die Betreffenden wissen –unabhängig von ihrer Herkunft (vgl. die Fernsehinterviews an der Rütli-Schule in Berlin)– selbst recht früh und sehr klar, wenn sie die keine Chance haben (werden).

Veduta
6. März 2013 12:11

Als Ganz-bald-Rentnerin fühle ich mich von meinen Vorschreibern aber überhaupt nicht richtig beschrieben, sonst würde ich hier nicht regelmäßig lesen ;-)

Hingegen verzweifeln mein Liebster und ich an den schon seit langem zu beobachtenden schleichenden Veränderungen/Verschlimmerungen in unserem Heimatland. Den "Stein der Weisen", was wir als Einzelwesen dagegen tun können, haben wir trotz intensiver Diskussionen am heimischen Herd bisher nicht gefunden. Hilfsweise drückt sich das "Unbehagen" in Distanzierung auf vielerlei Gebieten aus - vor allem innerer Kündigung, solange frau noch in einem Auge des Orkans (ö.-r. Rundfunk) arbeitet.

Kurt Schumacher
6. März 2013 12:29

Frau Kositzas Erlebnis ist so verstörend, weil man bzw. frau ja dabei - als Deutscher! - so hilflos ist. Wenn sie sich an den Schulleiter gewandt hätte, mit den Worten: "Bitte schützen Sie mich vor einem verbalen rassistischen Übergriff", hätte ihr der 68er nur höhnisch ins Gesicht gelacht. Und wenn er gewußt hätte, wer sie ist, dann erst recht. Wenn er ihr nicht sogar Hausverbot auf dem Schulgelände erteilt hätte! Gehirngewaschene Bundesbürger erklären sich mit allen Völkern dieser Welt solidarisch, nur nicht mit Deutschen. Und wenn Herr Kubitschek plötzlich aufgetaucht und die Ausländer zusammengestaucht hätte - - dann wäre DAS ein rassistischer Übergriff gewesen und NICHT die verbale Attacke der Farbigen vorher! Wir leben im Land Absurdistan. - Wehrt der Deutsche sich nicht, verhöhnen und drangsalieren ihn die Farbigen (Stichwort: "Du Opfer"). Wehrt er sich, verhaftet ihn die Staatsgewalt.

Übrigens: In den Nachrichten wurde heute berichtet, daß ein Weißer in Südafrika, der Waffenbesitz zum Selbstschutz für Weiße befürwortet hatte, jetzt als Rassist gebrandmarkt wird. Eine Sprecherin der schwarzen Post-Apartheid-Regierung sagte: "Schwarz und Weiß leben in Südafrika friedlich zusammen. So steht es in unserer Verfassung. Wer das leugnet, ist ein Rassist. Also Weiße, gebt eure Waffen ab, dann herrscht Frieden."

Sicher ist Deutschland nicht Afrika. Und ich selbst bin auch nicht bewaffnet. Ich vertraue auf meine innere Stärke. Aber ich könnte mir auch denken, daß es in Südafrika 2013 sehr schwer ist, soviel Seelenkraft aufzubringen, um dort als Weißer noch standzuhalten.

Mauretanier
6. März 2013 16:02

Protoplan für unglückliche konservative Denker:
Erst einmal heiraten, schön hetero, immer paarweise. Dann eine Siedlerstelle kaufen, vorzugsweise in Mitteldeutschland: Dach über dem Kopf, mindestens einen Morgen Grund. Ab 5000 Ewro aufwärts, kann jeder. Das weitere folgt naturgemäß: Werkeln (dabei geschickt werden), Gärtnern (dabei reich ernährt werden), Schnackseln (davon Kinder-reich werden).

So wird das aber nichts. Zumindest reicht das nicht. Einmal schon zeitlich nicht, aber auch ganz grundsätzlich.

Ohne Hefe fängt der Teig nicht an zu gären, um mich mal an einer unglücklichen Metapher zu versuchen.

Oder mit Meyers Worten: Zum bürgerlichen, tragenden Element muss das anti-bürgerliche, destruktive hinzukommen.

Es ist doch wie so oft: Jeder weiß was zu tun ist. Nämlich einmal das von Weltversteher angesprochene. Und zum anderen das von mir angesprochene.

Was das jetzt genau ist kann sich wohl jeder denken. Wenn nicht auch egal.

Nur tun wills keiner.

Ein Fremder aus Elea
6. März 2013 17:26

Ich kenne leider genug reinblonde Paare, welche diesen Bunnyblick haben, ängstlich in eine feindliche, nicht blonde Welt starrend.

Das ist sicherlich Hitlers größter Flurschaden.

Ich habe einige Diskussionen zu diesem Thema verfolgt und auch an ihnen teilgenommen, und ich denke mittlerweile, daß die These, welche ein gewisser "Robert" vertreten hat, stimmt: Blonde Haare haben sich in Nordeuropa durchgesetzt, weil sie sehr robust gebaute Männer, mit sehr markanten Gesichtern und so (hüstel) etwas freundlicher aussehen lassen.

"Robert" hat allgemein die These vertreten, daß menschliche sexuelle Selektion darauf hinausläuft, möglichst babyähnlich auszusehen. Nun, ein haarloses Schimpansenbaby sieht dem Menschen tatsächlich ziemlich ähnlich, vielleicht ist ja was dran.

Yvonne
6. März 2013 18:48

@wir armen Rechten
Als Mittel gegen ausufernde Weinerlichkeit empfehle ich einfach mal ein bißchen Hass. Die feierlich-selbstmitleidige Eigeninszenierung – im elitären Fall in abgeklärter Pose - zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden durch die rechte Szene bis hin zum NW, wo bleibt der Stolz? Das passt doch gar nicht zum Rechten! Darum bitte keine Trauermärsche mehr, Hassmärsche, das wäre mal was (gut, gehört jetzt nicht wirklich auf diese Seite...).
@Importprimat
Das elitäre Gehabe gefällt mir auch nicht, hat ja aber nicht jeder hier. Da teilt sich die Rechte eben in liberal und sozial oder ist noch was dazwischen?

Ohne Führerschein
6. März 2013 21:13

@Rumpelstilzchen

Unter älteren Arbeitnehmern wächst die Unzufriedenheit mit ihrem Arbeitgeber: Etwa jeder Dritte der sogenannten Baby-Boomer-Generation fühlt sich emotional nicht mehr mit seiner Firma verbunden – und arbeitet nur das Nötigste. [...]

Dabei soll gerade die Generation der älteren Arbeitnehmer die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels in Deutschland abfangen. Das fordern zumindest Politiker und Wissenschaftler. Zwar ist die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen auf 61 Prozent gestiegen, doch diese Generation ist nach den Ergebnissen der Studie am wenigsten motiviert und engagiert.

Zum Vergleich: In der Generation der zwischen 1965 und 1979 Geborenen haben "nur" 23 Prozent keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber, in der Generation 1980-1995 lediglich 18 Prozent.

"Die ältere Arbeitnehmergeneration fühlt sich vernachlässigt", sagt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup. "Man könnte sie als vergessene Generation bezeichnen."

https://www.welt.de/wirtschaft/article114180130/Viele-aeltere-Arbeitnehmer-haben-innerlich-gekuendigt.html

Unke
6. März 2013 23:01

@Gottfried 9:37
Dito: in der Grundschule gab es eine Griechin (Vater: Taxifahrer), später mal einen Spanier, ein Besatzungskind-Mulatte, den ein- oder anderen „Jugo“, und einen (nun wirklich exotischen) Afghanen. Selbst an der (Massen-) Uni waren bis Anfang der 90er Ausländer Migranten die absolute Seltenheit. Kunststück: wir waren damals die letzte Kohorte der autochthonen „geburtenstarken Jahrgänge“.
Es sei allerdings nicht unerwähnt, dass ich damals wie heute das staatliche Bildungssystem als pervers, widerlich und menschenzerstörend betrachte(te): die Vorstellung, dass 30 „Schüler“ in einen Raum eingesperrt vom staatlich besoldeten (und ideologisierten) „Lehrer“ etwas „lernen“ ist typische staatliche Ressourcenverschwendung. Das ganze nun auch noch als Ganztagsschule zu gestalten ist nur noch zynisch.

@Importprimat 11:49

Tatsächlich gelten Rhein/Main und besonders Offenbach in der Migranten Community als hartes Pflaster,

Was ist die“Migranten Community? Wieso sollte „Rhein/Main“ (inkl. Wiesbaden, Rheingau, Taunus, …) als „hartes Pflaster“gelten?
Sorry, das ist alles Bullshit.

@Rumpelstilzchen 13:45

warum sollte man sich für den feisten deutschen Rentner überhaupt einsetzen

So geht’s mir auch. Das Kriterium „deutsch“ ist nicht wirklich eine tragfähige Grundlage. (Hypothetisches) Beispiel: hätte ich die Wahl zwischen einer deutsch-feministischen Xanthippe und einer wesentlich attraktiv-netteren Ausländerin bräuchte ich für meine Wahl nicht lange zu überlegen. „Nation“ ist etwas Abstraktes (wie, sagen wir, das Recht auf Eigentum, z.B.) und etwas durchaus erhaltens- oder wiedererlangenswertes; es bedingt jedoch, dass Sozialismus und Demokrötie zerstört werden: entweder – oder! Träger der letzteren sind nicht zuletzt Volksdeutsche… aber all’ das sind nicht wirklich neue Erkenntnisse.

@Schnippedilderich 17:31
Sie sollten sich noch ein paar Kilometer weiter mainaufwärts begeben, ins Fränkische. Mein persönlicher Favorit. Wenn man so auf einem Hügel an der Mainschleife steht; nette Städtchen (von Lohr bis Würzburg); dunkle Wälder (Spessart)…

@Weltversteher 19:52
Chapeau! Eine der besten Kommentare die ich hier bisher lesen durfte. Es ist aus männlicher Sicht ja nicht wirklich erstrebenswert, lediglich als Arbeitssklave und Zahlesel für die Nomenklatura zu fungieren. Aber>
… ohne die Frauen läuft das begreiflicherweise nicht. Ich darf daran erinnern, dass nach der „Wende“ im Osten die Mädels massenweise ihre ostdeutschen Freunde/Ehemänner verlassen haben und in den Westen ausgewandert sind, um sich wohlhabenderen Wessimännern anzuschließen.
Der Schlüssel zur demographischen Katastrophe liegt bei den Frauen, das ist nun einmal so (der Feminismus –wie die Homosexualität- als „Kult des Todes“). Vergesst den riesigen feministischen Propagandaapparat; wenn die Mädels nicht wollen (und sie wollen eben NICHT – weil dank einer Staatsquote von > 50% die Männer ihnen die Welt auch ohne Kinder zu Füßen legen bzw. ihnen ein kinderloses, bequemes Leben ermöglichen) isses nix mit der Siedlungsbewegung.
Überhaupt, der destruktive Einfluss des Feminismus (und seine –ideengeschichtliche- Herkunft und Verwandtschaft) wird noch viel zu wenig gewürdigt.

@Ohne Führerschein 20:56
Da reiht sich ja ein Klischee ans andere. Und ob Ihre subjektive Sicht

einige dieser Generation bracht die heile Erwerbswelt Ende der 90′ern zusammen

einer Überprüfung standhält kann man getrost bezweifeln: Objektiv brach die heile Erwerbswelt 1974 („1. Ölpreisschock“), spätestens jedoch Anfang der 80er („2. Ölpreisschock“) zusammen; Sie sind lediglich zu jung um das zu begerifen.

@kiki 21:15
Herrlich, sehr schön. Ich könnte noch ein paar Pointen draufsetzen, aber man soll’s (angeblich) nicht übertreiben

@Schopi 8:32
Wer als „Rentner“ hier in irgendwelchen Innenstädten herumlungernd ist eh ein Loser, richtig erkannt.

@Importprimat 10:25

Was ich lese, erscheint mir wie die Wahl zwischen Entfremdung mit Konsummöglichkeit und der Chance auf Reichtum und Aufstieg auf der einen Seite und wahrem deutschen Leben als Stiefelputzer im Ständestaat.

Hihi, da ist was dran. Wobei Weltversteher z.B., wenn ich das richtig sehe, eine Art Selbstversorger im Auge hat, nach der Devise: „hier mistet der Chef selbst!“.

@Veduta

ö.-r. Rundfunk

Arghh…. ist schon seit langem meine Vermutung: die fleißigsten Leser und Kommentierer sind ÖDler… wobei der ÖR Rundfunk die mit Abstand luxuriöseste Altersversorgung aufweist. So, und jetzt unterdrücke ich weitere Gedankengänge.

@ Kurt Schumacher 12:29
Der Vergleich mit Südafrika hinkt, und zwar ganz gewaltig. Die Weißen dort waren –bezogen auf das Staatsgebiet- schon immer die Minderheit, außerdem kamen sie erst wenigen hundert Jahren in größeren Massen dort an. Zudem verstanden sie sich nicht als „weiß“, dem perfiden Albion waren kurzfristige merkantile Interessen bzw. die Anglofizierung allemal wichtiger und es hat folgerichtig die holländischen Brüder massakriert. Kurz, es fällt mir schwer, für bzw. gegen einen de facto failed state wie Südafrika irgend etwas zu empfinden.

Bundschuh
6. März 2013 23:26

Nochmal zur Authentizität des Rentnerspruchs: Vor ca. 18 Jahren rannte ich - hellblond- mit ähnlich aussehenden Mitschüler laut durch den Schulkorridor. Die Putzfrau schrie uns an: "Wir sind hier doch nicht in der Judenschule!" Vom Alter her, kann sie den Spruch nicht mehr als Primärerfahrung aus der Hitlerzeit gelernt haben. Als ich meinem Vater (Jahrgang 44) den Ausspruch zu Hause berichtete, meinte der, "na, da wirds locker zugegangen sein!" (Und das obwohl Opa im Widerstand aktiv war). Acuh habe ich von ihm zu hören bekommen ich solle die "Negermusik" leiser stellen. Kurzum: Noch bis tief in die 50ger Jahre hinein sind wohl Sprüche dieser Couleur tradiert worden (in den 60ger Jahren saß die NPD mit bis zu 10 % in vielen Landesparlamenten). Da wird der Rentner aus dem obigen Artikel auch sozialisiert worden sein.

Kurt Schumacher
7. März 2013 00:05

@ ein Fremder aus Elea

Meinen Sie das ernst? Der Mensch entwickelt sich zum Affen zurück? Und das soll erstrebenswert sein? Nietzsche hat mal sowas ähnliches gesagt, aber ich denke, es war sarkastisch gemeint. Die Fundstelle weiß ich jetzt leider nicht auswendig. Sowas wie: "Eines Tages wird der Affe wieder vor euch stehen, diesmal aber als Ideal."

eulenfurz
7. März 2013 09:48

Nein, das „Unter Hitler ...“-Vorkommnis soll nicht angezweifelt werden, aber repräsentativ ist es kaum. Die heutige Retnergeneration hat Schopi beschrieben: das sind jene Jeansbekleideten, welche in den Rockerbanden der 50er sozialisiert wurden und vielleicht noch was von den 68ern mitbekommen haben. Daß die sich auf Hüttler berufen, ist unwahrscheinlich. Vielleicht hatte der in Offenbach auftauchende Rentner aber den Spruch noch von seinem Vater, Floskeln werden oft Generationen weitergegeben.

Was eher noch verwundert ist, daß doch heute jeder, einem pawloschen Reflex folgend, bei dem Wort Hitler zusammenzuckt, die Ohren spitzt, aufpaßt, was er wie äußert. Gerade ein Fernsehkonsument. Oder gehört der Opa zu den wenigen psychologisch Resistenten, an denen die Propaganda abperlt? Ein Urgestein, das sich der Hirnmassage entzogen hat?

@Unke
„wenn die Mädels nicht wollen“

Ich kann Ihnen sofort 10 oder mehr „Mädels“ vorführen, die „wollen“, aber angesichts eines weitverbreiteten Typus Mann, der keine familiäre Verantwortung übernehmen will, der „frei“ auch in seiner „Beziehung“ sein will, der Individualist und Narzißt ist, der lieber Jobs und Hobbys pflegt, als mögliche Kinder, dem der Pudel einer seiner Sexbekanntschaften bereits zuviel ist... verzweifeln diese „Mädels“ regelrecht.

Den demographischen oder soziokulturellen Niedergang allein den „Mädels“ zuzuschieben, ist zu kurz gegriffen. Eher muß man den Spieß umdrehen: Wo ist denn der „Herr im Hause“, der die Zustände ordnet?

Ein Fremder aus Elea
7. März 2013 11:59

Herr Schumacher,

ich bin nicht "Robert" und habe lediglich seiner These bezüglich der Ursache der Verbreitung blonder Haare zugestimmt, denn die Daten decken sich sehr gut mit seiner diesbezüglichen Ansicht.

Was die allgemeinere These angeht, sie besagt nicht, daß wir uns zu Affen zurückentwickeln, sondern nimmt an, daß wir als Menschen eine pädophile Spezies sind, daß wir einmal wie Affen aussahen, aber mittlerweile wie zu groß geratene Affenbabies ohne Haare.

Dieser These stimme ich nicht zu, kann sie allerdings auch nicht ausschließen.

Nicht alles, was beleidigend ist, ist deshalb schon wahr, aber auch nicht deshalb schon falsch.

Virtuelle Identität
7. März 2013 12:33

Liebe Frau Kositza,

vielen Dank für den erheiternden Beitrag - ich hätte wohl ähnlich reagiert.

und..

OJ: Wer keine Ahnung hat sollte vielleicht lieber die "Klappe halten"..

jack
7. März 2013 13:12

@ Bundschuh
Lesen Sie, woher der Begriff, "Wir sind doch nicht in der Judenschule" stammt, bevor Sie die Verortung, wie üblich, vornehmen, "obwohl der Opa im Widerstand aktiv war" und Sie sich ja scheinbar genötigt sehen, das Geburtsjahr Ihres Vaters explizit zu erwähnen. https://www.gra.ch/lang-de/gra-glossar/107

Was allerdings beide Begriffe miteinander zu tun haben, erschliesst sich mir nicht.

Das gleiche gilt für die "Negermusik" und den Zusammenhang mit der NPD, die glücklicherweise niemals über einen vernachlässigbaren Anteil an Wählerstimmen hinausgekommen ist.

Dass es sich bei dem im Artikel beschriebenen Rentner einfach nur um einen ungebildeten Proleten handelt, ziehen Sie gar nicht erst in Erwägung sondern folgen den bekannten Automatismen der Gutmenschen.

Der Artikel bedient natürlich alle gängigen Klischees. Und das für Rumpenheim?

F451
7. März 2013 17:22

@Unke

Sie waren wohl auch schon länger nicht mehr nachts in Wiesbaden unterwegs, oder? Was in dem Zusammenhang mit "Rhein-Main" gemeint ist, dürfte eigentlich auch jedem klar sein. Hanau, Rüsselsheim oder Griesheim und nicht Eltville oder Taunusstein. Soviel zum Thema "Bullshit".

Götz Kubitschek
8. März 2013 07:51

diskussion geschlossen.
dank! götz kubitschek

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