Wir selbst – anthropologisch

von Andreas Vonderach
pdf der Druckfassung aus Sezession 52/Februar 2013

 Gastbeitrag

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Wenn Geis­tes­wis­sen­schaft­ler und Lai­en über natio­na­le Iden­ti­tät spre­chen, mei­nen sie in der Regel die sub­jek­ti­ve Iden­ti­tät, das Selbst­ver­ständ­nis eines Vol­kes. Dem kann man die objek­ti­ve Iden­ti­tät gegen­über­stel­len – die Fra­ge, wel­che Eigen­schaf­ten ein Volk von ande­ren Völ­kern unterscheiden.

Sub­jek­ti­ve und objek­ti­ve Iden­ti­tät ste­hen in einem ambi­va­len­ten Ver­hält­nis zuein­an­der. Zum Pro­blem wur­de das erst mit der Auf­klä­rung, als man begann, sich mit der Wirk­lich­keit auf ratio­na­le Wei­se aus­ein­an­der­zu­set­zen. Auf das unge­klär­te Ver­hält­nis zwi­schen sub­jek­ti­ver und objek­ti­ver Iden­ti­tät kann man grund­sätz­lich zwei sehr unter­schied­li­che Ant­wor­ten geben.

Die eine besteht dar­in, die Fra­ge nach der natio­na­len Iden­ti­tät mit wis­sen­schaft­li­chen Metho­den zu beant­wor­ten. Das ist der Weg, den die deut­sche Wis­sen­schaft bis etwa 1970 ging. Die ande­re Ant­wort besteht dar­in, jede natio­na­le und eth­ni­sche Iden­ti­tät für fik­tiv und damit für hin­fäl­lig zu erklären.

Das ist die Ant­wort der neo­mar­xis­ti­schen Kul­tur­wis­sen­schaft des radi­ka­len Kon­struk­ti­vis­mus. »Das Eth­ni­sche gibt es nicht«, behaup­te­te der deut­sche Volks­kund­ler Her­mann Bausin­ger vor 30 Jah­ren. Die­se Posi­ti­on hat in den deut­schen Sozi­al­wis­sen­schaf­ten inzwi­schen den Rang eines Dog­mas erlangt, das man nur um den Preis des eige­nen Kar­rie­re­en­des in Fra­ge stel­len kann.

Wer jedoch die Welt mit offe­nen Augen sieht, für den kann es kei­nen Zwei­fel dar­an geben, daß Völ­ker eine Rea­li­tät sind und daß es zwi­schen den Völ­kern, Ras­sen und Kul­tu­ren Unter­schie­de gibt, die alles ande­re als tri­vi­al sind. Doch was läßt sich nun über die objek­ti­ve Iden­ti­tät der Deut­schen sagen?

Zunächst ein­mal sind die Deut­schen Euro­pä­er. Das heißt, sie gehö­ren zu jenem nörd­li­chen Flü­gel der Euro­pi­den, den man umgangs­sprach­lich die Wei­ßen nennt. Kul­tu­rell gehö­ren die Deut­schen zur abend­län­di­schen oder west­li­chen Kultur.

Das ist jene Kul­tur, die im frü­hen Mit­tel­al­ter aus der Syn­the­se der römi­schen Anti­ke und des Chris­ten­tums mit den kel­ti­schen und ger­ma­ni­schen Völ­kern ent­stan­den ist. Die­se war bis zur Neu­zeit nur eine agra­ri­sche Hoch­kul­tur unter vie­len, die es im eura­si­schen Bereich gab.

Jedoch gelang ihr als ein­zi­ger im 17. und 18. Jahr­hun­dert der Durch­bruch zur wis­sen­schaft­li­chen und säku­la­ren Moder­ne. Auf eine Wei­se, die bis heu­te nicht ganz durch­schaut ist, form­ten sich die ratio­na­len Ansät­ze, die es auch in ande­ren Kul­tu­ren gab, in ihr zu einem bis heu­te anhal­ten­den, sich selbst ver­stär­ken­den Pro­zeß, den man den Fort­schritt nennt.

Die Deut­schen sind ein Volk. Unter einem Volk ver­steht man eine grö­ße­re Grup­pe von Men­schen, die durch eine gemein­sa­me Geschich­te und Abstam­mung, ein Bewußt­sein ihrer Zusam­men­ge­hö­rig­keit, eine gemein­sa­me Kul­tur und in der Regel auch durch eine gemein­sa­me Spra­che und ein gemein­sa­mes Ter­ri­to­ri­um mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

Das ent­schei­den­de Merk­mal ist die Ver­wandt­schaft. Sie kommt im Phä­no­men des Ahnen­schwun­des zum Aus­druck. Jeder von uns hat zwei Eltern, vier Groß­el­tern, acht Urgroß­el­tern – und so fort. In der zehn­ten Ahnen­ge­nera­ti­on, etwa um 1700, sind es bereits 1024 Vor­fah­ren, in der 20. um 1400 schon mehr als eine Mil­lio­nen, und zur Zeit Karl des Gro­ßen beträgt die Zahl der theo­re­ti­schen Ahnen sogar schon mehr als eine Bil­li­on (1000 Milliarden).

Da aber in die­ser Zeit in Deutsch­land kaum mehr als zwei Mil­lio­nen Men­schen leb­ten, ist klar, daß wir alle sehr vie­le gemein­sa­me Vor­fah­ren haben. Die meis­ten unse­rer Ahnen sind dies gleich mehr­fach, über ver­schie­de­ne genea­lo­gi­sche Lini­en zugleich.

So kommt im Jahr 1500 jeder Vor­fahr durch­schnitt­lich etwa vier­mal unter den Ahnen einer heu­te leben­den Per­son vor, im Jahr 1300 bereits etwa 50mal und im Jahr 1000 schon meh­re­re tau­send­mal. Dar­aus ergibt sich, daß zum Bei­spiel alle Deut­schen fast sämt­li­che vor dem Jahr 1200 leben­den Ahnen gemein­sam haben.

Die Auf­fas­sung von Völ­kern als Abstam­mungs­ge­mein­schaf­ten steht nicht im Wider­spruch zu der Tat­sa­che, daß vie­le Völ­ker unter­schied­li­che anthro­po­lo­gi­sche Ele­men­te in sich auf­ge­nom­men haben, und so etwa die Deut­schen auch nicht­ger­ma­ni­sche Vor­fah­ren haben.

Die genea­lo­gi­sche Ein­heit wird ja durch die Endo­ga­mie inner­halb des Vol­kes kon­ti­nu­ier­lich her­ge­stellt. Wer zum Bei­spiel heu­te in Deutsch­land einen huge­not­ti­schen Namen trägt, hat unter sei­nen Vor­fah­ren nur eine klei­ne Min­der­heit von fran­zö­si­schen Ahnen, ist also auch bio­lo­gisch ein Deut­scher und kein Franzose.

Eine Fol­ge der gro­ßen Ver­wandt­schaft inner­halb eines Vol­kes ist, daß die Volks- und Sprach­gren­zen zu ande­ren Völ­kern, die ja immer auch Hei­rats­gren­zen waren, auch heu­te noch aus­ge­präg­te Gren­zen in der Ver­tei­lung gene­ti­scher Merk­ma­le sind.

Das gilt auch für die deutsch-roma­ni­schen und die deutsch-sla­wi­schen Sprach­gren­zen in Mit­tel­eu­ro­pa. Eine ande­re Fol­ge ist, daß sich die Men­schen auf­grund ihrer gene­ti­schen Merk­ma­le recht gut eth­nisch zuord­nen las­sen. So kann man auch die Deut­schen (ein­schließ­lich Öster­reich) zu 64,4 Pro­zent rich­tig zuordnen.

Die rest­li­chen 35,6 Pro­zent stel­len Über­schnei­dun­gen mit unse­ren Nach­bar­völ­kern dar. Die gemein­sa­me Abstam­mung ist also mit­nich­ten ein fik­ti­ves Kon­strukt, wie oft behaup­tet wird, son­dern real. Die Ver­wandt­schaft im Volk ist die eigent­li­che Grund­la­ge des gesell­schaft­li­chen Zusammenhalts.

Nach der Auf­fas­sung der Sozio­bio­lo­gie unter­stüt­zen wir unse­re Ver­wand­ten, weil wir mit ihnen gemein­sa­me Gene haben. Der ein­zel­ne lebt nicht nur in sei­nen eige­nen Nach­kom­men fort, son­dern auch in denen sei­ner Ver­wand­ten. Je hete­ro­ge­ner eine Gesell­schaft in eth­ni­scher und gene­ti­scher Hin­sicht ist, des­to unso­li­da­ri­scher, rück­sichts­lo­ser und gewalt­tä­ti­ger ist sie auch.

Fremd­heit in Aus­se­hen und Ver­hal­ten führt zu Distan­zie­rung. Völ­ker sind Soli­dar­ge­mein­schaf­ten, die auf Ver­wandt­schaft beru­hen. Die Deut­schen stam­men bekannt­lich von den Ger­ma­nen ab. Das Wort thiuti­sk, deutsch, war ursprüng­lich gleich­be­deu­tend mit germanisch.

Es wur­de auch für die Eng­län­der, die Lan­go­bar­den und die Goten ver­wandt. So schrieb um 830 n.Chr. Fre­chulf in sei­ner Welt­chro­nik, daß die Fran­ken, die Goten und alle ande­ren natio­nes theo­tis­cae aus Skan­di­na­vi­en stamm­ten. Aber nicht nur unse­re Spra­che ist germanisch.

Die ger­ma­ni­sche Her­kunft der Deut­schen kommt auch in ihrem äuße­ren Erschei­nungs­bild, der Phy­sio­gno­mie und der rela­ti­ven Häu­fig­keit hel­ler Haar- und Augen­far­ben zum Aus­druck. Gene­ti­sche Unter­su­chun­gen zei­gen, daß die Deut­schen den Schwei­zern, Öster­rei­chern, Nie­der­län­dern, Dänen, Nor­we­gern und Eng­län­dern am ähn­lichs­ten sind.

Völ­ker unter­schei­den sich jedoch nicht nur in ihrem Äuße­ren und ihrer Spra­che, son­dern auch in ihrem Wesen. Aus­sa­gen über Volks­cha­rak­te­re wer­den heu­te oft als blo­ße Vor­ur­tei­le und Ste­reo­ty­pe abge­tan. Tat­säch­lich aber stel­len Ste­reo­ty­pe sogar ein ziem­lich genau­es Abbild der Wirk­lich­keit dar.

In Ame­ri­ka gibt es seit den 1990er Jah­ren eine For­schungs­rich­tung, die sich unter dem Schlag­wort Ste­reo­ty­pe Accu­ra­cy mit dem Ver­hält­nis von Ste­reo­typ und Wirk­lich­keit befaßt. Sie zeigt, daß die Kor­re­la­ti­on von Ste­reo­typ und Wirk­lich­keit zum Bei­spiel für die Ste­reo­ty­pe über das Ver­hal­ten von Schwar­zen und Wei­ßen in den USA im Durch­schnitt bei 0,70 liegt.

Das ist ein mitt­le­rer bis star­ker sta­tis­ti­scher Zusam­men­hang. Bemer­kens­wert ist dabei, daß die Ste­reo­ty­pe bes­ser abschnei­den als die Ein­schät­zun­gen ein­zel­ner. Das heißt, die Ste­reo­ty­pe sind der Aus­druck eines kol­lek­ti­ven Erfah­rungs­wis­sens, das dem des ein­zel­nen über­le­gen ist.

Die Ergeb­nis­se der Kul­tur­ver­glei­chen­den Psy­cho­lo­gie zei­gen, daß sich die Völ­ker in ihren Ein­stel­lun­gen und ihrem Ver­hal­ten unter­schei­den. Mit den ande­ren abend­län­di­schen Euro­pä­ern haben die Deut­schen ihren Indi­vi­dua­lis­mus gemeinsam.

Der ein­zel­ne sieht sich zuerst als Per­sön­lich­keit und dann erst als Ange­hö­ri­ger einer Gemein­schaft. Alle außer­eu­ro­päi­schen Kul­tu­ren ein­schließ­lich Süd­ost­eu­ro­pa und Ruß­land sind dage­gen kol­lek­ti­vis­tisch geprägt. Zu den Eigen­schaf­ten der Euro­pä­er gehört außer­dem die Über­zeu­gung, daß es eine Wirk­lich­keit gibt, die ver­steh­bar und beherrsch­bar ist, sowie eine akti­ve Ein­stel­lung zum Leben.

Eben­so wie die Sach­lich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on, die in außer­eu­ro­päi­schen Kul­tu­ren eher indi­rekt ist und sozia­len Zwe­cken dient. Inner­halb Euro­pas gibt es ein aus­ge­präg­tes Nord-Süd-Gefäl­le. Die Bewoh­ner des Südens sind lei­den­schaft­li­cher und erreg­ba­rer, leb­haf­ter und gesel­li­ger, die des Nor­dens ruhi­ger und introvertierter.

Im Nor­den ist das Bedürf­nis nach Refle­xi­on grö­ßer, das Gefühl über­wiegt über die Lei­den­schaft, das Inter­es­se an Sachen das an Men­schen. Es han­delt sich um Unter­schie­de in der Häu­fig­keit und Stär­ke eines Merk­mals, nicht um abso­lu­te Unter­schie­de zwi­schen den Völkern.

Die­se Häu­fig­keits­un­ter­schie­de bewir­ken eine jeweils cha­rak­te­ris­ti­sche Atmo­sphä­re, eine Lebens­stim­mung einer Nati­on, die von Frem­den intui­tiv wahr­ge­nom­men wird. Das deut­sche Sprach­ge­biet stellt nicht nur in anthro­po­lo­gi­scher Hin­sicht eine Aus­buch­tung nörd­li­cher Merk­ma­le nach Süden dar, son­dern auch in psychologischer.

Nicht nur unse­re Nach­barn im Wes­ten und Süden, auch die im Osten beschei­ni­gen uns einen Man­gel an Impul­si­vi­tät und Tem­pe­ra­ment. Damit ver­bun­den ist ein stär­ke­res Bedürf­nis nach Ein­sam­keit, nach dem Für-sich-Sein des einzelnen.

Nicht nur die Fran­zo­sen und Ita­lie­ner, auch die Polen und Rus­sen sind gesel­li­ger als wir. Der deut­sche Ernst wird im Wes­ten, im Süden und im Osten als uns beson­ders eigen­tüm­lich emp­fun­den. Daß hier nicht nur kul­tu­rel­le Tra­di­tio­nen, son­dern auch das bio­lo­gi­sche Tem­pe­ra­ment eine Rol­le spielt, zeigt die Tat­sa­che, daß man bei Unter­su­chun­gen in ver­schie­de­nen Tei­len Deutsch­lands eine Kor­re­la­ti­on von hel­ler Pig­men­tie­rung und intro­ver­tier­tem Cha­rak­ter fand.

Der Tem­pe­ra­ments­un­ter­schied zwi­schen Nord- und Süd­eu­ro­pä­ern fin­det sich sogar schon bei Neu­ge­bo­re­nen. Es gibt aber auch ein psy­cho­lo­gi­sches West-Ost-Gefäl­le in Euro­pa, von der Kon­ven­ti­on im Wes­ten zur Emo­tio­na­li­tät im Osten.

Erschei­nen die Fran­zo­sen den Deut­schen leicht als ober­fläch­lich, so die Deut­schen den Polen und Rus­sen leicht als pedan­tisch, weil zuviel auf Ord­nung, auf Form hal­tend. Ähn­lich ist es im Geis­ti­gen, wo von West nach Ost auf den Ratio­na­lis­mus der Fran­zo­sen und den Uti­li­ta­ris­mus der Eng­län­der die Roman­tik und der Idea­lis­mus der Deut­schen, der reli­giö­se Mys­ti­zis­mus der Rus­sen folgt, die mora­li­sche Uner­bitt­lich­keit Tol­stois und Dostojewskis.

Man­che Cha­rak­ter­zü­ge der Deut­schen gehen noch auf die alten Ger­ma­nen zurück. Der Alt­his­to­ri­ker Alex­an­der Deman­dt ver­weist auf den ger­ma­ni­schen Trotz, den ger­ma­ni­schen Eigen­sinn. Die Refor­ma­ti­on hat in ihm ihre Wur­zel, die Kor­rupt­heit der mit­tel­al­ter­li­chen Kir­che war den Deut­schen weni­ger erträg­lich als den roma­ni­schen Völkern.

Dos­to­jew­ski nann­te die Deut­schen das pro­tes­tie­ren­de Volk. Auch die hohe Wer­tung der Gefolg­schafts­treue und die hohe Wert­schät­zung der Frau gehö­ren dazu. Kir­chen­va­ter Sal­vi­an bestä­tig­te, daß die Ger­ma­nen bei der Erobe­rung Roms im Jahr 410 n.Chr. die römi­schen Frau­en nicht anrührten.

Es gibt eine lan­ge demo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on in Deutsch­land, von den alten Ger­ma­nen über die Selbst­ver­wal­tung in den Städ­ten und Dör­fern des Mit­tel­al­ters bis zum Genos­sen­schafts­we­sen im 19. Jahr­hun­dert. Der Staat ist nach deut­scher Auf­fas­sung die Sache der Gemeinschaft.

Die deut­schen Fürs­ten waren in der Regel kei­ne Tyran­nen, wes­halb es bei uns auch kei­ne Revo­lu­ti­on gab wie in Frank­reich. Mit dem intro­ver­tier­ten Cha­rak­ter hängt das Ernst­neh­men des Lebens zusam­men. Nor­men und Über­zeu­gun­gen wer­den in stär­ke­rem Maße ver­in­ner­licht als in Süd- oder Ost­eu­ro­pa, wo man ger­ne auch ein­mal fünf gera­de sein läßt.

Es gibt ein gro­ßes Bedürf­nis nach Ord­nung, die nicht bloß Kon­ven­ti­on ist, nach Echt­heit und Authen­ti­zi­tät. Der Deut­sche will sein Leben nicht bloß genie­ßen, er will ein sinn­vol­les Leben füh­ren. Daher die Arbeit­sam­keit, das Akti­ons­be­dürf­nis, der Schaffensdrang.

Typisch ist die Nei­gung zur Innen­schau, zum Grü­beln und Nach­den­ken. Der deut­sche Gelehr­te will wie einst Faust das Wesen der Din­ge ergrün­den. Aber nicht nur die Ver­wandt­schaft mit den ger­ma­ni­schen Völ­kern bestimmt den Cha­rak­ter der Deutschen.

Men­schen und Völ­ker sind Ergeb­nis­se der Geschich­te. Das gilt nicht nur für ihre Kul­tur und Tra­di­ti­on, son­dern auch für ihren kör­per­lich-see­li­schen Habi­tus. In vor­mo­der­nen Kul­tu­ren, also prak­tisch in allen vor dem euro­päi­schen 19. Jahr­hun­dert, bestand ein posi­ti­ver Zusam­men­hang zwi­schen sozia­lem, öko­no­mi­schem und poli­ti­schem Erfolg und der Zahl der Nachkommen.

Bau­ern hat­ten mehr Kin­der, Enkel und Uren­kel als Knech­te, Meis­ter mehr als Gesel­len, Fürs­ten mehr als ihre Die­ner. Hin­zu kommt, daß der­je­ni­ge, der phy­sisch und psy­chisch den Ide­al­vor­stel­lun­gen einer Kul­tur ent­sprach, grö­ße­re Chan­cen hat­te, sich zu ver­hei­ra­ten und fortzupflanzen.

Auf die­se Wei­se züch­te­te sich jede Kul­tur auf die Wer­te hin, die in ihr den sozia­len Erfolg ermög­lich­ten. Krie­ger­völ­ker züch­ten sich so auf krie­ge­ri­sche Tugen­den, Bau­ern­völ­ker auf bäu­er­li­che, Händ­ler­völ­ker auf kauf­män­ni­sche hin. Die Ost­ju­den zum Bei­spiel haben ihre ein­sei­ti­ge Züch­tung auf Intel­li­genz mit beson­ders vie­len Erb­krank­hei­ten erkauft.

Und die einst als krie­ge­ri­sche Bedui­nen leben­den Ara­ber besit­zen die welt­weit höchs­te Fre­quenz für das »Krie­ger-Gen« MAOA-2R, das mit einer grö­ße­ren Nei­gung zu Impul­si­vi­tät und Aggres­si­vi­tät ver­bun­den ist. Im vor­mo­der­nen Euro­pa durf­te nur der­je­ni­ge hei­ra­ten und einen eige­nen Haus­stand grün­den, der öko­no­misch in der Lage dazu war, eine eige­ne Fami­lie zu ernäh­ren – ein Prin­zip, daß im deut­schen Bür­ger­tum und Hand­werk beson­ders strikt befolgt wurde.

Mög­li­cher­wei­se haben die tech­ni­sche Bega­bung der Deut­schen, ihre Ord­nungs­lie­be und ihr Hang zur Per­fek­ti­on hier ihre Wur­zel. Als Eli­sa­beth Noel­le-Neu­mann bei Befra­gun­gen nach der Wen­de im Osten zu ganz ähn­li­chen Ergeb­nis­sen kam wie im Wes­ten, sprach sie von der »Fami­li­en­ähn­lich­keit« der Deutschen.

Übri­gens sind uns nach psy­cho­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen die Deutsch­schwei­zer ähn­li­cher als die Öster­rei­cher. Nach Eli­sa­beth Noel­le-Neu­mann zei­gen Unter­su­chun­gen, die in ganz Euro­pa durch­ge­führt wur­den, daß dem ein­zel­nen Deut­schen der Stolz auf sei­ne Leis­tung wich­ti­ger ist, als es bei den euro­päi­schen Nach­barn der Fall ist.

Die heu­ti­gen Deut­schen arbei­ten wahr­schein­lich nicht mehr als ande­re Euro­pä­er, aber sie tun es mit einer ande­ren Ein­stel­lung. Ihre Begeis­te­rungs­fä­hig­keit ist grö­ßer, aber auch ihre Nie­der­ge­schla­gen­heit bei Mißer­fol­gen. Typisch ist außer­dem die Unbe­dingt­heit der Deutschen:

Hier ste­he ich, ich kann nicht anders.

Wei­te­re typisch deut­sche Eigen­schaf­ten sind nach Noel­le-Neu­mann der Per­fek­tio­nis­mus, die tech­ni­sche Tüf­te­lei und die Gründ­lich­keit, aber eben­so auch die Ten­denz dazu, sich zurück­zu­zie­hen, und die Lie­be zum Wald. Der deut­sche Cha­rak­ter ver­ei­nigt in sich so wider­sprüch­li­che Eigen­schaf­ten wie Sach­lich­keit und Romantik.

Bei­de haben ihre Grund­la­ge in dem sitt­li­chen Ernst, mit dem sowohl die Arbeit als auch das Gefühls­le­ben ange­gan­gen wird. Der intro­ver­tier­te Cha­rak­ter begüns­tig­te Erschei­nun­gen wie die deut­sche Inner­lich­keit, den Pie­tis­mus, den Idea­lis­mus und die deut­sche Romantik.

Die tech­ni­sche Bega­bung der Deut­schen war schon im Mit­tel­al­ter in ganz Euro­pa bekannt. Zur Sach­lich­keit gehört, daß man ehr­lich und direkt ist, zur Not auch ein­mal unhöf­lich. Der IQ der Deut­schen liegt wie der der Nord­eu­ro­pä­er etwas über dem euro­päi­schen Durchschnitt.

Eine Fol­ge der gerin­gen Impul­si­vi­tät der Deut­schen ist die gerin­ge Nei­gung zu Gewalt­ta­ten. Seit Ein­füh­rung der Kri­mi­nal­sta­tis­tik im 19. Jahr­hun­dert wei­sen Deutsch­land und die ger­ma­ni­schen Län­der eine gerin­ge­re Gewalt­kri­mi­na­li­tät als die süd- und ost­eu­ro­päi­schen Län­der auf. Dar­an hat sich bis heu­te nichts geändert.


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