Sezession
1. Juni 2007

Die Notwendigkeit der Reformation der Kirche

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus 18/Juni 2007

sez_nr_185von Karl-Hermann Kandler

Reform - Reformation - Revolution. Drei Begriffe, die wir erst einmal klären müssen. Unter Reformation verstehen wir heute etwas anderes als eine Reform. Dieser Begriff ist gegenwärtig ziemlich in Verruf geraten. Überall spricht man von Reformen und daß sie nötig seien. Aber das ist ein mühsames Geschäft. Ich denke nur an die Gesundheitsreform. An sich ist von Anfang an - schon im Lateinischen - mit Reform eine positiv gewertete Umgestaltung gemeint, sei es eine Wiederherstellung eines früheren Zustandes, sei es eine Verbesserung der Verhältnisse ohne Rückgriff auf Vergangenes. Der dritte Begriff - Revolution - meint eine (ganz wörtlich übersetzt) Umwälzung bestehender Verhältnisse oder Prozesse, meint einen Systemwandel. Heute versteht man darunter eine Bewegung, die eine neue Gesellschaftsordnung schaffen und durch die eine bestimmte Gruppe, etwa eine Klasse, an die Macht kommen will. Die Marxisten behaupten, auch die Reformation sei eine Revolution gewesen, zusammen mit dem Bauernkrieg wurde sie als „Frühbürgerliche Revolution" bezeichnet. Das geschah, weil Marxisten nur innerweltlich denken können und für sie die Reformation nur als ein innerweltlich ausgerichtetes Geschehen Bedeutung haben konnte. Marx bezeichnete die Revolutionen als „Lokomotiven der Geschichte". Er konnte sich Revolutionen nicht ohne Gewaltanwendung vorstellen und war davon überzeugt, zuerst müsse die Machtfrage geklärt werden. Die gewaltlosen Revolutionen von 1989 haben den marxistischen Revolutionsbegriff eindeutig widerlegt. Doch das ist nicht unser Thema.

Darum nun: Was ist Reformation? Wir verstehen heute unter Reformation ausschließlich die Bewegung, die im sechzehnten Jahrhundert, genau am 31. Oktober 1517, durch Martin Luther und seine fünfundneunzig Thesen gegen den Ablaß ausgelöst wurde. Das war nicht immer so. Lange Zeit wurden Reform und Reformation nicht unterschieden. Im fünfzehnten Jahrhundert erschien die Schrift Reformatio Sigismundi, sie enthielt Vorschläge für eine Reichsreform. Sie sollte eine Reformation „an Haupt und Gliedern" sein, eben eine positiv gewertete Umgestaltung. Aber diese Reformation wurde verstanden als eine Umgestaltung ohne Änderung des Wesens der Kirche in der Lehre, im Kult und in der Disziplin. Wenn ich von Reformation spreche, meine ich aber nicht eine solche Reformation, die doch nur Reformen wollte, sondern eben das, was heute allgemein als Reformation bezeichnet wird, die Reformation der Kirche Jesu Christi, ihre Umgestaltung, ihre Erneuerung gerade in ihrem Wesen gemäß der Heiligen Schrift.


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