Daniel S., Kirchweyhe und drei kleine Nebenkriegsschauplätze

Ich komme erst jetzt dazu, drei Dinge aufzuschreiben, die ich während der letzten Tage registriert habe: 1. ein bißchen...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Zen­sur, 2. einen klei­nen Aus­set­zer, 3. einen kur­zen Anruf.

1. Die Bericht­erstat­tung über den Mord an Dani­el S. in Kirch­w­ey­he war für unse­re Ver­hält­nis­se aus­ge­spro­chen erfolg­reich: sezession.de ist über face­book und ande­re Netz­wer­ke so oft emp­foh­len wor­den, daß wir an zwei Tagen hin­ter­ein­an­der den Zugriffs­re­kord seit Bestehen unse­rer Sei­te bra­chen. Nicht, daß wir stets auf Quan­ti­tät Wert leg­ten – aber in die­sem Fall war das doch ein Indiz dafür, daß etli­che neue Leser auf der Suche nach einer Inter­pre­ta­ti­on der Ereig­nis­se bei uns fün­dig wur­den und ihren Fund mit ande­ren tei­len wollten.
Am ers­ten Tag erhiel­ten wir bin­nen zwei­er Stun­den andert­halb Tau­send Zugrif­fe über die Such­funk­ti­on “Goog­le News”. Danach wur­den unse­re neu­en Bei­trä­ge jeweils nach einer knap­pen hal­ben Stun­de nicht mehr “auf­ge­fun­den”.
Die Bot­schaft lau­tet: Es gibt kei­ne nen­nens­wer­te Gegenöffentlichkeit.

2. Ich gebe auf die Sei­ten-Zäh­ler und ‑Rang­lis­ten nicht viel, aber ein biß­chen etwas doch: alexa.com bei­spiels­wei­se ist ein ganz guter Indi­ka­tor dafür, wie inten­siv man wahr­ge­nom­men wird. Ich kann die Wer­te mitt­ler­wei­le sehr sicher vor­aus­sa­gen – nach den zugriffs­star­ken Tagen seit Mitt­woch müß­ten wir der­zeit knapp hin­ter der JF ran­gie­ren. Indes: alexa.com hat die Zäh­lung für die für uns ent­schei­den­den Tage aus­ge­setzt, oder bes­ser: nicht aus­ge­setzt, aber ober­halb eines durch­schnitt­li­chen Levels gekappt.
Die Bot­schaft lau­tet: Das Inter­es­se an kon­ser­va­ti­ven, rech­ten Inhal­ten hat nicht zugenommen.

3. Am Frei­tag Vor­mit­tag klin­gel­te das Tele­fon, ein Herr Mül­ler war dran und frag­te, ob es wirk­lich nötig sei, Öl ins Feu­er zu gie­ßen. Es sei sei­ne Auf­ga­be (und die sei­ner Kol­le­gen), dahin zu wir­ken, daß Leu­te wie ich kei­ne fal­schen Schlüs­se aus unglück­li­chen Vor­fäl­len zögen. Die Ver­ant­wor­tung für den sozia­len Frie­den sei groß, ich sol­le aufhören.
Die Bot­schaft lau­tet: Wir haben Euch im Auge.

Ich habe über die­se Neben­ge­räu­sche der letz­ten Tage nach­ge­dacht und mir ist klar­ge­wor­den, daß der Herr Mül­ler vom Tele­fon der­sel­be sein muß, dem ich 1998 in Hei­del­berg Rede und Ant­wort ste­hen muß­te. Damals war er noch beim Mili­tä­ri­schen Abchirm­dienst, saß mit einem ande­ren Herrn Mül­ler in einem klei­nen Dienst­zim­mer in einer die­ser Ami-Kaser­nen, die wie das Aus­land im Inland waren (und in denen jede Men­ge unge­bil­de­ter dicker Sol­dier ihr hal­bes Leben ver­brach­ten), und befrag­te mich schlecht vor­be­rei­tet über mei­ne natio­na­le Gesin­nung und­so­wei­ter. Er woll­te im Ernst Namen hören und Quer­ver­in­dun­gen zie­hen und trumpf­te mit einem Recher­che­er­geb­nis auf, das ich in einem Arti­kel selbst vor­ge­legt hatte.

Die­ser Herr Mül­ler ist mit­ver­ant­wort­lich dafür, daß ich Ver­le­ger gewor­den bin. Ohne ihn wäre ich noch immer Offi­zier, und so bin ich ihm auch dank­bar dafür, daß er trotz sei­ner offen­sicht­li­chen Beschränkt­heit nicht unef­fek­tiv gear­bei­tet hat. Viel­leicht war sein Anruf – oder der sei­nes Bru­ders oder sei­nes Soh­nes gar? – der Ver­such, mir wie­der einen Berufs­wech­sel nahe­zu­le­gen? Wer weiß, wer weiß.

Zu goog­le und ale­xa noch ein Wort: Das ist wie das Streich­ergeb­nis eines Aus­rut­schers nach oben oder nach unten, eine in der Sta­tis­tik wis­sen­schaft­lich unter­mau­er­te Metho­de – die ganz guten und die ganz schlech­ten Tage wer­den ein­fach nicht gewer­tet, man ist und bleibt Durchschnitt.

 

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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