Die Schuhe des Fischers (1)

Inzwischen hat sie wohl jedermann gesehen, die von den Massenmedien mit auffälliger Lautstärke hervorgehobenen "schlichten" schwarzen Schnürschuhe von Papst Franziskus I., die sich so deutlich von der edlen, leuchtend roten Fußbekleidung seines Vorgängers abheben. Diese wurde schon vor Jahren gelegentlich Gegenstand von Presseberichten, unter anderem von dem Gerücht begleitet, der Papst "trage Prada" - wohl mit dem Ziel, ihn in den Ruch des unangemessen Luxuriösen zu bringen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Des “Paps­tes Schus­ter” erläu­ter­te im Mai 2010 der Süd­deut­schen Zei­tung die Bedeu­tung der Farbenwahl:

Das päpst­li­che Schuh­werk ist seit Jahr­hun­der­ten rot. Die Far­be soll an die Kreu­zi­gung und das Blut Chris­ti erin­nern. Nur der Farb­ton ändert sich manch­mal. Bene­dikt XVI. hat sich für ein schö­nes Feu­er­rot entschieden.

Und auch die BILD-Zei­tung weiß zu berichten:

Seit dem 15. Jahr­hun­dert tra­gen Päps­te die röt­li­chen Schu­he. Die rote Far­be, heißt es, soll an die Kreu­zi­gung und das Blut Chris­ti erinnern.

Aus näm­li­cher Zei­tung erfah­ren wir auch, daß der Namens­pa­tron des Paps­tes, der Hl. Franz von Assi­si, “tier­lieb” gewe­sen sein soll und “Ein­fach­heit vor­ge­lebt hat”.  „Wie gern ich eine arme Kir­che für die Armen hät­te“, wird Fran­zis­kus zitiert. Die­ser fah­re mit Bus, Bahn und Taxi, wir­ke “wie ein ein­fa­cher Pries­ter”. Er “ver­zau­be­re” die Chris­ten mit “Demuts-Ges­ten” wie der “spon­ta­nen” Seg­nung eines Blin­den­hun­des. Und auch die Schu­he sei­en Aus­druck sei­nes “schlich­ten, demü­ti­gen Stils”:

Er wei­ger­te sich, sein schlich­tes Eisen­kreuz gegen eines aus Gold zu tau­schen. Er trägt schwar­ze statt rote Schu­he, weil er sich nicht in den Mit­tel­punkt stel­len möch­te: „Chris­tus ist das Zen­trum der Kir­che, nicht der Nach­fol­ger Petri“, sagt er.

Auf die­se und ähn­li­che Wei­se wird zur Zeit unab­läs­sig das Man­tra von der vor­geb­li­chen “Demut”, “Schlicht­heit” und “Beschei­den­heit” des neu­en Paps­tes auf allen nur erdenk­li­chen Äther­wel­len gesun­gen, sekun­diert von Refrains wie “Auf­bruchs­stim­mung”, “Neu­an­fang” und ähn­li­chem, mit all der Ein­stim­mig­keit, die inzwi­schen eben­so üblich wie unheim­lich gewor­den ist. Inmit­ten die­ser Flut aus strom­li­ni­en­för­mi­gem Info- und Des­in­fo­tain­ment fra­ge ich mich unauf­hör­lich, ob ich wirk­lich der ein­zi­ge Mensch auf der Welt bin, dem auf­fällt, wie pene­trant die Dau­er­re­de von der “Beschei­den­heit” des neu­en Paps­tes stinkt. (Ich bin es glück­li­cher­wei­se nicht:  hier Alex­an­der von Schön­burg in der Welt).

Hier ist immer­hin von einem Mann die Rede, der sich nicht nur zum ers­ten Mal in der Kir­chen­ge­schich­te über­haupt einen “neu­en” Namen gab: “Johan­nes Paul I.” kom­bi­nier­te ledig­lich zwei häu­fig benutz­te Namen, und alle bis­he­ri­gen “Ers­ten”, deren letz­ter Lan­do I. (Pon­ti­fi­kat 913/4) war, tra­ten ihr Amt unter ihrem Tauf­na­men an. Nein, er hat sich noch zusätz­lich “beschei­den­er­wei­se” den Namen eines der popu­lärs­ten Hei­li­gen der Kir­chen­ge­schich­te, Franz von Assi­si, der welt­weit, auch außer­halb der römi­schen Kir­che, als eines der bedeu­tends­ten reli­giö­sen Genies ver­ehrt wird, die je gelebt haben.  In der Tat wur­de nicht nur ich augen­blick­lich stut­zig, als ich von die­ser Namens­wahl erfuhr – wer genau­er hin­hört, mag dar­in gar eine “Dro­hung” mit­schwin­gen hören. Ein­bil­dung? Über­trie­be­nes Mißtrauen?

Ver­stärkt wird die­ser Ein­druck aller­dings noch durch eine gehäuf­te Fül­le wei­te­rer grob ins Auge ste­chen­der Tra­di­ti­ons­brü­che, die jene Krei­se zu ver­ant­wor­ten haben, die Jor­ge Mario Ber­go­glio auf den Hei­li­gen Stuhl gesetzt haben: er ist der ers­te latein­ame­ri­ka­ni­sche Papst über­haupt, der ers­te Jesu­it über­haupt, der ers­te nicht-euro­päi­sche Papst seit dem 8. Jahr­hun­dert. Dage­gen nimmt sich der Tra­di­ti­ons­bruch der schwar­zen Schnür­schu­he in der Tat “beschei­den” aus: die­se Ges­te scheint mir aller­dings nur so “beschei­den” wie die Turn­schu­he, in denen Josch­ka Fischer 1985 den Amts­eid im hes­si­schen Land­tag ableg­te, und die eben­falls den Ein­bruch eines “neu­en Stils” in der Poli­tik signalisierten.

Noch schwe­rer wiegt aller­dings, daß dem Amt Ber­go­gli­os ein noch ein­schnei­den­de­rer Tra­di­ti­ons­bruch vor­aus­ge­gan­gen ist. Zum zwei­ten­mal in der 2000jährigen Kir­chen­ge­schich­te hat ein Papst sein Amt zu Leb­zei­ten nie­der­ge­legt, und zum ers­ten Mal seit 1294.  Dan­te ver­damm­te Coeles­tin V. dafür in die Höl­le der “Lau­war­men”. Für einen sol­chen hat Bene­dikt XVI. bis­her nie­mand gehal­ten, und daß gera­de die­ser Papst  die­sen gra­vie­ren­den Bruch voll­zo­gen hat, hat vie­le Katho­li­ken gera­de­zu scho­ckiert. War das nur ein “dump­fes Gefühl”, mehr nicht? Es braucht in der Tat kei­nen “Blitz im Vati­kan” mehr, um hier ein schlech­tes Vor­zei­chen zu sehen.

Selbst wenn sich alles Miß­trau­en kon­ser­va­ti­ver Katho­li­ken gegen Fran­zis­kus I. als unbe­grün­det her­aus­stel­len soll­te: die­ser Schat­ten über sei­nem Pon­ti­fi­kat ist untilg­bar. Er wird nicht gera­de klei­ner dadurch, daß er, wie nun erst bekannt wur­de, bereits im Kon­kla­ve von 2005 in einem nur knapp ver­lo­re­nen Kopf-an-Kopf-Ren­nen gegen Josef Ratz­in­ger aus­ge­spielt wur­de. Es gab also offen­bar inner­halb der Kir­che schon seit lan­gem star­ke poli­ti­sche Bestre­bun­gen, Ber­go­glio als Papst durchzusetzen.

Daß aus­ge­rech­net der “Anti-Ratz­in­ger” das unter außer­ge­wöhn­li­chen Umstän­den abge­tre­te­ne Amt sei­ne Vor­gän­gers über­nimmt, wird ein etwai­ges Miß­trau­en jeden­falls kaum mil­dern. Noch weni­ger, daß der offen­bar schon lan­ge fest­ste­hen­de Kan­di­dat bis­her von der inter­nen Poli­tik des Vati­kan bis zur Unsicht­bar­keit abge­schirmt wur­de: die im Vor­feld der Papst­wahl stän­dig in den Medi­en auf­tau­chen­den Gesich­ter far­bi­ger Papa­bi­les (die Links­li­be­ra­len konn­ten sich vor Spei­chel­fluß kaum mehr ret­ten) erschei­nen im Nach­hin­ein wie gezielt ein­ge­setz­te Nebelwände.

 

Was (oder wer) auch immer Bene­dikt XVI. zu die­sem Schritt bewo­gen hat, eines ist er im Gegen­satz zu sei­nem Nach­fol­ger bis­her gewiß gewe­sen: näm­lich “beschei­den”. Dies ist eine Sache, die sich nun tat­säch­lich in der Namens­wahl mit ihrer hohen “Num­me­rie­rung” aus­drückt. Bene­dikt hat stets das Über- und Unper­sön­li­che sei­nes Amtes, sei­nen Pos­ten als sozu­sa­gen “ers­ter Die­ner sei­ner Kir­che” betont.

Mar­tin Mose­bach hob dies in der FAZ her­vor – wenn man genau hin­hört, mit einem lei­se anklin­gen­den, ent­schul­di­gen­den Unterton:

Sel­ten sind die Beschei­den­heit und Demut Bene­dikts XVI. gewür­digt wor­den. Die­ser Papst ist ein erklär­ter Feind jedes Per­so­nen­kults – schon in sei­nem Papst­na­men als sech­zehn­ter deu­te­te er an, dass er sich als einen sah, der in einer lan­gen Rei­he stand. Mit Coeles­tin V. hat er eine Nei­gung zur Zurück­ge­zo­gen­heit in Kon­tem­pla­ti­on und Arbeit gemein­sam, die er aller­dings län­ger zu unter­drü­cken hatte.

Im Gegen­satz dazu hat gera­de die aus­ge­stell­te “Beschei­den­heit” Fran­zis­kus’ und sei­ne offen­sicht­li­che Miß­ach­tung des Diens­tes an der Kir­che den Effekt, sei­ne Per­son jen­seits des Petrus-Amtes recht deut­lich her­vor­tre­ten zu las­sen. Der Bei­fall kommt natür­lich von genau jener Sei­te, die bis­her auf die tat­säch­li­che Demut Bene­dikts (gegen­über sei­ner Amts­wür­de und den Sta­tu­ten der Kir­che) gereizt reagiert hat, und die in den “Demuts-Ges­ten” des Fran­zis­kus – ob zu Recht oder nicht, sei dahin­ge­stellt – ein Aggior­na­men­to und eine Kon­zes­si­on an ihren Nivel­lie­rungs­an­spruch sieht. All dies ist im End­ef­fekt banal­er­wei­se tat­säch­lich nur ein paar Gra­de von der Genug­tu­ung über Josch­ka Fischers Turn­schu­he und rüpel­haf­tes Beneh­men entfernt.

Dabei ist den zumeist ega­li­tär gesinn­ten Mei­nungs­ma­chern nicht nur der Habi­tus der Erha­ben­heit der kirch­li­chen Wür­den­trä­ger ein Dorn im Auge.  Feind­spü­rig neh­men sie wahr, daß die­ser eben auch eine Rela­ti­vie­rung ihres eige­nen Herr­schafts­an­spruchs zum Aus­druck bringt. Thors­ten Hinz hat bereits 2009 die eigent­li­chen Trieb­fe­dern für die Angrif­fe auf den Papst treff­lich auf den Punkt gebracht:

Der Zusam­men­stoß des Paps­tes mit Pres­se und Poli­tik in Deutsch­land war von Bene­dikt XVI. nicht gewollt, er war bloß unver­meid­lich. Denn ers­tens stellt die Insti­tu­ti­on der katho­li­schen Kir­che noch im Sta­di­um ihrer poli­ti­schen Macht­lo­sig­keit die leib­haf­ti­ge Pro­vo­ka­ti­on für die moder­ne Mas­sen­de­mo­kra­tie dar. Alles, was sie ist und reprä­sen­tiert: Tra­di­ti­on, Hier­ar­chie, Aske­se, Dienst an einem fer­ne­ren Ziel, das dem Ein­zel­nen uner­reich­bar ist, die Ableh­nung inne­rer Demo­kra­tie usw., steht kon­trär zum mas­sen­haf­ten Bedürf­nis, die mate­ri­el­len, ideel­len, sexu­el­len Gelüs­te schnell und umstands­los zu befrie­di­gen. Da sie die Offen­ba­rung auf ihrer Sei­te zu haben meint, kann die Kir­che auch den Majo­ri­täts­wil­len gelas­sen als Irr­tum abtun. Sie hält es für wich­ti­ger, das ein­zel­ne Gewis­sen zu schär­fen und das Indi­vi­du­um gegen die All­macht der demo­kra­ti­schen Mehr­heit zu stär­ken, wel­che die Men­schen­rech­te nach Belie­ben gewährt oder entzieht.

Es ist die­ses stil­le, zähe Bestrei­ten ihrer All­macht, der ste­te, stum­me Ver­weis auf ihren rela­ti­ven Cha­rak­ter, der die Ver­tre­ter der Mas­sen­de­mo­kra­tie so sehr in Zorn ver­setzt. Das Durch­schnitt­li­che und Gewöhn­li­che, das in der aktu­el­len Kir­chen­kri­tik an die Ober­flä­che kommt, will kei­nes­falls bei sei­nem Namen genannt wer­den, son­dern bean­sprucht, das All­ge­mein­mensch­li­che, die Auf­klä­rung, wenigs­tens aber den Fort­schritt zu verkörpern.

Und es sind nun genau die­se übli­chen Ver­däch­ti­gen, die der Hoff­nung sind, mit Papst Fran­zis­kus wür­de eine “Reform” in ihrem Sin­ne ein­set­zen. Alex­an­der von Schön­burg kon­kre­ti­sier­te die­sen Verdacht:

Erwäh­nens­wert ist das über­haupt nur, weil all die von uns beju­bel­ten Demuts­ges­ten des neu­en Paps­tes selbst­ver­ständ­lich sehr viel mehr sind als nur Demons­tra­tio­nen eines neu­en, beschei­de­nen “Stils”. Sie sind Vor­zei­chen einer inhalt­li­chen Revo­lu­ti­on. Sie kün­den von einer Neu­de­fi­ni­ti­on des Papst­am­tes, somit auch der Neu­de­fi­ni­ti­on des Bischofs­am­tes und damit natür­lich letzt­lich auch des Priesteramtes.

Das zen­tra­le Anlie­gen all jener “Moder­nis­ten”, für die das Pon­ti­fi­kat Bene­dikts XVI. eine wider­wil­lig zu erdul­den­de Wan­de­rung durch die Wüs­te bedeu­te­te, war und ist: die mit­tel­fris­ti­ge Abschaf­fung des Wei­he­pries­ter­tums. Die Grund­prä­mis­se näm­lich, dass sich Pries­ter durch Wei­he von den gewöhn­li­chen Lai­en unter­schei­den, ist für Moder­nis­ten und Ega­li­ta­ris­ten ein Graus.

Man­fred Klei­ne-Hart­la­ge schreibt:

Man muss sich nur anschau­en, wer die Leu­te sind, die sich jetzt freu­en, und aus wel­chen Grün­den sie sich freu­en: Der DLF-Jour­na­list Peter Kapern, der heu­te abend – selbst­ver­ständ­lich, möch­te man sagen – kei­nen ein­zi­gen Kon­ser­va­ti­ven inter­view­te, hat uns in sei­nen Inter­views schon ein­mal eine klei­ne Aus­wahl prä­sen­tiert: den Ham­bur­ger Weih­bi­schof Jasch­ke (“Ich als katho­li­scher Bischof habe ein Inter­es­se dar­an, dass Mus­li­me in Deutsch­land ihren Glau­ben behal­ten”), einen aus der Rie­ge jener Bischö­fe, die durch die Medi­en tin­geln, ohne zu erklä­ren, was Katho­li­zis­mus ist (ver­mut­lich, weil sie es sel­ber nicht wis­sen); die CDU-Poli­ti­ke­rin Julia Klöck­ner, Mit­glied im Zen­tral­ko­mi­tee der deut­schen Katho­li­ken, die den übli­chen libe­ra­len Reform­wunsch­zet­tel abspul­te; ein Fuz­zi von “Wir sind Kirche”.

(…)

Über­haupt ist es bezeich­nend, mit wel­chem Scharf­blick gera­de die Fein­de der Kir­che die Zei­chen eines Ver­falls erken­nen, den vie­le Katho­li­ken sich immer noch schön­zu­re­den ver­su­chen. Beim Rück­tritt Bene­dikts waren es eben­falls die übli­chen Ver­däch­ti­gen, zum Bei­spiel die Frei­mau­rer, die die­sen Schritt genau des­halb beju­bel­ten, weil er ein wei­te­rer – und zwar gro­ßer – Schritt zur “Ent­mys­t­fi­zie­rung”, zu deutsch: zur Pro­fa­ni­sie­rung und Bana­li­sie­rung der Kir­che war.

Ähn­lich drück­te es der katho­li­sche Publi­zist Mathi­as von Gers­dorff im Blog der Jun­gen Frei­heit aus:

Seit meh­re­ren Wochen erei­fern sich unzäh­li­ge Zei­tun­gen, dem deut­schen Publi­kum zu erklä­ren, wie es inner­halb der katho­li­schen Kir­che aus­sieht und wel­che Refor­men drin­gend not­wen­dig sind. Es ist schon erstaun­lich, wel­che Mühe sich dabei man­che Jour­na­lis­ten geben, die wahr­schein­lich der Mei­nung sind, die Katho­li­sche Kir­che soll­te gar nicht exis­tie­ren. Trotz­dem tun sie so, als ob sie genau wis­sen wür­den, wie es inner­halb der Kir­che aus­sieht, wel­che die wich­tigs­ten Pro­ble­me sind und wie man sie aus der Welt schaf­fen kann.

Für einen prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken wirkt die gro­ße Mehr­heit die­ser Tex­te selt­sam unwirk­lich, als ob sie in einer Par­al­lel­welt ver­faßt wor­den wären. Vie­le Zei­tun­gen sind durch­aus in der Lage, vie­le Detail­in­for­ma­tio­nen über Geschich­te, Tra­di­tio­nen und Gebräu­che der katho­li­schen Kir­che abzu­dru­cken, doch irgend­wie tref­fen sie nicht den Kern des betrach­te­ten Objekts. Die meis­ten Redak­teu­re in den deut­schen Tages­zei­tun­gen erfas­sen offen­bar das Wesen der Kir­che nicht und beschrei­ben sie, als ob sie von einem Ver­ein oder eine poli­ti­sche Par­tei spre­chen wür­den. Dem­entspre­chend klin­gen die For­de­run­gen nach Refor­men, die tau­send­fach jeden Tag repro­du­ziert wer­den: Zöli­bat abschaf­fen, Sexu­al­mo­ral lockern, Hal­tung gegen­über Abtrei­bung und Homo­se­xua­li­tät ändern und so wei­ter. Selbst in eini­gen soge­nann­ten „Qua­li­täts­zei­tun­gen“ sind die Kom­men­ta­re über Kir­che und Papst längst zu For­meln ver­kom­men, die man ohne Refle­xi­on wiederholt.

Dem­entspre­chend wird das Pon­ti­fi­kat des Fran­zis­kus nun mit­hil­fe unklar her­um­schwir­ren­der, ideo­lo­gisch-emo­tio­nal auf­ge­la­de­ner Begrif­fe ange­prie­sen. Franz von Assi­si eig­net sich hier bes­tens als sen­ti­men­ta­li­sie­rungs­fä­hi­ge Pro­jek­ti­ons­flä­che, wäh­rend der tat­säch­li­che Hei­li­ge, etwa mit sei­ner radi­ka­len Leib­feind­lich­keit und Aske­se, in vie­ler Hin­sicht der heu­ti­gen Zeit eben­so fremd und anti­po­disch gegen­über steht wie das gan­ze 13. Jahr­hun­dert überhaupt.

Ber­go­glio ent­stammt zudem einem Orden, der nicht gera­de für sei­ne fran­zis­ka­ni­sche “Ein­fach­heit” bekannt ist. Bei den Jesui­ten waren seit jeher die Mac­chia­vel­lis­ten, Mili­tan­ten und Intel­lek­tu­el­len zuhau­se; heu­te sind sie gera­de­zu berüch­tigt für ihren star­ken Linksdrall.

Zu die­sen Begrif­fen gehö­ren mit Franz von Assi­si asso­zi­ier­te The­men wie “Öko­lo­gie”, “Umwelt­schutz” und vor allem “Armut”, die auf den Zun­gen der Mei­nungs­ma­cher eben einen gewis­sen Geschmack bekom­men, auf den noch ein­zu­ge­hen ist. Jeden­falls läuft die zuwei­len etwas krampf­haft betrie­be­ne “Oba­mi­sie­rung” des Paps­tes auf Hochtouren.

Ich grei­fe zwei will­kür­li­che Bei­spie­le aus der öster­rei­chi­schen Pres­se her­aus.  Die als “bür­ger­lich-kon­ser­va­tiv” gel­ten­de Pres­se vom 15. März etwa wer­te­te die Wahl Ber­go­gli­os als “Nie­der­la­ge für Kurie und Kon­ser­va­ti­ve”; der öster­rei­chi­sche Kar­di­nal Schönborn,schon phy­sio­gno­misch einem Wackel­pud­ding ähn­lich, wird direkt und indi­rekt zitiert:

Eine Mehr­heit der Kar­di­nä­le sei sich einig gewe­sen, daß eine Reform der vati­ka­ni­schen Kurie unum­gäng­lich erscheint. … Eine Abkehr von der extre­men Aus­prä­gung des vati­ka­ni­schen Zen­tra­lis­mus also? Schön­borns diplo­ma­ti­sche Ant­wort auf die­se Fra­ge: “Ins­ge­samt ein bes­se­res Mit­ein­an­der zwi­schen Papst und den kon­ti­nen­ta­len und natio­na­len Epi­sko­pa­len.” … Das heißt kon­kret: Bischö­fe sind nach die­sem Ver­ständ­nis nicht nur eine Art Fili­al­lei­ter Roms, son­dern neh­men unter der Lei­tung des Paps­tes an der Füh­rung der katho­li­schen Kir­che teil. … “Wir hof­fen alle, daß es zu einer tief­grün­di­gen Säu­be­rung des kom­men wird.” Der gute Ruf des Vati­kans müs­se wie­der her­ge­stellt wer­den, ver­lang­te Schönborn.

“Der gute Ruf des  Vati­kan”, in wes­sen Augen? Hier sprach Schön­born wohl­ge­merkt nicht über “Miß­brauchs­skan­da­le” und ähn­li­ches; in der Tat blieb er auf­fal­lend vage, wor­auf sich die­se “drin­gen­den Auf­räum­ar­bei­ten” denn bezie­hen wür­den – man­geln­de Dis­kre­ti­on gegen­über der Pres­se wird es wohl kaum sein.

Die Stoß­rich­tung der Dezen­tra­li­sie­rung (und damit Ent­eu­ro­päi­sie­rung) Roms bekräf­tig­te auch die als “katho­lisch-kon­ser­va­tiv” gel­ten­de Fur­che. Die­se titel­te: “Ein Papst für die Welt”, ohne zu erläu­tern, in wel­chem Sin­ne ein latein­ame­ri­ka­ni­scher Papst nun mehr ein Papst “für die Welt” sein soll als irgend­ein ande­rer – glau­bens­dog­ma­ti­sche Grün­de kann es jeden­falls nicht haben.

Ähn­lich unklar fiel der Leit­ar­ti­kel von Rudolf Mit­löh­ner aus, der selbst­re­dend das Man­tra vom “demü­ti­gen” und “beschei­de­nen” Auf­tre­ten des Paps­tes wie­der­hol­te. Dar­in hieß es, die Wahl des Fran­zis­kus sei ein “Hoff­nungs­zei­chen in schwie­ri­ger Zeit”. Das erin­nert an die berüch­tig­ten “Hope”- und “Change”-Blasen der Oba­ma­wahl. War­um “Hoff­nung”? Wor­auf? Für wen? Inwie­fern ist unse­re Zeit “schwie­rig”? Ähn­lich vage auch der Rest:

Urbi et orbi – der Stadt und dem Erd­kreis, also der gan­zen Welt, gilt der päpst­li­che Segen, der am Anfang jedes Pon­ti­fi­kats steht und der schon dem­nächst, am Oster­sonn­tag, erneut gespen­det wer­den wird. Bei dem Mann aus Süd­ame­ri­ka hat dies einen beson­de­ren, neu­en Klang. Als vor acht Jah­ren Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger zu Bene­dikt XVI. avan­cier­te, wur­de an die­ser Stel­le ver­sucht zu argu­men­tie­ren, war­um es gut sei, dass der neue Papst aus Euro­pa kom­me: weil hier, im „alten“, von Auf­klä­rung und Säku­la­ri­sie­rung gepräg­ten Kon­ti­nent, die Nagel­pro­be für das Chris­ten­tum lie­ge; hier habe sich die Kom­pa­ti­bi­li­tät des christ­li­chen Glau­bens, katho­li­scher Pro­ve­ni­enz zumal, mit der Moder­ne zu erwei­sen. Bene­dikt hat dann dazu, wie schon zuvor als Theo­lo­ge, Bischof und Kar­di­nal, Wesent­li­ches gesagt. Nun aber scheint die Zeit reif gewe­sen zu sein für eine zusätz­li­che, in einem neu­en Sinn glo­ba­le Perspektive.

Wie­der die Fra­ge: war­um? Und war­um “glo­ba­le Per­spek­ti­ve” (die die Kir­che im Anspruch ja immer schon hat­te) im “neu­en Sinn”? Wel­cher “neue Sinn”? Man ahnt es:

Ein Per­spek­ti­ven­wech­sel steht an,von dem auch Euro­pa pro­fi­tie­ren kann.… Das heißt nun nicht, dass die euro­päi­sche Her­aus­for­de­rung bewäl­tigt wäre oder ad acta zu legen sei. Jor­ge Mario Ber­go­glio, Sohn ita­lie­ni­scher Ein­wan­de­rer nach Argen­ti­ni­en, ist wohl Euro­pä­er genug, um die­se nicht aus dem Blick zu ver­lie­ren. Aber viel­leicht tut es ja Euro­pa gut, sich selbst ein wenig zu rela­ti­vie­ren, will hei­ßen: sich in Bezug zu set­zen zu ande­ren Kon­ti­nen­ten, als Teil einer Welt­ge­mein­schaft zu begrei­fen – gera­de auch in kirch­lich-reli­giö­sen Din­gen. Sol­cher­art müss­te Euro­pa den Per­spek­ti­ven­wech­sel nicht ein­fach nur hin­neh­men, son­dern könn­te dadurch gewin­nen. Wer ein paar Schrit­te zurück­tritt, sieht mehr vom Gan­zen – da ver­än­dern sich Pro­por­tio­nen und Prio­ri­tä­ten. Vor allem aber: wer los­lässt, steht mög­li­cher­wei­se nach­her wie­der siche­rer. Garan­tie gibt es kei­ne – aber wer nur fest­hal­ten will, ver­liert am Ende immer.

Nun klingt die Melo­die schon bekann­ter: die Rei­se soll also in eine Über­füh­rung der Kir­che – und mit ihr Euro­pas – in eine wie auch immer gear­te­te “Welt­ge­mein­schaft” gehen. Die­se wird, wie alles und jedes heut­zu­ta­ge, mit der Spra­che des “guten Geschäfts” ver­kauft. Über­setzt in den übli­chen Jar­gon: die­se Über­füh­rung ist zwar ers­tens ein “Risi­ko”, von dem kein Mensch weiß, ob und wie es sich “bezahl­bar” macht, zu dem man aber “Mut” haben muß,  zwei­tens ist sie ohne­hin alter­na­tiv­los, dafür aber “eine Chan­ce”, und wer oben­auf schwim­men will, muß sowie­so mit­zie­hen. Mit ande­ren Wor­ten: Was hier zum Aus­druck kommt, ist ein­mal mehr die glo­ba­lis­ti­sche Uto­pie und Ideo­lo­gie der “Neu­en Weltordnung”.

Die­ser ent­spre­chen auch die Ten­den­zen zur Ent­or­tung Roms: es ist näm­lich in kei­ner Wei­se ein­zu­se­hen, wie­so das Auf­tre­ten eines aus Latein­ame­ri­ka stam­men­den Paps­tes die “Per­spek­ti­ve” nach Latein­ame­ri­ka oder in die sons­ti­ge Welt ver­schie­ben oder umkeh­ren soll. Die Kir­che funk­tio­niert eben (noch?) nicht nach einem demo­kra­ti­schen Reprä­sen­ta­ti­ons­prin­zip, und ver­mut­lich hät­ten auch vie­le im Wort­sin­ne “katho­lisch” gesinn­te “Ultra­mon­ta­ne” ihre Schwie­rig­kei­ten damit, wenn man etwa den Vati­kan nach Rio de Janei­ro oder Ban­gla­desh ver­le­gen wür­de, wenn es dort ein­mal zah­len­mä­ßig mehr Gläu­bi­ge gäbe als in Italien.

Bis­her war der Anspruch der Kir­che jeden­falls genau umge­kehrt: die Welt soll sich nach Rom aus­rich­ten, und damit eben indi­rekt Rich­tung Euro­pa (des­sen Kul­tur und Geschich­te auf eine enge­re und ent­schei­den­de­re Wei­se mit der Kir­che ver­knüpft ist, als die irgend­ei­nes ande­res Erd­tei­les, wes­halb, von vie­len “Anti-Uni­ver­sa­lis­ten” kri­ti­siert, die Chris­tia­ni­sie­rung der Welt bis zu einem gewis­sen Gra­de auch immer ihre Euro­päi­sie­rung bedeu­tet). Und wenn nun ein Erd­teil katho­lisch wird, muß sich eben auch sei­ne Kompaß­na­del nach Rom rich­ten (wobei sich die römi­sche Kir­che inzwi­schen viel­leicht schon über­dehnt hat wie einst das römi­sche Impe­ri­um, und damit wie die­ses auf ihren Zer­fall zusteu­ert. Wer weiß, was für Natio­nal­kir­chen und Neo-Pro­tes­tan­tis­men ihrer Dezen­tra­li­sie­rung fol­gen werden.)

Aber die­ser Zusam­men­hang soll offen­bar zer­stört wer­den. Plötz­lich soll es umge­kehrt sein, und Rom und die Chris­ten­heit ihr Zen­trum ver­lie­ren – und das nicht nur geo­gra­phisch. Schon wird die Rede vom nun angeb­lich “demü­ti­ge­ren” Auf­tre­ten Roms (im idea-Arti­kel in Anfüh­rungs­stri­che gesetzt) mit der Sug­ges­ti­on ver­knüpft, daß die­se “Demut” sich auch in einer begrü­ßens­wer­ten Rela­ti­vie­rung des kirch­li­chen Wahr­heits­an­spruchs zei­ge. Dabei irri­tiert beson­ders der Gruß des neu­en Paps­tes „vor allem” an “die Mus­li­me, die den einen leben­di­gen und barm­her­zi­gen Gott anbeten“.

Das Augen­merk soll­te hier vor allem auf den “leben­di­gen” Gott gelegt wer­den: wenn es sich nicht um eine diplo­ma­ti­sche Schmei­che­lei han­delt, ist die­se Aus­sa­ge eine blan­ke Häre­sie. Fran­zis­kus selbst hat es mit Léon Bloy gesagt: wer sich nicht zu Jesus Chris­tus bekennt, bekennt sich zum Satan.  Es ist jeden­falls auch in die­sen Wor­ten an die Mus­li­me kei­ne “Demut” zu fin­den: es han­delt sich um ein dras­ti­sches und eigen­mäch­ti­ges Sich-Hin­weg-Set­zen des Paps­tes über die ihm auf­ge­tra­ge­ne Glau­bens­leh­re. Wor­te wie die­se wür­den jemals nie­mals über die Lip­pen eines belie­bi­gen ortho­do­xen Mos­lems mit Selbst­ach­tung kom­men. Für die tau­sen­den ver­folg­ten Chris­ten im Ori­ent müs­sen sie wie Hohn klin­gen. Der his­to­ri­sche Franz von Assi­si hat­te immer­hin noch ver­sucht, die mos­le­mi­schen Sul­ta­ne auf eige­ne Faust zu bekehren.

Mit­löh­ner ver­gißt nun nicht, sei­ner Leser­schaft die “kon­ser­va­ti­ve” Beru­hi­gungs­ta­blet­te zu reichen:

Umge­kehrt soll­te sich eigent­lich von selbst ver­ste­hen, dass die Zuwen­dung der Kir­che den Armen gel­ten muss. Die – letzt­lich poli­ti­sche – Fra­ge ist nur, wie den Armen am bes­ten gehol­fen wird. Dass die­se Opti­on für die Armen mit mar­xis­ti­scher Theo­rie und Pra­xis nicht kom­pa­ti­bel ist, haben bereits die bei­den Vor­gän­ger von Fran­zis­kus hin­rei­chend deut­lich gemacht. Man darf hof­fen, dass auch der Papst aus Latein­ame­ri­ka sich gegen Ver­ein­nah­mun­gen von sozi­al­uto­pis­ti­scher oder ‑popu­lis­ti­scher Sei­te ent­schie­den verwahrt.

Ohne nun kom­pli­zier­te theo­lo­gi­sche und exege­ti­sche Fra­gen auf­rol­len zu wol­len: es soll­te sich aber auch “von selbst ver­ste­hen”, daß die “Zuwen­dung der Kir­che” allen, “Armen” und “Rei­chen” “gel­ten muß”, und zwar pri­mär in Form der Ver­tei­lung der reli­giö­sen Heils- und Sakral­gü­ter und nicht etwa der kari­ta­ti­ven Zuwen­dung. Die ange­spro­che­nen “Ver­ein­nah­mun­gen” wer­den aber mit Sicher­heit erfol­gen, und zwar von der Sei­te, die sie am poli­tisch wirk­sams­ten ein­zu­set­zen weiß. Bei­spiels­wei­se muß nur die Behaup­tung ver­brei­tet wer­den, daß “den Armen am bes­ten gehol­fen” sei durch “glo­ba­lis­ti­sche Theo­rie und Pra­xis” und die Ein­glie­de­rung der Kir­che und Euro­pas in die “Welt­ge­mein­schaft” – und wie die­se aus­zu­se­hen hat, wird dann auch nicht die Kir­che zu ent­schei­den haben.

Fort­set­zung folgt.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (26)

Simon Hambacher

21. März 2013 13:50

Ich wuerde nicht sagen, dass die Herkunft des neuen Papstes einer Abkehr von Rom und Europa gleichkommt. Seit die "neue Welt" durch die Europaeer entdeckt wurde ist sie doch nichts anderes als eine Ausweitung von Europa auf einen neuen Kontinent. In Amerika gibt es "das Andere" - in Form der westafrikastaemmigen Nachkommen der Sklaven in den USA, der Karibik und Nordbrasilien und den Nachkommen der amerikanischen Ureinwohner, von den First Nations in Kanada, bis zu den indigenen Gruppen in den Anden zumeist mit mehr oder weniger gemischt europaeisch-indigener Herkunft. Es gibt aber auch die Gegenden die europaeischer sind als jede heutige westeuropaeische Großstadt. Die Italiener sind dabei eine besonders traditionalistisch eingestellte Gruppe, die sich bis heute in den USA noch nicht so stark in die angelsaechsische weiße Mehrheitsidentitaet assimiliert haben wie manch andere Gruppen. Und Argentinien ist ein Land das besonders wenig von "diversity" betroffen ist, es fehlen die ehemaligen Sklaven, und die indigenen Gruppen sind auch nur sehr schwach vertreten. Kurz: Bergoglio der Argentinier der erst zweiten Generation ist so italienisch wie man ueberhaupt nur italienisch sein kann.
Im Uebrigen ist das einmal mehr ein hervorragender Artikel, sowas findet man im Netz sonst nicht

Rumpelstilzchen

21. März 2013 13:59

Zunächst mal ein großes Kompliment für Ihre umfassende Analyse und Einschätzung des neuen Papstes.
Auch ich bin über die Namensgebung sehr überrascht und weiß noch nicht, was ich davon zu halten habe. vielleicht sollten wir noch etwas abwarten.

Den Beitrag von Alexander von Schönburg habe ich auch gelesen und war etwas verwundert. Bis jetzt erkenne ich nicht, wieso "Bescheidenheit" im äußeren Auftritt ( ich hielt Benedikt auch für bescheiden) Vorzeichen einer inhaltlichen Revolution sein soll, die auf die Abschaffung des Weihepriestertums hinausläuft. Es gilt doch umgekehrt, dass ein geweihter Priester seinem Herrn folgt und nicht der Welt. Weshalb es völlig bedeutungslos ist, dass Frauen das Priesteramt anstreben. Das Priesteramt ist keine Machtposition , sondern der Priester hat zu dienen.
Der neue Papst steht gewiß nicht für Reformen, die den Zölibat abschaffen, die Sexualmoral lockern usw. ( seine Ausagen zur Homoehe sind deutlich).
Einen Linksdrall sehe ich auch nicht unbedingt.
Vielleicht ist es die große Chance der katholischen Kirche, der Linken ihre Pseudothemen zu entreissen, die Ökologie , bei der Linken eine Ersatzreligion, die soziale Frage, die die Linke bis zur Unkenntlichkeit mißbraucht hat.
Ich sehe bis jetzt auch keine Relativierung des christlichen Wahrheitsanspruches. Was der Papst über den Islam und Muslime zu sagen hat, wird spannend.
Ratzinger hat den intellektuellen Vorstoß in seiner Regensburger Rede gemacht , doch dann auch einen Rückzug.
Die globalistische Utopie einer neuen Weltordnung sehe ich auch nicht so ganz. Der neue Papst ist sicher nicht Küngs Weltethos verbunden.
Zudem mag er Romano Guardini, dieser bezeichnete sich als " konservativ mit dem Blick nach vorne".
Warten wir die Entwicklung ab. Auf jeden fall bleibt es spannend.

Sara Tempel

21. März 2013 15:50

Danke für Ihre umfangreichen Recherchen und die Hinweise auf Intrigen um den Papstwechsel!
Das Thema neue „Weltgemeinschaft“ mit ihrer globalistische Utopie und Ideologie macht mir Angst...

Iustus Ionas

21. März 2013 15:51

Sehr geehrter Herr Lichtmesz, ich schätze Ihre Beiträge immer sehr, doch dieses Mal greifen sie etwas daneben. Wäre Franziskus Demut zur Schau getragen, dann würde im starken Kontrast dazu die Priester-, Bischofs- und Kardinalszeit Bergoglios stehen. Aber da er schon immer so war - auch bevor in das Zentrum der Medienaufmerksamkeit rückte - halte ich seine franziskanische (obgleich Jesuit) Prägung für mehr als authentisch.

M.L.: Zum einen ist "Authentizität" hier nicht die Frage. Zum zweiten kann der Würdenträger eines überpersönlichen Amtes ja nicht einfach machen, was für ihn privat "authentisch" ist. Zum dritten geht es hier um das Signal, das die mediale Verbreitung der Schuh-Story aussenden soll. Zum vierten sind die Schuhe gegenüber den anderen Anmaßungen und Traditionsbrüchen nur ein Detail.

Rote Schuhe und Mozetta sind nettes Eye-Candy, aber keine liturgische Kleidung. Johannes-Paul II hat auch keine roten Schuhe getragen. Diskussionen über solche Nebensächlichkeiten sind mehr als pharisäerhaft und gehen am Kern vorbei. Als ob es darauf ankäme. Wenn der heilige Vater ein authentischer Verkünder des Evangeliums ist und im Sinne Franz' von Assisi wirkt, dann wird er als Papst verehrt werden, auch ganz ohne päpstliches Blingbling. Es gibt kein Gesetz, was ein Papst anzuziehen hat. Benedikt hat sich auch über bestehende Konventionen hinweggesetzt, siehe benediktinisches Altararrangement.

Was zu bekritteln ist, ist lediglich die linkskatholische Jubelstimmung und die Vereinnahmung von Fraziskus' Demut für konzilsvergeistigte Experimente. Das war aber bei Benedikt anfangs nicht anders. Das böse Erwachen kommt noch, denn moral- und grundtheologisch unterscheidet Fraziskus nichts von Benedikt. Christozentrisch, Eucharistie als Kern des Katholizismus, Verdammung der Homoehe, Heiligkeit des Priesteramts, Ablehnung von Abtreibung, Pro Zölibat, starke Marienfrömmigkeit, Entweltlichung der Kirche usw. usw. Mir wird in der Debatte zuviel über Äußerlichkeiten, und zu wenig über Inhalte gesprochen. Das ist oberflächlich und stört höchstens den pomp-liebenden Kulturchristen.

MfG

Ein Tradi

mitles

21. März 2013 15:54

Boah, Joschkas Turnschuhe.. der war bitter!
Seis drum, ohne Hoffnung kann ich nicht und will ich nicht, auch wenn die Enttäuschung regelmäßig zuschlägt. Franziskus macht auf mich bisher einen sehr sympathischen Eindruck. Hübsche Szene, als er Cristina Kirchner einen Kuß auf die Wange schmatzt. Erinnert sich noch jemand, das vor 2 Wochen Achmadinejad wegen eines ähnlichen Vorfalls schwer unter Beschuss kam?
https://www.welt.de/politik/ausland/article114556805/Papst-Franziskus-trifft-Argentiniens-Praesidentin.html
Was den Islam angeht stellt sich die Frage, ob die Päpste bisher geschwiegen haben, um die Christen in den islamischen Ländern nicht noch mehr zu gefährden. Die Kirche kann sie nicht schützen. Immerhin hat Franziskus persönliche Erfahrungen mit Diktatur gemacht, vielleicht doch ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Iustus Ionas

21. März 2013 16:10

Achja:

https://echoromeo.blogspot.de/2013/03/yours-im-marz-2013.html

;-)

Zadok Allen

21. März 2013 16:11

Wer ernsthaft glaubt, daß der hoch ehrenwerte Professor Ratzinger aus den von ihm öffentlich genannten Gründen von einem Amt zurücktritt, dessen Träger nach zweitausendjähriger Auffassung nur der Tod entbinden kann, der glaubt auch, daß Walter Ulbricht 1971 "aus gesundheitlichen Gründen" als Staatsratsvorsitzender der DDR und SED-Parteichef zurückgetreten ist.

In der Tat scheinen tektonische Verschiebungen innerhalb der römischen Kirche im Gange. Angesichts der historischen Entwicklungstendenz dürften diese bei keinem halbwegs kritischen Beobachter Optimismus auslösen.

Welche Intrige könnten die Finanzmafia des Vatikan oder die mehrfach erwähnten homosexuellen Seilschaften innerhalb der Kurie gegen Ratzinger gesponnen haben? Dieser war vielleicht der letzte Sperriegel in einer uralten, innerlich seit langem maroden Staumauer. Katechontische Qualitäten hatte er jedenfalls.

Luise Werner

21. März 2013 16:21

Dem linken Mainstream kommt es wohl zunächst gar nicht darauf an, ob sich die katholische Kirche "reformiert", bzw. in welche Richtung sie sich reformiert. Es scheint wohl viel wichtiger, in welchem Licht man sie darstellen kann. Es geht zumindest in Deutschland darum, die katholische Kirche als eine "Kirche im Aufbruch" oder als "reformwillig" darzustellen und der mit einigen Schlagworten abzuspeisenden Öffentlichkeit zu verkaufen. Die Nachricht soll lauten: Das Bollwerk wird geschleift; auch die Katholiken kommen zur Besinnung; es gibt Niemanden mehr, der die "schöne neue Welt" ablehnt. Diese Nachricht soll die Runde machen und allen soll klar sein, dass Widerstand von niemanden mehr geteilt und unterstützt wird.
Ob die Kirche dann dieser Nachricht auch entspricht, scheint zunächst zweitrangig. Wichtig ist erstmal die Botschaft.
Ich behaupte, egal was der neue Papst sagen und machen wird, es wird in den kommenden Monaten als Signal der Reform verkauft werden.
Soviel zum Mainstream.

Die Diskussionen um den neuen Papst selbst halte ich nur deshalb für halbwegs gerechtfertigt, weil sein Vorgänger auf so außergewöhnliche Weise gegangen ist. Ansonsten ist der Papst der Papst und sollte als solcher weitgehend außerhalb der Kritik stehen. So wie ich das immer für Benedikt gefordert hatte, so wünsche ich dies auch für Papst Franziskus dem I .

Johannes P.

21. März 2013 17:19

Dabei irritiert besonders der Gruß des neuen Papstes „vor allem“ an „die Muslime, die den einen lebendigen und barmherzigen Gott anbeten“.

Das ist lediglich ein Rückgriff auf eine Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils:

Der Heilswille umfaßt aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird. (Lumen Gentium, 16.)

M.L.: Ja, von Johannes Paul II. kennt man ja ähnliches. Trotzdem werde ich nie verstehen, wie das theologisch schlüssig ist.

Fabian Niklas

21. März 2013 17:36

In drei Tagen ist Palmsonntag. Die Zeitspanne vom "Hosianna" bis zum "Kreuzige ihn" am Karfreitag ist kurz.

Das letzteres bald kommen wird, dessen bin ich fast gewiss. Spätestens dann, wenn sich endgültig abzeichnet, dass auch der neue Papst in den ethischen Fragen keine Anstalten macht, die Positionen der an Anämie leidenden, deutschen, linksliberalen Nabelschau-Katholizismus zu übernehmen.

Ich interpretiere das ostentative Herausstellen des bescheidenen Stils Franziskus' in der Berichterstattung der Mainstreammedien im Übrigen durchaus nicht als Ausdruck genuiner Hoffnung auf Bestätigung der eigenen Positionen (in Sachen Homoehe, Zölibat, Frauenordination), sondern viel mehr als subtiles Nachtreten gegen Benedikt XVI, bei dem der Vorwurf mitschwingt Benedikts Stil sei im Vergleich von geringerem Wert. Wer dem auf den Leim geht, der verkennt die Weite der Möglichkeiten des katholischen Christentums.

Couperinist

21. März 2013 18:36

Gestern wurde im Ersten Ali Kizilkaya, Vorsitzender des Islamrats der BRD, konsultiert, ob die Muslime den neuen Papst akzeptieren werden. Man werde beobachten, so der Vorsitzende, ob der neue Papst sich als aufgeschlossener dem Islam gegenüber erweisen werde als sein Vorgänger.

Den Anfang hat er ja schon gemacht, werden also vorerst wohl keine Papst-Puppen brennen, wie vor ein paar Jahren. Damit dies hoffentlich so bleibt, müßte er alles daran setzen, die verleumdenden, völlig übertriebenen Gerüchte über verfolgte Christen in der muslimischen Welt aktiv zu bekämpfen und der Islamophobie in Europa den Kampf ansagen (wie schon vom türkischen Außenminister gefordert).

Auch sollte er Mohammed endlich die Prophetenschaft zuerkennen. Und diese Sache mit der Gottessohnschaft Jesu ist dem Dialog auf Augenhöhe sehr abträglich, beleidigt dies doch den lebendigen Gott, der im Koran seine letzte Botschaft an die Menschheit sandte und damit die verfälschten Schriften seiner Vorgänger abrogierte.

Amen.

M.L.: Amen, darauf läuft das alles logischerweise hinaus. Und diese Schritte werden in diesem Prozeß nur von einer Seite gemacht.

Rumpelstilzchen

21. März 2013 19:00

@ Johannes P

Danke für den Hinweis auf Lumen Gentium 1,16, hatte den Text im Hinterkopf, fand aber nicht die Stelle in den Konzilstexten.

@ML
die dogmatischen Konstitutionen sind in der Tat starker Tobak, aber es lohnt sich doch, die Konzilsgeschichte der Kirche mal zu betrachten.
Der besagte Text ist aus der Zeit zu verstehen, Vat II war von 62 - 65.
in Lumen Gentium wurde darum gerungen, ob die , die das " Evangelium noch nicht empfangen haben, auf das Gottesvolk hingeordnet sind".
Dies wurde zuvor verneint.
Es gibt die entsprechenden Passagen zum Judentum, zum Islam und zu anderen Religionen.
Die 1965 gewählte Formulierung stammt aus einer Zeit, als der Islam in Europa noch kein Thema war. Dieser Text müßte aus heutiger Sicht sicher ergänzt werden, damit es nicht zu einem Synkretismus kommt.
Gefahr: der Islam bedient sich am Christentum ( siehe das Buch Barmherzigkeit von Korchide) oder das Christentum gibt in Anbiederung an den Islam Positionen auf.
Die Konzilien waren immer ein Ringen um die wahre Lehre im christlichen Abendland.
noch mal zum Papst: zum ersten Mal seit dem Schisma 1054 kam ein orthodoxer Patriarch, Bartholomaios von Konstantinopel zur Amtseinführung nach Rom. Das ist sicher auch eine Ansage.

M.L.: Mir scheinen die konzilianten Konzilsformulierungen, so wie ich sie verstehe, sinngemäß darauf hinauszulaufen, zumindest höflich die gemeinsame Basis anzuerkennen: "Ihr meint zwar das Richtige, habt es aber noch nicht so richtig verstanden." Die Formulierung, die Moslems glauben an "einen lebendigen, barmherzigen Gott" wirft eine Menge Frage auf. Gibt es denn mehrere "lebendige" Götter usw. Derselbe, der Jesus Christus geschickt hat, kann derjenige, der Mohammed beauftragt hat, theologisch unmöglich sein.

Rumpelstilzchen

21. März 2013 19:17

Ergänzung: Positionen von Papst Franziskus von A wie Abtreibung bis R wie Relativismus gibt es auf kathnet und der Internetseite aleteia.org.

Stil-Blüte

21. März 2013 19:49

Vielen Dank für diesen Beitrag auf dieser Seite. Ich hatte schon gedacht, ich kann meinen Augen nicht mehr trauen.
Unbehagen seit dem ersten Moment als der 'selbsternannte' Franzikus, bevor er auf den Balkon tritt, die rechte Hand auf die linke Brust legt wie ein weltlicher totalitärer Herrscher (s. Lenin, Stalin, Trotzki, Napoleon). Der Papst hat ein Amt inne, und nur das rechtfertigt ihn, Stellvertreter Christi zu sein. Nun wird das Amt Schritt für Schritt, vom ersten Auftritt an aufgeweicht, beliebig, privat 'Guten Abend', 'Guten Appetit' statt 'Gott segne Euch', 'Gott sei mit Euch'. Hat Franziskus vor, sich wie Franziskus von der Welt zurückzuziehen? Nein. Hat er privates Kapital in Gemeineigentum übergeben? Nein. Da mag er noch so viele eiserne Kreuze, schwarze Schuhe, einen teils silbernen Ring tragen - ist das nicht eigentlich ein Verhökern des symbolischen Reichtums der katholischen Kirche/Tradition? Daß doch die Auflösung eines großen Reiches= Reichtums (hier des Katholischen) immer von innen kommen muß...

Und was ist das - 'ein Papst zum Anfassen'? Aller-Welts-Kirche?

Falls Benedikt mehr weiß bzw. wußte warum ist er, kraft seines Amtes nicht den Weg des Märtyrers gegangen? Diese Ansprache der Abdankung hätte auch eine andere sein können. Hier stehe ich und kann nicht anders.

Iustus Ionas

21. März 2013 20:09

Gehorsam beginnt dort, wo man nicht 100% auf einer Linie ist. Das sei am Ende noch dazu gesagt...

Biobrother

21. März 2013 20:32

Es ist wohl stets so, dass überlebensgroße Institutionen und Personen aufgrund ihrer Multiplikatorwirkung zu gigantischen Projektionsflächen werden, in die jeder machtlose Normalbürger etwas von sich selbst einbringen möchte. Den Vorwurf muss man der (oftmals recht penetrant agierenden) ultrakonservativen Seite also ebenso machen wie der linkskatholischen Seite. Insgesamt halte ich die Wahl dieses Papstes auch strategisch für einen ganz guten Griff, die Tatsache, dass er aus einer Weltregion mit vielen Armen und einigen wenigen extrem Reichen kommt, macht die eher soziale Ausrichtung verständlich, hinsichtlich der Reizthemen im Westen (Frauenordination, Zölibat, Homoehe, etc.) erwarte ich mir von ihm keine großen Veränderungen, diese Themen dürfte er aus seine Warte als Luxusproblemchen übersättigter Gesellschaften ansehen, vielleicht sogar zu Recht. Allerdings soll sein Umgangston hier etwas gefälliger und moderater sein als der seines Vorgängers. Ansonsten war der Ansatz von Benedikt XVI., den Glauben mittels der Ratio (Philosophie, Naturwissenschaft, Dialog mit dem Atheismus) neu zu beleben, sicher faszinierend, aber eben nicht massenkompatibel, dem einfachen Katholiken dürfte er stets als entrückter Intellektueller erschienen sein, und nur die unbekümmerte Jugend konnte diese unsichtbare Barriere etwas durchbrechen. Nun hat man quasi einen „Anti-Benedikt“ gewählt, der eher das Herz als das Hirn ansprechen möchte, in der Tat mit sehr viel Charme, der einen fast an einen alten italienischen Dorfpfarrer erinnert.

Zu den (ultra-)konservativen Katholiken noch die Anmerkung, dass ich Strenge aus echtem, tiefem Glauben heraus durchaus respektiere, das Bedürfnis einiger unter Weltekel leidender Konservativer, die Kirche zum Bollwerk gegen jede Form der Modernisierung zu machen, sie als Stütze der eigenen Identität zu missbrauchen oder sie auf die Rolle der blütenweißen Spenderin von spirituellem Trostbalsam zu beschränken, etwas problematisch und an der Sache vorbeigehend finde.

Wobei man bei Linkskatholiken und Ultrakonservativen ohnehin den Eindruck gewinnen kann, zwei verschiedene Organisationen vor sich zu haben, vom Umgangston mal gar nicht zu reden (so bezeichnete z.B. der brasilianische Befreiungstheologe und geschasste Priester Leonardo Boff den unlängst emeritierten Papst als das Schlimmste, was der Kirche passieren konnte und verlieh ihm den Ehrentitel eines "Würgeengels der Kirche". Nett, nicht?)

https://www.sueddeutsche.de/panorama/papst-franziskus-wider-die-buergerliche-froemmigkeit-europas-1.1625893

Rumpelstilzchen

21. März 2013 20:39

Papst Franziskus zum Relativismus:

"Jener Relativismus der es, unter dem Deckmantel des Respekts für Unterschiede, allen erlaubt, den Konflikt zu vermeiden, der mit dem reifen Mut verbunden ist, Werte und Prinzipien hochzuhalten. Der Relativismus ist seltsamerweise absolutistisch und totalitär. Niemand darf von seinem Relativismus abweichen. Im Grunde genommen heißt das ‚halt den Mund’ oder ‚misch dich nicht ein’. (25. Mai 2012)

Biobrother

21. März 2013 21:15

Zu besagtem Zitat von Leonardo Boff:
Siehe aktueller "Spiegel" oder auch

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90049019.html

Unnötig zu sagen, dass der marxistisch inspirierte Herr Boff selbst ein recht merkwürdiger Heiliger ist.

Georg Mogel

21. März 2013 21:36

Fischers Schuhe

https://www.sueddeutsche.de/leben/die-roten-schuhe-des-papstes-schuster-1.19974

Joseph von Sternberg

21. März 2013 21:48

Hier ein Interview mit Pater Schmidberger im September letzten Jahres:

https://www.youtube.com/watch?v=s9Y3B75l1VA&list=PLNbNLuXIe7-K1J6kYWi9IUM_BHtAGGFgP&index=1

Damals kamen die Verhandlungen plötzlich ins stocken. Neben den katastrophalen Kardinalskreationen der letzten zwei Jahre fällt mir dabei folgendes auf:

Es wurden Schlüsselpositionen mit Leuten gerade im letzten Jahr besetzt, die ich für Feinde von Innen halte - die gerne auch von der Journaille das Etikett konservativ aufgedrückt bekommen, Modell Beckstein oder Schäuble halt...

In diesem Zusammenhang wäre das Petrusamt, die letzte und wichtigste Umbesetzung - und die Piusbruderschaft bleibt draußen... während alle Keime jetzt erst recht ungehinderten Zugang erlangen werden.

Ein Fremder aus Elea

22. März 2013 07:47

Da hat kein Blitz eingeschlagen. Er hätte das Kreuz auf der Kuppel getroffen, ohne Schaden anzurichten. Ist 'ne Fälschung, kann man auch erkennen, wenn man sich das Photo hier genauer ansieht: https://www.mirror.co.uk/news/world-news/pope-benedict-wild-conspiracy-theories-1706485

M.L.: Na, wenn's im Daily Mirror steht,muß es wohl stimmen.

Ein Fremder aus Elea

22. März 2013 08:42

Das meinte ich nicht, Herr Lichtmesz.

Auf diesem Bild können Sie den Blitzableiter des Kuppelkreuzes erkennen:

https://www.roma-antiqua.de/forum/galerie/data/501/28-4-08_Kuppel-Petersdom.jpg

Wie Sie sehen, endet er in der Spitze des Kreuzes, wohingegen der Blitz, welchen Sie auf dem Bild des Daily Mirror sehen (und auf allen anderen Bildern auch) rechts hinter dem Kreuz endet.

Meine Worten waren etwas schlecht gewählt, mir ging es darum, auf das Bild hinzuweisen, und daß es nicht "echt" aussieht. Gut, jetzt habe ich es überprüft, und es stimmt auch.

Rumpelstilzchen

22. März 2013 09:40

@Couperinist

Es ist völlig belanglos, ob ein islamischer Funktionär den Papst akzeptieren kann, genauso belanglos ist es, ob er für eine deutsche Kanzlerin Bedeutung haben kann. Entweltlichung heißt ja auch, Welt Welt sein lassen.

@ML
Sicher erkennen die Konzilstexte von 1965 höflich die gemeinsame Basis an.
Aus heutiger Sicht ein bedenklicher Text.
Das Trennende zwischen Islam und Christentum ist größer als das Gemeinsame. Der christliche Gott ist nicht der islamische Gott.
Das zeigt sich am besten, wenn man Jesus und Mohammed vergleicht.
Dieser Konzilstext richtet heute eher Verwirrung an, er wird von Christen und Muslimen gleichermaßen benutzt , um die Unterschiede zwischen Islam und Christentum zu verwischen.
Grundlage muß deshalb immer wieder das Glaubensbekenntnis von Nicäa/Konstantinopel ( 451) sein, das für alle Christen verbindliche Glaubensbekenntnis.

Ob der Papst im Hinblick auf den Islam höflich die gemeinsame Basis betont oder eher in die Ent-scheidung drängt, bleibt abzuwarten.
Benedikt hat das in Regensburg versucht. Immerhin.
ich weiß nicht, ob ich die Namenswahl des Papstes toll, kühn oder eher doch tollkühn finden soll.

Gottfried

22. März 2013 09:52

@ Biobrother

"die Kirche zum Bollwerk gegen jede Form der Modernisierung zu machen, sie als Stütze der eigenen Identität zu missbrauchen"

Das riecht denn doch ein wenig streng nach Sigismund Schlomo Freud. Eine m.E. viel zu wenig getadelte Seuche der Moderne - der Relativismus bekommt ja durchaus sein Fett ab - ist der ubiquitäre Psychologismus, der sich von der Psychoanalyse wohl über die Kritische Theorie der Frankfurter Schule bis zu den Kenntnissen eines Jedermanns über Seelenkunde durch gelegentliche Einsichtsnahme die bunten Blätter, die in den Zahnarztpraxen ausgelegt werden, ausgebreitet hat.

Das ungelöste Rätsel der Erkenntnis: Man findet nur Zugang zu etwas - wie z.B. zur Rückwärtsgewandtheit eines traditionellen Christentums - von dem man bereits Elemente in sich trägt.

Auch vor der ersten Lektüre Davilas war ich ein ewiggestriger Reaktionär, stieß dann auf dieses:

"Die Hölle ist der Ort, an dem der Mensch all seine Vorhaben verwirklicht findet."

"Der Liebhaber des Lächerlichen wird vom fortschrittlichen Klerus nie enttäuscht."

"Früher griffen die Narren die Kirche an. Heute reformieren sie sie."

Es gibt wirklich nichts Groteskeres als einen gänzlich effeminisierten Kirchenmann, der mit allen seinen Manövern im Grunde nur darum bettelt, am Rande der modernen Gesellschaft trotz seines verdächtigen Abweichlertums von den Ewigheutigen gerade so eben noch geduldet zu werden.

eulenfurz

22. März 2013 10:36

Aber vielleicht tut es ja Europa gut, sich selbst ein wenig zu relativieren. … Solcherart müsste Europa den Perspektivenwechsel nicht einfach nur hinnehmen, sondern könnte dadurch gewinnen.

Auch an anderer Stelle wird dieser Paradigmenwechsel propagandiert:

Das Überlegenheitsgefühl der Europäer gegenüber ihren ehemaligen Kolonien hat sich auch ins wissenschaftliche Denken tief eingegraben. Ziel ist nun, den Eurozentrismus endlich aufzubrechen und die Blickrichtung umzukehren: Betrachtet Europa als Provinz und die ehemaligen Kolonien als geistige Zentren!

Hartmut Lutz, Professor für Native American Studies in Greifswald: „Post-Kolonial bedeutet für mich, dass wir als Europäer uns unserer kolonialen Privilegiertheit, aber auch unserer kolonialen Verblendung bewusst werden.“

[hier]

Couperinist

22. März 2013 20:19

@Rumpelstilzchen

Religion, insbesondere das Verhältnis von Islam und Christentum, ist immer Politik. Der Islam sieht sich gegenüber dem Christentum dogmatisch in einer Position wie der Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus. Mittelbar ist der religiöse Kampf immer ein weltlicher Kampf, weil er Identitäten und gesellschaftliche Grundannahmen betrifft.

Wenn der Papst als Oberhirte der größten christlichen Konfession dogmatische Zugeständnisse an den Islam macht, ist das alles andere als Gedöns. Der Platz, den alle islamischen Rechtsschulen den Christen zuweisen ist genau der, den ich oben satirisch dargestellt habe: "Integrierte" Schutzbefohlene, die mit gewissen Rechten leben dürfen, wenn sie die Oberhoheit des Korans anerkennen. Man könnte sagen, der Papst integriert sich.

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