20. April 2009

Wozu Chemnitz?

von Götz Kubitschek / 27 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

widerstandGestern erhielten wir Besuch von einem Leser, er brachte eine Pflanze für den Garten mit, blieb für eine Stunde, trank einen Kaffee und erzählte von seinen Alltagserlebnissen in Mannheim: Er selbst ist Arzt, und sein Bekanntenkreis setzt sich aus gebildeten, links angehauchten Kollegen, Lehrern, Freiberuflern zusammen. Fast alle ziehen derzeit um, denn das Kind kommt in die Schule, und da muß man raus aus den multikulturellen Stadtteilen und rein in die Vororte oder in stinkteure Wohngebiete, irgendwohin jedenfalls, wo man ausländerfreie Schulen vorfindet.

Aber links angehaucht bleiben die Leute auch nach ihrem Umzug, und sie verschrauben sich in seltsame Erklärungen darüber, warum sie weggezogen sind aus einem Vietel, das doch das genaue Abbild ihrer Theorien oder ihrer angelernten Wirklichkeitsbeschreibung ist: bunter als deutsch, lockerer als deutsch, anders gewürzt als deutsch, gewalttätiger als deutsch, frauenfeindlicher als deutsch, ungebildeter, gröber, dreckiger als deutsch, aber für viele Deutsche mit Drang nach unten mittlerweile ein Leitbild - es ist nicht schwer, an Deutschen den kleinsten gemeinsamen Nenner der multikulturellen Gesellschaft zu studieren.

Von Mannheim nach Chemnitz, denn der Gast stellte die Frage, wozu wir uns dies antäten: Von vornherein sei doch klar gewesen, daß wir die Übermalung des Bildes hätten nicht aufhalten können. Und sicher gefalle nicht jedem unserer Leser und Freunde die Vorstellung, daß man sich als Konservativer in Handschellen abführen lasse, also nicht für, sondern gegen die Staatsmacht und ihre Ordnung stehe.

Leitbild "Fuchs" also? Schlau sein, schnüren, wissen, wann es sich lohnt, den Kopf aus dem Bau zu strecken? Mit Blick auf Mannheim gesprochen: Wir leben in einer Zeit des Rückzugs, des Wegzugs, des Refugienbaus und der Ausblendung? Mit Blick auf Chemnitz: Wir leben in einer Zeit der Tünche? Mit Blick auf beides: Aus dem Sinn, aus dem Geist?

Nochmals zwei Artikel dazu, einer vom Künstler selbst, einer aus der Berliner Zeitung, und dann noch ein Interview mit Zschocke. Ich selbst kann mich am Ende immer nur wiederholen:

1. Etiam si omnes, ego non (wenn auch alle andern, ich nicht): Das ist die Weckung und Kräftigung des Widerständigen in uns, und sein angemessener Einsatz.
2. Provokation als Methode der Wahrnehmungserzwingung: siehe Greenpeace usf.
3. Wir, die wir dabei waren, wissen jetzt wieder mehr über die Rituale der Medien und der Politik.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (27)

Toni Roidl
20. April 2009 10:39
Bizarr, dass diejenigen, welche die Machtmittel haben und den Gummiknüppel der freiheitlich demokratischen Grundordnung schwingen, tatsächlich »zivilcouragiertes« Handeln für sich reklamieren und das selbst wohl auch wirklich so empfinden... Mr. Spock würde sagen: »Faszinierend...«.

Zur Frage der Debatte: Es war doch klar, dass das Ziel nicht in der Erhaltung des Bildes liegen konnte; so wie in Hamburg ja wohl nicht das Ziel war, dass Grass öffentlich verspricht, für immer zu schweigen. Das Ziel ist Gegenöffentlichkeit – und das wurde erreicht. Welchen Effekt dieses Ergebnis hat, lässt sich jetzt noch gar nicht absehen. Aber auch gar nicht hoch genug einschätzen. Je öfter man die Rituale und Reflexe der »Zivilcourage« provoziert und auslöst, desto stumpfer macht man sie damit.
AFG
20. April 2009 10:44
Schöne Aktion, leider kaum medienwirksam, da der Anlass etwas fadenscheinig ist. Sie dürfen, wenn sie die KSA bekannt machen wollen, keine haarspalterischen "Schein"motive nutzen. (Was interessiert uns ein Bild in Chemnitz?) Werden sie arrogant, legen sie sich mit den Großen an. Mir fallen spontan mindestens 5 große Medienbetriebe-ob nun Zeitung, Radio, Fernsehen- ein, denen man seine Ideologie demonstrieren sollte.
Lieber daran einige wenige Leser von dieser Seite verlieren, als in der Öffentlichkeit von vornherein wie ein "Verein zum Schutze bös angeschauter Künstler" aufzutreten.
eleonoraduse
20. April 2009 10:49
Ich kann euch nur beglückwünschen !In der Zeit von Duckmäusern und Dilettanten ist es gerade gut,Sand ins Getriebe zu streuen.Vielleicht erwacht ja auch der ein oder andere....und nimmt Beispiel an Euren Aktionen.
Timotheus
20. April 2009 11:08
Vielleicht hätten Sie ja mal ein Polizeiauto in Brand stecken oder der Staatsmacht Brandsätze nach Art des Molotovs entgegenschleudern sollen. Für derartige Aktionen als Antwort auf unnötige Polizeiprovokationen, z.B. bloße Anwesenheit, hätten Sie in der einschlägigen Linkspresse sicher viel Sympathie geerntet.

Letztendlich bin ich unentschlossen darüber, ob solche Aktionen einen Wert haben. Ich bilde mir eine gewisse weltanschauliche Überlegenheit gegenüber den hier zum Vorbild genommenen linken Chaoten ein. Sich ihrer Mittel anzunehmen... Nun, es hinterläßt mich etwas ratlos. Vielleicht sollte man als Konservativer seine Andersartigkeit gegenüber den spinnerten 68ern erkennen und sich demnach eigene Wege suchen. Fragen Sie mich nur nicht wie diese aussehen könnten.
Toni Roidl
20. April 2009 11:37
an Timotheus: Als Konservative sind wir doch heute - ob wir wollen, oder nicht - schon nicht mehr Teil der Mehrheitsgesellschaft, sondern subversiv, subkulturell, das Gegenteil von »Mainstream«. Da ist konservativer Punk genau das Rechte (in jeder Hinsicht)!
Es geht nicht darum, von der Linkspresse Sympathie zu bekommen, sonden sie zu ärgern, zu irritieren und zu Überreaktionen hinzureißen.
Das macht die KSA vorbildlich - vor allem: Sie macht es! Nachmachen, nicht reden! An AFG: Besser machen!
Lichtmesz
20. April 2009 11:40
Der Anlaß war alles andere als "fadenscheinig" oder "haarspalterisch", was ist das bloß für ein Unsinn? Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt, und damit ist alles gesagt über Sinn und Zweck des Ganzen.
ammianus
20. April 2009 14:41
an Timotheus:

Der Punkt ist ja gerade, daß nicht die Methoden der linken Chaoten übernommen wurden: Kein Randale-Terror, keine Straßenschlacht mit der Polizei, sondern der kontrollierte, gezielte Regelverstoß, der provoziert und wirksame Bilder schafft. Vorbildlich und lageadäquat -- und wenn überhaupt nach links verglichen werden soll, dann war das eher Greenpeace als Antifa.
Wilhelm
20. April 2009 14:42
....ich denke, dass mit dieser Aktion mehr Gegenöffentlichkeit erreicht wurde, als bei den ersten beiden Aktionen. Chapeau!
Thorsten
20. April 2009 14:51
Der Anlaß der jüngsten KSA war sicher nicht nichtig, aber absolut unrelevant. Wie die anderen davor auch. Die aufgegriffenen Probleme sind an der Tagesordnung. Die KSA müßte folglich täglich an vielen Orten aktiv werden um authentisch zu vermitteln, dass es vor allem auch um die Sache und nicht nur um Aufmerksamkeit geht.

Dabei habe ich Achtung vor den Akteuren. Immerhin rafft man sich auf und beginnt Zeit und Geld zu investieren. Die Vorbereitung und das zu erwartende Prozedere danach nagt jedenfalls an Beidem.

Wer meint, dass die zu erwartenden Konsequenzen selbst für unrelevante Aktionen, die Authentizität schädigen, der hat weiß Gott von Politik keine Ahnung. Es geht nicht um Recht und Wahrheit, sondern um Macht. Es stellen sich daher für die Akteure wohl nur Fragen des Gewissens und der Legitimität. Für die Revolution lassen sich jedenfalls keine Tickets lösen. So wird der beste Staat keine straffreien Mittel bereitstellen, damit dessen Bürger wirkungsvoll provozieren können. Von der Möglichkeit grundlegend-korrigierenden Einfluß zu nehmen ganz zu schweigen.

Für die meisten gilt daher wohl: Warten bis es sich wirklich lohnt straffällig zu werden. Und fast alle davon werden immer warten. Ich warte auch - bis die Sache an Relevanz gewinnt.
Corvusacerbus
20. April 2009 15:12
Es gibt überhaupt nix zu kritisieren an einer KSA! Solange die Verhältnisse sind, wie sie sind - und sie sind sehr flexibel und werden immer immuner gegen Kritik von außen - und diejenigen, die eine respektable Rechte in der Parteipolitik anbieten könnten, sich, aus welchen methodischen, thematischen oder finanziellen Gründen auch immer, dazu nicht durchringen können und die Parteipolitik also hoffnungslos bleibt, ermutigen diese Aktionen alle, die beim Marsch in und durch die Institutionen dabei sind, den Mut zu verlieren. Dabei sind nämlich heute mehr rechts und national Gesinnte, als mancher Kleingläubige weiß und die können, angesichts der Tatsache, daß in allen Institutionen von Wirtschaft, Gesellschaft, Staat und Staatenbund, das rosarotgrüne Denken derjenigen herrscht und vorherrscht, die ihren Marsch nach 1968 angetreten haben, jede Ermutigung und Ermunterung brauchen. Daß alle rechten Aktionen am Ende nur Peanuts sind, weil die gesellschaftliche Hegemonie vorerst endgültig verloren ist, steht auf einem anderen Blatt und ist weiß Gott kein Grund, an einer KSA herum zu mäkeln.
Rudolf
20. April 2009 15:12
"Etiam si omnes, ego non"

Mit Verlaub, ich finde dies etwas dickaufgetragen.
Jedenfalls, solange es um Aktionen mit doch eher geringem Risiko wie in Chemnitz, oder die Soft-Porno-Artikelchen auf web.de (ich spiele auf Frau Kositza an) gehen soll.

Das erinnert mich an die "Antifaschisten" die glauben oder zumindest so tun, als würden sie todesmutig einem totalitären System die Stirn bieten, aber doch wissen, dass sie jeden Abend unbeschadet wieder auf ihrer vielleicht etwas vergammelten Couch sitzen werden.
Martin
20. April 2009 15:32
... so medienunwirksam war die Sache aus meiner Sicht nicht ....

zumindest im Internet hat sie sich in den verschiedensten Foren (auch Parteiforen) wiederfinden lassen.

Aus meiner Sicht kann aufgrund dieser unverfrorenen Allianz aus SPD/Linke/Grüne und auch CDU durchaus von einem Revival der Blockflöten gesprochen werden, der zum Nachlegen geradezu provoziert.

Wie wäre es, wenn man auf die Ortsschilder von Chemnitz abziehbare Aufkleber anbringt, die darauf hinweisen, dass man es neben einer Hochschulstadt auch mit einer "Bilderstürmerstadt" zu tun hat ?

Ein demonstratives "Übertünchen" des Karl-Marx Kopfes mit Wasserfarben wäre auch möglich etc. -

Ergo: Nachlegen ! Nur so wirds auch bundesweit bekannter, dieser "seltsame Vorgang" ....
JS
20. April 2009 15:40
@ Timotheus: Die verschiedenen Mittel zivilen Ungehorsams sind weder von den '68ern erfunden worden noch sollten nur sie und ihre Epigonen darauf abonniert sein, diese Schatzkiste voll wirkmächtiger Strategien zu öffnen. Verkrustete und gefährliche Strukturen entblößt man eben am besten, indem man Öffentlichkeit herstellt, bzw. den öffentlichen Raum zurückerobert und den Gegner zu entlarvenden Reaktionen zwingt: mit Intelligenz, Selbstbewusstsein und Charme im Zwiegespräch, und im öffentlichen Raume mit Satire, mit Plakaten, auf denen die Ikonen und Symbole des Gegners demontiert werden, indem man diese ihrer Wirkung in der Realität gegenüberstellt, mit Infiltration und Störung selbstgefälliger Siegerveranstaltungen etc. - kurzum: mit allen verfügbaren Vehikeln, die es schaffen, die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln letztendlich doch noch zu verhindern. Auf Einsicht und Weisheit seitens der von allerlei Unrat dauerbeschallten Masse zu warten, ist die denkbar schlechteste Lösung für die Probleme von Volk und Land; die Zeit sich vornehm zurückzuhalten oder öffentliche Aktionen als "plebejisch" zu verachten, ist, meiner bescheidenen Ansicht nach, vorbei.

Vielmehr stellt es ein Grund- und Vermittlungsproblem dar, dass auch wohlmeinende Geister der folgenden Teildefinition von Konservatismus anhängen:

"Und sicher gefalle nicht jedem unserer Leser und Freunde die Vorstellung, daß man sich als Konservativer in Handschellen abführen lasse, also nicht für, sondern gegen die Staatsmacht und ihre Ordnung stehe."

Zumindest mein Verständnis von Konservatismus hat nichts mit Obrigkeitshörigkeit zu schaffen, ganz im Gegenteil. Werte und Haltungen des Konservatismus müssen wieder ihren Weg in die öffentliche Diskussion finden, insbesondere müssen die zu gegnerischen Waffen geronnenen Stereotype durch vielschichtige Inhalte ausgehebelt werden.

Es gibt also auf allen Ebenen viel zu erledigen...
Praetor
20. April 2009 15:58
Die 4. KSA war notwendig. Keinen Widerstand zu leisten, wenn ein Kunstwerk aus politischen Gründen übermalt wird, ist eines gebildeten Menschen unwürdig. Hier geht es nicht nur um Gegenöffentlichkeit, sondern auch um die Haltung. Es werden sich sicher noch bessere Gelegenheitheiten bieten mehr Menschen Anteil an dieser rechten Haltung nehmen zu lassen.
AFG
20. April 2009 18:20
"Wer SICH nicht wehrt, lebt verkehrt(...)"
Inwiefern betraf die Aktion denn Herrn Kubitschek?
Stellen wir uns vor, die Schüler der Schule hätten sich gegen diese idiotische Bevormundung gewehrt. Das wäre eine schöne Vorlage für einen schönen, hoffnungsvollen Bericht geworden. So wird sicher in dem ein oder anderen von z.B. "Martin" erwähnten Internetforum sich über diese Aktion lustig gemacht.
Im Endeffekt war mein Beitrag ja das, was "Martin" im weiteren Verlauf sagte:
"Ergo: Nachlegen ! Nur so wirds auch bundesweit bekannter, dieser „seltsame Vorgang“"

"An AFG: Besser machen!"
An Toni Roidl: Wollen wir?
Mann der Deutschen Partei
20. April 2009 19:29
An sich eine gute Aktion.
Aber durch ein Fenster in ein Gebäude einzudringen ist nun einmal Hausfriedensbruch!

Straftaten sollte man als Konservativer doch lieber nicht begehen.

Jetzt fängt die Maschine nämlich erst an sich zu entfalten. Vernehmungen bei der Polizei, Rechtsanwälte werden beauftragt, Staatsanwaltschaft ermittelt. Strafbefehl oder Gerichtsverfahren... Das ganze geht Monate wenn nicht Jahre. Egal was dabei herauskommt, man läßt Nerven und es kostet Geld. Und das ist beabsichtigt!

Das läßt aufhorchen:

http://www.arcor.de/content/aktuell/newsticker_rss//20986428,1,artikel,Polit-Straftaten+auf+Hoechststand.html
Nihil
20. April 2009 20:06
Lieber "Mann der Deutschen Partei"!

Es kann doch nicht sein, daß man sich als "Konservativer" der Realität verweigert. Und als Realist, muß man wohl (oder übel) zur Kenntnis nehmen, daß auch eine sog. "Straftat" (wovon "Hausfriedensbruch" sicher eine der harmlosesten ist) mitunter notwendig sein kann. Ich für meinen Teil wäre jederzeit bereit eine "Straftat" zu begehen, sofern es mir sinnvoll erscheint. Ein System, daß ich ohnehin größtenteils ablehne - weil es den imaginierten Konsens schon lange zugunsten von exotischen Minderheiten aufgegeben hat - macht es mir sicher einfacher.

Dieser widerwärtige Rechtspositivismus ist etwas zutiefst "Bürgerliches" (tut mir leid - für mich ist dieses Prädikat fast ein Schimpfwort).

MfG Nihil
Toni Roidl
20. April 2009 21:07
Betr. »Wollen wir?«

Falls der Herr Kubitschek das »Copyright« freigibt...
venator
20. April 2009 22:37
Was ist konservativ? Wir wollen doch nicht zurück in irgendeine Vergangenheit, sondern wir wollen einen definitiv und radikal ANDEREN Weg, als die linksgrüne Ideologie ihn uns volkspädagogisch korrekt vorgeben möchte. Deshalb haben wir natürlich auch ein Recht auf Widerstand, und der könnte auch Grenzen der Legalität überschreiten. Wenn der Staat in den Händen von Verrätern wäre, wäre so ein Widerstand absolut legitim - auch wenn einige schlecht trainierte Polizisten sich dabei ihre dicken Bäuche stoßen. Es gab mal die KONSERVATIVE REVOLUTION, da wurde das alles schon mal diskutiert. Und die KR wollte einen echten Umsturz - viel radikaler als der NS, der ja systemkonform und demokratie-kompatibel vorging. So what?
Mann der Deutschen Partei
20. April 2009 22:54
Lieber Nihil,

die Realität sollte sein, daß man keine Gelegenheit gibt, daß man an den "Ei.." gepackt werden kann.
Zur "harmlosen Straftat": Das trifft sicher auf alle möglichen Straftäter zu, aber nicht für die aus dem nationalen Spektrum. Diesen Leuten wird der Boden unter den Füssen weggezogen, daß es nur so kracht.
Merke: Es ist nicht wichtig was gesagt wird, entscheidend ist heute WER etwas sagt.
Wenn Du schreibst, Du wärst jederzeit bereit eine solche Straftat zu begehen, dann hast Du entweder ein großes Portmonnai oder keine Kinder oder beides :-)

MfG
enickmar
20. April 2009 23:05
Die Aktion war gut.
Dieser Fall Zschocke steht repräsentativ für vieles, was im Kleinen geschieht.
Bzgl. Staatsmacht und Ordnung: Die Berliner Mauer war auch Teil einer Ordnung ...
godeysen
21. April 2009 00:56
Es ist bitter nötig, öffentliche Aufmerksamkeit für den Widerstand gegen die zunehmend totalitäre Gesinnungshygiene zu gewinnen. Aufmerksamkeit gewinnt man durch Provokation.
Die Anordnung der Stadt Chemnitz, ein Auftragskunstwerk, das zunächst keinerlei Anstoß erregte, zu übermalen, weil der Künstler für eine (demokratisch in den Stadtrat gewählte) konservative Fraktion arbeitet, ist ein unglaublicher Akt politischer Säuberung - der mich jedoch nicht mehr wundert: Ein Schornsteinfeger soll nicht mehr arbeiten dürfen, weil er für die NPD im Gemeinderat sitzt... Könnte er vielleicht Gas durch die Kamine ausländischer Mitbürger leiten? - Ich selbst habe einen Lehrauftrag an einer großen süddeutschen Universität verloren, weil ich in einem (nicht veröffentlichten, sondern von einem Denunzianten weitergeleiteten!!) Leserbrief an eine Zeitung gefragt habe, warum die Ethnizität eines Mörders in einer Meldung nicht genannt worden ist.
Das sind die gegenwärtigen Zustände in dem "freiesten deutschen Staat, den es je gegeben hat". Der bizarre Charakter dieser Zustände muss bloßgelegt werden.
Ich gebe aber den Kritikern in einem Punkt recht: Konservative Aktionen müssen a) von eine breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen werden (wie einst die Sitzblockaden der Atomkraftgegner und Friedensaktivisten) und b) höchste Stellen adressieren. Das gelingt freilich nur, wenn die Schweigespirale gebrochen wird und die zahlreichen politisch passiven konservativ denkenden Menschen zur Meinungsäußerung mobilisiert werden. Wir brauchen mehr Mitstreiter, und wir brauchen klare, konstruktive, konsensfähige Positionen.
Marco Reese
21. April 2009 20:19
Ich kann vielleicht aus meiner Sicht als Beteiligter an der ganzen Sache etwas sagen, beispielsweise dazu, warum ich mich bereit erklärte, am späten Donnerstagabend erst von Halle nach Leipzig, dann nach zwei Stunden Schlaf in den frühen Morgenstunden mit GK und einer weiteren Person nach Chemnitz zu verlegen: mich ärgern derlei ungerechte Vorgänge, wie deren einer mit der Zerstörung von Zzschockes Bild stattgefunden hat. Noch dazu, wenn man denjenigen kennt. Erst recht, wenn nicht lange nachdenken muß, um weitere Anzeichen für den bedenklichen Weg unserer Gemeinschaft zu finden, für den auch der genannte Anlaß bürgt. Weiterhin reizt mich als jungen Menschen auch das, was sich bisher unter dem Namen KSA herausgebildet hat. Und es sind genau diese Nadelstiche, welche nötig sind. Daß man sich nebenher auch im größeren Rahmen positionieren muß, ist selbstverständlich. Aber auf größerer Ebene wird man noch wenig bewirken können. Es wird sich zeigen, was da in der nächsten Zeit möglich sein wird. Man muß denn wenigstens die Aussichten nutzen, die sich bieten. Das gilt auch für die bisherigen KSA, wobei die Bedeutung der jeweiligen Anlässe ja variiert. Die Krenz-Aktion, an der ich auch beteiligt war, rief kein nennenswertes Medienecho hervor. Damals mußten wir viel Kritik einstecken, auch diesbezüglich wurde uns vorgeworfen, uns um die falschen Kreise zu kümmern. Nun, in Chemnitz besitzt die SED nach wie vor einen gewissen Einfluß, und wenn sie oder eine ihrer Vorfeldorganisationen eine Veranstaltung mit Krenz organisiert, dann handelt es sich dabei um ein Zielobjekt, nicht nur in geschichtspolitischer, auch in aktueller Hinsicht.

Die aktuelle Aktion war sicher nötig, um zu zeigen, daß es Leute gibt, die auch einmal in aller Frühe aufstehen, um einem jungen Menschen beizustehen, dessen Ruf gerade auf widerlichste Weise durch öffentliche Stellen massiv geschädigt wird nebst Zerstörung eines seiner Lebensleistungen. Die dabei auch durchaus mit Namen und Gesicht für ihr Handeln bürgen.

Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs ist ein geringer Preis.


Angesichts des relativ stattlichen Medienechos sollten wir einigermaßen zufrieden sein. Man kann immer noch mehr herausholen, aber: dies wird ja sicherlich nicht die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein.
Fritz
21. April 2009 21:57
"Wozu Chemnitz ?", fragt Götz Kubitschek. Nun, eine Antwort könnte sein: vielleicht um nicht eines morgens wieder in Karl-Marx-Stadt aufzuwachen. "Erkenne die Lage!", lautet eine alte strategische Forderung. Und die Lageanalyse führt zu dem Schluß, daß dieses Land sich auf vielen politischen Feldern einer linken Revolution von oben gegenüber sieht. Das erkennen mehr Menschen, als so mancher hier glaubt. Widerstand gegen diese durchdringende linken Gesellschaftspolitik speist sich aus vielen Quellen und Intentionen. Eine Gegenbewegung muß folgerichtig breitflächig sein, um überhaupt eine kleine Chance zu haben.

Benjamin Jahn Zschocke spielte im Blumenfeld-Gambit, welches aus der Indischen Verteidigung hervorging, seinen Turm nach f8, die Gegenseite wußte nur eine Machiavelli-Antwort: http://de.wikipedia.org/wiki/Blumenfeld-Gambit
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesbuch/659358/

"Wozu Chemnitz?" Vielleicht auch wichtig, um gegenüber den Dirigenten des realen politischen Flötenkonzerts zu demonstrieren, daß auf den linken Blockflötenlöchern blasende Spielmannsleute nicht jedermanns Geschmack sind.
Betrachtungen zur Lage, über Chemnitz und seine linken Revolutionäre hinaus:
1. Benjamin Zschocke im Mittelpunkt http://zettelsraum.blogspot.com/2009/04/uberlegungen-zur-freiheit-9-freiheit.html
2. Nicht Zettels Traum, aber der von Heribert Pratl, und seine westdeutsche linke Geschichtskonsequenz für Deutschland "Mehr DDR wagen!": Aufnahme der ersten Strophe der alten DDR-Hymne in die alte deutsche - gesamtdeutsche! - Nationalhymne mit dem Bechertext "Auferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt" http://zettelsraum.blogspot.com/2009/04/kurioses-kurz-kommentiert-wie-heribert.html

Walter Ulbricht und Erich Honecker würden es kaum glauben, was in Deutschland 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus wieder alles an linker Gesellschaftspolitik möglich ist inklusive Rehabilitationsforderungen des DDR-Systems auf breiter Front. Wahrlich lässt sich sagen und als Androhung von sozialistischen DDR-Verhältnissen für das heutige vereinte Deutschland verstehen: "Auferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt". Soso, "der Zukunft zugewandt", diese von Links geforderte linke Zukunft sieht allerdings böse nach Vergangenheit, nach Filter-DDR aus. Wie ging das System mit Spitzbart, Bauch und Brille letztlich aus? Nein, kein Bedarf an dieser Zukunft!
Martin
21. April 2009 22:30
Hallo Marco,

Sie schreiben, dass eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs ein geringer Preis sei ...

ich sage: Warten wir mal ab, in wie weit das "System" dies nutzen wird, um evtl. ein Exempel zu statuieren ....

auch eine Geldstrafe oder eine Freiheitstrafe auf Bewährung kann weh tun und ich wünsche allen Beteiligten, dass hier noch Restmaßstäbe von Verhältnismäßigkeit zur Anwendung kommen werden ... bei unserer Justiz kann man dies leider nicht mehr zu 100 % erwarten ...

Trotz allem: Ich fand die Aktion richtig.
TTH
24. April 2009 02:28
Lenin sagte mal: "Wenn deutsche Revolutionäre einen Bahnhof stürmen wollten, kauften sie sich erst einmal eine Bahnsteigkarte."

Damit dürfte alles zu diesem weinerlichen Gesülze um den "Hausfriedensbruch" gesagt sein - oder?
Harald Demsetz
04. Mai 2009 15:33
Tolle Aktion, bitte mehr davon!!! Denn wenn man schon keinen echten gesellschaftlichen Gegenentwurf hat (oder vielleicht auch einfach nur nicht in der Lage ist, ihn zu formulieren), ist es unzweifelhaft um so wichtiger, anderweitig aufzufallen. Frei nach dem Motto - wir geben uns hier ja gerne bildungsbürgerlich - "ut desint vires (vielleicht in unserem Falle besser cogitationes), tamen est laudanda voluntas". Und da teile ich uneingeschränkt die Auffassung von TTH, obwohl ihm leider nichts besseres einfällt, als für die konservative Sache Lenin zu zitieren: Das bißchen Hausfriedensbruch und das "weinerliche Gesülze" darum können einen wirklich zur Weißglut treiben. Denn wenn wir schon um jeden Preis auffallen und auf Provokation statt Programmatik setzen wollen, dann ist der Respekt gegenüber dem Hausfrieden sicherlich das erste, was wir über Bord werfen müssen. Als nächsten Schritt (5. KSA) könnte ich mir daher sehr gut Kaufhausbrandstiftung vorstellen. Damit könnten wir einerseits in der Formensprache der 68er bzw. ihrer wesentlich "suberversiveren" Epigonen verharren. Andererseits könnten wir auf diesem Wege über die Kubitschek-Kositza-Gruppe direkt in die Wehrmachtsfraktion (WMF, und dabei soll in 10 Jahren keiner mehr an Edelstahlbesteck denken!) übergehen. Dann wären wir endlich wirklich subversiv und auffallen würden wir überdies.

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