Sezession
27. März 2013

Bewaffnete Ästhetik – Alex Kurtagic über die Fehler der Konservativen

Nils Wegner / 6 Kommentare

35kurtagic_einband.indd(Rezension aus Sezession 53 / April 2013)

Undogmatisch, oft auch ketzerisch ist der Zugriff Alex Kurtagics auf die Aporien der (Post)Moderne. Daß seine Analysen der Lage »des Westens« und »der Weißen« ohne falschen Respekt vor Institutionen daherkommen, hat den Briten innerhalb der anglophonen rechten Bloggerszene zum Geheimtip gemacht.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Der Multiaktivist, der langjährige Erfahrung als Musiker, Graphiker und Verlagsbetreiber vorweisen kann, betrachtet die Agonie der europäischen Völker kulturell-metapolitisch. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind geradezu bilderstürmerisch: So plädiert er dafür, einen Konservatismus abzuräumen, der nicht Gegenposition, sondern Komplement zum Liberalismus sei.

Mit dem 35. Band der Reihe kaplaken ist in der Edition Antaios zu diesem Thema eine Sammlung von vier Essays erschienen. Unter dem klingenden Titel Warum Konservative immer verlieren wird der Frage nachgegangen, wie eine Gegenbewegung zu politischer und ethnischer Selbstauflösung wirksam werden kann.

Dem Warten auf einen nebulösen Umsturz, der das Chaos hinwegfegen werde, erteilt Kurtagic in »Avantgarde, Ästhetik, Revolution« eine klare Absage. Er entwirft das Gegenbild eines traditionalen Avantgardismus, dessen Träger notwendigerweise ein randständiges Dasein führten – eben dieses übe eine Faszination aus, wie der Autor aus seinem Wirken in der Black-Metal-Subkultur weiß. Die Frage des Stils sei essentiell dafür, (junge) Menschen auf emotional-unbewußter Ebene anzusprechen.

Der titelgebende Aufsatz konkretisiert dies anhand von acht Beispielen in bezug auf den Konservatismus, dessen Niederlage Bedingung für das Ende des westlichen Liberalismus sei. An seine Stelle müsse die Tradition treten, und mit ihr die Rückbesinnung auf Ordnung und Hierarchien. Die Frage »Sind Linke intelligenter?« wird verhaltenspsychologisch betrachtet und abschlägig beantwortet, während »Wozu all die Theorie?« die Bedeutung eines klar strukturierten Gedankengebäudes für jede Veränderung in der Gesellschaft herausarbeitet.

Zusammen mit einem kenntnisreichen Vorwort des Übersetzers Martin Lichtmesz stellt das Büchlein ein treffliches Rüstzeug für das Erstarken dessen dar, was Kurtagic die »bewaffnete Ästhetik« nennt, und dürfte manchen Leser zum politischen Umdenken veranlassen.

(Alex Kurtagic: Warum Konservative immer verlieren. Übersetzt und mit einem Vorwort versehen von Martin Lichtmesz. Schnellroda: Antaios  2013. reihe kaplaken, Bd. 35, 88 S., 8.50 €)


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (6)

Zaragosa
27. März 2013 11:43

Etwas off-topic, aber, ist eventuell auch eine deutsche Übersetzung von Kurtagic's "Mister" geplant? (vll sogar von Lichtmesz?)

antwort kubitschek
bisher nicht, nein.

rautenklause
27. März 2013 15:50

Die deutsche Übersetzung von "Mister" war bei Unitall angekündigt, wurde jedoch "aufgrund zu geringer Vorbestellungen" aus dem Programm genommen

Asenkrieger
27. März 2013 19:13

@ Zaragosa

Immerhin gibt es bei Unitall noch von Kurtagic die Artikelsammlung "Ja, Afrika muß zur Hölle gehen".

Wer Kurtagic lesen will, kann dies im Netz auf diversen Seiten, u. a. auf den im Buch zum Schluß angegebenen drei "neurechten" Netzseiten, aber auch beim "schwertasblog" und auf seiner Homepage.

Franz Schmidt
31. März 2013 00:26

Dass die Konservativen in der BRD zu wenig Kontakte in das Ausland haben, ist bekannt. Ihre Berührungsängste zu den Neurechten in den USA ebenfalls.

Dabei sind verschiedene US-Internetseiten im Begriff, das ehemals führende intellektuelle Niveau Europas mit aktuellen Bezügen zu übertreffen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dort weiterzubilden.

Die Neurechten der USA, unter ihnen auch Alex Kurtagic, haben sich nach einer Phase des Niederganges und der Stagnation prächtig entwickelt. Sie haben uns intellektuell fast abgehangen. Ihre Analysen sind tiefer und umfassender, ihre Aktivitäten moderner und erfolgreicher.

Vernetzten wir uns, damit der "Weiße Mann" weltweit gemeinsam gegen seinen Untergang zusammen steht. Gerade die Konservativen sind zu sehr auf die BRD fixiert, dabei ist selbst Europa nur ein Teil unseres Siedlungsgebietes.

Wir teilen ein Schicksal mit unseren Leuten - weltweit. Kurtagic hat dies erkannt und lebt es vor. Nicht umsonst nennen sich unsere Gleichgesinnten in den USA auf Grund ihrer gemischten europäischen Wurzeln "White Nationalists". Seien wir nicht im schlechten Sinne des Wortes zu "konservativ".

Ich würde mir wünschen, daß es bei den Kaplaken noch viel mehr nichtdeutsche Autoren gibt. Sie stehen in großer Zahl bereit.

Louis
4. April 2013 00:23

Ich habe bisher von "Mister" nur Gutes gehört. Als Leser von "Beutewelt" usw. interessiert mich der Roman sehr. Kurtagic hat zudem viele visionäre Ideen, wie seine Blogaufsätze beweisen.

Franz Schmidt
7. April 2013 15:56

@ Louise

"Mister" ist ein sehr gutes Buch. "Beutewelt" ist auch nicht schlecht.

Ich empfehle Ihnen das neueste Buch von Derek Turner (JF-Autor): "Sea Changes"". Das geht in die Richtung von Jean Raspails "Heerlager der Heiligen" und Ward Kendall: "Hold Back This Day".

Es gibt mittlerweile eine ganze Anzahl ähnlicher Publikationen, die nicht von der linken Seite kommen.

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