Bewaffnete Ästhetik – Alex Kurtagic über die Fehler der Konservativen

(Rezension aus Sezession 53 / April 2013)

Undogmatisch, oft auch ketzerisch ist der Zugriff Alex Kurtagics auf die Aporien der (Post)Moderne.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Daß sei­ne Ana­ly­sen der Lage »des Wes­tens« und »der Wei­ßen« ohne fal­schen Respekt vor Insti­tu­tio­nen daher­kom­men, hat den Bri­ten inner­halb der anglo­pho­nen rech­ten Blog­ger­sze­ne zum Geheim­tip gemacht.

Der Mul­ti­ak­ti­vist, der lang­jäh­ri­ge Erfah­rung als Musi­ker, Gra­phi­ker und Ver­lags­be­trei­ber vor­wei­sen kann, betrach­tet die Ago­nie der euro­päi­schen Völ­ker kul­tu­rell-meta­po­li­tisch. Die so gewon­ne­nen Erkennt­nis­se sind gera­de­zu bil­der­stür­me­risch: So plä­diert er dafür, einen Kon­ser­va­tis­mus abzu­räu­men, der nicht Gegen­po­si­ti­on, son­dern Kom­ple­ment zum Libe­ra­lis­mus sei.

Mit dem 35. Band der Rei­he kapla­ken ist in der Edi­ti­on Antai­os zu die­sem The­ma eine Samm­lung von vier Essays erschie­nen. Unter dem klin­gen­den Titel War­um Kon­ser­va­ti­ve immer ver­lie­ren wird der Fra­ge nach­ge­gan­gen, wie eine Gegen­be­we­gung zu poli­ti­scher und eth­ni­scher Selbst­auf­lö­sung wirk­sam wer­den kann.

Dem War­ten auf einen nebu­lö­sen Umsturz, der das Cha­os hin­weg­fe­gen wer­de, erteilt Kur­ta­gic in »Avant­gar­de, Ästhe­tik, Revo­lu­ti­on« eine kla­re Absa­ge. Er ent­wirft das Gegen­bild eines tra­di­tio­na­len Avant­gar­dis­mus, des­sen Trä­ger not­wen­di­ger­wei­se ein rand­stän­di­ges Dasein führ­ten – eben die­ses übe eine Fas­zi­na­ti­on aus, wie der Autor aus sei­nem Wir­ken in der Black-Metal-Sub­kul­tur weiß. Die Fra­ge des Stils sei essen­ti­ell dafür, (jun­ge) Men­schen auf emo­tio­nal-unbe­wuß­ter Ebe­ne anzusprechen.

Der titel­ge­ben­de Auf­satz kon­kre­ti­siert dies anhand von acht Bei­spie­len in bezug auf den Kon­ser­va­tis­mus, des­sen Nie­der­la­ge Bedin­gung für das Ende des west­li­chen Libe­ra­lis­mus sei. An sei­ne Stel­le müs­se die Tra­di­ti­on tre­ten, und mit ihr die Rück­be­sin­nung auf Ord­nung und Hier­ar­chien. Die Fra­ge »Sind Lin­ke intel­li­gen­ter?« wird ver­hal­tens­psy­cho­lo­gisch betrach­tet und abschlä­gig beant­wor­tet, wäh­rend »Wozu all die Theo­rie?« die Bedeu­tung eines klar struk­tu­rier­ten Gedan­ken­ge­bäu­des für jede Ver­än­de­rung in der Gesell­schaft herausarbeitet.

Zusam­men mit einem kennt­nis­rei­chen Vor­wort des Über­set­zers Mar­tin Licht­mesz stellt das Büch­lein ein treff­li­ches Rüst­zeug für das Erstar­ken des­sen dar, was Kur­ta­gic die »bewaff­ne­te Ästhe­tik« nennt, und dürf­te man­chen Leser zum poli­ti­schen Umden­ken veranlassen.

(Alex Kur­ta­gic: War­um Kon­ser­va­ti­ve immer ver­lie­ren. Über­setzt und mit einem Vor­wort ver­se­hen von Mar­tin Licht­mesz. Schnell­ro­da: Antai­os  2013. rei­he kapla­ken, Bd. 35, 88 S., 8.50 €)

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (6)

Zaragosa

27. März 2013 11:43

Etwas off-topic, aber, ist eventuell auch eine deutsche Übersetzung von Kurtagic's "Mister" geplant? (vll sogar von Lichtmesz?)

antwort kubitschek
bisher nicht, nein.

rautenklause

27. März 2013 15:50

Die deutsche Übersetzung von "Mister" war bei Unitall angekündigt, wurde jedoch "aufgrund zu geringer Vorbestellungen" aus dem Programm genommen

Asenkrieger

27. März 2013 19:13

@ Zaragosa

Immerhin gibt es bei Unitall noch von Kurtagic die Artikelsammlung "Ja, Afrika muß zur Hölle gehen".

Wer Kurtagic lesen will, kann dies im Netz auf diversen Seiten, u. a. auf den im Buch zum Schluß angegebenen drei "neurechten" Netzseiten, aber auch beim "schwertasblog" und auf seiner Homepage.

Franz Schmidt

31. März 2013 00:26

Dass die Konservativen in der BRD zu wenig Kontakte in das Ausland haben, ist bekannt. Ihre Berührungsängste zu den Neurechten in den USA ebenfalls.

Dabei sind verschiedene US-Internetseiten im Begriff, das ehemals führende intellektuelle Niveau Europas mit aktuellen Bezügen zu übertreffen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dort weiterzubilden.

Die Neurechten der USA, unter ihnen auch Alex Kurtagic, haben sich nach einer Phase des Niederganges und der Stagnation prächtig entwickelt. Sie haben uns intellektuell fast abgehangen. Ihre Analysen sind tiefer und umfassender, ihre Aktivitäten moderner und erfolgreicher.

Vernetzten wir uns, damit der "Weiße Mann" weltweit gemeinsam gegen seinen Untergang zusammen steht. Gerade die Konservativen sind zu sehr auf die BRD fixiert, dabei ist selbst Europa nur ein Teil unseres Siedlungsgebietes.

Wir teilen ein Schicksal mit unseren Leuten - weltweit. Kurtagic hat dies erkannt und lebt es vor. Nicht umsonst nennen sich unsere Gleichgesinnten in den USA auf Grund ihrer gemischten europäischen Wurzeln "White Nationalists". Seien wir nicht im schlechten Sinne des Wortes zu "konservativ".

Ich würde mir wünschen, daß es bei den Kaplaken noch viel mehr nichtdeutsche Autoren gibt. Sie stehen in großer Zahl bereit.

Louis

4. April 2013 00:23

Ich habe bisher von "Mister" nur Gutes gehört. Als Leser von "Beutewelt" usw. interessiert mich der Roman sehr. Kurtagic hat zudem viele visionäre Ideen, wie seine Blogaufsätze beweisen.

Franz Schmidt

7. April 2013 15:56

@ Louise

"Mister" ist ein sehr gutes Buch. "Beutewelt" ist auch nicht schlecht.

Ich empfehle Ihnen das neueste Buch von Derek Turner (JF-Autor): "Sea Changes"". Das geht in die Richtung von Jean Raspails "Heerlager der Heiligen" und Ward Kendall: "Hold Back This Day".

Es gibt mittlerweile eine ganze Anzahl ähnlicher Publikationen, die nicht von der linken Seite kommen.

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