Sezession
1. Februar 2012

Deutschland, umgevolkt

Gastbeitrag

46pdf der Druckfassung aus Sezession 46 / Februar 2012

von Michael Paulwitz

Als »bunte Republik« hat der bei Redaktionsschluß noch amtierende Bundespräsident anläßlich seines Amtsantritts den Staat charakterisiert, dessen Oberhaupt zu werden er sich anschickte. Das als Provokation gemeinte, infantile und leicht verstaubte Schlagwort entstammt einer Zeit, als der Charakter der Bundesrepublik Deutschland als homogener Nationalstaat der Deutschen noch nicht offiziell in Frage gestellt wurde. Das Tableau der vom Bundespräsidenten als Kulisse seiner letzten Weihnachtsansprache eingeladenen »verdienten Mitbürger« spiegelt die fundamental geänderte Definition und Wahrnehmung des Landes durch seine politische Klasse: Ethnische Deutsche kommen hier nur am Rande als eine Gruppe unter vielen vor.

Es stellt sich damit die Frage, inwieweit Deutschland in absehbarer Zukunft noch Land und Heimat der Deutschen sein kann und wird, und wie es um die Stabilität, Prosperität und Krisenfestigkeit eines zunehmend von Einwanderern geprägten Staates der »neuen Deutschen« bestellt ist.

Einwanderung auf der einen, nationale Homogenität und Identität auf der anderen Seite sind a priori kein Widerspruch. Ein dynamisches Volk, zumal eines von der Kopfzahl und geopolitischen Lage der Deutschen, wird immer wieder an den Rändern Teile seiner ethnischen Substanz abgeben, die als Auswanderer oder als Bewohner verlorener Gebiete in anderen Völkern aufgehen, und es wird umgekehrt auch stets kleinere Völkerschaften auf seinem Territorium aufsaugen oder Einwanderer, auch solche aus anderen Kulturkreisen, aufnehmen und assimilieren können, ohne sich in seinem ethnischen Kernbestand und Zusammengehörigkeitsgefühl wesentlich zu verändern. Die deutsche Geschichte kennt in fast allen Epochen Beispiele für beide Entwicklungsrichtungen. Auch in unseren Tagen gibt es nicht nur eine wieder zunehmende Zahl von Auswanderern auf Dauer, sondern ebenso zahlreiche Fälle gelungener Einschmelzung von Einwanderern in die deutsche Nation.

Die vor einem halben Jahrhundert voll einsetzende Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte hat gleichwohl eine beispiellos neue Lage entstehen lassen. Die »größte Einwanderungsbewegung von Ausländern in der Geschichte Deutschlands« (Stefan Luft) hat erstmals in größerer Zahl Menschen nach Deutschland gebracht, die ihre ethnischen, kulturellen und religiösen Bindungen nicht hinter sich ließen, sondern in das Aufnahmeland mitbrachten und in ethnischen Kolonien verfestigten und noch verstärkten. Das Ergebnis war die – zunächst fahrlässig herbeigeführte und im nachhinein zum Programm erklärte – Transformation eines demokratischen Nationalstaats in eine multikulturelle Gesellschaft.

Ein solcher Prozeß, der mit dem unter NS-Tabu gestellten Terminus »Umvolkung« durchaus treffend beschrieben werden kann, unterhöhlt die staatsrechtlichen Grundlagen des betroffenen Gemeinwesens. Robert Hepp hat das schon vor Jahrzehnten schlüssig dargelegt, indem er die Vielvölkerrepublik des Multikulturalismus als Gegenentwurf zum demokratischen Nationalstaat bezeichnete. Der Nationalstaat ist die Existenz- und Selbstbehauptungsform des politisch verfaßten Volkes, also der Nation; die angestrebte Beseitigung der ethnischen Homogenität führt zwingend zum Austausch des Souveräns, des Staatsvolks. Die beiden Begriffe vom »Deutschen« (im Sinne von Staatsbürgerschaft und im Sinne von Volkszugehörigkeit) sind nicht mehr kongruent – eine Folge der im großen Stil erfolgten Einbürgerung von Einwanderern im Zuge der Einführung der Anspruchseinbürgerung in den neunziger Jahren durch den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und der Lockerung des Staatsbürgerschaftsrechts durch die rot-grüne Regierung im Jahre 2000.


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