Emma West als Exempel

46pdf der Druckfassung aus Sezession 46 / Februar 2012

Am 27. November 2011 veröffentlichte eine junge farbige Frau aus London ein Video auf dem Internetkanal youtube, das sie einen Monat zuvor per iPhone in einer Straßenbahn im Stadtteil Croydon aufgenommen hatte. »My Tram Experience« zeigte eine etwa dreißigjährige weiße Britin mit einem hellblonden kleinen Kind auf dem Schoß, die im wüsten Unterschichten-Slang die mehrheitlich ausländischen Mitpassagiere verbal attackierte: »Was ist bloß aus diesem Land geworden? Alles voll mit Polen, mit Schwarzen, mit Asiaten … Du bist kein Engländer … und du auch nicht! Keiner von euch ist ein Engländer! Schert euch heim in eure beschissenen Länder, aber kommt nicht her und bleibt in meinem! … England ist heute ein Nichts! Mein England ist nur mehr ein Scheißhaufen!« Wörtlich: »My Britain is fuck-all now.«

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Eine schwar­ze Frau star­te­te einen Gegen­an­griff: »Wenn wir nicht hier­her kom­men wür­den, dann wür­de nie­mand arbei­ten. Ihr Leu­te arbei­tet nicht. Wir müs­sen die Arbeit für euch tun.« – »Ach wirk­lich? Ich arbei­te! Ich arbei­te! Das ist mein Land, bis ihr hier­her gekom­men seid.« – »Na und?« – »Das ist mein bri­ti­sches Land! Du bist kei­ne Bri­tin. Bist du eine Bri­tin?« – »Ja, das bin ich!« – »Du bist kei­ne Bri­tin. Du bist nicht bri­tisch, du bist schwarz!« Die wei­ße Frau wirk­te dabei unkon­trol­liert, gestreßt, unge­sund. Mög­li­cher­wei­se stand sie auch unter Alko­hol­ein­fluß. Nun sind Pöbe­lei­en in öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln nicht gera­de eine Sel­ten­heit. Hier war aller­dings nicht bloß ein Reis­sack in Peking umge­fal­len: Hier war jemand bei einem Sakri­leg gegen die »Poli­ti­cal Cor­rect­ness« erwischt wor­den, und es dau­er­te nicht lan­ge, bis der Schei­ter­hau­fen errich­tet war.

Bereits 24 Stun­den nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung konn­te das Video nicht nur eine Zahl von über 100 000 Zugrif­fen ver­bu­chen, es wur­de zum Anlaß einer über das Netz­werk Twit­ter lan­cier­ten Hexen­jagd, die sich virus­ar­tig aus­brei­te­te. Erzürn­te »Twee­ter« schal­te­ten die Poli­zei ein und rie­fen zur Iden­ti­fi­zie­rung der »Ras­sis­tin« auf. Nur weni­ge Stun­den nach der all­ge­mei­nen Mobil­ma­chung, mel­de­te die Bri­tish Trans­port Poli­ce, daß die Kra­wall­ma­che­rin wegen Ver­dachts auf »ras­sis­ti­sche Stö­rung des öffent­li­chen Frie­dens« (»racial­ly aggra­va­ted public order offence«) ver­haf­tet wor­den sei. Die Urhe­be­rin des Vide­os zeig­te sich hoch­be­frie­digt: »Mein Video hat also Erfolg gehabt!« Der Twit­ter-Com­mu­ni­ty war die blo­ße Ver­haf­tung jedoch nicht genug der Stra­fe. Hun­der­te Kom­men­ta­to­ren for­der­ten, die Frau gehö­re »ste­ri­li­siert«, »depor­tiert«, »ein­ge­sperrt«, »geschla­gen«, »getre­ten«, »auf­ge­hängt«, »erschos­sen«, »ertränkt«, »bei leben­di­gem Lei­be ver­brannt« oder ein­fach nur »ernied­rigt wie ein Hund«. Ein­zel­ne gra­tu­lier­ten der Poli­zei, die »igno­ran­te, arm­se­li­ge, respekt­lo­se Fot­ze« ver­haf­tet zu haben: »Manch­mal kann ein Poli­zei­staat auch der guten Sache dienen!«

In den nächs­ten Tagen stie­gen die Auf­ruf­zah­len für das Video auf unglaub­li­che 11,5 Mil­lio­nen, wäh­rend die Pres­se Name und Adres­se der Übel­tä­te­rin ver­öf­fent­lich­te: Emma West, 34 Jah­re alt, wohn­haft in der Gren­vil­le Road in New Addington/Croydon, Mut­ter von zwei Kin­dern. Außer­dem wur­de bekannt, daß West eine ehe­ma­li­ge Zahn­arzt­hel­fe­rin sei, die wegen Depres­sio­nen mit Selbst­mord­ge­fähr­dung wie­der­holt in psych­ia­tri­scher Behand­lung war. Video­ant­wor­ten von empör­ten bis höh­ni­schen Schwar­zen erschie­nen auf you­tube: »Sie hat ein­fach einen schwar­zen Schwanz nötig! Wir sind jetzt da, und es gibt nichts, was ihr dage­gen machen könnt. Wir blei­ben hier, wir gehen nir­gend­wo hin, wir hal­ten euer Land am Lau­fen, wir sind eure Bus­fah­rer, eure Zug­fah­rer, eure Stra­ßen­rei­ni­ger, wir machen alles!« Eine Blog­ge­rin mit »Migra­ti­ons­hin­ter­grund« schrieb in einem »offe­nen Brief an Emma West«: »Wir haben Geset­ze gegen Dei­ne Taten und Geset­ze gegen Dei­ne Ansich­ten, weil sie in einer zivi­li­sier­ten, mul­ti­kul­tu­rel­len, mul­ti­eth­ni­schen, mul­ti­ras­si­schen Gesell­schaft inak­zep­ta­bel sind. Das Gesetz bestraft sie, weil sie in Groß­bri­tan­ni­en nicht tole­riert wer­den kön­nen. Das ist das Groß­bri­tan­ni­en, in dem Du lebst, Emma. Will­kom­men.« Ein Ram Mashru hielt es in der Peri­scope Post für eine »kon­struk­ti­ve« Idee, den sozia­len Druck auf abwei­chen­de Mei­nun­gen zu erhö­hen, und Nabe­e­la Zahir ergriff in der Huf­fing­ton Post die Gele­gen­heit beim Schopf, gleich das gesam­te wei­ße Eng­land unter Gene­ral­ver­dacht zu stellen.

Die Rol­le der Ein­schüch­te­rungs­trupps über­nah­men die anony­men Spuck­la­mas und Nach­tre­ter im Inter­net, die nun erst rich­tig los­leg­ten. Unter den Hun­dert­tau­sen­den Kom­men­ta­ren zu dem inzwi­schen gelösch­ten Ori­gi­nal­vi­deo fand sich eine Flut von Beschimp­fun­gen und Dro­hun­gen in die­sem Stil: »Ras­sis­ti­sche Schlam­pe … eng­stir­ni­ge, kaput­te Ras­sis­tin … kran­ke, ver­kom­me­ne Nut­te, man soll­te ihr das Kind weg­neh­men … ras­sis­ti­sches Stück Schei­ße … sie ist einen Bums wert, ich wür­de die Schei­ße aus ihr her­aus­bum­sen, mich auf ihr Gesicht set­zen und auf sie schei­ßen … ich bin 100 Pro­zent eng­lisch, und ich möch­te die dum­me Schlam­pe die Klip­pen von Dover hin­un­ter­wer­fen und zuse­hen, wie die­ses ras­sis­ti­sche, schwei­ne­schei­ße­dum­me Stück Haut­ver­schwen­dung ertrinkt … wäre ich in der Tram gewe­sen, ich hät­te sie geschla­gen … wei­ße Men­schen sind Dreck­sä­cke … ich wür­de ihr das Gesicht zerstören.«

Woher kommt der maß­lo­se Haß, den Wests Auf­tritt offen­bar auch bei vie­len ihrer wei­ßen Lands­leu­te her­vor­rief? Kul­tu­rel­ler Selbst­haß und in Fleisch und Blut über­ge­gan­ge­ner »Eth­no­ma­so­chis­mus« erzeu­gen inne­ren Druck. Das Ver­dräng­te hat­te sich in Form der »Tram Lady« die Bahn gebro­chen, das geschmäh­te »Es« das poli­tisch kor­rek­te »Über-Ich« weg­ge­fegt, platz­te touret­te­syn­drom­ar­tig aus ihm her­aus, und muß­te dar­um um so här­ter zurück­ge­knüp­pelt wer­den. Die Heu­che­lei, die durch die­sen Druck ent­steht, hat ver­mut­lich ein unge­heu­res Aus­maß erreicht. Wel­cher Mensch wird nicht auf die Dau­er erheb­lich gereizt, wenn er in sei­nem eige­nen Land nur mehr von frem­den Gesich­tern und frem­den Spra­chen umge­ben ist – erst recht, wenn die­se Ent­wick­lung mit einem Anstieg an Gewalt, Ver­wahr­lo­sung, sexu­el­len Über­grif­fen und Ver­bre­chen ver­bun­den ist, sowie der wach­sen­den Zumu­tung, all dies weder anspre­chen, noch kri­ti­sie­ren, noch bekla­gen, ja nicht ein­mal wahr­neh­men zu dürfen.

Man wird sogar dazu genö­tigt, sich über­haupt den Gedan­ken, daß man ein Anrecht auf ein eige­nes Land hät­te, aus dem Kopf zu schla­gen. Indes­sen haben selbst pro­mi­nen­te Iko­nen der »Bri­tish­ness« wie »Mon­ty Python«,John Clee­se und der Pop­sän­ger Mor­ris­sey öffent­lich beklagt, daß Lon­don kei­ne eng­li­sche Stadt mehr sei. Auch sie muß­ten dafür Kri­tik ein­ste­cken, aber im Gegen­satz zu Emma West haben sie genug Geld, sich ins Aus­land oder ins Land­haus im Grü­nen abzusetzen.

Die Aus­fäl­le Wests, die, neben­bei bemerkt, kein ein­zi­ges ras­sis­ti­sches Schimpf­wort ent­hiel­ten, waren jeden­falls durch die Haß­kom­men­ta­re im Netz qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv um ein Viel­fa­ches über­bo­ten wor­den. Ein für Croy­don zustän­di­ger Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ter sah in dem Fall nichts­des­to­trotz ein leuch­ten­des Bei­spiel dafür, wie »posi­tiv« die »Macht der sozia­len Netz­wer­ke« genutzt wer­den kön­ne, um »Ver­däch­ti­ge zu fan­gen« und ihre Ansich­ten zu äch­ten. Zu den Anstach­lern zähl­te auch der Vor­sit­zen­de der Labour Par­ty, Ed Mil­li­band hims­elf, der sei­ne Twitter-»Follower« auf­for­der­te, Hin­wei­se zusam­men­zu­tra­gen, um die Frau zu denun­zie­ren. Ein Mann aus der obers­ten Klas­se setz­te sich also per­sön­lich dafür ein, eine wehr­lo­se Per­son aus dem Klein­bür­ger­tum für einen ver­ba­len Aus­fall ins Gefäng­nis zu stecken.

Daß es sich dabei um den Kopf jener Par­tei han­delt, die einst für die Inter­es­sen der Klas­se stand, der auch Emma West ange­hört, ist dar­an nicht die ein­zi­ge Poin­te. 2009 zitier­te der Dai­ly Tele­graph einen ehe­ma­li­gen Bera­ter von Tony Blair, der offen­leg­te, daß die Labour Par­ty im letz­ten Jahr­zehnt bewußt die Ein­wan­de­rungs­kon­trol­len gelo­ckert hät­te, um das Land der »Mas­sen­ein­wan­de­rung zu öff­nen« und es im Sin­ne des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus »radi­kal zu ver­än­dern«. Natür­lich sei die­ser Plan geheim­ge­hal­ten wor­den, vor allem, um die Stamm­wäh­ler­schaft aus der wei­ßen Arbei­ter­klas­se nicht zu entfremden.

Die »mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche« Agen­da wird von der bri­ti­schen Regie­rung offen­bar ohne­hin längst genutzt, um sich frei nach Brecht ein neu­es Volk zusam­men­zu­stel­len. Das Ziel wird bald erreicht sein: Jähr­lich wan­dern etwa 500 000 Men­schen in das Ver­ei­nig­te König­reich ein. Die Flut steigt seit Jahr­zehn­ten ste­tig an, ver­stärkt durch die demo­gra­phi­sche Zeit­bom­be der mas­si­ven Gebur­ten­ra­ten der Ein­wan­de­rer. Die­se Poli­tik hat Groß­bri­tan­ni­en in wei­ten Tei­len in eine Höl­le aus Über­frem­dung und schwe­rer Kri­mi­na­li­tät verwandelt.

Die Isla­mi­sie­rung und die Aus­wei­tung von Zonen, in denen de fac­to die Scha­ria herrscht, ist weit vor­an­ge­schrit­ten. Gleich­zei­tig hat die »Vielfalts«-Propaganda (»diver­si­ty«) sow­jetartige Aus­ma­ße ange­nom­men, eben­so wie die wuchern­den Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­maß­nah­men. Von der Explo­si­vi­tät des mul­ti­eth­ni­schen Pul­ver­fas­ses zeug­ten im August 2011 die bür­ger­kriegs­ar­ti­gen Aus­brü­che in meh­re­ren bri­ti­schen Städ­ten, die vor allem von schwar­zen Ein­wan­de­rern domi­niert wur­den, die auch über­pro­por­tio­nal in den Kri­mi­nal­sta­tis­ti­ken ver­tre­ten sind. In den Groß­städ­ten sind es natür­lich die Arbei­ter- und Unter­schich­ten, die als ers­te von der demo­gra­phi­schen Ver­drän­gung an die Wand gequetscht wer­den. In Croy­don, das wäh­rend der Unru­hen schwer ver­wüs­tet wur­de, sind nur noch etwa 60 Pro­zent der Bevöl­ke­rung eng­li­scher Her­kunft. Der Bezirks­teil New Adding­ton, aus dem Emma West stammt, hat einen beson­ders schlech­ten Ruf: typisch sind Banden­ge­walt, anti­so­zia­les Ver­hal­ten und Schu­len in mise­ra­blem Zustand.

Wests »Ras­sis­mus« ist nicht der eines Kolo­ni­al­herrn aus Kiplings Zei­ten, son­dern die Haut­krank­heit eines in die Enge getrie­be­nen, ohn­mäch­ti­gen Men­schen. Ihrer wüten­den Ver­zweif­lung wird im heu­ti­gen Eng­land kaum ein Ven­til zuge­stan­den. Dar­über hin­aus gehört sie einer Schicht an, die seit bald zwei Jahr­zehn­ten sys­te­ma­tisch dif­fa­miert wird. Die­se Ent­wick­lung ver­schärf­te sich vor allem im Nach­spiel des Mor­des an dem jun­gen Far­bi­gen Ste­phen Law­rence im Jahr 1993. Fünf wei­ße Män­ner sol­len den 18jährigen aus purem Ras­sen­haß ersto­chen haben. Als die Ver­däch­ti­gen aus Man­gel an Bewei­sen frei­ge­spro­chen wur­den, setz­te eine mas­si­ve Instru­men­ta­li­sie­rung des Fal­les ein. Die mut­maß­li­chen Täter, Klein­kri­mi­nel­le aus der Unter­schicht, wur­den als bei­spiel­haft für ihre Klas­se hin­ge­stellt. Die wei­ße Arbei­ter­klas­se galt in den Medi­en fort­an als »frem­den­feind­lich, dumpf, analpha­be­tisch und bor­niert«, als eine Ansamm­lung unzi­vi­li­sier­ter Wil­der, die drin­gend einer mora­li­schen Umer­zie­hung bedürften.

Bren­dan O’Neill beschrieb im Online-Maga­zin Spik­ed, wie der Begriff des Ras­sis­mus nun vor­ran­gig unter patho­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten betrach­tet wur­de: »Er wur­de vom Instru­ment der Mäch­ti­gen zur Krank­heit der Macht­lo­sen.« Die Ankla­ge wur­de durch den von Innen­mi­nis­ter Jack Straw in Auf­trag gege­be­nen »MacPh­er­son-Report« auf die gan­ze Gesell­schaft aus­ge­wei­tet: »Insti­tu­tio­nel­ler Ras­sis­mus« habe die Auf­klä­rung des Law­rence-Fal­les behin­dert. Damit war nicht gemeint, »daß bestimm­te Insti­tu­tio­nen wie die Poli­zei oder das Ein­wan­de­rungs­amt ras­sis­tisch sei­en, son­dern daß man Ras­sis­mus in den ›Hand­lun­gen, Ein­stel­lun­gen und dem Ver­hal­ten‹ man­cher Indi­vi­du­en ›beob­ach­ten‹ kön­ne, die in sol­chen Insti­tu­tio­nen arbei­ten.« (O’Neill). So wei­te­te sich der »Anti­ras­sis­mus«, der in ers­ter Linie den »Ras­sis­mus« der Wei­ßen meint, immer mehr zum tota­li­tä­ren Syn­drom aus.

Die zuneh­men­de Beu­gung des Rechts in Groß­bri­tan­ni­en steht mit die­ser Ideo­lo­gie in direk­tem Zusam­men­hang. Die 2003 beschlos­se­ne Auf­he­bung des 800 Jah­re alten Rechts­grund­sat­zes, der es ver­bie­tet, einen ein­mal Frei­ge­spro­che­nen ein zwei­tes Mal wegen des­sel­ben Ver­bre­chens vor Gericht zu brin­gen, war eine direk­te Fol­ge der poli­ti­schen Aus­schlach­tung des Law­rence-Fal­les. Zwei der bereits 1993 Ange­klag­ten wur­den im Janu­ar 2012 auf­grund neu­er foren­si­scher Bewei­se für schul­dig befun­den. Law­rence war inzwi­schen zur Sym­bol­fi­gur des »Anti­ras­sis­mus« mit einem Hei­li­gen­schein à la Mar­tin Luther King hoch­sti­li­siert wor­den. Fäl­le, in denen wei­ße Teen­ager dem Ras­sen­haß aus­län­di­scher Ban­den zum Opfer fie­len, wie etwa Kriss Donald (2004), Mary-Ann Leneg­han (2005) oder Dan­ny O’Shea (2011), beka­men nicht annä­hernd so viel Publi­ci­ty, noch wur­den sie zum Anlaß genom­men, die Mas­sen­ein­wan­de­rung grund­sätz­lich zu pro­ble­ma­ti­sie­ren. Deren Opfer gel­ten offen­bar als blo­ße Kol­la­te­ral­schä­den einer Heils­ideo­lo­gie, die kei­ne Häre­ti­ker duldet.

BNP-nahe Inter­net­sei­ten berich­te­ten, daß Emma Wests Kin­der in staat­li­che Obhut gege­ben wur­den, wäh­rend ihr eine Frei­set­zung auf Kau­ti­on mit der Begrün­dung ver­wei­gert wur­de, ihre Inhaf­tie­rung geschä­he zu ihrer eige­nen Sicher­heit. Wäh­rend es so aus­sah, als ob West Weih­nach­ten in »Schutz­haft« ver­brin­gen müs­se, wur­den vier soma­li­sche Frau­en auf Bewäh­rung ent­las­sen, die im Juni eine Sozi­al­ar­bei­te­rin kran­ken­haus­reif geprü­gelt und als »wei­ße Hure« beschimpft hat­ten. »Ras­sis­mus« wur­de als Motiv nicht gel­tend gemacht, und der kul­tur­sen­si­ble Rich­ter sah einen mil­dern­den Umstand in der Tat­sa­che, daß die mos­le­mi­schen Damen kei­nen Alko­hol gewöhnt sei­en. West wur­de schließ­lich nach 37 Tagen Haft auf frei­en Fuß gesetzt. Bei der Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens am 3. Janu­ar 2012 wur­de ein wei­te­rer Ankla­ge­punkt erho­ben: Eine Frau behaup­te­te, West habe sie mit der Faust geboxt. Wie auch immer der Fall ent­schie­den wird, das Exem­pel ist bereits jetzt wir­kungs­voll sta­tu­iert worden.

Per Emma West wur­de der Öffent­lich­keit nicht nur kom­mu­ni­ziert, daß die von ihr geäu­ßer­ten Ansich­ten »krank­haft« und »böse« sei­en, son­dern auch ille­gal, ins­be­son­de­re wohl die Vor­stel­lung, als Auto­chtho­ner ein Vor­recht im eige­nen Land zu haben. Der herr­schen­den Klas­se kommt es gewiß nicht unge­le­gen, wenn sol­cher­ma­ßen Men­schen mund­tot gemacht wer­den, die es noch wagen, auf­zu­schrei­en: »My Bri­tain is fuck-all now.« – Das aus­schlag­ge­ben­de schmut­zi­ge Wort war aber nicht »fuck«, son­dern »my Britain«.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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