Emotionspädagogik – eine Wochenschau

Richard David Precht will die Revolution, die des Schulsystems. Die aktuelle ZEIT räumt dem Boulevard-Philosophen dafür drei große Seiten ein.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Precht, der Mann mit dem zar­ten Gesicht, der sich mal drü­ber beklag­te, daß die Deut­schen Schön­heit und Intel­lekt so schwer zusam­men­den­ken kön­nen, ver­kauft sich wahn­sin­nig gut, Träu­me von päd­ago­gi­schen Revo­lu­tio­nen ebenfalls.

Prechts neu­es Buch hat auch einen traum­haft schö­nen Titel: Anna, die Schu­le und der lie­be Gott. Aus Vor­ab­druck und Inter­view erfah­ren wir sei­ne „zehn Prin­zi­pi­en für eine Bil­dungs­re­form“; alles schon dage­we­sen. Kin­der sol­len „nicht mit schlech­tem Unter­richt trak­tiert“ wer­den, Kin­der sol­len spie­le­risch und vor allem „indi­vi­du­ell“ ler­nen („es gibt mitt­ler­wei­le so span­nen­de Lern­pro­gram­me“), sie sol­len in „nach­voll­zieh­ba­ren“ „Pro­jek­ten“ ler­nen, „zum Bei­spiel zum The­ma Klimawandel“.

Noten sol­len abge­schafft, der Leh­rer zum Lern­coach wer­den, Deutsch müs­se ab der sechs­ten oder sieb­ten Klas­se nicht mehr als Fach ange­bo­ten wer­den. Die Coa­ches soll­ten alle vier Jah­re ein „halb­jäh­ri­ges Sab­batcial“ ein­le­gen, „damit sie neue Erfah­run­gen machen, etwa bei den Urein­woh­nern in Australien.“

Mit dem ers­ten Lebens­jahr sol­len Krip­pen flä­chen­de­ckend ange­bo­ten wer­den, ab dem 2. Geburts­tag ver­pflich­tend. „Ein Kind von der öffent­li­chen Gesell­schaft fern­zu­hal­ten, in der es spä­ter leben muß, scha­det sowohl dem Kind als auch der Gemein­schaft.“ Sol­che Sachen wünscht sich Herr Precht, und man hat der­glei­chen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wahr­lich schon häu­fig gele­sen. Auf­re­gung dar­über?, ach wo.

Am Anfang mei­ner Lauf­bahn als Schul­kind­mut­ter zähl­te ich mich noch zu den enga­gier­ten Eltern. Beob­ach­te­te die Lehr­plan­än­de­run­gen bei Regie­rungs­wech­seln, sprach bei Leh­rern vor, um sol­che Fra­gen zu klä­ren: Wie denn genau, mit wel­chen Mate­ria­li­en, Inhal­ten und Ziel­set­zun­gen, in der Grund­schu­le der Sexu­al­auf­klä­rungs­un­ter­richt von­stat­ten gehe? Wes­halb so vehe­ment „Schul­milch“ pro­pa­giert wer­de, wenn es sich dabei um ste­ri­li­sier­te, über­zu­cker­te und mit künst­li­chen Geschmacks­stof­fen ange­rei­cher­te Pro­duk­te hand­le? War­um selbst die Kar­tof­feln beim Schu­les­sen nicht ohne Farb­stoff aus­kä­men? War­um aus der Quel­le im Geschichts­un­ter­richt eine wesent­li­che Pas­sa­ge her­aus­ge­kürzt wür­de? War­um a) Vor­sin­gen beno­tet wer­de und b) stets eng­lisch­spra­chi­ge Pop­lie­bes­lie­der aus den frü­hen Neun­zi­gern zur Aus­wahl stün­den? War­um der Wan­der­tag in einer fünf­stün­di­gen Bus­fahrt – Hin- und Rück­fahrt zusam­men­ge­rech­net) ‑mit drei­stün­di­gem Auf­ent­halt in einem inter­ak­ti­ven Muse­um bestehen müs­se? Was sich die Damen und Her­ren der Behör­de dabei däch­ten, Dritt­kläß­lern zur lan­des­wei­ten Lern­stands­kon­trol­le einen Text vor­zu­le­gen, in dem es dar­um geht, daß eine Schu­le ille­gal mit Gra­fit­ti ver­ziert wur­de und die Auf­ga­be sinn­ge­mäß lau­tet: Begrün­de in einem Brief an den ver­är­ger­ten Rek­tor, war­um die Gra­fit­ti-Akti­on sinn­voll war!

Ach je, war man frü­her emp­find­lich! Gera­de­zu welt­ver­bes­se­risch! Mitt­ler­wei­le bin ich gelas­se­ner. Die eige­nen Kin­der müs­sen die „Milch“ ja nicht trin­ken und die „Kar­tof­feln“ nicht essen. Sie kön­nen auch mal plötz­lich erkran­ken, wenn frag­wür­di­ge Kul­tur­trips anste­hen. Und vor allem: Sie über­ste­hen das alles, die Lek­tü­ren, die Miß­wah­len, die Lie­der. Dem Wort eines berühm­ten Soh­nes unse­rer Regi­on getreu: „Was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker.“

Nein, ich rufe nicht mehr an, wenn mir eine Auf­ga­be oder ein Aus­flug hirn­ris­sig erscheint; wir kan­zeln sol­che Din­ge mit häus­li­cher Iro­nie ab. Heim­lich brodelt´s manch­mal doch, und zwar dann, wenn es um Gefühls­päd­ago­gik geht, ein extrem mani­pu­la­ti­ves Bil­dungs­in­stru­ment. Bei­spie­le aus der ver­gan­ge­nen Woche, nach Klas­sen aufsteigend:

- In der Grund­schu­le ist „Kin­der die­ser Welt“ Jah­res­mot­to. Es geht um uni­ver­sel­le Kin­der­rech­te, die aus­wen­dig gelernt wer­den müs­sen. Jedes Kind hat ein Recht auf einen Namen, auf eine lie­be­vol­le Umar­mung, auf Frie­den etc.
Die soge­nann­ten Kids müs­sen Blät­ter aus­fül­len: Kreu­ze an, wel­che Gefüh­le Du mit dem Wort Zuhau­se ver­bin­dest: Gebor­gen­heit? Unter­drü­ckung? Zwang? Lie­be? Oder: „ Hast Du eine Idee, wie man den Kin­dern die­ser Welt zu mehr Rech­ten ver­hel­fen könn­te?“ Mein Sohn hat die­se Arbeits­blät­ter in der Schu­le aus­ge­füllt. Drei Zei­len waren für die Ant­wort frei, er hat nur ein Wort geschrie­ben „Nein.“ Punktabzug?

- Unse­re Fünft­kläß­le­rin hat eine her­vor­ra­gen­de und klu­ge Deutsch­leh­re­rin, ein sehr pas­sa­bles Deutsch­buch (olden­bourg) und der­zeit das The­ma „Fremd sein – Anders sein“. Gele­sen wird ein Aus­schnitt aus dem Jugend­buch Milch­kaf­fe und Streu­sel­ku­chen. Kur­z­in­halt: Sam­my ist ein Skate­board-Talent und lebt im Asylantenheim.
Jugend­li­che bela­gern unter den Augen von gaf­fen­den Zuschau­ern das Haus und wer­fen eine Brand­bom­be in Sam­mys Zim­mer. Sam­mys Ted­dy brennt lich­ter­loh. Als auch die Decke brennt, zieht Sam­my sie zum Fens­ter und wirft sie hin­aus. Das macht die Men­schen da drau­ßen wütend, und mit die­sem Aus­ruf endet der Buch­aus­zug: „Was fällt dir eigent­lich ein? Hier unten ste­hen doch Kinder!“
Auf­ga­be 1: Die Schü­ler sol­len sich vor­stel­len, es han­de­le sich hier­bei um eine Film­sze­ne: „Über­le­ge dir, wel­che Hin­ter­grund­mu­sik du wäh­len wür­dest. Wäh­le selbst ein Adjek­tiv: dumpf, getra­gen, hei­ter, fröh­lich, dro­hend, ein­dring­lich… ” Auf­ga­be 2: Fin­de eine Überschrift!

- Die Klas­se mei­ner elf­jäh­ri­gen Toch­ter „geht“ zum „Wan­der­tag“ ins Thea­ter, ins preis­ge­krön­te (dm-Autoren­preis) Stück Lie­be. Lie­be! Lie­be?: „Wer bin ich eigent­lich? Was ist mit mei­nem Kör­per los? Ist das, was ich da spü­re, die soge­nann­te Lie­be? Und wenn ja: was tun?“, so lau­ten die päd­ago­gisch-rhe­to­ri­schen Fra­gen auf dem Werbezettel.
Wenn Schul­klas­sen ins Thea­ter geschickt wer­den, geht es für gewöhn­lich nicht um die Ver­mitt­lung eines Stücks Hoch­kul­tur. Bloß die „Kids“ nicht ver­schre­cken! Mit ollem Zeug, mit dem man heut nicht mal ihre Eltern und Groß­el­tern vor dem Fern­se­her her­vor­lockt! Macht´s ihnen saf­tig, macht´s ihnen def­tig, holt sie vor allem da ab, wo sie ste­hen, sit­zen, lie­gen, unse­re jun­ge Gymnasiasten.
Hier nun reden „drei jun­ge Leu­te über Puber­tät, Ver­liebt sein, Sex und Lie­be. Mal betont cool, dann uner­war­tet emo­tio­nal, spie­len sie sze­nisch ver­schie­de­ne Situa­tio­nen rund um die­se The­men durch und stel­len Fra­gen, auf die einem Schu­le und Eltern die Ant­wort schul­dig blei­ben. Ein wich­ti­ges Stück für jun­ge Men­schen in unse­rer Zeit zuneh­men­der emo­tio­na­ler Verarmung.“
Das Thea­ter­stück des unge­mein sym­pa­thisch wir­ken­den Autors Tho­mas B. Hoff­mann will „Genera­tio­nen- und Geschlech­ter­gren­zen“ über­sprin­gen und dadurch „für einen viel­fach dif­fe­ren­zier­ten Blick auf das kom­ple­xe The­ma“ sor­gen. „Ein Plä­doy­er für die Lie­be in all ihrer Viel­falt. Ein wich­ti­ges Stück für jun­ge Men­schen in unse­rer Zeit zuneh­men­der emo­tio­na­ler Verarmung.“

Ja, die „emo­tio­na­le“ Erzie­hung spielt heu­te eine Haupt­rol­le im Schulbusiness!

Im Deutsch­un­ter­richt mei­ner Elf­jäh­ri­gen haben sie erst Har­ry Pot­ter gele­sen, dann den Klas­si­ker Sonst kommst du dran von Maja Ger­ber-Hess (The­ma Mobbing/Alkoholismus), den auch schon die älte­ren Geschwis­ter samt „Lese­ta­ge­buch“ hin­ter sich gebracht haben. Auf­ga­ben­bei­spie­le: „Schrei­be fol­gen­de Satz­an­fän­ge auf und ergän­ze sie: Lie­be ist… Lie­be schmeckt wie… Lie­be hört sich an wie…“ ; oder „Mei­ne Mei­nung zu Alko­hol und Drogen:“

Nun ist, aber­mals alko­hol­pro­blem­ge­tränkt Hau ab du Fla­sche dran, 47. Auf­la­ge. Lite­ra­tur im Mas­sen­gym­na­si­um! Anschlie­ßend das erwähn­te Emo-Sex-Puber­täts­stück­chen. Mei­ne Toch­ter wird vor­aus­sicht­lich die­ses Büh­nen­er­leb­nis in ihrer kul­tu­rel­len Bio­gra­phie ent­beh­ren, das Stück ist für „Men­schen ab 14 annon­ciert“, ich wer­de also guten Gewis­sens sagen kön­nen: Auf dem Niveau ist sie noch nicht.

Mit Empa­thie­trai­ning beschäf­ti­gen sich die bei­den ältes­ten Töch­ter gera­de im Fran­zö­sisch­un­ter­richt: Bei einer ging es eben um Samia, die aus Alge­ri­en stammt, eine analpha­be­ti­sche, so lie­be­vol­le wie ehr­gei­zi­ge Mut­ter hat und seit ihrer Kind­heit in Frank­reich nur igno­riert oder nie­der­ge­macht wird. Mitt­ler­wei­le ist Samia eine Kar­rie­re­frau, stellt aber trau­rig fest: Für alle ande­ren ist sie immer noch bloß „L´Arabe“.

Die ande­re Gro­ße hat gera­de im Klett-Fran­zö­sisch­buch Décou­ver­tes einen Comic über­sprun­gen: Ein far­bi­ger Mensch wird von einer Grup­pe Wei­ßer erst über­fal­len, dann bru­tal zusammengeschlagen.

Sze­nen aus dem Leben, frag­los, alles. Möch­te beto­nen: Das sind kei­ne Sam­mel­stü­cke aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren, son­dern exakt aus der letz­ten Woche. Herr Precht for­dert, der Unter­richt der Zukunft müs­se „nach­hal­ti­gen posi­ti­ven Effekt auf unse­re Psy­che“ haben. Da jeden­falls schlie­ße ich mich an.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (35)

eulenfurz

16. April 2013 09:59

Ja, das ist der realexitierende Psychoterror. Jene Ebenen der "Kids", die der Fernseher nicht erreicht, sollen von der Verwahranstalt ausgefüllt werden.

Die heutige Psychodressur ist subtiler, als die Holzhammerpropaganda der DDR-Schulen.

Nordländer

16. April 2013 10:08

"Herr Precht fordert, der Unterricht der Zukunft müsse „nachhaltigen positiven Effekt auf unsere Psyche“ haben."

Diese sogenannte "Psyche" scheint dann wohl so eine Art Plombierung für den freigewordenen Hohlraum zu sein, wo dereinst mal Seele, Instinkt und Gemüt ihre natürliche Heimat hatten?

Precht - den ich an Safranskis oder Sloterdijks Stelle noch nicht einmal als Balljungen beim Tennis einstellte - verliest doch nur das BERTELSMANN-OECD-Einheitsformat. In einer Endlosschleife die Wiederaufbereitung des streng-riechenden Miefes der tiefsten siebziger Jahre. Sicherlich immer mal wieder mit neuen schmucken Etikettchen verklebt, damit es nicht gar so sehr auffällt. Die kulturrevolutionären Lehren von anno 70/71 wiederum ein Neuaufguß des anscheinend unkaputtbaren "Emile" eines gewissen Rousseaus.

Was sollen "die Märkte" denn mit überkommenen verkrusteten Strukturen? Um diese zu zerschlagen, kommt der systemkonforme kritische Querdenker gerade recht, für seine Handlangerdienste winkt oft nicht einmal das schlechteste Salär.

Die ZEIT (Herausgeber Josef Joffe und Helmut Schmidt) ist sehr stark mit den Bilderbergern vernetzt, Schmidt ist auch gerngesehener Gast bei Warburgs Atlantikbrücke.

Sämtliche "spannenden" Bildungsexperten und Bildungsexpertinnen ausfliegen auf Steuerzahlerkosten in die Karibik, Unterbringung bis an das Lebensende in komfortablen Hotels.

"Das, was wir auf der Spitze des Eisbergs erleben, ist doch nur die Spitze."
"Wenn das so weiter geht, haben wir alle nur noch die Ellenbogen als das Hauptinstrument im Kopf."
(BERTELSMANN-Stiftung "Schule braucht Gesellschaft, Gesellschaft braucht Schule.")
Sehr schön formuliert, Frau Prof. Süßmuth. Besser kann man es nicht ausdrücken.

Und in der Karibik dann vor Ort ein wohltuendes Beschäftigungsprogramm. "Mensch-Ärgere-dich-nicht"-Runden, Ping-Pong-Turniere und ganz viel Bewegung an gesunder frischer Luft.

Das wäre eine sinnvolle Milliardeninvestition, "kids" könnten wieder in Kinder zurückverwandelt, an den Schulen könnten wieder die Fertigkeiten des Rechnens, Lesens und Schreibens eingeübt werden.

KW

16. April 2013 10:36

Dazu kann ich meine Erlebisse gestern mit meiner 12 jährigen Enkelin beisteuern: Eine Kopie "Kinder helfen Kindern" (Bosnien) Vorstellungen der Kinder womit man helfen sollte. Blick ins Geschichtsbuch, im Moment ist das unverfängliche Römische Reich, aber hinten steht das Ungeheuer, Hitler. Am WE hatten wir ein Treffen, dort erzählte mir eine Mitstreiterin, ihre Nichte hatte in Klasse 12 in der Arbeit geschrieben, daß die Reparationen an die USA erst 2010 geendet hatten. Sie bekam dafür Punktabzug. Das ließ das Mädchen nicht auf sich sitzen und deckte ihre Lehrerin mit ihren Funden ein, und sie erhielt die Punkte zurück. Das Problem ist, daß da schon die 3. umerzogene Generation als Lehrer am Wirken ist und die nächste Generation verblödet. Als ich noch Geschichte unterrichtet habe, habe ich den Siegerquatsch auch noch geglaubt.

Skye

16. April 2013 12:03

Bereits seit einiger Zeit lese ich auf diesen Seiten mit und möchte mich zu diesem Thema jetzt einmal zu Wort melden, da es die Problematik tangiert, welche mir und meiner Familie hauptsächlich im letzten Jahr die Augen über diesen Staat geöffnet hat.
Wie ich erfahren musste, wird den Kindern spätestens in der 8. Klasse in der Schule vermittelt, dass es „ganz toll“ ist, wenn man mit 14-15 Jahren von zu Hause auszieht und übers Jugendamt ins "betreute Wohnen" kommt. Meine Tochter hat das mit 15 durchgezogen. Ich habe jetzt keine Tochter mehr. Die tatsächlichen Verhältnisse im Elternhaus spielen dabei überhaupt keine Rolle. Niemand ist ernsthaft daran interessiert zu überprüfen, ob da nicht vielleicht nur die Pubertät zugeschlagen hat, so wie in unserem Falle.
Mir ist schmerzhaft klargeworden, dass ein gesetzestreuer, steuerzahlender Bürger in diesem Land keinerlei Rechte besitzt.
Hier hat die Sozial-und Helferindustrie voll zugeschlagen und sich mal wieder ihr Einkommen gesichert.
Ich erzähle hier bestimmt niemandem etwas Neues, aber der sozial-industrielle Komplex leistet einen wesentlichen Beitrag zur Schieflage in unserem Land. Je mehr Prekariat sie sich schaffen, umso mehr Steuergelder können sie abgreifen. Dafür eigenen sich Migranten besonders gut. Deshalb müssen das auch immer mehr werden.
Und die Schule bereitet den Boden.

Unke

16. April 2013 12:44

Das ist ja ein einziger Alptraum.
Aber bewusst initiiert und gesteuert.
War aber schon immer so: staatlicher Schulzwang und staatliche Zwangsschulen dienten schon seit jeher der VERDUMMUNG der Bevölkerung (populace). Um das Ständesystem bzw. den status quo nicht zu gefährden. Um Nutzvieh zur Verfügung zu haben.
Das Problem ist: wenn's die eigenen Eltern nicht bemerken und entsprechende Vorkehrungen treffen kommt aus dieser (bald ganztätigen!) Rotlichtbestrahlung nicht unbeschädigt wieder heraus. Und muss sein Leben hier mit Kommentaren auf SiN fristen ;-)
Vertanes Leben.

Rumpelstilzchen

16. April 2013 13:23

Der schöne Richard soll weiterträumen und die ZEIT-Auflage in den Keller treiben.
Meine Kinder sind Gott sei Dank schon durch die Schule und meine Erfahrung ist:
90 Prozent der Eltern wollen, dass ihr Kind was Anständiges lernt, d.h. sie wollen Lehrer, die fordern und ihrem Kind was beibringen.
Sie wollen keine Emotionspädagogik oder Kuschelecken in der Grundschule.
Das ist heute der von Eltern gewünschte "heimliche Lehrplan".
Die Eltern meckern zwar hintenrum, trauen sich aber nicht, Lehrer zu kritisieren, die es sich mit Kuschelpädagogik bequem machen.
Rektoren wissen durchaus um die Unzulänglichkeiten einer solchen Pädagogik. Nach einer Kritik meinerseits an einer Emotionalpädagogin, sagte mir ein Rektor zum Trost:
"Ihr Kind wird das ohne Schaden überstehen."
Kinder, die ungefiltert solchen Pädagogen ausgesetzt sind und zuhause kein Korrektiv haben, sind zu bedauern. Da bleiben sicher auch einige auf der Strecke, die sonst eine Chance hätten.
Und so wünsche ich Frau Kositza weiterhin gute Nerven und auch Humor.
Das wird schon.

Inselbauer

16. April 2013 14:44

Meine Tochter kommt diesen Herbst in eine Schule hier in Zehlendorf, die einen "fortschrittlichen" Eindruck macht; es hat sich nicht anders einrichten lassen.
Die Lehrerin habe ich schon kennen gelernt, sie hat Angst vor dem großen Mann mit dem Trachtenjanker und dem Militärhaarschnitt, der so komische Sachen sagt und noch immer keine Flagge gebastelt hat. Alle Eltern sollten eine solche Flagge basteln, mir wurde der Kosovo (!) zugeteilt.
Offen gestanden habe ich auch ein wenig Schiss vor diesen Leuten. Spätestens die dritte Frage im Gespräch geht um Ausländerfeindlichkeit, Inklusion oder Klimawandel. Frau Kositza, geben Sie mir einen Tipp, wie überlebt man so etwas, über Jahre? Und mit mehreren Kinden?!

Barbara

16. April 2013 18:05

Herzlichen Dank, Frau Kositza!
Hatte es heute am Vormittag schon gelesen, und jetzt gerade habe ich es meinen Söhnen vorgelesen - und viel mit ihnen gelacht. Das hilft meiner Meinung nach schon dagegen, wenn sie solche "Lernerlebnisse" nach Hause bringen: Auseinandernehmen und v.a. viel zusammen lachen...

Karla

16. April 2013 18:12

Aber die Eltern wollen es doch so! Zumindest finde ich bei vielen von diesen Büchern keine öffentlich Kritik, zu Milchkaffee und Streuselkuchen eine Rezensentin bei Amazon: „Dieses Buch hat alles an sich, was ein gutes Kinderbuch für mich ausmachen sollte - eine gute Geschichte, versteckte Moral und Spannung […]“ Die sieht in diesem Holzhammer tatsächlich nur „versteckte“ Moral – und das will sie auch noch so. Oder die überwiegend positiven Stimmen zu „Hat Pia einen Pipimax?“, ein Genderkrambuch für Kindergartenkinder („Witzige Illustrationen und eine kluge Geschichte über den "kleinen" Unterschied erhärten bei meiner Tochter (4) den Verdacht, dass Jungs wie Paul sowieso nur Angeber sind, die denken, sie hätten mehr (mit Pipimax) als die Mädchen (ohne Pipimax). Aber siehe da, sogar Jungs sind lernfähig :-)“)

Und noch ein wenig artverwandter Nachtrag zu Erziehung in Schulen. Ich bin ja nun kein Christin wie Frau Kuby, und keine Ewiggestrige naturbelassene Traditionalistin wie Frau Kositza ;-), und dachte mir deswegen nichts weiter dabei, als es hieß, heute finde wieder ein »Projekt« in der Schule des neunjährigen Kindes statt. Bisher kannte ich »Projekt« nur als Umschreibung für einen verlorenen Schultag, künftig werde ich genauer fragen. Das Projekt wurde von einem Verein, der nach Eigenbeschreibung »geschlechtersensibel« lehrt, durchgeführt: zur Aufklärung. Das Kind kam heulend nach Hause, schluchzte, wie eklig alles sei und daß es selber keine Kinder mehr wolle. Dafür weiß es jetzt – etwas Material wurde mitgegeben – wann die Scheide feucht und der Penis usw., wie alles detailliert aussieht und wie man verhütet. Wir sind, wie gesagt, ein ziemlich normaler Haushalt mit Fernsehgerät, vielen der Neugierde verfügbaren Büchern und bisher ganz gut mit der Einstellung zurechtgekommen, daß Kinder schon das herauspicken, womit sie zurechtkommen und den Rest ausblenden.
Ich frage mich, was das für Leute sind, die solche Propaganda, wie im Artikel beschrieben, schreiben (vermutlich solche Charaktere, die für jede Gesellschaft Propaganda schreiben würden) und vor allem, was für Leute deutlich vor-pubertären Kindern Details über Sex erzählen. Jeder, der das in der Straßenbahn machen würde, würde zu Recht Ärger bekommen – und andere werden dazu in Schulen eingeladen und bekommen Geld dafür?

Waldgänger

16. April 2013 18:52

Liebe Frau Kositza,

ich kann Ihre Stimmung und Ihren Ärger ein gutes Stück nachempfinden. Allerdings weiß ich aus eigener Praxis, dass längst nicht alle Lehrer diesen Unsinn mitmachen. Der wird zwar von oben propagiert und auch von didaktischen Laien wie Precht nachgeplappert, aber es gibt reichlich Kollegen, die sich dazu ihren Teil denken und ganz normalen guten Unterricht machen.
Das macht Herr Weißmann so, Herr Bosselmann hat es getan und ich kenne viele, die es ebenso machen.

Zum Glück.
Sonst zeigten unsere Tests ja noch schlechtere Ergebnisse.
Die Bildung wird im Prinzip von jenen "gerettet", nein verteidigt, die als Lehrer selber denken und selber entscheiden.
Diese Bücher kenne ich! Ich nehme sie einfach nicht.

Nach meiner Erfahrung tun sich allerdings Lehrkräfte, die in der ehem. DDR aufgewachsen sind, leider etwas schwerer damit, auch mal Anweisungen und Empfehlungen von oben zu ignorieren ... Es mag auch an einer strengeren und an stärker an Formalien orientierten Schulaufsicht liegen.
Das könnte in Ihrem Fall manches erklären.

PB

16. April 2013 19:50

Statt für die ZEIT zu schreiben, hätte Precht besser im aktuellen SPIEGEL lesen sollen. Methodische Erfolgsfaktoren für die schulische Bildung und den Rest des Lebens sind demnach ungefähr das Gegenteil dessen, was Precht (und andere vor ihm) uns weis machen wollen.

Ann Newton

16. April 2013 21:09

@ Skye
Ich kann Ihnen von meinem beruflichen Umfeld, das aus Sozialpädagogen und Erziehern besteht das genaue Gegenteil berichten. Die meisten brennen durch die Arbeit am migrantischen Klientel schnell aus. Zweifeln sogar komplett an Ihrer Berufswahl.In den Teams traut man sich das erst kaum zu sagen, viele äußern ihr Unbehagen mit der Einleitung: "Ich bin ja nicht ausländerfeindlich/islamfeindlich, aber...". Hier gibt es sicherlich nicht den Wunsch nach noch mehr Menschen, die derartige Probleme bereiten und sehr selten zu schätzen wissen, dass man sie unterstützt.

Ellen Kositza

16. April 2013 21:42

Inselbauer, wie man „das überlebt“ ist natürlich die Dauerfrage schlechthin…

Großstadtschulen und Großstadtmiteltern sind ja aus völlig anderem Holz geschnitzt als Dorfschulen mit im Schnitt provinzielle Miteltern. Großstädtische Gefilde werfen ganz andere Probleme auf; ich kann mir kaum vorstellen, mittenmang zu wohnen, erst recht dann nicht, wenn (wie bei uns der Fall) der Eltername nicht grad auf Michael Schmidt lautet und präzise googlebar ist.

Am einfachsten haben es die Kinder ja, wenn sie unauffällig sind, massenkompatibel qua Benehmen, Kleidung etc. Danach kann man sich ja als Erziehungsberechtigter richten. Kleider- und Meinungsmoden schön einhalten usw., warum nicht, solange der sogenannte Charakter sauber bleibt?
Bei uns hier funktioniert das nicht, das ist eine Temperamentsfrage. Man stößt immer ein bißchen an, die Kinder habens geerbt, teils notgedrungen, die haben ihren Ruf https://www.youtube.com/watch?v=U4pVtEAbBes (leider nur diese musikalisch lahme Version gefunden), den sie teils furios verteidigen, an dem sie jedenfalls wachsen werden. Sie kennen doch dieses englische Märchen von dem Wolf und den drei Schweinchen? Das Haus des einen Schweins ist aus Stroh, das macht der Bösewicht nieder, ebenfalls das aus Holz. Im steinernen Haus finden dann alle drei dauerhafte Zuflucht, es ist aus Stein gebaut. Solide Fundamente, das ist es, dann darf man auch mal aus dem Fenster raus dem Blödmann da draußen die lange Nase drehen.

Kiki

16. April 2013 22:05

@Inselbauer
Als mehrfache Mutter schulpflichtiger Kinder erlaube ich mir, Ihnen kluge Sabotage zu empfehlen - natürlich immer nur unter dem Vorwand der guten wie wichtigen Sache: trüge man beispielsweise mir das Basteln einer Fahne von Zigeunerstaaten an, würde ich diesen bastelbefehl ignorieren und meine leeren Hände mit Zeit-und Termindruck ("Es tut mir aufrichtig leid. daß ich nichts basteln konnte, aber ich habe eine 70 Stunden Wochen, zwei schwere Pflegefälle in der Familie, meine Frau/Kinder/Haustiere sind letzte Woche krank geworden usw"). WelcheS LehrerIn will dagegen etwas einwenden?

Mit passiven Widerstand begehen Sie keine Ordnungswidrigkeit, sanktioniert wird so etwas auch (noch) nicht. Zwar rückt man sich und die Seinen in das Licht des Verweigerers und Nichtvereinnahmbaren, aber das sollte einem allein schon die eigene Würde und das Vorbild, das man seinen Kindern geben soll, wert sein.

Dieser ganze ideologische Schwachsinn in der Öffentlichkeit funktioniert ja deswegen so reibungslos, weil die Meisten wider besseren Wissen und trotz Bauchschmerzen brav über jedes noch so alberne Stöckchen springen.

Und erfahrungsgemäß macht man sich auch längst nicht soooo unbeliebt bei allen; als ich aus der uns Eltern ungefragt aufgenötigten Aktion "Laufen für Uganda (oder irgendsoetwas bescheuertes) an unserer Grundschule ausscherte indem ich die zusammengelaufenen Runden meines Kindes zu spenden "vergaß", guckten einige Mütter erst erstaunt. doch nach meiner Erklärung, daß derartige von oben verhängten Veranstaltungen ziemlich nach DDR riechen und daß ich eigentlich gefragt werden möchte, ob und für welchen Zweck ich etwas spenden möchte, nickten alle heftig.

Mit der Schule ist es wie im übrigen Leben - es ist ein entscheidender Schritt in die Freiheit, wenn man nicht mehr den Anspruch hat, unbedingt und immer von ausnahmslos allen geliebt zu werden.

Mann

16. April 2013 22:09

Umso besser, wenn Prechtl solchen Unsinn in der ZEIT schreibt. Damit enthüllt er bei den Bildungsbürgern, die ja doch auch Sorge um die Bildung ihrer Kinder haben, den zerstörerischen ("linksliberalen") Zweck dieser Zeitung.
"Stellt die Schule auf den Kopf". Na, na, wir sind doch nicht anno 1968, denken sich da dann doch einige Abonnenten.

Ester

16. April 2013 23:13

Ja so isses, und es wird von Jahr zu Jahr durchgeknallter.
Wer sich das Material für den Sexualkundeuntrricht anschauen möchte gugge hier www.loveline.de (ist die Seite des Bundesminsteriums für gesundheitliche Aufklärung).
Aktuell haben alle Schulen Schulsozialarbeiter, die mit allen neckige Spielchen machen und um sie Problemfälle einen Bogen.
Mädchen werden überall gefördert und bevorzugt wie blöd und Eltern sind per se blöd und unfähig, deshalb braucht es ja auch die Ganztagesschule und so.
Geht das allerdings schief und drehen die lieben Kleinen am Rad, dann sind die Eltern natürlich wieder schuld.

Was zu tun ist? Hängt vom Kind ab!
Ich habe z.B bei einem Kind mal auf den "Welches Essen wollen Sie für ihr Kind während des Schullandheim? Ohne Schweinfleisch, Vegetarisch? geschrieben "Ich hätte gerne, da wir römisch katholisch sind, dass mein Kind am Freitag Vegetarisches Essen erhält, sonst aber normal"
Daruf rief die Lehrerin an und fragte ob ich noch ganz gebacken sei. (Wir kennen uns schon lange) Ich verwies auf den Katechismus und die Extrawurstbraterei für Moslems.

Im übrigen vertrau ich darauf, dass Schüler die Lehrer und das was sie verbraten so finden wie Schüler Lehrer meist finden, nämlich doof und so es zur Umkehr kommt.

antihunkebunk

17. April 2013 00:08

Wahrscheinlich schwer ins Nachdenken kamen meine Schüler ('s war'n Mädels dabei, huch!), als ich noch nicht im Ruhestand war und (zum 9. September 2001) gefragt wurde (Schüler waren und sind NIE böse, weithin nur irregeleitet), ob auch ich an der Menschenkette (d.i. "Projekt") zwischen Osnabrück und Münster (vgl. 1648) zugunsten der in Neuyork umgekommenen ca. 3000 - vorwiegend abendländisch sozialisierten Opfer - teilnehmen wolle --- .

Ich antwortete mit einem klaren Nein und erläuterte auf sofortige (indignierte) Nachfrage: "Da ich zuvor bei ungefähr einer Million Toten in Uganda nicht demonstrierte, käme ich mir bei dieser relativ geringen Zahl zu sehr als Heuchler vor."

Coram publico getan, hatte diese Äußerung dennoch keine direkte Folge; ich habe aber an der skeptischen bis ablehnenden Haltung des Kollegiums bis zum Ruhestandseintritt das Lauffeuer ahnen können.
Aber ich war ja auch schon alt . . .

Stil-Blüte

17. April 2013 02:45

Wer, wie Prechtl im Titel seines populärsten Buches 'Wer bin ich - und wenn ja, wieviele?' gleich zwei Fehler macht (korrekt wäre:' Bin ich? - und wenn ja, wieviel mal?' Oder 'Wer bin ich - und wenn Prechtl, wer noch', sollte sich über seine nicht unsympathischen Ungereimtheiten nicht wundern. Zur 'Kuschelpädagogik', nicht nur unserer Kinder, sondern der ganzen Gesellschaft ('ligth' als Infiltration/Virus der sog. Reeducation), lässt sich trefflich Goethe zitieren:

'Ich halt' es für wahr, daß die Humanität endlich siegen wird; nur fürcht' ich, daß zu gleicher Zeit die Welt ein großes Hospital und einer des anderen humaner Krankenwärter sein wird.'

Dieser Pathologisierung, Infantilisierung, dieser Betreuungsmentalität ist mehr standzuhalten als der Ideologisierung, die das kindliche Gemüt wie ein Märchen ergreift, aber nicht verdirbt. Auch denke ich, liebe Ellen Kositza, daß es vergebliche Liebesmüh' ist, sich in der Schule als Eltern mehr als nötig, 'einzubringen'. Schule - das Revier von Lehrer und Schüler; das Zuhause - das Revier von Eltern und Kinder. Ich habe dem Drang bewußt widerstanden, mich in der Schule 'einzumischen'.

Wenn es ernst wird, wenn es an die Substanz, die Seele geht: Der Sexualisierung des Kindlichen (von dem Epochenentwurf Aufklärung ist lediglich die sexuelle Aufklärung übriggeblieben), ist zu wehren, denn die dringt ein, beschmutzt das Kind, während sich die Ideologie nur wie eine Schale drüberstülpt, die jedes gesunde Kind wie eine Eischale aufpickt. Ich habe in meinem Leben ein halbes Dutzend unterschiedliche Schulsysteme mittel- und unmittelbar, als Kind - was in der späteren Beurteilung für mich die höchste Ausagekraft hat - bei den eigenen Kindern, Enkeln in Ost (DDR) und West (BRD), in Nord (Schweden) und Süd (Spanien) leben, erleben, begleiten, aufmerksam beobachten können.
Das bestmögliche - Sie werden es nicht glauben - war das in der früheren DDR. Nicht, weil sie die Pädagogik erfunden hat, sondern, weil sich dort durch alle Zeiten seit Antike, die Klöster, über die Schulpflicht (Preußen, Weimarer Republik, 3. Reich, DDR ) ein Wesentliches hinübergerettet hatte, das im Westen durch die Politisierung und die antiautäre Erziehung der 68er der Verdrehung der Rolle von Meister-Schüler (nicht strenger, aber gerechter Lehrer, sondern 'Diskurs', nicht Schulpflicht, sondern Kinderrechte) abgeschafft wurde und nach der Wende auch die DDR-Pädagogik/-Pädagogen 'zersetzte'.

Was bleibt nach noch so zweifelhaftem Schulbesuch: Stört man ein Kind nicht, sich mit Eifer, Begeisterung und/oder Konzentration einer Sache, einer Aufgaben, einem Stoff zu widmen, wird es den schnöden Inhalt vergessen, sich aber diese Hingabe bewahren und davon ein Leben lang profitieren. Schauen wir nicht nach Finnland, Bayern. Schauen wir nach Asien - wo der Zauberspruch 'Üben macht den Meister', selbstverständlich ist und Freude bereitet.

Skye

17. April 2013 08:14

@Ann Newton
Die Sozialarbeiter direkt vor Ort habe ich auch nicht so sehr gemeint. Aus meinen Erfahrungen heraus gibt es da tatsächlich einige wenige, die engagiert arbeiten. Allerdings können sie nichts ausrichten. Schlimm sind die Scheibtischtäter, die sich am Geschäft mit unseren Kindern eine goldene Nase verdienen. Ich wünsche niemandem, diesen Horror am eigenen Leibe erfahren zu müssen, aber es kann mittlerweile jeden treffen.

Nordländer

17. April 2013 09:01

@ Stil-Blüte

‚Ich halt‘ es für wahr, daß die Humanität endlich siegen wird; nur fürcht‘ ich, daß zu gleicher Zeit die Welt ein großes Hospital und einer des anderen humaner Krankenwärter sein wird.‘

Großartig, da haben wir ihn ja wieder, den "letzten Menschen" (Nietsche).
Darf ich Sie um die genaue Quellenangabe bitten?

"Dieser Pathologisierung, Infantilisierung, dieser Betreuungsmentalität ist mehr standzuhalten ..."

Aus dem Betreuten Denken all der zivilcouragierten Ganztagsschulen der Republik schließlich entlassen, werden die Möntschen auch in fortgeschrittenem Alter "abgeholt", allerlei BUNTES(TM), allerlei Vielfalt beschert man ihnen.

"... von dem Epochenentwurf Aufklärung ist lediglich die sexuelle Aufklärung übriggeblieben ..."

Warum eine so zentrale Aussage - unter womöglich gar zu viel understatement? - zwischen Klammern nahezu verbergen?
Dick unterstrichen sei Ihr Wort und diesem zugestimmt:

https://www.youtube.com/watch?v=ATtmAUWWH2Y

Emigrant

17. April 2013 09:22

@Inselbauer
Ich würde den Spiess umdrehen. Sag der Pädagogin, dass Du als Internationalist es unerträglich findest, eine Fahne eines Landes basteln zu müssen. Wirf ihr vor, in welch einer altmodischen Gedankenwelt sie lebt. Für dich käme nur die UNO Fahne in Frage. Maximal wäre die EU Fahne noch angebracht für dich. Aber das sind ja nur zwei Fahnen und da finden sich sicher andere Eltern, die da gerne basteln würden und mehr zeit haben, als du. Erkläre dann deine Kindern die Ironie als Überlebensstrategie.

Martin Lichtmesz

17. April 2013 09:51

Hätte man mich zu Schulzeiten mit "Emotionspädagogik" und Zuckerduschen in diesem Stil behelligt, ich hätte mindestens mit einem Columbine-Massaker geantwortet...

kommentar kubitschek:
das ist bloß eine metapher, bloß eine metapher!

Nordländer

17. April 2013 10:19

@ Martin Lichtmesz

"... ich hätte mindestens mit einem Columbine-Massaker geantwortet…"

Wenn Ihr Chef, Herr Lichtmesz, so einen elitären Begriff wie "Metapher" verwendet, dann wird das der Staatssicherheitsdienst des BUNTEN Regimes sicherlich nicht übersetzen können.

Bedanke mich bei Ihnen noch sehr, sehr herzlich für alle Ihre feinen, kostbaren schriftlichen Ausführungen, es wird eine Lücke entstehen auf der "sezession" die kein anderer wird ausfüllen können.

Machen Sie es gut!

Inselbauer

17. April 2013 11:08

Recht herzlichen Dank an die Damen! Ich werde es in einer solchen Weise machen, möglichst unauffällig, zumal ich aus meiner österreichischen Vergangenheit über Restbestände eines gewissen Kellner-Charmes verfüge, der bei kurzen Gesprächen mit Frauen aus dem Spree-Becken das Schlimmste verhindern kann. Leider sind Pädagoginnen zumindest in politischer Hinsicht selten auf den Kopf gefallen, und der Spaß endet recht bald.
Die Verfassungsschützer, die die Sezession jetzt als regelmäßige Leser gewonnen hat, sollte man vielleicht wirklich als neue Zielgruppe ernst nehmen. Ich würde mich als Emotions-Pädagoge zur Verfügung stellen und diese Leser zeitweilig in einen Rausch der Toleranz gegenüber unsereinem hineinziehen. Warum nicht auch die Kameraden über Sex aufklären? Es müssen ja nicht immer politisch unkorrekte Metaphern sein.

Luise Werner

17. April 2013 11:25

Wer, wie ich, in der DDR zur Schule gegangen ist, hat zwar vernünftig Lesen, Schreiben, Rechnen und noch vieles mehr gelernt, aber die Indoktrination und der "Gesinnungsdruck" waren doch erheblich; Widerrede durch Eltern oder Schüler gab's seltenst weil unterdrückt. Ich will nicht behaupten, diesen Laden unbeschadet überstanden zu haben, aber kaputt hat er mich auch nicht bekommen. Was will ich damit sagen? Kinder, ob damals oder heute, kommen nicht schlechter als alle anderen mit Propaganda zurecht. Sie ist zumindest, so glaube ich, nicht der Grund, für das Seichte und Angepasste der heutigen Jugendlichen. Wie soll auch ein Aufbegehren gegen Erwachsene aussehen, die in ihrer Indifferenz und Wankelmütigkeit unübertroffen sind; die Wechselwähler, die Konfessionsungebundenen, die Lebensabschnittsgefährten, die Sich-neu-Erfinder ...

ene

17. April 2013 12:46

@ Inselbauer

In der Nähe (Zehelndorf) gibt es doch auch die Luisenstiftung - geht es da auch so zu ?

Ich bin nicht in der DDR zu Schule gegangen , sondern in West-Berlin. Im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts.

Lektüre im Fach Deutsch: Schiller (Räuber, Kabale und Liebe), Hebbel (Maria Magdalena), Goethe (Faust I - für besonders Interessierte private Einladung des Deutschlehrers: Auszüge aus "Faust II" (Schallplatte) zu einem Glas Rotwein), Gedichte von Rilke, Brecht usw.
Lektüre im Fach Englisch: Hemingway(short stories) O'Neill (Mourning becomes Elektra), Miller (Death of A Salesman).
Französich: Molière (Le misanthrope), Voltaire (Candide), Zola (Germinal, Auszüge, da sehr umfangreich).

Es handelte sich um ein normales Gymnasium mit neusprachlichem Schwerpunkt, keine "Elite"-Schule oder sonst dergleichen!

Theosebeios

17. April 2013 14:00

Inselbauer
Mittwoch, 17. April 2013, 11:08 (URL) | Kurz-URL

" ... Die Verfassungsschützer, die die Sezession jetzt als regelmäßige Leser gewonnen hat, sollte man vielleicht wirklich als neue Zielgruppe ernst nehmen."

Im Prinzip schon, INSELBAUER, nach der letzten Kopfnuss haben die aber keine Zeit mehr für "Sezession" und müssen ganze Jahrgänge von Biker-Zeitschriften (nicht lesen, sondern) studieren. Scheissjob.

Franz Schmidt

17. April 2013 18:43

Wenn man die Verhaltensweisen und Ratschläge hier liest, glaubt man, das wären Antworten auf die Frage: Wie überlebt man einen totalitären Staat?

Weltversteher

17. April 2013 19:45

Leute, ihr müßt bitte bedenken, daß wir hier von Kindern reden. Die sind (eigentlich zum Glück) noch nicht so fertig und abgebrüht wie die Großen. Nicht nur mangels Erfahrung, die womöglich schnell aufgeholt würde, sondern durch ihren inneren Entwicklungsplan.

Unserer Kinder wegen bedaure ich daher, daß hier nur der starke Mann markiert wird, Tränen der Wut mit Ironie unterdrückt werden. Als wir zur Schule gingen, war es noch nicht so wie heute. Nützt also kein Vergleich. Und viele hier sind auch nur hilflose Luschen geworden, keine Bezwinger.
Wie schön, daß etliche ihre Kinder schon "durch" haben oder sie bereits ein Gymnasium mit edlen Pädagogen besuchen.(?) Es liegt in der Natur (der Natur), daß diese Menge von geringer Bedeutung gegenüber der kommenden ist.

Wer von denen, die hier den Schwanz einkneifen, mit Fingerüberkreuzen und "Wird schon!"-Sprüchen hofft, der Kelch möge vorübergehen, kann dafür stehen, daß seine Kinder nicht im gleichen Alter ebenso elende Mitläufer und Duckmäuser werden?
Was glaubt ihr denn, worauf diese Umerziehung abzielte, wenn nicht auf den vermeintlich ganz tief im Inneren sauber bleibenden Charakter? Was allein schon die Frühsexualisierung in ganz vielen Seelen unheilbar zerstört?
Wo ist es denn schon so, daß der Aufenthalt im Elternhaus, in der Weltanschauungsgemeinschft zeitlich jeden Tag die Schulvergiftung überwiegt? Und nicht nur in der körperlichen Anwesenheit, sondern in der seelischen Strahlkraft des menschlichen Miteinanders?

Die Wünsche dieses "Vordenkers" werden schneller wahr, als ihr schauen könnt. So wie der heutige Zustand auch nicht vom Himmel gefallen ist, sondern von den Eltern nur nicht verhindert wurde. Was tun wir dann? Auch hier sehe ich das Phänomen von Kirchweyhe: "Jeder stirbt für sich allein." Anscheinend sind Kinder im Leben der statistischen Durchschnitts-Sezessions-Leser nicht besonders präsent.

Frau Kositza als einzig Betroffene holt dankenswerter Weise die ungern gehörten Wahrheiten immer wieder hervor. Doch wir brauchen Pläne, wie wir damit umgehen können. Nein, nicht mehr umgehen, bekämpfen!

Nordländer

17. April 2013 21:49

@ Weltversteher

"Was allein schon die Frühsexualisierung in ganz vielen Seelen unheilbar zerstört?"

Im Ehrenamt erlebt: In der vierten Grundschulklasse wird ein Buch gelesen, das a) der BUNTEN(TM) Umerziehung dient, zarte Gefühle entwickeln sich zwischen einem Buben und einem Maderl mit Migräne im Hintergrund und b) von einem Verhältnis handelt, bei dem es nicht um Auf-die-Apfelbäume-Klettern oder Ping-Pong-Spielen, sondern um den Austausch von ersten Küssen geht.
Eine junge Mohammedanerin zeigt in der Lerngruppe das Buch, endloses Kichern, endjugendliche silver-agerinnen. Mitte bis Ende 60, greifen nun nach einer gewissen Zeit pädagogisch ein, erklären dieser Kichererbse, daß das, was dort stattfindet, doch alles sehr "natüüürlich" sei.

Der beste Kunde der "Märkte" ist der Pubertäre. die Masse der Pubertären bildet das lohnenswerteste Segment, wenn es gilt, ein Reklamenbombardement gewinnversprechend und optimal zu positionieren.
Eine Kindheit bis 12, 13, 14, 15 Jahren könnte zu erheblichen Umsatzrückgängen führen.
Eine Expandierung des Pubertätsfensters von etwa sieben, acht Jahren bis 65-70 Jahren könnte hier sehr förderlich sein, wenn ein Land sich unter der globalen Konkurrenz optimal aufstellen will.

Der Grundschüler der vierten Klasse indes ist entweder:
Körperlich ein Kind, noch vor dem Beginn der Geschlechtsreifung stehend oder: er befindet sich bereits in dieser Phase der Entwicklung.
Im ersten Falle ist es eine Zumutung, ein Kind mit nicht kindgerechten Themen zu belasten, eine Form des emotionalen Mißbrauchs (siehe auch Michael Winterhoff "Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden" mit einer Erklärung verschiedener Härtegrade von Beziehungsstörungen), im zweiten Falle ist es zudem eine unerhörte Übergriffigkeit und Mißachtung der spezifischen Schamschwelle, die sich bei Heranreifenden in dieser Phase üblicherweise herausbildet.

So gewagt manche Theorie und Spekulation eines gewissen Freuds aus Wien auch immer gewesen sein mag: Das Nichtvorhandensein von Scham ist das erste und sichere Anzeichen, es mit "Idiotie" (damals politisch-inkorrekte Bezeichnung nichtvorhandener kognitiver Kompetenzen) zu tun zu haben.

Stil-Blüte

17. April 2013 22:35

@ Nordländer
Quelle: Goethes Lebensweisheit, ausgewählt von Hofmüller, in: Die kleine Bücherei. Albert Langen. München. 1942.: zugegeben, ein Sammelsurium, zusammengestellt aus Werken, Gesprächen, Briefen, Zitaten aus Briefen. In Klammer stehen die Initialien IR. Ich kann Ihnen leider nur eine Sekundärquelle angeben.

@ Lichtmesz - Nordländer
Kryptisch! Gehen Sie, lieber Lichtmesz, dieser Seite verloren?

@ene
Klassik war auch in der späten DDR gefragt, das Erbe, die gemeinsame Nationalliteratur wurde proklamiert, wenngleich sie sozialistisch interpretiert und definiert wurde. Seit wann werden den Schülern literarische, philosophische Stoffe, nur noch in leicht verdaulichen Häppchen( Kopien) serviert?

Sascha

18. April 2013 17:43

Ist ja gruselig. Da kann man ja geradezu zum Ostalgiker werden. Da gab es zwar auch alle möglichen langweiligen Arbeiterschriftsteller, aber trotzdem noch ein bisschen Kultur.

Nordländer

19. April 2013 16:02

@ Stil-Blüte

"Kryptisch"

Des Schmerzes voll sein Herz, erlaubte Herr Lichtmesz sich es wohl - in gespieltem Zorne nur! - mit möntschenverachtenden Metaphern ("Massaker") nur so um sich zu werfen.

"Wenn man trotzdem lacht", so las ich es mal in einem alten Sinnspruch. Sodenn - und das als Griesegram und Melancholiker vor dem Herrn - unternahm ich den Versuch, mit einer Scherzeinlage so am Rande anzuknüpfen.
Jedoch, als jemand, der immer panisch das Weite sucht, wo frohe Gesellen und allerlei Volkes vergnügt die Schenkel sich klopfen ...

Bitten zu entschuldigen, lang möge er der "sezession" erhalten bleiben.

Einfallspinsel

20. April 2013 12:20

Frau Kositza, sie sagen, sie wurden mit den Jahren entspannter. Gesundheitlich gesehen sehr weise. Aber dieses System kocht einen weich. Vor 20 Jahren im 89 er Band klang das noch anders. Kein Vorwurf. Es sind Wege zu überlegen, wie man mit dieser geistigen Verseuchung umgehen kann und unseren Nachwuchs geistig in die Lage versetzen kann, um mit diesem Ungeist umzugehen.

jackie

24. April 2013 20:56

"So schön ist, dass es schöner nicht werden kann"
https://www.welt.de/politik/deutschland/article115526137/So-schoen-ist-dass-es-schoener-nicht-werden-kann.html

Ist das jetzt die totale Zerbröselung der Gesellschaft?
Wer versteht das noch, frage ich.

Und wer ist wieder mit von der Partie, Profamilia! Eine "Ausnahmegesellschaft".
https://www.pro-leben.de/abtr/bilder/profamilia_seminararbeit.pdf

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