Sezession
24. April 2013

Menschenkunde: Der Gärtner

Ellen Kositza / 16 Kommentare

gartenVon Details und Gewohnheiten aufs Allgemeine schließen: Manche nennen es Vorurteilsdenken, andere nennen es Menschenkenntnis, ich tendiere zu letzterem. Zeig mir, welches Auto du fährst und welche Schuhe du trägst und ich weiß eine Menge über Dich, die über diese Einzelheiten hinausgeht.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Oder: Sag mir, wie Dein Kind heißt, ob Du Süßes oder Scharfes bevorzugst, und ich ahne, welche Bücher du liest, welche Musik du hörst, ob du grün wählst, schwarz oder gar nicht.

Es ist eine Art Erfahrungswissenschaft, die ja nicht starr verfährt, sondern flexibel; dann fügt sich die Summe der Einzelheiten rasch zu einem Bild. Eine besonders ergiebige Signatur ist die der Art des Gärtnerns.

Seit ich Kinder habe, bin ich notorische Spaziergängerin, eine Beschäftigung, die unter Umständen extrem langweilig sein kann.

Deshalb sind meine favorisierten Spazierorte – man kommt weit herum, wenn man a) wohnorthalber aufs Auto angewiesen ist und b) mit den Kleinen immer Zeit überbrücken muß, während die Großen beim Musikunterricht, beim Sport oder beim Zahnarzt sind – Friedhöfe und Kleingartenanlagen. „Kinder“ und „Garten“: beides (wenigstens seit einem guten Jahrhundert) Experimentierfelder, und bekanntlich war die Schöpfung des Kindergartens international durchschlagend. Nach Friedrich Fröbel, dem wir, wenn nicht die Erfindung, so doch die Wortschöpfung verdanken, sollte das Kind im Kinder-Garten „wie eine Pflanze gepflegt und gehegt werden.“ Eine hübsche Gleichsetzung! Zeig mir, wie du gärtnerst, und ich ahne, wie du´s mit deinen Kindern hältst! Grob gerastert gibt es diese Kategorien:

verwahrlost+ der Nichtsnutz: hat zwar so eine Parzelle, tut aber nichts. Kurze Lust, dann war die Luft raus. Nicht Kraut&Rüben, sondern allenfalls einzelne, jähe Versuche. Alles ist bald zu anstrengend, Motto: das Zeug wächst einem doch eh übern Kopf. Bäume, Rüben, Kartoffeln: Die machen, was sie wollen. Ein veralgter Pool mit opulenten Maßen steht herum, auf dem Boden ganze Haufen vorjähriger Äpfel, zu faulenden Leichnamen geworden. Der Prekariatsgarten. Hat der Prekariatsgärtner Kinder, entsprechen die dem Zustand seiner Parzelle. Ein paar Knollen und Zwiebeln überwintern trotz allgemeiner Verstrüppung, die blühen dann qua Umfeld umso schöner.

ordnung+Der Möchtegern: Es gibt so schicke Gärten, grad Kleingärtnern ist wieder so was von angesagt, Kirschlorbeer, das hat man jetzt! Nee, keine öden Buchenhecken, die sehen bis in den Mai hinein so gammelig aus mit ihrem ollen Laub, wir leisten uns Buchsbaum. Wir leisten uns auch teure Geräte und Sämereien, die es nicht im Baumarkt gibt, sondern nachhaltige Ware, alte Sorten, die nicht so null-acht-fünfzehn sind. Leider ist der Kirschlorbeer erforen, alle zwanzig Pflanzen, der Buchsbaum ist vergilbt, und die guten alten Sorten erweisen sich als Sensibelchen. Was für ein Streß! Und was tun mit den Schnecken, Mäusen und anderm Ekelgetier? Lebend einsammeln, ab ins Auto und in den Wald damit? Ist es dann wirklich weg? Darf man Kartoffelkäfer in den Wald auswildern? Uff. Will ich Knecht meines Gartens sein, hab ich das verdient? Der Garten der gehobenen Mittelschicht, die sich aus emanzipatorischen Gründen dann doch lieber mit Balkongrün begnügt. Falls Kinder: Frühenglisch, Nahkampftraining für die Tochter, Kochkurs für den Buben, dann die bittere Einsicht, daß das pädagogische Konzept der je Verantwortlichen nicht wirklich ausgereift war, Abmeldung, Rückkehr zum Normalmaß, Bioladen. Das mußte mal durchrechnen, alles andere ist Selbstausbeutung, wir leben ja nicht im Mittelalter.

reihen+ Der deutsche Mustergärtner. Planquadrate, Saatreihen werden mit gespannter Schnur markiert. Gegen Wildwuchs zweierlei Feuer: Daß der eigenen Hände, die fleißig jäten und das aus dem Giftschrank. Die Satzung schreibt die 1/3-Regelung vor, je ein Drittel Blumen, Nutzpflanzen und Erholungsfläche? Gebongt, kommt den eigenen Vorstellungen akkurat entgegen. Frosthütchen aus Plaste bis zum 14. Mai, Dünger, Schneckenkorn und „Nährlösung“ zu den im Kalender eingetragenen Terminen. Gegen Schnecken: Salz, die Viecher schreien extrem leise. Was, das Kroppzeug auf dem Mist nennen Sie Thymian? Hab ich nicht angepflanzt, brauchen wir auch nicht. Ringelblumen, Liebstöckel? Unterpflügen, sonst vermehrt sich das Zeug wie Unkraut. Schön? Lecker? Na, ist wohl Geschmackssache. Der deutsche Mustergärtner hat eine beachtliche Ernte. Riesenkürbisse, Tonnen voll Tomaten, eimerweise Gurken, aus 08/15-Samenware und ein wenig gedunsen, dennoch geschmacklich um Meilen dem Supermarktschnitt voraus. „Was soll ich damit, hier, nehmen sie,“ spricht er freundlich über den Gartenzaun. Hat er Kinder, dann werden die nicht mehr gärtnern. Die rauhen Hände, die Rückenschmerzen, der Zeitaufwand! Es sind gute Bürger, diese Kinder, artig aufgezogen zwischen Planquadrat, Saatreihen, Rankhilfen. Und die Kindeskinder, deren Eltern sich „das nicht mehr antun“? Nirgends in Europa, nicht mal in Polen oder Rumänien, sind Grundnahrungsmittel im Supermarkt so günstig wie in Deutschland. Und wer braucht eigentlich noch Grundnahrungsmittel?

Das wären die Hauptgruppen. Zwischen ihnen ist geradezu endloser Platz. Zum Glück wird auch der weidlich genutzt. Der deutsche Gärtner hat´s gut im europäischen Vergleich. Zwar nicht die hübsche frühe Blüte, den Märzsalat und die Maizucchini wie im Süden, dafür im Schnitt den besseren Boden, geringe Verdorrungsgefahr.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (16)

Hesperiolus
24. April 2013 14:22

Rechtssein verortet sich wohl eigentlich als kepotoper Gegenort, als Widerspruch zur urbanen Grafitti-Moderne! Herbstlicher Stimmungsraum, pöbelausschliessender conclusus, klaustral, wabi-Charakter der Tee-Klause, bloß keine Lizenz zu Plastik, Baumarkt und fürs - horribile dictu - Grillen! Retro-ante-praelapsarischer Aufenthalt!

Steffen
24. April 2013 18:48

Ich bin soeben mit 250 Quadratmetern Kartoffeln fertig - per Hand mit dem Spaten gegraben, vergangene Woche alles geebnet und aufgelockert und heute gelegt, selbstverständlich mit Schnur. Gelegt wurden Adretta und Afra, die bestmögliche Basis für Thüringer Klöße.
Aber die eigene Verweichlichung erkennt man spätestens nach der Arbeit - dicke Blasen an beiden Händen und den ersten leichten Sonnenbrand.

jackie
25. April 2013 00:08

Unbedüngter großer Garten mit Sträuchern und unterschiedlichen Blumenrabatten erfreuen auch und die Regenwürmer in der Erde dürfen ungeteilt überleben zur Freude von Grünspecht und Amseln.

Aber Kartoffeln reizen schon. Doch was macht man, wenn es welche sind, die nicht treiben, weil man keine Ahnung hat, welche man nehmen muss. So bleibt es wohl ein Wiese mit Löwenzahn, Gänseblümchen, Wiesenschaumkraut und wilden Primeln, in die sich hin und wieder ein Maulwurf, vielleicht auch Wühlmäuse verirren, da man schliesslich die Vögel im Winter gut gefüttert hat, wovon die Mäuschen profitierten.

Wenn nur der Reiher nicht immer alle Goldfische fressen würde. Aber schliesslich kann der ja nicht in den Fischladen gehen, gell :-)

So bleibt alles beim alten, dafür wächst unterm Johannisbeerstrauch Zitronenmelisse. Aber wenn die Zeiten schlechter werden.....kommen die Kartoffeln.

Raskolnikow
25. April 2013 00:09

"We few,
we happy few ...
"

Ein Vorschlag, liebe Gärtner!

Natürlich geht es uns prächtig, denn wir sind "riskante Gärtner" (Wundervoll!). Aber zum riskanten Gärtnern gehört noch mehr, als zweieinhalb Ar Knollen zu legen. Lasst uns dem Schicksal ein Schnippchen schlagen! Wir gehen zum hortikulturellen Angriff über!

Ich sehe es vor mir, wir plündern fremde Gärten, rauben vom Obst und vom Gemüse. Schmettern Gesänge, die von Grausamkeiten künden, derart, dass der Möchtgerngärtner und sein feistes Eheweib, erfüllt von angstvollen Ahnungen, spornstreichs ihr Heil in der Flucht suchen.

Die dralle Prekariatsgärtnerin Lee-Ann "überzeugen" wir, bei uns zu bleiben, sie soll es sein, welche späterhin nicht nur den Kuchen backt. Den gehobenen Mittelschichtler gendern wir um zum Weiblein, das stets dreizehn Schritte hinter uns gehen muss. Es darf nur ein Mal unsere Gartenkriegerburg betreten, um die Bücher abzuladen, hernach wird es Wohnung im Stall nehmen, da wo 68er_Innen hingehören.

Der Kleingartenkrieg wird legendär; und sollte uns Ungemach auf unseren Raubzügen verschonen, reicht unser Mut auch für Größeres!

Wenn es dunkelt und uns der Wanst dann schier platzen möchte vor lauter Früchten, entzünden wir ein Feuerchen in der Küche, setzen uns auf die Ofenbank und lesen "Das weiße Haus", den Roman eines schwulen Dänen, mit verteilten Rollen.

Herman Bang und die schweren Weine, welche wir genießen, werden uns mit sinnlichen Träumen beschenken, die ja am Ende des Tages nicht das unbequemste Ruhekissen für marodierende Gärtner abgeben ...

Hört Ihr mich, habt Ihr die rechten Ohren, mich zu vernehmen? Der gute Gärtner hat es aufgegeben Schritt zu halten. Er verschwendet seine Zeit nicht mehr auf diese Weise. Der Gärtner kommt nie in Verlegenheit überholen zu müssen, so wird er auch nie Sieger sein wollen, so wie alle immer Sieger sein wollen. Der Garten kann einem helfen, immer schön weltfremd zu bleiben.

-------------

Gut, wieder etwas Lebendiges zu lesen nach all den toten und nicht totzukriegenden Stoffen, die Herr Lichtmesz und seine Adepten in letzter Zeit hier auszubreiten sich ergötzten. Gut!

Ich verspeise noch ein paar Täfelchen Wurzener Extra (Zartbitter) und trinke ein Glas Alraunensaft, bevor ich mich, mit "Zettels Traum", unter die Decke verkrieche.

Unanständig,

R.

Rumpelstilzchen
25. April 2013 08:56

"Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land....."

@ Hesperiolus, horrible dictu: Grillen !!!!!!!!!!!!

Ich hasse grillen !!!
Und jedes Frühjahr das erste warme Wochenende, wenn Grilldüfte ahnungsvoll das Land streifen.
Dann sehne ich mich in die Zeiten Mörikes. Und versuche mit duftenden Pflanzen gegen das Gegrille anzuduften: Wilde Johannisbeeren, zartlila Schwertlilien, würzige Nelken, Rosmarin, Geißblatt, Levkojen....
Ja, ich bin eine wilde Gärtnerin und die Erde ist mir heilig.

Raukenzieher am Ilmtal
25. April 2013 11:24

Oh Mann, dieser Raskolnikow ist ja ein ungehobelter, wirrer Klotz!
Wer in fremde Gärten einfällt wie ein Räuber, der bricht auch ins Innere des Gärtners ein, ist damit nicht mehr weit entfernt vom Vergewaltiger.
Der Garten selber aber vermag ein Leben lang zu erziehen, mit dem Gärtner zu reifen, sein Auge und Empfinden zu entwickeln. Er verlangt Geduld und Stetigkeit. Wer dazu nicht bereit ist, verfällt leichter den Baumarktverheerungen. Der Garten kann aber die Gier brechen und das rechte Verlangen beleben.

Noah
25. April 2013 14:09

Na, dazu passt dann ja auch folgende Meldung...
EU will Anbau von Obst und Gemüse in Gärten regulieren

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/23/eu-will-anbau-von-obst-und-gemuese-in-gaerten-verbieten/

Martin Böcker
25. April 2013 18:24

@Hesperiolus und Rumpelstilzchen:

Was ist denn am Grillen so schlimm?

Rumpelstilzchen
25. April 2013 20:24

@ Herr Böcker

Am Grillen ist gar nichts schlimm.
Ich weiß, dass ich eine Minderheitenmeinung vertrete und in meinem Umfeld damit anecke. Ich stehe dazu :
Grillen im Garten ist für mich eine amerikanische Unsitte, die es bis ins Saarland geschafft hat.
Einmal im Jahr Grillen langt. Oder auf der Kirmes eine Grillwurst. Wunderbar.

Mit ahnungsvollen Düften im Frühling verbinde ich altmodischerweise Blumenduft und nicht verbranntes Fleisch.
Eine Marotte sollte jeder haben, oder ?

Waldgänger aus Schwaben
25. April 2013 21:13

Erfahren im jahrelangen Kampfe gegen die gemeine Nacktschnecke ( Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris)) erzähle ich gern von meinen Erlebnissen an Front. Hört mir ja im echten Leben keiner mehr zu.

Die Spanische Wegschnecke, eine Plage mit Migrationshintergrund, wurde erstmals 1969 in Deutschen Landen nachgewiesen. Urspünglich stammt sie aus Südeuropa. Es gibt viele Ratschläge wie dieser äussert vermehrungsfreudige und gefräßige Einwanderer zu bezwingen ist - die meisten davon taugen nichts. So auch das im Artikel erwähnte Salz. Ein kurzer Regenschauer, ja der morgendliche Tau, machen verstreutes Salz unwirksam gegen den Schädling nicht jedoch gegen das eigene Gemüse.
Töten der Spanischen Wegschnecke durch direktes Bestreuen mit Salz oder Zerschneiden mit der Schere wirkt wenig gegen die Gebärfreudigkeit der Arion vulgaris und stellt eine unnötige Grausamkeit gegen diese Geschöpfe dar. Die Kadaver, der mit der Schere Getöteten locken neue Legionen an. Auch die beliebten Bierfallen töten zehn und locken hundert an. Gift müsste, um gegen die Vermehrungsfreudigkeit der Schädlinge anzukommen, in solchen Mengen verstreut werden, dass es auch im Gemüse auftaucht. Zudem tötet das Gift auch die Nützlinge im Garten, die Nacktschnecken fressen.

Was hilft:
Erstens die Auswahl des richtigen Gemüses. Zum Beispiel Gemüse ohne Migrationshintergrund wie Pastinaken oder Ackerbohnen (Dicke Bohnen). Dieses ist unser rauhes, nordisches Klima gewöhnt und kann, sobald der Boden aufgetaut ist, gesät werden. Wird es mit Folie abgedeckt , wächst es schnell und wenn die wärmebedürftige, südländische Schnecke erscheint, ist es groß und stark genug diese abzuwehren.

Wer zweitens auf migrationshintergründiges Gemüse nicht verzichten will, dem empfehle ich Schneckenzäune. Nicht billige Ware aus dem Baumarkt sondern hochwertige deutsche Wertarbeit aus dem Versandhandel, die natürlich ihren Preis hat.
Nach dem Einhegen des Beetes muss dieses einige Tage lang morgens und abends auf Schnecken abgesucht werden.
Die sich innerhalb des Zaunes in verbotener Weise aufhaltenden Nacktschnecken pflege ich, auch hier unnötige Grausamkeit vermeidend, nicht zu töten. Sie werden weit ausserhalb der Grenzen des Gartens darauf verwiesen sich und ihre zahlreichen Nachkommen zu ernähren, ohne von meiner Hände Arbeit zu leben.

Drittens rate ich einheimischen, alt eingesessenen Nützlingen, wie dem Igel oder der Weinbergschnecke, Raum zum Leben zu lassen. Die einheimische Weinbergschnecke (Helix pomatia) steht bei uns, in Österreich und in der Schweiz unter Schutz, weil sie zunehmend von der eingewanderten Nacktschnecke verdrängt wird. Sie frisst nur welke Pflanzenteile und gerne auch die Gelege der Nacktschnecken. Gift und Salz dagegen töten auch die Weinbergschnecke.

@Raskolnikow
Ich verstehe Ihre anarchische Lust. Aus allen Zwängen und Konventionen auszubrechen- tun Sie das. Aber machen Sie dabei einen weiten Bogen um Kleingärten.

Der deutsche Kleingärtner nimmt es als schicksalshaft gegeben hin, wenn sein Vermögen, seine Rente für ausländische Schulden verpfändet wird. Aber dringt jemand in sein Reich ein, wird er rabiat. In einem Blog las ich, dass einer dem reglmässig Brennholz gestohlen wurde, einige Scheite aushöhlte und mit Schwarzpulver füllte. So könnte eine trunkene Feier am Lagerfeuer mit erbeutetem Wein ein jähes Ende nehmen. Auch der Rotwein in der aufgebrochenen Gartenhütte mag beim zweiten Raubzug dann so Manches enthalten, tödlicher als Alkohol.

eulenfurz
25. April 2013 22:44

@Waldgänger aus Schwaben
Die Fälle sind aktenkundig: Da hatte einer, dem immer wieder Spirituosen aus der Gartenlaube gestohlen wurden, diese mit einer Giftmischung versetzt. Er soll wegen Mordes verurteilt worden sein.

Oder ein bekannter "Rocker", der in seinem Garten Bärenfallen gegen chronische Einbrecher aufstellte. Der kam wegen schwerer Körperverletzung dran.

Der fleißige Gärtner sollte also gegen die Raskolnikows dieser Welt nicht zwingend brachial vorgehen, sondern gewieft. Einen Einbrecher, der spurlos verschwindet, findet für gewöhnlich niemand mehr.

Raskolnikow
26. April 2013 07:26

Wir,

nehmen nur von den Unbefugten, was Ihnen ohnehin nie gehörte, ja was sie selbst raubten: den Garten und seine Freuden.

Denn was haben sie aus dem Garten gemacht? Unsere Obergärtnerin beschrieb recht treffend, wohin das alles führte. Kirschlorbeer, Thuja, Beton und Rasenkantensteine; Gift, Plaste und Pool - das soll ein Garten sein?

Wir nehmen nur von den Armen, die selbst durch das größte Geschenk der Ceres nicht reicher werden und geben es den Reichen, die nur noch immer reicher unter den Bäumen und zwischen den Rabatten wandeln.

Was ist nur aus unserem guten, alten Garten geworden? Freunde, ich bleibe dabei; wir sollten einen Krieg beginnen ...

Wir könnten übrigens zu Herrn Bosselmann fahren, der kennt sich aus mit Abflusssrohren, dann basteln wir daraus Kartoffelkanonen und holen aus Schnellroda Knollen. Dann geht es los und wir knallen all diesen stumpfsinnigen Tölpeln den "Reichskanzler" um die Ohren! Na?

Schönes Wochenende,

R.

Stil-Blüte
26. April 2013 23:33

@ Raskolnikw
Was sind Sie garstig! Der Abklatsch eines Gartens als Paradies, aus dem man jeden Tag durch Insekten, Ungeziefer, Unkraut, Nacktschnecken, Schwarzfäule vertrieben und - in den man jeden Tag wieder angelockt wird - sollte man diesen Einsatz noch zusätzlich mit Kartoffeln (auch die nicht einheimisch) beballern? Im allerletzten Plastepool, den Springbrunnen aus dem Garten-'Center' die Sehnsucht beschmunzeln, die unheilbare Sehnsucht nach Versöhnung von Wasser, Luft, Erde, Gewächsen, Getier, Mänsch. Mänsch! Die unbezähmbare Freude am Gestalten Rückenschmerzen, Mückenstiche und immer, immer wieder die Natur im Miniaturformat - meiner Minaturgröße gemäß

Na denn, ohne Gärtnerin aus Liebe ein schönes Wochenende!

P.S. Sicher wussten Sie, dass Goethe in seinem Garten einen Gartenzwerg zu stehen hatte.

Hesperiolus
27. April 2013 10:18

Warum das Grillen so schlimm ist? Allein die Zubereitung, totes Fleisch unter freiem Himmel (sub divo) auf Feuer zu bringen, ist ein gewagtes Vermessen, das sich die Alten nur unter kultischen Versicherungen (hiera) herausgenommen haben. Der Garten ist, heißt es bei Rudolf Borchardt, wie die Bühne und das Museum, wie die Bibliothek und die Kuppel des Sternenwächters, wie Orchester und Tempel und Thronsaal, eine geheiligte Umgrenzung unserer höchsten Würde, und er kommuniziert mit ihnen allen, wie sie untereinander alle allerwärts kommunizieren. Wer grillt denn da?

OG d.R.
27. April 2013 11:49

Preußisches Gärtnern wird wieder modern. Antizyklisch betrachtet ist es so günstig wie nie, jetzt damit anzufangen. In der Nähe von Großwohnsiedlungen gibt es immer schöne Schrebergärten. Besonders rechts der Elbe, wo der Typ WBS/Wohnungsbauserie 70 vorherrscht, auch noch oft in deutscher Hand, so daß man sofort Lust bekommt, sich in die Kleingärtnergemeinschaft einzureihen, um sich wie ein neuer Preuße endlich auch ein Stück weit selbst zu versorgen.

Weltversteher
27. April 2013 22:25

Na, dazu passt dann ja auch folgende Meldung…
EU will Anbau von Obst und Gemüse in Gärten regulieren

In diesem Zusammenhang fiel mir die neuliche Meldung eines Feindsenders wieder ein: Hier zum Nachlesen.

Man beachte, wie die sich am Ende dummstellen und so tun, als müßte man ernsthaft erwarten, daß der bereits vorherrschende "bedauerliche Irrtum" noch behoben würde.. Als sei nicht klar, daß dieser erneute Anlauf der andernorts bereits erkannten völligen Ausschaltung dienen soll.

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